Markus Frohn
Der menschliche Tod
als sakramentale Christusbegegnung
Systematische Untersuchungen zum Entwurf
der Endentscheidungshypothese im Denken und Werk von Ladislaus Boros
Der menschliche Tod
als sakramentale
Christusbegegnung
Markus Frohn
Vorwort
Ladislaus Boros hat durch d en Entwurf der Endentscheidungshypothese die innertheologische Diskussion im Bereich der Eschatologie nachhaltig beeinflußt. Mehr noch: Unzähligen Menschen nahm er die Angst vor dem Tod, die Angst vor einem richtenden und strafenden Gott. Wer L adislaus Boros war, was seine Endentscheidungshypothese aussagt und wie dieselbe rezipiert wurde, das ist Gegenstand dieser Monographie.
Denen, die an der Entstehung dieser Arbeit beteiligt gewesen sind, habe ich herzlich zu danken. An erster Stelle wäre Pater Josef Stierli SJ zu nennen, der mir mit wertvollen biographischen und bibliographischen Angaben einen intensiven thematischen Zugang eröffnete. Herr Vikar Ulrich Deimel war so freundlich, mir seine Lizentiatsarbeit zu überlassen. Meine Mitstudenten haben mich durch ihr kritisches Fragen und durch ihr aufmerksames Interesse in vielfältiger Weise unterstützt. Eigens erwähnen möchte ich die Bearbeitung des Manuskripts durch Frau Annett Ertl und Herrn Stefan Funk.
Vor allem danke ich Herrn Prof. Dr. Karl-Heinz Menke, der meine Arbeit vortrefflich betreute und mir durch seine ermutigenden Worte Kraft und Ausdauer schenkte.
Noch ein Wort in eigener Sache: Am 23. Januar 1994, wenige Tage vor der Fertigstellung dieser Arbeit erreichte uns die Nachricht vom Tode unseres Diözesanbischofs Dr. Klaus Hemmerle, der es - wie Ladislaus Boros - auf seine Weise verstand, den Menschen das Evangelium vom "Gott der Hoffnung" (Röm 15,13) durch seinen Dienst und aus der Kraft des Heiligen Geistes überzeugend nahezubringen. In seiner letzten Weihnachtsbotschaft an die Priester, Diakone und Laien im pastoralen Dienst des Bistums Aachen schrieb er sehr treffend: "Wo ich an meine Grenzen stoße, da stoße ich in der Tat an ihn, da ist Grund nicht zu weniger, sondern zu mehr Hoffnung. Meine Grenzen annehmen heißt ihn annehmen, Gott in meinen Grenzen." Wenn ich Gott in meinen alltäglichen Grenzen annehmen darf, um wieviel mehr dann in der letzten und höchsten Grenze des Lebens.
Aachen, am Fest Karls des Großen,
den 28. Januar 1994 Markus Frohn
Einführung:
Die Theologie und die
Endentscheidungshypothese
Einführung:
Die Theologie und die Endentscheidungshypothese
1 Aktuelle Fragen zur Todesthematik
Zu den zentralen Aussagen einer christlichen Rede von Gott gehört die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Im Glauben an diese Auferstehung ist die Hoffnung eingeschlossen, daß alle Menschen jenseits der natürlichen Todesgrenze zur endgültigen Daseinserfüllung gelangen werden. Hingegen scheint unsere Erfahrung angesichts eines stummen und bewegungslosen Leichnams zu bestätigen, daß mit dem Tod das Leben zu Ende ist. Dementsprechend könnte man den Tod als ein ausschließlich biologisches Geschehen betrachten, das beim menschlichen Organismus als letztes Ergebnis des Alterungsprozesses genauso eintritt, wie bei jedem anderen Organismus auch. Schließlich wäre der Tod für die Erneuerung und Erhaltung der Mensch-heit notwendig, um deren Überalterung zu vermeiden. Gerade unter den Stich-worten "menschenwürdiges Sterben" und "Sterbehilfe" läßt sich der Wunsch nach einem "erfüllten Leben" zusammenfassen: Es sei die Aufgabe der Gesell-schaft und der Medizin, allen Menschen einen natürlichen Tod zu ermöglichen und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem die biologische Lebenskraft und die humanen Lebensmöglichkeiten erschöpft sind. Leben und Tod haben hier - ab-gesehen davon, daß der Tod das Leben begrenzt - nichts miteinander zu tun. 1 Auf der anderen Seite läßt sich in unserer Zeit ein neu aufgebrochenes Interesse am Tod feststellen. Die Frage nach dem Schicksal des Menschen jenseits der Todesgrenze ist besonders durch die Berichte von Erlebnissen von Sterbenden angeregt worden, welche durch die moderne Medizin reanimiert, also ins Leben "zurückgeholt" werden konnten. 2 Ein schon fast klassisches Werk auf diesem Gebiet sind die Ausführungen von Raymond A. Moody, einem Mediziner, der aufgrund zahlreicher Befragungen die häufig wiederkehrenden Elemente solcher Nah-Tod-Erlebnisse, die sich in Einzelheiten durchaus widersprechen, zu einem Grundmuster zusammengesetzt hat:
"Ein Mensch liegt im Sterben. Während seine körperliche Bedrängnis sich ihrem Höhepunkt nähert, hört er, wie der Arzt ihn für tot erklärt. Mit einem Mal nimmt er
1 Bereits Epikur (341-270 v. Chr.) versuchte den Tod rein rational zu bewältigen: "Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da; und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr. Er geht also weder die Lebenden an noch die Toten; denn die einen geht er nicht an, und die anderen existieren nicht mehr." Epikur, Von der Überwindung der Furcht (hrsg. von E. Gigon), Zürich 2 1968, 101 (zitiert nach M. Kehl,
Eschatologie, Würzburg 2 1988, 253).
