Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 5
1 Einleitung 6
2 Die Entwicklung des Schulsystems der DDR 8
2.1 Die Ideologie von Marx und Engels als Basis des Deutschen Demokratischen
Republikanischen Schulsystems 8
2.2 1945 1949 Zeit der antifaschistisch- demokratischen Schulreform 10
2.2.1 Der Aufbau von Verwaltungsorganen als Basis für die 10
Neugestaltung von Erziehungsinstitutionen 10
2.2.2 Der Unterricht wird wieder aufgenommen 13
2.3 1949 bis 1960 Zeit des Aufbaus der sozialistischen Schule 17
2.3.1 Der Anfang und die Weiterentwicklung des 17
polytechnischen Unterrichts 17
2.3.2 Die zehnstufige polytechnische Oberschule 23
2.4 Ab 1961 /62 Zeit der Gestaltung eines einheitlichen 27
sozialistischen Bildungssystems 27
2.4.1 Entwicklung ab dem Jahre 1961 27
2.4.2 Entwicklung ab dem Jahre 1971 32
2.4.3 Die Umgestaltung seit 1989 33
2.5 Zusammenfassung 34
3 Der Unterricht 35
3.1 Die übergeordneten Ziele im Bildungssystem der DDR 35
3.2 Der Unterricht in der Deutschen Demokratischen Republik am Beispiel
ausgewählter Unterrichtsfächer 37
3.2.1 Allgemeinbildung 38
3.2.2 Der polytechnische Unterricht 40
3.2.2.1 Der Werk- und Schulgartenunterricht 41
3.2.2.2 Einführung in die sozialistische Produktion 43
3.2.2.3 Technisches Zeichnen 44
3.2.2.4 Produktive Arbeit 44
3.2.3 Das Unterrichtsfach Russisch 47
3.2.3.1 Ziele im Fach Russisch 49
2
3.2.3.2 Didaktik im Fach Russisch 50
3.2.4 Staatsbürgerkunde 51
3.2.4.1 Ziele im Fach Staatsbürgerkunde 51
3.2.4.2 Didaktik im Fach Staatsbürgerkunde 53
3.2.5 Sport 54
3.2.5.1 Ziele im Sportunterricht 54
3.2.5.2 Didaktik des Sportunterrichts 56
4 Resümee und Analyse 57
Anhang 61
Interviewleitfaden: 62
Interviews: 63
Interview mit Frau Müller 63
Interview mit Herrn Maier 68
3
Abkürzungsverzeichnis
BRD Bundesrepublik Deutschland CDU Christliche Deutsche Union DDR Deutsche Demokratische Republik DZVV Deutsche Zentralverwaltung EOS Erweiterte Oberschule GEW Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft KPD Kommunistische Partei Deutschlands NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei PDS Partei des Demokratischen Sozialismus POS Polytechnische Oberschule SBZ Sowjetische Besatzungszone SMAD Sowjetische Militäradministration ZK Zentralkomitee
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Stundentafel der Jahre 1945 /1946 11
Abbildung 2 Im Hintergrund das in dem der I. Pädagogische Kongress stattfand
vorne beseitigen Frauen die Trümmer des 2. Weltkriegs 15
Abbildung 3 Stundentafel von 1951 /52 18
Abbildung 4 Das Schulsystem in der DDR nach Einführung der Stufen 9 und 10 24
Abbildung 5 Stundentafel von 1958 /1959 25
Abbildung 6 Stundentafel von 1970 /1971 31
Abbildung 7 Stundenanteil der einzelnen Fachrichtungen in Prozent 40
Abbildung 8 Lehrerin und Schülerin beim Sähen im Garten 43
Abbildung 9 Die Produktive Arbeit: Bild links ein Schüler bei der Arbeit in einem
Betrieb Bild rechts Schülerinnen beim Melken auf einem Bauernhof 45
Abbildung 10 Stundenverteilung der Fremdsprachen in den einzelnen Jahrgangsstufen
und Schultypen 48
Abbildung 11 Themenvorschläge im Fach Russisch 50
Abbildung 12 Schülerinnen bei einer Sportstunde 54
5
1 Einleitung
Der Grund meines Anliegens über das Schulsystem der Deutschen Demokratischen Republik zu schreiben liegt nahe. Die schon lange andauernden Debatten, um das Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland, das schlechte Abschneiden unserer Schüler in der Pisastudie, sowie der immer wieder auftauchende Vorwurf, man müsse sich Länder wie Finnland oder Schweden zum Vorbild nehmen, haben mich bzw. müssen mich als angehende Pädagogin sensibilisiert(en). Besonders aus aktuellem Anlass, nämlich die bundesweit bekannten Schwierigkeiten an der Berliner Rütlischule taten ihr Übriges, um Gedanken über Schulsysteme anzustellen. Die Worte der Rektorin der Rütli-Schule rütteln wach: “Hier leistet sich eine Gesellschaft noch immer ein Schulsystem aus dem Kaiserreich und scheint einer anderen Einsicht nicht zugänglich." 