Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Grundlegende historische Aspekte 2
2.1 Psychologische Aspekte Piagets und der Tätigkeitspsychologie 3
2.2 Bildungstheoretischer Hintergrund 7
3. Das Projekt 8
3.1 Geschichte und Theorie 8
3.2 Biographische Aspekte Deweys 12
3.3 Die Projektmethode nach Dewey und Kilpatrick 14
4. Inhalte und Methoden des alten Mathematikunterrichtes 16
4.1 Kritik am alten Mathematikunterricht 20
5. Das Projekt Mathe 2000 23
5.1 Geschichte 23
5.2 Ideen und Methoden 26
5.2.1 Neue Typen von Aufgaben 28
5.2.2 Halbschriftliche Rechenverfahren 31
5.2.3 Aktiv-entdeckendes Lernen 32
6. Gemeinsamkeiten des Projektes Mathe 2000 und des Projektes von Dewey und
Kilpatrick 34
7. Das Konzept Mathe 2000 an Förderschulen für Lernen 35
7.1 Personengruppe und Lernvoraussetzungen der Schülerschaft 36
7.2 Aspekte des Lehrplans Mathematik 38
7.3 Umsetzungsmöglichkeiten und Grenzen 39
8. Resümee 48
Literaturverzeichnis 52
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1. Einleitung
Diese Staatsarbeit mit dem Thema „Das Projekt von Dewey/Kilpatrick und das Projekt Mathe 2000 – Inhalte und Methoden und ihre Möglichkeiten und Grenzen im Förderunterricht“ wurde im Fachbereich 13, Förderschwerpunkt Lernen verfasst.
Zur Auswahl dieser Thematik haben einige Aspekte beigetragen, die ich im Folgenden kurz erläutern möchte. Zum einen studiere ich Mathematik als Unterrichtsfach. In diesem Fachbereich steht das „Projekt Mathe 2000“ im Vordergrund und wird immer wieder vorgestellt und vermittelt. Dabei ist allerdings eine Verknüpfung mit dem Unterricht an Förderschulen für Lernen nicht vorgesehen. Die Inhalte befassen sich hauptsächlich mit den Themen der Grundschule und gehen nicht auf Umsetzungsmöglichkeiten für einen Förderschulunterricht ein.
Andererseits wäre es wünschenswert, wenn auch das Angebot zur möglichen Umsetzung im Fachbereich 13 umfangreicher wäre.
In den Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen wird zumeist die Didaktik der Mathematik aus der Grundschule adaptiert. Die Richtlinien für den Förderschwerpunkt Lernen, die in Nordrhein-Westfalen noch Gültigkeit besitzen, stammen aus dem Jahr 1977. Es sind zwar schon neue Richtlinien erarbeitet und auch in verschiedenen Gremien vorgestellt worden, aber noch nicht in Kraft getreten. Aber gerade der Unterricht an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen ist nicht mit dem Unterricht an einer Grundschule vergleichbar. Denn Schüler/Innen im Förderschwerpunkt Lernen haben differente Beeinträchtigungen. Deswegen ist es notwendig, differenzierte Veranschaulichungen und Arbeitsmaterialien zu verwenden.
Da ich durch das Mathematik-Studium schon einige Erfahrungen mit den Inhalten und Methoden des Projekts Mathe 2000 gemacht habe und ich diese auch für sinnvoll halte, möchte ich mit dieser Arbeit einerseits den Versuch unternehmen, zu schauen inwieweit das Projekt Mathe 2000 auch für den Förderunterricht an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen umsetzbar
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und sinnvoll ist. Andererseits möchte ich erläutern inwieweit die Aspekte des Projekts von Dewey/Kilpatrick sich im Projekt Mathe 2000 wiederfinden.
Das folgende zweite Kapitel befasst sich mit historischen Aspekten, die grundlegend für die weitere Arbeit sind. Dazu gehören die Arbeiten Piagets und die der russischen Tätigkeitspsychologie. Zu dem geht dieses Kapitel auf die bildungstheoretischen Hintergründe ein.
Im dritten Kapitel erläutere ich zunächst den Projektbegriff im allgemeinen und gehe auf seine Theorie und seine Geschichte ein. Wichtige biographische Gesichtspunkte im Leben von John Dewey und die Projektmethode nach Dewey und Kilpatrick schließen sich an.
Das vierte Kapitel widmet sich den Merkmalen und Inhalten des alten Mathematikunterrichtes sowie den aus heutiger Sicht relevanten Kritikpunkten. Das Projekt Mathe 2000, seine Entwicklung und dessen Ideen und Methoden finden sich im fünften Kapitel wieder.
Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Konzept Mathe 2000 und dem Projektbegriff von Dewey und Kilpatrick werden im sechsten Kapitel erläutert. Im siebten Kapitel findet die Verknüpfung des Konzeptes Mathe 2000 mit dem Unterricht an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen statt. Das Resümee fasst die Ergebnisse und Einschätzungen, die sich im Verlauf der Auseinandersetzung mit der Fragestellung dieser Arbeit ergeben haben zusammen.
2. Grundlegende historische Aspekte
Zu Beginn geht diese Arbeit zunächst auf historische Aspekte ein, die unter anderem als Basis und Erklärungsansätze für spätere Konzeptentwicklungen dienen können. Dabei ist einerseits die Arbeit Piagets und der Bereich der russischen Tätigkeitspsychologie zu nennen. Andererseits muss in diesem Zusammenhang auch der bildungstheoretische Hintergrund Berücksichtigung finden.
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2.1 Psychologische Aspekte Piagets und der
Tätigkeitspsychologie
Schon Piaget meinte, dass der Austausch zwischen Individuum und Umwelt nur durch ein aktives Individuum stattfindet (vgl. Moser-Opitz 2002). Die Schüler/Innen sollen in Zusammenhängen Lernen und ein operatives Denken entwickeln. Diese sogenannte aktive Aufbauleistung wurde mit den Begriffen Assimilation, Akkomodation, Adaption und Aquilibration bezeichnet, darunter wird eine ständige Auseinandersetzung des Individuums mit der Umwelt verstanden.
Assimilation:
1. meint die Anpassung des Gegenstandes an die vorhandenen kognitiven
Strukturen
Aquilibration:
1. meint den Prozess des Strebens nach einem Gleichgewicht zwischen
Umweltanforderungen und den kognitiven Strukturen des Individuums
Adaption:
1. meint den Prozess der anpassenden Interaktion, umfasst immer – je nach
Situation – Elemente der Assimilation und der Akkomodation
Akkomodation:
- meint die Veränderung beziehungsweise Erweiterung der kognitiven Strukturen der Person in Reaktion auf Umweltforderungen (vgl. Reader Selter. Einführung in die grundlegenden Ideen der Mathematikdidaktik)
Durch diesen aktiven Prozess entwickeln sich die kognitiven Strukturen fortlaufend. „Dieses Verständnis von Entwicklung des Lernens beinhaltet somit, das außenstehende Personen nicht für das Lernen garantieren, sondern dieses höchstens arrangieren und begünstigen können“ (Moser- Opitz 2002, 21f.). Anders gesagt bedeutet es, dass der Lehrer nicht mehr im Vordergrund des Geschehens steht und den Kindern Strukturen und Wege vorgibt. Er soll
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vielmehr eine lernförderliche Umgebung schaffen und den Kindern als Berater und Helfer zur Verfügung stehen. Dadurch erreichen die Schüler/Innen die „Zone der nächsten Entwicklung“. Damit ist die Auseinandersetzung des Lehrers mit den nächstmöglichen Entwicklungsschritten der Schüler/Innen gemeint, um eine optimale individuelle Förderung zu ermöglichen. Die davor liegende Stufe heißt „Zone der aktuellen Entwicklung“ und meint die Lernausgangslage. Wichtig bei der „Zone der nächsten Entwicklung“ ist, dass der Lehrer weiß welcher Schritt folgt um die nächste Zone zu erreichen. Es gibt auch kein Zeitfenster wann die nächste Entwicklung abgeschlossen ist.
Die psychologische Grundlage der so genannten „Zone der nächsten Entwicklung“ ist die russische Tätigkeitspsychologie, die ihre Anfänge in den 30er Jahren hatte. Anstoß war die Oktoberrevolution 1917. Als Oktoberrevolution wird die gewaltsame Machtübernahme der russischen kommunistischen Bolschewiki im Jahre 1917 gegen die aus der Februarrevolution hervorgegangenen Übergangsregierung der sozialdemokratischen Menschewiki unter Kerenski bezeichnet. Diese Machtübernahme bildete den Ausgangspunkt für den Aufbau eines sozialistischen Staates in Russland. Ein weiteres Ergebnis der Oktoberrevolution war der Aufschwung der Volksmassen und die daraus folgende Kraft des Klassenbewusstseins der Arbeiter und Bauern. Die russische Tätigkeitspsychologie geht davon aus, dass menschlichephysische Funktionen aus den Formen des Verkehrs zwischen Menschen entstehen, analog dazu kann man den Unterricht im Projekt Mathe 2000 sehen, wo die Kinder selbstständig und untereinander Aufgaben lösen sollen. Durch das Hineinwachsen von Außen nach Innen entsteht die Umwandlung der äußeren in eine innere psychische Tätigkeit. Diese ist mit der aktivistischen Sicht des operativen Prinzipes vergleichbar.
Die äußere ist bewusste Tätigkeit, also ein objektiver Prozess. Die bewusste Tätigkeit ist das Mittel, um die Psychologie aus der abgeschlossenen Welt des Bewusstseins herauszuführen.
Hauptmerkmale für die Erkenntnis des seelischen Lebens:
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bewusste Tätigkeit beschreibt nicht nur die passive Tätigkeit
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− −
Der bekannteste Vertreter der russischen Tätigkeitspsychologie war der Weißrusse Lew Wygotski (1896-1934).
Er prägte den Begriff „die Zone der nächsten Entwicklung“ (Wygotski 1987, 83). Wygotski (1987) definiert: "Das Gebiet der noch nicht ausgereiften, jedoch reifenden Prozesse ist die Zone der nächsten Entwicklung des Kindes" (ebd.). Das Problem bei einer Beobachtung ist häufig, dass nur der Ist-zustand der zu beobachteten Person beurteilt werden kann. Die Frage welche Entwicklung das Kind nun nehmen kann und soll wird zu selten gestellt. Dadurch wird häufig verpasst die Kinder optimal zu fördern. Durch eine gezieltere Förderung entwickeln sie sich schneller.
Außerdem ist es wichtig, dass die Förderung die nächsten Schritte der Entwicklung beinhaltet. Fördert man mit Inhalten des derzeitigen Entwicklungsstandes, schreiten die Kinder nicht so schnell voran und das Lernen ist ineffektiver. Dieses ist vergleichbar mit dem Spiralprinzip aus dem Projekt Mathe 2000, in der auch immer eine ganzheitliche Behandlung vollzogen wird.
Ein weiterer wichtiger Vertreter war der Russe Alexej Leontjew (1903-1979). Er ging davon aus, dass man nicht zur Persönlichkeit geboren wird, sondern man wird zur Persönlichkeit geformt. Er meint damit eine aktive Auseinandersetzung des Individuums mit der Umwelt, die das Individuum gestaltet und formt. Gerade durch soziale Beziehungen eignet sich das Kind das kulturelle Erbe einer Gesellschaft an.
Diese aktive Tätigkeit findet sich im handlungsorientierten Unterricht wieder. Die Idee des handlungsorientierten Unterrichts geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Schon Johann A. Comenius forderte die Stoffvermittlung durch die Berücksichtigung aller Sinne zu erleichtern.
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Diese Handlungsorientierung im Unterricht soll den Schüler/Innen ermöglichen selbstständig Aufgaben zu bewältigen und im sozialen Austausch mit anderen Schüler/Innen und im Klassenverband verschiedene Lösungswege zu diskutieren. Dadurch lernen sie auch den eigenen Lösungsweg vorzustellen und zu erläutern. Auch hier finden sich Inhalte und Methoden des Projekts Mathe 2000 wieder, wie zum Beispiel die Möglichkeit auf verschiedene Lösungswege zurückzugreifen.
Der handlungsorientierte Unterricht hat als psychologische Grundlage die „Kognitive Psychologie“.
Die kognitive Psychologie versucht das Wesen der menschlichen Intelligenz und des menschlichen Denkens zu verstehen. Seit mehr als 2000 Jahren wird über kognitive Vorgänge geschrieben - in den abendländischen Kulturkreisen bis zu den alten Griechen Platon und Aristoteles - doch erst seit 100 Jahren werden diese Vorgänge auch wissenschaftlich untersucht, man forscht nach grundlegenden Mechanismen des menschlichen Denkens. Denn vor dem 19. Jahrhundert schien es undenkbar die Tätigkeit des menschlichen Geistes mit naturwissenschaftlichen Methoden zu untersuchen, wegen eines egozentrischen, mystischen und verworrenen Selbstverständnisses. Zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert entwickelte sich eine Debatte über die kognitive Entwicklung, woraus zwei konträre Positionen entstanden. Zum Einen die Empiristen (Locke, Hume, Mill), die davon ausgingen, dass alles Wissen auf Erfahrung zurückzuführen war und zum Anderen die Nativisten/Rationalisten, die davon ausgingen das Wissen zum großen Teil angeboren war (Descartes, Kant).
