Vorwort
Im September 2007 habe ich auf einer Exkursion des Fachbereichs Architektur und Landschaft, betreut durch Frau Dipl.-Ing. Kirsch-Stracke, das Museumsdorf Hösseringen kennen gelernt. Ich war sogleich begeistert von dem ganzheitlichen Konzept eines Museumsdorfes und hörte mir mit großem Interesse an, was der Museumsdirektor, Herr Dr. Horst W. Löbert, uns über die Planung eines Heide-Lehrpfades berichtete.
Als ich etwa drei Monate später über ein Thema für meine Diplomarbeit nachdachte, erinnerte ich mich wieder an diese Planung. So nahm ich Kontakt zu Herrn Dr. Löbert auf, der mir mit Freu- den den Auftrag zur Gestaltung des Lehrpfades erteilte.
Es hat mir großen Spaß gemacht, diesen Lehrpfad zu entwickeln. Besonders die produktive Zusammenarbeit mit den Fachleuten von BUND, Nabu, NLWKN, Verein Naturschutzpark e.V. so- wie von der HeideRegion Uelzen habe ich sehr positiv wahrgenommen. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich für die vielen hilfreichen Anregungen. Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Löbert für die Literaturhinweise und die ausführlichen Informationen über die Lüneburger Heide und das Museumsdorf.
Auch für die rege Teilnahme am Heide-Quiz bedanke ich mich herzlich bei all meinen Verwand- ten und Freunden. Mit eurer Hilfe konnten viele Ungenauigkeiten und missverständliche Formu- lierungen beseitigt werden. 3
Zusammenfassung
In dieser Arbeit wird das Konzept für einen Lehrpfad zum Thema Kulturlandschaft Heide als Lebensraum für Pfl anzen und Tiere entwickelt. Dieser Lehrpfad soll durch die Heidefl äche des Museumsdorfes Hösseringen führen. Zusätzlich werden mehrere Begleitmaterialien entworfen, die das Angebot des Lehrpfades vervollständigen.
Im ersten Teil der Arbeit werden verschiedene Lehrpfadtypen vorgestellt und ihr jeweiliger Lehreffekt diskutiert. Da die gängigen Lehrpfadtypen sich teilweise stark voneinander unterschei- den, werden im Anschluss Kriterien für einen zeitgemäßen und pädagogisch sinnvollen Lehrpfad formuliert.
Nachdem das Museumsdorf Hösseringen kurz vorgestellt wird, beschäftigt sich der zweite Teil mit dem Thema Heide. Es wird sowohl das Verbreitungsgebiet und die historische Entstehung von Heidelandschaften als auch die Flora und Fauna dieser einzigartigen Kulturlandschaft dargestellt. Im Anschluss werden die Gefährdung und die Erhaltungsmöglichkeiten der Heide diskutiert.
Im letzten Teil der Arbeit werden zehn Stationen für den Lehrpfad vorgestellt, die durch eine Kombination der ersten beiden Arbeitsschritte entworfen werden. Zusätzlich zu den Schautafeln des Lehrpfades werden ein Informationsheft, ein begleitendes Quiz sowie ein Werbefl yer gestal- tet.
Im Laufe der Arbeit fi ndet eine Beteiligung von Umweltorganisationen und touristischen Institu- tionen statt, deren Anregungen in das Konzept mit aufgenommen werden. 5