2 Vgl. J. Ch. Hampe, Sterben ist doch ganz anders. Erfahrungen mit dem eigenen Tod, Stuttgart 1975; R. A. Moody, Leben nach dem Tod, Reinbek 1977; ders., Nachgedanken über das Leben nach dem Tod, Reinbek 1978; E. Kübler-Ross, Interviews mit Sterbenden, Gütersloh 8 1980; C. Zaleski, Nah-Todeserlebnisse und Jenseitsvisionen, Frankfurt 1993.
Einführung:
Die Theologie und die Endentscheidungshypothese
ein unangenehmes Geräusch wahr, ein durchdringendes Läuten oder Brummen und zugleich hat er das Gefühl. daß er sich sehr rasch durch einen langen, dunklen Tunnel bewegt. Danach befindet er sich plötzlich außerhalb seines Körpers, jedoch in derselben Umgebung wie zuvor. Als ob er ein Beobachter wäre, blickt er nun aus einiger Entfernung auf seinen eigenen Körper. In seinen Gefühlen zutiefst aufgewühlt, wohnt er von diesem seltsamen Beobachtungsposten aus den Wiederbelebungsversuchen bei.
Nach einiger Zeit fängt er sich und beginnt, sich immer mehr an seinen merkwürdigen Zustand zu gewöhnen. Wie er entdeckt, besitzt er noch immer einen 'Körper', der sich jedoch sowohl seiner Beschaffenheit als auch seinen Fähigkeiten nach wesentlich von dem physischen Körper, den er zurückgelassen hat, unterscheidet. Bald kommt es zu neuen Ereignissen. Andere Wesen nähern sich dem Sterbenden, um ihn zu begrüßen und ihm zu helfen. Er erblickt die Geistwesen bereits verstorbener Verwandter und Freunde, und ein Liebe und Wärme ausstrahlendes Wesen, wie er es noch nie gesehen hat, ein Lichtwesen, erscheint vor ihm. Dieses Wesen richtet - ohne Worte zu gebrauchen - eine Frage an ihn, die ihn dazu bewegen soll, sein Leben als Ganzes zu bewerten. Es hilft ihm dabei, indem es das Panorama der wichtigsten Stationen seines Lebens in einer blitzschnellen Rückschau an ihm vorbeiziehen läßt. Einmal scheint es dem Sterbenden, als ob er sich einer Art Schranke oder Grenze näherte, die offenbar die Scheidelinie zwischen dem irdischen und dem folgendem Leben darstellt. Doch wird ihm klar, daß er zur Erde zurückkehren muß, da der Zeitpunkt seines Todes noch nicht gekommen ist. Er sträubt sich dagegen, denn seine Erfahrungen mit dem jenseitigen Leben haben ihn so sehr gefangengenommen, daß er nun nicht mehr umkehren möchte. Er ist von überwältigenden Gefühlen der Freude, der Liebe und des Friedens erfüllt. Trotz seines inneren Widerstandes - und ohne zu wissen, wievereinigt er sich dennoch wieder mit seinem physischen Körper und lebt weiter." 3
Festzuhalten ist, daß es sich bei diesen Berichten nicht um Erfahrungen im Leben nach dem Tode handeln kann, sondern immer nur um Erfahrungen am äußersten Rand des Lebens, in der Nähe des Todes. Buchtitel wie "Leben nach dem Tod" sind unter dieser Hinsicht äußerst mißverständlich. Theologisch gesehen, meint Tod den definitiven Endpunkt des Lebens, von dem aus eine Rückkehr ins diesseitige Leben nicht mehr möglich ist. 4
Alte Vorstellungen von einer Seelenwanderung und einer Reinkarnation, die hauptsächlich in den östlichen Religionen beheimatet sind, spielen auch in Europa eine
