2
Vorwort
Die Fußball Europameisterschaft im Jahr 2008 in der Schweiz und Österreich zählt zum drittgrößten Sportgroßereignis der Welt.
Die Stadt Wien war zwar schon Ausrichter von zahlreichen Sportgroßveranstaltungen (Eishockey Weltmeisterschaften, Fußball Europacupfinale, Leichtathletik Veranstaltungen und viele mehr), aber bis dato wurden die wirtschaftlichen Effekte aus solchen Ereignissen kaum beachtet bzw. nicht in schriftlicher Form berechnet und bewertet. Die nachfolgende Diplomarbeit versucht die direkten wirtschaftlichen Effekte einer Sportgroßveranstaltung anhand der Fußball EM 2008 für die Region Wien zu bewerten. Die indirekten Effekten werden nur ansatzweise betrachtet, da dies sonst den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
Meine Motivation für die wirtschaftliche Betrachtung eines Sportgroßereignisses resultiert in erster Linie aus dem Interesse an Sportveranstaltungen, der Verknüpfung aus Sport und Wirtschaft sowie keiner mir bekannten Studie aus diesem Bereich für die Region Wien.
Mein Dank gilt allen Personen und Institutionen die mich im Rahmen dieser Diplomarbeit auf die unterschiedlichste Art unterstützt haben. Besonderen Dank gebührt meinem Betreuer Prof. Dr. Gunther Maier für seine Hilfe und Geduld bei der Erstellung der Diplomarbeit, dem Österreichischen Fußball Bund für die Bewerbungsunterlagen zur Fußball Europameisterschaft, meinen Studienkollegen bei Problemlösungen im Rahmen der Diplomarbeit sowie meinen Freunden und meiner Familie für die geistige und materielle Unterstützung.
3
Inhaltsverzeichnis
KAPITEL I 10
1 Ausgangslage und Problemstellung 10
1.1 Ausgangslage 10
1.2 Problemstellung 11
1.3 Ziel der Arbeit 13
1.3.1 Hauptziele dieser Diplomarbeit 13
1.3.2 Weitere Ziele der Arbeit 13
1.3.3 Motive für diese Diplomarbeit 14
1.4 Forschungsfrage 14
1.4.1 Thesen 15
1.5 Methodisches Vorgehen 16
1.6 Begriffliche Definitionen 18
1.6.1 Zeitliche Befristung 18
1.6.2 Regionen 19
1.6.3 Direkte und Indirekte Effekte vs Auslöser 20
1.6.4 Definition Akteure Personen und Gästekategorien 21
1.6.5 Erfassungs- und Bewertungsprobleme ökonomischer Effekte 23
1.7 Gliederung der Arbeit 24
KAPITEL II 25
2 Theoretischer Teil 25
2.1 Nachfrageorientierte Analyseinstrumente (Multiplikatoreffekt) 25
2.2 Exportbasistheorie 28
2.3 Input-Output Tabelle 32
2.3.1 Hauptaussage der IO-Analyse 34
2.3.2 Theoretische Ausführung 34
2.4 Wertschöpfung 40
2.4.1 Wertschöpfungsmodell 41
2.4.2 Nettowertschöpfung 42
2.4.3 Bruttowertschöpfung 43
2.5 Sportevent Scorecard 44
2.5.1 Spezielle Form der BSC (Sportevent-Scorecard) 45
2.5.1.1 Sportevent-Scorecard Ökonomie 47
2.5.1.2 Scorecard Koeffizienten 48
KAPITEL III 49
3 Theoretische Betrachtungen der Region Wien und der Fußball EM 2008 49
A Regionsanalyse 49
3.1 Regionsabgrenzung 49
3.2 Bezirk Stadt Wien 51
3.2.1 Stadtstruktur 51
3.3 Weitere relevante Bezirke der EM 2008 in der Region Wien 54
3.3.1 Bezirk Baden 54
3.3.2 Bezirk Gänserndorf 55
3.3.3 Bezirk Mödling 56
3.3.4 Bezirk Wien-Umgebung 57
3.4 Exkurs 58
3.4.1 Entwürfe regionaler Kooperationen 58
3.5 Wichtige Indikatoren zum Zentralen Punkt der Region Wien der Stadt Wien 59
3.5.1 Soziale und kulturelle Infrastruktur in Wien 59
4
3.5.2 Bevölkerungsentwicklung und Suburbanisierung 61
3.6 Die Wirtschaftsstruktur in Wien 64
3.7 Beschäftigung in Wien 67
3.8 Tourismus in Wien 68
3.8.1 Allgemeines 68
3.8.2 Zahlen und Fakten 68
3.8.3 Unique Selling Propositions im Wien Tourismus 71
B Fußball Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz 73
3.9 Sportgroßveranstaltungen 73
3.9.1 Ökonomie 74
3.9.2 Ökologie 75
3.9.3 Soziale Wirkungen 76
3.10 Die Fußball Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz 77
3.10.1 Ausrichter-Verbände der Fußball EM 2008 77
3.10.2 Die UEFA 77
3.10.3 Der Österreichische Fußball Bund (ÖFB) 78
3.11 Fußball Europameisterschaft 79
3.12 Fußball EM 2008 81
3.12.1 Eckpunkte aus der gemeinsamen Bewerbung 82
3.12.2 Wichtige Punkte der Europameisterschaft 83
3.12.2.1 Transportwege und Möglichkeiten 83
3.12.2.2 Stadien 85
3.12.2.3 Medienzentrum 86
3.12.2.4 Unterkünfte 87
3.12.2.5 Tickets 88
3.12.3 Wien: Ernst-Happel Stadion 90
3.12.4 Trainingszentren 94
KAPITEL IV 98
4 Berechnungen 98
4.1 Einführung 98
4.1.1 Personen 98
4.1.2 Passive 99
4.1.3 Aktive 100
4.1.4 Zusammenfassend 102
4.2 Szenarien 102
4.3 Sportevent-Scorecard 105
4.3.1 Vorgehensweise (Umsatzscorecard) 107
4.3.2 Berechnungen 107
4.3.3 Interpretation der Ergebnisse 109
4.4 Exportbasiskonzept 112
4.4.1 Einleitung 112
4.4.2 Analyse der Besucherstruktur 114
4.4.3 Berechnungen 118
4.4.4 Ergebnisse der Berechnungen 125
4.5 Input-Output Rechnung 130
4.5.1 Einleitung 130
4.5.2 Passive 130
4.5.2.1 Berechnung pro Person 132
4.5.2.2 Erläuterung zu den Berechungen 133
4.5.2.3 Berechnung Gesamt 136
4.5.3 Aktive 137
5
4.5.3.1 Berechung pro Person 138
4.5.3.2 Berechung Gesamt 139
4.5.4 Interpretation der weiteren Ergebnisse 140
4.5.5 Beschäftigungsauswirkung Passive 141
4.5.5.1 Berechnung der Beschäftigungseffekte 141
4.5.5.2 Passive Gesamt 142
4.5.5.3 Beschäftigungswirkung Aktive Gesamt 144
4.6 Wertschöpfung 145
4.6.1 Graphische Darstellung und Interpretation der Ergebnisse 147
4.6.2 Berechnung der einzelnen Phasen 148
4.6.2.1 Pre Event Phase: (2002 April 2008) 148
4.6.2.2 Event Phase: Mai bis Juli 2008 149
4.6.2.3 After Event Phase: nach dem August 2008 151
4.6.3 Verwendung der Wertschöpfung 152
4.6.4 Subventionskoeffizient 153
4.6.5 Analyse des Budgets in den einzelnen Phasen mit Hilfe der IO-Tabelle 155
4.6.5.1 Pre Event Phase 155
4.7 Indirekte Effekte 158
4.7.1 Einleitung 158
4.7.2 Stadtentwicklung 158
4.7.3 Infrastrukturverbesserung (U2 Ausbau) 161
4.7.4 Imageeffekte 162
4.7.5 Gesundheit und Soziales 164
4.7.6 Ökologische Aspekte 164
KAPITEL V 166
5 Schlussbetrachtung 166
5.1 Thesen und deren Beantwortung 166
5.1.1 These I 167
5.1.1.1 Ergebnis der Sportevent Scorecard Analyse 167
5.1.1.2 Ergebnis der Exportbasistheorie 169
5.1.1.3 Stellungnahme zur These 170
5.1.2 These II 171
5.1.2.1 Beschäftigungsauswirkungen 173
5.1.2.2 Stellungnahme zur These 173
5.1.3 These III 174
5.1.3.1 Stellungnahme zur These 175
5.2 Indirekte Effekte 175
5.2.1 Stadtentwicklung 175
5.2.2 Infrastrukturverbesserung 175
5.2.3 Imageeffekte 175
5.3 Vergleichende Betrachtung 176
5.4 Schlussbemerkungen 177
Literaturverzeichnis 178
6
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Klassifizierung der Wirkung von Sportgroßveranstaltungen 11
Abbildung 2: Multiplikatoreffekt 12
Abbildung 3: Zeitplan der Fußball Europameisterschaft 18
Abbildung 4: Direkte und indirekte Auswirkungen 21
Abbildung 5: Akteure von Sportgroßveranstaltungen 22
Abbildung 6: Erfassungs- und Bewertungsprobleme 23
Abbildung 7: Model des Multiplikatoreffekts 27
Abbildung 8: Entstehung des Exportbasismultiplikators 30
Abbildung 9: Einfache IO-Tabelle 33
Abbildung 10: Einfache IO-Tabelle 35
Abbildung 11: Wertschöpfungsmodell 41
Abbildung 12: Stark vereinfachte Wertschöpfungskette 42
