Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Zum Begriff der Erziehung 5
3. Bedeutung des Erziehungsbegriffes für Vorgesetzte 7
4. Zum Begriff des Führungsstiles 8
5. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit
von Erziehungs/Führungsstilen von Kurt Lewin 9
6. Auswertung der Untersuchung 10
7. Fazit der Untersuchung Lewins im Bezug auf Führungsstile 12
8. Die Arbeiten von Tausch und Tausch 13
9. Der situative Führungsstil 15
10. Umweltfaktoren und Sozialisation 16
11. Individuelle Motivation als Erfolgsfaktor effektiver Führung 19
12. Delegation als mitarbeiterfreundliches Führungsinstrument 22
13. Exkurs: MbO im Rahmen der militärischen Führung 26
14. Praxiserfahrung im Stadtteilbüro „Ruhrfeld City“ 27
15. Fazit 32
16. Zur Ausbildung des Managers in der Sozialen Arbeit 34
17. Abschlussbemerkung 37
18. Literaturverzeichnis 38
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1. Einleitung
Der Bereich des Managements erlebt in den Einrichtungen der Sozialen Arbeit, insbesondere im 3. Sektor, in den letzten Jahren einen enormen Bedeutungszuwachs. Dieses findet seine Begründung in einer sich immer stärker ausprägenden philanthropischen Unzulänglichkeit, die sich besonders im Spektrum der Finanzmittel zeigt und von hier aus Einfluss auf die gesamte Soziale Arbeit nimmt. Diese Unzulänglichkeit ist durch die Finanzarmut der Kommunen und Städte verursacht, welche als finanzielle Hauptträger der Sozialen Arbeit zu gelten haben.
Für die praktische Arbeit zieht diese Entwicklung zwei Schlussfolgerungen nach sich:
1. Erschließung von alternativen Finanzquellen z.B. Sponsoring und Fundraising.
2. Effektiveres und effizienteres 1 nutzen der vorhandenen finanziellen Restmittel durch die Implementierung von betriebswissenschaftlichen Verfahren und Methoden in soziale Einrichtungen des 3. Sektors.
Ist der Punkt 2 geprägt durch eine ganze Reihe von betriebswirtschaftlichen Determinanten (Marketing, Controlling u.a.), so findet sich hier auch das richtige und angemessene Führen der Mitarbeiter (sowohl der Hauptamtlichen wie auch von Honorarkräften und Ehrenamtlichen) als einer der wichtigsten Hauptpfeiler der schnellen und effektiven Zielerreichung in einer Einrichtung. Stellt eine gute und angemessene Führung doch einen wichtigen Teil der Produktivität der Mitarbeiter im Bezug auf Qualität wie Quantität der Arbeit dar. In diesem Sinne versucht diese Arbeit folgende forschungsleitende Fragestellung zu beleuchten:
Welche Determinanten sind für einen Führungsstil wesentlich, der sowohl leistungsbezogen und effektiv als auch mitarbeiterfreundlich ist und sich am humanistischen Menschenbild 2 orientiert?
1 Unter Effektivität ist der Grad der Wirksamkeit zu verstehen. Effizienz meint das Erzielen eines positiven Wertes in Bezug auf das Verhältnis von Input und Output.
2 Das humanistische Menschenbild gleicht konzentrischen Ringen - im Mittelpunkt hat sicherlich die geistigseelische, die emotionale, die moralische wie die psychische Konstitution des Menschen zu stehen. Seine individuelle Fähigkeit, das „Du“ des Anderen akzeptieren zu können gehört als einer der Kernpunkte dazu.
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Interessant an dieser Fragestellung ist die scheinbare Unvereinbarkeit der Begriffe leistungsbezogen und effektiv versus mitarbeiterfreundlich und humanistisch 3 . Gerade diese Diskrepanz zu schließen und aufzuzeigen, wie beides sich vielleicht in einem Führungsstil vereinbaren lässt, wird einer der wesentlichen Aufgaben dieser Thesis sein.
Persönlich habe ich dieses Thema gewählt, weil ich in meiner bisherigen Berufspraxis sowohl mit integrativen als auch mit unpersönlichen Führungsmodellen konfrontiert wurde und ich den Wunsch habe, sollte ich in meinem weiteren Berufsweg vielleicht selber einmal die Rolle einer Führungskraft einnehmen, zu positiveren Resultaten zu kommen, als ich sie teilweise erlebt habe.
2. Zum Begriff der Erziehung
Um den Bereich der Führungsstile und ihre Anwendung in der Arbeit mit Menschen richtig zu verstehen und einordnen zu können, ist es von großer Wichtigkeit, ihre Entwicklung aus den pädagogischen Erziehungsstilen heraus zu betrachten und so auch die Möglichkeit zu erhalten, den eigenen Führungsstil in der Praxis erfolgreicher reflektieren zu können. Zuerst soll der Begriff Erziehung erläutert werden, um ein gemeinsames Verständnis zu ermöglichen, um dann die unterschiedlichen Erziehungsstile und ihre jeweilige Einschätzung und Anordnung zu erläutern. Der Begriff der Erziehung leitet sich aus dem Althochdeutschen Verb „Irziohan“ ab, welches soviel bedeutet wie herausziehen. Gemeint ist hierbei, dass die sozial unerwünschten Verhaltensweisen aus den Kindern und Jugendlichen „herausgezogen“ werden sollen, was einem sehr traditionellen autoritären Verständnis von Erziehung entspricht.