3 R. A. Moody, Leben nach dem Tod, Reinbek 1977, 27-29.
4 Vgl. ausführlicher M. Kehl, Eschatologie, Würzburg 2 1988, 76-81.
Einführung:
Die Theologie und die Endentscheidungshypothese
immer größere Rolle. 5 Reinkarnation besagt, daß die Seele als das eigentliche Ich des Menschen nach dem Tod in einem anderen Leib eines Menschen oder auch eines Tieres wiedergeboren wird. Diese neue Existenz kann entweder als neue Chance des Menschen angesehen werden, sein letztes Ziel zu erreichen, oder aber auch als Lohn bzw. Strafe verstanden werden, je nachdem, ob einer im Leben mehr Gutes oder mehr Böses gewirkt hat. Mit dem christlichen Glauben ist die Reinkarnationslehre nicht zu vereinbaren, da sie die Leibhaftigkeit des Menschen sowie die Bedeutung des hier und jetzt zu gestaltenden Lebens abwertet. Menschliche Existenz ist geschichtliche Existenz und vollzieht sich in Freiheit.
2 Der Tod in der Glaubenssprache
Insofern der Tod als die "sicherste Erfahrung" der Menschheit ein unaus-weichliches Thema ist, hat sich gerade die Theologie als Begründung der Hoffnung auf das Reich Gottes mit dem Tod zu beschäftigen. Nach traditioneller Auffassung ist der Tod in ursprünglichem Zusammenhang mit der Sünde Adams zu sehen (vgl. Röm 5,12 sowie DH 371, 372, 1511). Damit ist der Tod, der ohne Ausnahme jeden Menschen trifft (DH 1512), nicht nur ein naturnotwendiges Ereignis, sondern vor allem eine Folgeerscheinung aus der menschlichen Zerrissenheit. Mit dem Tod als dem Ende des Pilgerstandes (DH 856-858, 1000) hört die Zeit der Entscheidungen auf. Das Leben ist einmalig und verendgültigt sich im Tod. Die Frage nach dem Schicksal zwischen Tod und allgemeiner Auferweckung am Jüngsten Tag wird in der traditionellen Lehre mit der Aussage von der Trennung der Seele vom Leib beantwortet. Da diese Vorstellung ein Fortleben der unsterblichen Seele voraussetzt, wird die Annahme eines Zwischenzustandes (Fegefeuer) notwendig. Erst am Jüngsten Tag werden auch die Leiber erweckt und mit ihren Seelen wieder vereinigt. Dieses in der traditionellen Theologie geläufige Modell wird heute besonders von Josef Ratzinger 6 vertreten. In der gegenwärtigen katholischen Theologie wird die Redeweise vom Tod als die Trennung von Leib und Seele stark in Frage gestellt: Die "Annahme einer anthropologischen Diastase von Leib und Seele und entsprechend die Überzeugung einer eschatologischen Diastase von Unsterblichkeit der Seele (im Tod) und Auferstehung des Leibes (am Ende der Geschichte) erübrigt" sich, insofern
5 Vgl. R. Passian, Wiedergeburt, München 1985; L. Scheffczyk, Der Reinkarnations-Gedanke in der altchristlichen Literatur, München 1985; R. Friedli, Zwischen Himmel und Hölle. Die Reinkarnation. Ein religionswissenschaftliches Handbuch, Freiburg (CH) 1986; H. Hänggi/ C.-A. Keller/ H.-J. Ruppert/ Ch. Schönborn, Reinkarnation - Wiedergeburt - aus christlicher Sicht, Freiburg (CH)/ Zürich 1987.
6 Vgl. J. Ratzinger, Eschatologie - Tod und ewiges Leben, Regensburg 1977, 65-135.
Einführung:
Die Theologie und die Endentscheidungshypothese
"nur von der Auferstehung des einen und ganzen Menschen im Tod als allein angemessener Artikulation der christlichen Hoffnung die Rede ist." 7 Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung des Leibes werden hier also miteinander identifiziert; man spricht von der Auferstehung im Tod. Eine Zwischenzeit zwischen Tod und Auferstehung gibt es nicht; ein zeitliches Nacheinander jenseits der Todesgrenze wird also abgelehnt. Im Augenblick des Todes wird der ganze Mensch vollendet. Dieser kann im Tod seine Auferstehung und zugleich die Auferstehung aller Toten erleben, auch jener Toten künftiger G enerationen. Man stellt sich im Gegensatz zum traditionellen Modell ein einziges Gericht vor, das sowohl individuell als auch universal ist. Diese anthropologisch gewendete Theologie des Todes versucht den hellenistischen Leib-Seele-Dualismus, der auch in einer abgeschwächten Form mehr Probleme schafft als löst, zu überwinden. Auf diese Problematik wird noch an späterer Stelle einzugehen sein. Hier sei nur darauf hingewiesen, daß der neue "Weltkatechismus" in keiner Weise das Anliegen dieses neueren Denkmodells berücksichtigt. Im Gegenteil: Es wird allein an der dualistischen Auffassung festgehalten, daß sich durch den Tod die Seele vom Leib trenne. 8
3 Tod in der Dialektik von Erleiden und Tun
Karl Rahner spricht in seinem Buch "Zur Theologie des Todes", das 1958 als Band der Quaestiones Disputatae erschien, von der "real-ontologischen Dialektik" des Todes: Tod ist einerseits ein Erleiden, andererseits eine personale Tat. "Der Tod muß also beides sein: das Ende des Menschen als Geistperson ist tätige Vollendung von innen, ein aktives Sich-zur-Vollendung-Bringen, aufwachsende, das Ergebnis des Lebens bewährende Auszeugung und totales Sich-in-Besitz-Nehmen der Person, ist Sich-selbst-gewirkt-Haben und Fülle der frei getätigten personalen Wirklichkeit. Und der Tod des Menschen als Ende des biologischen Lebens ist gleichzeitig in unauflösbarer und das Ganze des Menschen betreffender Weise Abbruch von außen, Zerstörung, Parzenschnitt, Widerfahrnis, das den Menschen unberechenbar von außen trifft, so daß sein 'eigener Tod' von innen durch die Tat der Person selbst gleichzeitig das Ereignis der radikalsten Entmächtigung des Menschen ist, Tat und
7 G. Greshake, Das Verhältnis "Unsterblichkeit der Seele" und "Auferstehung des Leibes" in problemgeschichtlicher Sicht, in: G. Greshake/ G. Lohfink, Naherwartung - Auferstehung -Unsterblichkeit, 113f.