Abbildung 13: BSC 45
Abbildung 14: Sportevent-Scorecard 46
Abbildung 15: Sportevent-Scorecard Ökonomie 47
Abbildung 16: Sportevent-Scorecard Koeffizienten 48
Abbildung 17: Die grünen Achsen in Wien 53
Abbildung 18: Kooperationsräume in der Region Wien 58
Abbildung 19: Pendlerentwicklung 62
Abbildung 20: Beschäftigte im Tourismus in Wien 69
Abbildung 21: Ausländische Gäste in Wien 70
Abbildung 22: Nächtigungszahlen in Wien 2003 70
Abbildung 23: Durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Tagen 71
Abbildung 24: Klassifizierung von Sportgroßereignissen 74
Abbildung 25: Organisations-Komitees der EURO 2008 81
Abbildung 26: Distanzen Österreich-Schweiz 83
Abbildung 27: Messezentrum Wien (Medienzentrum) 86
Abbildung 28: Eintrittskarte mit relevanten Aufdrucken 89
Abbildung 29: Ticketverkauf 90
Abbildung 30: Anteil der Touristen- (Zuschauer) Aufenthaltsdauer 98
Abbildung 31: Zuschauer Kategorien 99
Abbildung 32: Zimmervorreservierungen (der Aktiven) 101
Abbildung 33: Anzahl an Aktiven bei der EM 2008 in Wien 101
Abbildung 34: Szenarien Gästekategorien - Ausgaben 103
Abbildung 35: Szenarien A bis C (Zuschauerzahlen) 104
Abbildung 36: Aktive der EM 2008 in der Region Wien 104
Abbildung 37: Besucherstruktur Szenarien A-C (Passive Aktive) 105
Abbildung 38: Durchschnittliche Ausgaben pro Tourist in Euro 106
Abbildung 39: Aggregierte Werte 106
Abbildung 40: Exemplarische Berechnung für die BSC 107
Abbildung 41: Gesamt ausgelöste Umsätze in Euro 109
Abbildung 42: Umsätze der Nebenausgaben der Aktiven und Passiven in Euro 109
Abbildung 43: Verteilung der Nächtigungen (Szenario max) 110
Abbildung 44: Verteilung der Umsätze auf die Szenarien in Euro (Szenario max) 110
Abbildung 45: Zusammensetzung der Umsätze in der Region Wien (Szenario A max) 111
Abbildung 46: Verteilung der Umsätze der Touristen in Euro (Tag Nacht) 111
Abbildung 47: Konsumquote - Importquote Österreich 2000 - 2003 113
Abbildung 48: Regionsabgrenzung Europa 115
Abbildung 49: Besucherstruktur der Szenarien 117
Abbildung 50: Prozentuelle Verteilung der Szenarien 118
7
Abbildung 51: Aggregierte Werte (Nebenausgaben) 119
Abbildung 52: Muster der Datentabelle 120
Abbildung 53: Muster der Berechungstabelle 120
Abbildung 54: Gesamteffekt in den verschiedenen Szenarien in Euro 125
Abbildung 55: Multiplikatoreffekt im Szenario max in Euro 125
Abbildung 56: Szenario SA - max Effekte in Euro 126
Abbildung 57: Gesamteffekt-Unterschied im Szenario A in Euro (Österreich) 126
Abbildung 58: Szenario SB-max Effekte in Euro 127
Abbildung 59: Szenario SC-max Effekte in Euro 128
Abbildung 60: Verteilung des Gesamteffekts nach Regionen 129
Abbildung 61: Gästebefragung für Österreich (Ausgaben) 130
Abbildung 62: Verteilung der Ausgaben pro Person 131
Abbildung 63: Aggregierte Werte (indirekte Ausgaben) 131
Abbildung 64: Branchenverteilung 132
Abbildung 65: Ausgaben und Produktionsanstieg pro Person in Euro (Region Wien) 135
Abbildung 66: Ausgaben und Produktionsanstieg Gesamt in Euro (Region Wien) 137
Abbildung 67: Aktive der EM 2008 in der Region Wien 137
Abbildung 68: Vergleich Aktive - Szenario C in Euro (Region Wien) 139
Abbildung 69: Branchenverteilung (Szenario )C 140
Abbildung 70: Beschäftigungswirkung Szenario C 143
Abbildung 71: Zusätzliche Arbeitsplätze (Aktive Passive) 144
Abbildung 72: Verteilung der Nettowertschöpfung in Euro 147
Abbildung 73: Pre Event Phase Nettowertschöpfung in Euro 149
Abbildung 74: Event Phase Nettowertschöpfung in Euro 150
Abbildung 75: After Event Phase Nettowertschöpfung in Euro 151
Abbildung 76: Verwendung der Wertschöpfung 152
Abbildung 77: Verteilung der Subventionen in Euro 153
Abbildung 78: Subventionskoeffizient 154
Abbildung 79: Vergleich von Subventionskoeffizienten 154
Abbildung 80: Profitierende Branchen in der Pre Event Phase 156
Abbildung 81: Beschäftigungswirkung Pre Event Phase in Euro 157
Abbildung 82: Zielgebiet der Stadtentwicklung 159
Abbildung 83: U-Bahnlinie U2 nach der Verlängerung 161
Abbildung 84: Imagebewertung der Ruder WM 2001 162
Abbildung 85: Vergleich der Beurteilung der Imageaspekte 163
Abbildung 86: Verteilung der Anreise auf verschiedene Verkehrsträger 165
Abbildung 87: Verteilung der Personengruppen 167
Abbildung 88: Total ausgelöste Umsätze in Euro 168
Abbildung 89: Verteilung der Umsätze in Euro 168
Abbildung 90: Zusammensetzung der Ausgaben pro Person in Euro (Szenario max) 169
Abbildung 91: Max Exporteffekt über alle Szenarien in Euro 169
Abbildung 92: Verteilung der Exporteffekte auf die Regionen 170
Abbildung 93: Ausgabenverteilung Passive pro Person in Euro (Szenario A) 171
Abbildung 94: Auswirkungen der Ausgaben der Besucher in Euro (Reg Wien) 172
Abbildung 95: Branchenmix auf Grund der Produktionsanstiege 172
Abbildung 96: Zusätzliche Arbeitsplätze durch die EM 2008 in der Region Wien 173
Abbildung 97: Wertschöpfung über alle Phasen in Euro 174
Abbildung 98: Subventionskoeffizient 174
Abbildung 99: Vergleichszahlen (in Mill Euro) 176
8
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Austragungsorte der Fußball EM 2008 19
Tabelle 2: Multiplikator (Zahlenbeispiel) 30
Tabelle 3: Entstehung des Exportbasismultiplikators 31
Tabelle 4: Klassifikation 38
Tabelle 5: Beispiel einer einfachen IO-Berechnung 39
Tabelle 6: Region Wien 50
Tabelle 7: Basisdaten Bezirk Baden 54
Tabelle 8: Basisdaten Bezirk Gänserndorf 55
Tabelle 9: Basisdaten Bezirk Mödling 56
Tabelle 10: Basisdaten Bezirk Wien-Umgebung 57
Tabelle 11: Quality of Life Studie 60
Tabelle 12: Bevölkerungsentwicklung in der Region Wien 61
Tabelle 13: Pendlerverflechtungen in der Region Wien 62
Tabelle 14: Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Bezirken 63
Tabelle 15: Bundesland Wien 2001 64
Tabelle 16: Betriebe und Beschäftigte nach Wirtschaftsabschnitten 2001 66
Tabelle 17: Hotelbetriebe in Wien 69
Tabelle 18: Nächtigungszahlen der letzten Jahre 69
Tabelle 19: Ausgaben pro Kopf und Tag 71
Tabelle 20: Details zu allen EM Endrunden 80
Tabelle 21: Distanzen auf der Straße in km 84
Tabelle 22: Fahrzeiten mit der Bahn in Stunden 84
Tabelle 23: Flugzeiten in Stunden 84
Tabelle 24: Stadien der EM 2008 86
Tabelle 25: Ernst-Happel Stadion Wien 92
Tabelle 26: Kosten der Umbauten am Stadion 93
Tabelle 27: Multiplikatorberechung 113
Tabelle 28: Szenario A Besucherstruktur 116
Tabelle 29: Szenario B Besucherstruktur 116
Tabelle 30: Szenario C Besucherstruktur 117
Tabelle 31: Faktor für regionale Gesamteffekte 120
Tabelle 32: Durchschnittlicher Gesamteffekt Szenario max 128
Tabelle 33: Ausgabenverteilung auf die ausgewählten Branchen (Szenario A) 132
Tabelle 34: Ausgabenverteilung auf die ausgewählten Branchen (Szenario B) 133
Tabelle 35: Ausgabenverteilung auf die ausgewählten Branchen (Szenario )C 133
Tabelle 36: Ergebnisse der IO-Tabelle (Szenario A) 134
Tabelle 37: Ergebnisse der IO-Tabelle (Szenario B) 134
Tabelle 38: Ergebnisse der IO-Tabelle (Szenario )C 134
