Deutsches Abstract 2
Deutsches Abstract
Die vorliegende Diplomarbeit soll die Möglichkeiten für Frauen in Schwarzafrika ge- genüber der dortigen Situation durch HIV/AIDS darstellen. Zunächst wird ein Überblick über die HIV-Infektion und die Krankheit AIDS an sich gegeben, über Therapiemög- lichkeiten, Medikamentenversorgung und die Unterschiede in den Übertragungswegen zwischen den westlichen Ländern und Schwarzafrika. Dann wird über die Situation der Frauen und Mädchen in Schwarzafrika berichtet, in Bezug auf Religion, Kultur und Tradition, ihrem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Status, ihre Situati- on durch Prostitution, Bildungs- und Gesundheitswesen. Außerdem wird die Stigmati- sierung HIV-Infizierter thematisiert. Im weiteren Verlauf werden die Auswirkungen von HIV/AIDS auf die schwarzafrikanische Gesellschaft betrachtet, die allgemeinen wirt- schaftlichen Auswirkungen, das Lehrer- und Ärzte- Sterben und auf die Situation der AIDS-Waisen eingegangen. Im Kapitel AIDS-Education werden die Gründe für die ex- treme Ausbreitung von HIV in Schwarzafrika vorgestellt, die Arten, Arbeitsweisen und Schwierigkeiten der Hilfsorganisationen beschrieben und abschließend die Möglichkei- ten für Frauen in Schwarzafrika noch einmal resümiert. Die Bedeutung von Kunst im Bereich AIDS-Aufklärung wird angesprochen. Weiter werden verschiedene Projekte einiger ausgewählter Hilfsorganisationen vorgestellt, welche speziell Frauen in Schwarzafrika unterstützen oder spezielle HIV/AIDS-Projekte durchführen. Zum Ab- schluss wird Uganda als vorbildliches Land Schwarzafrikas bezüglich der HIV/AIDS- Prävention vorgestellt.
Schlagwörter: Afrika, Schwarzafrika, AIDS, AIDS-Education, HIV, Frauen, AIDS- Prävention
English Abstract
This thesis intends to describe the possibilities of women and girls in Sub-Saharan Africa, faced to the situation caused by HIV/AIDS there. At first, an overview about the HIV-infections and the disease AIDS itself is given, also about therapies and the supply with medicaments. The differences between the western countries and Sub-Saharan Africa in the way of transfer of HIV are showed. Then the situation of women and girls in Sub-Saharan Africa is reported, referring to religion, culture and tradition, their economic, social and political status, their situation caused by prostitution, also the system of education and health care there is showed. Further the stigmatizing of people, infected with HIV, is considered. After that, the effects of HIV/AIDS on the Sub- Saharan society, its effects on their economy, the dying of teachers and doctors caused by HIV/AIDS and the situation of the children, orphaned by AIDS, are viewed. In the chapter “AIDS-Education”, the reasons for the extreme expansion of HIV in Sub- Saharan Africa are showed, the kind of aid organizations, their different working
English Abstract 3
methods and their difficulties in the Sub-Saharan countries are visualized and finally the possibilities for women in Sub-Saharan Africa are summarized. The significance of art for the AIDS-Education is mentioned. Further some different projects of selected aid organizations, which specially giving help to women in Sub-Saharan Africa or lead some special HIV/AIDS projects, are presented. Finally, Uganda is presented as an exemplary land of Sub-Saharan Africa in case of HIV/AIDS prevention. Keywords: Africa, Sub-Saharan Africa, AIDS, AIDS-Education, HIV, Women, AIDS- Prevention
Inhaltsverzeichnis 4
Inhaltsverzeichnis
Deutsches Abstract 2
English Abstract 2
Inhaltsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 7
Tabellenverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 8
1 Einleitung 9
1.1 Warum das Thema AIDS-Education: Möglichkeiten für Frauen in
Schwarzafrika 9
1.2 Definition Schwarzafrika 10
1.3 Definition AIDS Education 10
1.4 Zur Methodik 10
2 AIDS 12
2.1 Definition AIDS 12
2.1.1 AIDS-Subtypen 12
2.1.2 Schwächung des Immunsystems durch HIV 13
2.2 Krankheitsverlauf 13
2.2.1 Inkubationszeit 14
2.2.2 Phasen der HIV-Infektion und HIV-Tests 14
2.3 Übertragungswege 16
2.3.1 Unterschiedliche Übertragungswege in industrialisierten Ländern und in
Afrika 18
2.4 Risikogruppen 19
2.5 Schutzmöglichkeiten 19
2.6 Prävention 20
2.7 Therapie und Impfstoffforschung 21
2.7.1 Therapie 21
2.7.2 Weltweiter Zugang zu antiretroviralen Medikamenten 22
2.7.3 Impfstoffforschung 23
2.8 Auftreten von HIV-Infektionen in Afrika 2001 24
3 Beschreibung der Situation der Frauen und Mädchen in Schwarzafrika 26
3.1 Kultur und Tradition 26
3.1.1 Der Einfluss der Religionen in Schwarzafrika 27
Inhaltsverzeichnis 5
3.2 Wirtschaftliche gesellschaftliche und politische Stellung der Frauen in
Schwarzafrika 30
3.2.1 Prostitution 31
3.3 Bildungs und Gesundheitswesen 32
3.3.1 Bildungsmöglichkeiten in Schwarzafrika 32
3.3.2 Gesundheitsversorgung in Schwarzafrika 34
3.4 Stigmatisierung und Ausgrenzung HIV-Infizierter 36
4 Auswirkungen von AIDS auf die schwarz-afrikanische Gesellschaft 37
4.1 Gründe für die extreme Ausbreitung von AIDS in Schwarzafrika 37
4.2 Wirtschaftliche Auswirkungen 38
4.2.1 Lehrer und Ärzte-Sterben 40
4.2.2 AIDS-Waisen 41
5 AIDS Education 43
5.1.1 Warum AIDS-Education 43
5.1.2 Zielgruppen in Schwarzafrika 44
5.2 Arten von Hilfsorganisationen 44
5.2.1 Arbeitsweise und mittel der Hilfsorganisationen in Schwarzafrika 45
5.2.2 Arbeitsbereiche für die Hilfsorganisationen in Schwarzafrika 47
5.2.3 Hindernisse für die Hilfsorganisationen in Schwarzafrika 48
5.2.4 Kunst und AIDS 49
5.3 Möglichkeiten für Frauen in Schwarzafrika 50
6 Ausgewählte AIDS-Projekte verschiedener Hilfsorganisationen in
Schwarzafrika 52
6.1 Die GTZ und ihr Aids-Projekt in der Mbeya-Region Tansania 52
6.1.1 Tansania: AIDS-Bekämpfung in der Mbeya-Region 53
6.2 Brot für die Welt 54
6.2.1 AIDS das Schweigen durchbrechen 55
6.3 Gemeinsam für Afrika 55
6.4 Kindernothilfe e V 57
6.4.1 Sambia: Women for Change 58
6.4.2 Friends of the Orphans: Gemeinwesenentwicklung 59
6.5 DaimlerChrysler und die GTZ in Südafrika 60
7 Exkurs: AIDS-Prävention in Uganda 62
7.1 Was ist so besonders in Uganda im Bereich AIDS-Prävention 62
7.2 TASO 63
7.3 Youth to Youth 64
8 Ausblick 66
Anhang A: Karte des afrikanischen Kontinents 68
Anhang B: Übersichts-Karte zur Religionsverteilung in Afrika 69
Inhaltsverzeichnis 6
Glossar ...................................................................................................................... 70
Literaturverzeichnis .................................................................................................. 73
Abbildungsverzeichnis 7
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: HIV-Teststreifenschnelltest 15
Abbildung 2: HIV-Übertragung in industrialisierten Ländern in Prozent im Jahr
2001 18
Abbildung 3: HIV-Übertragung in Afrika in Prozent im Jahr 2001 18
Abbildung 4: Ebenen der Gesundheitsversorgung in Schwarzafrika 34
Abbildung 5: Gemeinsam für Afrika 57
Abbildung 6: Kindernothilfe e V Women for Change 58
Abbildung 7: Kindernothilfe e V Friends of the Orphans 60
Abbildung 8: Initiative Youth to Youth Übersichtskarte Uganda 64
Abbildung 9: Afrikanischer Kontinent 68