Inhaltsverzeichnis
Vorwort NA
Zusammenfassung NA
Inhaltsverzeichnis NA
Abbildungsverzeichnis NA
Einleitung NA
Anlass und Ziel der Arbeit NA
Methodik und Vorgehensweise NA
Lehrpfade in der Umweltbildung NA
Historische Entwicklung von Natur Lehrpfaden NA
Vermittlungsmethoden NA
Technische Darstellungsmöglichkeiten NA
Typen von Lehrpfaden NA
2.4.1 Klassischer Lehrpfad NA
2.4.2 Lernpfad NA
2.4.3 Erlebnispfad NA
2.4.4 Interpretationspfad NA
2.4.5 Klassischer Themenweg NA
Anforderungen an einen zeitgemäßen Lehrpfad NA
Historische Entwicklung und Konzeption des Museumsdorfes NA
7
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen
4 Konzeption des Heide-Lehrpfades ........................................................................ 35
4.1 Ziel des Pfades ............................................................................................. 35
4.2 Zielgruppe des Pfades .................................................................................. 36
4.3 Methodische Einordnung des Pfades ........................................................... 36
4.4 Vermittlungsinhalte des Pfades ..................................................................... 37
4.4.1 Der Begriff Heide .............................................................................
37
4.4.2 Verbreitungsgebiet von Heidevegetation .........................................
38
4.4.3 Entwicklung der Kulturlandschaft Heide ..........................................
39
4.4.4 Heide als Lebensraum .....................................................................
40
4.4.5 Gefährdung der Heide .....................................................................
53
4.4.6 Naturschutz in der Lüneburger Heide .............................................
54
4.4.7 Militär in der Lüneburger Heide .......................................................
62
4.5 Kooperation mit Umweltverbänden und touristischen Institutionen .............. 63
4.5.1 Beteiligung der Verbände .................................................................
64
4.5.2 Integration der Anregungen in die weitere Arbeit .............................
66
4.5.3 Entwicklung eines Werbefl yers für die Öffentlichkeitsarbeit der
Verbände .......................................................................................... 68
5 Aufbau und Gestaltung des Heide-Interpretationspfades ................................... 69
5.1 Stationen des Pfades .................................................................................... 73
5.2 Informationsheft „Materialien zum Museumsbesuch“ ..................................... 109
5.3 Quiz ................................................................................................................ 110
5.4 Werbefl yer und Internetauftritt des Heideweges ............................................ 111
6 Fazit ........................................................................................................................... 113
Anhang I: Einladung von Umweltverbänden und touristischen Organisationen ............ 115
Anhang II: Zeitungsartikel .................................................................................................... 117
Anhang III: Arbeitsblatt Interpretation ................................................................................ 118
7 Literatur- und Quellenverzeichnis ........................................................................ 119
7.1 Literatur zum Thema Umweltbildung ............................................................. 119
7.2 Literatur zum Thema Heide ......................................................................... 121
7.3 Sonstige Literatur .......................................................................................... 124
7.4 Quellenangaben ............................................................................................ 125
8
Abbildungsverzeichnis
Abb. Geographische Lage des Museumsdorfes Hösseringen NA
Abb. Insektenauge im Park der Sinne in Laatzen NA
Abb. Klangstäbe im Park der Sinne in Laatzen NA
Abb. Zuordnung verschiedener Lehrpfadtypen zu den Erlebnisdimensionen NA
Abb. Interpretationsdreieck NA
Abb. Gepfl asterte Dorstraße im Museumsdorf Hösseringen NA
Abb. Imkerhaus im Museumsdorf Hösseringen NA
Abb. Verbreitung der Heidelandschaften in Europa um NA
Abb. Nährstofftransfer in der historischen Heidebauernwirtschaft NA
Abb. Typische Sandheide NA
Abb. Heidelbeer Sandheide NA
Abb. Blüte der Besenheide NA
Abb. Heidelbeer Heide im Museumsdorf Hösseringen NA
Abb. Wacholder NA
Abb. Birkhuhn NA
Abb. Wiesenpieper NA
Abb. Neuntöter NA
Abb. Rotfuchs NA
Abb. Kreuzotter NA
Abb. Zauneidechse NA
Abb. Feld Sandlaufkäfer NA
Abb. Kleines Nachtpfauenauge NA
Abb. Heidschnuckenherde im Steingrund NA
Abb. Flämmen der Heide NA
Abb. Maschinelles Plaggen NA
Abb. Entkusselungsaktion NA
Abb. Panzer in der Heide NA
Abb. Führung durch das Museumsdorf NA
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Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen
Abb. 29: Cattle grid ................................................................................................................. 65
Abb. 30: Überstieg .................................................................................................................. 65
Abb. 31: Übersichtskarte Heide-Weg ..................................................................................... 69
Abb. 32: Layout der Schautafeln ............................................................................................. 71
Abb. 33: Wegbegleiter im Vergleich ........................................................................................ 72
Abb. 34: Standort der 10 Stationen ........................................................................................ 73
Abb. 35: Standort Station 1 ...................................................................................................... 74
Abb. 36: Regenfester Prospekthalter ..................................................................................... 74
Abb. 37: Schautafel 1 vor der Beteiligung .............................................................................. 75
Abb. 38: Blick über die Heidefl äche von Station 2 aus ............................................................ 75
Abb. 39: Schautafel 3 vor der Beteiligung ............................................................................. 76
Abb. 40: Schautafel 1, endgültige Fassung ............................................................................ 77
Abb. 41: Schautafel 2 ............................................................................................................. 79
Abb. 42: Schautafel 3, endgültige Fassung ............................................................................. 81
Abb. 43: Navigationstafel vor der Beteiligung ........................................................................ 83
Abb. 44: Navigationstafel, endgültige Fassung ...................................................................... 85
Abb. 45: Schautafel 4 vor der Beteiligung ............................................................................... 87
Abb. 46: Schautafel 4, endgültige Fassung ............................................................................ 89
Abb. 47: Wacholder begünstigt das Aufwachsen von Eichen und Fichten ........................... 91
Abb. 48: Schautafel 5 ............................................................................................................. 93
Abb. 49: Schautafel 6 ............................................................................................................. 95
Abb. 50: Schautafel 7 ............................................................................................................. 99
Abb. 51: Schautafel 8 ............................................................................................................. 101
Abb. 52: Schautafel 9 ............................................................................................................ 103
Abb. 53: Wegweiser ................................................................................................................ 105
Abb. 54: Schautafel 10 ........................................................................................................... 107
Abb. 55: Titelblatt des Informationsheftes in der Reihe „Materialien zum Museumsbesuch“ 109
Abb. 56: Quiz zum Heide-Weg ............................................................................................... 110
Abb. 57: Werbefl yer zum Heide-Weg .................................................................................... 111
Abb. 58: Internetauftritt des Heide-Weges ............................................................................ 112
10
1 Einleitung
Das Museumsdorf Hösseringen liegt in der Lüneburger Heide, etwa 20 km südwestlich von Uelzen, Niedersachsen (s. Abb. 1). Es handelt sich um ein Freilichtmuseum, in dem alte Bauten der Lüneburger Heide ausgestellt sind. Das Ziel des Museums ist es, die ländliche Geschichte der Lüneburger Heide in lebendiger und anschaulicher Form zu vermitteln. 11
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen Das Museumsgelände ist mit zwölf Hektar Fläche ein recht überschaubares Areal. Dem Besu- cher ist es freigestellt, ob er es auf einem kleinen oder einem großen Rundweg erkundet, für die er ein beziehungsweise zwei Stunden einplanen sollte.
Die zur Zeit 26 Gebäude und das weitläufi ge Außengelände des Museumsdorfes bieten „einen Eindruck davon, wie man in den letzten 400 Jahren in der Lüneburger Heide auf dem Lande ge- wohnt und gewirtschaftet hat.“ (LWM 2005).
Im Museumsdorf befi ndet sich eine etwa 3 Hektar große Heidefl äche, die in einem durch die Eiszeit geformten Trockental liegt. Die Vegetation dieser Heidefl äche kann grob in drei Varianten der „Sandheide“ unterschieden werden. Eine von Besenheide (Calluna vulgaris) dominierte Va- riante der Sandheide beherrscht den Südhang des Tals, während die Vegetation am Schatthang und an stärker beschatteten Bereichen von der Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) dominiert wird. Am Nordhang stehen außerdem vereinzelte Wacholdersträucher (Juniperus communis). Eine drit- te Variante der Sandheide ist auf den trittbelasteten Bereichen und an den Wegrändern zu fi nden. Dort ist die Heide stark durch Rotes Straußgras (Agrostis capillaris) vergrast (BUHR 2005: 46 f.).
Im Rahmen des Museums hat diese Heidefl äche hauptsächlich die Funktion, die unterschied- lichen historischen Bewirtschaftungsarten von Heide darzustellen. Daher ist die Fläche in kleine Bereiche unterteilt, die vier Vegetationstypen zeigt: Sandmagerrasen, charakteristische Gehölz- formationen, Heidelbeer-Heiden und Calluna-Heiden in ihren zyklisch ablaufenden Entwicklungs- phasen (ebd.: 65).
Das Konzept für die Erhaltungspfl ege dieser Vegetationsformen wurde im Rahmen einer Di- plomarbeit an der Universität Hannover ausgearbeitet (BUHR 2005). Die Umsetzung dieses Kon- zeptes ist nun so weit fortgeschritten, dass die Heidefl äche für die Museumsbesucher geöffnet werden kann.
1.1 Anlass und Ziel der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, ein Konzept für einen Lehrpfad zu entwerfen, der die Besucher durch die Heidefl äche des Museumsdorfes Hösseringen führt und sie in Form von Stelltafeln über die Kulturlandschaft Heide als Lebensraum für Pfl anzen und Tiere informiert. In diesem Zusammen- hang sollen die Entstehung der Heidelandschaft, die Lebensraumfunktionen von Heidevegetation, sowie die Gefährdung von Heide durch Umwelteinfl üsse und Nutzungskonfl ikte vermittelt werden. Den Besuchern sollen die Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen Natur und anthropo- genem Handeln verdeutlicht und individuelle Möglichkeiten zum Schutz der Heide aufgezeigt wer- den. 12
Einleitung Dies entspricht dem erklärten Ziel des Museumsdorfes, die Vernetzung der historischen Heide- wirtschaft mit den biologischen und ökologischen Gegebenheiten ins Bewusstsein der Menschen zu rücken (MUSEUMSDORF HÖSSERINGEN 2008a).