Tabelle 39: Ergebnisse der IO-Tabelle (Szenario A Gesamt) 136
Tabelle 40: Ergebnisse der IO-Tabelle (Szenario B Gesamt) 136
Tabelle 41: Ergebnisse der IO-Tabelle (Szenario C Gesamt) 136
Tabelle 42: Ausgabenverteilung auf die ausgewählten Branchen (Aktive) 138
Tabelle 43: Ergebnisse der IO-Tabelle (Aktive) 138
Tabelle 44: Ergebnisse der IO-Tabelle (Aktive Gesamt) 139
Tabelle 45: Weitere Branchen Ergebnisse 140
Tabelle 46: Ergebnisse der IO-Tabelle Beschäftigung (Szenario A Gesamt) 142
Tabelle 47: Ergebnisse der IO-Tabelle Beschäftigung (Szenario B Gesamt) 142
Tabelle 48: Ergebnisse der IO-Tabelle Beschäftigung (Szenario C Gesamt) 143
Tabelle 49: Ergebnisse der IO-Tabelle Beschäftigung (Aktive Gesamt) 144
Tabelle 50: Wertschöpfung der Fußball Europameisterschaft 2008 in Euro 146
9
Tabelle 51: Vorleistungen (Pre Event Phase) 148
Tabelle 52: Vorleistungen (Event Phase) 150
Tabelle 53: Subventionskoeffizienten 153
Tabelle 54: Ausgabenverteilung auf die ausgewählten Branchen 155
Tabelle 55: Ergebnisse der IO-Tabelle 155
Tabelle 56: Ergebnisse IO-Tabelle Beschäftigung Pre Event Phase 157
Tabelle 57: Sportevent Scorecard Ökonomie 176
Sonstige VerzeichnisseDDDDDDD
Formel 1: Multiplikator 27
Formel 2: Gesamteinkommen 29
Formel 3: Lokaler Sektor 29
Formel 4: Zusammenhang zwischen den Einkommen 29
Formel 5: Gesamteinkommen als Funktion 30
Formel 6: Technologiekoeffizientenmatrix 36
Formel 7: Technologiematrix 36
Formel 8: Formen der Technologiematrix 36
Formel 9: kumulative Inputkoeffizienten (Version A) 37
Formel 10: kumulative Inputkoeffizienten (Version B) 37
Formel 11: Nettowertschöpfung 42
Formel 12: Bruttowertschöpfung 43
Karte 1: Bezirk Baden 54
Karte 2: Bezirk Gänserndorf 55
Karte 3: Bezirk Mödling 56
Karte 4: Bezirk Wien-Umgebung 57
Foto 1: Blick vom Kahlenberg 51
Foto 2: Blick vom Süden (Alt Erlaa) 52
Foto 3: Blick vom Norden (Bisamberg) 52
Foto 4: Ernst-Happel Stadion Wien 91
Foto 5: Ernst-Happel Stadion von innen 93
10
KAPITEL I
1 Ausgangslage und Problemstellung
1.1 Ausgangslage
Sportgroßveranstaltungen werden immer wieder als regionaler Wirtschaftsmotor bezeichnet. Vor allem im Bereich des Tourismus und der Bauwirtschaft erwartet man sich neue Aufträge bzw. Umsatzsteigerungen. Im Rahmen der Kandidatur für die Fußball Europameisterschaft 2008 wurden verschiedenste Argumente vorgebracht um diese positive Wirkung zu veranschaulichen. So zum Beispiel:
• Tourismus-Staatssekretärin Marès Rossmann betonte, dass der Zuschlag für die Fußball- Europameisterschaft 2008 von größter Wichtigkeit und Bedeutung für Österreich sei. Besonders der Tourismus wird durch dieses sportliche Großereignis profitieren. Bis zu 1 Million zusätzliche Nächtigungen werden erwartet. Ebenso bedeutet dies in etwa 4.400 neue Arbeitsplätze, die durch die Euro 2008 in der österreichischen Tourismuswirtschaft entstehen. "Aber abgesehen von der positiven Auswirkung auf Nächtigungen und Arbeitsplätze stellt dieser Mega-Event einen nachhaltigen Imagegewinn für Österreich von nicht schätzbarem Wert dar", ist Rossmann überzeugt 1 .
• Der Zuschlag für das drittgrößte Sportereignis der Welt würde in den kommenden sechs Jahren rund 6.000 neue Arbeitsplätze schaffen, als erste Branche würde laut IHS-Experten Christian Helmenstein, die ohnehin angeschlagene Bauwirtschaft profitieren 2 .
• Der wirtschaftliche und touristische Effekt von großen Sport-Events wie beispielsweise der Fußball Europameisterschaft 2008 kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, stellten heute, Donnerstag, die beiden Kärntner Abgeordneten Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer und Ing. Josef Winkler fest 3 .
• "Der Zuschlag an Österreich, gemeinsam mit der Schweiz die Fußball Europameisterschaft im Jahr 2008 auszutragen, bedeutet einen wichtigen Impuls für das Land", äußerte sich Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Dr. Martin Bartenstein erfreut über die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Vor allem die Bauwirtschaft - wegen des erforderlichen Ausbaus der Sportstätten - und die Tourismus- und Freizeitwirtschaft werden davon profitieren, aber auch der Handel wird bedeutende Impulse erfahren, ist der Minister überzeugt 4 .
1
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit 2002, online
2
Baunachrichten ,online
3
Österreichs Portal für politische Presseinformation 2004, online
4
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit 2002, online
11
Wenn man die Aussagen zusammenfasst, so kann man feststellen, dass hohe Erwartungen hinsichtlich eines öffentlichen Nutzens von Sportgroßveranstaltungen gesetzt werden. In den zugrunde liegenden Überlegungen wird davon ausgegangen, dass „die positiven Auswirkungen eines öffentlichen Gutes unteilbare externe Effekte für mehr als einen einzigen Menschen implizieren. Des Weiteren wird angenommen, dass die Ausgaben der öffentlichen Haushalte für die Fußball Europameisterschaft das Wirtschaftsleben der Region Wien positiv beeinflussen.
1.2 Problemstellung
Sportgroßveranstaltungen haben vielfältige wirtschaftliche Auswirkungen. Grundsätzlich kann zwischen kurzfristigen und langfristigen sowie angebots- und nachfrageseitigen Auswirkungen unterschieden werden. Aufgrund der Komplexität dieser Großanlässe, den vielfältigen Verflechtungen und Einflussfaktoren sowie den damit verbundenen methodischen Problemen bei der Erfassung, ist es schwierig, deren Auswirkungen quantitativ zu erfassen. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die volkswirtschaftlichen Effekte einer Sportgroßveranstaltung auf die jeweilige Region:
Abbildung 1: Klassifizierung der Wirkung von Sportgroßveranstaltungen 5
12
Der ökonomische Impuls der Fußball Europameisterschaft entsteht einerseits aus der Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern sowie den Ausgaben der Besucher andererseits.
Eine erhöhte Nachfrage führt in der Regel zu zusätzlichen Einkommen für die Region. Die direkte Wirkung manifestiert sich vor allem in Form von Umsatzerlösen für den Tourismus und andere direkt beteiligte Branchen.
Durch diese direkten Effekte werden in der Folge auch indirekte Wirkungen ausgelöst, welche sich als wirtschaftlicher Prozess über mehrere Stufen fortsetzen, wobei die zusätzliche Wirkung mit jeder Stufe kleiner wird.
Alle Unternehmen, welche von der direkten Nachfrage profitieren, beziehen für die Leistungserstellung auch Güter und Dienstleistungen von Drittfirmen (Vorleistungen). Aufgrund dieser Vorleistungsnachfrage entstehen in der Folge bei einer Kette von weiteren Betrieben bzw. Branchen Umsätze bzw. Wertschöpfung. Außerdem werden bei den indirekten Wirkungen analog dazu auch die durch die direkte Nachfrage ausgelösten Einkommenseffekte mitberücksichtigt. Die Lohneinkommen, welche bei den direkt profitierenden Unternehmen entstehen, werden größtenteils wieder in der Region ausgegeben (Miete, Detailhandel, Restaurants, etc.) und führen ebenfalls zu zusätzlichen Umsätzen.
