Diplomarbeit
im Fach Physik
Charakterisierung und Parameterabh¨
angigkeit
komplexer Muster in einer Einspiegelanordnung
von
Daniel Rudolph
aus G¨ottingen
Westf¨alische Wilhelms-Universit¨at M¨unster
Institut f¨ur Angewandte Physik
Februar 2001
meinem Papa
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas
par rassembler du bois, couper des planches et distribuer
du travail, mais r´eveille au sein des hommes le d´esir de
la mer grande et large.
(Antoine de Saint-Exup´ery)
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
3
2Musterbildung in einer Einspiegelanordnung
5
2.1
Optische R¨uckkopplung in einer Einspiegelanordnung . . . . . . . . . . . .
5
2.2
Natriumdampf als nichtlineares Medium . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6
2.3
Modifizierte Einspiegelanordnung mit /4-Pl¨attchen . . . . . . . . . . . . .
8
2.4
Experimenteller Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
9
3
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
15
3.1
Beobachtung der bisher bekannten Muster und einiger Variationen . . . . . 15
3.1.1
Hexagone . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
3.1.2
Quasimuster: Q
12
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
3.1.3
¨
Uberstrukturen auf hexagonalem Grundgitter: SiH+SiH
. . . . . . 18
3.1.4
¨
Uberstrukturen auf quadratischem Grundgitter: AS
2,1
+SiS . . . . . 19
3.1.5
Kontrastreiche Streifen:
"
Walls" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
3.1.6
Kontrastreiche Quadrate:
"
Chessboards" . . . . . . . . . . . . . . . 22
3.1.7
Nicht eindeutig klassifizierte Muster . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.2
Beobachtung einer neuen Musterform . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
3.3
Reproduzierbarkeit der Messungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
4
Kollimationskontrolle
31
4.1
Auskopplung mit einem Mikroskopobjektiv . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
4.2
Auskopplung mit einem 2- Linsensystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
4.3
Auskopplung mit Mikroskopobjektiv und Teleskop . . . . . . . . . . . . . . 34
1
2
Inhaltsverzeichnis
5
Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
37
5.1
Bifurkationsszenario bei T = 284
C . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
5.2
Bifurkationsszenario bei T = 304
C . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
5.3
Bifurkationsszenario bei T = 315
C . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
5.4
Bifurkationsszenario bei T = 325
C . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
5.5
Vergleich der Bifurkationsszenarien der verschiedenen Temperaturen . . . . 51
5.6
Abh¨angigkeit der Stabilit¨atsbereiche von experimentellen Parametern . . . 52
6
Einfluss der Laserstrahlkollimation
57
6.1
Systematische Variation der Laserstrahlkollimation . . . . . . . . . . . . . 57
6.2
Kollimationsabh¨angige Wellenzahl¨anderungen . . . . . . . . . . . . . . . . 59
6.3
Beobachtung der 42
- Muster in divergenten Strahlen . . . . . . . . . . . . 60
6.3.1
Analyse eines experimentell beobachteten Muster 42 . . . . . . . . . 61
6.3.2
Vektoriell generiertes Muster 42 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
6.3.3
Parameterabh¨angigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
6.3.4
H¨ohere Harmonische . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
6.4
Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
7
Zusammenfassung und Ausblick
73
A Messung der Teilchenzahldichte
77
A.1 Messung mittels Kleinsignalabsorption . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
A.2 Messung mittels des nichtlinearen Faraday- Effekt . . . . . . . . . . . . . . 78
A.3 Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
B Entstehung von Fourierkomponenten durch die nichtlineare Propagations-
funktion des Mediums
81
B.1 Motivation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
B.2 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
B.3 Reelle Streifen in der Orientierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
B.4 Reelles Zwei- Moden- Problem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
B.5 Abschw¨achung der h¨oheren Harmonischen eines AS
2,1
+SiS . . . . . . . . . 87
B.6 Reelles Drei- Moden- Problem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
Kapitel 1
Einleitung
Seit einigen Jahren ist ein wachsendes Interesse an Strukturbildungsprozessen zu beobach-
ten. Dabei ist es eine weitverbreitete Beobachtung, dass der homogene Gleichgewichtszu-
stand instabil wird, wenn das System durch ¨
Anderung eines Stressparameters weit genug
aus dem thermodynamischen Gleichgewicht getrieben wird [CH93]. Typischerweise bilden
sich an der Schwelle zun¨achst einfach periodische Muster (Streifen, Quadrate, Hexagone).
Viele ihrer Eigenschaften sind unabh¨angig von dem spezifischen musterbildenden System,
in dem sie auftreten [CH93]. Bei einer weiteren Erh¨ohung des Stressparameter kommt es
oft zu sekund¨aren Bifurkationen oder Sequenzen von Bifurkationen, in denen das System-
verhalten zunehmend komplexer wird. Vieluntersuchte M¨oglichkeiten sind das Auftreten
von Defektstrukturen und regul¨aren oder irregul¨aren Zeitabh¨angigkeiten. F¨ur einen ¨
Uber-
blick sei auf [Man90, CH93, BN98, BC98] verwiesen.
In den letzten Jahren wurde klar, dass es auch andere M¨oglichkeiten zur Erzeugung von
station¨aren Zust¨anden h¨oherer Komplexit¨at gibt, in denen eine hohe Regularit¨at ¨uber das
Grundgebiet erhalten bleibt. ¨
Uberstrukturen oder Supergitter, welche sich aus einfacheren
Gittern zusammensetzen lassen, wurden in hydrodynamischen Experimenten gefunden
[KPG98, AF98, WMK99]. Theoretische Beschreibungen sind erst in den Anf¨angen [DG92,
JS00, LLBRT96].
¨
Uberstrukturen wurden vor kurzem in unserer Arbeitsgruppe in einem musterbildenden
optischen System beobachtet [GWHAL01]. Es handelt sich um eine experimentelle Rea-
lisierung einer so genannten Einspiegelanordnung [Fir90, DF91, DF92], die ein wichtiges
Modellsystem zur Untersuchung von Musterbildung in der nichtlinearen Optik ist. Sie
besteht aus einem nichtlinearen Medium und einem Spiegel, der einen Teil des durch
das Medium transmittierten Lichts in dasselbe zur¨uckkoppelt. Die Muster werden als
r¨aumliche Strukturen in der Ebene transversal zur Ausbreitungsrichtung beobachtet, d.h.
das Lichtfeld wird senkrecht zur Ausbreitungsrichtung aufgrund des Zusammenspiels von
Beugung und der Wechselwirkung mit einem nichtlinearen Medium moduliert.
Die Verwendung von Natrium als nichtlineares Medium erleichtert die Kontrolle ¨uber
die Bildung von Mustern, da die Nichtlinearit¨at in Abh¨angigkeit von experimentell gut
3
4
Kapitel 1. Einleitung
zug¨anglichen Parametern, wie dem Magnetfeld [AHLL97], der Polarisation [ABL
+
97] und
der Teilchenzahldichte, sich ¨uber eine große Spanne ¨andert [LAA
+
99]. Zudem existiert ein
etabliertes Modell [MDLM86].
Als interessante Erweiterung erwies sich das Einf¨ugen eines /4-Pl¨attchens zwischen das
nichtlineare Medium und den R¨uckkoppelspiegel [SF96]. Hiermit werden wesentlich klei-
nere Laserleistungen f¨ur die Musterbildung ben¨otigt. Vor allem werden Quasimuster und
¨
Uberstrukturen beobachtet [Aum99, HGWA
+
99].
Ein zusammenfassender ¨
Uberblick ¨uber alle beobachteten Muster existiert bisher nicht. In
dieser Arbeit werden Mustertypen aufgef¨uhrt, welche die Muster nach ihren Eigenschaf-
ten klassifizieren. Die Muster werden hierzu ¨uber die Wellenvektoren ihrer Grundmoden
identifiziert. Winkel zwischen den Wellenvektoren, Wellenzahlverh¨altnisse unterschied-
lich langer Wellenvektoren innerhalb eines Musters, Intensit¨atsverh¨altnisse der einzelnen
Fouriermoden sowie das zugrunde liegende Grundgitter, auf dem die Wellenvektoren an-
geordnet sind, geh¨oren zu den Kerneigenschaften eines Musters. Variationen solcher idea-
lisierten Muster werden gesondert aufgef¨uhrt und deren Abweichungen vom Standardtyp
diskutiert.
¨
Uber die Mechanismen der Musterselektion existiert noch keine umfassende Theorie. In
einigen Ans¨atzen werden Resonanzen von Vektorsummen von Wellenvektoren als Krite-
rium benutzt [VK97]. Eine Analyse der auftretenden Wellenzahlen in Abh¨angigkeit von
den Parametern soll helfen, Material f¨ur zuk¨unftige Interpretationen bereitzustellen.
Da bisher die Reproduzierbarkeit einiger Muster nicht gegeben war, wird nach einem
zuvor nicht gut kontrollierten Parameter gesucht. Es stellt sich heraus, dass der gesuchte
Parameter die Strahlkollimation ist. Damit er¨offnet sich aufgrund der hinzugewonnenen
Dimension des Parameterraums ein neuer Freiheitsgrad, der bisher noch nicht gezielt oder
¨
uberhaupt nicht untersucht wurde. Durch systematische Kontrolle der Strahlkollimation
ist es m¨oglich, Muster eines neuen Mustertyps zu beobachten und zu analysieren.
Kapitel 2
Musterbildung in einer
Einspiegelanordnung
2.1
Optische R¨
uckkopplung in einer Einspiegelanord-
nung
Das in dieser Arbeit behandelte System basiert auf einem Modell, das von d'Alessandro
und Firth 1990 vorgeschlagen wurde [Fir90] und in Abb. 2.1 schematisch dargestellt ist.
Spiegel
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
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xxxxxxxxxx
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xxxxxxxxxx
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xxxxxxxxxx
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xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
xxxxxxxxxx
Kerr-
Medium
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
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xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
xxxx
d
Abbildung 2.1: Schematischer Aufbau einer Einspiegelanordnung
Auf eine d¨unne Schicht eines Kerr-Mediums wird eine ebene Lichtwelle eingestrahlt. Ein
ebener Spiegel im Abstand d hinter dem nichtlinearen Medium reflektiert das transmittier-
te Licht zur¨uck in das Medium. Der wesentliche Unterschied zu anderen musterbildenden
optischen Systemen ist die Trennung der Nichtlinearit¨at des Mediums einerseits und der
r¨aumlichen Kopplung transversal zur Ausbreitungsrichtung andererseits. Die Annahme ei-
nes d¨unnen Mediums ist entscheidend daf¨ur, dass die Beugung im Medium vernachl¨assigt
werden kann. Die Separation der Effekte erleichtert die theoretische Behandlung.
Das Zusammenspiel der Nichtlinearit¨at und der r¨aumlichen Kopplung f¨uhrt unter be-
5
6
Kapitel 2. Musterbildung in einer Einspiegelanordnung
stimmten Umst¨anden dazu, dass periodische Muster in der Ebene transversal zur Aus-
breitungsrichtung des Lichtfeldes entstehen.
Der zur Musterbildung f¨uhrende Mechanismus kann anschaulich anhand des Talbot-Effekts
erkl¨art werden. Dieser besagt, dass eine periodische Phasen-bzw. Amplitudenmodulation
einer ebenen Welle durch Beugung bei der Ausbreitung im Vakuum in eine Amplituden-
bzw. Phasenmodulation umgewandelt wird. Eine ebene Welle erf¨ahrt durch eine Bre-
chungsindexverteilung, die aus einer periodischen Modulation des Brechungsindex senk-
recht zur Ausbreitungsrichtung entstanden ist, eine Phasenmodulation. F¨ur bestimmte
transversale Wellenzahlen wird diese Phasenmodulation bei der Propagation zum Spiegel
und zur¨uck in eine reine Amplitudenmodulation umgewandelt. Aufgrund der Nichtlinea-
rit¨at des Mediums verst¨arkt das zur¨uckgekoppelte Licht die anf¨anglich aus dem Rauschen
entstandene Modulation des Brechungsindex und erm¨oglicht ein Anwachsen der St¨orung
mit dieser Wellenzahl. Die Wellenzahl, die auf diese Weise bei Erh¨ohen der Leistung
zuerst selektiert wird, wird
"
kritische Wellenzahl" genannt. Die Richtung der periodi-
schen St¨orung wird durch einen
"
transversalen Wellenvektor" beschrieben. Eine belie-
bige Brechungsindexmodulation l¨asst sich durch Kombination mehrerer Wellenvektoren
beschreiben. Welche der Wellenvektoren gleicher L¨ange sich ausbilden, wird durch die
nichtlineare Wechselwirkung zwischen ihnen bestimmt. F¨ur das hier vorgestellte Modell-
system wurden hexagonale Muster an der Schwelle und turbulente Zust¨ande fernab von
der Schwelle zur Musterbildung vorhergesagt [DF91, DF92]. Da das Muster durch eine
selektive Verst¨arkung aus dem Rauschen heraus entsteht, spricht man von
"
spontaner
Musterbildung".
2.2
Natriumdampf als nichtlineares Medium
Zur Realisierung einer Einspiegelanordnung im Experiment wird ein endlich ausgedehnter
Gauß'scher Strahl, im Gegensatz zu einer nicht zu realisierenden ebenen Welle, auf ein
endlich ausgedehntes nichtlineares Medium eingestrahlt. Als nichtlineares Medium wird
Natriumdampf gew¨ahlt.
Natriumdampf als nichtlineares Medium bietet den Vorteil, dass sich die Wechselwirkung
mit Licht anhand eines mikroskopischen Modells gut beschreiben l¨asst und sich dieses
Modell durch experimentelle Untersuchungen [MDLM86] best¨atigt hat. Er zeichnet sich
außerdem durch seine hohe optische Qualit¨at und seine gute experimentelle Handhab-
barkeit aus. Die Nichtlinearit¨at des Natriumdampfes l¨asst sich gezielt ¨uber verschiedene
experimentell gut zug¨angliche Parameter beeinflussen (vgl. Kap. 2.4).
Im Experiment wird Licht der Frequenz in der N¨ahe der Natrium-D
1
-Linie eingestrahlt,
welches den 3S
1/2
3P
1/2
- ¨
Ubergang anregt. Die Zugabe von Stickstoff als Puffergas
f¨uhrt zu einer homogenen Druckverbreiterung des ¨
Ubergangs. Dies erlaubt eine Beschrei-
bung des Mediums als homogen verbreiterten J =
1
2
J
=
1
2
¨
Ubergang eines zweifach
entarteten Zwei-Niveau-Systems, da die Hyperfeinstrukturaufspaltung durch die Druck-
2.2. Natriumdampf als nichtlineares Medium
7
J=1/2
J'=1/2
m
j
=+1/2
m
j
=-1/2
1
1
+
-
N
2
|3>
|4>
|2>
|1>
Abbildung 2.2: Kastler-Diagramm der homogen verbreiterten Natrium-D
1
-Linie als
J =
1
2
J
=
1
2
¨
Ubergang
verbreiterung ¨uberdeckt wird. Die beiden Energieniveaus sind jeweils zweifach nach der
Magnetquantenzahl m
j
= ±1/2 entartet, so dass das System durch zwei Unterzust¨ande
|1 > und |2 > des Grundzustands und die Unterzust¨ande |3 > und |4 > des angereg-
ten Zustandes beschrieben wird. Das Kastler-Diagramm [Kas50] in Abb. 2.2 verdeutlicht
den Prozess des optischen Pumpens.
+
-Licht erzeugt den ¨
Ubergang von |1 > nach |4 >,
-
-Licht erzeugt den ¨
Ubergang von |2 > nach |3 >.
Im Folgenden wird die Besetzungszahl des Unterzustands |i > mit n
i
angegeben. St¨oße
der angeregten Natriumatome mit den Molek¨ulen des Puffergases sorgen f¨ur Gleichbe-
setzung der angeregten Zust¨ande (n
3
= n
4
). Die Relaxation findet jeweils aus beiden
Unterzust¨anden des angeregten Zustandes in beide Unterzust¨ande des Grundzustands
statt. Durch die Gleichbesetzung ist damit die Relaxation in beide Unterzust¨ande |1 >
und |2 > gleich wahrscheinlich. Bei Verwendung von Stickstoff als Puffergas finden diese
Abregungen strahlungslos statt. Die Zerfallsrate
1
( 3,9·10
9
s
-1
) vom angeregten in den
Grundzustand ist groß gegen¨uber den Pumpraten P
±
(< 10
6
s
-1
), welche die Anregun-
gen aus dem Grundzustand auf das h¨ohere Energieniveau beschreibt. Dies rechtfertigt die
Annahme, dass die Besetzung des angeregten Zustandes gegen¨uber der des Grundzustan-
des vernachl¨assigt werden kann (n
3
= 0, n
4
= 0). Da die Gesamtanzahl an Besetzungen
konstant ist (n
1
+ n
2
= const.), ist der Besetzungszahlunterschied (n
2
- n
1
) zwischen den
Unterzust¨anden des Grundzustands die einzige Variable. Die Beschreibung wird somit
auf die sogenannte Orientierung w = n
2
- n
1
reduziert. Die zeitliche Entwicklung der
8
Kapitel 2. Musterbildung in einer Einspiegelanordnung
Orientierung w wird durch folgende Modellgleichung beschrieben [Ack96]:
w = -w + D
w
+ (P
+
- P
-
)
- (P
+
+ P
-
)w
(2.1)
Die Terme auf der rechte Seite beschreiben (von links nach rechts) die Grundzustands-
relaxation, die Diffusion proportional zur Diffusionskonstanten D, das optische Pumpen
und die S¨attigung. Von der Orientierung des Mediums h¨angen Absorptionskoeffizient und
Brechungsindex des Natriumdampfes linear ab. Die nichtlineare Suszeptibilit¨at
±
der
beiden zirkularen Polarisationen ergibt sich aus [MDLM86]:
±
=
linear
(1 w)
(2.2)
Firth [Fir90] geht von einem Kerr-Medium aus. Hierbei handelt es sich um ein rein disper-
sives Medium ohne S¨attigung. In atomaren D¨ampfen hingegen wird durch das vollst¨andi-
ge Entleeren eines der beiden Unterzust¨ande des Grundzustands S¨attigung erreicht. Dies
geschieht, wenn die Differenz der zirkularen Pumpraten |P
+
- P
-
| groß gegen die Grund-
zustandsrelaxation ist. Letztere beschreibt die Austauschprozesse zwischen den Unter-
zust¨anden des Grundzustands. Die S¨attigung ist in der Modellgleichung (2.1) ber¨ucksich-
tigt.
Neben Absorption und Dispersion wird die Diffusion ber¨ucksichtigt. Durch diffundieren-
de Natriumatome werden r¨aumliche Orientierungsunterschiede ausgeglichen. Die Diffusion
wirkt also, wie die S¨attigung, der Musterbildung entgegen. Dadurch wird vor allem die
Verst¨arkung von Komponenten großer Wellenzahlen verhindert. Unter der Annahme eines
d¨unnen Mediums wird nur die Diffusion transversal zur Ausbreitungsrichtung ber¨ucksich-
tigt, indem in (2.1) im zweiten Term auf der rechte Seite der transversale Laplace-Operator
verwendet wird. Die im Experiment ebenfalls vorhandene longitudinale Diffusion wird
vernachl¨assigt. Eine Kontrolle der Diffusionsraten findet ¨uber den Puffergasdruck statt.
2.3
Modifizierte Einspiegelanordnung mit
/4-Pl¨
att-
chen
Die Verwendung von zirkular polarisiertem Licht f¨uhrt schon bei niedrigen Pumpraten
zu einer S¨attigung des Mediums, die in Verbindung mit der Diffusion die Entstehung
von Strukturen verhindert [AAGW
+
01]. F¨ur die Einstrahlung von linear polarisiertem
Licht, das sich zu gleichen Teilen aus
+
und
-
zusammensetzt, entsteht nach (2.1)
kein Besetzungszahlunterschied. Dennoch kann eine rauschinduzierte St¨orung in der Ori-
entierung selektiv verst¨arkt werden und zu so genannten Polarisationsmustern f¨uhren
[SF96, ABL
+
97]. In diesem Fall tritt keine S¨attigung des Mediums auf. Aufgrund der f¨ur
linear polarisierte Einstrahlung starken Absorption im Natriumdampf ist die Schwelle zur
Musterbildung in diesem Fall besonders groß [ABL
+
97]. Experimentelle Untersuchungen
sind von daher vorwiegend auf den Bereich in der N¨ahe dieser Schwelle begrenzt.
2.4. Experimenteller Aufbau
9
Pumpraten, die nur ein Drittel der bei linear polarisierter Einstrahlung ben¨otigten betra-
gen [AGWH
+
99], reichen f¨ur die Musterbildung aus, wenn zirkular polarisiert eingestrahlt
wird und zus¨atzlich der Aufbau um ein /4-Pl¨attchen zwischen Medium und Spiegel er-
weitert wird (Abb. 2.3). Bei zweimaligem Durchlauf verh¨alt sich dieses wie ein /2 und
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Natriumdampf
/4-Plättchen
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xxxxxxx
xxxxxxx
Spiegel
+
-
+
Abbildung 2.3: Schematischer Aufbau einer Einspiegelanordnung mit /4-Pl¨attchen
bei Einstrahlung von zirkular polarisiertem Licht
tauscht somit die zirkularen Polarisationskomponenten gegeneinander aus. Da das Me-
dium die Polarisation nicht ¨andert, wird bei Einstrahlung von
+
-Licht in das Medium
-
-Licht zur¨uckgekoppelt und damit ein antagonistischer Pumpprozess erreicht, der S¨atti-
gung verhindert.
Die starke Absenkung der Schwelle erm¨oglicht die Untersuchung des Systems weit ober-
halb der Schwelle zur Musterbildung [GWHAL01]. Weiterhin vergr¨oßert sich die Fl¨ache
auf dem Gauß'schen Strahl, die lokal f¨ur Musterbildung gen¨ugend hohe Leistungen bereit
h¨alt.
Die Eigenschaften und Parameterabh¨angigkeiten der auftretenden Strukturen sollen im
Rahmen dieser Arbeit untersucht werden. Im Folgenden wird zun¨achst der zu Beginn der
Arbeit vorhandene experimentelle Aufbau beschrieben.
2.4
Experimenteller Aufbau
Der gr¨oßte Teil des Experiments entspricht dem in [Aum99, Ack96] beschriebenen Aufbau
(Abb. 2.4) und bestand schon vor Beginn dieser Arbeit. Da diese Elemente schon in den
erw¨ahnten Arbeiten ausf¨uhrlich dargestellt sind, werden sie im Folgenden nur kurz mit
Angabe von Referenzen erw¨ahnt. Der wesentliche Unterschied zu den meisten vorausge-
gangenen Experimenten liegt in der Verwendung eines
4
-Pl¨attchens zwischen Medium
(NZ) und R¨uckkoppelspiegel (S7) und der Einstrahlung von zirkular polarisiertem Licht.
10
Kapitel 2. Musterbildung in einer Einspiegelanordnung
WM
Argon-Ionen-Laser
Frequenzstabilisierung
Farbstofflaser
glasfaser
Mehrmoden-
EOM
AE
PSG
LP3
CCD2
S7
S6
S5
L6
L5
L4
L2/3
S4
S3
EE2
EE1
FTIR
LP1
S9
S2
/2
LP2
FR
S1
L1
CCD1
S10
D1
FF
BS
/4 NZ /4
z
x
y
LP4
glasfaser
Einmoden-
S11
Abbildung 2.4: Experimenteller Aufbau: S: Spiegel, L: Linse, LP: Linearpo-
larisator, FR: Faraday Rotator, EE: Glasfaser-Einkoppeleinheit, AE: Glasfaser-
Auskoppeleinheit, WM: Wavemeter, EOM: Elektro-optischer Modulator, PSG: Po-
larisationsstellglied, D: Detektor, NZ: Natriumdampfzelle, BS: Strahlteiler, FTIR:
variabler Strahlteiler, FF: Fourierfilter, CCD: Kamera
Der beschriebene Aufbau erm¨oglicht die Kontrolle folgender Parameter:
1. Polarisationselliptizit¨at
pol
des eingestrahlten Lichtes,
2. ¨außeres Magnetfeld B am Ort der Natriumdampfzelle,
3. Verkippung des R¨uckkoppelspiegels,
4. Spiegelabstand d zur Mitte des Natriumdampfes,
5. Puffergasdruck p
N
2
,
6. Leistung des eingestrahlten Laserfeldes P
0
,
7. Verstimmung des Lasers gegen¨uber der Natrium-D
1
-Linie =
Laser
-
N a-D
1
,
8. Temperatur T der Natriumdampfzelle, beeinflusst Teilchenzahldichte N und Diffu-
sion im Natriumdampf
2.4. Experimenteller Aufbau
11
Lichtquelle
Als Lichtquelle dient ein frequenzstabilisierter Farbstofflaser, der durch einen Argon-
Ionen-Laser gepumpt wird [Aum99]. Bei einer Ausgangsleistung von 6,0 - 6,2 W des
Argon-Ionen-Lasers wird bei einer Wellenl¨ange von 589 nm eine Ausgangsleistung von
500 -700 mW des Farbstofflasers erreicht.
Eine optische Diode (F R mit LP 1 und LP 2 in Abb. 2.4) verhindert, dass der Laser
aufgrund von R¨uckreflexen instabil in Leistung oder Frequenz wird. Es muss ein Verlust
der Leistung von 25% in Kauf genommen werden.
Ein geringer Teil der Lichtintensit¨at wird zur Bestimmung der Wellenl¨ange mittels eines
Scanning-Michelson-Interferometers ('Wavemeter', W M) ausgekoppelt [Ohl87]. Eine Ab-
frage der Frequenz am Wavemeter per GPIB-Datenbus erm¨oglicht eine zur Bildaufnahme
synchrone Speicherung der Messwerte. Kurzzeitige Modenspr¨unge des Farbstofflasers las-
sen sich somit auch nachtr¨aglich erkennen. Aufnahmen, die nach einem Frequenzsprung
des Lasers gemacht werden, k¨onnen so erkannt und bei geeigneter Frequenz wiederholt
werden.
Die Regelung der Laserleistung geschieht ¨uber einen elektrooptischen Modulator (EOM),
¨
uber den zus¨atzlich die Leistung hinter der Glasfaser mittels eines PID-Reglers stabilisiert
wird [Ack96, M¨92].
Raumfilterung mittels Einmodenglasfaser
Ein m¨oglichst rotationssymmetrisches und gaußf¨ormiges Strahlprofil wird durch Raumfil-
terung mittels einer Einmodenglasfaser erzwungen. Eine konfektionierte Glasfaser (Thor-
labs FSSN 3224, w
F
= 2µm) [Tho98] erwies sich im Vergleich zu der bisher verwendeten
[Ack96] als geeigneter. Da sich die konfektionierte Glasfaser in einem dickeren Schutz-
mantel befindet, reagiert diese wesentlich unempfindlicher auf Luftstr¨omungen. Leichtes
Vibrieren der alten Faser ließ vor allem die Polarisationselliptizit¨at des ausgekoppelten
Lichtes stark schwanken. Da die Polarisation hinter der neuen Faser stabil ist, kann auf
den zus¨atzlichen Linearpolarisator LP 4 hinter der Auskopplung (AE) verzichtet werden.
Dies bedeutet weniger Leistungsverlust zwischen Laser und Natriumdampfzelle.
Mit Hilfe eines Polarisationsstellgliedes (PSG) [GN89] wird das Licht hinter S6 vertikal
linear polarisiert. M¨ogliche Depolarisationen an den Spiegeln S5 und S6 werden dadurch
kompensiert.
Zu Beginn wurde ein Mikroskopobjektiv (Spindler & Hoyer, f = 15,48 mm) in der Auskop-
peleinheit der Glasfaser benutzt, um das stark aufgeweitete Lichtb¨undel auf Entfernung
der Zellenmitte zu kollimieren. Im Verlauf des Experiments wurden zwei weitere Verbes-
serungen vorgenommen, die in Kapitel 4 detailliert diskutiert werden. Der Astigmatismus
hinter der Auskoppeleinheit der Faser ist kleiner als 3%.
Ein /4-Pl¨attchen vor der Natriumdampfzelle stellt bei allen Experimenten zu dieser
12
Kapitel 2. Musterbildung in einer Einspiegelanordnung
Arbeit die Einstrahlung von zirkular polarisiertem Licht (
pol
= 1) sicher.
Einspiegelanordnung: Natriumdampfzelle und R¨
uckkopplung
Zur Pr¨aparation des Natriumdampfes in einer Stickstoff-Puffergasatmosph¨are dient die in
[Aum99] beschriebene Natriumdampfzelle (NZ in Abb. 2.4).
Die Teilchenzahldichte N der Natriumatome im Gaszustand wird ¨uber die Zellentempe-
ratur T geregelt, wobei T im Bereich 280
C bis 340
C variiert wird. Die Methode zur
Bestimmung von N ist in Anhang A beschrieben.
Die folgenden Untersuchungen werden, wenn nicht anders vermerkt, bei einem Puffer-
gasdruck des Natriumdampfes von 300 mbar durchgef¨uhrt. Hierf¨ur l¨asst sich die Wech-
selwirkung zwischen Licht und Medium in guter N¨aherung als homogen verbreiterter
J =
1
2
J
=
1
2
- ¨
Ubergang modellieren [MDLM86].
Die Zelle ist von drei senkrecht zueinander stehenden Helmholtzspulenpaaren eingefasst.
Die erzeugte Magnetfeldst¨arke ist zu den gemessenen Spulenstr¨omen proportional [Heu95].
Die longitudinale Komponente B
||
wird groß gegen die transversale B
gew¨ahlt (B
||
B
), da sich ein solches System in der theoretischen Beschreibung der Wechselwirkung
des Mediums mit Licht wie eines ohne Magnetfeld verh¨alt [Aum99]. Die transversale
Erdmagnetfeld-Komponente B
wird auf 2 µT genau kompensiert. Um B
||
B
zu
gew¨ahrleisten, wird B
||
= 187 - 189µT gew¨ahlt.
Das durch die Zelle transmittierte Licht wird durch einen hochreflektierenden Spiegel S7
(R = 91, 5% [Ack96], sp¨ater R = 99%) in die Zelle zur¨uckgekoppelt. Der Abstand zur
Zellenmitte wird im Experiment zwischen 79 mm und 120 mm variiert. Ein kleinerer
Abstand ist aufgrund der geometrischen Ausmaße der Zelle und des /4-Pl¨attchens nicht
m¨oglich.
Mittels einer Dreipunkthalterung mit drei Differentialschrauben [B¨u97] kann die Verkip-
pung des Spiegels kontrolliert werden. Auf zwei dieser Schrauben sind Piezotranslatoren
montiert, die mittels einer Regelschaltung die horizontale und vertikale Verkippung kon-
stant halten. Die Verkippung des R¨uckkoppelspiegels wird stets minimal gehalten und
allenfalls in einem solchen Maße zugelassen, dass der Locking-Mechanismus [SAS
+
97] f¨ur
Hexagone an der Schwelle zur Musterbildung greift. Ein Driften der Hexagone wird ver-
mieden.
Zwischen Spiegel und Zelle wird ein /4-Pl¨attchen platziert. Dies wirkt bei zweimaligem
Durchlauf wie ein /2-Pl¨attchen, tauscht also die zirkularen Komponenten des Lichtfeldes
aus.
2.4. Experimenteller Aufbau
13
Analyseoptik
Hinter der Einspiegelanordnung wird der Strahl durch den Strahlteiler BS (vgl. Abb. 2.4)
zur getrennten Betrachtung von Fern-und Nahfeld aufgespalten.
Das Ende des Natriumdampfes wird mittels der plan-konvex Linse L4 (f = 300 mm)
vergr¨oßert auf die CCD-Kamera CCD1 mit Multi-Channel-Photomultiplier (Proxitro-
nic Nanocam HF4 S 5N) abgebildet. Es wird eine Belichtungszeit von 3 µs verwendet.
¨
Uber die Abbildung eines Gitters (Gitterabstand d = 103, 8 µm [GW99], Gitterkonstante
g = 60,53 mm
-1
), wird die Abbildung des Natriumdampfes auf die Kamera geeicht. Das
Aufl¨osungsverm¨ogen ist durch die L¨ange gegeben, die auf einen Pixel auf die Kamera ab-
gebildet wird. Diese variierte zwischen 9,85 µm bei Experimenten zu Beginn dieser Arbeit
und 9,63 µm bei Experimenten gegen Ende der Arbeit.
Die optische Fouriertransformierte wird mittels der plan-konvexen Linse L5 (f = 600 mm)
erhalten. In Brennweitenentfernung hinter der Linse wird die nullte Ordnung der Fourier-
transformierten optisch ausgeblendet (F F ). Dieses gefilterte Fernfeld wird mit der Linse
L6 auf die CCD-Kamera CCD2 (Pulnix TM-765 [Ack96]) abgebildet. Im Fernfeld ent-
spricht die Breite eines Pixels auf der Kamera einer Wellenzahl von 0,219 mm
-1
eines
Musters im Natriumdampf. An der Kamera CCD2 wird
"
Shutter 5" eingestellt, wodurch
eine Belichtungszeit von 1/2000 s = 500 µs gew¨ahlt wird. Die Kamerafenster sind beid-
seitig antireflexbedampft ( = 590 nm unter 0
). Vorder-und R¨uckseite schließen einen
Keilwinkel von 30 Bogenminuten ein, um Interferenzen zu minimieren.
Eine Synchronisation der beiden Kameras ist erforderlich, da in Bereichen der Multistabi-
lit¨at eine zeitliche Dynamik vorherrscht. Aus der Proxitronic-Kamera (
"
Master") werden
¨
uber die horizontalen und vertikalen Synchronisationssignale herausgef¨uhrt und in die
Pulnix-Kamera (
"
Slave") eingespeist. Auf diese Weise l¨auft die Bildaufnahme synchron.
Gleichzeitiges Einlesen (
"
Grabben") der Bilder wird durch ein externes Triggersignal mit
der Frequenz von 1 Hz an die IMAQ-Framegrabberkarten erzwungen.
14
Kapitel 2. Musterbildung in einer Einspiegelanordnung
Kapitel 3
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete
Mustertypen
3.1
Beobachtung der bisher bekannten Muster und
einiger Variationen
In der Einspiegelanordnung mit /4-Pl¨attchen wird bei Einstrahlung von zirkular po-
larisiertem Licht eine besonders große Vielfalt an Strukturen beobachtet [HGWA
+
99,
GWHAL01]. Im Folgenden werden die Muster, die in den Experimenten zu dieser Ar-
beit beobachtet werden, detailliert vorgestellt und nach ihren Eigenschaften klassifiziert.
Die quantitativen Eigenschaften wie Wellenzahlen und Winkel zwischen Wellenvektoren
werden analysiert und mit idealisierten Strukturen verglichen. Die Auswahl der Muster
in Abh¨angigkeit von den experimentellen Parametern Temperatur und Strahlkollimation
wird in den Kapiteln 5 bzw. 6 diskutiert.
Von den Mustern werden jeweils das Nahfeld und das dazugeh¨origen Fernfeld aufgenom-
men. Die Aufnahmen der Kamera sind in allen hier gezeigten Bildern invertiert auf einer
Grauwertskala linear skaliert. Intensit¨atsmaxima im Strahl sind dunkel, Minima hell dar-
gestellt.
Das Fernfeld zeigt die optische Fouriertransformierte des Nahfeldes. Diese besteht aus we-
nigen intensit¨atsstarken Maxima, die um einen Mittelpunkt herum angeordnet sind. Jeder
Fourierkomponente liegt das Maximum ihrer Komplexkonjugierten gegen¨uber. Neben die-
sen Maxima der
"
Grundmoden" existieren h¨aufig weitere Maxima, die zu Wellenvektoren
gr¨oßerer Wellenzahl geh¨oren. Diese Nebenkomponenten entsprechen einer Vektoraddition
mehrerer Grundmoden und werden deshalb als
"
h¨ohere Harmonische" bezeichnet. Ihre
Fourieramplituden sind um ein Vielfaches schw¨acher, so dass diese bei zur Intensit¨at pro-
portionaler Graustufenskalierung kaum sichtbar sind. Zu jedem Mustertyp wird deshalb
ein kontrastverst¨arktes Bild des Fernfeldes gezeigt (z.B. Abb. 3.1c), in welchem die Ne-
benkomponenten deutlich zu sehen sind.
15
16
Kapitel 3.
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
Die Bilder sind in unterschiedlichen Maßst¨aben dargestellt. In der Bildunterschrift wird
jeweils die Fl¨ache des gesamten Ausschnitts angegeben.
3.1.1
Hexagone
An der Schwelle zur Musterbildung bilden sich aus dem unmodulierten Zustand in Expe-
rimenten zu dieser Arbeit immer hexagonale Strukturen, kurz Hexagone, aus (Abb. 3.1).
Abbildung 3.1: Hexagone, a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78 × 78 mm
-2
),
c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (101 × 101 mm
-2
), Parameter: P
0
= 119 mW, =
3,6 GHz, d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, T = 324
C, N = 8 · 10
18
m
-3
, R = 91,5%
Das Fernfeld setzt sich aus sechs Intensit¨atsmaxima zusammen, von denen zwei gegen¨uber-
liegende jeweils einer Fouriermode und ihrer komplexkonjugierten entsprechen. Die zu-
geh¨origen Wellenvektoren haben alle ungef¨ahr die gleiche L¨ange. Benachbarte Wellen-
vektoren unabh¨angiger Fouriermoden schließen einen Winkel von 120
ein, woraus sich
eine sogenannte Triade aus drei Fourierkomponenten ergibt. Weiter oberhalb der Schwelle
werden h¨ohere Harmonische sichtbar, die sich aus einfachen Summen der Grundmoden
mit ihren benachbarten komplexkonjugierten Wellenvektoren zusammensetzen. Diese sind
jedoch um ein Vielfaches schw¨acher als die Maxima der Grundmoden.
Im Nahfeld setzt sich das periodische Muster aus Punkten minimaler Intensit¨at zusam-
men, die auf einem hexagonalen Gitter angeordnet sind. Auf einem idealen hexagonalen
Gitter ist der Abstand zweier Minima im Nahfeld bei einer Musterwellenl¨ange =
2
q
durch d =
2
3
gegeben. Dieser Abstand gibt die Periodizit¨atsl¨ange des Musters an. Da es
sich um Minima im Nahfeld handelt, spricht man von negativen Hexagonen. Die Summe
der Phasen einer Triade ist dann gleich .
1
F¨ur kleine Verstimmung treten Hexagone in einer subkritischen Bifurkation aus dem
unmodulierten Zustand auf, so dass eine Hysterese zwischen dem Entstehen und Ver-
schwinden der Hexagone beobachtet wird. Teilweise reicht der Bistabilit¨atsbereich ¨uber
1
In ¨ahnlichen Systemen [Aum99] treten auch positive Hexagone auf. Diese bestehen aus hexagonal an-
geordneten Punkten maximaler Intensit¨at und weisen eine verschwindende Phasensumme auf. In unserem
System werden diese jedoch nicht beobachtet.
3.1. Beobachtung der bisher bekannten Muster und einiger Variationen
17
die Resonanz hinaus, so dass Hexagone f¨ur resonante Einstrahlung stabil sind. F¨ur große
Verstimmungen wird diese Hysterese nicht beobachtet, obwohl sie f¨ur das Modell von
Firth (vgl. Kap. 2.1) vorausgesagt wird [CH93]. Numerisch wurden diese Abweichungen
von der Theorie in einer vorausgegangenen Arbeit [Rud00] untersucht.
3.1.2Quasimuster: Q
12
Bei Quasimustern mit zw¨olfz¨ahliger Drehsymmetrie (Q
12
) handelt es sich um Muster, die
im Nahfeld keine Periodizit¨at aufweisen. Da sie sich -wie aus dem Fernfeld (Abb. 3.2b)
ersichtlich wird -aber aus wenigen periodischen Funktionen zusammensetzen, spricht man
von quasiperiodischen Mustern oder Quasimustern.
Abbildung 3.2: zw¨olfz¨ahlige Quasimuster, a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld
(104 × 104 mm
-2
), c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (134 × 134 mm
-2
), d) aus zw¨olf
Fourierkomponenten generiertes Q
12
, Parameter zu a)-c): P
0
= 66 mW, = 4,5 GHz,
d = 76 mm, p
N
2
= 301 mbar, T = 325
C, N = 1,27 ·10
19
m
-3
, R = 99%
Das Fernfeld (Abb. 3.2b) besteht aus zw¨olf Intensit¨atsmaxima, die auf einem Kreis liegen
und gegenseitig einen Winkel von 30
mit ihren Nachbarn einschließen. Dabei handelt es
sich um sechs paare von Wellenvektoren im Winkel von 60
zueinander.
In der Nahfeldaufnahme (Abb. 3.2a) sieht man immer nur einen Teilausschnitt des quasi-
periodischen Musters (Abb. 3.2d) [AL00]. Diese Einzelst¨ucke bestehen aus einem Punkt,
der von f¨unf etwas l¨anglichen Minima auf einem Kreis umgeben ist. Dieser kleine, verwischt
wirkende Kreis wird von einem großen Kreis mit doppeltem Radius aus zw¨olf gleichm¨aßig
verteilten Maxima eingefasst. Die Einzelst¨ucke setzen sich in Dreier-und Vierergruppen
zu einem Quasimuster aneinander.
H¨ohere Harmonische entstehen durch Addition von zwei fundamentalen Wellenvektoren.
Besonders stark ausgepr¨agt sind diejenigen, die durch Vektoraddition der zu benachbarten
Fourierkomponenten geh¨orenden Wellenvektoren entstehen (Abb. 3.2c).
18
Kapitel 3.
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
3.1.3
¨
Uberstrukturen auf hexagonalem Grundgitter: SiH+SiH
Bei den in diesem und dem n¨achsten Abschnitt diskutierten ¨
Uberstrukturen handelt es
sich um Kombinationen aus Unterstrukturen, deren Wellenvektoren unterschiedliche Wel-
lenzahlen haben. Von einem Q
12
ausgehend wird durch Variation der Wellenzahlen die
zw¨olfz¨ahlige Drehsymmetrie gebrochen. Durch Reduktion der Drehsymmetrie im Fernfeld
wird die bei Q
12
nicht vorhandene Periodizit¨at im Nahfeld wieder hergestellt wird. Die
Nahfelder dieser ¨
Uberstrukturen ¨ahneln sich sehr, deshalb ist eine Charakterisierung ¨uber
das Fernfeld sinnvoll.
a)
1
3
b)
c)
d)
2
Abbildung 3.3: SiH+SiH, a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78 × 78 mm
-2
),
c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (101 × 101 mm
-2
), d) aus zw¨olf Fourierkomponenten
generiertes SiH+SiH, Parameter a)-c): P
0
= 206 mW, = 3,6 GHz, d = 77 mm,
p
N
2
= 308 mbar, T = 324
C, N = 8 · 10
18
m
-3
, R = 91,5%
Die in Abb. 3.3 gezeigten Muster besitzen zw¨olf Fourierkomponenten. Jeweils sechs der
dazugeh¨origen Wellenvektoren haben die gleiche L¨ange (Abb. 3.3) und bilden hexagonale
Triaden, indem sie untereinander Winkel von 120
einschließen. Das Wellenzahlverh¨altnis
der gezeigten Triaden liegt bei k
2
/k
1
= 1,088. Die Maxima der kleinen Triade liegen auf
der Winkelhalbierenden der großen Triade.
Das Nahfeld (Abb. 3.3a) weist, trotz der sechsz¨ahligen Drehsymmetrie des Fernfeldes, nur
eine zweiz¨ahlige Drehsymmetrie auf. Es besteht aus l¨anglichen Maxima, die von sechs
Maxima, angeordnet auf einem gestreckten hexagonalen Gitter, umgeben sind.
Die beobachteten Muster weisen h¨ohere Harmonische auf, die sich durch Vektoradditionen
der Grundmoden beschreiben lassen (Abb. 3.3c). Zus¨atzlich ist das Resultat f¨ur die Ad-
dition eines k¨urzeren Wellenvektors (z.B. Vektor 2 in Abb. 3.3b) mit sich selbst dasselbe
wie das f¨ur die Addition der Wellenvektoren der gr¨oßeren Triade (Vektor 1 + Vektor 3 in
Abb. 3.3b), die links und rechts neben dem k¨urzeren liegen.
In der N¨ahe des ¨
Ubergangs zu Hexagonen wird ein starker Intensit¨atsunterschied zwischen
beiden Triaden beobachtet (Abb. 3.3b). Der ¨
Ubergang verl¨auft stetig, indem die zweite
Triade mit zunehmender Entfernung von dem Bifurkationspunkt anw¨achst.
Liegen die beiden Triaden in einem Winkel von 30
zueinander und weisen ein Wellen-
zahlverh¨altnis zwischen den Triaden von k
2
/k
1
= 2/3 1,155 auf, liegen sie auf einem
gemeinsamen hexagonalen Grundgitter und werden Simple Hexagon + Simple Hexagon
3.1. Beobachtung der bisher bekannten Muster und einiger Variationen
19
(kurz: SiH+SiH, [DG92]) genannt. Ein aus diesen Grundmoden generiertes Muster ist in
Abb. 3.3d gezeigt.
Das Wellenzahlverh¨altnis der in Abb. 3.3 gezeigten Muster ist etwas kleiner als das der
idealen SiH+SiH. Im Zentrum des Gauß'schen Strahls stimmt das Nahfeld des beobach-
teten Musters jedoch gut mit dem idealen SiH+SiH ¨uberein, da der Wellenzahlunter-
schied sich erst weit entfernt vom Zentrum auswirkt. Durch den begrenzten Gauß'schen
Strahl haben die Maxima des Fernfeldes eine Breite von 5% der Wellenzahl, wodurch trotz
Wellenzahlunterschied ein Beitrag zur idealen Wellenzahl im Fourierraum eines SiH+SiH
vorhanden ist. Beobachtete Muster wie dieses werden deshalb als SiH+SiH klassifiziert.
3.1.4
¨
Uberstrukturen auf quadratischem Grundgitter: AS
2,1
+SiS
Die zweite beobachtete ¨
Uberstruktur besitzt im Fernfeld ebenfalls zw¨olf Hauptmaxima
(Abb. 3.4b), jedoch mit vierz¨ahliger Drehsymmetrie. Acht Wellenvektoren haben die glei-
che L¨ange k
1
, wobei im Mittel abwechselnd Winkel
1
= 54, 3
und
2
= 35, 7
einge-
schlossen werden. Die restlichen vier Wellenvektoren haben eine etwas kleinere Wellenzahl
Abbildung 3.4: AS
2,1
+SiS, a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78 × 78 mm
-2
),
c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (101 x 101 mm
-2
), d) aus zw¨olf Fourierkomponenten
generiertes AS
2,1
+SiS, Parameter a)-c): P
0
= 100 mW, = 8,4 GHz, d = 77 mm,
p
N
2
= 308 mbar, T = 324
C, N = 8 · 10
18
m
-3
, R = 91,5%
k
2
und bilden mit 1% Winkelgenauigkeit ein Quadrat. Die Maxima zu den kleineren Wel-
lenvektoren liegen jeweils ann¨ahernd auf der Verbindungsgeraden zweier Maxima zu den
gr¨oßeren Wellenvektoren und haben eine etwas geringere Intensit¨at. Bei dem beobachteten
Muster (Abb. 3.4b) betr¨agt k
1
/k
2
= 1,074.
Das Fernfeld weist zus¨atzlich h¨ohere Harmonische auf (Abb. 3.4c). Diese sind in etwa auf
einem quadratischen Grundgitter angeordnet. Vier der h¨oheren Harmonischen ergeben
sich, wie f¨ur SiH+SiH anhand Abb. 3.3b erkl¨art, durch zwei verschiedene Vektoradditio-
nen. Sie sind sehr viel schw¨acher ausgepr¨agt als h¨ohere Harmonische, die nur durch eine
Vektorsumme beschrieben werden k¨onnen. Diese Beobachtung erlaubt Aussagen ¨uber die
Phasenbeziehungen der beteiligten Fouriermoden und wird in Anhang B.5 n¨aher disku-
tiert.
20
Kapitel 3.
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
Das Nahfeld (Abb. 3.4a) besteht aus l¨anglichen Minima, die jeweils in Vierergruppen
angeordnet sind. Es weist eine vierz¨ahlige Drehsymmetrie auf.
Muster der hier beschriebenen Form werden in [GWHAL01] als ¨
Uberlagerung eines qua-
dratischen ¨
Ubergitters AS
2,1
(anti-square
2,1
nach Notation aus [DG92]) mit einem ein-
fachen Quadrat (SiS, simple square) im Fourierraum interpretiert. Liegen beide Unter-
strukturen auf demselben quadratischen Grundgitter, so betr¨agt das Wellenzahlverh¨alt-
nis 5/2 1,118. Ein aus diesen Wellenvektoren generiertes Muster wird in Abb. 3.4d
gezeigt.
Das Wellenzahlverh¨altnis des beobachteten Musters (Abb. 3.4b) ist mit 1,074 deutlich
kleiner als das f¨ur eine ideale Struktur erwartete.
Wie schon bei den SiH+SiH in Kap. 3.1.3 gesehen, sind die Abweichungen von der idea-
lisierten Struktur erst bei Betrachtung eines gr¨oßeren Auschnitts erkennbar. In dem be-
grenzten Bereich des Gauß'schen Strahls rechtfertigt die große ¨
Ahnlichkeit des beobachte-
ten Musters (Abb. 3.4a) mit den generierten (Abb. 3.4d) die Klassifikation als AS
2,1
+SiS.
Es wird f¨ur Variation unterschiedlicher Parameter eine stetig zunehmende Stauchung des
Fernfeldes und somit eine Reduktion von vier-auf zweiz¨ahlige Drehsymmetrie beobachtet.
Speziell f¨ur hohe Leistungen und einen divergenten Strahl treten von AS
2,1
+SiS abgeleitete
Muster verst¨arkt in der gestauchten Form (Abb. 3.5) auf.
Abbildung 3.5: Gestauchte AS
2,1
+SiS, a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld
(78 × 78 mm
-2
), c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (101 × 101 mm
-2
), Parameter:
P
0
= 214 mW, = 8,4 GHz, d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, T = 324
C, N = 8 · 10
18
m
-3
, R = 91,5%
Mit zunehmender Stauchung nimmt die Intensit¨at der Fourierkomponenten der gestauch-
ten Wellenvektoren ab. Die Fourierkomponenten des gestauchten Untergitters des Qua-
drats werden besonders stark geschw¨acht.
Im Nahfeld (Abb. 3.5a) sind die Minima l¨anglicher als bei idealen AS
2,1
+SiS. Die Stau-
chung im Fourierraum ¨außert sich hier durch Streckung und Ausrichtung der einzelnen
Minima in Richtung der geschw¨achten Fourierkomponenten.
3.1. Beobachtung der bisher bekannten Muster und einiger Variationen
21
3.1.5
Kontrastreiche Streifen:
"
Walls"
Die einfachsten Muster sind Streifen. Sie werden durch nur eine Grundmode beschrieben.
Die in diesem System beobachteten Streifen weisen im Nahfeld (Abb. 3.6a) sch¨arfere Kon-
traste als eine sinusf¨ormige Modulation auf. Im Fernfeld wird dies durch Auftreten stark
Abbildung 3.6: Streifen, a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78 × 78 mm
-2
),
c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (101 × 101 mm
-2
), Parameter: P
0
= 231 mW, =
9,0 GHz, d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, T = 324
C, N = 8 · 10
18
m
-3
, R = 91,5%
ausgepr¨agter h¨oherer Harmonischer best¨atigt (Abb. 3.6c), deren Intensit¨aten 15% der
Intensit¨aten der Hauptmaxima betragen. Fourierfilter-Experimente [GWHAL01] zeigen,
dass diese h¨oheren Harmonischen f¨ur die Stabilit¨at der Muster entscheidend sind. Um
den wesentlichen Unterschied zu einfachen Streifen (ohne h¨ohere Harmonische) heraus-
zustellen, werden diese kontrastreichen Streifen
"
Walls" (
"
Mauern") genannt. Da nur sie
in Experimenten zu dieser Arbeit zu beobachten sind, wird im Weiteren
"
Streifen" als
Synonym f¨ur
"
Walls" benutzt.
Die Ursache f¨ur das Auftreten h¨oherer Harmonischer wird in Anhang B.3 mittels eines
theoretischen Ansatz versucht zu kl¨aren.
Abbildung 3.7: modulierte Streifen, a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78
× 78 mm
-2
), c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (101 × 101 mm
-2
), Parameter: P
0
=
237 mW, = 8,0 GHz, d = 85 mm, p
N
2
= 304 mbar, T = 318, 9
C, N = 6, 7·10
18
m
-3
Neben den in Abb. 3.6 gezeigten Streifen wird eine Variation bei kleineren Frequenzen
des eingestrahlten Lichtes beobachtet. Es treten im Fourierraum schw¨achere Nebenkom-
22
Kapitel 3.
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
ponenten senkrecht zu den Wellenvektoren der Grundmoden im Abstand der Wellenzahl
auf (vgl. Abb. 3.7c). Im Nahfeld (Abb. 3.7a) wirkt sich dies durch eine Modulation der
einzelnen Streifen aus, die diese in periodischen Abst¨anden ein-oder gar abschn¨urt.
Abbildung 3.8: Streifen mit Hexagonen am Rand, a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
),
b) Fernfeld (104 × 104 mm
-2
), c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (134 × 134 mm
-2
),
Parameter: P
0
= 211 mW, = 3,0 GHz, d = 76 mm, p
N
2
= 301 mbar, T = 305
C,
N = 1,8 ·10
18
m
-3
, R = 99%
Als weitere Variation werden die in Abb. 3.8 gezeigten Streifen beobachtet. An den Seiten
parallel zur Richtung des Wellenvektors schließen sich Hexagone an. Im Fernfeld hinter-
lassen diese jedoch nur sehr schwache Maxima als breite Intensit¨atsverteilung auf einem
Kreis mit dem Radius der Wellenzahl der Streifen.
Inhomogenit¨aten des Dampfes k¨onnen als Ursache f¨ur die Ver¨anderung am Rand des
Gauß'schen Strahls ausgeschlossen werden, da das Muster unter unterschiedlichen Win-
keln gedreht beobachtet wird.
Diese Variante der Streifen tritt meist dann auf, wenn ein sehr schmaler Stabilit¨atsbereich
der Streifen vorliegt.
3.1.6
Kontrastreiche Quadrate:
"
Chessboards"
Wie die Streifen, sind auch die beobachteten Quadrate (vgl. Abb. 3.9) kontraststark und
weisen im Fernfeld stark ausgepr¨agte h¨ohere Harmonische aus. Die Maxima des Fernfeldes
sind auf einem quadratischen Grundgitter angeordnet.
Der Begriff
"
Quadrate" wird in der Literatur f¨ur Muster aus zwei senkrecht zueinan-
der stehenden Wellenvektoren ohne oder nur mit schwachen h¨oheren Harmonischen be-
nutzt. Die hier beobachteten kontrastreichen quadratischen Muster werden zur Abgren-
zung
"
Chessboards" (
"
Schachbrettmuster") genannt, da das Nahfeld aus abwechselnd
angeordneten quadratischen Fl¨achen minimaler und maximaler Intensit¨at besteht. Die
h¨oheren Harmonischen sind, im Gegensatz zu normalen Quadraten, f¨ur die Stabilit¨at der
Chessboards notwendig, wie Fourierfilter-Experimente gezeigt haben [GWHAL01].
Im Folgenden wird jedoch nur der Begriff
"
Quadrate" als Synonym f¨ur
"
Chessboards"
3.1. Beobachtung der bisher bekannten Muster und einiger Variationen
23
Abbildung 3.9:
"
Chessboards", a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78 ×
78 mm
-2
), c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (101 × 101 mm
-2
), Parameter: P
0
= 212
mW, = 6,5 GHz, d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, T = 324
C, N = 8 · 10
18
m
-3
, R =
91,5%
benutzt, da diese die einzigen in dieser Arbeit beobachteten quadratischen Strukturen
sind.
Die Ursache f¨ur das Auftreten h¨oherer Harmonischer wird in Anhang B.4 mittels eines
theoretischen Ansatz versucht zu kl¨aren.
3.1.7
Nicht eindeutig klassifizierte Muster
Nicht immer lassen sich die beobachteten Muster einer Musterklasse zuweisen. Besonders
im ¨
Ubergangsbereich zwischen zwei Mustertypen werden nicht immer scharfe Zustands-
wechsel, sondern stetige ¨
Uberg¨ange beobachtet. Die hier beobachteten Muster setzen sich
aus einer Mischform der beteiligten Mustertypen zusammen.
Abbildung 3.10: nicht klassifiziertes Muster mit 12 Fourierkomponenten, a) Nahfeld
(3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78 × 78 mm
-2
), Parameter: P
0
= 51 mW, = 6,5
GHz, d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, T = 324
C, N = 8 · 10
18
m
-3
, R = 91,5%
In Parameterbereichen, in denen eine Multistabilit¨at zwischen Q
12
, SiH+SiH und AS
2,1
+SiS
vorliegt, werden vereinzelt Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten (Abb. 3.10) beobach-
tet, die keine eindeutigen Wellenzahl-und Winkelverh¨altnisse aufweisen, wie aus einem
Vergleich mehrerer Aufnahmen hervorgeht. Als Quasimuster lassen sich diese aufgrund
24
Kapitel 3.
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
der starken Winkelabweichungen von bis zu 3,8
vom Mittelwert nicht klassifizieren.
Andererseits betr¨agt das Wellenzahlverh¨altnis der gr¨oßten zur kleinsten Wellenzahl nur
k
max
/k
min
= 1,064, welches noch unter denen der experimentell gefundenen AS
2,1
+SiS und
SiH+SiH liegt. Die Drehsymmetrie ist im Fernfeld auf eine zweifache reduziert. H¨ohere
Harmonische sind auch nach Kontrastverst¨arkung nicht zu sehen.
Abb. 3.11 zeigt ein Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten aus einem Parameterbereich,
in dem eine schnelle zeitliche ¨
Anderung der Muster beobachtet wird. In der Momentauf-
Abbildung 3.11: dynamische Muster mit 12 Fourierkomponenten, a) Nahfeld (3,44 ×
3,44 mm
2
), b) Fernfeld (104 × 104 mm
-2
), c) FFT des Nahfeldes (109 × 109 mm
-2
),
Parameter: P
0
= 159 mW, = 4,6 GHz, d = 76 mm, p
N
2
= 301 mbar, T = 327
C,
N
= 1,27 ·10
19
m
-3
, R = 99%
nahme ist dies durch verwischte Fourierkomponenten, die auf dem Kreis der zugeh¨origen
Wellenzahl liegen, zu erkennen. Trotz der Synchronisation von Nah-und Fernfeldaufnah-
me ist ein Unterschied zwischen Fernfeld (Abb. 3.11b) und der numerischen Fouriertrans-
formation des Nahfeldes (Abb. 3.11c) sichtbar. Die wesentlich k¨urzere Belichtungszeit
der Kamera f¨ur das Nahfeld gegen¨uber der f¨ur das Fernfeld f¨uhrt zu einer unterschied-
lichen zeitlichen Integration. Das Nahfeld (Abb. 3.11a) und vor allem seine numerische
Fouriertransformierte (Abb. 3.11c) zeigen den ¨
Ubergang zwischen zwei unterschiedlichen
Mustern gleicher Wellenzahl, die nicht klassifiziert werden k¨onnen. Die Integration ¨uber
ein l¨angeres Zeitintervall, wie es mit der Kamera im Fernfeld (Abb. 3.11b) geschieht, zeigt
jedoch ein Q
12
. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Multistabilit¨at, bei der Q
12
im
Mittel bevorzugt werden. Aufschluss kann jedoch nur eine Kamera mit noch k¨urzerer
Belichtungszeit geben.
Im gleichen Parameterbereich, in dem Streifen (in transversal modulierter und unmo-
dulierter Form) und gestauchte AS
2,1
+SiS auftreten, werden vereinzelt die in Abb. 3.12
gezeigten, bisher noch nicht beschriebenen Muster beobachtet.
Zu den Fourierkomponenten, die bei modulierten Streifen (vgl. Abb. 3.7) auftreten, kom-
men vier weitere unter einem Winkel von 45
(± 2,5
) hinzu. Die Wellenzahlen liegen ca.
2% ¨uber der Wellenzahl der Grundmode der Streifen.
Die Intensit¨aten der h¨oheren Harmonischen in Richtung der stark ausgepr¨agten Grund-
mode stehen mit denen der Grundmode im Verh¨altnis 1:10 und sind somit wesentlich
3.2. Beobachtung einer neuen Musterform
25
Abbildung 3.12: ¨
Ubergang von modulierten Streifen zu anderen Mustern, a) Nahfeld
(3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78 × 78 mm
-2
), c) kontrastverst¨arktes Fernfeld
(101 × 101 mm
-2
), Parameter: P
0
= 223 mW, = 6,3 GHz, d = 77 mm, p
N
2
= 306
mbar, T = 337, 5
C, N = 3, 39 · 10
19
m
-3
, R = 91,5%
schw¨acher als die h¨oheren Harmonischen reiner Streifen (vgl. Kap. 3.1.5).
Das Nahfeld ¨ahnelt dem der modulierten Streifen. Es besteht jedoch aus Minima unter-
schiedlicher Gr¨oße und Intensit¨at und weist deshalb auf der Fl¨ache des Gauß'schen Strahls
keine Periodizit¨at auf.
3.2Beobachtung einer neuen Musterform
Erstmals wird von einem neuen Typ von ¨
Uberstrukturen berichtet, die aus drei Wellen-
vektoren gleicher L¨ange aufgebaut sind.
Abbildung 3.13:
"
Muster 42", a) Nahfeld (3,44 × 3,44 mm
2
), b) Fernfeld (78 ×
78 mm
-2
), c) kontrastverst¨arktes Fernfeld (101 × 101 mm
-2
), Parameter: P
0
= 207
mW, = 6,5 GHz, d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, R = 91,5%, T = 324
C, N =
8 · 10
18
m
-3
Nah-und Fernfeld weisen eine zweiz¨ahlige Drehsymmetrie auf. Das Nahfeld besteht aus
versetzt angeordneten Minima in Halbmond-Form, die durch kleinere kreisrunde Minima
in Zweierreihen getrennt werden.
Das Fernfeld (vgl. Abb. 3.13b) wird durch sechs Intensit¨atsmaxima gebildet. Die dazu-
26
Kapitel 3.
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
geh¨origen Wellenvektoren schließen einen Winkel von 42
ein. Dieses Muster wird daher
als
"
Muster 42"
bzw. 42
-Muster bezeichnet.
2
Eine n¨ahere Untersuchung und Interpretation dieser Muster erfolgt in Kap. 6.3.
2
Die ¨
Ahnlichkeit mit Halbmonden oder M¨undern ließen diese Muster kurzzeitig unter dem Arbeitstitel
"
M¨onder" auftauchen.
3.3. Reproduzierbarkeit der Messungen
27
3.3
Reproduzierbarkeit der Messungen
So spannend die Entdeckung neuer Muster auch ist, so ist sie nur von Wert, wenn der
Parameterbereich f¨ur ihre Entstehung angegeben werden kann. Zu Beginn der Arbeit
war diese Reproduzierbarkeit nicht gegeben. Quadrate konnten nicht an jedem Messtag
trotz gezielter Variation der in Kap. 2.4 aufgef¨uhrten Parameter gefunden werden. Nach
jedem Austausch der Glasfaser konnte das zuvor gemessene Bifurkationsdiagramm nicht
qualitativ, also mit denselben Mustertypen, reproduziert werden. Ein Umbau der Faser
auf eine Position, von der aus auf die Umlenkspiegel S5 und S6 verzichtet werden konnte
(um weniger Lichtleistung zu verlieren), bewirkte denselben Effekt.
Folglich muss es einen Systemparameter geben, auf den das System bei kleinen Variatio-
nen mit qualitativen ¨
Anderungen des Bifurkationsverhaltens reagiert und der f¨ur voraus-
gegangene Experimente keine entscheidende Rolle gespielt hat. Im Folgenden wird dieser
Parameter
"
kritischer Parameter" genannt.
Abh¨
angigkeit vom Puffergasdruck
Der Variation des Puffergasdrucks sind Grenzen gesetzt. Der Druck wird ¨uber 100 mbar
gew¨ahlt, damit die Hyperfeinstruktur noch durch die Druckverbreiterung ¨uberdeckt wird
[MDLM86]. F¨ur Dr¨ucke ¨uber 1000 mbar ist die Vakuum-Apparatur nicht ausgelegt. Inner-
halb dieser Spanne zeigt ein Vergleich der Dr¨ucke 200 mbar, 300 mbar und 500 mbar, dass
sich das Bifurkationsverhalten nicht entscheidend ¨andert. Nur f¨ur 100 mbar wird eine Ab-
nahme der Anzahl der auftretenden Mustertypen verzeichnet. Alle folgenden Experimente
werden deshalb bei einem Druck von p
N
2
300 mbar durchgef¨uhrt.
Die Tests bei 200 und 500 mbar zeigen, dass experimentell bedingte Schwankungen von
±10 mbar um 300 mbar herum die Reproduzierbarkeit nicht beeintr¨achtigen.
Abh¨
angigkeit vom Spiegelabstand
Eine Ver¨anderung des Spiegelabstandes wirkt sich qualitativ auf das Experiment aus. Zu
gr¨oßeren Spiegelabst¨anden hin wird nach Anpassung der Leistung eine geringere Vielfalt
an Mustern beobachtet. Quadrate k¨onnen durch eine Erh¨ohung des Spiegelabstandes in
Streifen ¨uberf¨uhrt werden. Die Reproduzierbarkeit dieser Ergebnisse zeigt, dass es sich
nicht um den gesuchten kritischen Parameter handelt.
Abh¨
angigkeit von der Spiegelreflektivit¨
at
Der zu Beginn verwendete dielektrische Spiegel S7
1
mit einer Reflektivit¨at von R = 91, 5%
und unbekannter Spezifikation bez¨uglich Parallelit¨at zwischen Vorder-und R¨uckseite
[Ack96] wird durch einen Spiegel S7
2
mit einer Reflektivit¨at von R = 99% und einem
28
Kapitel 3.
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
Keilwinkel zwischen Vorder-und R¨uckseite kleiner eine Bogensekunde ersetzt, um einen
h¨oheren R¨uckkopplungseffekt zu erzielen. Der kleine Keilwinkel verhindert zus¨atzliche In-
terferenzen durch Reflexe an der R¨uckseite des Spiegels. F¨ur die verwendeten Kameras
reicht die geringere Transmission aus.
Bei Auftreten von Quadraten oder Muster 42 wurde durch einen zeitweiligen Austausch
des Spiegels ¨uberpr¨uft, ob diese Muster bei beiden Reflektivit¨aten zu beobachten sind.
Qualitative ¨
Anderungen werden nicht beobachtet.
Abh¨
angigkeit von der Polarisationselliptizit¨
at
Eine leichte Abweichung der Polarisationselliptizit¨at von der zirkularen Polarisation von
0,94
pol
1,00 durch Drehen des /4-Pl¨attchens vor der Zelle um bis zu 10
bewirkt
keine qualitativen ¨
Anderungen. Resultate f¨ur große Variationen der Polarisationsellipti-
zit¨at (
pol
< 0,5) werden in [AGWH
+
99] beschrieben. Als kritisch im o.g. Sinne kann
dieser Parameter nicht angesehen werden.
Abh¨
angigkeit vom Magnetfeld
In Bezug auf kleine ¨
Anderungen der Longitudinalkomponente des Magnetfeldes ist das
System unempfindlich, wenn B
||
B
erf¨ullt ist. Kleine transversale Beitr¨age beeinflus-
sen das Bifurkationsverhalten auch nicht, solange B
||
B
eingehalten wird. Eine ¨
Ande-
rung des Vorzeichens der Longitudinalkomponente B
||
f¨uhrt ebenfalls zu keiner ¨
Anderung
des Bifurkationsverhaltens.
Abh¨
angigkeit von der Form des Natriumst¨
ucks
Teilweise werden im Experiment Muster beobachtet, die sich als gestauchte Variante eines
der in Kapitel 3.1.1-3.1.6 gezeigten Grundformen interpretieren lassen. Besonders ausge-
pr¨agt ist die Form der gestauchten AS
2,1
+SiS (Abb. 3.5).
Eine inhomogene Teilchenzahlverteilung k¨onnte dies erkl¨aren. Es soll ¨uberpr¨uft werden,
ob die Form des verwendeten Natriumst¨ucks einen Teilchenzahlgradienten verursacht.
Eine praktikable Form ist ein Quader mit den Maßen 2 mm × 2 mm × 10 mm, der
auf ein Tantal-R¨ohrchen in der Zelle gelegt wird. Der Dampf in kurzer Entfernung zum
Natriumst¨uck ist dichter als der in gr¨oßerer Entfernung.
Um R¨uckwirkungen auf das Experiment ausschließen zu k¨onnen, wird als Alternative ein
Ring aus Natrium gestanzt. Durch die radialsymmetrische Anordnung wird eine Verbes-
serung der Homogenit¨at der Teilchenzahlverteilung erwartet.
Mit dieser Form des Natriums werden jedoch die gleichen gestauchten Muster beobach-
tet. Der durch einen Quader erzeugte Teilchenzahlgradient beeinflusst die qualitativen
3.3. Reproduzierbarkeit der Messungen
29
Ergebnisse des Experiments also nicht. Da die Quaderform zudem einfacher zu pr¨aparie-
ren ist und einen geringeren Materialverbrauch bedeutet, wird weiterhin die Quaderform
gew¨ahlt.
Abh¨
angigkeit von der Spiegelverkippung
Bei kleinen durch ¨
Anderung der Piezotranslatoren gesteuerten Verkippungen wird das in
[SAS
+
97] beschriebene Driften der Muster reproduziert, eine qualitative ¨
Anderung des
Mustertyps tritt nicht auf. Erst bei großen Spiegelverkippungen werden ¨
Uberg¨ange zu
anderen Mustertypen beobachtet. Die Muster entsprechen keinem der bei ideal justiertem
Spiegel beobachteten Mustertypen und werden in dieser Arbeit nicht diskutiert.
Abh¨
angigkeit von der Strahlkollimation
Keiner der bekannten Parameter erm¨oglicht eine zuverl¨assige Reproduktion der gesuchten
Quadrate und Muster 42. Folglich existiert ein Parameter, der bisher nicht ausreichend
genau kontrolliert worden ist.
Messungen zur Lage der Strahltaille weisen große Schwankungen auf. Dies zeigt, dass die
Glaserfaserauskopplung auf Vibrationen und kleine Verschiebungen des Mikroskopobjek-
tivs sehr empfindlich reagiert. Die Strahlkollimation scheint der gesuchte kritische Para-
meter zu sein, welcher sich mit dem bisher vorhandenen Aufbau nicht gut kontrollieren
l¨asst.
30
Kapitel 3.
¨
Uberblick ¨
uber beobachtete Mustertypen
Kapitel 4
Kollimationskontrolle
Das Modellsystem aus Kap. 2.1 macht theoretische Voraussagen f¨ur eingestrahltes Licht
mit einer ebenen Phasenfront. Ein Gauß'scher Strahl erf¨ullt diese Bedingung nur am Ort
seiner Strahltaille. Mit Hilfe der Linse in der Glasfaserauskopplung kann die Strahltaille in
die N¨ahe der Mitte des Natriumdampfes verschoben werden. Das vorherige Kapitel zeigt,
dass bei Pr¨aparation der Strahlparameter das System sehr empfindlich auf Verschiebungen
der Linse reagiert. Durch eine Verbesserung der Glasfaserauskopplung kann die Kontrolle
¨
uber die Kollimation erleichtert und verbessert werden. Es werden drei Varianten der
Glasfaserauskopplung vorgestellt, von denen die letzten zwei den Aufbau von [Ack96]
erweitern.
Aufgrund des geringen Modenradius der Glasfaser von w
0
= 2 µm, ist der die Glasfaser
verlassende Strahl stark divergent. Dies erzwingt die Verwendung einer kurzbrennweitige
Linse wenige Millimeter hinter dem Faserende. Die Strahltaille kann damit nur grob auf die
Entfernung der Natriumdampfzelle justiert werden. In Kap. 4.1 werden die Auswirkungen
auf die Kollimationskontrolle bei Verwendung des bisherigen Aufbaus untersucht. Im Kap.
4.2 wird beschrieben, wie die grobe Kollimation durch die kurzbrennweitige Linse durch
eine Linse gr¨oßerer Brennweite fein nachkorrigiert werden kann. Durch den Einbau einer
weiteren Linse mit großer Brennweite (Kap. 4.3) wird ein Teleskop gebildet, welches die
Feinjustage weiter erleichtert.
4.1
Auskopplung mit einem Mikroskopobjektiv
Zu Beginn wurde ein Mikroskopobjektiv (Spindler & Hoyer, f = 15,48 mm) in der Auskop-
peleinheit (AE in Abb. 2.4) der Glasfaser benutzt, um das stark aufgeweitete Lichtb¨undel
so zu kollimieren, dass die Strahltaille in der Zelle liegt.
Das Objektiv wird im Folgenden wie eine einzelne kurzbrennweitige Linse mit derselben
effektiven Brennweite behandelt. Der Zusammenhang zwischen der Lage der Strahltaille
z
1
hinter der Linse und der Lage der Strahltaille z
0
vor der Linse (vgl. Abb. 4.1) errechnet
31
32
Kapitel 4. Kollimationskontrolle
z
0
w
0
w
1
z
1
Abbildung 4.1: Experimenteller Aufbau mit einer Linse hinter der Glasfaserauskopp-
lung (links), w
1
ist die Strahltaille in der Natriumdampfzelle (rechts)
sich nach [PPBS96] nach:
z
1
- f = V
2
(z
0
- f)
(4.1)
Die Vergr¨oßerung V ist gegeben durch:
V =
f
(z
0
- f)
2
+
2
w
4
0
2
(4.2)
Um die Strahltaille in die Zelle z
1
= 2,286 m mit einer Strahltaille w
1
= 1,42 mm zu
verschieben, muss das Objektiv einen Abstand z
0
= f + 4,51 µm von der Faserauskopplung
haben (vgl. Abb. 4.1).
Die Empfindlichkeit auf kleine Abstands¨anderungen wird untersucht, indem die Verschie-
bung der Strahltaille hinter der Linse z
1
+ z
1
bei einer Abweichung der Lage der Strahl-
taille vor der Linse z
0
+ z
0
von der Brennebene f errechnet wird. Eine Verschiebung
der Linse um z
0
= 1µm (z
0
= f + 5,51 µm) aus der Brennebene heraus bewirkt eine
Verschiebung der Strahltaille hinter der Linse um z
1
= 442 mm. Eine gute Kontrolle
der Lage der Strahltaille ist folglich mit nur einer Linse nicht m¨oglich. Deshalb wurden
zwei Teleskopsysteme getestet, die eine feinere Justage erlauben sollten.
4.2Auskopplung mit einem 2
-Linsensystem
F¨ur das erste Teleskop wird das Mikroskopobjektiv durch eine asph¨arische Linse (f
1
=
11 mm) ersetzt. Im Abstand L hinter der ersten (AE) Auskopplungslinse wird eine zweite
(L2) mit gr¨oßerer Brennweite (f
2
= 100 mm) aufgestellt
1
(vgl. Abb. 4.2). Auf diese
Weise kann der stark aufgeweitete Strahl hinter der Glasfaser grob kollimiert werden.
Die hierf¨ur ben¨otigte kurze Brennweite hat eine hohe Empfindlichkeit in Bezug auf die
Lage der Strahltaille zur Folge. Diese Position wird mit der langbrennweitigen Linse fein
justiert (vgl. Abb. 4.2). L2 ist in eine Gewindehalterung eingefasst, die die Variation der
Entfernung L zur ersten Linse AE erm¨oglicht.
1
L
3 existiert in diesem Aufbau nicht
4.2. Auskopplung mit einem 2-Linsensystem
33
z
0
w
0
w
2
z
1
w
1
z
2
z
3
Abbildung 4.2: Experimenteller Aufbau mit einer kurzbrennweitigen und einer lang-
brennweitigen Linse hinter der Glaserfaserauskopplung (links), w
2
ist die Strahltaille
in der Natriumdampfzelle (rechts)
Die Strahltaille w
0
= 2 µm ist durch den Modenradius der Glasfaser vorgegeben. In einer
Entfernung L = 2286 mm in der Mitte der Natriumdampfzelle soll eine Strahltaille mit
einem Radius von w
3
= 1,42 mm liegen. Daf¨ur m¨ussen die Linsenpositionen so gew¨ahlt
werden, dass die Strahltaille w
1
hinter der ersten Linse der Strahltaille w
1
vor der zweiten
Linse entspricht, die sich ergibt, wenn man von der Strahltaille w
2
den Lichtweg r¨uckw¨arts
betrachtet. Die Strahltaille w
1
= w
1
muss von beiden Seiten aus gesehen an der gleichen
Stelle liegen und den gleichen Radius haben. Diese sogenannte Modematching-Bedingung
ist erf¨ullt, wenn die Summe der Entfernungen der Strahltaillen zueinander gleich dem
gew¨unschten Abstand L zwischen w
0
und w
2
ist,
z
0
+ z
1
+ z
2
+ z
3
= L,
(4.3)
und wenn die Vergr¨oßerungen V
1
= V
1
(f
1
, w
0
, z
0
) und V
2
= V
2
(f
2
, w
2
, z
3
) den gleichen
Strahlradius
w
1
= w
0
V
1
= w
2
V
2
= w
1
(4.4)
ergeben. Vereinfachend wird f¨ur (4.3) z
3
= L gefordert, da z
0
+ z
1
+ z
2
z
3
gilt. In
(4.4) setzt man jeweils (4.2) ein, wobei V
2
statt von z
0
und w
0
von z
3
und w
2
abh¨angt.
Durch das Aufl¨osen nach z
0
erh¨alt man zwei L¨osungen f¨ur die Linsenpositionen, da die
gemeinsame Strahltaille sowohl zwischen den Linsen (z
1
> 0) als auch vor der ersten Linse
liegen kann (z
1
< 0), ohne dass sich die Situation in der Zelle ¨andert. F¨ur den Fall z
1
> 0
sind die Linsen etwas weiter von einander entfernt als im zweiten Fall. Sie lassen sich
deshalb so experimentell etwas besser handhaben. In diesem Fall sind: z
0
= 12,733 mm,
z
1
= 80,796 mm und z
2
= 100,167 mm.
Eine Verschiebung von L2 um z
2
= 1 µm bewegt die Strahltaille um z
3
= 11,225 mm
von der Zellenmitte weg. Eine 1/16 Umdrehung der Gewindehalterung entspricht einer
Verschiebung der Linse von z
2
= 31,25 µm und bewirkt schon eine Verschiebung der
Strahltaille um z
3
= 34,4 cm.
Dieser Aufbau f¨uhrte in gr¨oßerer Entfernung hinter der Faser (ca. 2 m) zu ringf¨ormigen
Modulationen des Gauß'schen Strahlprofils.
34
Kapitel 4. Kollimationskontrolle
4.3
Auskopplung mit Mikroskopobjektiv und Tele-
skop
Vollkommene Entkopplung von Faserauskopplung und Kollimationskontrolle erh¨alt man
durch Verwendung eines 1:1-Teleskops aus zwei Linsen gleicher Brennweite (f = 100 mm)
hinter der Auskoppeleinheit (vgl. Abb. 4.3).
z
0
w
0
z
1
w
1
w
2
w
3
z
3
4
z
z
5
z
2
Abbildung 4.3: Experimenteller Aufbau mit einer kurzbrennweitigen Linse hinter der
Glaserfaserauskopplung (links) und einem Teleskop aus zwei Linsen, w
3
ist die Strahl-
taille in der Natriumdampfzelle (rechts)
In der Auskoppeleinheit wird wieder das o.g. Mikroskopobjektiv anstatt der asph¨arischen
Linse benutzt. Die Strahltaille wird erst ohne Teleskop ungef¨ahr in die Zellenmitte z
0
=
2,286 m verschoben. Der Strahl hat dort einen Radius von w
3
= 1,4 mm. Eine Korrektur
der Lage der Strahltaille findet dann mittels Teleskop statt. Es werden zwei plan-konvexe
Linsen L2 und L3 (antireflexbedampft f¨ur = 590 nm) verwendet, wobei die plane Seite
jeweils zur Innenseite des Teleskops gerichtet ist. Die Linsen befinden sich in Gewindehal-
terungen, die bei einer ganzen Umdrehung einen Versatz von (0,5 ± 0,015) mm bewirken.
Um eine Strahltaille mit einem Radius von w
3
= 1,42 mm in der Zellenmitte mit Teleskop
zu erreichen, wird Linse L2 33 cm hinter der Auskopplung und Linse L3 200,025 mm
hinter L2 aufgestellt. Mit diesem Aufbau wird ein Astigmatismus kleiner 2% erreicht.
Die Justagegenauigkeit entspricht der des Aufbaus mit nur zwei Linsen (Kap. 4.2). Dies ist
anschaulich klar, wenn der Lichtweg r¨uckw¨arts betrachtet wird und f¨ur L2 aus dem Zwei-
Linsen-System die gleiche Entfernung zur Mitte der Zelle wie f¨ur L3 aus dem Teleskop-
System angenommen wird.
Mit dem Teleskopaufbau ist das Experiment jedoch flexibler, da das Teleskop einfach
aus dem Strahlengang entfernt bzw. diesem hinzugef¨ugt werden kann, ohne die Position
der kurzbrennweitigen Linse anpassen zu m¨ussen. Ein Abbau des Teleskops kann wichtig
werden, wenn ein geringer Leistungsgewinn auf Kosten der Kollimation erw¨unscht ist.
Entscheidender Unterschied zum Aufbau aus Kap. 4.2 ist das verbesserte Strahlprofil des
Strahls in der Zelle.
4.3. Auskopplung mit Mikroskopobjektiv und Teleskop
35
Um die Messungen aus den beiden n¨achsten Kapiteln interpretieren zu k¨onnen, muss das
Teleskop geeicht sein, d.h. es muss bekannt sein, f¨ur welche Einstellung der Teleskopl¨ange
die Strahltaille in der Natriumdampfzelle liegt. Hierf¨ur wird der Strahldurchmesser an
mehreren Orten vor und hinter der Zelle f¨ur unterschiedliche Teleskopl¨angen bestimmt.
F¨unf verschiedene L¨angeneinstellungen werden durch Drehen der Linsenhalterung jeweils
um eine halbe Umdrehung erhalten. F¨ur die zwei k¨urzesten Teleskopl¨angen wird ein di-
vergenter Strahl festgestellt, f¨ur die zwei l¨angsten ein konvergenter Lichtstrahl. Wird von
"
konvergentem" oder
"
divergentem Strahl" berichtet, ist dies auf die Kollimation des
Strahls in der Natriumdampfzelle zu beziehen.
Da sich die Lage der Strahltaille jetzt auf ca. z = ±40 cm genau einstellen l¨asst, kann
nach [PPBS96]:
R(z) = z +
z
2
R
z
(4.5)
(Lage der Strahltaille bei z = 0) von einem minimalen Kr¨ummungsradius von 300 m
ausgegangen werden. Auf der Fl¨ache eines Gauß'schen Strahls mit einem Radius von
w
3
= 1,42 mm bewirkt dies rechnerisch maximal einen Gangunterschied von 6,7 nm. Dies
entspricht einer Phasenkr¨ummung von 71,7 mrad.
Die urspr¨unglich geplante gezielte Untersuchung des Systems auf Parameterabh¨angigkeit
wird nun durch die gegebene eindeutige Festlegung aller relevanten Parameter m¨oglich.
36
Kapitel 4. Kollimationskontrolle
Kapitel 5
Abh¨
angigkeit der Musterbildung von
der Temperatur
Im Experiment wird eine Vielfalt an Mustern beobachtet. Ziel der folgenden Untersuchun-
gen ist es, Ordnung in den Musterzoo zu bringen. Maßgebliche Effekte zur Bildung der
Muster sind die Nichtlinearit¨at des Mediums und die r¨aumliche Kopplung. Die r¨aumliche
Kopplung kommt durch die R¨uckkopplung zustande, ließe sich also ¨uber eine ¨
Anderung
der Reflektivit¨at des R¨uckkoppelspiegels kontrollieren. Dies ist jedoch im Experiment
nicht leicht zu realisieren. Die Gr¨oße der Nichtlinearit¨at des Mediums wird maßgeblich
durch die Teilchenzahldichte N an Natriumatomen im Dampf beeinflusst, N ist proportio-
nal zur Suszeptibilit¨at. Kontrolliert wird die Teilchenzahldichte ¨uber die Temperatur der
Natriumdampfzelle. Bei Raumtemperatur und unterhalb des Siedepunktes von Natrium
ist kein Dampf und somit auch keine Nichtlinearit¨at des Gases in der Zelle vorhanden. Es
werden keine Muster beobachtet. Mit Erh¨ohung der Temperatur, und der damit verbunde-
nen Teilchenzahldichte, wird eine Zunahme der Komplexit¨at des Bifurkationsdiagramms,
also eine gr¨oßere Anzahl auftretender Mustertypen, erwartet.
Die folgenden vier Messungen bei vier verschiedenen Temperaturen (284
C, 304
C, 315
C
und 325
C) wurden an einem Messtag durchgef¨uhrt, um eine Alterung des Natriumst¨ucks
auszuschließen. Nur so ist ein Vergleich unterschiedlicher Temperaturwerte sinnvoll und
die Identifikation mit Teilchenzahldichten erlaubt.
Im Experiment wurde bei hohen Temperaturen begonnen, im Folgenden werden die Er-
gebnisse jedoch in umgekehrter Reihenfolge vorgestellt, da die ¨
Ubersichtlichkeit so besser
gewahrt bleibt. Nach Ver¨andern der Heizspannung wird jeweils ca. 45 Minuten gewartet,
bis sich eine konstante Temperatur einstellt und von einem Gleichgewichtszustand mit
konstanter Teilchenzahldichte ausgegangen werden kann.
F¨ur die folgenden Messungen werden konstant gehalten: d = 76 mm, p = 301 mbar,
R = 99%. Es werden nur positive Verstimmungen (Frequenzen oberhalb der Resonanz)
untersucht, da hier die gr¨oßere Vielfalt an Mustern auftritt.
37
38
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
F¨ur jede Temperatur wird ein Bifurkationsdiagramm gezeigt, welches die Musterselektion
in Abh¨angigkeit von Verstimmung und Leistung verdeutlicht. Dazu wird f¨ur eine feste
Verstimmung die Leistung variiert und die auftretenden Muster anhand von Nah-und
Fernfeld klassifiziert.
Der erste Schritt bei der theoretischen Analyse von musterbildenden Systemen ist die
lineare Stabilit¨atsanalyse (LSA) der Modellgleichungen. Als L¨osungen liefert diese zu al-
len Wellenzahlen die Schwellleistungen, bei denen der unmodulierte Zustand zugunsten
eines Musters mit dieser Wellenzahl instabil wird. Bei unterschiedlichen experimentellen
Parametern werden unterschiedliche Wellenzahlen verst¨arkt bzw. ged¨ampft. F¨ur die Mus-
terselektion scheint es deshalb darauf anzukommen, aus welchen Wellenzahlen sich ein
Muster zusammensetzt und in welchem Verh¨altnis diese zueinander stehen. Im Folgenden
wird f¨ur jede Temperatur eine Analyse der Wellenzahlen in Abh¨angigkeit von der Leistung
gegeben.
5.1
Bifurkationsszenario bei
T = 284
C
Die ersten bei Erh¨ohung der Temperatur auftretenden Muster sind (negative) Hexagone
bei einer Temperatur von T = 284
C, f¨ur die die Teilchenzahldichte mittels des in Anhang
A beschriebenen Verfahrens auf N = 8,2 ·10
17
m
-3
bestimmt wird. Es werden ausschließ-
lich Hexagone beobachtet. Abb. 5.1 zeigt ein bei dieser Temperatur aufgenommenes Bi-
furkationsdiagramm. Die Skalierung der Abszisse wird so gew¨ahlt, dass das Diagramm
ohne Umskalieren mit denen der folgenden drei Szenarios vergleichbar ist.
Die kleinste Laserleistung, bei der Musterbildung einsetzt, liegt f¨ur eine Verstimmung von
= 2,5 GHz bei 61 mW. Der Frequenzbereich, in dem Musterbildung bei Leistungen bis
P = 200 mW vorzufinden ist, erstreckt sich bis zu einer Verstimmung = 4,6 GHz.
F¨ur kleine Verstimmungen ( < 2 GHz) wird eine stark ausgepr¨agte Hysterese beobach-
tet: F¨ur konstant gehaltene Leistung entstehen aus dem homogenen Zustand bei Vergr¨oße-
rung der Verstimmung bei 0,9 GHz Hexagone. Bei Verkleinerung der Verstimmung
von diesem Zustand ausgehend bleiben die Hexagone stabil. F¨ur Leistungen P > 150 mW
existiert dieser Bistabilit¨atsbereich bis hin zu kleinen negativen Verstimmungen ¨uber die
Resonanzfrequenz hinweg.
Abb. 5.2 zeigt die Entwicklung der hexagonalen Muster bei Variation der Leistung f¨ur
die Verstimmung, f¨ur die die kleinste Schwelle zur Musterbildung festgestellt wurde. Im
Bifurkationsdiagramm markiert eine senkrechte strichpunktierte Linie diese Verstimmung.
Auf den Bildern des Fernfeldes ist bei allen Leistungen unterhalb des Ringes mit dem
Radius der kritischen Wellenzahl ein einzelnes Maximum zu sehen. Hierbei handelt es
sich um einen R¨uckreflex in dem optischen System, der nur auf Kosten der Justage des
Systems h¨atte vermieden werden k¨onnen. Dieser ist auch bei den anderen Temperaturen
5.1. Bifurkationsszenario bei T
= 284
C
39
0
50
100
150
200
0
2
4
6
8
10
12
14
Leistung (mW)
Verstimmung (GHz)
Abbildung 5.1: Bifurkationsdiagramm, Grenze zum Auftreten von Hexagonen (+) mit
Hysterese am linken Rand, strichpunktierte Linie: die in Abb. 5.2 gezeigten Bilder.
Parameter: T = 284
C, d = 76 mm, p
N
2
= 301 mbar, R = 99%
in den Abb. 5.5, 5.8 und 5.11 vorhanden.
Die Abb. 5.2a-c verdeutlichen, dass keine klare Abgrenzung zwischen dem unmodulierten
Zustand und dem hexagonalen Muster vorgenommen werden kann. In Abb. 5.2b ist keine
hexagonale Struktur in Fern-und Nahfeld erkennbar, im Fernfeld ist die kritische Wel-
lenzahl fast homogen auf einem Kreis angeregt. Im Nahfeld kann der Modulation an der
Schwelle (Abb. 5.2b) kein periodisches Muster zugeordnet werden. Als Schwelle zur Mu-
sterbildung, kurz Schwellleistung, wird deshalb als die Leistung festgelegt, bei der zuerst
hexagonale Strukturen erkennbar sind.
Wenig oberhalb der Schwelle zur Musterbildung sind sechs Maxima ausgepr¨agt. Diese
sind unscharf, da ein kleiner Beitrag zur kritischen Wellenzahl unabh¨angig vom Winkel
vorhanden ist (Abb. 5.2c). Mit zunehmender Leistung nehmen die Lokalisationen der Fou-
rierkomponenten und gleichzeitig die Fl¨ache, auf der Musterbildung zu sehen ist, und da-
mit die Anzahl der Elementarzellen (Abb. 5.2c-e) zu. Bei maximaler Leistung (Abb. 5.2e)
sind zus¨atzlich zu den sechs Hauptmaxima im kontrastverst¨arkten Fernfeld schw¨achere
Maxima h¨oherer Ordnung zu sehen.
Zur Analyse der Wellenzahlen wurden f¨ur die Parameter aus Abb. 5.3 die Leistung schritt-
weise erh¨oht und bei jeder Leistung f¨unf bis 20 Nah-und Fernfeldaufnahmen ausgewertet.
Abb. 5.2 zeigt allen in den Mustern auftretenden Wellenzahlen in Abh¨angigkeit von der
Leistung.
40
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
Abbildung 5.2: Variation der Leistung bei T = 284
C und Verstimmung = 2,5 GHz,
a) P = 54 mW, b) P = 64 mW, c) P = 69 mW, d) P = 96 mW, e) P = 188 mW,
obere Reihe: Nahfeld (3,44 x 3,44 mm
2
), mittlere Reihe: Fernfeld (104 x 104 mm
-2
),
untere Reihe: kontrastverst¨arktes Fernfeld (134 x 134 mm
-2
), Parameter: d = 76 mm,
p
N
2
= 301 mbar, R = 99%
Die großen Kreise markieren die Mittelwerte ¨uber alle Wellenzahlen aus einem schma-
len Leistungsintervall. In diesem und alle folgenden Diagrammen, in denen Wellenzahlen
aufgetragen sind, beziehen sich die Mittelwerte auf ein Leistungsintervall von bis zu 4
mW und einen Satz von ein bis 15 Bildern. Jeder kleine Punkt repr¨asentiert eine einzelne
Fourierkomponente einer Aufnahme eines Musters.
Um Trends zu erkennen, wird die Abh¨angigkeit der Mittelwerte von der Leistung be-
trachtet. Auf diese Weise werden alle Werte unabh¨angig davon, wie viele Aufnahmen pro
Leistungswert aufgenommen wurden, gleich gewichtet. Bei dieser Temperatur ist die Wel-
lenzahl der Hexagone im Rahmen der Messgenauigkeit unabh¨angig von der Leistung und
betr¨agt k = (25,2 ± 0,2) mm
-1
.
5.2. Bifurkationsszenario bei T
= 304
C
41
23
23.5
24
24.5
25
25.5
26
26.5
60
80
100
120
140
160
180
200
220
Wellenzahl (mm
-1
)
Leistung (mW)
Abbildung 5.3: Abh¨angigkeit der Wellenzahl der Hexagone von der Leistung, große
Kreise: Mittelwerte ¨uber alle Aufnahmen ungef¨ahr gleicher Leistung, Parameter: s.
Abb. 5.2
5.2Bifurkationsszenario bei
T = 304
C
Bei einer Temperatur von T = 304
C (N = 1,8 ·10
18
m
-3
) treten bei mittlerer Ver-
stimmung und hoher Leistung Streifen (vgl. Kap. 3.1.5) als sekund¨are Bifurkation von
Hexagonen auf. Qualitativ sind die Szenarios bei T = 295,0
C und T = 304
C gleich, von
ihnen wird das zweite detailliert beschrieben.
In Abb. 5.4 ist zus¨atzlich zu den Grenzen, bei denen Hexagone bzw. Streifen bei Erh¨ohung
der Leistung erstmals auftreten, ein Bistabilit¨atsbereich zwischen Streifen und Hexagonen
eingetragen.
Die kleinste Laserleistung, bei der Musterbildung einsetzt, betr¨agt 33 mW f¨ur eine Ver-
stimmung von = 3,0 GHz. Der Frequenzbereich, in dem Musterbildung bei Leistungen
bis P = 200 mW vorzufinden ist, erstreckt sich bis zu einer Verstimmung = 8,0 GHz.
Eine starke Hysterese der Hexagone nahe der Resonanz wird auch hier beobachtet. Die
kleinste Leistung, bei der die Hexagone ¨uber die Resonanz hinaus stabil sind, betr¨agt
90 mW. F¨ur hohe Leistung wird keine Verstimmung beobachtet, f¨ur die die Hexagone
instabil werden.
Abb. 5.5 zeigt Aufnahmen bei Variation der Leistung von Werten unterhalb der Schwelle
zur Musterbildung bis zu 220 mW bei einer Verstimmung von = 3,0 GHz.
42
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
0
50
100
150
200
0
2
4
6
8
10
12
14
Leistung (mW)
Verstimmung (GHz)
Abbildung 5.4: Bifurkationsdiagramm, Stabilit¨atsbereiche von Hexagonen (+) mit
Hysterese und Streifen (3), strichpunktierte Linie: die in Abb. 5.5 gezeigten Bilder.
Die Grenze der Hexagone im Bereich der Streifen zeigt die Schwelle an, ab der Hexa-
gone nicht mehr zu beobachten sind. Parameter: T = 304
C, d = 76 mm, p
N
2
= 301
mbar, R = 99%
F¨ur die drei kleinsten Leistungen (Abb. 5.5a-c) wird qualitativ das gleiche Verhalten
wie bei T = 284
C beobachtet. Auch ein Zustand, bei dem die kritische Wellenzahl
gleichm¨aßig auf einem Kreis angeregt wird (vgl. Abb. 5.2b), wird f¨ur P = 33 mW beob-
achtet, ist jedoch nicht abgebildet.
Mit steigender Leistung nimmt die Fl¨ache, auf der sich Hexagone ausbilden, im Nahfeld zu.
Im Fernfeld treten weitere Harmonische h¨oherer Ordnung auf, die sich aus Vektoraddition
aus Vielfachen der Grundmoden zusammensetzen (Abb. 5.5d). Die bisher beschriebenen
h¨oheren Harmonischen erster Ordnung, die sich aus einfachen Summen der Grundmoden
ergeben, gewinnen an Intensit¨at. Das Nahfeld (Abb. 5.5b-d) nimmt an Kontrast zu. F¨ur
hohe Leistungen sind die im Nahfeld beobachteten Intensit¨atsminima nicht rund wie in
Abb. 5.5b, sondern l¨anglich (Abb. 5.5c) bzw. haben eine rechteckige Form (Abb. 5.5d).
Jede einzelne Aufnahme besitzt eine Vorzugsrichtung, die die Drehsymmetrie auf eine
zweiz¨ahlige reduziert. Mehrere Aufnahmen untereinander verglichen zeigen jedoch Strei-
fen, die unterschiedlich orientiert sind, wodurch eine Inhomogenit¨at des Mediums oder
des Lichtstrahls als Ursache ausgeschlossen wird.
F¨ur P > 160 mW werden Streifen in Kombination mit Hexagonen am Rand des mu-
sterbildenden Bereichs beobachtet (vgl. Kap. 3.1.5). Bis 200 mW treten diese bistabil
5.2. Bifurkationsszenario bei T
= 304
C
43
Abbildung 5.5: Variation der Leistung bei T = 304
C und = 3,0 GHz, a) P =
27 mW, b) P = 41 mW, c) P = 79 mW, d) P = 170 mW, e) P = 214 mW,
Parameter: wie bei Abb. 5.2
mit Hexagonen auf. Das System wechselt bei konstanten Parametern in diesem Bereich
zeitlich zwischen beiden Zust¨anden.
Die Wellenzahlen der bei = 3,0 GHz auftretenden Hexagone und Streifen sind in Abb.
5.6 gegen die Leistung aufgetragen.
An der Schwelle zur Musterbildung betr¨agt die Wellenzahl der Hexagone k = 25,4 mm
-1
.
Diese nimmt mit zunehmender Leistung ab, erreicht ein Minimum bei ca. 70-75 mW mit
einem Mittelwert k
min
24,2 mm
-1
und steigt dann wieder an. Die ab 160 mW auf-
tretenden Streifen haben im ¨
Ubergang zu Hexagonen ungef¨ahr die gleichen Wellenzahlen
wie diese. In diesem kleinen Bistabilit¨atsbereich nimmt die Wellenzahl der Hexagone mit
zunehmender Leistung zu. Streifen behalten ihre Wellenzahl der Gr¨oßenordnung k
24,3 mm
-1
bis P = 230 mW bei.
44
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
23
23.5
24
24.5
25
25.5
26
26.5
20
40
60
80 100 120 140 160 180 200 220 240
Wellenzahl (mm
-
1
)
Leistung (mW)
Abbildung 5.6: Abh¨angigkeit der Wellenzahl der Hexagone ( ) und Streifen (3)
von der Leistung, große Symbole: Mittelwerte ¨uber alle Aufnahmen ungef¨ahr gleicher
Leistung, Parameter: s.Abb. 5.5
5.3
Bifurkationsszenario bei
T = 315
C
Bei T = 315
C (N = 6,1 ·10
18
m
-3
) liegt die kleinste Laserleistung, bei der Musterbildung
einsetzt, f¨ur eine Verstimmung von = 4,5 GHz bei P = 31 mW (vgl. Abb. 5.7). Der
Frequenzbereich, in dem Musterbildung bei Leistungen bis P = 200 mW vorzufinden ist,
erstreckt sich bis zu einer Verstimmung = 12,0 GHz.
Die Hysterese der Hexagone bleibt bestehen. Bei einer Leistung von P = 130 mW bleiben
Hexagone bei konstanter Leistung auch bei Variation der Verstimmung ¨uber die Resonanz
hinaus stabil.
Es treten erstmals Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten als sekund¨are Bifurkation von
Hexagonen auf. Diese entstehen ab einer Leistung von P > 59 mW. Im Bereich von Ver-
stimmungen 2,5 GHz 3,9 GHz werden SiH+SiH (vgl. Kap. 3.1.3) beobachtet. Diese
gehen zu gr¨oßerer Verstimmung in andere Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten ¨uber.
Da hier neben Quasimustern (vgl. Kap. 3.1.2) auch Mischformen aus Q
12
und AS
2,1
+SiS
sowie dynamische Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten und nicht klar definierten Win-
kelzusammenh¨angen (vgl. Kap. 3.1.7) auftreten, sind diese im Bifurkationsdiagramm zu
einer Gruppe
"
12 FK" zusammengefasst.
Der Bistabilit¨atsbereich bei hoher Leistung und mittlerer Verstimmung zwischen Streifen
und Hexagonen, der bei T = 304
C auftritt, wird durch eine Multistabilit¨at zwischen
5.3. Bifurkationsszenario bei T
= 315
C
45
0
50
100
150
200
0
2
4
6
8
10
12
14
Leistung (mW)
Verstimmung (GHz)
Abbildung 5.7: Bifurkationsdiagramm, Stabilit¨atsbereiche von Hexagonen (+),
SiH+SiH (×), 12 FK () und Streifen (3), strichpunktierte Linie: die in Abb. 5.8
gezeigten Bilder. Parameter: T = 315
C, d = 76 mm, p
N
2
= 301 mbar, R = 99%
Streifen und Mustern mit zw¨olf Fourierkomponenten abgel¨ost.
Die Variation der Leistung zeigt f¨ur kleine Leistungen (Abb. 5.8a-d) dasselbe Verhalten
des Systems wie f¨ur T = 284
C beschrieben. Eine r¨aumliche Verzerrung wie bei T = 304
C
wird nicht beobachtet.
Durch das Anwachsen von sechs weiteren Intensit¨atsmaxima im Fernfeld bildet sich eine
zweite Triade heraus (Abb. 5.8e). Die Winkel variieren hier von Aufnahme zu Aufnahme.
Auch die Wellenzahlverh¨altnisse der Triaden zueinander sind nicht immer gleich. Das Bild
in Abb. 5.8e zeigt ein Muster, das aufgrund seiner Winkel von ungef¨ahr 30
einem SiH+SiH
(vgl. Kap. 3.1.3) am ¨ahnlichsten von allen bei diesen Parametern beobachteten Muster
sieht. Das Wellenzahlverh¨altnis der beiden Triaden ist mit k
2
/k
1
1,04 jedoch wesentlich
kleiner als das f¨ur ideale SiH+SiH. Bei h¨oherer Leistung haben alle Intensit¨atsmaxima
des Fernfeldes ungef¨ahr die gleiche Intensit¨at. Es treten haupts¨achlich Muster wie in Abb.
5.8f gezeigt auf. Gleiche Winkel zur Bildung von Q
12
stellen sich nur vereinzelt ein. In
diesem Bereich werden auch Muster beobachtet, deren Wellenvektoren zwar die Winkel
wie bei einem AS
2,1
+SiS aufweisen, die Wellenzahlen jedoch alle ann¨ahernd gleich sind.
F¨ur Leistungen P 160 mW (Abb. 5.8g) zeigen die Muster eine so schnelle Dynamik, dass
nicht mehr eindeutig zu erkennen ist, ob es sich um Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten
handelt (vgl. Kap. 3.1.7). Es ist ann¨ahernd nur eine einzelne Wellenzahl angeregt.
Vereinzelt werden modulierte Streifen beobachtet, dessen Nahfeld am Rand des Gauß'schen
46
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
Abbildung 5.8: Variation der Leistung bei T = 315
C und = 4,5 GHz, a) P =
23 mW, b) P = 33 mW, c) P = 41 mW, d) P = 53 mW, e) P = 65 mW, f) P =
105 mW, g) P = 157 mW, h) P = 210 mW, Parameter: wie bei Abb. 5.2
5.3. Bifurkationsszenario bei T
= 315
C
47
Strahls anderen Mustern aus einzelnen Minima aufweist. F¨ur h¨ohere Leistungen (Abb.
5.8h) treten diese dann stabil auf. Aufgrund der geringen Ausdehnung im Nahfeld ist nicht
eindeutig erkennbar, zu welchem Mustertyp diese zuordnet werden k¨onnten. Die Muster
als Kombination gesehen ¨ahneln, vor allem im Fernfeld, der in Kap. 3.1.5 beschriebenen,
Zusammensetzung aus Streifen und Hexagonen.
Die Ergebnisse der Untersuchung auf Wellenzahl¨anderungen in Abh¨angigkeit von der Lei-
stung ist in Abb. 5.9 dargestellt.
23
23.5
24
24.5
25
25.5
26
26.5
20
40
60
80
100 120 140 160 180 200
Wellenzahl (mm
-
1
)
Leistung (mW)
Abbildung 5.9: Abh¨angigkeit der Wellenzahl der Hexagone ( ), Muster der Gruppe
"
12 FK" () und Streifen (3) von der Leistung, große Symbole: Mittelwerte ¨uber
alle Aufnahmen ungef¨ahr gleicher Leistung, Parameter: s.Abb. 5.8
Hexagone zeigen, wie f¨ur T = 315
C, bei Erh¨ohung der Leistung eine starke Abnahme
der Wellenzahl. Das bei T = 315
C beobachtete Minimum wird nicht beobachtet.
Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten entstehen mit einer ca . 1% gr¨oßeren Wellenzahl
als die Hexagone bei n¨achst kleinerer Leistung. Ihre Wellenzahl bleibt von 70 mW bis
160 mW fast konstant im Bereich 24,8 mm
-1
< k < 25,05 mm
-1
.
Die Wellenzahlen der f¨ur P > 155 mW beobachteten Streifen nehmen mit zunehmender
Leistung linear ab. Im Bistabilit¨atsbereich 155 mW < P < 160 mW haben Streifen
eine deutlich geringere Wellenzahl als die Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten. Das
Verh¨altnis betr¨agt k
Str
/k
12F K
= 0,98.
48
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
5.4
Bifurkationsszenario bei
T = 325
C
F¨ur die h¨ochste untersuchte Temperatur T = 325
C (N = 1,27 ·10
19
m
-3
) treten erstmals
Quadrate (vgl. Kap. 3.1.6) auf. Sie werden f¨ur ¨ahnliche Leistungen wie Streifen, P >
164 mW, und etwas kleinere Verstimmung beobachtet (vgl. Abb. 5.10).
0
50
100
150
200
0
2
4
6
8
10
12
14
Leistung (mW)
Verstimmung (GHz)
Abbildung 5.10: Bifurkationsdiagramm, Stabilit¨atsbereiche von Hexagonen (+),
SiH+SiH (×), 12 FK (), Streifen (3), Quadraten (2), strichpunktierte Linie: die
in Abb. 5.11 gezeigten Bilder. Parameter: T = 325
C, d = 76 mm, p
N
2
= 301 mbar,
R = 99%
Die kleinste Laserleistung, bei der Musterbildung einsetzt, liegt f¨ur Verstimmungen 3,0 GHz
5,0 GHz bei 31 mW. Der Frequenzbereich, in dem Musterbildung bei Leistungen
bis P = 200 mW vorzufinden ist, erstreckt sich bis zu einer Verstimmung = 13,5 GHz.
Die Hysterese der Hexagone wird weiterhin beobachtet. Auf der Resonanz sind Hexagone
ab einer Leistung von P = 95 mW stabil.
Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten entstehen ab einer Leistung von P > 46 mW. F¨ur
kleinere Verstimmung entstehen in dem Bereich, in dem Muster mit zw¨olf Fourierkom-
ponenten auftreten, nur SiH+SiH. Dieser Bereich ist mehr als doppelt so breit wie bei
T = 315
C. F¨ur gr¨oßere Verstimmungen existieren, wie bei T = 315
C, Q
12
, AS
2,1
+SiS,
SiH+SiH und nicht n¨aher klassifizierte Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten in Mul-
tistabilit¨at zueinander. F¨ur T = 325
C wird f¨ur den Stabilit¨atsbereich der Gruppe der
Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten (
"
12 FK") eine Obergrenze f¨ur die Leistung gefun-
den. Dies ist der einzige Bereich (f¨ur alle Diagramme), der nach oben hin geschlossen ist.
5.4. Bifurkationsszenario bei T
= 325
C
49
Bei Leistungen P > 200 mW werden Streifen bzw. Quadrate bevorzugt.
Bis auf Streifen lassen sich bei einer Verstimmung von = 4,5 GHz durch Variation der
Leistung alle Muster, die im Bifurkationsdiagramm auftreten, beobachten (Abb. 5.11).
Hexagone zeigen das gleiche Verhalten wie bei T = 315
C. F¨ur Leistungen zwischen 48
und 230 mW werden Muster aus zw¨olf Fourierkomponenten beobachtet, von denen die
meisten weder anhand ihres Nahfelds noch anhand der Winkel-oder Wellenzahlverh¨altnis-
se im Fernfeld klassifiziert werden k¨onnen (vgl. Kap. 3.1.7). F¨ur kleine Leistungen werden
Muster bevorzugt, die aus zwei hexagonalen Triaden mit leicht unterschiedlichen Wel-
lenzahlen und Intensit¨aten gebildet werden (Abb. 5.11e). Da diese aber nicht auf einem
hexagonalen Grundgitter liegen, k¨onnen diese nicht der Klasse der SiH+SiH zugeordnet
werden. Eine Interpretation als Mischform zwischen SiH+SiH und Q
12
w¨are denkbar.
Vereinzelt k¨onnen f¨ur etwas h¨ohere Leistungen Q
12
(Abb. 5.11f) aufgenommen werden.
Bei weiterer Erh¨ohung der Leistung verlagern sich die Winkelverh¨altnisse zu denen eines
typischen AS
2,1
+SiS, d.h. es werden quadratische Grundgitter eingenommen. Die meis-
ten der beobachteten Muster in diesem Parameterbereich besitzen jedoch ein kleineres
Wellenzahlverh¨altnis zwischen den beiden Unterstrukturen als f¨ur ideale AS
2,1
+SiS er-
wartet. Abb. 5.11h zeigt ein Muster, das am besten der theoretischen Erwartung einer
periodischen ¨
Uberstruktur dieser Art entspricht.
An der Schwelle zu Quadraten werden sich zeitlich schnell ¨andernde Muster einer Wel-
lenzahl beobachtet, wie sie schon f¨ur T = 315
C beschrieben wurden. Der ¨
Ubergang zu
Quadraten ist vergleichsweise abrupt, stetige ¨
Uberg¨ange oder Mischzust¨ande werden nicht
beobachtet.
Die Abh¨angigkeit der Wellenzahlen der bei = 4,5 GHz aufgenommenen Muster von der
Lichtleistung wird in Abb. 5.12 dargestellt.
Die Abnahme der Wellenzahl der Hexagone entspricht in etwa dem Verhalten, wie es bei
T = 315
C beobachtet wird. Im Unterschied zu dieser Temperatur tritt f¨ur 40 mW < P <
50 mW eine Bistabilit¨at zu Mustern mit zw¨olf Fourierkomponenten auf. Die mittlere
Wellenzahl dieser komplexeren Muster ist signifikant gr¨oßer als die der Hexagone.
Im Bereich 60 mW < P < 190 mW bleiben die mittleren Wellenzahlen der Muster mit
zw¨olf Fourierkomponenten nahezu konstant mit k 24,65 mm
-1
. Die einzelnen Wellen-
zahlen streuen um diesen Mittelwert. Diese Streuung ist gr¨oßer als bei T = 315
C. Die
Zunahme der Streuung kann auf das Auftreten von AS
2,1
+SiS zur¨uckgef¨uhrt werden, da
diese im Vergleich zu anderen Mustern mit zw¨olf Fourierkomponenten das gr¨oßte Verh¨alt-
nis der Wellenzahlen der beiden Untergitter zueinander aufweisen.
Auch die Mittelwerte der Wellenzahlen zeigen eine gr¨oßere Streuung als bei T = 315
C.
Eine gr¨oßere Streuung der Mittelwerte kann durch die gr¨oßere Vielzahl an Mustern erkl¨art
werden, da sich der Mittelwert je nach Mustertyp etwas ver¨andert.
Die Wellenzahl der f¨ur 170 mW < P < 220 mW auftretenden Quadrate ¨andert in diesem
Bereich nicht signifikant. Im Mittel betr¨agt diese k = 24,85 mm
-1
und unterscheidet sich
somit nicht wesentlich von der der Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten.
50
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
Abbildung 5.11: Variation der Leistung bei T = 325
C und = 4,5 GHz, a) P =
19 mW, b) P = 31 mW, c) P = 36 mW, d) P = 40 mW, e) P = 53 mW, f) P =
66 mW, g) P = 106 mW, h) P = 118 mW, i) P = 147 mW, j) P = 207 mW,
Parameter: wie bei Abb. 5.2
5.5. Vergleich der Bifurkationsszenarien der verschiedenen Temperaturen
51
22.5
23
23.5
24
24.5
25
25.5
26
26.5
20
40
60
80 100 120 140 160 180 200 220
Wellenzahl (mm
-
1
)
Leistung (mW)
Abbildung 5.12: Abh¨angigkeit der Wellenzahl der Hexagone ( ), Muster der Gruppe
"
12 FK" () und Quadrate (2) von der Leistung, große Symbole: Mittelwerte ¨uber
alle Aufnahmen ungef¨ahr gleicher Leistung, Parameter: s.Abb. 5.11
5.5
Vergleich der Bifurkationsszenarien der verschie-
denen Temperaturen
Allgemein treten f¨ur h¨ohere Temperaturen mehr Muster auf. Muster bleiben bei Erh¨ohung
der Temperatur evtl. unter Anpassung der Leistung und Verstimmung bestehen; kein
Muster verschwindet aus dem Bifurkationsdiagramm. Das Bifurkationsdiagramm wird
komplexer und feiner strukturiert.
Hexagone sind bei allen Temperaturen das bevorzugte Muster an der Schwelle zur Mu-
sterbildung und entstehen bei Erh¨ohen der Temperatur als erstes. Der Vergleich der Bifur-
kationsdiagramme zeigt, dass mit zunehmender Temperatur der Frequenzbereich, in dem
Musterbildung stattfindet, gr¨oßer wird. Musterbildung wird also bei gr¨oßerer Verstim-
mung m¨oglich. Die Schwelle zur Musterbildung scheint sich asymptotisch einem Grenz-
wert anzun¨ahern: Von niedrigen zu hohen Temperaturen werden die Schwellen 61 mW,
33 mW und, f¨ur T = 315
C und T = 325
C, 31 mW gemessen. Die Wellenzahlen der
Hexagone an der Schwelle zur Musterbildung werden mit h¨oherer Temperatur gr¨oßer. Die
linke Grenze des Bereichs der Musterbildung in der N¨ahe der Resonanz ist f¨ur alle Tempe-
raturen gleich. Die Breite der Hystereseschleife zwischen dem homogenen, unmodulierten
Zustand und Hexagonen ist f¨ur hohe Temperaturen in etwa gleich, f¨ur T = 284
C jedoch
52
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
etwas schmaler.
Es wird eine sekund¨are Bifurkation von Hexagonen zu Streifen (T = 304
C) und zu
Mustern mit zw¨olf Fourierkomponenten (T = 315
C und T = 325
C) beobachtet. Im Ver-
gleich der beiden h¨ochsten Temperaturen nimmt die minimale Leistung, bei der Muster
mit zw¨olf Fourierkomponenten auftreten, von 59 mW auf 46 mW ab. Im ¨
Ubergang von
Hexagonen zu Mustern mit zw¨olf Fourierkomponenten wird eine Vergr¨oßerung der Wellen-
zahl beobachtet. Dies best¨atigt numerische Voraussagen [DV96]. F¨ur beide Temperaturen
bleibt die Wellenzahl der Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten ¨uber den untersuchten
Leistungsbereich weitgehend konstant. Beim ¨
Ubergang von Streifen zu Hexagonen nimmt
die Wellenzahl leicht ab.
Bei den beiden h¨ochsten Temperaturen tritt eine terti¨are Bifurkation von Mustern mit
zw¨olf Fourierkomponenten zu Streifen auf. Im ¨
Ubergang bei Erh¨ohen der Leistung ist die
Wellenzahl der Streifen kleiner als die der Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten.
F¨ur T = 325
C wird eine weitere terti¨are Bifurkation von Mustern mit zw¨olf Fourier-
komponenten zu Quadraten beobachtet. Im ¨
Ubergang zwischen diesen Mustern wird kein
Wellenzahlunterschied beobachtet.
Die Spanne der auftretenden Wellenzahlen nimmt mit h¨oherer Temperatur zu. Dies l¨asst
sich am ehesten auf die zunehmende Anzahl an unterschiedlichen Mustertypen zur¨uck-
f¨uhren.
42
-Muster (vgl. Kap. 3.2) werden w¨ahrend der gesamten Messung nicht beobachtet. Da
f¨ur das Experiment eine Teleskopeinstellung gew¨ahlt worden ist, die einen kollimierten
Strahl in der Zelle gew¨ahrleistet, tritt das Muster 42 folglich nur f¨ur einen nicht kollimier-
ten Strahl auf.
5.6
Abh¨
angigkeit der Stabilit¨
atsbereiche von experi-
mentellen Parametern
Mittels der linearen Stabilit¨atsanalyse (LSA) werden die station¨aren L¨osungen der Modell-
gleichungen [Aum99] auf ihre Stabilit¨at gegen kleine St¨orungen untersucht. Der Wachs-
tumskoeffizient , der als L¨osung eines Eigenwertproblems das Ergebnis der LSA ist, gibt
an, ob eine periodische (sinusf¨ormige) St¨orung einer bestimmten Wellenzahl bei vorgege-
benen Parametern anw¨achst ( > 0) oder ged¨ampft ( < 0) wird.
In die Gleichungen gehen Teilchenzahldichte und Diffusionskonstante direkt ein, eine An-
gabe der Temperatur ist hier nicht erforderlich. Beide h¨angen jedoch von der Temperatur
ab [Ack97]. Aus der kinetischen Gastheorie folgt die Diffusionskonstante D:
D = D
0
T
1,7
p
= 1, 3873861
mm
2
s
mbar
K
1,7
T
1,7
p
(5.1)
F¨ur die Konstante D
0
wird der von unterschiedlichen Autoren bestimmte Wert gemit-
5.6. Abh¨
angigkeit der Stabilit¨
atsbereiche von experimentellen Parametern
53
telt angegeben. Eine Temperatur¨anderung um 14% von 284
C auf 325
C w¨urde demnach
eine Puffergasdruck¨anderung um 26% erfordern, um die Diffusionsrate konstant zu hal-
ten und somit ihren Einfluss auf die Ergebnisse auszuschließen. Eine Verwendung von
p = 300 mbar bei T = 284
C h¨atte eine Druck¨anderung auf p = 378 mbar bei T = 325
C
erfordert. Bei konstanten Druck hingegen bewirkt eine Temperatur¨anderung um 14% eine
¨
Anderung der Diffusionskonstanten um 26%. Die Teilchenzahldichte erh¨oht sich von 284
C
auf 325
C auf das 15,9-fache. Im Vergleich zur Diffusion ¨andert sich die Teilchenzahldichte
63mal so stark. Dies rechtfertigt eine Vernachl¨assigung der ¨
Anderung der Diffusionskon-
stanten und erm¨oglicht den Vergleich des Experiments, in dem die Temperatur variiert
wird, mit theoretischen Untersuchungen, in denen die Teilchenzahldichte ge¨andert wird.
Zur Gew¨ahrleistung der Vergleichbarkeit wird die Diffusionskonstante f¨ur alle Graphen
D = 225,9 mm
2
/s gew¨ahlt, welche nach dem experimentell gefundenen Zusammenhang
(5.1) einer Temperatur von T = 300
C und einem Puffergasdruck von p = 300 mbar
entspricht.
Es werden die Teilchenzahldichten N
1
= 10
18
m
-3
, N
2
= 10
19
m
-3
und N
3
= 10
20
m
-3
untersucht. Diese liegen am unteren und oberen Ende bzw. in der Mitte der Spanne der
im Experiment gemessenen Teilchenzahldichten.
In Abb. 5.13a ist f¨ur die drei Teilchenzahldichten die Grenze = 0 in Abh¨angigkeit von
Leistung und Verstimmung eingezeichnet, die den Bereich der Musterbildung von dem
Bereich trennt, in dem der unmodulierte Zustand gegen beliebige, kleine St¨orungen stabil
ist.
0
50
100
150
200
250
0
2
4
6
8
10
12
14
Leistung (mW)
Verstimmung (GHz)
a)
0
50
100
150
200
250
300
20
25
30
35
40
45
50
Leistung (mW)
Wellenzahl (mm
-1
)
b)
Abbildung 5.13: links Schwellwertkurven nach der LSA, rechts Instabilit¨atsballons
nach der LSA, jeweils f¨ur eine Verstimmung, bei der die Schwellwertkurve ein Mini-
mum hat, durchgezogene Linie: N = 10
18
m
-3
, strichpunktierte Linie: N = 10
19
m
-3
,
gestrichelte Linie: N = 10
20
m
-3
, Parameter:
2
= 6,83 ·10
9
s
-1
, D = 356,3 mm
2
/s,
R = 99%, L = 76 mm
F¨ur h¨ohere Teilchenzahldichten ist der Frequenzbereich der Musterbildung breiter. Die
kleinste Leistung, f¨ur die Modulationsinstabilit¨aten auftreten, liegt f¨ur N = 10
18
m
-3
54
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
mit P = 43 mW h¨oher als f¨ur die beiden anderen Teilchenzahldichten, bei denen diese
Leistung P = 27 mW betr¨agt. F¨ur N = 10
18
m
-3
wird das Minimum der ben¨otigten
Leistung f¨ur eine Verstimmung = 1,05 GHz beobachtet. Das Minimum der beiden
h¨oheren Teilchenzahldichten liegt bei einer etwas gr¨oßeren Verstimmung bei = 1,8 GHz.
Alle drei Schwellwertkurven liegen f¨ur kleine Verstimmungen dicht bei einander. F¨ur eine
Verringerung der Verstimmung ist ein steiler Anstieg der Schwellleistung f¨ur alle drei
Teilchenzahldichten gleichermaßen zu verzeichnen.
Die Verbreiterung des musterbildenden Bereichs best¨atigt den im Experiment beobach-
teten Trend; bei gleicher Teilchenzahldichte ist der Bereich im Experiment jedoch breiter
als durch die LSA vorausgesagt. Im Experiment ¨andert sich die Breite des Bereichs, in
dem Musterbildung stattfindet, und die Lage des Minimums dieses Bereichs im Bifurka-
tionsdiagramm f¨ur hohe Temperaturen am wenigsten. Dies zeigt eine ¨
Ubereinstimmung
mit dem Verhalten, das die LSA f¨ur hohe Teilchenzahldichte prognostiziert.
Die steile Flanke bei kleiner Verstimmung findet sich im Experiment qualitativ wieder.
Es handelt sich dabei um die Grenze der Hysterese der Hexagone, die die Grenze zur
Instabilit¨at des homogenen Zustands markiert. Die zweite Grenze der Hysterese, welche
durch die subkritische Bifurkation zustande kommt, wird von der LSA nicht beschrieben.
Sowohl die hohe Schwelle f¨ur kleine Teilchenzahldichten als auch die Konstanz der Schwelle
f¨ur große Teilchenzahldichten tritt im Experiment auf, wobei dort die Schwellen insgesamt
niedriger sind.
Ein entscheidender Unterschied zwischen den theoretischen und den experimentell be-
stimmten Bereichen ist die Form der Schwellwertkurve in Abh¨angigkeit von der Verstim-
mung. Im Experiment sind diese nahezu symmetrisch zu einer vertikalen Achse; die aus
der LSA bestimmten Schwellwertkurven weisen eine Schiefheit in Richtung der Resonanz
auf.
Abb. 5.13b gibt Aufschluss ¨uber die zuvor nicht ber¨ucksichtigte Abh¨angigkeit des Wachs-
tumskoeffizienten von der Wellenzahl der periodischen St¨orung. Die LSA gibt nicht nur
Auskunft ¨uber die Parameter, bei denen eine Modulationsinstabilit¨at auftritt, sondern
auch dar¨uber, welche Wellenzahlen bei gegebenen Parametern verst¨arkt werden. H¨aufig
liefern erste ¨
Uberlegungen anhand der im System erlaubten Wellenzahlen bei der Ana-
lyse der Musterselektion gute qualitative Ergebnisse. In der Leistung-Wellenzahl-Ebene
aufgetragene Kurven marginaler Stabilit¨at f¨ur = 0 liefern mehrere nach oben ge¨offne-
te
"
Instabilit¨atsballons" (Abb. 5.13). F¨ur die Berechnung wird als Verstimmung jeweils
die vorgegeben, die eine minimale Schwellleistung zur Folge hat. Aus Abb. 5.13a werden
hierf¨ur f¨ur die kleinste Teilchenzahldichte = 1,0 GHz, f¨ur die anderen beiden =
1,8 GHz bestimmt.
In dem Bereich der Leistung, der im Experiment zur Verf¨ugung steht, P < 250 mW,
werden f¨ur alle drei Teilchenzahldichten drei Instabilit¨atsballons berechnet. F¨ur die beiden
h¨ochsten Teilchenzahldichten stimmen alle drei jeweils miteinander ¨uberein. Die Ballons
bei N = 10
18
m
-3
sind schmaler und weisen ihre Minima bei h¨oheren Leistungen auf.
5.6. Abh¨
angigkeit der Stabilit¨
atsbereiche von experimentellen Parametern
55
Bei der kleinsten Teilchenzahldichte wird ein steilerer Anstieg der Schwellleistung mit
zunehmender Wellenzahl beobachtet. F¨ur N = 10
18
m
-3
betragen die Verh¨altnisse der
minimalen Leistungen der Ballons h¨oherer Wellenzahlen P
2
und P
3
zur minimalen Leis-
tung der ersten Ballons P
1
:
P
2
/P
1
= 2, 64
und
P
3
/P
1
= 4, 27.
F¨ur N = 10
19
m
-3
und N = 10
20
m
-3
sind dies nur
P
2
/P
1
= 2, 54
und
P
3
/P
1
= 4, 07.
Diese ¨
Anderung der Steigung tritt trotz konstanter Diffusion auf.
Die zu den minimalen Leistungen geh¨orenden kritischen Wellenzahlen der drei Ballons
stehen f¨ur die kleinste Teilchenzahldichte im Verh¨altnis
k
2
/k
1
= 1, 63
und
k
3
/k
1
= 2, 07,
f¨ur N = 10
19
m
-3
und N = 10
20
m
-3
im Verh¨altnis
k
2
/k
1
= 1, 60
und
k
3
/k
1
= 2, 03
und liegen somit f¨ur h¨ohere Teilchenzahldichten enger bei einander.
Diskussion
SiH+SiH sowie AS
2,1
+SiS treten erst f¨ur h¨ohere Temperaturen und somit h¨ohere Teilchen-
zahldichten auf. Da sich diese Muster aus etwas voneinander abweichenden Wellenzahlen
zusammensetzen, sind hierf¨ur Instabilit¨atsballons einer gewissen Breite notwendig. F¨ur
h¨ohere Teilchenzahldichten sagt die LSA breitere Ballons sowie eine gr¨oßere Breite bei
h¨oherer Leistung voraus. Dies liefert einen Hinweis darauf, dass die komplex periodischen
Strukturen bevorzugt bei h¨oheren Temperaturen beobachtet werden.
Die im Experiment zur Verf¨ugung stehende Leistung erm¨oglicht eine Anregung des drit-
ten Instabilit¨atsballons nach Aussage der LSA nur f¨ur Teilchenzahldichten N > 10
18
m
-3
.
Die h¨oheren Harmonischen von Streifen stehen ungef¨ahr im Verh¨altnis 1:2,00 zur Grund-
mode und fallen somit in den Bereich des dritten Instabilit¨atsballons. Die ¨
Uberlegungen
liefern damit einen Erkl¨arungsansatz, warum Streifen erst bei großen Teilchenzahldich-
ten auftreten. Fourierfilter-Experimente best¨atigen die Notwendigkeit des dritten Insta-
bilit¨atsballons. Wird die Wellenzahl des dritten Ballons aus dem r¨uckgekoppelten Strahl
herausgefiltert, entstehen Hexagone anstatt Streifen [GWHAL01].
56
Kapitel 5. Abh¨
angigkeit der Musterbildung von der Temperatur
Kapitel 6
Einfluss der Laserstrahlkollimation
In Experimenten zu Beginn dieser Arbeit, die ohne das in Kap. 4 beschriebene Tele-
skop durchgef¨uhrt worden sind, konnten teilweise Bifurkationsszenarien nicht eindeutig
reproduziert werden. Quadrate konnten zum Teil nicht erzeugt werden. Außerdem wur-
de ein neues Muster gefunden, das nicht auftritt, wenn der Strahl so kollimiert ist, dass
die Strahltaille in der Zelle liegt. Es muss daher in dem Bereich eines divergenten oder
konvergenten Strahls gesucht werden.
Ziel dieses Kapitels ist es, den Einfluss der Lage der Strahltaille auf die Strukturbildung
systematisch zu untersuchen und die Bereiche, in denen das neue Muster 42 auftritt, zu
bestimmen, um dieses n¨aher zu analysieren.
6.1
Systematische Variation der Laserstrahlkollima-
tion
Um die Kollimation gezielt zu ¨andern, wird die Linse L3 des Teleskops f¨ur das Expe-
riment in 1/8-Umdrehungen gedreht. Dies entspricht jeweils einer L¨angen¨anderung des
Teleskops L
T
um (0,0625 ± 0,0313) mm, welche eine Verschiebung der Strahltaille um
ca. (70 ± 35) cm bewirkt. L
T
= 0 markiert die Linsenposition, f¨ur die die Strahltaille in
der Zellenmitte liegt. Diese wird wie in Kap. 4.3 beschrieben bestimmt. Eine Verk¨urzung
des Teleskops (L
T
< 0) bewirkt einen divergenten, eine Verl¨angerung (L
T
> 0) einen
konvergenten Strahl.
F¨ur jede Teleskopl¨ange wird bei maximaler Leistung (P = 230 mW) die Frequenz des
Lasers variiert. Die Abh¨angigkeit der auftretenden Muster von Verstimmung und Teleskop-
l¨angenvariation ist in Abb. 6.1 dargestellt. Der leichte Versatz der einzelnen horizontalen
Balken gegeneinander dient nur der ¨
Ubersichtlichkeit. ¨
Uberlappende Balken geh¨oren zu
derselben Teleskopl¨ange und signalisieren Multistabilit¨at mehrerer Muster.
Alle in Kap. 3.1 dargestellten Muster treten in wohl definierten Bereichen des durch
57
58
Kapitel 6. Einfluss der Laserstrahlkollimation
Abbildung 6.1: Bifurkationsszenario in Abh¨angigkeit von der Kollimation und der
Verstimmung, Parameter: T =324,7
C, P = 230 mW, d = 76 mm, p
N
2
= 300 mbar,
R = 99%
Kollimation und Verstimmung aufgespannten Bifurkationsdiagramms auf.
F¨ur den bisher betrachteten Fall, dass die Strahltaille in der Zellenmitte liegt, treten
bis auf 42
-Muster alle in Kap. 3.1 diskutierten Muster auf (vgl. Abb. 6.1). Eine hohe
Temperatur und ein kleiner Spiegelabstand sind daf¨ur allerdings Voraussetzung.
Bei allen Teleskopl¨angen sind die Hexagone auf der Resonanz stabil. Die Breite des Stabi-
lit¨atsbereichs der Hexagone nahe der Resonanz scheint unabh¨angig von der Kollimation
zu sein. Die Hysterese ist nicht eingezeichnet, da eine Destabilisierung der Hexagone nur
durch Verringern der Leistung erreicht werden kann. Der Spektralbereich, in dem Muster-
bildung gefunden wird, ist f¨ur alle Teleskopl¨angen ungef¨ahr gleich breit; eine Tendenz ist
6.2. Kollimationsabh¨
angige Wellenzahl¨
anderungen
59
nicht erkennbar. Die gr¨oßte Verstimmung, die Musterbildung zul¨asst, liegt zwischen 12
und 13 GHz.
Alle Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten werden, wie in Kap. 5.3 diskutiert, zu einer
Gruppe
"
12 FK" zusammengefasst.
Die beobachteten Streifen gehen bei kleinerer Verstimmung in die orthogonal zum Wel-
lenvektor modulierte Form ¨uber. In F¨allen, wo dieser ¨
Ubergang klar zu bestimmen ist,
ist der Balken in Abb. 6.1 durch einen senkrechten Strich in zwei Teile geteilt. Liegt eine
solche Markierung nicht vor, ist der ¨
Ubergang stetig und erstreckt sich ¨uber einen breiten
Spektralbereich.
Eine Verl¨angerung des Teleskops f¨uhrt zu einem konvergenten Strahl in der Zelle. Der Sta-
bilit¨atsbereich der Hexagone f¨ur große Verstimmungen ist etwas schmaler als f¨ur den Fall
L
T
= 0. Die Stabilit¨atsbereiche der SiH+SiH und der Quadrate werden schon f¨ur kleine
Verschiebungen der Teleskoplinse kleiner und verschwinden bereits bei L
T
> 0,125 mm
(SiH+SiH) bzw. L
T
> 0,063 mm (Quadrate). In diesem Bereich werden ausschließlich
Hexagone, Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten und Streifen beobachtet. Der Bereich,
in dem Streifen entstehen, wird mit zunehmender Teleskopl¨ange breiter.
Ein divergenter Strahl wird durch Verk¨urzung des Teleskops erreicht. F¨ur eine Verk¨urzung
bis L
T
-0,25 mm wird der Bereich, in dem Quadrate auftreten, auf Kosten der Breite
des Bereiches, in dem Streifen entstehen, breiter. SiH+SiH werden f¨ur diese Teleskop-
einstellungen jeweils ¨uber einen Frequenzbereich gleicher Breite beobachtet. F¨ur zwei
Einstellungen der Teleskopl¨ange (Verk¨urzung um L
T
= -0,188 bzw. L
T
= -0,25 mm)
treten vereinzelt 42
-Muster auf (in Abb. 6.1 als
"
RM" f¨ur
"
rhombische Muster" ein-
gezeichnet). Eine Breite des Stabilit¨atsbereichs kann f¨ur diese Muster nicht angegeben
werden, da diese innerhalb der Messungenauigkeit der Frequenz liegt. In diesem Bereich
muss also sp¨ater die Analyse der Muster stattfinden.
Bei Justage eines stark divergenten Strahls treten f¨ur L
T
< -0,313 mm keine Qua-
drate und SiH+SiH mehr auf. Diese beiden Mustertypen treten also fast immer f¨ur die
gleiche Kollimationseinstellung auf. In diesem Frequenzbereich werden nun Muster mit
zw¨olf Fourierkomponenten beobachtet, von denen ein großer Anteil gestauchte AS
2,1
+SiS
sind. Auch hier nimmt die Breite des Stabilit¨atsbereichs der Streifen mit der Teleskop-
verk¨urzung monoton ab und ist f¨ur die k¨urzeste Teleskopl¨ange am schmalsten. In Zukunft
k¨onnte ¨uberpr¨uft werden, ob Streifen f¨ur eine noch st¨arkere Verk¨urzung des Teleskops ganz
verschwinden.
6.2Kollimationsabh¨
angige Wellenzahl¨
anderungen
Wie in der Einleitung zu Kap. 5 geschildert, ist die Wellenzahlentwicklung in Abh¨angigkeit
von der Leistung f¨ur die Interpretation der Musterselektion interessant.
Hexagone werden bei sonst gleichen Parametern f¨ur alle Kollimationseinstellungen beob-
60
Kapitel 6. Einfluss der Laserstrahlkollimation
achtet. Zur Sicherung der Vergleichbarkeit werden die Wellenzahlen von Hexagonen nahe
der Schwelle bei 42 mW < P < 44 mW untersucht (Abb. 6.2).
23.6
23.8
24
24.2
24.4
24.6
24.8
25
-0.6
-0.4
-0.2
0
0.2
0.4
0.6
mittlere Wellenzahl (mm
-
1
)
Verschiebung der Teleskoplinse (mm)
Abbildung 6.2: Abh¨angigkeit der Wellenzahl der Hexagone an der Schwelle von der
Kollimation, Parameter: T = 335,3
C, P = (43 ± 1) mW, = 3,7 GHz, d = 97 mm,
p
N
2
= 300 mbar, R = 99%
Die Teleskopeinstellung L
T
= 0 bewirkt eine minimale Wellenzahl der Hexagone. Je
konvergenter der Strahl eingestellt wird, desto gr¨oßer werden die Wellenzahlen. F¨ur di-
vergenten Strahl ist kein monotones Verhalten erkennbar. Die beobachteten Muster haben
jedoch eine gr¨oßere Wellenzahl als bei L
T
= 0.
6.3
Beobachtung der 42
-Muster in divergenten Strah-
len
Das in Kap. 3.2 kurz vorgestellte Muster 42 ist nun durch die Ergebnisse aus Kap. 6.1
reproduzierbar. Die bemerkenswerten Eigenschaften dieses Musters werden hier im Detail
diskutiert.
6.3. Beobachtung der
42
-Muster in divergenten Strahlen
61
6.3.1
Analyse eines experimentell beobachteten Muster 42
Das Muster 42 wird im Wesentlichen aus drei Wellenvektoren gebildet, die alle ungef¨ahr
die gleiche Wellenzahl haben und einen Winkel von ungef¨ahr 42
einschließen. Zu diesem
¨außerst einfachen Fourierspektrum geh¨ort eine erstaunlich komplexe Struktur im Nah-
feld, die sich aus zwei unterschiedlichen Musterelementen kleine Vollkreise und große
Halbkreisscheiben zusammensetzt (Abb. 6.3a).
Das Nahfeld l¨asst sich aus unterschiedlichen Einheitszellen aufbauen: Aus benachbarten
kreisrunden Intensit¨atsminima in Abb. 6.3a werden die eingezeichneten Vektoren a, b und
c konstruiert. Unter Ber¨ucksichtigung des Abbildungsverh¨altnisses (vgl. Kap. 2.4) ergeben
sich f¨ur die eingezeichneten Vektoren in Abb. 6.3a im Mittel die L¨angen a = 1029 µm,
b = 552 µm und c = 397 µm.
a und c spannen ein Rechteck mit dem Kantenl¨angenverh¨altnis a/c = 2,6 auf. Eine Ele-
mentarzelle ist dies jedoch nicht, da zwei weitere Einheitszellen gefunden werden, die den
halben Fl¨acheninhalt aufweisen. Die Vektoren b und c spannen ein Parallelogramm auf.
b
und c schließen einen Winkel von 68,3
ein und stehen im L¨angenverh¨altnis b/c = 1,4
zueinander. Eine weitere Elementarzelle wird durch b und dessen Spiegelung an a gebildet.
Beide Vektoren schließen einen spitzen Winkel von 43,1
ein und bilden somit eine Raute.
Diese bildet die Basis zu einem rhombischen Grundgitter
1
.
Die zu den drei st¨arksten Intensit¨atsmaxima des Fernfeldes geh¨orenden Wellenvektoren
haben ungef¨ahr die gleiche L¨ange. Die in Abb. 6.3b gezeigten ¨außeren Fourierkomponenten
sind etwas k¨urzer als die in Richtung der Symmetrieachse (mit Angabe der Gr¨oßtfehler-
absch¨atzung):
q
1,3,4,6
= (24, 02 ± 0,13) mm
-1
< q
2,5
= (24, 17 ± 0,02) mm
-1
Die Indizes hier und im Folgenden beziehen sich auf die Nummerierung der Maxima in
Abb. 6.3c. Sie schließen Winkel von
1,2
2,3
4,5
5,6
41,9
bzw.
3,4
6,1
96,1
ein. Das mittlere Maximum ist etwas schw¨acher als die beiden ¨außeren. In den in Abb. 6.3b
gezeigten Mustern betr¨agt Verh¨altnis der Intensit¨aten I
1,3,4,6
/I
2,5
= 1,5. Die Verh¨altnisse
In den beobachteten Mustern dieser Art tritt eine Spanne der Verh¨altnisse der Intensit¨aten
zwischen 1,3 und 1,7 auf.
Das Grundgitter des Fernfeldes hat die gleiche rhombische Struktur, wenn, wie in Abb.
6.3c f¨ur das kontrastverst¨arkte Feld gezeigt, benachbarte Intensit¨atsmaxima durch Gera-
den verbunden werden. Die Ausrichtung des Gitters ist orthogonal zu der im Nahfeld. Das
Gitter wird durch zwei Gitterkonstanten G und g beschrieben. Die große Gitterkonstante
l¨asst sich sowohl aus den Abst¨anden der Hauptmaxima zueinander
G
1,2
G
2,3
G
4,5
G
5,6
17,22 mm
-1
1
Eine Interpretation als gestauchtes, hexagonales Grundgitter ist ebenfalls m¨oglich, aber un¨ublich.
62
Kapitel 6. Einfluss der Laserstrahlkollimation
a
b
c
a)
b)
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
c)
17
19
20
18
Abbildung 6.3: Muster 42, a) Nahfeld, b) Fernfeld, c) kontrastverst¨arktes Fernfeld auf
einem rhombischen Gitter, Parameter: T = 324,3
C, P = 211 mW, = 6,5 GHz,
d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, R = 99%
6.3. Beobachtung der
42
-Muster in divergenten Strahlen
63
als auch aus den Abst¨anden dieser Maxima zu ihren n¨achsten Nachbarn gr¨oßerer Wellen-
zahl
G
1,7
G
3,9
G
4,10
G
6,12
17,44 mm
-1
bestimmen. Die Abweichung kann aufgrund er nicht kreisrunden Form der Hauptmaxi-
ma zustande kommen. Im Mittel betr¨agt dieser Abstand G = 17,33 mm
-1
. Die kleine
Gitterkonstante kann aus den Positionen gegen¨uberliegender Maxima der Grundmoden
g
1,6
3
g
3,4
3
11,92 mm
-1
und
g
2,5
4
12,08 mm
-1
und aus den Abst¨anden der mittleren Wellenvektoren zu ihren Nachbarn n¨achstgr¨oßerer
Wellenzahl
g
2,8
g
5,11
11,82 mm
-1
bestimmt werden. Wegen der minimalen Abweichung der Wellenzahlen der Grundmo-
den voneinander ist g
2,5
etwas gr¨oßer als die anderen Werte. Als Mittelwert wird g =
11,91 mm
-1
berechnet. Die beiden Gitterkonstanten stehen im Verh¨altnis G/g = 1,45.
Nah-und Fernfeld lassen sich ¨uber das Verh¨altnis von Periodizit¨atsl¨angen a, b und c (aus
dem Nahfeld) und mittlere Musterwellenl¨ange =
2
q
= 261 µm (aus dem Fernfeld) in
Verbindung setzen:
a
3,94
b
2,11
c
1,52
(6.1)
6.3.2Vektoriell generiertes Muster 42
Im Folgenden werden die gemessenen Gr¨oßen anhand theoretischer ¨
Uberlegungen in Re-
lation zu einander gesetzt.
Das Experiment legt nahe, dass sich die Fourierkomponenten auf einem rhombischen
Gitter befinden, das senkrecht zum mittleren Wellenvektor orientiert ist. Desweiteren sind
die beobachteten Wellenzahlen der drei st¨arksten Fourierkomponenten nahezu gleich. F¨ur
die Analyse wird daher angenommen, dass beide Voraussetzungen exakt erf¨ullt sind. Die
Fourierkomponenten sollen deshalb auf den folgenden Gitterpunkten liegen:
q
1
=
q
1x
q
1y
= -
1
2
- (
3
4
)
2
3
4
q =
-
7
4
3
4
q,
(6.2)
q
2
=
q
2x
q
2y
=
0
1
q,
(6.3)
q
3
=
q
3x
q
3y
=
7
4
3
4
q
(6.4)
Unter dieser Annahme schließen sie einen Winkel von = arccos(
0,75
1
) = 41, 41
ein.
64
Kapitel 6. Einfluss der Laserstrahlkollimation
Das Gitter wird durch zwei Gittervektoren e
1
und e
2
aufgespannt:
e
1
= q
2
- q
3
=
-7/4
1/4
q,
e
2
= q
2
- q
1
=
7/4
1/4
q
Sie haben die L¨ange |e
1
| = |e
2
| = q/2 und schließen einen Winkel von
= 2 arctan
7/4
1/4
138,6
ein. Hieraus folgt f¨ur die gebildete Raute ein spitzer Winkel von = 41,41
. Die Ele-
mentarzelle ist ¨ahnlich zu der Raute, die durch zwei benachbarte Wellenvektoren der
Grundmoden aufgespannt wird.
Aus den drei Wellenvektoren l¨asst sich durch numerische Fouriertransformation ein r¨aum-
liches Muster erzeugen (Abb. 6.4). Abb. 6.4c bzw. d zeigen eine kontrastverst¨arkte Va-
riation des generierten Bildes in a) bzw. b), die durch einen ¨
Ubergang zu einer bin¨arer
Darstellung erreicht wird.
Abbildung 6.4: Aus drei Fourierkomponenten numerisch generiertes Muster
42,
a)
Amplitudenverh¨altnis
(A
1
|A
2
|A
3
)=(1|1|1), b) Amplitudenverh¨altnis
(A
1
|A
2
|A
3
)=(1|0,59|1), c) zu (a) geh¨orendes Bin¨arbild, d) zu (b) geh¨orendes
Bin¨arbild
6.3. Beobachtung der
42
-Muster in divergenten Strahlen
65
Die relativen Phasen der einzelnen Komponenten zu einander werden gleich Null gew¨ahlt,
da sich so ein dem experimentellen Bild am ehesten entsprechendes Muster ergibt und
keine Hinweise daf¨ur vorliegen, dass eine andere Phasenbeziehung realistischer w¨are.
Werden die Amplituden alle gleich groß gew¨ahlt (Abb. 6.4a und c), sind die Halbmonde
erkennbar. An den Stellen, an denen im Experiment kleine Vollkreise beobachtet werden,
treten Minima auf, die schw¨acher ausgepr¨agt sind als die Halbmonde (vgl. Abb. 6.4a)
sowie eine l¨angliche anstatt einer runden Form (vgl. Abb. 6.4c) aufweisen.
Ein Amplitudenverh¨altnis der ¨außeren zur mittleren Amplitude von A
1,3
/A
2
= 1,7 ent-
spricht in etwa dem im Experiment gemessenen Verh¨altnis (Abb. 6.4b und d). Hier werden
die kleinen Kreise etwas st¨arker hervorgehoben (vgl. Abb. 6.4c) und weisen zwar eine vier-
eckige Form auf, ¨ahneln aber schon eher der im Experiment beobachteten Form (vgl. Abb.
6.4d).
Der Vergleich der Bin¨arbilder zeigt in Abb. 6.4c l¨anglichere Minima als in Abb. 6.4d. Das
unterschiedliche Amplitudenverh¨altnis erzeugt also auch eine Form der kleinen Minima,
die eher der im Experiment beobachteten entspricht.
Die Periodizit¨atsl¨angen a, b und c lassen sich auch f¨ur das generierte Muster m(r) ermit-
teln. Periodizit¨at ist in Richtung eines Vektors p gegeben, falls:
m(r) = sin((q
1
· p)r) + sin((q
2
· p)r) + sin((q
3
· p)r)
!
= sin((q
1
· p)(r + p)) + sin((q
2
· p)(r + p)) + sin((q
3
· p)(r + p))
= m(r + p)
r
Es m¨ussen q
1
· p = 2n
1
, q
2
· p = 2n
2
und q
3
· p = 2n
3
(n
1
, n
2
, n
3
N) erf¨ullt sein.
Einsetzen der Wellenvektoren aus (6.2 -6.4) ergibt folgende Bedingungen an den Vektor
p =
p
x
p
y
:
p
y
= n
1
3
4
p
y
+
7
4
p
x
= n
2
3
4
p
y
-
7
4
p
x
= n
3
(6.5)
Aus (6.5) ergibt sich die Nebenbedingung 2/3(n
2
+ n
3
) = n
1
. Tabelle 6.3.2 stellt f¨ur
verschiedene ganze Zahlen n
1
, n
2
und n
3
, die diese Bedingung erf¨ullen, die sich daraus
ergebenen Vektoren der Einheitszellen gegen¨uber.
Insbesondere finden sich die drei o.g. Vektoren a, b und c wieder:
a =
0
4
,
b =
2
7
2
,
c =
4
7
0
Die L¨angen entsprechen in etwa den im Experiment bestimmten Periodizit¨atsl¨angen (vgl.
(6.1)) in Einheiten von :
|a| = 4, |b| = 2,14, |c| = 1,51
66
Kapitel 6. Einfluss der Laserstrahlkollimation
n
1
n
2
n
3
p
x
/
p
y
/ |p|/
0
1
-
1
4
7
0
1,51
2
0
3
-
6
7
2
3,02
2
1
2
-
2
7
2
2,13
2
2
1
2
7
2
2,13
2
3
0
6
7
2
3,02
4
3
3
0
4
4,00
Tabelle 6.1: Vektor p der Periodizit¨atsl¨ange in Abh¨angigkeit von n
1
, n
2
und n
3
6.3.3
Parameterabh¨
angigkeiten
Die Divergenz des Laserstrahls in der Zelle ist f¨ur die Bildung von 42
-Mustern notwendig.
Sie entstehen nur f¨ur Temperaturen T > 318
, wobei f¨ur eine sehr hohe Temperatur
die Muster ¨uber einen breiteren Bereich zu beobachten sind. F¨ur kleine Spiegelabst¨ande
sind die Muster leichter als f¨ur große zu stabilisieren, beim Auftreten der Muster waren
Spiegelabst¨ande zwischen d = 76 mm und d = 85 mm eingestellt.
Das Muster 42 wird f¨ur Parameters¨atze aus Temperatur, Puffergasdruck und Spiegelab-
stand beobachtet, in denen auch Streifen und Quadrate auftreten. Teilweise werden sie in
Bistabilit¨at zu Quadraten gemessen. Generell enstehen sie von Quadraten ausgehend zu
gr¨oßerer Verstimmung, meist im ¨
Ubergangsbereich zwischen Quadraten und Streifen. Die
Schwellleistung der 42
-Muster ist im Allgemeinen gr¨oßer als die der Quadrate.
Abb. 6.5 zeigt ein typisches Bifurkationsdiagramm f¨ur Parameter, bei denen das Muster
42 besonders ausgepr¨agt auftritt.
S¨amtliche in Kap. 3.1 aufgef¨uhrten Muster werden auch bei dieser Parameterwahl beob-
achtet. Insbesondere sind 42
-Muster ¨uber einen Frequenzbereich von ¨uber 1 GHz stabil.
Die Schwellleistung f¨ur 42
-Muster liegt bei P = 200 mW und damit 50 mW ¨uber der
der Quadrate. Streifen werden nur in einem sehr schmalen Bereich transient zu Hexa-
gonen und Mustern mit zw¨olf Fourierkomponenten beobachtet. F¨ur eine Verstimmung
= 6,5 GHz werden Quadrate transient zu 42
-Mustern beobachtet. Der ¨
Ubergang zwi-
schen 42
-Mustern und Mustern mit zw¨olf Fourierkomponenten bzw. Quadraten erfolgt
sprunghaft, es werden keine Muster beobachtet, die sich als Mischzust¨ande interpretieren
lassen.
Die in dieser Messung bei einer Verstimmung = 6,5 GHz und unterschiedlichen Leis-
tungen aufgenommenen Bilder werden auf ihre Wellenzahlen hin untersucht (Abb. 6.6).
F¨ur Quadrate und 42
-Muster sind der ¨
Ubersichtlichkeit halber nur die mittleren Wellen-
zahlen pro Satz Bilder gleicher Leistung aufgetragen. F¨ur Muster mit zw¨olf Fourierkom-
ponenten sind alle Wellenzahlen aufgetragen. F¨ur hohe Leistungen (P > 120 mW) besitzt
6.3. Beobachtung der
42
-Muster in divergenten Strahlen
67
0
50
100
150
200
-2
0
2
4
6
8
10
12
14
16
Leistung (mW)
Verstimmung (GHz)
Abbildung 6.5: Bifurkationsdiagramm, Stabilit¨atsbereiche von Hexagonen (+),
SiH+SiH (×), 12 FK (), Streifen (3), Quadraten (2) und Muster 42 ( ), Pa-
rameter: T = 324
C, d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, R = 91,5%
die Wellenzahlverteilung eine deutliche Strukturierung in 4 Gruppen (mit den einzelnen
Mittelwerten 20,7, 22,5, 23,2 und 24,5 mm
-1
). Diese entsteht aufgrund einer Stauchung
der in diesem Bereich ausschließlich beobachteten AS
2,1
+SiS (vgl. Kap. 3.1.4). Ab einer
Leistung P = 195 mW entstehen 42
-Muster, transient dazu Quadrate und vereinzelt
gestauchte AS
2,1
+SiS. Die Wellenzahl der 42
-Muster ist ungef¨ahr 2% gr¨oßer als die der
Quadrate und 5% gr¨oßer als die der gestauchten AS
2,1
+SiS bei gleicher Leistung. Mit
k = 24,1 mm
-1
ist die Wellenzahl des Muster 42 so groß wie die mittlere Wellenzahl von
Hexagonen an der Schwelle. Im Bereich 195 mW P 220 mW nehmen die Wellenzahlen
aller drei Muster zu h¨oheren Leistungen hin leicht (ca. 1%) ab.
Eine Bestimmung der Winkel zwischen den ¨außeren und den mittleren Wellenvektoren
anhand einer Mittelung ¨uber alle Bilder ergibt = (42,01 ± 0,12 mm
-1
) (Standardab-
weichung als Fehler).
Um einen Zusammenhang zwischen Quadraten, Streifen und 42
-Mustern herstellen zu
k¨onnen, wird (bei vergleichbaren Parametern) f¨ur konstante Leistung die Verstimmung
variiert und die Wellenzahlen dieser Muster analysiert (Abb. 6.7).
Im ¨
Ubergang von Quadraten zu 42
-Mustern weisen letztere eine 3% gr¨oßere Wellenzahl
als Quadrate etwas kleinerer Verstimmung auf. Das Muster 42 erf¨ahrt von kleiner zu
gr¨oßerer Verstimmung eine leichte Stauchung, die sich in einer Vergr¨oßerung des Verh¨alt-
nisses k
1
/k
2,3
und somit in einer st¨arkeren Streuung der Wellenzahlen und einem gr¨oßeren
68
Kapitel 6. Einfluss der Laserstrahlkollimation
20
20.5
21
21.5
22
22.5
23
23.5
24
24.5
25
25.5
20
40
60
80 100 120 140 160 180 200 220
Wellenzahl (mm
-
1
)
Leistung (mW)
Abbildung 6.6: Abh¨angigkeit der Wellenzahl der Hexagone ( ), 12 FK (), Quadrate
(2) und Muster 42 ( ) von der Leistung, Parameter: T = 324
C, = 6,5 GHz,
d = 77 mm, p
N
2
= 308 mbar, R = 91,5%
Mittelwert ¨außert. Streifen haben, wie Quadrate, eine deutlich kleinere Wellenzahl als das
Muster 42, am ¨
Ubergang weichen die Wellenzahlen jedoch nur um 2% voneinander ab.
Die bei den Verstimmungen = 7,3 GHz und = 8,8 GHz gemessenen Streifen weisen
senkrecht zum Wellenvektor periodische Modulationen auf, die Streifen f¨ur noch gr¨oßere
Verstimmung sind unmoduliert. Die Wellenzahlen aller drei Muster nehmen zu gr¨oßerer
Verstimmung hin zu.
6.3.4
H¨
ohere Harmonische
Neben den sechs Grundmoden treten mehrere h¨ohere Harmonische auf. Sechs davon (in
Abb. 6.3c mit 7-12 bezeichnet) weisen neben den Maxima der Grundmode die zweith¨ochste
Intensit¨at im Fernfeld auf. Ihre Intensit¨aten stehen mit den Grundmoden ungef¨ahr im
Verh¨altnis 5:1. Die ¨außeren Wellenvektoren (Nr. 7, 9, 10, 12) des in Abb. 6.3b gezeigten
Fernfeldes haben eine L¨ange von k
7,9,10,12
= 40,4 mm
-1
, die mittleren (Nr.5 und 11) eine
L¨ange von k
5,11
= 36,0 mm
-1
. Im Verh¨altnis zur Grundmode sind dies: k
7,9,10,12
/k
1-6
= 1,68
und k
5,11
/k
1-6
= 1,49. Die ¨außeren Wellenvektoren schließen mit den mittleren im Mittel
einen Winkel von = 53,1
ein.
Deutlich geringere Intensit¨at (ungef¨ahr 1/8 der Intensit¨at der Hauptmaxima) weisen die
vier Fourierkomponenten 13-16 auf, deren Wellenvektoren der mittleren L¨ange
6.3. Beobachtung der
42
-Muster in divergenten Strahlen
69
15.6
15.8
16
16.2
16.4
16.6
16.8
5.5
6
6.5
7
7.5
8
8.5
9
9.5
10 10.5
Wellenzahl (mm
-
1
)
Verstimmung (GHz)
Abbildung 6.7: Abh¨angigkeit der Wellenzahl der Quadrate (2), Muster 42 ( ) und
Streifen (3) von der Verstimmung
3
, Parameter: T = 319
C, P = 240 mW, d =
85 mm, p
N
2
= 304 mbar, R = 91,5%
k
13,14,15,16
= 45,0 mm
-1
mit den mittleren Wellenvektoren (Nr. 2 und 5) einen Winkel von
= 20,9
einschließen.
In der idealisierten Variante dieses Musters liegen die Wellenvektoren bei
q
7
=
-
7
2
3
4
q,
q
8
=
0
3
2
q,
q
13
=
-
7
4
7
4
q
mit den L¨angen
|q
7
| = 1,52q,
|q
8
| = 1,5q,
|q
13
| = 1,87q
Die Vektoren q
9
, q
10
und q
12
ergeben sich aus q
7
durch entsprechende Vorzeichenwechsel.
Gleiches gilt f¨ur die Vektoren gr¨oßerer Wellenzahl in Bezug auf q
8
und q
13
.
Bei dem Versuch, Wellenvektoren gr¨oßerer Wellenzahl durch Addition der Grundvektoren
auszudr¨ucken, f¨allt auf, dass f¨ur vier der sechs am st¨arksten ausgepr¨agten Nebenkompo-
nenten, Nr. 7, 9, 10 und 12, drei statt nur zwei der Grundvektoren ben¨otigt werden. So
ergibt sich Vektor q
7
z.B. aus: q
7
= q
1
+ q
2
+ q
6
. Die durch Addition zweier benachbarter
Vektoren erh¨alt man die wesentlich schw¨acher ausgepr¨agten q
13
bis q
16
. Durch Addition
der beiden ¨außeren Grundmoden (z.B. q
1
+ q
3
) erh¨alt man jeweils die mittlere h¨ohere
Nebenkomponente (im Beispiel: q
8
). Die Additionen der Grundvektoren mit sich selbst
f¨uhren auf noch schw¨acher ausgepr¨agte Maxima. Gleiches gilt f¨ur die Addition von q
1
+ q
6
sowie die spiegelsymmetrische Variante q
3
+ q
4
.
70
Kapitel 6. Einfluss der Laserstrahlkollimation
Neben den h¨oheren Harmonischen werden vier subharmonische Wellenvektoren (17-20)
beobachtet, die k = 17,5 mm
-1
eine kleinere Wellenzahl als die Grundmoden aufweisen.
Jeweils zwei schließen einen spitzen Winkel von 43,2
ein, der dem der Elementarzelle
im Nahfeld im Rahmen der Messgenauigkeit entspricht. Die Intensit¨aten der Subharmo-
nischen sind kleiner als alle der bisher erw¨ahnten h¨oheren Harmonischen. Sie betragen
ungef¨ahr 1/8 der Intensit¨at der Hauptmaxima. Auf dem idealisierten rhombischen Git-
ter betrachtet entstehen die Subharmonischen durch Vektoraddition zweier Grundmoden
(z.B. q
17
= q
2
+ q
4
).
6.4
Diskussion
Die Messung zu Kap. 6.1 zeigt, dass sich das Bifurkationsverhalten mit ¨
Anderung der
Kollimation stark ¨andert. Quadrate treten f¨ur einen konvergenten Strahl nicht auf. F¨ur
Messtage, an denen keine Quadrate beobachtet wurden, kann jetzt geschlossen werden,
dass ein konvergenter oder sogar stark divergenter Strahl, dessen Strahltaille nicht ausrei-
chend nahe an der Zellenmitte lag, verwendet wurde. Variierende Musterselektion wird in
der Theorie meist ¨uber eine ¨
Anderung der Wellenzahlen erkl¨art. Hexagone an der Schwelle
zur Musterbildung sind eine M¨oglichkeit, bei allen Kollimationseinstellungen die Wellen-
zahl zu vergleichen. Diese weisen tats¨achlich eine starke Abh¨angigkeit der Wellenzahl von
der Kollimation auf (Kap. 6.2).
Sowohl in Kap. 6.1 als auch in Kap. 6.2 ist die Position L
T
= 0 durch bestimmte Beob-
achtungen besonders ausgezeichnet: F¨ur diese Kollimationseinstellung, bei der Hexagone
ein Minimum ihrer Wellenzahl aufweisen, ist der Bereich der Verstimmung, in dem He-
xagone auftreten, besonders breit und der Bereich, in dem andere Muster als Hexagone
auftreten, f¨ur alle Teleskopl¨angen am schmalsten. Inwiefern dieser Zusammenhang theo-
retische Relevanz hat, muss noch untersucht werden.
Das Bifurkationsverhalten ¨andert sich f¨ur divergenten Strahl sogar so, dass Muster stabi-
lisiert werden k¨onnen, die sonst nicht auftreten. Diese setzen sich in vielerlei Hinsicht von
bisher beobachteten Mustern ab:
Obwohl in den Grundmoden nur eine Wellenzahl auftritt, hat das Nahfeld den Charakter
einer ¨
Uberstruktur. Es setzt sich aus zwei unterschiedlich geformten Maxima zusammen
und hat ein minimale Periodizit¨atsl¨ange, die gr¨oßer ist als die sich aus den Wellenvektoren
ergebene Musterwellenl¨ange.
Dass die st¨arksten Nebenkomponenten nur durch Addition dreier Vektoren der Grund-
moden entstehen, ist einzigartig unter allen in dieser Arbeit diskutierten Mustern. Dies
ist ein Hinweis darauf, dass in der Theorie Kopplungen dritter oder h¨oherer Ordnung zur
Interpretation dieser Muster ber¨ucksichtigt werden m¨ussen.
Wichtig f¨ur das theoretische Verst¨andnis des Muster 42 k¨onnen die Phasenbeziehungen
sein. Eventuell erkl¨aren diese auch die geringe Intensit¨at einiger Harmonischer, die durch
6.4. Diskussion
71
Addition von nur zwei Vektoren der Grundmoden entstehen.
Dem Muster 42 ¨ahnelnde Muster wurden schon in anderen Arbeiten gefunden. Inwiefern
sich diese mit dem Muster 42 vergleichen lassen, wird im Folgenden gezeigt.
Bei Einstrahlung eines linear polarisiertem Laserstrahls, wurden von A. Aumann [Aum99]
die in Abb. 6.8 gezeigten Muster beobachtet.
Abbildung 6.8: Transiente Muster aus drei Moden aus [Aum99], a) Nahfeld, b) Fern-
feld
Diese weisen im Fernfeld eine gewisse ¨
Ahnlichkeit mit dem Muster 42 auf. Die detaillierte
Analyse zeigt jedoch, dass die Wellenvektoren unterschiedliche Winkel einschließen und
andere Intensit¨atsverh¨altnisse untereinander aufweisen. Zwei Wellenvektoren schließen
einen Winkel von 41
ein. Der dritte Wellenvektor schließt einen Winkel von 46
zu ei-
nem der beiden ersten. Das dazugeh¨orige Maximum hat eine schw¨achere Intensit¨at als die
der beiden anderen. Dies steht im Gegensatz zu dem Muster 42, bei denen die mittlere
Komponente schw¨acher als die ¨außeren ist. Als h¨ohere Harmonische dominieren die, die
durch Vektoraddition zweier benachbarter Grundmoden entstehen. Die bei dem Muster
42 am st¨arksten ausgepr¨agten Nebenkomponenten werden nicht beobachtet. Das Nahfeld
weist keinerlei ¨
Ahnlichkeit zu dem des Muster 42 auf. Die Muster treten nur transient
zu Mustern mit zwei Moden auf und besitzen im Gegensatz zu den 42
-Mustern keine
Spiegelsymmetrie.
D. Leduc et al. [LLBRT96] berichten von numerisch gefundenen Mustern (Abb. 6.9) in
einer Einspiegelanordnung. Diese unterscheidet sich im Wesentlichen durch Verwendung
von Rubidium als nichtlineares Medium, linear polarisiertem Licht und fehlendem /4-
Pl¨attchen von dem in dieser Arbeit beschriebenen System. Dieses Muster hat, wie das
Muster 42, sechs Fourierkomponenten gleicher Wellenzahl, die vier spitze und zwei stumpfe
Winkel einschließen.
Es wird ein Winkel von = arccos(
3
2
) 48,2
angegeben und das Muster im Nah-
feld als quasiperiodische Struktur klassifiziert. Als ben¨otigte eingestrahlte Lichtintensit¨at
wird das Doppelte der Intensit¨at an der Schwelle zur Musterbildung angegeben. H¨ohere
Harmonische wurden scheinbar nicht untersucht.
Das Nahfeld besteht aus periodischen Reihen (in Abb. 6.9 von links und nach rechts oben),
die um eine halbe Periodenl¨ange versetzt nebeneinander gesetzt sind. Diese Beobachtung
72
Kapitel 6. Einfluss der Laserstrahlkollimation
Abbildung 6.9: Numerisch berechnete Struktur aus drei Moden aus [LLBRT96], links
Nahfeld, rechts Fernfeld
widerspricht der Behauptung der Quasiperiodizit¨at von [LLBRT96], spiegelt aber die Be-
schreibung des Nahfeldes des Muster 42 wieder. Ein Unterschied besteht in der Form der
Elementarzellen, Halbmonde sind in Abb. 6.9 nicht zu sehen.
Kapitel 7
Zusammenfassung und Ausblick
In der in dieser Arbeit beschriebenen Einspiegelanordnung mit /4-Pl¨attchen im R¨uck-
koppelarm wird bei Einstrahlung von zirkular polarisiertem Licht eine vielf¨altige Struktur-
bildung beobachtet [AGWH
+
99, HGWA
+
99, GWHAL01]. Ziel dieser Arbeit war es, diese
Musterbildung ¨uber einen großen Parameterbereich genauer zu charakterisieren und insbe-
sondere beobachtete Strukturen Parameterbereichen zuzuordnen. Dar¨uberhinaus wurden
Variationen dieser Muster sowie ein neuer Mustertyp beobachtet und erstmals dokumen-
tiert.
Ein Ansatz, den Parameterraum systematisch zu untersuchen, ist eine Aufnahme von Bi-
furkationsdiagrammen in Abh¨angigkeit von Leistung und Verstimmung bei unterschiedli-
chen Werten der Temperatur. Diese bestimmt ¨uber die Teilchenzahldichte die nichtlineare
Suszeptibilit¨at des Mediums.
Je gr¨oßer die Temperatur im Experiment gew¨ahlt wird, desto gr¨oßer ist der Bereich im
Bifurkationsdiagramm, in dem Musterbildung auftritt, und desto mehr Mustertypen kom-
men hinzu. Zun¨achst entstehen bei geringer Temperatur Hexagone, die auch f¨ur beliebige
Temperaturen immer an der Schwelle zur Musterbildung auftreten. Bei Erh¨ohen der Tem-
peratur wird eine sekund¨are Bifurkation beobachtet. Diese f¨uhrt zun¨achst zu Streifen. Bei
h¨oherer Temperatur gehen Hexagone in Muster mit zw¨olf Fourierkomponenten ¨uber. Ha-
ben Wellenvektoren die gleiche L¨ange und schließen sie gleiche Winkel ein, so entstehen
quasiperiodische Muster. Die Wellenzahlen k¨onnen jedoch auch verschieden sein. Dann
werden komplexere, periodische ¨
Uberstrukturen, die als AS
2,1
+SiS bzw. SiH+SiH bezeich-
net werden, sowie irregul¨are Muster ohne erkennbare Periodizit¨at beobachtet. Streifen tre-
ten hier als terti¨are Bifurkation auf. Bei der h¨ochsten untersuchten Temperatur werden
zus¨atzlich zu Streifen auch Quadrate als terti¨are Bifurkation ausgehend von Mustern mit
zw¨olf Fourierkomponenten beobachtet.
Neben den bekannten, bisher beschriebenen Grundformen werden von verschiedenen Mus-
tern Variationen beobachtet. Ein Beispiel sind transversal modulierte Streifen (vgl. Kap.
3.1.5), die als Mischzustand zwischen Streifen und Quadraten gedeutet werden k¨onnen.
Ihre Stabilit¨at erscheint bemerkenswert, da vom Mischzustand zwischen Hexagonen und
73
74
Kapitel 7. Zusammenfassung und Ausblick
Streifen bekannt ist, dass sie als defektfreie Muster instabil sind [CCL
+
90]. Einige der
Mustervariationen treten nur sehr kurzzeitig auf. Es ist in weiteren Experimenten zu
pr¨ufen, ob dies allein auf rauschinduzierte ¨
Uberg¨ange in einem Multistabilit¨atsbereich
zur¨uckzuf¨uhren ist oder ob andere Mechanismen zu der beobachteten Zeitabh¨angigkeit
beitragen.
Die Untersuchung der Modellgleichungen mittels einer linearen Stabilit¨atsanalyse (LSA)
reproduziert die Zunahme der Breite des Verstimmungsbereiches, in dem Musterbildung
stattfindet, sowie die Absenkung der Schwellleistung bei zunehmender Teilchenzahldich-
te. Dar¨uber hinaus zeigt die LSA eine Verbreiterung der Instabilit¨atsballons f¨ur zuneh-
mende Teilchenzahldichten, d.h. die Breite des linear instabilen Wellenzahlbandes nimmt
zu. Daher erscheint es plausibel, dass Muster die mehrere verschiedene Wellenzahlen der
Grundmoden enthalten, bevorzugt bei hoher Temperatur auftreten. Eine h¨ohere Teil-
chenzahldichte erniedrigt zudem die Schwellen der Instabilit¨atsballons h¨oherer Ordnung.
Mit der im Experiment zur Verf¨ugung stehenden Leistung kann nur f¨ur eine hohe Teil-
chenzahldichte der dritte Ballon angeregt werden. Da die zugeh¨orige kritische Wellenzahl
ungef¨ahr doppelt so gross wie die des ersten Instabilit¨atsballons ist, fallen die Wellenzah-
len der h¨oheren Harmonischen der Streifen in diesen Bereich. Dies k¨onnte die selektive
Entstehung von Streifen bei h¨oheren Temperaturen erkl¨aren.
Eine kontrollierte Durchf¨uhrung der beschriebenen Experimente und Reproduktion der
Ergebnisse war nur mit einer Erweiterung des experimentellen Aufbaus um ein 1:1-
Teleskops hinter der Glasfaserauskopplung m¨oglich. Dieses erlaubt eine bessere Kontrol-
le der Strahlkollimation und eine systematische Variation derselben. Schon bei kleinen
¨
Anderungen der Teleskopl¨ange um 30 µm, welche eine Verschiebung der Strahltaille um
ca. 34 cm aus der Zellenmitte heraus bewirkt, ¨andert sich das Bifurkationsverhalten qua-
litativ. Nicht alle Muster treten bei allen Kollimationseinstellungen auf. Insbesondere
werden Quadrate und SiH+SiH f¨ur einen schwach konvergenten Strahl nicht beobach-
tet. Dies erkl¨art die Probleme der Reproduzierbarkeit der Beobachtungen, die zu Beginn
dieser Arbeit bestanden.
Bei Verwendung eines divergenten Strahls wird ein neuer Mustertyp beobachtet, der zuvor
in der Literatur nicht beschrieben wurde. Diese Muster werden durch drei Wellenvektoren
ungef¨ahr gleicher L¨ange beschrieben, die im Experiment jeweils einen Winkel von 42
ein-
schließen. Bei diesem so genannten Muster 42 handelt sich um eine ¨
Uberstruktur, deren
Fourierkomponenten auf einem rhombischen Grundgitter liegen. Das Muster 42 ist die ein-
zige in dieser Arbeit beobachtete Struktur, die deutlich sichtbare Subharmonische besitzt.
Dies best¨atigt den Charakter einer ¨
Uberstruktur. Im Gegensatz zu allen anderen in dieser
Arbeit beobachteten Mustern entstehen beim Muster 42 einige der stark ausgepr¨agten
h¨oheren Harmonischen aus der Vektorsumme mindestens dreier Grundmoden. Zur theo-
retischen Erkl¨arung der Stabilisierung der 42
-Muster liegt daher eine Ber¨ucksichtigung
von Termen bis zu f¨unfter Ordnung in den Amplitudengleichungen der Grundmoden nahe.
Alternativ ist die Behandlung h¨oherer Harmonischer als aktive Moden denkbar.
Theoretische ¨
Uberlegungen zur Stabilit¨at oder den Eigenschaften von ¨
Uberstrukturen
75
auf einem rhombischem Gitter sind nicht bekannt. Die bis jetzt nur f¨ur quadratisches
und hexagonales Grundgitter existierende Theorie [DG92] m¨usste f¨ur ein rhombisches
erweitert werden.
Die experimentellen Ergebnisse zeigen, dass das Systemverhalten empfindlich von den
Strahleigenschaften abh¨angen kann. Daraus folgen einerseits hohe Anforderungen an die
experimentelle Kontrolle der Kollimation, andererseits er¨offnet sich ein neuer Parameter-
bereich, der bisher in Experimenten und Theorie zu Einspiegelanordnungen unber¨ucksich-
tigt blieb.
Ein Interesse an den Auswirkungen von Wellenfunktionkr¨ummungen scheint seit kurzer
Zeit auch f¨ur andere optische Systeme vorhanden zu sein, wie z.B. f¨ur die Beschreibung
der Strahlausbreitung in ausgedehnten nichtlinearen Medien [Sie00]. Ein gemeinsames
Profitieren von Ergebnissen und Erkenntnissen w¨are w¨unschenswert.
76
Kapitel 7. Zusammenfassung und Ausblick
Anhang A
Messung der Teilchenzahldichte
Die Teilchenzahldichte an Natriumatomen im Gaszustand l¨asst sich nur indirekt mes-
sen. In vorausgegangenen Arbeiten wurde die Teilchenzahldichte mittels eines Verfahrens
bestimmt, das auf Kleinsignalabsorption basiert [Kl¨u98, Vor92]. Das Problem dieses Ver-
fahrens liegt in der Fehleranf¨alligkeit bei hohen Temperaturen (T > 300
C). Weiterhin
ist das Verfahren sehr zeitintensiv. In dieser Arbeit wird deshalb ein anderes Verfahren
getestet, welches auf dem nichtlinearen Faraday-Effekt beruht. Im Folgenden wird das in
vorausgegangenen Arbeiten verwendete Verfahren mit dem f¨ur diese Arbeit verwendeten
verglichen.
A.1
Messung mittels Kleinsignalabsorption
Das Absorptionsprofil in Abh¨angigkeit von der Verstimmung wird bei einer festen Tem-
peratur f¨ur kleine eingestrahlte Leistungen aufgenommen. Mit Hilfe des bekannten Ab-
sorptionskoeffizienten von Natriumdampf wird auf eine Teilchenzahldichte zur¨uckgerech-
net. Das Hauptproblem dieses Verfahrens besteht darin, dass aufgrund der Verbreiterung
des Absorptionsprofil bei hohen Teilchenzahldichte, die Messung f¨ur hohe Temperaturen
(T > 300
C) ungeeignet ist. Um auch bei hohe Temperatur Aufschluss ¨uber die vorlie-
gende Teilchenzahldichte zu erhalten, werden die Teilchenzahldichten f¨ur mehrere kleine
Temperatur bestimmt. An diese wird die Clausius-Clapeyron-Gleichung angepasst und
die Teilchenzahldichte f¨ur hohe Temperaturen extrapoliert. Die Faktoren A, B und C der
Fit-Funktion werden nach dem Prinzip des kleinsten quadratischen Fehlers ermittelt:
ln(N/(1m
-3
)) = A +
B
T /(1
C) + 273.15
+ C · ln(T/(1
C) + 273.15)
(A.1)
Abb. A.1 zeigt, dass die in [Kl¨u97] ermittelten Faktoren A = 2788, B = -217022 und
C = -372,58 zwar f¨ur Interpolationen im Bereich T = 230
C-290
C ausreichend genau
sind, eine Extrapolation aber als unzul¨assig angesehen werden muss. Eine Abnahme der
77
78
Anhang A. Messung der Teilchenzahldichte
0.001
0.01
0.1
1
220 240 260 280 300 320 340
Teilchenzahldichte (10
19
m
-3
)
Temperatur (
o
C)
Abbildung
A.1:
Clausius-Clapeyron-
Gleichung mit Parametern aus [Kl¨u97]
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
280
290
300
310
320
330
Teilchenzahldichte (10
19
m
-3
)
Temperatur (
o
C)
Abbildung A.2: Teilchenzahldichtemes-
sung mittels Kleinsignalabsorption aus
[Aum99]
Teilchenzahldichte oberhalb T = 310
C ist nicht realistisch. Die Methode der Kleinsignal-
absorptionsmessung liefert f¨ur hohe Temperaturen sehr große Fehler. Diese weisen auch
die Messungen von [Aum99] (S.189) auf. Abb. A.2 zeigt eine Ausschnittsvergr¨oßerung f¨ur
hohe Temperaturen.
Ein weiteres Problem ist der Zeitaufwand f¨ur eine solche Messung. F¨ur die Aufnahme
einer Messkurve muss f¨ur jeden Messpunkt die Temperatur variiert werden. Eine kon-
stante Teilchenzahldichte des Systems stellt sich erst nach ca. 45 Minuten ein, so dass
f¨ur eine ausreichende Anzahl an Messpunkten ein ganzer Tag ben¨otigt wird. Von Tag zu
Tag ¨andern sich jedoch die Eigenschaften des Natrium so, dass bei gleicher Temperatur
eine geringere Teilchenzahldichte erreicht wird. Deshalb ist eine t¨agliche Teilchenzahl-
dichtemessung zu jedem Experiment vonn¨oten, welche die Absorptionsmessung f¨ur große
Temperaturen nicht liefern kann.
A.2Messung mittels des nichtlinearen Faraday-Effekt
Aus der beschriebenen Problemlage heraus wird hier ein alternatives Verfahren untersucht,
das auf dem nichtlinearen Faraday-Effekt beruht. Das /4 vor der Zelle wird benutzt, um
linear bzw. leicht elliptisch polarisiert einzustrahlen. Zur Messung wird das transmittier-
te Licht mit einem Linearpolarisator als Analysator und einen Photodetektor dahinter
analysiert.
Durch Einstellung auf lineare Polarisation werden die Nullstellungen des /4-Pl¨attchens
0
und des Analysators
0
bestimmt. F¨ur mehrere Einstellungen des /4-Pl¨attchens ()
wird jeweils der Winkel des Analysators bestimmt, f¨ur den die transmittierte Leistung
minimal ist. Die Polarisationselliptizit¨at
pol
vor der Zelle ergibt sich aus:
pol
= sin(2( -
0
))
(A.2)
A.3. Diskussion
79
Der Drehwinkel ist nach [GWKL
+
00] proportional zum Kleinsignalabsorptionskoef-
fizienten
0
, zur L¨ange des Mediums L, zur auf die halbe Linienbreite
2
normierten
Verstimmung ¯
= 2/
2
und zur Orientierung des Mediums w:
=
0
L ¯
w
(A.3)
Da die Grundzustandsrelaxation f¨ur die in diesem Verfahren verwendeten Leistungen
von 100-200 mW klein gegen die Gesamtpumprate P
+
+ P
-
ist, gilt:
w =
P
+
- P
-
P
+
+ P
-
+
P
+
- P
-
P
+
+ P
-
=
pol
(A.4)
Setzt man dies und
0
aus [B¨u97]
0
=
N|µ
e
|
2
2
0
¯h
2
1
¯
2
+ 1
k
0
2
(A.5)
in (A.3) ein, so erh¨alt man den Proportionalit¨atszusammenhang zwischen und
pol
:
=
0
NL|µ
e
|
2
2
0
¯h
2
¯
1 + ¯
2
·
pol
(A.6)
0
ist die Wellenl¨ange der Na-D
1
-Linie.
Aus der Steigung mfit des linearen Zusammenhangs wird die Teilchenzahldichte errechnet:
N = mfit
2
0
¯h
0
2
µ
2
e
L
( ¯
2
+ 1)
¯
(A.7)
A.3
Diskussion
Da nur die sich gerade eingestellte Teilchenzahldichte anstatt des Temperatur-Teilchen-
zahldichte-Zusammenhanges ¨uber eine große Temperaturspanne gemessen wird, ist der
Zeitaufwand gegen¨uber dem bisherigen Verfahren erheblich reduziert. Die Messung kann
deshalb am Ende eines jeden Experimentes durchgef¨uhrt werden. Das Verfahren ist auch
bei hohen Temperaturen einsetzbar, da der Messfehler keine so große Temperaturabh¨angig-
keit wie beim Verfahren mittels Kleinsignalabsorption zeigt. Ein weiterer Vorteil ist die
einfache Auswertung der Messung, die u.a. durch die geringere Anzahl von freien Para-
metern der zugrundegelegten linearen Fit-Funktion beg¨unstigt wird.
Unabh¨angig von der Temperatur wird ein großer Fehler der Messungen beobachtet. Zur
Evaluierung des Verfahren werden jeweils zwei Messungen mit gleichem Betrag der Ver-
stimmung, jedoch unterschiedlichem Vorzeichen, verglichen. Der Drehwinkel der Polarisa-
tion sollte bis auf ein Vorzeichen der gleiche sein. In der Praxis werden jedoch Unterschiede
bis zu 100% beobachtet. Unterschiedliche Verstimmungen liefern außerdem unterschiedli-
che Ergebnisse f¨ur die Teilchenzahldichte.
80
Anhang A. Messung der Teilchenzahldichte
Anhang B
Entstehung von Fourierkomponenten
durch die nichtlineare
Propagationsfunktion des Mediums
B.1
Motivation
Zwischen der Orientierungsverteilung im Medium und der Feldverteilung des transmit-
tierten Lichtes besteht ein nichtlinearer Zusammenhang, der im Folgenden
"
Propagations-
funktion" genannt wird. Eine sinusf¨ormige Modulation der Orientierung (mit nur einer
Frequenz im Fourierspektrum) erzeugt h¨ohere Harmonische in der Fouriertransformierten
des Feldes.
Die folgende Rechnung soll zeigen, ob dieser Beitrag zu vernachl¨assigen ist. Ist dies der
Fall, ist das Bilden der Fouriertransformierten der Orientierung als N¨aherung f¨ur das
Fernfeld ausreichend. Muster ließen sich also, wie in vorhergehenden Arbeiten, aus wenigen
Fourierkomponenten generieren.
Weiterhin soll gekl¨art werden, ob die experimentell beobachteten Muster h¨ohere Fourier-
komponenten in der Intensit¨atsverteilung nur aufgrund der Propagationsfunktion oder
auch schon in der Orientierung selbst aufweisen.
81
82
Anhang B. Entstehung von Fourierkomponenten durch die nichtlineare
Propagationsfunktion des Mediums
B.2Allgemeines
Das durch das Medium der L¨ange L transmittierte Feld der beiden Polarisationskompo-
nenten E
±
(r
, L, t) h¨angt mit der ¨uber die Strecke L gemittelten Orientierung wie folgt
zusammen:
E
±
(r
, L, t) = E
±,0
· e
-
0
(-i
¯
+1)L(1(x,y,t))
(B.1)
mit r
=
x
y
, linearen Absorptionskoeffizienten
0
, normierter Verstimmung ¯
und Feld
des eingestrahlten Lichtes E
±,0
.
Die beobachtete Intensit¨atsverteilung im Fernfeld ist die Fouriertransformierte:
|FT(E
±
)|
2
=
+
-
+
-
dxdye
-2i(
x
x+
y
y)
E
±,f
(x, y, L)
2
= |E
±,f,0
|
2
· e
-2
0
L
+
-
+
-
dxdye
-2i(
x
x+
y
y)
e
±
0
(-i
¯
+1)L(x,y,t)
=:Prop(x,y)
2
In folgenden Abschnitten wird vereinfacht geschrieben:
B := ±
0
(-i
¯
+ 1)L
(B.2)
B ist komplex und Real-und Imagin¨arteil liegen typischerweise in der Gr¨oßenordnung 1
bis 10, wenn man
0
100 m
-1
, L = 1,5 mm, = 4,5 GHz annimmt.
B.3
Reelle Streifen in der Orientierung
Die einfachste Modulation der Orientierung sind Streifen, da diese sich durch nur einen
transversalen Wellenvektor beschreiben lassen. Als Besetzungszahlunterschied handelt es
sich bei der Orientierung um eine reelle Gr¨oße.
Allgemein:
(x, y, t) =
h
+ A · cos(qx + ),
mit
1
=
q
2
Bei nur einer Mode (Streifen) kann zwar o.B.d.A. = 0 gesetzt werden, wird aber hier
ber¨ucksichtigt, um in sp¨ateren Rechnungen darauf zur¨uckgreifen zu k¨onnen.
Eine Zerlegung in Exponentialfunktionen
reell
(x) =
h
+ A · cos(qx + ) =
h
+
A
2
(e
i(qx+)
+ e
-i(qx+)
)
erfordert eine Faltung der Fouriertransformierten:
F T (P rop
1
) := F T (e
B
reell
(x)
) = e
B
h
· FT(e
BA/2e
i
(qx+)
) FT(e
BA/2e
-i
(qx+)
)
B.3. Reelle Streifen in der Orientierung
83
F¨ur die Transformation der doppelten Exponentialfunktionen wird die ¨außere Exponen-
tialfunktion durch ihre Reihenentwicklung ersetzt und die Integralschreibweise der Dirac-
-Funktion mit =
2
q
benutzt:
F T (e
Ce
±iqx
)(
x
,
y
) = (
y
) ·
-
dxe
-2i(
x
x)
e
Ce
±iqx
,
C
±
=
BA
2
e
±i
= (
y
) ·
j=0
C
j
±
j!
(
x
j/)
(B.3)
F T (P rop
1
)
(B.3)
=
(
y
)e
B
h
j,k=0
(BA/2)
j+k
j!k!
e
i(j-k)
· (
x
- (j - k)/)
Betrachtet wird jetzt nur die Fourierkomponente, die f¨ur
x
=
n
nicht verschwindet, also
den Summanden der Reihe ¨uber k mit n = j - k j = n + k. Dabei ist zu beachten,
dass auch negative n existieren!
k=0
(
BA
2
)
2k+n
k!(n + k)!
e
i(j-k)
= e
i(j-k)
k=0
(
BA
2
)
2k+n
k!(n + k + 1)
= e
i(j-k)
I
n
(BA) = e
i(j-k)
i
-n
J
n
(iBA)
(B.4)
wobei I
n
(BA) modifizierte Besselfunktionen erster Gattung sind. J
n
heißen Besselfunktio-
nen erster Gattung.
Somit:
F T (P rop
1
) = (
y
) · e
B
h
n=-
e
in
· (
x
- n/) · I
n
(BA)
(B.5)
Die Fourieramplituden der lokalen Maxima n-ter Ordnung sind:
F T
n
:= F T (
n
, 0) = e
B
h
· e
in
I
n
(BA)
(B.6)
Die im Experiment zu Kap. 5 auftretenden Streifen weisen ein Verh¨altnis
|FT
2
|
2
|FT
1
|
2
= 0, 156
auf. Aus den dazugeh¨origen Parametern (P
0
= 216 mW, = 4,5 GHz, d = 77 mm, p
N
2
=
308 mbar, N = 6,1 ·10
18
m
-3
) berechnet sich nach (A.5)
0
= 57,9 m
-1
und damit nach
(B.2):
B = 0, 868736 - 2,41761i
84
Anhang B. Entstehung von Fourierkomponenten durch die nichtlineare
Propagationsfunktion des Mediums
In Abb. B.1 ist das Intensit¨atsverh¨altnis der zweiten zur ersten Ordnung der Maxima im
Fernfeld von Streifen
V
2,1
:=
|FT
2
|
2
|FT
1
|
2
=
I
2
(BA)I
2
(B
A)
I
1
(BA)I
1
(B
A)
in Abh¨angigkeit von der Modulationsamplitude A aufgetragen. B wird hier den experi-
mentellen Parametern entsprechend gew¨ahlt.
0.2
0.4
0.6
0.8
1
A
0.1
0.2
0.3
0.4
0.5
0.6
V
2,1
Abbildung B.1: Intensit¨atsverh¨altnis der zweiten zur ersten Ordnung von Streifen in
Abh¨angigkeit von der Modulationsamplitude A f¨ur B = 0,868736 -2,41761 i
Eine Amplitude A = 0, 573 ergibt ein V
2,1
= 0,156, welches dem experimentell gefunde-
nen entspricht. Dies w¨urde heißen, dass die zweite Ordnung nur aufgrund der Propaga-
tionsfunktion vorhanden ist. Die tats¨achliche Amplitude kann jedoch auch kleiner sein,
was einen kleineren Beitrag zur zweiten Ordnung bei gleicher Amplitude erster Ordnung
bedeutet, so dass ein zus¨atzlicher Beibetrag vorhanden ist, der unabh¨angig von der Pro-
pagationsfunktion ist. Die Rechnungen lassen also keine R¨uckschl¨usse auf die Herkunft
der zweiten Ordnung zu, zeigen aber, dass ein Fehlen einer zweiten Ordnung in der Ori-
entierung bei Streifen durchaus denkbar ist.
B.4
Reelles Zwei-Moden-Problem
Bei Mustern, die sich aus mehreren Wellenvektoren zusammensetzen, k¨onnen h¨ohere har-
monische Komponenten durch die Kopplung jeweils zweier unterschiedlicher Grundmoden
entstehen.
Gegeben sei:
=
h
+ A
1
· cos(q
1
r +
1
) + A
2
· cos(q
2
r +
2
)
O.B.d.A. gilt:
q
1
=
q
1
0
,
q
2
=
q
x
q
y
mit r =
x
y
und
1
i
=
q
i
2
B.4. Reelles Zwei-Moden-Problem
85
Gesucht ist die Fouriertransformierte:
F T (P rop
2
)
:=
e
B
h
· FT e
BA
1
cos(qx+
1
)
FT e
BA
2
cos(q
x
x+q
y
y+
2
)
(B.7)
(B.5)
=
(
y
)e
B
h
n=-
e
i
1
n
· (
x
-
n
1
)I
n
(BA
1
) FT e
BA
2
cos(q
x
x+q
y
y+
2
)
Der zweite Teil in (B.7) setzt sich zusammen aus:
F T e
BA
2
cos(q
x
x+q
y
y+
2
)
= F T e
BA2
2
(e
iqxx
e
iqy y
e
i2
)
FT e
BA2
2
(e
-iqxx
e
-iqy y
e
-i2
)
(B.8)
Dies wird mit C
±
=
BA
2
2
e
±i
2
und mit
F T e
C
±
(e
±iqxx
e
±iqy y
)
=
-
dye
-2i(
y
y)
e
C
±
e
±iqyy
-
dxe
-2i(
x
x)
e
e
±iqxx
(B.3)
=
j=0
C
j
±
j!
(
y
j/
y
)(
x
j/
x
)
nach Auswertung der Faltung zu
F T e
BA
2
cos(q
x
x+q
y
y+
2
)
=
j,m=0
(
BA
2
2
)
j+m
(e
i
2
)
j-m
j!m!
· (
y
-
j - m
y
) · (
x
-
j - m
x
)
=
n,m=0
(
BA
2
2
)
2m+n
e
in
2
(n + m)!m!
· (
y
-
n
y
)
· (
x
-
n
x
),
mit n = j - m j = n + m
(B.4)
=
n=-
e
in
2
· I
n
(BA
2
) · (
y
-
n
y
) · (
x
-
n
x
)
Eingesetzt in (B.7) ergibt sich:
F T (P rop
2
) = e
B
h
n,m=-
e
i(n
1
+m
2
)
· I
n
(BA
1
) · I
m
(BA
2
) · (
y
-
m
y
)
·
-
d
x
(
x
-
n
1
) · (
x
-
x
-
m
x
)
= e
B
h
n,m=-
e
i(n
1
+m
2
)
· I
n
(BA
1
) · I
m
(BA
2
) · (
y
-
m
y
) · (
x
-
n
1
-
m
x
)
(B.9)
86
Anhang B. Entstehung von Fourierkomponenten durch die nichtlineare
Propagationsfunktion des Mediums
Die Fourieramplituden der lokalen Maxima des Fernfeldes berechnen sich nach:
F T (P rop
2
)(0, 0) = F T
0,0
= e
B
h
I
0
(BA
1
) · I
0
(BA
2
)
(B.10)
F T (P rop
2
)(
1
x
,
1
y
) = F T
0,1
= e
B
h
e
i
2
· I
0
(BA
1
) · I
1
(BA
2
)
(B.11)
F T (P rop
2
)(
1
1
, 0) = F T
1,0
= e
B
h
e
i
1
· I
1
(BA
1
) · I
0
(BA
2
)
(B.12)
F T (P rop
2
)(
1
1
+
1
x
,
1
y
) = F T
1,1
= e
B
h
e
i(
1
+
2
)
· I
1
(BA
1
) · I
1
(BA
2
) (B.13)
Die Verh¨altnisse der Intensit¨aten der ersten zur zweiten Ordnung sind
1
:
|FT
1,1
|
2
|FT
0,1
|
2
=
I
1
(BA
1
)I
1
(B
A
1
)
I
0
(BA
1
)I
0
(B
A
1
)
(B.14)
|FT
1,1
|
2
|FT
1,0
|
2
=
I
1
(BA
2
)I
1
(B
A
2
)
I
0
(BA
2
)I
0
(B
A
2
)
(B.15)
Die Rechnungen zeigen, dass die Intensit¨atsverh¨altnisse bei der Kopplung von zwei Moden
unabh¨angig von der Phase sind. Erst bei der Addition von mehr als zwei komplexen
Amplituden kann die Phase z.B. auch destruktive Interferenz bewirken.
Quadrate, die beiden den Parametern T = 325
C, d = 76 mm, p
N
2
= 301 mbar,
N = 1,27 ·10
19
m
-3
, R = 99% auftreten, weisen ein Verh¨altnis V
2,1
0,2 der zweiten
zur ersten Ordnung auf.
Nach (B.2) ist bei diesen Parametern
B = 1, 80868 - 5,03339i.
In Abb. B.2 ist das Intensit¨atsverh¨altnis der zweiten zur ersten Ordnung der Maxima im
Fernfeld von Quadraten V
2,1
in Abh¨angigkeit von der Modulationsamplitude A aufgetra-
gen. B wird den experimentellen Parametern entsprechend gew¨ahlt.
Die zweite Ordnung w¨urde bei einer Modulationsamplitude A = 0,306 vollst¨andig durch
die Propagationsfunktion erzeugt werden. Da aber auch ein kleineres A im Experiment
denkbar w¨are, gelten f¨ur Quadrate die gleichen Schlussfolgerungen wie f¨ur Streifen (vgl.
Kap. B.3). Zus¨atzlich wird festgehalten, dass durch die Propagationsfunktion die zweite
Ordnung in der Intensit¨at st¨arker ausgepr¨agt sein kann als die erste, auch wenn in der
Orientierung keine h¨oheren Harmonischen vorhanden sind.
1
I
n
(z) berechnet sich in Mathematica mittels BesselI[n,z].
B.5. Abschw¨
achung der h¨
oheren Harmonischen eines AS
2,1
+SiS
87
0.2
0.4
0.6
0.8
1
A
0.2
0.4
0.6
0.8
1
1.2
V
2,1
Abbildung B.2: Intensit¨atsverh¨altnis der zweiten zur ersten Ordnung von Quadraten
in Abh¨angigkeit von der Modulationsamplitude A f¨ur B = 1,80868 -5,03339 i
B.5
Abschw¨
achung der h¨
oheren Harmonischen eines
AS
2,1
+SiS
3
1 2
Abbildung B.3: Kopplung
von
Grundmoden
eines
AS
2,1
+SiS zu einer h¨oher-
en Harmonischen
Beim der ¨
Uberstruktur AS
2,1
+SiS entstehen vier der
h¨oheren Harmonischen durch zwei unterschiedliche Vektor-
additionen der Grundmoden (vgl. Kap. 3.1.4 und Abb. B.3).
Die erste Summe bilden zwei lange Vektoren, hier q
1
und
q
3
genannt. Den gleichen Ergebnisvektor erh¨alt man durch
Verdopplung der L¨ange des k¨urzeren, zwischen q
1
und q
3
liegenden Vektors q
2
.
Beim ¨
Ubergang von der Veranschaulichung durch Wellen-
vektoren zur Amplitude des Fernfeldes werden zus¨atzlich
die Phasen der Fourierkomponenten zueinander ber¨ucksich-
tigt. Die Amplitude des Fernfeldes F T (
x,0
,
y,0
) der hier
diskutierten h¨oheren Harmonischen enth¨alt einen Beitrag
F T
2
(vgl. (B.6)) durch die Addition des Vektors q
2
mit sich
selbst. Der zweite Beitrag von q
1
+ q
3
mit den Phasen
1
und
3
ist durch F T
1,1
nach (B.13) gegeben. Das Fernfeld
an der Stelle (
x,0
,
y,0
) berechnet sich bei gleicher Amplitude A der Grundmoden aus der
Summe der beiden Einzelsummen:
F T (
x,0
,
y,0
) = F T
2
+ F T
1,1
= e
B
h
(I
2
(BA)e
2i
2
+ e
i(
1
+
3
)
· I
1
(BA) · I
1
(BA))
Es wurde behauptet [GW00], dass bei AS
2,1
+SiS zwischen den Vektoren q
1
, q
2
und q
3
die
Phasenbeziehung
1
+ 2
2
+
3
=
besteht.
88
Anhang B. Entstehung von Fourierkomponenten durch die nichtlineare
Propagationsfunktion des Mediums
Mit dieser Annahme ergibt sich f¨ur das Betragsquadrat der Amplitude mit I
n
:= I
n
(BA):
|FT(
x,0
,
y,0
)|
2
= (I
2
1
· e
i
+ I
2
)((I
1
)
2
e
-i
+ I
2
)
(B.16)
= |I
2
1
|
2
+ |I
2
|
2
- (I
2
1
I
2
+ (I
1
)
2
I
2
)
(B.17)
= |FT
1,1
|
2
+ |FT
2
|
2
- 2 Re(I
2
1
I
2
)
(B.18)
Wechselwirken die beiden Vektorkopplungen q
1
+ q
3
und q
2
+ q
2
miteinander, ist die be-
obachtete Intensit¨at |FT(
x,0
,
y,0
)|
2
kleiner als die Summe der Intensit¨aten der beiden
Kopplungen |FT
1,1
|
2
+ |FT
2
|
2
einzelnen betrachtet. Die beiden unterschiedlichen Vek-
torkopplungen interferieren folglich am Ort der h¨oheren Harmonischen destruktiv. Dies
best¨atigt die auf andere Weise gewonnenen Erkenntnisse, von denen in [GW00] berichtet
wurde.
B.6
Reelles Drei-Moden-Problem
Bei komplexeren Mustern so auch beim neu gefundenen Muster 42 (Kap. 3.2) lassen
sich einige h¨ohere Komponenten nur ¨uber Kopplungen von mehr als zwei Grundmoden
erkl¨aren. Hierf¨ur kann die folgende Rechnung interessant werden, die sich auch leicht auf
den allgemeinen Fall von n Komponenten ¨ubertragen l¨asst.
Gegeben sei:
=
h
+
3
j=1
A
j
· cos(q
j
r +
j
)
mit
q
j
=
q
x
j
q
y
j
, r =
x
y
,
1
x
j
=
q
x
j
2
,
1
y
j
=
q
y
j
2
F T (P rop
3
)
:=
-
-
dxdye
-2i(
x
x+
y
y)
e
B
h
e
B
3
j
=1
A
j
·cos(q
xj
x+q
yj
y+
j
)
= e
B
h
l,n,m=-
I
(1)
n
· I
(2)
m
· I
(3)
l
· (
y
-
n
y
1
-
m
y
2
-
l
y
3
) · (
x
-
n
x
1
-
m
x
2
-
l
x
3
)
Hierbei wurde I
(n)
k
:= e
ik
n
· I
k
(BA
n
) gesetzt.
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Danksagung
Mein erster Dank gilt Herrn Prof. Dr. Wulfhard Lange, der es mir erm¨oglicht hat, diese
Arbeit auf einem vielf¨altigen Forschungsgebiet zu schreiben.
Ganz besonders m¨ochte ich Dipl.-Phys. Edgar Große Westhoff danken, dessen hervorra-
gende Betreuung mir st¨andig neue Motivation und Begeisterung f¨ur die Aufgabe gegeben
hat. Ich bedanke mich bei Dr. Thorsten Ackemann f¨ur die zahlreichen Diskussionen, die
die Dinge aus einer anderen Perspektive beleuchtet haben.
Ich m¨ochte allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe Lange f¨ur die Unterst¨utzung fachlicher
und pers¨onlicher Natur danken. Die fruchtbare Kommunikation l¨oste so manche Probleme.
Die Zusammenarbeit sorgte f¨ur ein angenehmes und lockeres Arbeitsklima.
Der Feinmechanischen Werkstatt danke ich f¨ur die schnelle Unterst¨utzung bei technischen
Problemen im Labor.
Lars Stollenwerk danke ich f¨ur den
-Tipp.
Nicht zuletzt m¨ochte ich mich bei meiner Mutter und meinen Schwestern f¨ur ihr Verst¨and-
nis danken. Kathleen Wiencke danke ich f¨ur die Unterst¨utzung in den arbeitsintensiven
Phasen.
Ich danke jedem, der diese Arbeit mit Interesse gelesen hat. Das gibt ihr erst den richtigen
Wert.
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