8 Vgl. Ecclesia Catholica, Katechismus der Katholischen Kirche, München 1993. Bei Nummer 1016 heißt es: "Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint. Wie Christus auferstanden ist und immerdar lebt, so werden wir alle am Letzten Tag auferstehen."
Einführung:
Die Theologie und die Endentscheidungshypothese
methodologischen Fundierung eine philosophische und eine theologische Begründung bietet. Der Gliederung von "Mysterium mortis" folgend will der zweite Teil dieser Arbeit die wichtigsten Aussagen zur Begründung der Endentscheidungshypothese darstellen und entfalten. Dabei dürfen auch die anderen Veröffentlichungen zu diesem Thema nicht unberücksichtigt bleiben. Es geht Boros nicht darum, eine vollständige Theologie des Todes zu entwerfen, vielmehr zentriert sich seine theologische Arbeit um die Endentscheidungshypothese. 21 Vorher noch soll in einem ersten Teil versucht werden, das Leben und Denken Boros', das sehr tief von seinem meditativen Charakter b estimmt ist, zu skizzieren. Schließlich hatte seine Spiritualität, seine Gottesbeziehung, die durch zahlreiche Begegnungen mit Menschen geprägt war, einen nicht geringen Einfluß auf seine Arbeiten, die nicht so sehr auf die wissenschaftliche Erschließung eines theologischen Problems historischer oder philosophischer Herkunft ausgerichtet waren. 22 Die Endentscheidungshypothese ist geradezu die Konsequenz, die Sinnspitze seines Denkens. Ein dritter Teil setzt sich mit dem Ansatz Boros' kritisch auseinander, indem vergleichend die Entwürfe Karl Rahners und Gisbert Greshakes herangezogen werden; beide distanzieren sich von der Annahme einer Endentscheidung im Tode, der eine zurückhaltend, der andere mit Entschiedenheit. Hier sei darauf hingewiesen, daß Greshake zu Unrecht Rahner als einen Vertreter der Endentscheidungshypothese bezeichnet. Nach Herbert Vorgrimler verbinde Greshake "in Naherwartung - Auferstehung - Unsterb-lichkeit (Freiburg i. Br. 1975) 121ff einfach Zitate aus Rahner mit solchen aus Boros." Karl Rahner habe "den Tod nie punktuell, sondern 'nur' noch als Abschluß des Werdens der Endgültigkeit durch das ganze Leben hindurch verstanden und sich dementsprechend auch gegen die unkontrollierte Zuschreibung der Hypothese an seine Autorschaft verwahrt." 23 In einem abschließenden Teil soll untersucht werden, ob und inwieweit sich die Endentscheidungshypothese in der heutigen Diskussion mit all ihren Schwachstellen und Stärken als tragfähig erweist.