Abbildung 10: Religionsverteilung in den afrikanischen Staaten 69
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Zugang zu und tatsächlicher Bedarf an ARV-Therapie in
Entwicklungsländern 22
Tabelle 2: HIV-Prävalenz in Teilen Afrikas im Jahr 2001 24
Abkürzungsverzeichnis 8
Abkürzungsverzeichnis
ADRA Adventist Development and Relief Agency (Adventistische Ent-
wicklungs- und Katastrophenhilfe)
AIDS Acquired Immune Deficiency Syndrome
ASB Arbeiter-Samariter-Bund
ASFA Aids Foundation South Africa
AWO Arbeiterwohlfahrt
BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
CCF Christian Children’s Fund (Christlicher Kinderfonds)
CSW Commercial Sex Worker
DAH Deutsche AIDS-Hilfe e.V
DSW Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
EKD Evangelische Kirche Deutschland
GTZ Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH
HIV Human Immunodeficiency Virus
IWF Internationaler Währungsfond
OECD Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit
PcP Pneumocystis-carinii-Pneumonie (schwere Lungenentzündung)
UN(O) Vereinte Nationen
UNAIDS: Joint United Nations Programme on HIV/AIDS (Gemeinsames Pro-
gramm von 8 UN- Organisationen zur HIV- Bekämpfung)
UNFPA United Nations Population Fund
UNICEF United Nations International Children´s Emergency Fund
WHO Weltgesundheitsorganisation
WTO World Trade Organisation (Welt-Handels-Organisation)
1 Einleitung 9
1 Einleitung
Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Thema AIDS in Schwarzafrika mit dem speziellen Augenmerk auf die Situation der Frauen und Mädchen in Schwarzafrika.
AIDS hat in Afrika eine besonders verheerende Wirkung. Der Kontinent ist durch die
schon von jeher vorhandene Armut, den Versorgungsnöten mit Wasser und Nah- rungsmitteln, den zahlreichen Epidemien durch andere Krankheiten, wie z.B. Malaria, Dengue-Fieber und Cholera und den geringen Bildungsmöglichkeiten der Gesamtbe- völkerung ohnehin besonders belastet. Durch das weltweite Aufkommen von AIDS und seine außergewöhnlich schnellen Verbreitungsmöglichkeiten in Afrika, die in dieser Arbeit näher beleuchtet werden, ist der Kontinent mehr als je zuvor in Not geraten. Das Ausmaß dieser Pandemie in Afrika ist weltweit einzigartig und besonders dramatisch. Die Prognose der Vereinten Nationen, die von über 68 Millionen AIDS- Toten in den kommenden 20 Jahren ausgeht, 1 ist erschreckend.
Die Folgen der HIV/AIDS-Ausbreitung sind aber für die Frauen, und damit auch der Kinder, in Schwarzafrika besonders schwerwiegend aufgrund der afrikanischen gesell- schaftlichen Strukturen. Frauen sind in Afrika trotz unserer modernen und aufgeklärten Zeit nach wie vor schlechter gestellt als in unseren Breiten und haben mit Schwierigkei- ten in allen gesellschaftlichen Bereichen zu kämpfen. Deshalb wurde dieses Leitmotiv „Möglichkeiten für Frauen in Schwarzafrika“ ausgewählt.
In dieser Arbeit werden zunächst grundlegende Informationen zu HIV/AIDS dargestellt. Danach wird die spezielle Situation der Frauen und Mädchen in Schwarzafrika im Hin- blick auf Kultur, Tradition, Religion, Bildung, medizinische Versorgung und den wirt- schaftlichen Gegebenheiten beleuchtet, ebenso wird auf die Ausgrenzung und Stigma- tisierung der HIV-infizierten Frauen eingegangen. Das Kapitel AIDS-Education geht umfassend auf die Problematik in den schwarzafrikanischen Ländern ein, warum es so schwierig ist, AIDS und HIV wirkungsvoll einzudämmen. Die Präsentation ausgewähl- ter Projekte verschiedener Hilfsorganisationen und die Sonderstellung Ugandas bei der AIDS-Prävention runden die Arbeit ab.