13
1.3 Ziel der Arbeit
Bei der Planung und Durchführung von Sportanlässen fehlen den Organisatoren häufig wichtige Datengrundlagen. Auch im politischen Prozess stehen für die Argumentation für oder gegen die Durchführung oder Beteiligung an einem Anlass oftmals keine verlässlichen Zahlen zur Verfügung.
1.3.1 Hauptziele dieser Diplomarbeit
• Bereitstellung von Grundlageninformationen für die Region Wien
• Identifikation, Erfassung, Analyse und Beurteilung der vielfältigen
volkswirtschaftlichen Effekte der Fußball Europameisterschaft 2008.
• Quantifizierung der wichtigsten Faktoren der volkswirtschaftlichen Bedeutung für und regionale Differenzierung der Wirkungen der Stadioninvestitionen sowie der touristischen Effekte der Fußball Europameisterschaft auf den Austragungsort Wien.
Die Diplomarbeit soll auch als Grundlage für weitere Sportgroßveranstaltungen in der Region Wien dienen. Denn einige der hier präsentierten Resultate können als Indikatoren weiterverwendet werden, und müssen für andere Veranstaltungen lediglich angepasst werden. Auch andere Sportverbände, Sponsoren, Regionen und die öffentliche Hand dürften in den erstmals vorliegenden, mit anderen Sportgrossanlässen vergleichbaren Zahlen, wichtige Entscheidungsgrundlagen vorfinden.
Die nachfolgende Diplomarbeit über die regionalwirtschaftliche Bedeutung eines Sportgroßereignisse konzentriert sich in erster Linie auf die direkten Wirkungen, daher kann man diese Diplomarbeit auch als Grundlage für eine mögliche weitere Betrachtung in Richtung von indirekten ökonomischen Wirkungen heranziehen.
1.3.2 Weitere Ziele der Arbeit
Um die direkten sowie indirekten Effekte der Fußball Europameisterschaft 2008 auf die Region Wien erfassen zu können sind folgende Unterziele notwendig:
1. Die Darstellung und Beschreibung der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur der
Standortregion Wien anhand ausgewählter Indikatoren in Form einer Regionsanalyse.
2. Die Ermittlung des wirtschaftlichen Nutzens der Fußball Europameisterschaft.
3. Die indirekten Effekte (Ökologische und soziale Effekte) werden ebenfalls beleuchtet.
14
1.3.3 Motive für diese Diplomarbeit
• Der Zeitpunkt (viele Sportgroßereignisse in den nächsten Jahren in Österreich) und die Region Wien (Mitveranstalter der Fußball EM 2008), sind für diese Arbeit sehr interessant.
• Ein weiterer Aspekt ist, dass Österreich das erste Mal die Möglichkeit bekommt, eine Sommersport Großveranstaltung auszurichten. Bisher gab es ja in Österreich überwiegend Sportgroßveranstaltungen im Wintersportbereich (zum Beispiel: zwei olympische Winterspiele, Eishockey Weltmeisterschaften und zahlreiche andere Veranstaltungen im Rahmen des FIS Weltcups). Ich möchte daher die Auswirkungen von Sommersportveranstaltungen in einem traditionell vom Wintersport geprägtem Land näher betrachten
• Diese Arbeit auch soll eine Grundlage für weitere Sommersportgroß-veranstaltungen (wie olympische Sommerspiele, Leichtathletik Weltmeisterschaften oder ähnliches) bzw. für andere Themengebiete im Bereich Sport und Wirtschaft bilden.
1.4 Forschungsfrage
Zu den einzelnen Punkten in der Fragestellung sei folgendes zu erwähnen:
• Die regionalwirtschaftliche Bedeutung bezieht sich auf die ökonomischen, sozialen und ökologischen Effekte des Sportgroßereignisses auf die Gemeinde Wien.
• Unter Region werden Wien und sein unmittelbares Umland (Wien Umgebung) verstanden.
• Im Rahmen der Forschungsfrage werden sowohl die direkten als auch die indirekten Wirkungen der Fußball Europameisterschaft über Vorleistungseinkäufe und Investitionen erfasst.
• Im Zentrum der Forschungsfrage stehen dabei die Umsätze, die Wertschöpfung sowie die Beschäftigungswirkung der Fußball EM. Es wird dabei unterschieden zwischen Wirkungen auf die Region (= Beitrag der Fußball EM auf die regionalen Umsätze) sowie auf das zu untersuchende Sportereignisses in Form der Umsatzerlöse.
15
• Soweit möglich werden die Effekte nach Wirtschaftszweigen bzw. Sektoren differenziert ausgewiesen.
• Ferner werden die Steuereinnahmen und Subventionen durch die öffentliche Hand erfasst. Diese werden im Rahmen einer Subventionskoeffizientenberechnung dargestellt.
1.4.1 Thesen
Die regionalwirtschaftliche Bedeutung der Fußball Europameisterschaft 2008 für Wien wird anhand von Thesen 6 erarbeitet werden. Bei diesen Thesen handelt es sich um Aussagen über Phänomene ohne explizite Zugrundelegung einer kausalen Verknüpfung.
• These I: Besucher, Betreuer und Aktive der Fußball-Europameisterschaft 2008 sorgen für zusätzliche Nachfrage innerhalb der Region und tragen wesentlich zu den regionalen Umsätzen bei.
• These II: Die Fußball-Europameisterschaft hat positive Effekte auf die Wirtschaft in verschiedenen Bereichen.
• These III: Die öffentliche Hand profitiert in einem höheren Maß, als sie die Veranstaltung subventioniert.
Die Thesen werden mittels verschiedenartigen Theorien und Instrumenten berechnet, geprüft und verarbeitet. Im Anschluss an die Berechungen werden die Ergebnisse dargestellt und bewertet.
• These I wird anhand der Exportbasistheorie und der Sportevent-Scorecard überprüft und analysiert.
• These II wird mit Hilfe der Input-Output-Rechung beantwortet
• These III wird anhand der Wertschöpfungsrechnung analysiert.
6
Thesen: Behauptungen über Eigenschaften bzw. Regelmäßigkeiten.
16
1.5 Methodisches Vorgehen
Die Erarbeitung der Ergebnisse stützt sich auf grundsätzlich drei Schritte:
Schritt 1: Informationsbeschaffung und Analyse
In einem ersten Schritt werden deshalb die Daten des Bewerbungsdossiers des ÖFB und des SFV für die Fußball Europameisterschaft ausgewertet. Danach werden die wichtigsten theoretischen Grundlagen durch diverses Literaturstudium aufgearbeitet. Zu Beginn der Erhebungen wurden auch diverse Sportökonomische Studien der Schweizer Firma Rütter und Partner hinlänglich untersucht: 7
• Ski Weltcup St. Moritz 2000
• Engadin Skimarathon 2001
• CSIO Schweiz St. Gallen 2001
• Montreux Volley Masters 2001
• Athletissima Lausanne 2001
• Ruder WM Luzern 2001
• Lauberhornrennen Wengen 2002
Im Rahmen dieses Projekts „Volkswirtschaftliche Bedeutung von Sportgrossanlässen in der Schweiz“, wurden nach einer einheitlichen Methodik verschiedene Sportgroßveranstaltungen untersucht.
Ziel der Studie ist es, die volkswirtschaftlichen Wirkungen der Veranstaltungen für ausgewählte Regionen zu ermitteln. Dabei werden neben ökonomischen Effekten auch ökologische und soziale Aspekte mitberücksichtigt.
Als Referenz Studie zu dieser Diplomarbeit dient vor allem die Ruder WM 2001 in Luzern. Die Untersuchung der ökonomischen Aspekte stützt sich auf eine umfangreiche empirische Wertschöpfungsanalyse. Vor, während und nach der Ruder WM wurden verschiedene Erhebungs- und Auswertungsinstrumente eingesetzt. Die meisten Akteure wurden mittels schriftlichem Fragebogen und teilweise auch mit Interviews befragt. Die Daten dieser Primärerhebungen flossen in verschiedene miteinander verknüpfte Auswertungsmodelle des ökonomischen, ökologischen und sozialen Bereichs ein. Ausgewiesen werden alle Wirkungen, welche auf die Ruder WM und ihre Besucher zurückzuführen sind. Die Wichtigkeit des Events für den Reiseentscheid wurde bei den Berechnungen der ökonomischen und ökologischen Wirkungen berücksichtigt, um eine Überschätzung der Wirkungen zu vermeiden.
17
Schritt 2: Analyse und Quantifizierung der relevanten Effekte (Berechnungen)
Den nächsten Schritt stellen die Auswirkungen und deren Berechnung der Fußball Europameisterschaft auf die Region Wien dar. Es wird zwischen den primären und sekundären Effekten sowie den unterschiedlichen Personengruppen (Aktive, Passive) differenziert. Diese Betrachtungen sollen unter der besonderen Berücksichtigung des Multiplikatormechanismus, der Sportevent-Scorecard, der Exportbasistheorie, der Input- Output-Analyse, der Wertschöpfungsmessung und weiteren Mechanismen erfolgen.