21 Vgl. P. Kirk, Tod und Auferstehung, 179, 222.
22 Vgl. ebd., 86f.
23 H. Vorgrimler, Ablaß und Fegfeuer, in: MySal, Bd. V, Zürich 1976, 456f, Anm. 16.
Einführung:
Die Theologie und die Endentscheidungshypothese
Leiden in einem." 9 Insofern der Tod als Tat verstanden wird, gibt sich der Mensch selber im Tod die Endgültigkeit, nicht Gott. Diesen Gedanken, den Karl Rahner in seinen späteren Schriften nicht weiterverfolgt hat, füllte bereits 1959 sein Schüler Ladislaus Boros mit seiner Hypothese von der Endentscheidung (optio finalis) im Tode:
"Im Tod eröffnet sich die Möglichkeit zum ersten vollpersonalen Akt des Menschen; somit ist er der seinsmäßig bevorzugte Ort des Bewußtwerdens, der Freiheit, der Gottesbegegnung und der Entscheidung über das ewige Schicksal." 10
In zahlreichen Veröffentlichungen bezieht sich Boros, der heute als der "geistvollste und kraftvollste Vertreter einer Endentscheidung im Tode" 11 gilt, auf diese Hypothese. Boros griff bei der Entfaltung dieser Theorie auf die Arbeit von Pierre Glorieux 12 zurück, die er "einen Markstein in der Erarbeitung der Endentscheidungshypothese" 13 nennt. Neben Boros, der durch sein Werk "Mysterium mortis" 14 (1962) bekannt wurde, und Glorieux haben mit jeweils unterschiedlichen Akzentuierungen auch Philosophen und Theologen wie Robert W. Gleason 15 , Hans-Eduard Hengstenberg 16 , Josef Pieper 17 , Piet Schoonenberg 18 , Roger Troisfontaines 19 sowie Alois Winklhofer 20 besagte Hypothese vorgelegt.
4 Zur Gliederung der vorliegenden Arbeit
Im Gegensatz zu den genannten Vertretern einer Endentscheidung im Tode hat Boros versucht, einen differenzierteren Entwurf vorzulegen, wobei er inhaltlich nach einer
9 K. Rahner, Zur Theologie des Todes, 30.
10 L. Boros, Mysterium mortis, 9.
11 A. Winklhofer, Zur Frage der Endentscheidung im Tode, in: ThGl 57 (1967), 202.
12 P. Glorieux, Endurcissement final et graces dernières, in: NRTh 59 (1932), 865-892; sowie: ders., In hora mortis, in: MelSCRel 6 (1949), 185-216.
13 L. Boros, Mysterium mortis, 180 unter Anm. 4.
14 "Mysterium mortis" versteht sich als eine wesentlich erweiterte Form der Veröffent-lichung "Sacramentum mortis". Weitere, eher m editativ-betrachtende Darstellungen der Endentscheidungshypothese durch Boros liegen vor in den Schriften: Meditationen über den Tod, in: LebZeug (1963) 3-26; Der neue Himmel und die neue Erde, in: WuW 19 (1964), 263-279; Erlöstes Dasein, 89-108; Aus der Hoffnung leben, 24-31; "Hat das Leben einen Sinn?", in: Conc(D) 6 (1970), 674-678.
15 R. W. Gleason, Toward a Theology of Death, In: Thought 23 (1957), 39-68.
16 H. E. Hengstenberg, Einsamkeit und Tod, Regensburg 1938.
17 J. Pieper, Tod und Unsterblichkeit, München 1968.
18 P. Schoonenberg, Und das Leben der zukünftigen Welt, in: H. H. Berger u.a., Leben nach dem Tode?, Köln 1972, 64-104.
19 R. Troisfontaines, Ich sterbe nicht ..., Freiburg i. Br. 1964.
20 A. Winklhofer, Ziel und Vollendung. Die letzten Dinge, Ettal 1951.
Erster Teil:
Ladislaus Boros - Etappen eines Lebensweges
Boros nach der Trennung der Eltern eine zweite, schwere Wunde war, die ihm zugefügt wurde: "Später hat er in seinen Personalbogen zu den Fragen nach Bürgerort und Staatsangehörigkeit zweimal das Wort 'heimatlos' - und nicht das harmlosere 'staatenlos' - eingetragen. Das war eine stille Klage seines Herzens." 3 1949 kam Boros nach Österreich, wo er mit seinen ungarischen Mitbrüdern ein Semester in Innsbruck verbrachte. Es folgten zwei weitere Studienjahre in Chieri bei Turin. Nach Abschluß des Philosophiestudiums schickte man ihn nach München, um bei Pater Walter Strittmatter in der Marianischen Kongregation der Gymnasiasten mitzuarbeiten. Hier verbesserte er seine spärlichen Deutschkenntnisse. Zwischen 1954 und 1956 promovierte er an der Philosophischen Fakultät der Universität München b ei seinem Doktorvater Prof. Dr. Aloys Wenzl mit der Dissertation "Das Problem der Zeitlichkeit bei Augustinus", die mit "summa cum laude" benotet wurde. Von München, wo er Romano Guardini kennen und schätzen lernte, kam Boros an die Theologenhochschule nach Enghien in Belgien. Hier wurde er am 28. Juli 1957, am Ende des dritten theologischen Studienjahres, zum Priester geweiht. Das letzte Studienjahr beendete Boros in Chantilly, nördlich von Paris. Seine Ausbildung schloß er 1958/59 in St. Beuno's, an der Westküste Englands, mit dem Tertiat, einem dritten Noviziats-jahr, das durch Einübung in die ignatianische Spiritualität geprägt war, ab.