1 Es scheint als wären viele mit dem bestehenden dreigliedrigen Schulsystem unzufrieden. Vor allem an den Hauptschulen sind die vielen Probleme nicht mehr zu übersehen. Oft werden Hauptschulen nur noch als „Restschule“ oder „Brennpunkt-Schule“ bezeichnet. Auch die Statistiken zeigen deutlich, dass dem dritten Glied des Systems immer mehr Schüler verloren gehen. Zahlen des statistischen Bundesamtes belegen das. Zwischen 2002 und 2005 verlor die Hauptschule 5,6%. 2 Die Diskussionen, um das dreigliedrige System werden immer lauter und vehementer. Während CDU und Philologenverband dafür plädieren das System beizubehalten, da es ihrer Meinung nach am besten der Begabung eines jeden Kindes gerecht werden kann 3 , setzt sich die SPD für Ganztagsschulen ein. Kinder dürfen nicht zu bald getrennt werden heißt es im Parteiprogramm der SPD. Die Aufteilung auf unterschiedliche Schularten verstärkt den Zusammenhang zwischen Bildungsabschluss und sozialem Umfeld. 4 Das veraltete Modell komplett
1
Spiegel-Online (2006), Seite http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,409548,00.html
2 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland (2006), Seite
http://www.destatis.de/basis/d/biwiku/schultab17.phphttp://de.wikipedia.org/wiki/Hauptschule# Kritik_und_Reformversuche
3 Vgl. CDU-Programm (2007), Seite http://www.cdu.de/doc/pdf/az_bildungspolitik_191104.pdf
4 Vgl. SPD-Programm (2007), Seite
http://www.spd.de/show/1704655/150207_broschuere_bildung.pdf
6
abzuschaffen, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die GEW spricht von einem längst überholten Modell der Ständegesellschaft aus dem 19. Jahrhundert. Sie fordert eine Einrichtung, in der alle Kinder bis zum Ende ihrer Pflichtschulzeit zusammen lernen. 5 Letztlich genug Gründe, um über Schulsysteme zu schreiben. Der Beweggrund speziell das Schulsystem der ehemaligen DDR zu analysieren, ergab sich durch einen Bekannten, der aus der ehemaligen DDR stammt und dort noch siebeneinhalb Jahre zu Schule ging. Bei zahlreichen Gesprächen fiel auf, dass sein Allgemeinwissen, speziell naturwissenschaftliches, physikalisches und technisches Wissen sehr vielseitig ist. Dies schuf Neugier und das Verlangen mehr über das Schulkonzept der DDR in Erfahrung zu bringen. Erkenntnisse, dass sogar die Führenden der Pisastudie das Konzept der ehemaligen DDR übernahmen, wie z.B. Finnland, berechtigt erst recht, den Unterricht der ehemaligen DDR näher zu betrachten. 6 Bereits in den 60er Jahren führten sie ein ähnliches System ein. Wie vielen bekannt sein dürfte, war das DDR-System ein Gesamtschulsystem. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass das Gesamtschulsystem in zahlreichen Ländern Anwendung findet, in denen die Pisastudie erfolgreicher ausfiel, als in Deutschland, das überwiegend nach dem dreigliedrigem Schulsystem unterrichtet.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei wesentliche Teile: Im ersten Teil der Arbeit wird die Entstehung sowie die Entwicklung der ehemaligen “DDR-Schule” aufgezeigt. Im zweiten Teil, dem Hauptteil der Arbeit, werden spezielle Fächer, die für die ehemalige DDR typisch waren näher dargelegt. Ein anschließender Interviewteil soll das Schulsystem näher untersuchen. Hierbei wird kein Anspruch auf empirische Gültigkeit erhoben, was die geringe Zahl der Interviews auch nicht zulässt. In einer abschließenden Beurteilung werden die einzelnen Gliederungspunkte nochmals von einer anderen Perspektive beleuchtet, wobei ein Vergleich mit unserem Schulsystem stattfindet.