Da über die historische Heidebauernwirtschaft bereits 19 Kurztexte im Rahmen einer Studien- arbeit an der Universität Lüneburg erarbeitet wurden (ALAND & ARENDT 2007), liegt der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit auf dem Arten- und Biotopschutz in der Lüneburger Heide. Die historische Heidebauernwirtschaft wird jedoch am Rande thematisiert, da sie einen bedeutenden Beitrag zur Entstehung der heutigen Arten- und Biotopvielfalt geleistet hat.
Insgesamt sollen zehn Stationen über die Arten- und Biotopvielfalt in der Lüneburger Heide informieren, um die Besucher für die Schutzwürdigkeit dieser Landschaft zu sensibilisieren. Die Vermittlungsinhalte reichen von der Vorstellung der in der Heide heimischen Tier- und Pfl anzen- welt und deren Schutzwürdigkeit über die Konfl ikte zwischen Heidetourismus und Naturschutz bis hin zu der Erkenntnis, dass Heide ohne menschliche Bewirtschaftung nicht fortbestehen kann. Der Heide-Lehrpfad dient nicht nur der Information, sondern erfüllt gleichzeitig den sehr wichtigen Zweck der Besucherlenkung durch die stark trittempfi ndliche Heidefl äche.
Außerdem soll ein Informationsheft für die bestehende Reihe des Museumsdorfes „Materialien zum Museumsbesuch“ als zusätzliche Besucherauskunft erarbeitet werden.
Der Besuch des Heide-Weges soll für Erwachsene und Kinder gleichermaßen geeignet sein, so dass die Tafeln kindgerecht gestaltet werden und die Texte allgemein verständlich sein müs- sen. Ein Quiz soll zusätzlich zur Aufl ockerung des Themas beitragen. An die Teilnehmer des Quiz werden einmal monatlich Preise verliehen. Als Sponsor der Preise konnte das Museumsdorf ge- wonnen werden.
Der Heide-Weg soll zudem auf der Internetseite des Museumsdorfes erwähnt werden. Dies geschieht am besten im Rahmen des Rundgangs, innerhalb dessen auch einige Gebäude des Museumsdorfes kurz beschrieben werden (MUSEUMSDORF HÖSSERINGEN 2008b).
Um den Heide-Weg auch über das Museumsdorf hinaus bekannt zu machen, werden verschie- dene Umweltverbände und touristische Institutionen von Anfang an in die Entwicklung des Pfades einbezogen. Auf diese Weise bekommen sie die Gelegenheit, eigene Anmerkungen beizusteuern, die im weiteren Verlauf in die Arbeit integriert werden sollen. Zum Schluss soll ein Werbefl yer erarbeitet werden, der den Verbänden bei der Eröffnung des Heide-Weges zur Verfügung gestellt wird. Diesen können sie in ihrer Öffentlichkeitsarbeit verwenden. 13
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen 1.2 Methodik und Vorgehensweise
Zu Beginn der Arbeit wird die Umweltbildung thematisiert. Es wird vorgestellt, wie sich Themen- pfade im Laufe der Geschichte entwickelt haben, welche Typen von Pfaden es gibt und durch den Einsatz welcher Methoden und Medien sie sich auszeichnen.
Der zweite Schritt besteht in der Konzeption des Heide-Weges. Dazu werden zuerst das um- weltpädagogische Ziel und die Zielgruppen des Heide-Weges ermittelt, deren Bedürfnisse später in der Aufbereitung des Themas berücksichtigt werden müssen. Wenn Ziel und Zielgruppe festste- hen, wird der geplante Pfad methodisch eingeordnet.
Im Anschluss daran werden verschiedene Aspekte der Kulturlandschaft Heide als Lebensraum erarbeitet und in Form von Schautafeln und des Informationsheftes aufbereitet. Auf der Grundlage der fertigen Schautafeln wird in einem letzten Schritt das Quiz erstellt.
Die Beteiligung der Umweltverbände und touristischer Institutionen fi ndet parallel zum Entwurf des Lehrpfades statt, da so ein möglichst großer Informationsaustausch gewährleistet wird. Zu diesem Zweck werden die Verbände zu Beginn der Arbeit über die Entstehung des Heide-Weges informiert und zu einem Präsentationstermin im Museumsdorf eingeladen, bei dem die Themen und Entwürfe für die ersten Schautafeln des Heide-Weges vorgestellt werden. 14
Lehrpfade in der Umweltbildung
2 Lehrpfade in der Umweltbildung
Der Begriff Lehrpfad wird im Folgenden als Überbegriff aller Arten von Lehr-, Lern- und Er- lebnispfaden verwendet. Diese Pfade befi nden sich direkt in der Natur und sind daher ein ganz wesentlicher Bestandteil der Umweltbildung. Im Gegensatz zu anderen Umweltbildungseinrich- tungen können sie die Gegenwart der realen Umwelt nutzen. Dieser Vorteil ermöglicht es, den Besuchern von Natur-Lehrpfaden „bewegende und zu Eigenaktivitäten anregende Einblicke in die Natur“ (EBERS et al. 1998: 33) zu bieten, die eine naturbewusste Einstellung fördern können. So belegt beispielsweise eine Studie, dass aktive Mitarbeit im Natur- und Umweltschutz hauptsäch- lich durch eigene Naturerfahrungen angeregt wird (ebd.).
In diesem Kapitel wird auf die historische Entwicklung von Lehrpfaden eingegangen. Im An- schluss werden mehrere Vermittlungsmethoden und Darstellungsmöglichkeiten vorgestellt, an- hand derer eine grobe Einteilung von Lehrpfadtypen unternommen wird. Zum Schluss werden Anforderungen an einen zeitgemäßen Lehrpfad formuliert.
2.1 Historische Entwicklung von Natur-Lehrpfaden
Natur-Lehrpfade waren von Anfang an meistens eng mit dem Naturschutzgedanken verknüpft, so dass sie hauptsächlich in Schutzgebieten errichtet wurden. Der erste Natur-Lehrpfad entstand 1925 im Palisade Interstate Park in den USA. Er war schon sehr fortschrittlich, da er das Ziel verfolgte, den Besuchern die Umwelt näher zu bringen und sie für den Naturschutz zu gewinnen (EBERS et al. 1998: 11).