2 Felder des geistigen Wirkens und Denkens
Für den jungen Priester und fähigen Theologen Boros begann nun eine neue Etappe seines Lebens: Er wirkte seit Ende 1959 in der Redaktion der in Zürich erscheinenden Jesuiten-Zeitschrift "Orientierung" mit. Zur gleichen Zeit betrieb er die Werbung für die Zeitschrift. Während Mario von Galli, der bis zu seinem Tode am 28. September 1987 Redaktionsmitglied bei der "Orientierung" war, als Konzilsberichterstatter in Rom weilte, arbeitete Boros stellvertretend als federführender Hauptredaktor. Durch seine Tätigkeit konnte die Auflagenhöhe in kurzer Zeit vervierfacht werden. In zahlreichen Beiträgen sprach er erstmalig Gedanken aus, die er später weiterentwickelt und zur Reife gebracht hat. Als zweiter wichtiger Punkt seines Schaffens entfaltete er sehr bald eine gewaltige Vortragstätigkeit, die ihn durch ganz Europa führte. Mit eleganter und treffsicherer Sprache verstand er es, zahllose Menschen zu faszinieren, zu erschüttern und zu bekehren. Auf der Grundlage dieser beiden Bereiche seines geistigen Wirkens reifte
3 J. Stierli, Ladislaus Boros 1927-1981, 2.
Erster Teil:
Ladislaus Boros - Etappen eines Lebensweges
schließlich das dritte Betätigungsfeld heran: seine Bücher. In verhältnismäßig kurzer Zeit hat Ladislaus Boros über zwanzig größere Titel veröffentlicht - angefangen mit seinem wissenschaftlichen Hauptwerk "Mysterium mortis" (1962) bis hin zum letzten Buch "Aurelius Augustinus. Aufstieg zu Gott", das erst nach seinem Tod (1982) erschien. Was ihn bewegte, was er als erfolgreicher Redner in Vorträgen zur Sprache brachte, um es dann aus seinem christlichen Bewußtsein zu reflektieren, das ist in seine Veröffentlichungen und Bücher eingeflossen. 4 Es sind also drei Felder, die das Wirken und Denken Boros' ausfüllen und in den folgenden Ausführungen dargestellt werden sollen. 5
2.1 Arbeitsfeld "Orientierung"
Mario von Galli, der bereits 1959 die Verantwortung für die zweimal monatlich erscheinende Zeitschrift "Orientierung" trug, erinnert sich an seine erste Begegnung mit Boros: "Ich hörte von Ladislaus das erste Mal, als wir in der Jesuitenzeitschrift 'Orientierung' ein paar Jahre vor dem Konzil in einer Krise standen. Der reinen Apologetik, dem 'Nur-Verteidigen', waren wir zwar entronnen, aber den geistigen Auseinandersetzungen, die sich abzeichneten, der geforderten Erneuerung und Erweiterung des christlichen Denkens standen wir etwas hilflos gegenüber. Es fehlten die Kräfte. Da kam eine Anfrage aus München: sie hatten dort einen jungen, hochintelligenten Mitbruder, Flüchtling aus Ungarn, noch nicht Priester. Man hatte versucht, ihn bei 'Radio Freies Europa' einzusetzen, aber diese Arbeit lag ihm nicht, hieß es. Bei den 'Stimmen der Zeit' wollte man ihn nicht anstellen, denn die hatten selbst innere Schwierigkeiten, so daß sie einen 'paradoxen' Charakter bei sich nicht einzubauen wagten. Also die Frage an uns: ob dieser junge Ungar bei der 'Orientierung' das finden könne, was er suche. Ich war begeistert. 'Endlich', dachte ich - und so kam er." 6 Wer in den Jahrgängen der Zeitschrift von 1958 bis 1972 zu blättern beginnt, der wird auf nicht weniger als 79 Artikel aus der Feder Boros' stoßen, von denen sich einige über mehrere Ausgaben fortsetzen. Weitere Beiträge erschienen in der Internationalen Zeitschrift für Theologie "Concilium", in "Christ in der Gegenwart", "Wort und Wahrheit", in Kirchen-zeitungen und Pfarrblättern. Seine Arbeit bei der Zeitschrift "Orientierung" beginnt Boros mit fünf Beiträgen, die er "Wege zu Christus" 7 nennt. Er versteht diese nicht im Sinne der klassischen