• Die Exportbasistheorie behauptet, dass der Wohlstand einer Region allein durch Unternehmen bestimmt wird, die Wertschöpfung aufgrund von Exportaktivitäten erarbeiten.
• Das Konzept des Multiplikators ist grundlegend für das Verständnis des kumulativen Entwicklungsprozesses. Die Multiplikatortheorie untersucht, wie sich Impulse z.B. über einen gesteigerten Konsum, einen Investitionsschub oder eine Exportzunahme auf Regionalwirtschaften auswirken.
• Die Input-Output-Rechnung (IOR) besteht aus der Input-Output-Tabelle und der Input-Output-Analyse. Sie ist deshalb für diese Arbeit gut geeignet, da sie die Rückwirkungen zusätzlicher Nachfrage eines Sektors auf die anderen Sektoren darstellt. Die IOR stellt die Interdependenzen (gegenseitigen Verflechtungen) zwischen den einzelnen Sektoren (Branchen) und der Endnachfrage dar. Steigt die Endnachfrage, muss auch in den jeweiligen Sektoren mehr produziert bzw. bezogen werden und umgekehrt.
• Die Wertschöpfungsrechung soll die Rolle der Gemeinde Wien (Subventionen, Steuereinnahmen) widerspiegeln. Man wird durch die Trennung der Veranstaltung in drei Phasen eine interessante Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen sehen.
Schritt 3: Interpretation der errechneten direkten und indirekten Effekte
In einem letzten Schritt werden die errechneten direkten und indirekten Effekte graphisch ausgewertet und interpretiert. Es soll deutlich werden, wie groß die regionalwirtschaftliche Bedeutung der Fußball Europameisterschaft für die Standortregion ist.
18
1.6 Begriffliche Definitionen
Einschränkungen und Definitionen
Aufgrund der Größe und Komplexität einer Großveranstaltung wie sie die Fußball Europameisterschaft 2008 darstellt, muss man gewisse Einschränkungen im vornherein setzen.
1.6.1 Zeitliche Befristung
Eine solche Großveranstaltung hat eine lange Vorbereitungszeit, eine relativ kurze Durchführungsphase und eine nahezu unendlich lange Nachnutzungszeit. Um diesen drei Phasen gerecht zu werden, müsste man eine solche Studie laufend betreiben, um auch auf gewisse Veränderungen in den jeweiligen Phasen zu reagieren.
Abbildung 3: Zeitplan der Fußball Europameisterschaft 8
Da dies im Rahmen dieser Diplomarbeit nicht möglich ist, konzentriere ich mich in erster Linie auf die Durchführungsphase und auch auf die Vorbereitungszeit.
19
1.6.2 Regionen
Die Fußball Europameisterschaft findet in Österreich und der Schweiz in acht verschiedenen Austragungsorten statt.
Tabelle 1: Austragungsorte der Fußball EM 2008 9
Daher ist es für eine regionalwirtschaftliche Betrachtung eines Spielortes (z.B.: Wien) wichtig, die Region abzugrenzen.
Hier gibt es in der Literatur verschiedene Abgrenzungsmöglichkeiten. Grundsätzlich kann man drei verschiedene Arten von räumlichen Gebilden unterscheiden: 10
• Sub-nationale: Teilgebiete eines Staates wie z.B.: die Bundesländer in Österreich
• Supra-nationale: Zusammenfassungen von Staaten wie z.B.: das Baltikum
• Trans-nationale Territorien: Umfassen Teilgebiete von zwei oder mehr Staaten wie
z.B.: Europaregion Tirol (Teile von Österreich und Italien)
In allen Fällen stellen Regionen von einem staatlichen Hoheitsgebiet abweichende Gebietseinteilungen dar.
Zwischen den Regionen eines Landes kann ein relativ ungehinderter Austausch von Gütern, Personen, Kapital etc. stattfinden. Es handelt sich um offene ökonomische Systeme, bei denen Impulse von einer Region in die andere überspringen können, und so auch die Grenzen verschwimmen.
Dadurch fehlt es an bestimmten Informationen und Aufzeichnungen (regionale Exporte und Importe), es kann daher zu verfälschten Ergebnissen kommen.
20
Regionsabgrenzung
Üblicherweise fasst man solche Gebiete zusammen, die gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen. Diese Gemeinsamkeiten zielen in zwei Richtungen ab: 11
• Homogenitätskriterium: Es werden solche Gebietseinheiten zu homogenen Regionen zusammengefasst, die ähnliche Indikatoren aufweisen. Beispiele sind: Arbeitslosenquote, Einkommensniveau, Beschäftigungsanteile und ähnliches.
• Funktionalitätskriterium: Zu funktionalen Regionen werden solche Gebiete zusammengefasst, die in besonders hoher wechselseitiger Abhängigkeit bestehen. Beispiele hierfür sind: Lieferverflechtungen, Pendlerstrukturen und ähnliche Kriterien.
Eine weitere Gliederungsmöglichkeit stellt das:
• Verwaltungskriterium dar: 12 Hier sind Regionen administrative Einheiten wie z.B., politische Bezirke, Gemeinden oder Bundesländer, die im Laufe der Zeit gewachsen sind. Sie sind durch spezifische sozio-institutionelle Strukturen geprägt, die im Entwicklungsverlauf entstanden sind.
Die Wahl des Abgrenzungskriteriums sollte immer nach der zu untersuchenden Problemstellung erfolgen. Die Prämisse für Regionsabgrenzungen soll aber in jeden Fall lauten: „Durch die Zusammenfassung von räumlichen Einheiten zu Regionen soll ein komplexes Bild vereinfacht werden, ohne dass von der relevanten Information zu viel verloren geht.“ 13
Die für die Diplomarbeit relevante Abgrenzung erfolgt im Kapitel III/A.
1.6.3 Direkte und Indirekte Effekte vs. Auslöser
Regionalwirtschaftliche Studien beinhalten sowohl direkte als auch indirekte Effekte. Man kann auch zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen eines solchen Sportgroßereignisse unterscheiden.
11
Maier/Tödtling 2002, S. 17
12
Fischer 2002, S. 10 f
13
Maier/Tödtling 2002, S. 18
21
Abbildung 4: Direkte und indirekte Auswirkungen 14
Wie man sieht, sind folgende Positionen den direkten Auslösern zuzurechnen:
• Stadien Investitionen (Neu- oder Umbau)
• Operatives Budget für die Euro 2008
• Tourismus Ausgaben
• Aktivitäten im Bereich Medien und Telekommunikation
Zu den indirekten Auslösern zählen Verbesserungen in der Infrastruktur der Austragungsorte (z.B.: U-Bahn Bau in Wien), Imageverbesserungen und vieles mehr.
Mein Hauptaugenmerk richtet sich auf die direkten ökonomischen Auswirkungen der Fußball Europameisterschaft 2008. Es werden aber sowohl die direkten als auch die indirekten Effekte (über Multiplikatoreffekte) berechnet und analysiert.
1.6.4 Definition Akteure, Personen und Gästekategorien
Bei der Fußball Europameisterschaft wird zwischen folgenden Akteuren unterschieden: Veranstalter (OK), Zuschauer, Athleten, Trainer/Betreuer, Medienvertreter, Helfer (inkl. Militär/ Zivilschutz), Unternehmen, Sponsoren, Bevölkerung und die öffentliche Hand.
22
Abbildung 5: Akteure von Sportgroßveranstaltungen 15
Die fünf Akteure Zuschauer, Athleten, Trainer/Betreuer, Medienvertreter und Helfer werden als Personen oder Personengruppen bezeichnet. In weiterer Folge dieser Diplomarbeit werden folgende zwei Personengruppen unterschieden und differenziert von einander betrachtet:
• Aktive (Athleten, Trainer, Medienvertreter, Offizielle, Sponsoren und VIPs
• Passive (Zuschauer aus dem In- und Ausland)
23
1.6.5 Erfassungs- und Bewertungsprobleme ökonomischer Effekte 16
Abbildung 6: Erfassungs- und Bewertungsprobleme 17
Aus Abbildung 6 wird ersichtlich, dass Probleme auf vier Ebenen auftreten können. Auf den
ersten beiden Ebenen zeigt sich die Schwierigkeit der Datenerfassung während die beiden
anderen Ebenen das Bewertungsproblem deutlich machen.
Zuerst erfolgt die Unterscheidung in nicht veranstaltungsbedingte und veranstaltungsbedingte
Effekte. In der zweiten Ebene der Erfassung stellt sich das Problem der Verfügbarkeit der
Daten in der Dokumentenanalyse. Auf der Bewertungsebene wird eine Abgrenzung in
tangible und intangible Effekte vorgenommen. Die tangiblen Effekte lassen sich monetär
bewerten, während die intangiblen nur mit qualitativen Aussagen beschrieben werden können.
16 Preuss 1999, S. 20
17 Preuss 1999, S. 20
24
1.7 Gliederung der Arbeit
Die vorliegende Diplomarbeit ist in fünf Haupt-Kapitel und ein Servicekapitel gegliedert.