1.1 Warum das Thema „AIDS-Education: Möglichkeiten für
Frauen in Schwarzafrika“?
Die Idee zu dieser Arbeit entstand durch die zunehmende Thematisierung des HIV/AIDS-Problems in den Medien und förderte meinen Wunsch, sich intensiv mit die- ser Problematik zu beschäftigen. Die Entscheidung zu diesem Thema fiel auch letztlich durch das Aufgreifen des AIDS- Problems in Afrika in der Serie „Lindenstrasse“, in der
1 Vgl. Informationen zur 14. Internationalen AIDS-Konferenz in Barcelona. In: www.learn- line.nrw.de. Zugriff am 15.10.2003.
1 Einleitung 10
seit der am 16.März 2003 ausgestrahlten Folge Nr. 902 mit dem Titel „Einer für mein Baby“ dieses Thema erneut in die Serie einfloss. Die Serie „Lindenstrasse“ nimmt sich seit ihres Sendebeginns vor 18 Jahren regelmäßig gesellschaftlich brisanter Themen an um die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und nutzt ihre Popularität, um In- formationen zu verbreiten und Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen, wie z.B. bei dem Thema Homosexualität. Zu ihrem Erfolg im Zusammenhang mit dem Thema HIV/AIDS möchte ich folgendes zitieren: „Auch im Zusammenhang mit dem Thema
AIDS wurde der "Lindenstraße" große aufklärerische Wirkung zugeschrieben. Als die
Figur Benno Zimmermann 1988 in der Serie an der Immunschwäche erkrankte, melde- te die Nachrichtenagentur dpa im Oktober desselben Jahres einen sprunghaften An- stieg der Anrufe bei nordrhein-westfälischen AIDS-Beratungsstellen.“ 2 Durch die le- bensnahe und ergreifende Darstellung der Tragik, die die Immunschwäche AIDS in das Leben der Darstellerin gebracht hatte, entschloss ich mich diese Themenstellung als Inhalt für mein Diplom vorzuschlagen.
1.2 Definition Schwarzafrika
Unter Schwarzafrika sind alle Länder südlich der Sahelzone zu verstehen. Heutzutage wird auch Südafrika dazugezählt, es war früher davon ausgenommen. Schwarzafrika unterscheidet sich in kultureller, historischer und politischer Sicht von Nordafrika, wobei dennoch keine exakte Trennlinie gezogen werden kann, vor allem durch die fortwäh- rende Zunahme des Islam in den nördlich gelegenen schwarzafrikanischen Ländern, die eine Vermischung der arabischen Kultur aus Nordafrika mit der afrikanischen Kultur des Südens mit sich bringt.
1.3 Definition AIDS- Education
Education (engl.), bedeutet ins Deutsche übersetzt: Erziehung, Ausbildung, Bildung. Unter AIDS- Education kann man alle Handlungen und Vorgänge verstehen, die darauf abzielen, die Gesamt-Bevölkerung eines Landes oder Teile davon, umfassend über
HIV und AIDS aufzuklären, ihnen Präventionsmöglichkeiten vorzustellen und gegebe-
nenfalls die Behandlung und die Pflege bereits Erkrankter zu erläutern. Dies kann sich positiv auf Vorurteile, Ängste und Ausgrenzung erkrankter Personen auswirken und soll eine Verhaltensänderung im Hinblick auf die AIDS-Prävention nach sich ziehen.
1.4 Zur Methodik
Die Informationen zu dieser Diplomarbeit bestehen vorwiegend aus Auswertungen aus deutschsprachigen Büchern zum Thema, aber auch das Internet mit zahlreichen Arti- keln aus online verfügbaren Zeitungen und Zeitschriften des deutsch- und englisch-
2 Homosexualität Teil 2: In:www.lindenstrasse.de. Zugriff am 26.09.2003.
1 Einleitung 11
sprachigen Raumes bietet umfassende Informationsmöglichkeiten. Ebenso sind die meisten Hilfsorganisationen und internationalen Verbände im Internet vertreten und bieten online Informationen und/oder bestellbare Informationsschriften an. Die Seriosi- tät der hierfür gewählten Internetquellen steht größtenteils nicht in Zweifel, da es sich zumeist um bekannte und bedeutende Institutionen handelt, denen im allgemeinen Vertrauen entgegen gebracht werden kann. Selbstverständlich vertraue ich dennoch keinesfalls blind den dargebotenen Fakten, sondern wähle kritisch meine Zitate für diese Arbeit aus. Als alternative Quelle habe ich noch zusätzlich zum Thema Afrika und/oder AIDS, Filme vom Landesfilmdienst Baden-Württemberg ausgeliehen, um mir zusätzlich ein Bild der Situation in Afrika zu machen.