Mit dieser Intention spiegelt dieser erste Natur-Lehrpfad die Ziele der Umweltbildung wider. Diese will hauptsächlich dazu beitragen, dass sich ein umweltgerechtes Verhalten in der Bevölke- rung durchsetzt. Um dieses Ziel zu erreichen, versuchte man zu Anfang nur, das Umweltwissen zu stärken. Umweltwissen ist zwar eine wichtige Grundvoraussetzung für umweltgerechtes Handeln, zieht dieses aber nicht automatisch nach sich. Um Umweltengagement zu erreichen, sollten Na- tur-Lehrpfade durch einen hohen Praxisbezug und die Förderung von Aktivität in der Umwelt nach Möglichkeit die Eigeninitiative der Besucher wecken (ebd.: 12 f.). 15
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen 1930 entstand im Bredower Forst bei Nauen der erste Natur-Lehrpfad in Deutschland. Danach ging die Entwicklung von Lehrpfaden lange Zeit sehr langsam vonstatten. Erst in den 1960er Jahren nahm ihre Anzahl parallel mit dem zunehmenden Wohlstand der Gesellschaft stark zu (EBERS et al. 1998: 11). Auch verstärkte sich das Erholungsbedürfnis der Menschen durch die zunehmende Verstädterung und die steigende Anzahl an Kraftfahrzeugen, so dass die Natur als Erholungsraum einen höheren Stellenwert bekam (LINDAU 2004: 45; EDER & ARNBERGER 2007: 23). Insbesondere Wald-Lehrpfade entstanden in dieser Zeit, da man die Wälder durch den lenken- den Effekt der Pfade schützen wollte. Hauptsächlich die „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ und Förster setzen sich damals für dieses Konzept ein. Das Hauptziel dieser Pfade war also die Besucherlenkung. Dass die Besucher bei ihrem Waldspaziergang etwas über die Funktion und Ökologie des Waldes lernten, kann eher als ein willkommener Nebeneffekt betrachtet werden (EBERS et al. 1998: 11).
Die damaligen Lehrpfade bestanden meist aus Tafeln am Wegesrand, die in Text und bildlicher Darstellung Informationen zu der Umgebung boten. Bereits in den 1970er Jahren wurde dieser „Schilderwald im Wald“ jedoch kritisiert, weil kleine Tafeln nicht genug Platz boten, um komplexe Themen verständlich dazustellen, während große Tafeln durch ihre Informationsfülle von vorn- herein abschreckend auf den Besucher wirkten. Auch die ästhetische Beeinträchtigung der Land- schaft war häufi g nicht zu vernachlässigen. Um diesem Problem zu begegnen, wurden im Folgen- den Pfade mit kleinen Nummernpfl öcken und dazugehöriger Broschüre entwickelt (ebd.: 12). Anfang der 1970er Jahre wurde der Begriff Lernpfad eingeführt, der die Besucher mittels Ar- beitsbögen und Aufgaben zu einer aktiven Teilnahme animierte. Fachleute erkannten, dass ein solches handlungsorientiertes Konzept eher Umweltengagement hervorruft, als die reine rezep- tive Informationsvermittlung es kann (ebd.). Bei dieser können die Besucher die Informationen ausschließlich passiv durch das Lesen von Schildern aufnehmen (EDER & ARNBERGER 2007: 26). Ende der 1980er Jahre wurde der Schilder-Lehrpfad jedoch wieder vermehrt eingesetzt, weil neue Techniken es ermöglichten, hochwertige Tafeln in Fotoqualität zu erzeugen (NUTZ 2003: 39). Auch thematisch haben sich die Lehrpfade über die Jahre verändert. In den 1980er Jahren trat die Aufklärung über Umweltrisiken, ausgelöst durch den Unfall in Tschernobyl, stark in den Vordergrund (ebd.: 28). Insgesamt wurde nun in der Umweltbildung vermehrt auf ökologische Probleme aufmerksam gemacht, während vorher hauptsächlich eine heile und idyllische Waldwelt dargestellt wurde (EBERS et al. 1998: 12).
Gleichzeitig entstand ein neuer pädagogischer Ansatz der Naturvermittlung, der das Naturer- leben betonte. Angelehnt an diesen Ansatz entstand in den 1990er Jahren der erste Naturerleb- nispfad Deutschlands im Nationalpark Bayerischer Wald, auf dem man die Natur mit allen Sinnen und dem ganzen Körper erleben konnte (ebd.: 13). Die Informationen wurden erst interaktiv und dann auch sensorisch vermittelt, so dass der Besucher durch die eigene Körpererfahrung einen neuen Zugang zur Natur und zum Naturerleben fi nden konnte (EDER & ARNBERGER 2007: 26). Das 16
Lehrpfade in der Umweltbildung Ziel der Vertreter dieser ganzheitlichen Umweltbildung war es, den Besuch von Lehrpfaden als nachhaltiges Erlebnis zu gestalten (ebd.: 27).
Nachdem deutlich wurde, dass die Darstellung von Umweltgefahren zu Umweltängsten führt, wurde in den 1990er Jahren vermehrt auf eine Ressourcenkommunikation gesetzt. Das heißt, die individuelle Umweltverantwortung wurde gestärkt, indem man den Menschen auch auf Natur- Lehrpfaden persönliche Handlungsmöglichkeiten aufgezeigte (NUTZ 2003: 29). In den folgenden Jahren sind verschiedene andere Arten von Lehrpfaden entstanden, die ver- suchen, ihre Inhalte möglichst fortschrittlich zu vermitteln und gleichzeitig mit einem hohen Unter- haltungswert zu locken. Dabei gerät mitunter das Erlebnis zu sehr in den Vordergrund, während die Wissensvermittlung vernachlässigt wird (EBERS et al. 1998: 13).
In letzter Zeit wurden Lehrpfade nicht nur mit dem Ziel der Umweltbildung errichtet. Es ka- men Pfade hinzu, die vorrangig das Ziel der Regionalentwicklung verfolgten (EDER & ARNBERGER 2007: 27). Diese so genannten Themenwege stellen die Besonderheit der jeweiligen Region dar und schaffen damit hauptsächlich Unterhaltungsangebote für Touristen. Ziel dieser Pfade ist es, die touristische Wertschöpfung und die regionale Identität zu erhöhen (ebd.: 28).
2.2 Vermittlungsmethoden
Nicht nur bei Lehrpfaden für Kinder sollte eine hohe Methodenvielfalt zum Einsatz kommen. Wenn viele Informationen konzentriert aufeinander folgen, ist auch bei Erwachsenen eine Ab- wechslung in der Vermittlung wichtig, um den visuellen Wahrnehmungsprozess anzuregen. Me- thodische Eintönigkeit hingegen wirkt schnell ermüdend. Geeignete Mittel sind zum Beispiel kleine Aufgaben und Fragen, die den Besucher anregen, zu beobachten, zu erfahren und eigenständig zu einem Ergebnis zu kommen (SCHMEER-STURM 1994: 151).
SCHMEER-STURM (1994: 146) hat für die Konzeption von Führungen in Kunstmuseen pädagogi- sche Richtziele aufgestellt, die den Lerneffekt beim Besucher erhöhen. Diese lassen sich gut auf die Konzeption von Natur-Lehrpfaden übertragen:
Wissen und Erkennen
• Zusammenhänge der Themen des Pfades mit der bereisten Region erkennen
• naturwissenschaftliche Wissensbereiche und Denkweisen kennen lernen
• die kulturellen Hintergründe der Landschaft in Geschichte und Gegenwart kennen lernen
• Verständnis für den Wandel der Verhaltensweisen und Wertvorstellungen des Naturschutzes gewinnen und sich damit auseinander setzen 17
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen Können
• sich auf dem Lehrpfad selbst orientieren können
• ein „Gespür für die Landschaft“ bekommen
• die besichtigten Naturphänomene kulturhistorisch und naturwissenschaftlich einordnen können
• Natur lebendig und offen erleben können
• Informationen aus der Landschaft entnehmen und darüber kommunizieren können
Werten
• anhand der erlebten Natur Begeisterung/ Betroffenheit etc. empfi nden
• sich der geschichtlich bedingten Relativität der eigenen Wertvorstellungen und Verhaltenswei- sen bewusst werden
• sich für neue Denkweisen öffnen und Bereitschaft zur Auseinandersetzung damit entwickeln
• durch die erlebte Landschaft animiert werden, der Zerstörung und Gefährdung der Natur entge- genzutreten und sich umweltverträglich zu verhalten
Um diese Ziele zu erreichen, sollten die Informationen möglichst gut strukturiert sein und den Besucher zur Besichtigung motivieren. Gleichzeitig erhält er Merkhilfen, da alle Stationen des Pfades durch einen roten Faden verbunden sind. Diese Verbindung lässt sich durch unterschied- liche Methoden herstellen. Zum Beispiel können die Stationen in einen zeitlichen Zusammenhang gesetzt werden, oder die Themen können mit zuvor angesprochenen Themen verglichen werden (ebd.: 147). Dadurch wird bewirkt, dass sich der Besucher den zuvor erklärten Sachverhalt ins Gedächtnis ruft und ihn durch den Vergleich aus einer anderen Perspektive betrachtet. In einem teilnehmerorientierten Lehrpfad können auch Fragen, Impulse und Aufforderungen eingesetzt werden. Die dadurch angestoßene eigene Denkleistung ist für den Besucher ein Erfolgserlebnis
- wie eine bestandene Prüfung.
Das Erfolgserlebnis ist ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Lehrpfades. Da die Umweltbildung mit Lehrpfaden das Ziel verfolgt, beim Besucher umweltgerechtes Verhalten her- vorzurufen (s. Kapitel 2.1, S. 15), ist die emotionale Dimension ein sehr wichtiger Faktor. Das Flow-Learning-Konzept von Cornell beschreibt, wie „menschliche Aktivitäten (…) zu erfreulichen Aktivitäten“ (NUTZ 2003: 41) werden. Dabei spielen vor allem vier Aspekte ein wichtige Rolle: Es soll Begeisterung geweckt werden, damit Aufmerksamkeit entsteht. Diese ermöglicht eine tiefere Naturerfahrung, so dass man andere an den eigenen Erfahrungen teilhaben lässt (EBERS et al. 1998: 13). Je mehr positive Emotionen demnach durch einen Lehrpfad ausgelöst werden, desto nachhaltiger ist der Lernerfolg. 18
Lehrpfade in der Umweltbildung Im Folgenden werden vier naturpädagogische Ansätze zur Vermittlung von Umweltthemen vor- gestellt.
Die Umweltkommunikation ist eine Form der Vermittlung, die Abwehrreaktionen der Bevöl- kerung gegen rechthaberisch wirkende Umweltbildung begegnen soll. Sie führt Dialoge über Vor- und Nachteile von Umweltmaßnahmen, so dass der Betrachter zu einer eigenen Meinung fi nden kann (NUTZ 2003: 27 f.).
Ein Kommunikationsmittel in der Umweltbildung ist die Naturinterpretation. Dieser Ansatz kommt aus den USA und beschreibt im Grunde, „wie sich die Sprache der [Natur-] Phänomene in die Sprache der Menschen übersetzen lässt“ (LUDWIG 2003b: 1). Diese Methode wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich in den amerikanischen Nationalparks angewandt. Die Natur- interpretation hat das Ziel, zwischen dem Betrachter und einem Naturphänomen zu vermitteln. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, eine Verbindung des Phänomens mit der Lebenswelt des Betrachters zu fi nden, um den Betrachter „in seiner Welt“ abzuholen. Dazu werden zum Beispiel offene Fragen, Vergleiche oder Metaphern benutzt, um dem Betrachter einen Denkanzustoß zu geben. So lässt sich eine spannende Darstellung von Fakten und Zusammenhängen realisieren, die den Besucher zu eigenem Denken und Handeln anregt (NUTZ 2003: 28 f.).
Eine besondere Form der Naturpädagogik ist die Wildnispädagogik, die den Wert wilder Na- tur vermitteln möchte. Das ist im heutigen Mitteleuropa jedoch ein schwieriges Projekt, da es hier keine ursprüngliche Naturlandschaft mehr gibt. Daher wird hier stattdessen die „Verantwortung der Menschen als Bestandteil natürlicher Kreisläufe“ (ebd.: 31) und die Schönheit wilder Natur vermit- telt. Der Schwerpunkt liegt darin, den Menschen die natürlichen Zusammenhänge, die Sinnigkeit der Natur und ihre daraus hervorgehende Schutzwürdigkeit näher zu bringen. Es soll vermittelt werden, dass das Ziel, die Natur sich selbst sein zu lassen, nur erreicht werden kann, wenn sich der Mensch dementsprechend verhält. Die Vertreter der Wildnispädagogik erwarten dabei jedoch nicht, dass jeder Besucher die gleichen Konsequenzen aus den bereitgestellten Informationen zieht, sondern lassen jedem den Denkfreiraum, seine eigene Sicht mit den entsprechenden Hand- lungskonsequenzen zu fi nden (ebd.: 29 f.).
Die Erlebnispädagogik
bietet „einen Zugang zu Natur mit allen Sinnen“ (ebd.: 32). Um die- sen zu ermöglichen, sind ein Perspektivenwechsel, ein spielerischer Umgang mit der Natur und wiederholende Betrachtungen von Naturphänomenen notwendig. Das Ziel der Erlebnispädagogik ist die Förderung der Erlebnisfähigkeit von Menschen, die durch die Zivilisation von der Natur entfremdet wurden. Die direkte Naturerfahrung ruft demnach das Bedürfnis hervor, die erlebte Natur zu schützen. Das ganzheitliche Erlebnis mit der Natur kann Menschen am ehesten für diese empfänglich machen. Eine solche ganzheitliche Naturerfahrung birgt jedoch auch eine Gefahr für die Natur, da jeder Aufenthalt in ihr auch einen Eingriff darstellt (ebd.: 32 f.). 19
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen Das Ziel der Umweltbildung – eine nachhaltige umweltrelevante Verhaltensänderung – kann auf Natur-Lehrpfaden also auf verschiedene Arten erreicht werden. Wichtig ist auf jeden Fall die Naturerfahrung, die beim Besucher positive oder negative Emotionen auslöst, da den Emotionen „eine maßgebliche Steuerungsfunktion beim Umgang mit Werten“ (ebd.: 35) zukommt. Gleichzei- tig darf aber die Wissensvermittlung nicht vernachlässigt werden, da nur über rationale Informatio- nen Einsicht erlangt werden kann, welche wiederum die Basis einer Verhaltensänderung darstellt (ebd.: 35 f.).
2.3 Technische Darstellungsmöglichkeiten
Zur Vermittlung von Naturerfahrung und Wissen können auf Lehrpfaden verschiedene Medien zum Einsatz kommen. Die Liste reicht von Stelltafeln über Nummernpfl öcke mit Begleitbroschüre und Sinnespfade bis hin zu Pfaden, auf denen der Besucher mit einem Audioguide geführt wird. Eine Kombination dieser vier Typen der Darstellung bietet sich an, da der Lerneffekt größer wird, je mehr Sinne angesprochen werden (LUDWIG 2003a: 26).
Am häufi gsten werden Lehrfade mit Stelltafeln verwendet, die mittels Texten, Grafi ken, Tabel- len, Bildern und Ähnlichem komplexe Themen beschreibend darstellen können. Stelltafeln sind gut geeignet, um auf bestimmte Naturausschnitte direkt aufmerksam zu machen, da sie sich an festgelegten Stellen in der Natur befi nden. Sie neigen jedoch dazu, den Besucher zu überfordern, wenn der Text zu lang ist oder zu viele Fremdwörter enthält (s. Kapitel 2.1, S. 16).
Noch heute entstehen manche Lehrpfade, die kostengünstig in großer Stückzahl hergestellt und an unterschiedlichen Orten eingerichtet werden. Didaktische und wahrnehmungspsychologi- sche Aspekte werden dabei jedoch häufi g nicht berücksichtigt. Das führt dazu, dass der Lern- und Erlebniseffekt gering ist. Durch zu lange Texte in zu kleiner Schrift u. ä. wird bei solchen Lehrpfa- den die Konzentration des Betrachters überstrapaziert, so dass er leicht das Interesse am The- ma verliert. Ein weiterer Nachteil dieser Lehrpfade ist, dass die Texte häufi g zu wissenschaftlich und abstrakt für die Besucher sind, die oft hauptsächlich Entspannung und Unterhaltung suchen (EBERS et al. 1998: 20 f.). Zudem sind Schilderpfade meist nicht geeignet, dem Besucher eine Naturerfahrung zu bieten, da der Schwerpunkt auf einer rezeptiven Wissensvermittlung liegt. So zeigt beispielsweise eine unveröffentlichte Studie aus dem Nationalpark Bayerischer Wald, dass die Schilder von den Besuchern zwar gelesen werden, die dazugehörigen Naturphänomene aber gar nicht betrachtet werden. Auch muss der Einsatz von Stelltafeln von der Landschaft abhängig gemacht werden. Man sollte sie nur verwenden, wenn sie das Landschaftsbild optisch nicht be- einträchtigen (EBERS et al. 1998: 16; NUTZ 2003: 45 f.). Informationstafeln sind jedoch oft nicht zu vermeiden, wenn es darum geht, den Pfad klar zu gestalten. Wenn die Tafeln inhaltlich und gestal- terisch die Grundsätze der Didaktik und Wahrnehmungspsychologie berücksichtigen, ist dagegen 20
Lehrpfade in der Umweltbildung auch nichts einzuwenden (ebd.: 21; EDER & ARNBERGER 2007: 49). Häufi g werden kleine Nummernpfl öcke
in der Landschaft bevorzugt, da sie nicht so stark ins Auge fallen wie große Informationstafeln. Sie werden durch eine Begleitbroschüre ergänzt, in der zu jeder Nummernstation Informationen nachzulesen sind (s. Kapitel 2.1, S. 16). Diese Broschü- re kann unter Umständen sehr umfangreiche oder mehrsprachige Informationen enthalten, was Stelltafeln aufgrund ihres begrenzten Platzangebotes nicht leisten können. Außerdem kann sie auf einem Lehrpfad unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Es wäre auch denkbar, für Kinder eine zusätzliche Broschüre zu entwickeln. Eine Broschüre bietet außerdem den Vorteil, dass die Besucher sie mit nach Hause nehmen und sich zu einzelnen Themen genauer informieren kön- nen (EBERS et al. 1998: 16; NUTZ 2003: 46). Auch fi nanziell hat ein Nummernpfad einen Vorteil gegenüber dem Pfad mit Stelltafeln, da es günstiger ist, neue Broschüren drucken zu lassen als die Stelltafeln Instand zu halten. Der einzige Nachteil von Broschüren ist, dass es jedem Besucher ermöglicht werden muss, eine solche Broschüre zu erhalten. Auch Spaziergänger, die an belie- biger Stelle auf den Pfad treffen, sollten Zugang zu Broschüren haben. Andernfalls ist es für sie eher frustrierend, Nummernpfl öcke zu sehen, deren Sinn sich ihnen nicht erschließt (EBERS et al. 1998: 23; NUTZ 2003: 49).
Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, Lehr-
pfade mit handlungsorientierten Sinnesstatio- nen zu konzipieren. Dabei geht es nicht so sehr um eine Wissensvermittlung, sondern mehr um die Naturerfahrung selbst (EBERS et al. 1998: 16;
NUTZ 2003: 46). Die Natur soll nach Möglich- keit mit allen Sinnen erlebbar gemacht werden.
Dazu werden Tast-, Hör-, Geruchs- und verein- zelt sogar Geschmacksstationen eingerichtet (NUTZ 2003: 46). Ein gutes Beispiel für einen Natur-Lehrpfad, der mit Sinnesstationen arbei- tet, ist der „Park der Sinne“ in Laatzen. Dort gibt es unter anderem einen Kräutergarten, in dem verschiedene Gerüche und Geschmäcke erlebt werden können, einen Bach mit Wasserspiel- möglichkeiten für Kinder, einen Barfuß-Weg, der mit unterschiedlichsten Bodenbelägen ver- sehen ist und ein „Insektenauge“, in dem man das Seherlebnis einer Biene in vereinfachter Form erfahren kann (s. Abb. 2). 21
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen Moderne technisierte Lehrpfade können die Informationen auch über einen Audioguide ver- mitteln (vgl. EBERS et al. 1998: 16). Dazu bekommt jeder Besucher ein Musikabspielgerät, auf dem zu jeder Station eine Audiodatei gespeichert ist. Der Weg muss dafür entweder in der Landschaft eindeutig defi niert oder anhand einer Karte erkennbar sein. Entlang des Weges werden nur kleine Sensoren benötigt, die für den Besucher unsichtbar bleiben können. Kommt der Besucher an den Sensoren vorbei, wird die entsprechende Datei des Audioguides abgespielt. Das hat den Vorteil, dass die Stationen nicht unbedingt in einer vorgegebenen Reihenfolge besucht werden müssen. Ein Beispiel für einen solchen fortschrittlichen Hör-Lehrpfad gab es im ehemaligen Regenwald- haus in Hannover-Herrenhausen.
Es sind auch mobile Pfade denkbar, bei denen dem Besucher zum Beispiel ein Materialkoffer mit auf den Weg gegeben wird, mit dessen Inhalt unterschiedliche Aufgaben und Experimente durchgeführt werden können (EBERS et al. 1998: 17; NUTZ 2003: 50).
Lehrpfade in der Umweltbildung Wie bereits in Abschnitt 2.1 beschrieben, verfolgen Lehrpfade nicht immer nur Umweltbildungs- ziele, sondern teilweise auch oder ausschließlich touristische Ziele. Im Folgenden werden drei Natur-Lehrpfadtypen vorgestellt. Sie werden nach ihrem jeweiligen pädagogischen Konzept un- terteilt, wobei die Übergänge fl ießend sind (LUDWIG 2003a: 26). Jeder Typ ist dabei als Schilder- oder Nummernpfad umsetzbar. Außerdem werden der Interpretationspfad und der Themenweg vorgestellt, welche zum Teil bzw. vollständig touristische Ziele verfolgen.
Den einzelnen Lehrpfadtypen werden verschiedene Erlebnisdimensionen nach PINE & GILMORE (1999) zugeordnet (s. Abb. 4, S. 22). Demnach spielen bei der Entwicklung eines Erlebnisses vier Dimensionen eine Schlüsselrolle: Unterhaltung, Bildung, Ästhetik und Flucht aus dem Alltag. Die Dimensionen Unterhaltung und Ästhetik sind dabei im Bereich der passiven Beteiligung angesie- delt. Das heißt, die Besucher sind eher passives Publikum. Die Dimensionen Bildung und Flucht aus dem Alltag hingegen beziehen die Besucher aktiv mit ein (EDER & ARNBERGER 2007: 57).
2.4.1 Klassischer Lehrpfad
Der klassische Lehrpfad vermittelt Wissen üblicherweise über Schautafeln mit Texten und Bil- dern. Die Informationen haben aber in der Regel keine direkte Beziehung zu konkreten Naturphä- nomenen vor Ort und folgen keiner durchgängigen Leitidee. Er setzt meist den „Bildungshunger“ (LUDWIG 2003a: 26) der Besucher voraus. Das heißt, der Besucher muss also das Interesse an dem jeweiligen Thema bereits mitbringen. Der Lehrpfad bezieht den Besucher nur in einem sehr geringen Umfang aktiv mit ein, indem er eventuell Beobachtungs-, Hör- oder Tastaufgaben anbie- tet (ebd.).
Der klassische Lehrpfad ist durch den Besucher als passivem Leser hauptsächlich in die Er- lebnisdimension Unterhaltung einzuordnen (s. Abb. 4, S. 22). Die fehlende emotionale Wissens- vermittlung erlaubt kein Eintauchen in das Thema, und auch ein bildungsbezogener Erfolg wird dadurch fragwürdig (EDER & ARNBERGER 2007: 58).
2.4.2 Lernpfad
Der von Stichmann Anfang der 1970er Jahre geprägte Begriff des Lernpfades begegnet den Problemen des rezeptiven Vermittlungskonzeptes des Lehrpfades mit einem stärker handlungsori- entierten Konzept. Auf Lernpfaden werden die ausschließlichen Fachinformationen durch Fragen, Aufgaben und andere Denkanstöße ersetzt. Die Aufgaben werden den Besuchern auf Arbeitsbö- gen mitgegeben und leiten zu zahlreichen Aktionen in der Natur an. Auch dieses Konzept geht also von einem lernwilligen Publikum aus, da es sich die Informationen selbst erarbeiten muss (LUDWIG 2003a: 26). Lernpfade eignen sich besonders gut als Unterrichtsergänzungen, sind aber auch für Urlauber und andere Spaziergänger gut zur Wissensvermittlung geeignet. Die bewusste Begegnung mit der Natur auf Lernpfaden ist ein nachhaltiges Erlebnis, das umweltverträgliches Handeln fördern kann (EBERS et al. 1998: 12 f.). 23
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen Der Lernpfad wird der Erlebnisdimension Bildung zugeordnet (s. Abb. 4, S. 22), da sich die Besucher die Informationen aktiv erarbeiten müssen (EDER & ARNBERGER 2007: 58) und dadurch ein hoher bildungsbezogener Erfolg zu erwarten ist.
2.4.3 Naturerlebnispfad
Naturerlebnispfade beziehen den Besucher noch aktiver mit ein als Lernpfade. Die Natur soll hier mit allen Sinnen erfahrbar gemacht werden (s. auch Kapitel 2.1, S. 16). Diese Art von Pfad spricht vor allem das Freizeitpublikum an, das eine Mischung aus Unterhaltung und Information, das so genannte „Edutainment“ (WEYER 1998: 3), in der Natur sucht. Dabei wird den Erwachsenen die Natur häufi g von ihren Kinder näher gebracht. Für diese gibt es entlang des Pfades verschie- denste Spiel- oder Rätselmöglichkeiten (LUDWIG 2003a: 26). Ziel dieser Erlebnispfade ist es, durch die sinnliche Wahrnehmung positive Gefühle zu wecken und einen Bezug zur Natur herzustellen. Nach dem Motto „Ich schütze, was ich kenne“ sollen die Besucher die Natur als etwas Wertvolles erfahren (EXNER 2007). Das Zusammengehörigkeitsgefühl von Mensch und Umwelt soll gefördert werden. Die Aktionen, zu denen auf dem Pfad animiert wird, sollen nach Möglichkeit so aufge- baut sein, dass sie von den Besuchern eigenständig auf andere Situationen übertragen werden können. Im heutigen Zeitalter der Computerspiele sollen so vor allem Kinder zu früher selbstver- ständlichen Aktivitäten in der Natur zurückgeführt werden (EBERS et al. 1998: 23). Optimalerweise wird jedoch auf Erlebnispfaden nicht nur die affektive, also gefühlsmäßige Seite des Menschen angesprochen. Die kognitive Wissensaufnahme trägt gerade bei Erwachsenen wesentlich zum Naturerleben bei. „Eine Kombination von sinnlicher Wahrnehmung, interaktiver Wissensvermitt- lung, spielerischen und mythischen Elementen gestaltet diesen Pfad abwechslungs-, erlebnis- und lehrreich.“ (ebd. 24). Auf einem Natur-Erlebnispfad soll sich der Besucher nach EBERS et al. (1998: 49) möglichst auf vier verschiedenen Ebenen mit der Natur beschäftigen. Zuerst werden die Sinne sensibilisiert, um das Wahrnehmungsvermögen anzuregen. Auf der zweiten Ebene soll das ästhetische Empfi nden des Menschen geweckt werden, so dass er die Natur als „schön“ empfi ndet. Im Anschluss werden Lebensräume vorgestellt, um eine positive Einstellung zu der Pfl anzen- und Tierwelt hervorzurufen. Auf Grundlage der somit erreichten positiven Einstellung sollen einfache biologische und ökologische Sachverhalte interaktiv vermittelt werden. Wegen ihrer Erlebnisgestaltung sind Naturerlebnispfade den Dimensionen Bildung und Flucht aus dem Alltag zuzuordnen (s. Abb. 4, S. 22). Die Kombination von kognitiver, affektiver und sen- sorischer Wissensvermittlung führt zu einem optimalen Bildungserfolg und ermöglicht zugleich das Eintauchen der Besucher in das Thema. Im Besucher wird das Bedürfnis geweckt, die Natur- erfahrung zu wiederholen (EDER & ARNBERGER 2007: 59). 24
Lehrpfade in der Umweltbildung
Lehrpfadtyp, der nur teilweise auch Umweltbil-
dungsziele verfolgt. Er richtet sich an ein Frei- zeitpublikum, so dass er unterhaltsam gestaltet sein muss, wenn er die Besucher erreichen soll.
