Betrieb des Fuhrparks des
Landkreises Kassel mit Flüssiggas und
damit verbundene ökonomische und
ökologische Aspekte
Diplomarbeit
Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden
Fachbereich Verwaltung
vorgelegt von
Marc Schölzel
Abteilung
Kassel
Erstgutachter(in)
Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden
Zweitgutachter(in)
Landkreis Kassel - Zentralbereich
Abgabetermin am
14. August 2007
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
1
1.1
Darstellung der Ausgangssituation
1
1.2
Der Einsatz von Flüssiggas in der Fahrzeugtechnik
2
2
Untersuchung der aktuellen Situation und Betrachtung unter
wirtschaftlichen Gesichtspunkten
5
2.1
Umrüststatus der Dienstfahrzeuge im Juli 2007
5
2.2
Standort Kassel
7
2.2.1
Dienstfahrzeugpool Wilhelmshöher Allee
7
2.2.2
Fahrzeuge der Zwangsvollstreckung am Standort Wilhelmshöher Allee
9
2.2.3
Sonstige Fahrzeuge Standort Kassel Wilhelmshöher Allee
10
2.2.4
Außenstelle Kulturbahnhof
11
2.2.5
Außenstelle Kassel Waldau
12
2.3
Standort Hofgeismar
13
2.3.1
Dienstfahrzeuge Manteufelanlage
13
2.3.2
Dienstfahrzeuge Garnisonstraße
14
2.3.3
Dienstfahrzeug Kasinoweg
14
2.4
Standort Wolfhagen
15
2.4.1
Wolfhagen Ritterstraße
15
2.4.2
Wolfhagen Liemeckestraße
15
2.5
Eigene Gastankstellenanlage am Standort Kassel Wilhelmshöher Allee
17
3
Kurzbetrachtung der Umstellung auf Autogas unter ökologischen
Gesichtspunkten
22
3.1
Reduzierung der CO²-Emmissionen
22
3.2
Reduzierung des Stickoxid-Ausstoßes
23
4
Probleme
24
4.1
Volkswagen
24
4.2
Schwierigkeiten bei der Einführung der ersten Autogasfahrzeuge
25
4.2.1
Ausschreibungstext
25
4.2.2
Fehlende Informationen zum Tankstellennetz
26
4.3
Bisherige Probleme bei der Betankung der Fahrzeuge und fehlende
Praxiserfahrung beim Fahren mit Autogas
27
5
Zusammenfassung
28
Literaturverzeichnis
30
Anhang
31
- 1 -
1
Einleitung
In Zeiten knapper Haushaltsmittel bei der öffentlicher Hand und der nicht verstummenden Kli-
madiskussion suchen auch die Kommunen nach neuen Wegen, um Kosteneinsparungen zu
erzielen und Umweltbelastungen zu reduzieren.
Ein nicht geringes Einsparungspotential aus sowohl ökonomischer als auch ökologischer Sicht
besteht beim Betrieb kommunaler Fahrzeugflotten mit alternativen Energieträgern wie zum
Beispiel Rapsmethylester (Biodiesel), Wasserstoff, Erdgas und Autogas.
Der Landkreis Kassel hat aufgrund dieser neuen Denkweise im Jahr 2005 eine zukunftswei-
sende Entscheidung getroffen und begonnen, seinen Fuhrpark schrittweise auf Autogasan-
trieb umzustellen.
Nachdem zum Zeitpunkt der Verfassung dieser Arbeit 18 Monate seit der Einführung verstri-
chen sind und der Umrüstgrad des Fuhrparks weiter fortgeschritten ist, soll in diesem Werk
untersucht werden, ob sich der Flüssiggasbetrieb für den Landkreis Kassel tatsächlich als
wirtschaftlich erweist, welche zusätzlichen Einsparungen noch erzielt werden können und ob
sich die Umstellung eventuell positiv auf die Umwelt auswirkt.