2 AIDS 12
2 AIDS
Nachfolgendes Kapitel will die Begriffe „HIV-Infektion“ und „AIDS“ erläutern, den Ver- lauf des Syndroms AIDS, die Übertragungsmöglichkeiten und Risikogruppen nennen und abschließend einen Überblick zum gegenwärtigen Stand der Wissenschaft über HIV/AIDS geben.
2.1 Definition AIDS
AIDS steht für die englische Bezeichnung „Acquired Immune Deficiency Syndrome“,
was zu deutsch „Erworbener Immundefekt“ bedeutet 3 . Ein Immundefekt des Körpers bedeutet, dass die Abwehrfunktionen des menschlichen Körpers gegenüber Krank- heitserregern aller Art und Form abgeschwächt ist.
Ursache für AIDS ist eine Infektion mit dem Retrovirus HIV,- „Human Immunodeficien- cy Virus“, was zu deutsch „menschliches Immundefekt-Virus“ bedeutet. Die ersten Fäl- le von AIDS wurden 1981 bei jungen Homosexuellen in den USA erkannt. 4 Das HIV- Virus wurde 1983/84 entdeckt. Durch das spätere Entdecken eines weiteren HIV- Virustyps wurden diese in HIV-1und HIV-2 unterteilt.
2.1.1 AIDS-Subtypen
Die Subtypen (Untergruppen) des HIV-1-Virus weisen spezielle Merkmale auf und kommen je nach Kontinent auch unterschiedlich häufig vor. HIV-2 hat keine weitere Unterteilung in Subtypen.
Da sich das Virus auf molekularer Ebene ständig verändert, wurde HIV-1, um die gene- tische Variabilität zu klassifizieren, in die Untergruppen M, O, und N unterteilt. Die wichtigste M-Gruppe wurde weiterhin in 11 Subtypen (A, B, C,..) unterteilt, die regional unterschiedlich auftreten. 5 Subtyp C ist beispielsweise der verbreitetste Subtyp und ist für 50% aller Neuinfektionen verantwortlich und hauptsächlich im südlichen Afrika, In- dien und Äthiopien verbreitet. Das gleiche gilt für die Subtypen A, D und E, die eben- falls in Afrika und Südostasien für die meisten Neuinfektionen verantwortlich sind. In Europa und den USA ist Subtyp B stärker verbreitet. HIV-1 ist auf allen Kontinenten zu finden, während HIV-2 hauptsächlich in Westafrika verbreitet ist 6 . Außerdem soll HIV-2
3 Vgl. Deutsche Aids-Hilfe e.V., (2002), S.3.
4 Vgl. Benner, K.U. (Hrsg.), (1994), S.48.
5 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.11.