Kapitel I: Einleitung
Es werden grundlegende Aussagen, Voraussetzungen und Ziele der Arbeit vorgestellt. Des Weiteren werden Einschränkungen getroffen und das methodische Vorgehen in der Diplomarbeit beschrieben.
Kapitel II: Theorie
Im theoretischen Teil werden die verwendeten nachfrageorientierten Analyseinstrumente genauer betrachtet. Die verwendeten Konzepte werden dabei hinsichtlich der Vorgehensweise vorgestellt. Es soll vor allem eine Einleitung für die Berechungen im Kapitel IV darstellen
Kapitel III: Region Wien, EURO 2008
Diese Kapitel ist in zwei wesentliche Teile (A und B) unterteilt. Im ersten Teil wird die relevante Region der Untersuchungen abgegrenzt und aus verschiedensten Gesichtspunkten beschrieben. Der zweite Teil dieses Kapitels beschäftigt sich mit der Fußball Europameisterschaft. Zur Einführung werden Sportgroßveranstaltungen theoretisch betrachtet, des Weiteren die Europameisterschaft im Allgemeinen und im speziellen die Region Wien näher beschrieben.
Kapitel IV: Berechnungen
Im Kapitel IV werden nun die theoretischen Vorleistungen und Ausführungen aus den Kapiteln I bis III mit Zahlen belegt und verarbeitet. Das Kapitel folgt den Thesen aus dem Einführungskapitel mit den ausgewählten und vorgestellten Instrumenten und Konzepten.
Kapitel V: Auswertungen, Bewertungen
Zum Abschluss der Diplomarbeit gibt es eine Darstellung der wichtigsten Ergebnisse, Vergleiche mit anderen Studien und Aussagen zu den zu Beginn vorgestellten Thesen.
Servicekapitel
Ein umfassendes Literaturverzeichnis bildet den Schluss der Diplomarbeit.
25
KAPITEL II
2 Theoretischer Teil
Erläuterungen
Im theoretischen Teil werden die verwendeten nachfrageorientierten Analyseinstrumente genauer betrachtet. Die verwendeten Konzepte werden hinsichtlich der Vorgehensweise vorgestellt. Es soll vor allem eine Einleitung für die Auswertungen im Kapitel IV darstellen. Folgende Modelle verwende ich für die regionalwirtschaftliche Untersuchung von Sportgroßveranstaltungen in der Region Wien:
(1) Nachfrageorientierte Analyseinstrumente (Multiplikatoreffekt), (2) Exportbasistheorie, (3) Input-Output Theorie, (4) Theorie der Wertschöpfung (5) Sportevent Scorecard
2.1 Nachfrageorientierte Analyseinstrumente (Multiplikatoreffekt)
Nachfrageorientierte Analyseinstrumente zeigen die Auswirkungen einer Veränderung der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen auf die wirtschaftliche Stellung einer Region. Da es sich beim Multiplikatoreffekt um kein eigenes Modell in meiner Diplomarbeit handelt, soll es eigentlich nur für das allgemeine Verständnis hier erwähnt werden. Da es ja direkte und indirekte Effekte bei Veranstaltungen gibt, ist der Multiplikatoreffekt hier wesentlich.
Multiplikatoreffekt
Das Multiplikatormodell stellt eine makroökonomische Theorie dar, die erklärt, wie bzw. wodurch die Produktionsleistung (kurzfristig) bestimmt wird. Jede Verringerung bzw. Erhöhung der Ausgaben um eine Geldeinheit führt zu einer Änderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um mehr als eine Geldeinheit. Daher wird dieser Effekt als Multiplikatoreffekt bezeichnet. 18
26
Der Multiplikatoreffekt hängt wesentlich von folgenden Faktoren ab: 19
• der Größe des untersuchten Gebietes (z.B. Landes): je größer das Gebiet ist, umso
größer ist der Multiplikatoreffekt, denn umso mehr in der Ausgaben-Einnahmen-Kette liegende Wirtschafteinheiten liegen dann in dem Gebiet (in einem Dorf liegen z.B. meist nicht die Hersteller von Toilettenpapier, wohl aber in einem großen Land)
• dem Entwicklungsstand der Volkswirtschaft: je diversifizierter eine Volkswirtschaft
ist und je mehr Güter sie selbst zu konkurrenzfähigen Preisen herstellen kann, desto größer ist der Multiplikator, umso weniger ist der Tourismus importabhängig. "Manche Entwicklungsländer, die, ohne selbst über die entsprechenden wirtschaftlichen Grundlagen zu verfügen, auf den Tourismus als auf den ersten Blick am einfachsten anzuzapfende Einkommens- und Devisenquelle setzten, mussten diesen Zusammenhang bitter erfahren: Ihre für den Tourismus notwendigen Importe fraßen die Einnahmen wieder auf."
20
Das Multiplikatormodell erklärt die Wirkungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, und zwar indem es aufzeigt, wie Konsum, Investitionen und andere Variablen zusammenspielen und damit die Gesamtnachfrage beeinflussen.
Um das Modell verwenden zu können, müssen gewisse Annahmen getroffen werden: 21
• Preise und Löhne werden als gegeben angenommen bzw. als starr vorausgesetzt
• Alle Anpassungen an Wirtschaftsschwankungen erfolgen durch Produktion und Beschäftigung
Beispiel des Multiplikatoreffekts: 22
Wenn Investitionen um 100 Millionen € ansteigen, und daraus eine Produktionserhöhung von 300 Millionen € resultiert, ergibt sich ein Multiplikator von 3. Würde sich allerdings eine Produktionserhöhung von 500 Millionen € ergeben, dann wäre der Multiplikator 5 usw.
Warum ist der Multiplikator jetzt größer als 1?
Bislang unbeschäftigte Produktionsfaktoren werden dazu eingesetzt ein Gebäude im Wert von 1000 € zu errichten. Das bedeutet in einem ersten Schritt, dass Zimmerleute, Mauerer und Baustoffhändler ein zusätzliches Einkommen von 1000 € erhalten. Aber ihre Grenzneigung zum Konsum (MPC 23 ) beträgt 2/3, so werden sie von den 1000 € Einkommen 666,67 € für neue Konsumgüter wieder ausgeben. Damit fließen den Konsumgüterproduzenten diese 666,67 € als zusätzliches Einkommen zu. Beträgt deren Grenzneigung zum Konsum ebenfalls 2/3, so werden sie ebenfalls 2/3 von 666,67 € ausgeben. Dieser Prozess setzt sich endlos fort,
20 Mundt 1998, S. 379 21 Samuelson/Nordhaus 1998, S.524 22 Samuelson/Nordhaus 1998, S.529 23 MPC (Marginal propensity to consume): jener zusätzlicher Konsum, der pro zusätzlich verdienter Geldeinheit getätigt wird.
27
bis man am Ende alle Beträge addiert und eine Summe (z.B.: 3000 €) erhält und dadurch den Multiplikator bestimmen kann.
Die Formel dazu lautet:
Je größer die zusätzlichen Konsumausgaben, desto höher ist der Multiplikator, bzw. je mehr bei jeder Runde zusätzlich gespart wird, desto kleiner wird der Multiplikator.
Abbildung 7: Model des Multiplikatoreffekts 25
Die alte Investitionsfunktion II verschiebt sich um 100 Millionen € (von 200 auf 300 bei den Investitionen) auf das Niveau I’I’. Der neue Schnittpunkt ist E’. Die daraus resultierende Einkommenserhöhung entspricht genau dem Dreifachen der Investitionserhöhung(von 3600 auf 3900 beim BIP).
Kritik am Modell:
Eine nicht nur für das Multiplikatormodell zutreffende Kritik betrifft die volle Gleichsetzung der durch Importe verursachten Devisenabflüsse mit einem Verlust. Dies lässt ihre binnenwirtschaftlichen Effekte unberücksichtigt. Importeure bilden jedoch einen nicht zu unterschätzenden Wirtschafts- und Beschäftigungsbereich einer Volkswirtschaft. Um die Größe der Verluste genau zu bestimmen, müssten deshalb die Wirtschaftsleistung der Importeure vom Nominalwert der Devisenabflüsse abgezogen werden. Darüber hinaus kann ein Teil der für Importe ausgegebenen Devisen im Empfängerland wiederum zur Finanzierung von Exporten, darunter auch Reisen, ausgegeben werden, die auch dem betrachteten Land zugute kommen können. 26
24
Samuelson/Nordhaus 1998, S. 536
25
Samuelson/Nordhaus 1998, S. 530
26
Mundt 1998,S. 382
28
2.2 Exportbasistheorie 27
Die Exportbasistheorie gehört zur Gruppe der Wachstums- und Entwicklungstheorien. Die Theorie geht auf Arbeiten von Andrews (1953), Duesenberry (1950), North (1955) und andere Wissenschaftler zurück Das Phänomen dieser Theorie tritt in täglichen wirtschaftspolitischen Diskussionen auf, und ist daher allgegenwärtig.