5
Vgl. Die Bildungsgewerkschaft (2004), Seite http://www.gew.de/Pressemitteilung.html
6 Vgl. Wikipedia (2007), Seite
7
2 Die Entwicklung des Schulsystems der DDR
2.1 Die Ideologie von Marx und Engels als Basis des Deutschen Demokratischen Republikanischen Schulsystems
Auch wenn der Schwerpunkt meiner Arbeit auf dem Zeitabschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg liegt, ist es für das Verständnis der Entwicklung und des Aufbaus des Schulsystems der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wichtig, die Ideologie und somit die Voraussetzungen kennen zu lernen. Die Grundlage des sozialistischen Bildungssystems liegt weit zurück und stammt von Karl Marx (1818-1883)- er prägte vor allem den Begriff der polytechnischen Bildung, für die aufgrund von betrieblichen
Produktionsprozessen Notwendigkeit bestand 7 - und Friedrich Engels (1820-1895). Nicht umsonst definierte sich die Pädagogik der DDR als marxistisch und leninistisch. Allerdings konnte nie mit eindeutiger Sicherheit gesagt werden, dass Marx ein bestimmtes Bildungssystem konzipiert hat, aber in jedem Fall tätigen Marx und Engels Aussagen über Schule, Erziehung und Bildung. So war eine der ersten Forderungen Engels im Jahr 1847, der Apel nach Erziehung des Nachwuchses auf Staatskosten mit Ausrichtung auf industrielle Prozesse: “Erziehung sämtlicher Kinder, von dem Augenblick an, wo sie der ersten mütterlichen Pflege entbehren können, in Nationalanstalten und auf Nationalkosten. Erziehung und Fabrikation zusammen”. 8 Hier deutete sich zum ersten Mal an, dass ein Schwerpunkt der Ausbildung auf der arbeitstechnischen Seite liegt. Weiterhin war der Erziehungsbegriff (1866) von Marx sehr richtungweisend, worin er die geistige und körperliche Erziehung sowie die polytechnische Ausbildung (=Vermittlung allgemeiner Prinzipien aller Produktionsprozesse) formulierte. Diese und viele weitere von Marx und Engels
http://de.wikipedia.org/wiki/Bildungssystem_Finnland#Geschichtliches.
7 Vgl. Frankiewicz (1972), S.12.
8 Fischer (1992), S.7.
8
verfassten Aussagen wurden somit für ihre Nachfolger handlungsweisend. 9 Die Bedeutung der Lehren von Engels und Marx bestätigten sich auch im Interview mit Herrn Klawunn: “Oft lernten wir passagenweise die Manifeste der beiden Theoretiker der ehemaligen DDR auswendig.“ 10
Im Jahre 1919 wurde zum ersten Mal von der freien sozialistischen Jugend, der von Edwin Hoernle (kommunistischer Politiker und Pädagoge) erarbeitete Plan eines kommunistischen Schulprogramms, vorgelegt. Er richtete sich gegen die von der Weimarer Verfassung generierte Schulbildung, welche wohl eher für die westdeutschen Bundesländer maßgeblich war. Ganz oben befand sich der Schulrat, bestehend aus Schülern und Lehrern, das so genannte Vollzugsorgan. Dazu kam die dreistufige Spielschule, welche man zwischen dem dritten und achten Lebensjahr besuchte. Darauf aufbauend die Grundschule vom achten bis zum 14. Lebensjahr. Und die Fachschule mit praktischer Ausbildung in der Landwirtschaft oder der Produktion vom 14.-18. Lebensjahr. Nach der Fachschule bestand je nach Eignung noch die Möglichkeit zum Hochschulstudium.
1925 und 1929 verdeutlichte die KPD erneut ihr Schulprogramm, das in keinerlei Verbindung mit dem der Weimarer Verfassung stand. 11 Die marxistischen Ansätze ziehen sich bis zum Ende der DDR durch das Erziehungsprogramm. Somit wurde also zum Großteil der Grundstein des Schulsystems der DDR bereits in den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts gelegt. Auch deutliche Parallelen zur Einheits- und Arbeitsschule der Sowjetunion finden sich in diesem Schulsystem.