4 Vgl. J. Rast, Erinnerungen des Verlegers, in: Orien 46 (1982) 17-19.
5 Im Folgenden orientiere ich mich formal an der Darstellung von J. Stierli, Ladislaus Boros 1927-1981, 11-31.
6 M. von Galli, Mein Bruder Ladislaus Boros, in: CiG (1982) 60.
7 L. Boros, Wege zu Christus, in: Orien 22 (1958) 1-3, 25-27, 39-41, 52-54.
Erster Teil:
Ladislaus Boros - Etappen eines Lebensweges
Gottesbeweise, sondern vielmehr als Ursymbole des menschlichen Daseins. Boros will aufzeigen, daß und wie diese Versuche an der Wirklichkeit Jesu Christi zum Scheitern kommen. Diese Methode des Scheiterns übernimmt Boros von Romano Guardini, der sich nicht - seiner Meinung nach - auf ein bestimmtes Denksystem festlegen wollte. Die Aussagen, die Boros über Guardini macht, lassen sich ohne weiteres auf ihn selbst übertragen: "Guardini hat fast nur 'Versuche' geschrieben. Er hat viel zuviel gewußt von den Grenzen menschlichen Denkens und von der Verwirrung der gegenwärtigen Zeit, um etwas, das seinerseits nur ein Tasten und Versuchen war, anders zu benennen als eben 'Versuch'. In dieser seiner Zurückhaltung drückte sich ein hohes Maß an Verantwortungsbewußtsein aus, aber auch der Geist des Entdeckers, der sich nicht durch ein vorschnelles Urteil die Sicht auf die mannigfaltige Wirklichkeit der Welt verbauen wollte." 8 In ausgereifter Form findet sich dieser B eitrag in Boros' Buch "Der anwesende Gott. Wege zu einer existentiellen Begegnung" (Olten 1964) wieder.
Ganz im Sinne eines solchen Versuches versteht Boros die beiden Beiträge "Sacramentum mortis", die 1959 erschienen. Hier entwirft er zum ersten Mal seine Arbeitshypothese der Endentscheidung, die er zunächst philosophisch und anschließend theologisch zu begründen sucht. Boros ist keineswegs der "Erfinder" der Endentscheidungshypothese, er weiß sich vielmehr in einer Reihe von Philosophen und Theologen, d ie sich bereits vor ihm mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. "Sacramentum mortis" gilt als Vorläufer seines Buches "Mysterium mortis", dessen Struktur sich im wesentlichen vom Frühwerk nicht unterscheidet. Josef Stierli bemerkt, daß das wissenschaftlich anspruchsvolle Buch das Todesthema von seinem Tabu befreit habe und ihm im zeitgenössischen Denken wieder den Platz gegeben habe, der ihm zukomme. 9 Insofern erst die Gegenwart Gottes in uns die Empfindung der Schönheit zu erzeugen vermag, kann von einer " Kunstbetrachtung als Erziehung zum Absoluten" 10 die Rede sein. Mit diesen Beiträgen, die Ende 1959 veröffentlicht wurden, will Boros zeigen, daß sich das Dasein in der Kunstbetrachtung an eine Stelle stellt, "an der aus ihm das ewige Sein entspringt." Das Absolute tritt dem Dasein demnach in der Form der Anschaubarkeit entgegen. Boros betont abschließend, daß die durch die Kunstbetrachtung hervorgerufene Ergriffenheit des Daseins "eine unsagbare Vollendung und zugleich die höchste Bedrohung unseres Daseins" 11 bedeute. Hier entwickelt Boros eine Grundlage, die er in "Mysterium
8 Ders., Offenheit des Geistes, 122f.
9 Vgl. J. Stierli, Ladislaus Boros 1927-1981, 13.
10 L. Boros, Kunsterziehung als Erziehung zum Absoluten, in: Orien 23 (1959) 225-227, 241-244, 253-256.
11 Ebd., 255.
Erster Teil:
Ladislaus Boros - Etappen eines Lebensweges
mortis" auf den Tod beziehen wird: Der Tod sei sowohl absolute Vollendung als auch zugleich höchste Bedrohung des Daseins. 12
1960 erschien eine weitere Reihe unter dem Titel " Die Welt beginnt heute -Dimensionen unserer Weltinnewerdung" 13 . Boros möchte den Frühling als die Neugestaltung unseres Kosmos und das Geheimnis der Auferstehung zu einer inneren Einheit führen. Wie sehr Boros von der Weltsicht Teilhard de Chardins fasziniert war, läßt sich an seinen Ausführungen zum Aufstieg des Universums ablesen: "Was zwischen ... der stöhnenden Welt und dem Universum der endgültigen Herrlichkeit liegt, ist eine Welt von stiller Wandlung. Das ganze Universum erklimmt langsam, fast unmerkbar die Stufen des Seins, die Stufen des Thrones Gottes. Die ganze Welt hebt sich hinauf zu Gott in einer einzigen Flut ewiger Hoffnung." 14 In einer letzten größeren Reihe, die er " Entwurf einer philosophischen Eschatologie" 15 nannte, fragt Boros nach den philosophischen Aussagen, die sich "über einen Aufweis der 'Unsterblichkeit' der menschlichen Seele hinaus vom Zustand unserer ewigen Vollendung" 16 anstellen lassen. Zusammen-fassend kommt er am Ende seiner Überlegungen zu folgendem Abschluß: "Aus der immanenten Dialektik der menschlichen Erkenntnis erahnen wir einen Zustand, in dem Gottes Sein selbst zu unserem eigenen Sein wird. Anhand der Dialektik der menschlichen Freiheit präzisierten wir, daß dieses Einswerden mit Gottes Sein ein ununterbrochenes und ewiges Hineinschreiten in Gott bedeutet. Die Struktur dieses Hineinschreitens in Gott erschlossen wir aus der Dialektik des Dranges nach Größe: wir vollziehen unsere Ewigkeit in einem ständig wachsenden Sichverlorengehen im überreichen Leben Gottes, wodurch wir erst vollends zum Geschöpf werden. Darin wird unsere Selbst-und Weltverfügung dermaßen gesteigert - und das ergab sich aus der Dialektik des Geltungsdranges -, daß wir fähig werden, unsere Leiblichkeit und die Natur selbst in einer von Gott geschenkten Schöpferkraft wirklich mitzuerschaffen. Schließlich entnahmen wir der Dialektik der Hingabestrebung, daß der Zustand unserer Gottunmittelbarkeit den gesamten Weltbezug auf Gott hin durchsichtig machen wird." 17 Die hier genannten Beiträge aus den Jahren 1958 bis 1962 stellen das geistige Fundament dar, auf das Boros seine Endentscheidungshypothese aufbaut. Die zahlreichen anderen Artikel, die Boros für die Zeitschrift "Orientierung" schrieb, sind neben Buchbesprechungen und kritischen Reflexionen zu Filmen oder Ausstellungen
12 Vgl. ders., Mysterium mortis, 20-22.
13 Ders., "Die Welt beginnt heute" - Dimensionen unserer Weltinnewerdung, in: Orien 24 (1960) 127-129, 142-145, 174-177, 181-184.
14 Ebd., 127.
15 Ders., Entwurf einer philosophischen Eschatologie, in: Orien 26 (1961) 252-254 sowie Orien 27 (1962) 4-7, 30-32.
16 Ebd., 252.
17 Ebd., 32.
Erster Teil:
Ladislaus Boros - Etappen eines Lebensweges
auch Meditationen, die sich auf verschiedene liturgische Festzeiten und Themen beziehen. Eine Übersicht bietet das Literaturverzeichnis am Ende dieser Arbeit.
2.2 Diener des Wortes
Beim Einstellungsgespräch im Sommer 1957 bemerkte man, daß Boros ein wenig stotterte. Aus diesem Grunde wollte man ihn nicht für eine Vortragstätigkeit einsetzten. Doch sehr bald entwickelte er sich zu einem gewaltigen Redner, der durch stilistische Treffsicherheit seine Hörer in den Bann zu ziehen wußte. Auch legte sich der Sprechfehler bereits nach den ersten Sätzen seiner Reden, die ihn durch den gesamten deutschsprachigen Raum führten. Boros' Landsmann und Mitbruder George T. Vass berichtet in diesem Zusammenhang:
"Unsere Erinnerung an den sprachbehinderten L. Boros läßt sich ... nur schwer vereinen mit der Vorstellung des brillanten Vortragsredners - und jener Mensch Boros, den die Muttersprache aus dem relativ kleinen Land Ungarn zunächst eingrenzte, offenbarte eine wahre Sprachkreativität, die Tausende zu faszinieren vermochte. Als seine Landsleute konnten wir dies weder erahnen noch erklären. Aber er schaffte es! Vielleicht war seine Sprache das Mittel, das die Gedanken ankommen ließ. Ein englischer Philosoph charakterisierte sie als 'inkantatorisch': eine Sprache, die wie von selbst einen Weg zu den Herzen der Menschen findet und sie bewegt." 18
Boros hielt sich stets bei seinen Vorträgen an das mit gewissenhafter Genauigkeit ausgearbeitete schriftliche Manuskript. "Er sprach zu Einzelfragen, oft hielt er Zyklen mit drei bis sechs Themen, nicht selten ganze Studienkurse. Darüber hinaus leitete er geistliche Besinnungstage und wagte sich immer mehr auch an Predigten. Oft holte man ihn zu Vorträgen und Meditationen am Radio. Höhepunkte seiner Rednertätigkeit waren die Vorträge auf den Salzburger Hochschulwochen." 19 Gerade durch die Begegnung und den Dialog mit seinen Hörern gewann er neue Impulse für das eigene Denken und Tun. Er lernte aus den vielfältigen existentiellen Erfahrungen seiner Hörerschaft; er w ar zugleich Gebender und Empfangender. "Sogenannte einfache Leute sind oft Menschen von besonderer Offenheit, ehrlicher Spontaneität und wohlwollender Kritik, die man annimmt. Ich verkehre darum besonders gerne mit ihnen. Ihr Verständnis und ihr Beistand haben mit oft sehr geholfen" 20 , erklärte
18 G. T. Vass, Zeugnis der Freundschaft, in: Orien 46 (1982) 17.
19 J. Stierli, Ladislaus Boros 1927-1981, 20.
20 zitiert nach J. Rast, Erinnerungen eines Verlegers, in: Orien 46 (1982) 18.
Arbeit zitieren:
Markus Frohn, 1994, Der menschliche Tod als sakramentale Christusbegegnung, München, GRIN Verlag GmbH
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