Die kognitive Psychologie geht von kognitiven Fertigkeiten, die erlernt werden, aus und teilt diese in drei Phasen:
1. kognitive Phase: Beschreibung der Prozedur wie gelernt wird
2. assoziative Phase: Methoden zur Durchführung der Fertigkeiten werden
ausgearbeitet
3. autonome Phase: Fertigkeiten werden immer schneller und automatischer
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2.2 Bildungstheoretischer Hintergrund
Die Kritik am Schulwesen entstand nicht erst durch die Reformpädagogen oder durch die Studentenbewegung in den 60er Jahren. Diese Kritik hat eine lange historische Tradition und geht weit in der Geschichte zurück.
Schon vor zweitausend Jahren war man der Auffassung, dass Schule Lebensferne und Lebensfremdheit beinhaltet, dieses wurde zum ersten Mal vom römischen Philosophen Seneca in einem Zitat, welches heute immer noch Bedeutung hat, festgehalten. „non vitae, sed scholae discimus”, (nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir. Seneca 1995, 626 f.).
In Deutschland waren es vor allem die Anhänger der Reformpädagogik und die Studentenbewegungen in den 60er Jahren, die für ein verändertes Schulsystem standen. Den Schülern sollte ein höheres Mitbestimmungsrecht gegeben werden, damit die Interessen der Schüler mit in den Unterricht einbezogen werden können.
Die Schule sollte nicht länger lebensfremd und nur auf Faktenwissen basieren. Es soll ein Unterricht entstehen, in dem Schüler und Lehrer gleichberechtigt lehren und lernen. Der kindliche Lebensweltbezug steht mit im Vordergrund der Vorstellungen der Reformpädagogen. Der Schüler soll „aktiv“ werden und versuchen, selbstständig und selbsttätig zu lernen. Der Lehrer soll indessen im Hintergrund bleiben und angemessene Lernvoraussetzungen für die Kinder schaffen, er steht aber weiterhin als beratender Helfer und Organisator den Kindern zur Verfügung.
Die politische Kritik der Studenten zielte nicht nur auf die Trennung von Theorie und Praxis in den Hochschulen ab, sondern beinhaltete auch die Kritik am Fehlen jeglicher Mitbestimmungs- und Kontrollmöglichkeiten. Im Zuge der Einrichtung von integrierten Gesamtschulen in den 60er Jahren, gewann die Kritik auch für die Schulen an Bedeutung, denn dadurch, dass in zunehmenden Maße in der Berufswelt Handlungszusammenhänge gefordert wurden, die eine ständige Kooperation verschiedener Spezialisten beinhalteten. Das bedeutet für die Schule und auch für die Universität, dass sie ihren Schülern bzw. Studenten das Arbeiten im Team ermöglichen müssen, damit sie für den immer komplexer werdenden Arbeitsmarkt qualifiziert sind. Die Kritik am Schulwesen ist daher
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eine logische Folge aufgrund unzureichenden Erlernens von komplexen Handlungsabläufen und Teamarbeit in der „alten Schule“.
3. Das Projekt
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den historischen und theoretischen Aspekten des Projektes, um den Begriff Projekt zunächst allgemein zu erläutern. Einige biographische Aspekte Deweys wirkten sich auf seine späteren Arbeiten aus und fließen daher in die Arbeit mit ein. Seine Ausführungen zum Projekt, die er gemeinsam mit Kilpatrick verfasst hat, schließen sich daher an das biographische Kapitel an. Die Projektmethode nach Dewey und Kilpatrick ist relevant, um im späteren Verlauf dieser Arbeit auf mögliche Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten mit dem Projekt Mathe 2000 einzugehen.
3.1 Geschichte und Theorie
Der Begriff Projekt stammt vom lateinischen Wort „projicere“ ab und bedeutet voraus werfen, entwerfen, planen, sich vornehmen (vgl. Brockhaus.1956). Projekt bedeutet im Allgemeinen die Planung und Durchführung eines größeren Vorhabens, so wird das Projekt in der Industrie und Wissenschaft verwendet. In Bezug auf Schule bedeutet Projekt allgemein: Selbsttätigkeit der Schüler bei der Planung, Durchführung und Beurteilung von Unterricht, Abbau der Lehrerdominanz, problemorientiertes Lernen und Handeln, Überbrückung der Unterschiede zwischen schulischem und außerschulischem Lernen. Das Projekt unterscheidet sich von anderen Methoden in vier Punkten: − es muss eine Aufgabe enthalten − die Arbeit muss einen größeren wichtigen Arbeitsvorgang umfassen − Verantwortung des Schülers für die Planung und Durchführung − Das Projekt muss auf die Lösung einer Aufgabe gerichtete Tätigkeit besitzen Der Ablauf des Projektverfahrens wird allgemein so beschrieben: − Zielsetzung (purposing) − Planung (planning) − Ausführung (executing) − Beurteilung (judging)
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Der Zeitfaktor spielt während eines Projektes eine wichtige Rolle, dieser wird mit einem allgemeinen und einem besonderen Grund begründet. Der allgemeine Grund beinhaltet, dass ein Projekt aus mehreren Komponenten besteht und dass es daher notwendig ist, nach größeren Arbeitsschritten sogenannte Fixpunkte zu legen, um über das bisher Geleistete zu reflektieren und etwaige Probleme oder Veränderungen zu diskutieren. Wenn ein Projekt einen zeitlichen Rahmen besitzt, können die einzelnen Komponenten leichter zusammengelegt werden. Der besondere Grund beinhaltet, dass die gegenwärtigen Bildungsinstitutionen sehr stark durchorganisiert sind. Dadurch entsteht ein komplexes System mit vielen kleinen Komponenten, sodass kaum Zeitblöcke von mehreren Stunden hintereinander für ein Projekt zur Verfügung stehen. Daher ist es kaum zu realisieren ein Projekt spontan zu verwirklichen, sondern es bedarf einer intensiven Vorbereitung.
Im Zusammenhang mit dem Projekt wird auch immer von dem „Vorhaben“ (Reichwein) gesprochen. Es wird in dieser Arbeit nicht weiter auf das „Vorhaben“ eingegangen, es werden lediglich Unterschiede in den Strukturmomenten nach Stach (1978, 27) erläutert:
„Projekt:
− Motivation − Planbarkeit − Ernsthaftes Engagement − Zielgerichtetheit − Individuelles und kooperatives Handeln − Hingabe des Kindes − Verantwortlichkeit − Ergebnis und Abschluss − Aufgabenbeurteilung
Vorhaben:
− Bedingte Planbarkeit − Ernstsituation
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− Zielorientiertheit − Gemeinsames Handeln − Hingabe an das gemeinsame Werk − Vollendungswillen − Werkvollendung“
Um die Ursprünge des Projektes in der Geschichte zu erfahren, muss man bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgehen, dort war die erstmalige Verwendung in unserem Sinne an den Kunstakademien Italiens und Frankreichs. An der Pariser Akademie Royale d’Architecteure hatten Studenten die Aufgabe möglichst kreative Bauten zu planen und dann in Kooperation mit anderen Studenten diese Projekte zu verwirklichen. Danach kamen die Ideen des Projektes an die technischen Hochschulen in Europa und den USA. Charles A. Richards soll in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts den Begriff Projekt als Erster in einem veröffentlichten Artikel verwendet haben. Dieser Begriff wurde kurze Zeit später von J.A. Stevenson in seinen Berufsschulen für landwirtschaftliche Kurse in Massachussets verwendet. Daraus folgte dann im Jahre 1911 die erste Definition von einem Projekt, welche durch die staatliche Schulbehörde von Massachussets verfasst wurde: „Schließlich ist ein landwirtschaftliches Projekt (...) eine Arbeit auf einem Bauernhof, die in ihrer Vorbereitung und Ausführung einen gründlichen Erziehungsprozeß einschließt“ (Stach 1978, 11).
Im Jahre 1918 wurde diese erste Definition von der Bundesbehörde für Berufserziehung in ähnlicher Weise umschrieben und gilt als die erste offizielle amtliche pädagogische Definition, welche auch in den folgenden Jahren von Schulleitern, Schulräten etc. so verstanden wurde: „Das Projekt als eine umfassende Aufgabe praktischer, konkreter und werklicher Art, die das Interesse des Schülers herausfordert und bei ihrer Ausführung die Kräfte des Planens weckt. Er muß aber das Projekt nicht nur planen, sondern es auch in seiner natürlichen Umgebung lösen“ (Stach 1978, 12).
Durch John Dewey und seinem Schüler William Heard Kilpatrick erhielt der Begriff neue Akzente. Kilpatrick definierte das Projekt neu: „Jedes von einer Absicht geleitete Sammeln von Erfahrungen, jedes zweckgerichtete Handeln,
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Arbeit zitieren:
Boris-Nicolai Mester, 2008, Das Projekt von Dewey/Kilpatrick und das Projekt Mathe 2000 – Inhalte und Methoden und ihre Möglichkeiten und Grenzen im Förderunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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