10 Interview mit Herrn Klawunn , Frage VII, S. 73
11 Vgl. Fischer (1992), S.18.
9
2.2 1945-1949 Zeit der antifaschistisch- demokratischen Schulreform
2.2.1 Der Aufbau von Verwaltungsorganen als Basis für die Neugestaltung von Erziehungsinstitutionen
Dass Deutschland am achten und neunten Mai vor den Siegermächten kapitulierte und in die vier Besatzungszonen aufgeteilt wurde, ist der geschichtliche Hintergrund, warum sich die DDR mit einem völlig andersartigen Erziehungssystem entwickelte. Schon weit vor allen anderen Besatzungsmächten und weit vor der Kapitulation, nämlich bereits im April 1945, wurden deutsche Kommunisten von der Sowjetunion mit dem Auftrag nach Berlin gesandt, mit der Gestaltung einer Zentralverwaltung zu beginnen. Obwohl Berlin als Einheit gesehen wurde, was sich anfangs durch eine gemeinsame Debatte um das Schulsystem zeigte, war die Aufteilung in Zonen die Grundlage für eine spätere Trennung Berlins. Schon im Mai 1945 bestand ein Rat aus 16 Mitgliedern, der für die weitere Entwicklung der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) bedeutend war. So geschah es auch in allen weiteren Teilen der neuen Bundesländer. Es dauerte nicht lange und es wurde im Juni 1945 die SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland), das oberste Entscheidungsorgan der SBZ gebildet. Die SMAD begann bereits zwei Monate später mit der Schaffung einer deutschen Zentralverwaltung unter anderem eine Zentralverwaltung für Volksbildung (DZVV). Ihre Aufgabe war die Anordnungen der SMAD umzusetzen und zu kontrollieren. Somit war ein erstes
Zentralverwaltungssystem geschaffen und die zentralistische Struktur der DDR bahnte sich an. Eine wichtige Forderung der SMAD war die Wiedereinführung antifaschistischer, also linksorientierter Parteien, wie KPD und SPD. Sie sollten später als „rechte Hand“ der Sowjetunion fungieren, um ihre Vorstellungen vom Sozialismus besser verwirklichen zu können. 12 Bereits im August 1945 wurde
12
Vgl. Ferrari-Demski (1997), S.22 f.
10
von der DZVV ein Notprogramm für einen neuen Schulbetrieb vorgestellt. Das Konzept zielte vorerst darauf ab die Analphabetenquote zu senken. Die pädagogischen Mittel und Methoden sowie Lehrmaterialien waren überwiegend aus der Zeit von 1933. Dieser Umstand ist darauf zurückzuführen, dass aufgrund der Folgen des Krieges zunächst keine neuen Materialien hergestellt werden konnten, bzw. erst neue Unterrichtsmethoden erstellt wurden. Ende August, Anfang September wurden erste Richtlinien für die Klassen eins bis acht aufgestellt. Letztlich erarbeitete die DZVV für das Schuljahr 1945/1946 erstmals folgende Stundentafel. In den ersten vier Schuljahren wurde Deutsch, Musik, Werken, Rechnen und Gymnastik unterrichtet. Ab der fünften Klasse kam eine Fremdsprache dazu sowie Geschichte, Erdkunde, Naturkunde, Physik, Werken, Algebra und Geometrie. Die genaue Stundenverteilung kann der folgenden Abbildung entnommen werden: 13
Abbildung 1 Stundentafel der Jahre 1945/1946
Quelle: Ferrari-Demski 1997: Zur Entwicklung der achtklassigen allgemein bildenden Einheitsschule in der SBZ bzw. in der DDR in den Jahren 1945 bis etwa 1951/52, S.29
13
Vgl. Ferrari-Demski (1997), S.26 f.
11
Betrachtet man die obige Grafik, fällt auf, dass das Fach Religion nicht
aufgeführt ist. Dies liegt daran, dass der Religionsunterricht von der SBZ
abgeschafft wurde, da man einen Widerspruch zwischen den unterrichteten
Inhalten des Religionsunterrichts und den ideologischen Ideen des
kommunistischen Systems sah. Alle privaten Schulen wurden ebenfalls
verboten, um eine einheitliche Erziehung der Bevölkerung zu erzielen. 14
Im Oktober forderten KPD und SPD die Entnazifizierung, Entmilitarisierung,
die Gewährleistung des Friedens sowie eine neue demokratische Struktur für
Deutschland. Eng verknüpft mit diesen Forderungen war die Ansicht der beiden
Parteien, nur mit einer einhergehenden Neugestaltung der Schule die genannten
Ziele zu erreichen. Dazu sollte ein kompletter Austausch des alten
Verwaltungsapparates sowie der Lehrerschaft stattfinden. 15 In vielen Städten
waren zu diesem Zeitpunkt bis zu 72 der Pädagogen, in Thüringen sogar an
die 90 der NSDAP angehörig. 16 Mehr als zwei Drittel von den 40 000
Lehrern, die in der DDR Mitglied der Nazipartei oder einer ähnlich gesinnten
Parteien waren, wurden in den zwei folgenden Jahren entlassen. 17 Insgesamt
sollen etwa 520 000 ehemalige NSDAPler von ihren Aufgaben suspendiert
worden sein. 18 Der “Neue Lehrer war fortschrittlich, demokratisch, sollte sich
seiner Verantwortung bewusst sein und auch so handeln. Gefordert wurden
zudem die Aufhebung des Bildungsprivileges sowie Trennung von Kirche und
Schule. Der erhebliche Mangel an Lehrkörpern wurde bewältigt, indem man
Tausende von Faschismusgegnern als Lehrkräfte einsetzte. Auch viele junge
Menschen aus der Arbeiterklasse stellten sich - nach einer kurzen Anlernzeit- zu
Verfügung. Zudem unterstützten zahlreiche Menschen, die aus den
Konzentrationslagern und Zuchthäusern zurückkamen die SBZ, damit
schnellstmöglich wieder ein geregelter Schulbetrieb und damit die Erziehung
der Jugend erfolgen konnte
Der langsame und auch mühevolle Neuanfang der deutschen Schule wurde
14 Vgl. Reble (2004 ), 330
15 Vgl. Fischer (1992 ), S 31 33
16 Vgl. Günther (1959 ), S 12
17 Vgl. Döbert (1995 ), S 19
18 Vgl. Fischer (1992 ), S 33
12
dabei von den Bildungsoffizieren der Sowjetunion unterstützt. Sie standen für Rat und Tat zur Seite. Insbesondere waren sie eine große Hilfe bei der Beseitigung der materiellen Schwierigkeiten. Verheerend war zu diesem Zeitpunkt der Zustand der Schulgebäude. So konnte gerade einmal in ¾ aller Schulen noch unterrichtet werden. Die Einrichtungen waren zum Teil völlig unbrauchbar. Kaputte und fehlende Möbel, Öfen und Unterrichtsmittel erschwerten den langsam anlaufenden Schulbetrieb zusätzlich. Überall fehlte es an Kleidung und Essen. Ein Großteil der Kinder war durch die lange Kriegszeit zu Analphabeten geworden und hatte sich in kriminellen Banden organisiert. Man sprach vom Verfall der Jugend. Von all den Schwierigkeiten lies man sich nicht beirren und setzte sein Vorhaben um.
2.2.2 Der Unterricht wird wieder aufgenommen
Am 1.Oktober 1945 ordnete die SMAD die Vorbereitung des Unterrichts an 10.946 von den 11.000 Schulen in der SBZ an. 19 Auch wenn weitere 3104 Schulen leichte bis mittelschwere Schäden aufwiesen, es an Papier und Stiften fehlte und anfangs Tageszeitungen oder Schulbücher aus den Jahren 1933 als Lehrmaterial verwendet wurden 20 , so konnten etwa 2,35 Millionen Kinder wieder die Schule besuchen. Bereits kurze Zeit später konnten die Schulen mit vier Millionen neu erstellten Lehrmaterialien versorgt werden, die nicht selten Übersetzungen sowjetischer Lehrbücher waren. 21 Neue Lehrpläne waren ebenfalls vorhanden. Sie machten relativ genaue Angaben, welche Ziele in den einzelnen Unterrichtsfächern erzielt werden sollten. Folgende Fächer wurden bis zu dieser Zeit wieder gelehrt: Mathe, Physik, Chemie, Biologie, Deutsch sowie eine Fremdsprache. Besondere Bedeutung in dieser Zeit muss dem Geschichtsunterricht erteilt werden. Dieser wurde erst ein Jahr später eingeführt und war meist ein Aufzeigen der deutschen Geschichte aus Sicht der SBZ. 22 Die
20 Vgl. Demski-Ferrari (1997), S.32.
21 Vgl. Günther (1959), S.13.
22 Vgl. Döbert (1995), S.19 f.
13
gegründete Zentralverwaltung für Volksbildung erarbeitete im Mai/Juni 1946 das erste, neue und demokratische Schulgesetz, nämlich “Das Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“, das von den meisten Ländern mit kleinen Abweichungen angenommen wurde. 23 So heißt es in der Festschrift zum
10. Jahrestag:
“Die neue Schule sollte `frei sein von allen Elementen des Militarismus, des Imperialismus, der Völkerverhetzung und des Rassenhasses`. Sie sollte so aufgebaut sein, dass sie allen Jugendlichen, Mädchen und Jungen, Stadt- und Landkindern, ohne Unterschied des Vermögens ihrer Eltern das gleiche Recht auf Bildung und seine Verwirklichung entsprechend ihren Anlagen und Fähigkeiten garantiert. Der Schule wurde das Ziel gestellt, die Jugend zu selbständigen denkenden und verantwortungsbewusst handelnden Menschen, die fähig und bereit sind, sich voll in den Dienst der Gemeinschaft des Volkes zu stellen, zu erziehen.” 24
Dies sollte in Zukunft uneingeschränkt für alle Kinder gelten. Das neue Schulsystem beinhaltete auf der ersten Stufe den Kindergarten, daran anschließend, etwa im Alter von sechs Jahren die achtjährige einheitliche Grundschule. Die so genannte Einheitsschule wurde die Grundlage des neuen Schulsystems. Hierauf folgte entweder der Besuch der Oberschule für weitere vier Jahre oder eine berufliche Ausbildung.
Ebenfalls ein großer Fortschritt war es, den gravierenden Unterschied von Schulbesuchern zwischen Kindern auf dem Land und der Stadt auszugleichen. Während des Zweiten Weltkrieges waren gerade 10% der Kinder, die auf dem Land lebten Oberschüler, danach waren es bereits 50%. Somit kamen auch endlich viele dieser Kinder in den Genuss einer Schulausbildung. Anstrengung wurde auch im Bereich der Bildung behinderter oder schwer erziehbarer Kinder unternommen, auf die im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen wird. Herr Klawunn sprach im Interview ebenfalls von den eingerichteten Sonderschulen, die es schlechteren Schülern ermöglichten einen Abschluss als
24 Günther (1959), S. 14.
14
Teilfacharbeiter zu machen und somit die Chance auf einen Arbeitsplatz erhöhten. Die Interviews lassen die Vermutung zu, dass diese Einrichtungen von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wurden. 25 Sehr große Beachtung ist allerdings den vier Pädagogischen Kongressen zu widmen. Wie die Vorstellungen und Pläne der neuen Schule umgesetzt werden konnten war Thema des I. Pädagogischen Kongresses im August 1946.
Abbildung 2 Im Hintergrund das in dem der I. Pädagogische Kongress
stattfand;vorne beseitigen Frauen die Trümmer des 2. Weltkriegs
Quelle: Günther 1959: Die Schule der DDR, S.13
Auf dem II. Kongress September 1947 ging es schon darum, das ganze System, das bis dahin schon relativ gut funktionierte qualitativ zu verbessern und ein einheitliches Konzept für den Unterricht in der gesamten allgemeinbildenden Schule zu erreichen. Unter anderem sollte das Niveau der Pädagogen wieder angehoben werden. Womit auch eine fortschrittliche Unterrichtsweise gefordert wurde.
Der III. Kongress im Jahr 1948 war eher politisch bestimmt, woran die voranschreitende Trennung Deutschlands Schuld war. Von den Lehrern wurde
25
Vgl. Interview mit Herrn Klawunn , Ergänzungsfrage zu Frage V, S. 73
15
Arbeit zitieren:
Michaela Dormann, 2007, Das Schulsystem der Deutschen Demokratischen Republik - Entwicklungsphasen und der Unterricht am Beispiel ausgewählter Fächer, München, GRIN Verlag GmbH
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Heißt von Finnland lernen, von der DDR lernen?
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
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"Es war doch nicht alles schlecht! Oder?" - Kinderbetreuun...
Frauenstudien / Gender-Forschung
Seminararbeit, 25 Seiten
Bildungspolitik und Entwicklung des Bildungswesens der DDR seit 1945
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Referat (Ausarbeitung), 58 Seiten
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