Die Exportbasistheorie (oder klassische Aussenhandelstheorie) geht von der Existenz interregionaler Arbeitsteilung aus. Als Folge davon produziert jede Region nicht alle zur Selbstversorgung nötigen Güter und Dienstleistungen, sondern spezialisiert sich auf jene Produktion, mit der sie die größten komparativen Vorteile hat und erzeugt davon über den regionalen Bedarf hinaus. Die Überschüsse werden in andere Regionen exportiert, die ebenfalls nur jene Produktion wählen, die vorteilhaft ist. Die Ursache des Wachstumsprozesses ist die Erhöhung der Exporte einer Region. Dadurch werden in der Region Einkommen nachfragewirksam, die einen Multiplikatorprozess auslösen.
Zur Veranschaulichung sei hier folgendes Beispiel erwähnt:
Wenn die Weltnachfrage nach bestimmten Gütern und Produkten zurückgeht, geraten Regionen mit Schwerpunkten in diesen Bereichen (z.B.: Eisen und Stahl, Fremdenverkehr etc.) in die Krise. Der Grund für diese Probleme liegt in einer Kette von Problemen und Verknüpfungen. Die dominierenden Betriebe können ihre Produkte oder Dienstleistungen nicht mehr absetzen, müssen daher Mitarbeiter entlassen um Lohnkosten zu sparen. Die Mitarbeiter geben wegen der Lohnkürzungen weniger für den Konsum aus, was wiederum der Handel mit weniger Umsätzen zu spüren bekommt. Mit der Zeit breitet sich der Effekt durch alle Branchen der regionalen Wirtschaft aus.
Natürlich ist auch der umgekehrte Weg (erhöhte Nachfrage und daraus resultierende Umsatzsteigerungen in der Region) denkbar.
Die Theorie geht davon aus, dass die wirtschaftliche Basis einer Region von jenen Betrieben gebildet wird, die die Produkte der Region in andere Regionen exportieren. Sie bilden den „basic sector“ (Exportwirtschaft) der Region. Der nicht exportierende Sektor der Region wird als „non-basic sector“ (Lokale Wirtschaft) bezeichnet und ist vom „basic sector“ in seiner Entwicklung abhängig. Diese Beziehung führt dazu, dass ein Anstieg/Verlust einen Multiplikatoreffekt in Gang setzt, der dazu führt, dass der „non-basic sector“ wesentlich höher von Auswirkungen betroffen ist, als der „basic sector“.
Um das Prinzip des Exportbasismultiplikators darzustellen, verwendet man ein einfaches Modell:
29
Die regionale Wirtschaft besteht aus zwei Sektoren, dem Exportsektor (basic sector) der Einkommen in der Höhe von Y X erwirtschaftet, und dem lokalen Sektor (non-basic sector), dessen Einkommen mit Y L bezeichnet wird. Das Gesamteinkommen wird mit Y bezeichnet:
Das Exporteinkommen ist von der Nachfrage der anderen Regionen abhängig. Das Einkommen des lokalen Sektors hängt von der Nachfrage in der Region ab, und welcher Prozentsatz dieser Nachfrage in der Region verbleibt.
Die marginale Konsumquote ( c ) ist jener Teil an zusätzlichen Einkommen, den die Bewohner der Region für den Konsum ausgeben. Die marginale Importquote ( q ) ist jener Teil der für Importgüter aufgewendet wird.
Je höher c ist, umso größer ist der Anteil an zusätzlichen Einkommen, das der Wirtschaft in der Region zufließt, andererseits wenn q höher ist, fließt mehr Einkommen aus der Region ab. Die beiden Gleichungen stellen einen Zusammenhang zwischen dem Exporteinkommen und dem Gesamteinkommen der Region dar.
Formel 4: Zusammenhang zwischen den Einkommen 30
28
Maier/Tödtling 2002, S. 38
29
Maier/Tödtling 2002, S. 38
30
Maier/Tödtling 2002, S. 39
30
Stellt man das Gesamteinkommen der Region als Funktion des Exporteinkommens dar, dann ergibt sich folgende Formel:
Formel 5: Gesamteinkommen als Funktion 31
Wobei der Ausdruck [1 / (1-c+q)] als Exportbasismultiplikator bezeichnet wird.
Die Entstehung des Exportbasismultiplikators (graphisch):
Abbildung 8: Entstehung des Exportbasismultiplikators 32
Die beiden Wirtschaftsteile, Exportwirtschaft und lokale Wirtschaft, machen mit ihren Einkommen (Y X + Y L ) das Gesamteinkommen der Region aus. Der linke obere Pfeil (Y X ) bezeichnet den Zufluss an Exportnachfrage. Die Rückkoppelungsschleife rechts unten stellt die Basis für den Exportbasismultiplikator dar. Der mit qY bezeichnete Pfeil stellt den Einkommensabfluss für regionale Importe dar.
Ein kurzes Zahlenbeispiel soll diese theoretischen Betrachtungen näher erläutern:
Tabelle 2: Multiplikator (Zahlenbeispiel) 33
31
Maier/Tödtling 2002, S. 39
32
Maier/Tödtling 2002, S. 39
33
Maier/Tödtling 2002, S. 40
31
Die marginale Konsumquote ( c ) in einer Region beträgt 0,7, die marginale Importquote ( q ) beträgt 0,35, so ergibt dies einen Exportbasismultiplikator von 1,54. Das heißt für 1000 Geldeinheiten an Gütern und Dienstleistungen (Y X ) die exportiert werden, produziert sie einen Gegenwert von 538,46 (Y R ) für den lokalen Bedarf. Zusammen ergibt das einen Wert von 1.538,46 (Y) an Gütern und Dienstleistungen. Der hier beschriebene Zusammenhang zwischen Exporterlös und Regionaleinkommen stellt den Endzustand eines Prozesses dar, der in der Wirtschaft der Region ständig abläuft.
Um diesen Endzustand näher zu beleuchten, erfolgt dieses Beispiel in einer anderen Form noch einmal: 34
Das Einkommen aus dem Export (1000 Geldeinheiten) ist das Regionaleinkommen der Bewohner der Region (Y X ). Von diesen 1000 GE gehen 700 GE in den Konsum (c = 0,7). Von diesen 700 GE fließen 350 GE direkt für die Anschaffung von Importgütern aus der Region ab und die restlichen 350 GE werden für lokale Güter ausgegeben, welche das Regionaleinkommen (Y X ) auf 1.350 GE erhöhen. Dieses höhere Regionaleinkommen fließt dann wiederum zu 35% in die lokale Wirtschaft. Das führt zu einem Anstieg um 122,5 GE auf 1472,5 GE, usw.
Die folgende Tabelle verdeutlicht diesen Prozess.
Tabelle 3: Entstehung des Exportbasismultiplikators 35
Erst mit der zwölften Runde wird jener Wert wie in Tabelle 3 erreicht. Den Exportbasismultiplikator kann man als Ergebnis eines unendlichen Rückflusses des Einkommens in die Regionale Wirtschaft sehen.
32
Kritik am Modell:
Die Exportbasistheorie lässt eine Reihe wichtiger Einflussfaktoren unberücksichtigt. Die wichtigsten sind: 36
• Die Exportnachfrage (Y X ) wird nicht erklärt.
• Das Modell setzt voraus, dass die regionale Wirtschaft ihre Produktionsmengen den Nachfrageänderungen anpassen kann.
• Das Modell vernachlässigt Preis- und daraus folgende Nachfrage Änderungen.
• Veränderungen in der Wirtschaftstruktur werden ebenfalls nicht berücksichtigt.
Daher eignet sich die Exportbasistheorie für eher kurzfristige Prognosen, von relativ kleinen und begrenzten Regionen. Diese Theorie ist besonders gut für Stadtregionen geeignet, da der Einfluss der außerregionalen Faktoren im Vergleich zu den innerregionalen relativ groß ist. Eine weitere Stärke setzt die Exportbasistheorie im Bereich der Verknüpfungen von unterschiedlichen Wirtschaftsektoren in einer Region, da sich Veränderungen in so genannten Leitsektoren zwangsläufig auch auf die anderen Sektoren auswirken.
2.3 Input-Output Tabelle
Die monetäre Input-Output-Tabelle gehört zum Programm der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Sie gibt einen detaillierten Einblick in die Güterströme und Produktionsverflechtungen in der Volkswirtschaft und mit der übrigen Welt. Die Input- Output-Analyse wurde in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts von W. Leontief entwickelt.
Ausgangspunkt eines IO.Modells ist die IO-Tabelle, welche die Struktur der Wirtschaft einer Region beschreibt und über die Beziehungen zu Nachfragern und Anbietern Auskunft gibt.
Die Input-Output-Tabellen setzten sich aus drei Teilen zusammen: 37
• Vorleistungsmatrix (V)
• Matrix der Endnachfrage (N)
• Matrix der Primärinputs (P)
33
Jede Matrix ist unterteilt nach Sektoren, sowie Endnachfrage- und Primärinputkategorien. Es werden die Lieferverflechtungen der Wirtschaft in einem bestimmten Jahr beschrieben.