Ziel der Landschaftsinterpretation ist es, nicht nur Faktenwissen, sondern Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln. Der Besucher soll emotional berührt und aufgerüttelt werden und einen persönlichen Bezug zu Landschaft und Natur herstellen und so ihren Wert erkennen (EDER & ARNBERGER 2007: 53). Dieses Ziel wird
LUDWIG (2003c: 5) hauptsächlich die personelle Methode der Naturführung. Dabei ist der Führer der Naturinterpret, der dem Besucher das Naturphänomen näher bringt. Das Modell des Interpre- tationsdreiecks verdeutlicht dieses Konzept (s. Abb. 5). Der aktive Dialog zwischen Interpret und Besucher ist ein besonders wichtiger Aspekt. Die Aufgabe des Interpreten besteht darin, eine Brü- cke zwischen dem Phänomen und dem Besucher zu bauen. Dazu muss er während der Führung die Besucher möglichst gut kennen lernen, um an ihre Erfahrungen anknüpfen zu können (vgl. Ka- pitel 2.2, S. 19). Über offene Fragen soll sich der Interpret mit den Einstellungen und Sichtweisen der Besucher vertraut machen, so dass er daraufhin die Botschaften der einzelnen Phänomene gezielt weitergeben kann (LUDWIG 2003c: 4). Diese Form der Naturführung ist unterhaltsam, weil sie den Besucher einbezieht und persönlich anspricht. Das übergeordnete Ziel der Naturinterpre- tation besteht darin, „eine emotionale und rationale Verbindungen zwischen den Interessen der Zuhörer und den den Phänomenen innewohnenden Bedeutungen [herzustellen]“ (ebd.: 6). Landschaftsinterpretation kann statt mit Interpreten auch in medialer Form geschehen. So ist es möglich, einen Interpretationspfad mit Schautafeln zu gestalten. Dieser hat gegenüber der personellen Methode den Nachteil, dass er nicht spontan auf verschiedene Situationen und auf die Interessen der Besucher reagieren kann. Solche Schilderpfade können die zu vermittelnden Themen meist nur oberfl ächlich betrachten, aber sie bieten den Vorteil, dass sie immer verfügbar und meistens kostengünstiger sind (ebd.: 7). Interpretationspfade nutzen häufi g eine Mischung aus Schautafeln und interaktiven Aktionselementen. So kann das Wissen, das zuerst rezeptiv 25
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen vermittelt wurde, an einer späteren interaktiven Station angewendet werden. Diese Wiederholung führt zu einer nachhaltigen Wissensverankerung. Da die Stationen eines Interpretationspfades immer in direktem Bezug zu dem jeweiligen Phänomen stehen, sollten die Aktionselemente nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt werden (LUDWIG 2003a: 26).
Ein besonderes Merkmal von Interpretationspfaden ist, dass sie immer die Besonderheiten der jeweiligen Landschaft einbeziehen und einen konkreten Bezug zur Landschaft vor Ort haben (MEGERLE 2005: 18).
In diesem Zusammenhang ist auch ein Interpretationsraum denkbar. Dieser ist im Gegensatz zum Interpretationspfad nicht an eine chronologische Abfolge der Stationen gebunden. Das hat zur Folge, dass aufeinander aufbauende Denkansätze nicht vermittelt werden können. Hier eignet sich eher die Beleuchtung verschiedener Blickwinkel eines bestimmten Aspektes. Der Interpre- tationsraum bietet sich weiterhin für Naturräume an, die eine fl ächige Struktur aufweisen (LUDWIG 2003a: 29). So kann bespielsweise eine Insel als Interpretationsraum genutzt werden. Der Interpretationspfad ist hauptsächlich den Erlebnisdimensionen Unterhaltung und Ästhetik zuzuordnen (s. Abb. 4, S. 22). Das Freizeitpublikum wird unterhalten, und zugleich soll über die Schönheit der Landschaft deren Wert vermittelt werden. Somit werden die Informationen zugleich kognitiv und emotional vermittelt. Die Besucher werden hauptsächlich passiv beteiligt, so dass nur bei einer sorgfältigen Ausgestaltung des Pfades ein tiefgreifendes Erlebnis erreicht werden kann (EDER & ARNBERGER 2007: 59).
2.4.5 Klassischer Themenweg
Der klassische Themenweg ist ein Lehrpfadtyp, der keinerlei Umweltbildungsziele, sondern nur touristische Ziele verfolgt. Er wird in der Regel aus rein regionalwirtschaftlichen Gründen errichtet, um strukturschwache, ländliche Regionen attraktiv zu gestalten. Er stellt hauptsächlich kulturelle und kulturhistorische Besonderheiten der jeweiligen Region vor (ebd.: 55). Diese Pfade werden als ökonomische Besucherlenkung benutzt, indem sie gezielt auf weitere touristische Attraktio- nen oder Gastronomiebetriebe hinweisen oder zu ihnen hinführen. Das Ziel ist also nicht nur ein erhöhtes Besuchererlebnis, sondern auch die Steigerung des Ausgabeverhaltens der Besucher (ebd.: 29).
Klassische Themenwege bedienen sich häufi g der rezeptiven Wissensvermittlung. Diese Art der Vermittlung ist jedoch eigentlich nicht gut geeignet, die Ziele des Pfades zu erreichen, da Tou- risten eher zum Wiederkommen animiert werden können, wenn ihnen ein nachhaltiges Erlebnis geboten wird (ebd.: 56).
Diese Tatsache führt dazu, dass der klassische Themenpfad ausschließlich in die Erlebnisdi- mension Unterhaltung eingeordnet werden kann (s. Abb. 4, S. 22). Touristisch gesehen wäre es jedoch vorteilhafter, die Dimension Flucht aus dem Alltag mit einzubeziehen (ebd.: 59). 26
Arbeit zitieren:
Diplom-Ingenieur Linda Liebl, 2008, Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen (Lüneburger Heide), München, GRIN Verlag GmbH
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