Trotz einer größeren Reihe von Definitionsmöglichkeiten für den Begriff der Erziehung, gibt es doch einige grundlegende Gedanken, ohne die nicht von Erziehung gesprochen werden kann, deutlich wird hierbei die Verbindung zur Thematik der Führung von Mitarbeitern erkennbar.
„Erziehung (education) stellt die auf biologische-physiologische Zuwendung aufbauende geplante, systemisch begründete und prinzipieller Überprüfbarkeit unterliegende pschosoziale Intervention (Unterricht, Förderung, Beratung) als Hilfestellung zur Entwicklung personaler und sozialer Selbstwerdung und Handlungsfähigkeit dar“ (Raithel, Dollinger, Hörmann 2007, S. 21).
Diese kurze Definition, zeigt einige Methoden (Unterricht, Förderung, Beratung) und wichtige Zielsetzungen (Entwicklung personaler und sozialer Selbstwerdung und Handlungsfähigkeit) des Begriffes der Erziehung auf.
Eine weitere im Kontext dieser Arbeit wertvolle Definition von Erziehung findet sich bei H. Bokelmann:
„Erziehung ist dasjenige Handeln, in dem die Älteren (Erzieher) den Jüngeren (Edukanden) im Rahmen gewisser Lebensvorstellungen (Erziehungsnormen) und unter konkreten Umständen (Erziehungsbedingungen) sowie mit bestimmten Aufgaben (Erziehungsgehalten) und Maßnahmen (Erziehungsmethoden) in der Absicht einer Veränderung (Erziehungswirkung) zur eigenen Lebensführung verhelfen, und zwar so, dass die Jüngeren das erzieherische Handeln der Älteren als notwendigen Beistand für ihr eigenes Dasein erfahren, kritisch zu beurteilen und selber fortzuführen lernen“ (Bokelmann 1970, in: Raithel, Dollinger, Hörmann 2007, S. 21)
Bokelmann listet in dieser Definition eine ganze Reihe von
„Tatbestandsmerkmalen“ auf, die für ihn wichtig sind, um überhaupt von Erziehung sprechen zu können.
Nach Keller und Novak ..“ergibt sich aus dem Begriff ‚Erziehen’ folgendes Grundschema, das vier Elemente umfasst: den Erzieher (1) mit beabsichtigten;
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zielgerichtetem Handeln (2) und das Kind (3), dessen Verhalten der Erzieher dauerhaft ändern will (4)“ (Keller/Novak 2001, S.117).
Zwischenergebnis:
Erziehung ist ein sozialer Prozess der Interaktion zwischen dem Erzieher und dem Zu-Erziehenden, welcher eine oder mehrere Zieldimensionen besitzt und eine längerfristige Wirkung erzielen soll. Erziehung spielt sich immer in der Wechselwirkung zwischen Erzieher, dem Zu-Erziehenden und der in Wechselwirkung beide beeinflussenden äußeren Umwelt, sowie ihrer jeweiligen individuell geprägten Sozialisation ab.
3. Bedeutung des Erziehungsbegriffes für Vorgesetzte
Die wenigsten Vorgesetzten werden sich selber als Erzieher ihrer Mitarbeiter verstehen und das sollen sie in erster Linie auch nicht sein. Aber trotzdem steht jeder Vorgesetzte, der in eine Führungsverantwortung hinein gestellt wird, vor der gleichen Schwierigkeit, dass er mit seinen Mitarbeitern, mit denen er arbeitet, „klar“ kommen muss.
Er soll lenken und leiten, Ansprechpartner sein, für Ziele sorgen, die Disziplin wahren, kontrollieren, fördern, um nur einige Beispiele zu nennen. Dieses sind auch alles Aufgaben, wie sie einem Pädagogen (z.B. Lehrer, Heim und Kindergartenerziehern) in seiner täglichen Praxis begegnen. Lassen sich die obigen Definitionen zwar nicht im Verhältnis eins zu eins auf jede Führungsposition übertragen, so gelten doch die grundlegenden Richtlinien auch hier.
Zur Abrundung und zum Vergleich nun eine Definition für den Begriff Führung aus dem Freiburger Management-Modell für Nonprofit-Organisationen.
„Unter (Menschen-) Führung verstehen wir grundsätzlich eine kommunikative Interaktion zwischen vorgesetzten und nachgeordneten Stellen (Instanzen) mit dem Zweck, die Einstellungen, Verhaltensweisen und Handlungen der Mitarbeitenden (Milizen, Freiwillige Helfer, Angestellte) auf das Erreichen von Zielen und die Erfüllung der übertragenen Aufgabe auszurichten“ (Schwarz, Purtschert, Giroud, Schauer 2005, S. 158).
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4. Zum Begriff des Führungsstiles
Nach der Klärung der Frage, was Erziehung ist, soll nun auf die unterschiedlichen Erziehungsstile und die sich daraus ableitenden Führungsstile für die Mitarbeiterführung in einer Institution eingegangen werden. Zuerst soll erklärt und definiert werden, was unter dem Begriff Erziehungsstil oder auch Führungsstil zu verstehen ist, um so ein einheitliches Verständnis zu ermöglichen.
Der Begriff: Stil wurde ursprünglich (15. Jh.) für das Schreibgerät (Griffel) eines Schriftstellers verwendet. Später bezeichnete der Volksmund die literarischen Eigenarten der einzelnen Autoren als Schreibstile. Nachfolgend wurde der Begriff Stil für alle Formen des künstlerischen Schaffens bezeichnet. Erst im 18. Jahrhundert kam es zu einer weiteren Akzentverschiebung, in der nun die Kunst des richtigen Umgangs mit Menschen ebenfalls als Stil bezeichnet wurde, aus dem sich später der heute sehr populäre Begriff des Führungsstils entwickelt hat.
Im Folgenden eine Definition, die aus der Fachprofession der Erziehungswissenschaften stammt und zeigt, was unter einem Erziehungsstil zu verstehen ist. Selbstverständlich lässt sich diese Definition auf den Bereich Führung anwenden, wie anschließend erläutert wird.
„Unter Erziehungsstil versteht man die Verhaltensweisen eines Erziehers, die sich zu einer typischen erzieherischen Grundhaltung zusammenfassen lassen“(Hobmair 2002, S. 212)
Alternativ ließe sich hier auch von Führungsstil und von einer typischen Grundhaltung der Lenkung, Förderung und Leitung den Mitarbeitern gegenüber sprechen.
Eine weitere kurze aber deutliche Definition finden wir Charlotte Goldstein: „Führung ist ‚zielorientierte soziale Einflussnahme zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben in/mit einer strukturierten Arbeitsituation’“ (Wunder & Grunwald, 1980 aus Goldstein 2000, S.105).
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Zwischenergebnis
Ein Erziehungs-/Führungsstil ist eine von einem Pädagogen/Vorgesetzten längerfristig gezeigte Grundhaltung gegenüber seinen Edukanden/ Mitarbeitern, die auf einem bestimmten Menschenbild 4 (z.B. humanistisches Menschenbild) beruht und sich im alltäglichen Umgang (z.B. Du oder Sie in der Anrede, Freundlichkeit, offene Bürotür oder geschlossene) wie auch im höheren Management Entscheidungen (z.B. Partizipation bei Entscheidungen, eigene Fehler eingestehen) zeigt.
5. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit von Erziehungs-/Führungsstilen von Kurt Lewin Die Erziehungsstilforschung stellt fast schon eine eigenständige
wissenschaftliche Profession dar, die auf eine Jahrhunderte lange forschungsorientierte und interessengeleitete Erkundung dieses Erkenntnisfeldes zurückblicken kann.
Am bekanntesten sind wohl die Feldforschungen, die der emigrierte Österreicher Kurt Lewin (1890-1947) und seine Mitarbeiter Ronald Lippit und Ralph White 1939 in den USA durchführten
Lewin führte seine qualitativen Untersuchungen mit Kindergruppen im nichtschulischen Bereich durch. Drei Gruppen mit jeweils fünf Kindern zwischen 10 und 12 Jahren trafen sich einmal die Woche, um Bastel- und Werkarbeiten durchzuführen. Jede Gruppe wurde von einem Pädagogen geleitet, der jeweils einen anderen Führungsstil verwendete (autoritär, demokratisch und laissezfaire). Nach einem halben Jahr wurde das Experiment beendet und von Kurt Lewin und seinen Mitarbeitern ausgewertet. Untersucht wurden die Auswirkung der Führungsstile auf das Verhalten und die Leistungsbereitschaft der einzelnen Gruppen.
Im Folgenden werden diese drei Führungsstile und das Verhalten der Pädagogen in Lewins Experiment kurz erläutert, um dann die Auswertung der Untersuchung vorzustellen.
4 Alternativ könnte hier auch von dem dualistischen Menschenbild von Mc Gregor gesprochen werden welcher von Theorie X (der Mensch ist arbeitscheu und muss aus diesem Grunde straff geführt und zur Leistung gezwungen werden) und der Theorie Y (der Mensch findet eine intrinsische Motivation in seiner Arbeit und ist von sich aus um Leistung bemüht).ausgeht. Eine Verfeinerung findet sich bei Schein welcher eine Unterteilung in vier Menschentypen vornimmt.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Dirk Ulrich, 2008, Effektive Führung durch Mitarbeiterorientierte Führungstile, München, GRIN Verlag GmbH
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