6 Vgl. Raonline.ch. o.V. In: www.raonline.ch. Zugriff am 17.09.2003.
2 AIDS 13
nach den bisher vorliegenden Untersuchungen weniger aggressiv sein, als HIV-1. Es kommen allerdings auch Doppelinfektionen vor. 7
2.1.2 Schwächung des Immunsystems durch HIV
Das Immunsystem des menschlichen Körpers hat die Aufgabe, eingedrungene Krank- heitserreger, wie z.B. Bakterien, Pilze oder Viren unschädlich zu machen. Das HI-Virus befällt die für das Immunsystem wichtigen sogenannten CD4-Zellen, (diese Helferzel- len sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die u.a. andere Abwehrzellen des Immunsystems steuern), und vermehrt sich in ihnen. 8 Durch diesen Vorgang und die darauffolgende Freisetzung der HI-Viren gehen aber nach einiger Zeit die CD4- Zellen zugrunde, weshalb die Zahl der CD4-Zellen ein Maß für das Fortschreiten der HIV-Infektion im Körper darstellt. Der Normwert liegt bei 600-1300 Zellen pro Mikroliter Blut. 9 Dieser Wert nimmt in der Regel 4-6 Jahre nach der Infektion kontinuierlich ab, bis das Immunsystem vollständig zusammenbricht. Als krankheitsdefinierend für AIDS gilt eine Zahl von unter 200 Zellen pro Mikroliter Blut. 10 Durch die Tatsache, dass das HI-Virus in den Wirtszellen steckt, kommen die durch die Abwehrreaktion gebildeten Antikörper nicht an das Virus heran und können somit auch nicht unschädlich gemacht werden.
2.2 Krankheitsverlauf
AIDS ist ein Syndrom verschiedener Symptome und Krankheitsbilder, das durch die
Infektion mit dem HI-Virus und die daraus resultierende Schwächung des Immunsys- tems hervorgerufen wurde. Jede HIV-Infektion läuft unterschiedlich ab, teilweise mit starken Schwankungen im Krankheitsverlauf, und entwickelt unterschiedliche Krank- heitsbilder. AIDS ist die letzte Phase der HIV-Infektion und drückt sich in verschiedens- ten und gehäuften, sogenannten „opportunistischen“ Infektionen, aus. 11 Beispiele für opportunistische Infektionen:
Lungenentzündungen (PcP) Tuberkulose (v.a. in Afrika)
Durchfallerkrankungen
Gehirnhautentzündungen
7 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.11.
8 Vgl. Deutsche Aids-Hilfe e.V., (2002), S.4.
9 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.12.
10 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.13.
11 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.11.
2 AIDS 14
2.2.1 Inkubationszeit
Die Inkubationszeit, das ist der Zeitraum zwischen der Ansteckung mit dem Virus und dem Auftreten der Krankheitssymptome, ist bei HIV/AIDS sehr unterschiedlich lang. Es gibt Menschen, die noch mehr als 10 Jahre nach der Ansteckung symptomfrei sind, während andere bereits nach wenigen Jahren ein „AIDS-Vollbild“ 12 zeigen. In Afrika und anderen Entwicklungsländern liegen die Inkubationszeiten meist niedri- ger, verursacht durch mangelnde Ernährung und medizinische Versorgung, kaum Hy- giene. 13 Bei Neugeborenen und Kleinkindern kann die Inkubationsphase ebenso wesentlich verkürzt sein durch die Gegebenheit, dass das Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. 14 Grundsätzlich ist daraus abzuleiten, dass eine gute körperliche Verfassung, medizini- sche Unterstützung und gesunde Lebensweise den Zusammenbruch des Immunsys- tems hinauszuzögern vermag.
2.2.2 Phasen der HIV-Infektion und HIV-Tests
In der ersten Phase der HIV-Infektion, sprich in den ersten Wochen nach der Anste- ckung, beginnt im Körper des Patienten die starke Vermehrung des HI-Virus. Meist treten dabei grippeähnliche Symptome auf, der sogenannte „Primärinfekt“. 15 Dieser wird aber in der Regel nicht mit einer HIV-Infektion in Verbindung gebracht und wird dadurch auch von Ärzten als Grippe fehldiagnostiziert. Theoretisch wäre aber schon nach 1-2 Wochen ein Antigen-Test möglich, der das HIV-p24-Antigen im Blut nachwei- sen könnte, allerdings nur für einen kurzen Zeitraum, danach ist das Gen meist nicht mehr nachzuweisen. Ebenso wäre nach 1-2 Wochen eine spezifische Untersuchung mit Hilfe von PCR , der „Polymerase-Kettenreaktion“ (siehe Glossar) möglich. 16 „Window period“: Das Kritische an zu früh durchgeführten HIV-Tests, ist die „Window period“, zu deutsch „Fensterperiode“. Erst nach 6-8 Wochen beginnt der Körper des Patienten mit der Produktion von spezifischen Antikörpern. Dies ist in Bezug auf die Fensterperiode problematisch, weil die gebräuchlichen Anti-HIV-Tests das Vorhanden- sein von Antikörpern suchen und nicht nach dem Virus an sich. Im allgemeinen geht man von bis zu 12 Wochen aus, die man bis zum Einsatz dieses Tests warten sollte. 17 Das Schlimme an diesem Umstand ist, dass man durch den negativ ausgefallenen HIV-Test ohne es selbst zu wissen andere anstecken kann, da man sich gesund wähnt. Bei Kindern, die von einer HIV-positiven Mutter geboren sind, ist ein HIV-Test
12 Benner, K.U. (Hrsg.), (1994), S.62.
13 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.11.
14 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.11.
15 Vgl. Deutsche Aids-Hilfe e.V., (2002), S.7.
16 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.12.
17 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.12.
2 AIDS 16
erst durch einen Wiederholungstest, den sogenannten „Western Blot“ bestätigt wer- den. 20 Symptomfreie Phase: Nach dem Primärinfekt verläuft die HIV-Infektion zunächst asymptomatisch, und dies meist viele Jahre lang. Im Körper werden allerdings nach wie vor Viren produziert und diese schädigen weiterhin das Immunsystem. 21 Phase mit allgemeinen Symptomen: Eines Tages treten dann allgemeine Symptome auf, wie andauernde Lymphknotenschwellungen, Fieber, starker Nachtschweiß, Ge- wichtsabnahme, Soor (Pilzinfektion in der Mundhöhle) und schwere Durchfälle. 22 Die Kombination diesen Symptomen wie Lymphknotenschwellungen, Fieber und Ge- wichtsabnahme und anderes bezeichnet man auch als den „AIDS-Related-Complex“ (ARC). Dieser tritt vor dem schwerwiegenden AIDS-Ausbruch auf und veranlasst die meisten Patienten und ihre Ärzte dazu einen HIV-Test durchzuführen. Ausbruch von AIDS: Wenn es zum „AIDS-Vollbild“ kommt, mit den in Punkt 2.2 er- wähnten opportunistischen Infektionen, ist das letzte Stadium der Krankheit erreicht. Eventuell früher erworbene Herpes Simplex-Infektionen sind eine zusätzliche Belas- tung für das Immunsystem und verschlechtern den Gesamtzustand erheblich, bzw. können zu noch gravierenderen Symptomen bei AIDS führen. 23 Außerdem spielen wahrscheinlich Infektionen mit dem Herpes Simplex Virus-2 (Verursacher des Genital- Herpes) eine große Rolle in der HIV- Übertragung. 24 Bei Überwindung der HIV-Viren der Blut-Hirn-Schranke, können auch Krankheiten des Zentralnervensystems auftreten, die zu Demenz, Nervenentzündungen und allgemein neurologischen Störungen führen. Da es nach wie vor kein Heilmittel gegen AIDS gibt, tritt früher oder später verursacht durch die schweren Erkrankungen der Tod ein. Wann dies bei dem einzelnen Patien- ten der Fall ist, hängt, ähnlich wie bei der Inkubationszeit in Kapitel 2.2.1, immer vom Gesamtstatus der Person und der jeweiligen Lebensumstände ab.
2.3 Übertragungswege
Alle Arten von HI-Viren können durch diese vier Infektionswege übertragen werden:
1. Sexualverkehr, vaginal, oral oder anal.
2. Blut und Blutprodukte, wie Blutplasma.
3. Injektionsnadeln und (medizinische) Instrumente, die mit Blut in Kontakt kom-
men, - auch beim Benutzen eines gemeinsamen Spritzbestecks (Drogenmiss- brauch).
20 Vgl. Deutsche Aids-Hilfe e.V., (2002), S.22.
21 Vgl. Deutsche Aids-Hilfe e.V., (2002), S.7.
22 Vgl. Benner, K.U. (Hrsg.), (1994), S.63.
23 Vgl. AIDS-Lexikon: In:www.hiv-aids-education.de. Zugriff am 28.09.2003. 24 Vgl. Benn, Christoph und Sonja Weinreich, (2003), S.94.
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Claudia Schwab, 2003, AIDS Education - Möglichkeiten für Frauen in Schwarzafrika, München, GRIN Verlag GmbH
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