1.1
Darstellung der Ausgangssituation
Der Landkreis Kassel ist ein 129 287 Hektar großer Flächenkreis an der Nordspitze Hessens
mit 242.117 Einwohnern
1
.
Aufgrund seiner weitläufigen Ausdehnung werden neben der Hauptdienststelle in der kreis-
freien Stadt Kassel zusätzlich in den Altkreisteilen die Dienststellen Hofgeismar und Wolfha-
gen sowie einige weitere kleinere Dienststellen unterhalten.
Die weiten Strecken innerhalb der Kreisgebietes machen es erforderlich, dass ein umfangrei-
cher Fuhrpark unterhalten wird und an fast allen Verwaltungsstellen Dienstfahrzeuge statio-
niert sind, die den Mitarbeitern für die erforderlichen Dienstfahrten zur Verfügung stehen.
So betrug der Fahrzeugbestand des Landkreises Kassel am 31. Dezember 2006 abzüglich
der Nutzfahrzeuge und der Fahrzeuge der landkreiseigenen Beschäftigungsgesellschaft Agil
33 Fahrzeuge. Davon waren 22 Fahrzeuge am Standort Kassel Wilhelmshöhe und den Au-
ßenstellen Kassel Kulturbahnhof und Kassel-Waldau stationiert. Die restlichen 11 Fahrzeuge
verteilten sich zu etwa gleichen Teilen auf die Standorte Hofgeismar und Wolfhagen mit ihren
einzelnen Dienststellen.
1 Hess. Statistisches Landesamt, Stand 31.12.2006, www.hsl.de
- 2 -
Abbildung 1: Aufteilung der Kfz auf die Dienststellen 2
Vor dem Hintergrund der Diskussionen um die weltweite Klimaerwärmung und ständig stei-
genden Treibstoffpreise und der Tatsache, dass für den Betrieb des o. g. Fuhrpark in den ver-
gangenen Jahren stets rund 60.000 Liter Superbenzin verbraucht wurden, entschied man sich
beim Landkreis Kassel Anfang des Jahres 2006 für die schrittweise Umrüstung des Fuhrparks
auf Flüssiggas.
1.2
Der Einsatz von Flüssiggas in der Fahrzeugtechnik
Der Begriff ,,Autogas" bezeichnet ein Flüssiggasgemisch aus Propan- und Butangas, welches
zum Betrieb von Fahrzeugmotoren vorgesehen ist. Das internationale Kürzel für Autogas ist
LPG
3
und es ist nicht mit dem CNG
4
zu verwechseln.
Autogas ist seit den 70er Jahren in Italien und den Niederlanden weit verbreitet
5
und
seit Mitte der 1990er Jahre auch in den restlichen Europäischen Ländern auf dem
Vormarsch. Es findet hauptsächlich in PKW und leichten Nutzfahrzeugen Verwen-
dung. Jedoch gibt es auch schon vereinzelt LKW die mit Autogas betrieben werden.
2 Abbildung 1: eigene Grafik
3 Liquefied Petroleum Gas
4 Compressured Natural Gas = Erdgas
5 Dingel 2004, Gasfahrzeuge Die passende Antwort auf die CO²-Herausforderung der Zukunft, 6
- 3 -
Auch die Wiener Verkehrsbetriebe betreiben ihre gesamte Busflotte (1300 Fahrzeuge)
mit Flüssiggas
6
.
Autogas ist mit rund 80% weniger Schadstoffausstoß von Stickoxiden, 50 % weniger unver-
brannter Kohlenwasserstoffe und rund 15 % weniger CO2-Emmissionen bedeutend umwelt-
freundlicher als Super- oder Dieselkraftstoff.
Im Vergleich zu Benzin entsteht beim Autogasbetrieb eines Fahrzeuges ein Mehrverbrauch
von 5 bis 15 %. Dieser Mehrverbrauch ist notwendig, um mit dem Autogasbetrieb verbundene
Leistungseinbußen auszugleichen. Positive Auswirkungen auf die Motoren hat die höhere re-
lative Oktanzahl (ROZ) des Autogases. Sie liegt (je nach Propan-Butan-Mischungsverhältnis)
zwischen ROZ 108 und ROZ 112 Oktan.
Bis 2018 ist der Treibgassteuersatz, der auch auf dem Autogas liegt, um 7% vermindert. Mine-
ralölsteuer wird auf Autogas nicht erhoben. Somit liegt der Preis für Autogas derzeit bei durch-
schnittlich 61 Cent pro Liter
7
.
Die Automobilindustrie bietet ab Werk nur wenige OEM
8
-Fahrzeuge mit Autogasantrieb an.
Somit ist eine Umrüstung herkömmlicher Fahrzeuge mit Ottomotoren notwendig.
Abbildung 2: Schematische Systemskizze eines Autogasfahrzeuges 9
Die Umrüstung ist relativ unkompliziert und kostet je nach Leistung und Anzahl der Zylinder
zwischen 1800,00 und 3000,00 Euro. Dabei wird in der Regel ein Rundtank in die vorhandene
Reserveradmulde installiert und dieses durch ein Tire Fit (Pannenspray) ersetzt.
Bei diesem Umbau bleibt der Benzintank erhalten, so dass das Fahrzeug sowohl mit Autogas,
als auch mit Ottokraftstoffen betrieben werden kann. Man spricht hier vom bivalenten Antrieb.
6 http://www.wiener-linien.at/wl/wlinien/jsp/content/busse.htm vom 22. Juli 2007
7 http://www.gas-tankstellen.de vom 22. Juli 2007
8 Original Equipment Manufacturer, englisch für Originalausrüstungshersteller
9 Abb. 2: Schematische Systemskizze eines Autogasfahrzeuges http://www.spathiadis.de/5.html vom 24.07.2007
- 4 -
Das Umschalten zwischen dem Gas- und dem Benzinmodus erfolgt automatisch während der
Fahrt und kann zudem manuell gesteuert werden.
Bei der derzeitigen Autogasanlagentechnik erfolgt der Start der Motoren immer im Benzinmo-
dus und die Motoren wechseln beim erreichen einer vordefinierten Betriebstemperatur auto-
matisch in den Gasbetrieb. Falls der Gastank während der Fahrt einmal leer ist, wechselt der
Motor automatisch in den Benzinmodus zurück.
Im Gasbetrieb wird das Autogas im flüssigen Zustand in den Motorraum geführt. In einem dort
installierten, vom Kühlwasser beheizten, Verdampfer wird es in den gasförmigen Zustand ver-
wandelt und in den Motor eingeblasen. Ein ebenfalls zusätzlich installiertes Steuergerät be-
rechnet dabei ständig die zum Benzin äquivalenten Gaswerte und die erforderlichen Mengen,
die dem Motor zugeführt werden müssen.
Autogas ist im Vergleich zu Ottokraftstoffen nicht gefährlicher. Die Anlagen entsprechen den
neusten Erkenntnissen der Technik und sind mit zahlreichen Sicherheitseinrichtungen verse-
hen. So verfügen alle Anlagen über Rohrbruchventile und Schmelzsicherungen an den Tanks,
die im Brandfall das Gas kontrolliert entweichen lassen und somit eine Explosion oder gar den
Druckbehälterzerknall unmöglich machen.
Die Betankung der Gasfahrzeuge erfolgt ähnlich wie beim Benzintanken. Größter Unterschied
ist, dass die Zapfpistole auf den Einfüllstutzen mit einer großen Muffe aufgeschraubt wird. In
Deutschland ist der ACME-Anschluss (Euroanschluss) am weitesten verbreitet. Jedoch gibt es
auch noch 2 andere Anschlusstypen, bei denen vor dem Tankvorgang ein Adapter ange-
schraubt werden muss. Der Tankvorgang selber dauert nur unwesentlich länger als das Tan-
ken von Ottokraftstoff.
In Deutschland ist in den letzten 2 Jahren das Gastankstellennetz rapide erweitert worden und
es wird davon ausgegangen, dass schon Ende 2007 die Zahl von 3000 Autogastankstellen
erreicht wird. Diese Zahl ist für Deutschland recht beachtlich (Zum Vergleich: es gibt derzeit
ca. 700 Erdgastankstellen in Deutschland
10
), im europäischen Vergleich steht Deutschland
damit jedoch im letzten Drittel der Gastankstellendichte.
10 http://www.gas-tankstellen.de vom 22. Juli 2007
- 5 -
2
Untersuchung der aktuellen Situation und Betrachtung unter
wirtschaftlichen Gesichtspunkten
Auf den folgenden Seiten soll die Situation an den einzelnen Dienststellen des Landkreises
Kassel zum Zeitpunkt der Verfassung dieser Arbeit dargestellt und näher darauf eingegangen
werden.
Bei den Untersuchungen, bei denen hauptsächlich analytisch vorgegangen wurde, liegt das
Hauptaugenmerk auf den Kosteneinsparungen, die zu diesem Zeitpunkt bereits möglich sind
und den Einsparungssteigerungen, die mit der Umrüstung weiterer Fahrzeuge in der Zukunft
verbunden sind.
Außerdem sollen die Besonderheiten an den unterschiedlichen Standorten dargestellt sowie
der Betrieb einer landkreiseigenen Autogastankstelle erläutert werden.
Die Berechnungen zu den Einsparungen bei den einzelnen Fuhrparkteilen beziehen sich da-
bei auf Zahlenmaterial, welches dem Verfasser dieser Arbeit von der Verwaltung zur Verfü-
gung gestellt und anschließend ausgewertet wurde.
Die Ausführungen und Berechnungen zum Betrieb einer eigenen Gastankstelle basieren auf
Informationsangeboten, die vom Verfasser in Absprache mit der Verwaltung bei unterschiedli-
chen Firmen eingeholt wurden und auf deren Grundlage letztendlich auch die Auftragsertei-
lung zur Errichtung einer solchen Tankstellenanlage im Juli 2007 erfolgte.
2.1
Umrüststatus der Dienstfahrzeuge im Juli 2007
Wie aus nachfolgender Grafik hervorgeht, war der Umrüststatus im Juli 2007 bereits weit fort-
geschritten. Von den insgesamt betrachteten 33 Fahrzeugen an allen Standorten waren 19
Fahrzeuge auf Autogasbetrieb umgerüstet.
Die folgenden Betrachtungen beziehen sich teilweise auf den Stand vom Juli 2007 und auch
teilweise auf die Situation, die sich ergeben würde, wenn alle Fahrzeuge auf Autogasbetrieb
umgerüstet wären.
Die Umrüstung aller Fahrzeuge ist bis zum Zeitpunkt der Verfassung dieser Arbeit aus unter-
schiedlichen Gründen nicht erfolgt. Hauptgrund ist die Tatsache, dass der Landkreis Kassel
seit einigen Jahren seinen Fuhrpark bei Ersatzbeschaffungen nur noch mit Leasingfahrzeugen
ausstattet. Die gewöhnliche Leasingdauer der Fahrzeuge beträgt dabei 48 Monate.
Alle nach dem 01.01.2006 neu beschafften Fahrzeuge sind bis auf wenige Ausnahmen, auf
die später noch eingegangen wird mit Autogasantrieb ausgestattet worden.
Bei den Fahrzeugen, die vor dem Jahr 2006 beschafft wurden, handelt es sich um Fahrzeuge
mit herkömmlichen Ottomotoren, deren Leasinglaufzeit noch nicht abgelaufen ist und bei de-
nen eine nachträgliche Umrüstung für den Zeitraum der Restlaufzeit in Verbindung mit den
daraus resultierenden höheren Leasingraten nicht wirtschaftlich wäre.
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