Eine Input-Output-Tabelle soll die Verflechtungen der einzelnen Produktionsbereiche in einer Volkswirtschaft sowie deren Beiträge zur Wertschöpfung sichtbar machen.
Die Aufstellung einer Input-Output-Tabelle steht in einem Zusammenhang mit der Entstehungsrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) 38 . Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der Produktionsprozeß, in dem verschiedene Güter (Inputs) kombiniert werden, um andere Güter (Outputs) zu erhalten.
Inputs und Outputs zerfallen jeweils in zwei Arten: 39
• Input:
o intermediärer Input : Input von produzierenden Gütern bzw. Vorleistungen
o
primärer Input : Input von Faktorleistungen
38
VGR: Quantitative Darstellung des wirtschaftlichen Geschehens einer gesamten Volkswirtschaft für eine bereits abgelaufene Periode.
39 Brümmerhoff 2002, S. 195
34
• Output:
o intermediärer Output: Output für die Weiterverarbeitung bzw. für die
Zwischennachfrage
o
autonomer Output: Output für die Endnachfrage
Eine Input-Output-Tabelle vermittelt durch die Beschreibung der zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen bestehenden Abhängigkeiten einen tiefen Einblick in die ökonomischen oder (bei homogener Produktklassifikation) produktionstechnischen Vorgänge einer Volkswirtschaft.
Die quantitativen Angaben einer Input-Output-Tabelle können aber über die reine Beschreibung dieser Input-Output-Verflechtungen hinaus auch für analytische Zwecke verwendet werden.
Input-Output-Analysen dienen insbesondere der Erforschung des Strukturwandels in einer Volkswirtschaft und liefern dadurch unter anderem die Grundlagen für die Struktur- und Energiepolitik. Input-Output-Analysen verwenden Hypothesen über produktionstheoretische Zusammenhänge und werten das ex post vorgegebene Zahlenmaterial der Input-Output- Tabelle modellmäßig aus.
2.3.1 Hauptaussage der IO-Analyse 40
• Welche Wirtschaftszweige sind in welchem Ausmaß von Importen abhängig (ausländische Krisenanfälligkeit)
• Wie werden die Güter verwendet (hier wird unterschieden zwischen letzter Verwendung und der intermediären Verwendung, d.h. inwiefern die produzierten Güter als Vorleistungen verwendet werden);
• Welche Inputs werden bei der Produktion eingesetzt, d.h. die Wertschöpfungsbeiträge der Wirtschaftszweige (hieraus wird auch ersichtlich, welche Einkommen in den jeweiligen Produktionsbereichen entstanden sind).
• Es werden auch mögliche strategische Anfälligkeiten einer Volkswirtschaft aufgezeigt
2.3.2 Theoretische Ausführung
Es gibt zwei Teile der durch das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) 1995 als Teile des Input-Output-Systems definierten Tabellenarten:
• Aufkommens- und Verwendungstabellen
• Symmetrische Input-Output-Tabellen
35
Ich benötige für meine Auswertungen nur die Input-Output-Tabellen, und beschreibe daher nur diese im folgenden Abschnitt.
Input-Output-Tabellen
Symmetrische Input-Output-Tabellen sind Güter x Güter- (bzw. Aktivität x Aktivität) Matrizen, die unter Setzung bestimmter Annahmen aus den Aufkommens- und Verwendungstabellen abgeleitet werden.
Zur Überleitung der Aufkommens- und Verwendungstabellen in Güter x Aktivitäts- Gliederung in symmetrische Input-Output-Tabellen in Güter x Güter-Gliederung sind eine Reihe von Arbeitsschritten notwendig:
1. In einem ersten Schritt wird für jede Aktivität die nichtcharakteristische Produktion
jeweils dem charakteristischen Produzenten zugeordnet. D. h., es wird beispielsweise die Produktion von Vermietungsleistungen im Bankwesen der Aktivität Realitätenvermietung zugeordnet. In gleicher Art und Weise wird mit allen anderen nichtcharakteristisch erzeugten Gütern verfahren, so dass am Ende von jeder Aktivität nur noch ein einziges Gut – nämlich das für sie charakteristische – produziert wird. 2. Der zweite Arbeitsschritt ist komplizierter. Es müssen nunmehr diejenigen Inputgüter,
Wertschöpfungskomponenten und Beschäftigten, die zur Erzeugung dieser – umgebuchten – nichtcharakteristischen Produktion notwendig waren, ebenfalls zu den charakteristischen Produzenten umgebucht werden. Da die Vorleistungsstruktur in der Regel zwar für Aktivitäten, nicht aber für die einzelnen erzeugten Güter separat verfügbar ist, kann diese Umbuchung nur unter Setzung von Annahmen erfolgen.
Abbildung 10: Einfache IO-Tabelle 41
Bei der Erstellung der symmetrischen Input- Output-Tabellen wurde die Annahme der Gütertechnologie zugrunde gelegt, d.h. die Annahme, dass jedes Gut eine bestimmte Produktionstechnologie aufweist, egal in welcher Aktivität es produziert wird.
36
Den Berechnungen nach diesem Modell liegen Annahmen zugrunde:
• Der Output jedes Sektors ist homogen, bei sektoraler Heterogenität des Produktionsprogramms wird die Produktionsmischung jedes Sektors als konstant bewertet.
• Jeder Sektor hat ein von anderen Wirtschaftssektoren verschiedenes Produktionsverfahren. Ein Teil der Nachfrage innerhalb des Gesamtsystems wird als autonom angesehen.
• Es existiert eine lineare Technologie (in jedem Produktionssektor sind die Faktoreinsatzmengen zu der jeweiligen Output-Menge proportional).
Unter dieser Annahme entspricht die Usematrix (U) dem Produkt aus der ursprünglich unbekannten Matrix der Technologiekoeffizienten der Vorleistungen nach der Gütertechnologieannahme (TKU) und der Makematrix (V). Davon lässt sich in der Folge diese Technologiekoeffizientenmatrix TKU ableiten.
Formel 6: Technologiekoeffizientenmatrix 42
Multipliziert man die Technologiekoeffizientenmatrix, die die Anteile der Inputs zeigt, mit dem tatsächlichen heimischen Güteroutput, erhält man die Technologiematrix der Vorleistungen in absoluten Werten (TU).
Zum heimischen Output für jedes Gut in Vektorform (q) gelangt man durch zeilenweise Aufsummierung der Makematrix V. Dieser muss noch diagonalisiert werden, sodass eine Matrix der Dimension Güter x Güter entsteht, die in der Hauptdiagonale die Elemente des Vektors q und sonst nur Nullen enthält.
Eine analoge Vorgangsweise führt zu den Technologiematrizen der heimischen bzw. importierten Vorleistungen sowie der Wertschöpfung und der Beschäftigten:
Formel 8: Formen der Technologiematrix 44
42
Statistik Austria IO-Tabelle 2004, online
43
Statistik Austria IO-Tabelle 2004, online
Arbeit zitieren:
Mag. Florian Vincena, 2005, Regionalwirtschaftliche Bedeutung eines Sportgroßereignisses in der Region Wien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Eventtourismus am Beispiel der Fußball-EM 2008
Motive und Anforderungen an da...
Seminararbeit, 26 Seiten
Sport, Medien, Kommerz - Die Kommerzialisierung des Sports durch die M...
Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management
Hauptseminararbeit, 41 Seiten
Die Fußball-WM 2006 in Deutschland und ihre volkswirtschaftlichen Eff...
Sport - Sportökonomie, Sportmanagement
Seminararbeit, 23 Seiten
Sport-Mega-Event – Ein Garant für Wirtschaftswachstum? Eine Untersuchu...
Sport - Sportökonomie, Sportmanagement
Examensarbeit, 75 Seiten
Entwicklung eines Kommunalmarketing-Instrumentes zur Beeinflussung des...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Diplomarbeit, 115 Seiten
Analyse des Films 'Forrest Gump' unter Einbeziehung ausgewählt...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 18 Seiten
Events als imagebildender Faktor im Stadtmarketing am Beispiel der 1. ...
Diplomarbeit, 109 Seiten
Image als Standortfaktor - Chancen und Probleme von Stadtimagekampagne...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 26 Seiten
Ökonomische, ökologische und soziale Wirkungen der FIFA Fußball-Weltme...
Eine Nutzwertanalyse für die S...
Sport - Sportökonomie, Sportmanagement
Diplomarbeit, 136 Seiten
Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen auf Destinationen
Seminararbeit, 55 Seiten
Instrumente des Eventcontrolling - Volkswirtschaftliche Auswirkungen v...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 25 Seiten
Florian Vincena's Text Regionalwirtschaftliche Bedeutung eines Sportgroßereignisses in der Region Wien ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Florian Vincena hat den Text Regionalwirtschaftliche Bedeutung eines Sportgroßereignisses in der Region Wien veröffentlicht
Florian Vincena hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare