Bildung ist neben einer adäquaten Befriedigung der Grundbedürfnisse, eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige menschliche Entwicklung. Durch neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Hirnforschung, jedoch auch im Zuge der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie 2001, wurde vor allem der Elementarpädagogik immer mehr didaktische Aufmerksamkeit zuteil. Kindertagesstätten sollen sich als Bildungseinrichtung verstehen, welche die Kinder in ihren individuellen Entwicklungsprozessen aktiv unterstützt. Gemeint sind hier alle Kinder, denn jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung und darf laut Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland nicht aufgrund seiner Herkunft benachteiligt werden. Dessen ungeachtet, konstatieren verschiedene Untersuchungen, darunter die OECD-Bildungsstudie, eine bildungs-spezifische Benachteiligung von Gruppen mit geringem sozioökonomischem Status. Auf der Internetpräsenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heißt es dazu: „In keinem anderen Industriestaat entscheidet die soziale Herkunft so sehr über den Schulerfolg und die Bildungschancen wie in Deutschland“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2008). Kindertageseinrichtungen, welche nach dem englischen Early-Excellence-Ansatz arbeiten, setzen genau hier an. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern aus bildungsfernen Familien dieselben Entwicklungschancen zu ermöglichen, wie Gleichaltrigen mit stabiler sozioökonomischer Herkunft. Kindliche Bildungsprozesse sollen unter Beteiligung der Eltern begleitet, dokumentiert und durch ein reichhaltiges pädagogisches Angebot unterstützt werden. Das erste so genannte „Centre of Excellence“, das Pen Green Centre in Corby, U.K., nutzt hier die Schema-Theorie als Grundlage der pädagogischen Arbeit. Auch das 2001 in Berlin gegründete erste Early Excellence Centre Deutschlands, das Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße, hat diesen Ansatz weitgehend übernommen. Die Theorie basiert auf Piagets Arbeit zur kognitiven Entwicklung und geht davon aus, dass Kinder durch die Anwendung und Weiterentwicklung von Verhaltensmustern, den so genannten Schemas, ihre kognitive Entwicklung positiv beeinflussen. Unter anderem dient das Schemata-Modell als Beobachtungsverfahren, aber auch als Möglichkeit, für pädagogische Fachkräfte mit den Eltern über die spezifischen Lernprozesse ihrer Kinder ins Gespräch zu kommen (vgl. Wilke in Hebenstreit-Müller et al. 2004, 46-54).
Diplomarbeit
»Schemas«
Frühkindliche Verhaltensmuster als
Ausgangspunkt sozialpädagogischen Handelns
Hochschule Esslingen
Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
Studiengang Soziale Arbeit
Autorin: Katrin Edelmann
Esslingen, 21. April 2008
Danksagung
Mein besonderer Dank richtet sich an die St. Josef gGmbH in Stuttgart und hier besonders an die Erzieherinnen der Kita 7, die durch ihre Offenheit und ihr Interesse zu einer angenehmen Zusammenarbeit beigetragen haben.
Ich danke meiner Familie dafür, dass sie mir mein Studium ermöglicht hat und insbesondere meinem Vater, der mir stets mit Rat und Tat zur Seite steht. Außerdem meinen Schwestern Grit und Julia, die immer für mich da sind.
Nicht unerwähnt bleiben sollen diejenigen, die heute leider nicht mehr bei mir sein können Danke Mama, danke Lukas!
Ein großer Dank geht an Simone die beste Tagesmutter der Welt.
Außerdem möchte ich mich ganz herzlich bei Bärbel für ihre geduldige und gewissenhafte Unterstützung bedanken.
Aus tiefstem Herzen danke ich Jörg für einfach alles was er für mich ist!
Ich danke meiner wundervollen Tochter Greta ihr sei diese Arbeit gewidmet.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 7
1.1 Begründung der Themenauswahl 8
1.2 Aufbau der Arbeit 8
2. Early Excellence der positive Blick auf das Kind 10
2.1 Konzept des Early Excellence Centre 11
2.1.1 Bildung der Kinder 12
2.1.2 Eltern 14
2.1.3 Gemeinwesen 16
2.1.4 Forschungsanspruch 17
3. Schemas in der Theorie 19
3.1 Entwicklungstheoretische Grundlagen nach Piaget 22
3.2 Kritik der Wissenschaft an Piaget 26
3.3 Strukturalismus vs. Poststrukturalismus 29
4. Early Excellence Centre Schemas 30
5. Schemas in der Praxis 37
5.1 Beobachtungsinstrumente 37
5.1.1 Die Leuvener Engagiertheitsskala für Kinder LES-K 38
5.1.2 Bildungs- und Lerngeschichten 41
5.2 Praktische Arbeit mit Schemas 45
5.2.1 Dokumentation 47
5.2.2 Kooperation mit den Eltern 53
Seite 4
6. Begleitung der praktischen Arbeit in Stuttgart 57
6.1 Grobkonzeption der St. Josef gGmbH 58
6.2 Ressourcenorientierte Beobachtung 59
6.2.1 Coaching 61
6.2.2 Beobachtungssequenzen 62
6.2.3 Analyse der Beobachtungen 64
6.2.4 Auswertung der Übungsphase 67
7. Auswertung 69
8. Ausblick 72
9. Literaturliste 73
10. Anhang - Formblätter 77
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Abkürzungsverzeichnis
EEC - Early Excellence Centre
ELISA - Elternintensivtraining
EPPE - Effective Provision of Pre-School Education
HzE - Hilfen zur Erziehung Kita Kindertagesstätte
OECD - Organisation for Economic Co-operation and Development
PICL - Parents Involvement in their Children′s Learning
PISA - Programme for International Student Assessment
PLOD - Possible Lines of Direction
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Pen Green Loop
Abbildung 2: Eisbergmodell
Abbildung 3: PLOD-Tabelle
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1. Einleitung
,,The best way to prepare children for their adult life is to give them what they need as children"
(Tina Bruce)
Bildung ist neben einer adäquaten Befriedigung der Grundbedürfnisse, eine wichtige
Voraussetzung für nachhaltige menschliche Entwicklung. Durch neue Erkenntnisse
aus dem Bereich der Hirnforschung, jedoch auch im Zuge der Veröffentlichung der
ersten PISA-Studie 2001, wurde vor allem der Elementarpädagogik immer mehr
didaktische Aufmerksamkeit zuteil. Kindertagesstätten sollen sich als Bildungseinrichtung verstehen, welche die Kinder in ihren individuellen Entwicklungsprozessen
aktiv unterstützt. Gemeint sind hier alle Kinder, denn jeder Mensch hat ein Recht auf
Bildung und darf laut Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland
nicht aufgrund seiner Herkunft benachteiligt werden. Dessen ungeachtet, konstatieren
verschiedene Untersuchungen, darunter die OECD-Bildungsstudie, eine bildungsspezifische Benachteiligung von Gruppen mit geringem sozioökonomischem Status.
Auf der Internetpräsenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heißt es
dazu:
,,In keinem anderen Industriestaat entscheidet die soziale Herkunft so sehr über den Schulerfolg und die Bildungschancen wie in Deutschland"
(Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2008).
Kindertageseinrichtungen, welche nach dem englischen Early-Excellence-Ansatz
arbeiten, setzen genau hier an. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern aus
bildungsfernen Familien dieselben Entwicklungschancen zu ermöglichen, wie
Gleichaltrigen mit stabiler sozioökonomischer Herkunft. Kindliche Bildungsprozesse
sollen unter Beteiligung der Eltern begleitet, dokumentiert und durch ein reichhaltiges
pädagogisches Angebot unterstützt werden. Das erste so genannte ,,Centre of
Excellence", das Pen Green Centre in Corby, U.K., nutzt hier die Schema-Theorie als
Grundlage der pädagogischen Arbeit. Auch das 2001 in Berlin gegründete erste Early
Excellence Centre Deutschlands, das Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße, hat
diesen Ansatz weitgehend übernommen. Die Theorie basiert auf Piagets Arbeit zur
kognitiven Entwicklung und geht davon aus, dass Kinder durch die Anwendung und
Weiterentwicklung von Verhaltensmustern, den so genannten Schemas, ihre kognitive
Entwicklung positiv beeinflussen. Unter anderem dient das Schemata-Modell als
Beobachtungsverfahren, aber auch als Möglichkeit, für pädagogische Fachkräfte mit
den Eltern über die spezifischen Lernprozesse ihrer Kinder ins Gespräch zu kommen
(vgl. Wilke in Hebenstreit-Müller et al. 2004, 46-54). Im Rahmen vorliegender Arbeit soll diese
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Methode in Theorie und Praxis beleuchtet werden. Am Beispiel des Kinder- und Familienzentrums St. Josef in Stuttgart wird aufgezeigt, wie mit dem Schemata-Modell in der alltäglichen Arbeit einer Kindertagesstätte umgegangen werden kann.
1.1 Begründung der Themenauswahl
Während des Hauptstudiums hatte ich im Rahmen des Wahlbereichs ,,Arbeit in Fachberatung und Fachschulen" die Möglichkeit, unterschiedliche pädagogische Konzeptionen und Curricula kennen zu lernen und diese miteinander zu vergleichen. Die Philosophie der englischen Early Excellence Centres hat mich hier von Anfang an fasziniert und mich motiviert, mehr über die pädagogische Arbeit dieser Einrichtungen zu erfahren. Während einer Gruppenarbeit zu diesem Thema stieß ich bei meiner Literaturrecherche auf die so genannte Schema-Theorie als Ausgangspunkt sozialpädagogischen Handelns. Beim Versuch mehr über diese Schemas herauszufinden, konnte ich feststellen, dass es kaum deutschsprachige Literatur gibt, welche dieses Thema kompakt zusammenfasst und in Theorie und Praxis darstellt. Rückblickend betrachtet gab dies den Anstoß, mich im Rahmen meiner Diplomarbeit näher mit dem Schemata-Modell auseinanderzusetzen.
1.2 Aufbau der Arbeit
Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit soll kurz die Entstehung der Early Excellence Centres skizziert und im Anschluss Konzepte und Leitgedanken dieses pädagogischen Ansatzes in Bezug auf Kinder, Eltern und Gemeinwesen dargestellt werden. Anschließend wird auf die theoretischen Grundlagen des Schemata-Modells eingegangen, wobei hier in erster Linie die entwicklungspsychologischen Theorien von Piaget, aber auch deren Weiterentwicklung durch Chris Athey von Bedeutung sind. Auch die Kritik der Forschungsgemeinschaft an diesen Theorien wird im Rahmen dieses Kapitels aufgezeigt. Im Anschluss an die tabellarische Darstellung von insgesamt 41 Schemas wird die praktische Arbeit mit diesen Handlungsmustern erläutert und unterschiedliche Instrumentarien zur Kinderbeobachtung dargestellt. Anhand eines exemplarischen Portfolios aus dem Pen Green Centre in Corby, soll diese Form der Bildungsdokumentation vorgestellt werden. Auch die besondere Bedeutung der Kooperation zwischen Eltern und Fachkräften wird in diesem Kapitel berücksichtigt.
Um einen Einblick in die Praxis zu geben, werde ich in Kapitel 6 die pädagogische Arbeit der Kita 7 des Kinder- und Familienzentrums St. Josef in Stuttgart-Ost
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beschreiben. Nach dem Familienzentrum Schillerstraße in Berlin soll diese Einrichtung das zweite Early Excellence Centre Deutschlands werden. Die Umstellung auf den Early-Excellence-Ansatz hat dort im Herbst 2007 begonnen und nimmt momentan immer mehr Gestalt an. Im Rahmen dieser Arbeit hatte ich die Möglichkeit, an mehreren Coaching-Veranstaltungen für Fachkräfte der St. Josef gGmbH zum Thema Beobachtung und Dokumentation teilzunehmen. Die Ergebnisse innerhalb dieser Coachings werde ich in Kapitel 6 ausführlich beschreiben. Die während dieser Übungsphase entstandenen Beobachtungssequenzen sind schriftlich, jedoch auch per Video dokumentiert und sind auf beiliegender DVD verfügbar.
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Katrin Edelmann's Text "Schemas" - Frühkindliche Verhaltensmuster als Ausgangspunkt sozialpädagogischen Handelns ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
20.10.2008 08:20:22
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08.10.2008 11:28:53
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