Det finns t.ex. små länder som man aldrig hört talas om,
Es gibt z. B. kleine Länder, von denen noch nie jemand gehört hat, wo sie keinen
blassen Schimmer von unserem Schweden haben.
(Text einer Karikatur zum Thema „Wir müssen unsere Auslandspropaganda intensivieren“ aus
dem Bericht des Schwedischen Institutes für das Jahr 1961/62)
Zielsetzung 6
Gliederung 6
Forschungsstand und Quellenlage 7
Zum Schwedischen Institut 7
Zu weiteren Themen 8
1 Auswärtige Kulturpolitik.1 Auswärtige Kulturpolitik 9
1.1 Begriffliche Bestimmung 9
1.1 Der Kulturbegriff 9
1.2 Auswärtige Kulturpolitik 10
1.2 Die Auswärtige Kulturpolitik Schwedens 13
2 Die Entstehung des Schwedischen Institutes.2 Die Entstehung des Schwedischen Institutes 15
2.1 Ziele 15
2.2 Schweden und das Ausland 1914 bis 1945 15
2.1 Der Erste Weltkrieg 15
2.2 Die Zwischenkriegszeit 16
2.3 Der Zweite Weltkrieg 17
2.4 Fazit 19
2.3 Von der Idee bis zur Gründung 20
2.4 Aufgabe 21
2.5 Schwedens auswärtige Kulturpolitik vor 1945 22
3 Das Schwedische Institut von 1945 bis heute.3 Das Schwedische Institut von 1945 bis heute 23
3.1 Organisation 23
3 Zielsetzung und Finanzierung 23
3.2 Organisationsform 25
3.3 Standort 26
3.4 Personal 27
3.5 Finanzen 27
3.6 Geographische Schwerpunkte 30
3.2 Nachkriegshilfe 33
3.3 Allgemeine Auslandsinformation 34
3.1 Koordination und Zusammenarbeit 35
3.2 Publikationen 36
3.3 Filme 38
3.4 Ausstellungen 40
3.5 Dokumentationszentrum und Buchhandlung 41
3.6 Botschaftsservice 43
3.4 Kultur und Erfahrungsaustausch 43
3.1 Gastdozentenaustausch 45
3.2 Studienbesuche 45
3.3 Stipendienaustausch 47
3.4.4 Kontaktvermittlung.................................................................................................... 49
3.5 Präsentation künstlerischer Tätigkeit 50
3.6 Kulturaustauschprogramme mit Osteuropa 53
3.7 Kurstätigkeit 55
3.8 Information über Studienmöglichkeiten in Schweden 56
3.5 Entwicklungszusammenarbeit und Sonderaufträge 57
3.1 Die Anfänge der Entwicklungszusammenarbeit 57
3.2 Stipendienprogramme 59
3.3 Expertenaustausch mit Entwicklungs und Schwellenländern 60
3.4 Schwerpunktregion Mittel und Osteuropa 61
3.5 Neue Programme 63
3.6 Schwedischunterricht im Ausland 63
3.1 Auslandslektorate 64
3.2 Gastdozenten und Schriftstellerbesuche 66
3.3 Sommersprachkurse 66
3.4 Stipendien für Heimvolkshochschulen 67
3.7 Auslandsbüros 67
3.8 Skandinavische Zusammenarbeit 69
3.1 Auslandsinformation 70
3.2 Auslandslektorate 70
3.9 Fazit 71
4 Die Vermarktung Schwedens.4 Die Vermarktung Schwedens 72
4.1 Der Aufbau einer Ländermarke 72
4.1 Marketing 72
4.2 Der Markenbegriff 73
4.2 Die Bedeutung von Ländermarketing 73
4.3 Das Konzept der wettbewerbsfähigen Identität 74
4 das Schwedenbild 75
4 1968 76
4 1989 78
4 1999 80
4.4 Nach 2000 81
4.5 Das aktuelle Schwedenbild 81
4 Das Schwedenbild der Deutschen 82
4.5 Die Rolle des Schwedischen Institutes 83
4.6 Das Schwedische Institut und das Schwedenbild 85
4.1 Analyse 85
4.2 Förderung 86
4.7 Fazit 90
5 Das Schwedische Institut im europäischen Vergleich.5 Das Schwedische Institut im europäischen Vergleich 92
5.1 Deutschland 92
5.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 92
5.2 Das Goethe Institut 93
5.2 Großbritannien 93
5.2.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein .......................................................................... 93
5.2 Der British Council 94
5.3 Frankreich 94
5.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 94
5.2 Kulturinstitute 95
5.4 Dänemark 95
5.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 95
5.2 Das Dänische Kulturinstitut 96
5.5 Österreich 96
5.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 96
5.2 Kulturforen 97
5.6 Fazit 97
6 Resümee.6 Resümee 99
Literaturverzeichnis 103
Die vorliegende Arbeit zur Erlangung des Grades eines Magisters Artium soll sich mit dem Schwedischen Institut, dem wichtigsten Organ der schwedischen auswär- tigen Kulturpolitik, beschäftigen. Dieses Thema liegt mir nicht zuletzt persönlich nahe, da ich im Rahmen meines Studiums der Nordischen Philologie bereits etli- che Male mittelbar oder unmittelbar mit dem Schwedischen Institut in Kontakt gekommen bin, so beispielsweise als es mir ein Stipendium des Institutes im Frühjahr 2007 ermöglichte, ein Semester an einer folkhögskola (Heimvolkshoch- schule) in Schweden zu verbringen.
Aus einfachen Überlegungen, wie etwa welche Aufgaben genau in der Verant- wortung des Schwedischen Institutes liegen, welche Zielsetzung es dabei verfolgt oder seit wann es existiert, sowie Gedanken zum – zunächst vorwiegend deut- schen – Schwedenbild entwickelte sich die Idee zu dieser Arbeit. Die ursprüng- liche Vorstellung, dass das Institut schlichtweg das schwedische Pendant des deutschen Goethe-Institutes sei, zeigte sich bei der Vertiefung in die Thematik als so nicht haltbar. Auf diesen Vergleich soll jedoch nur kurz eingegangen werden, im Mittelpunkt soll die Arbeit des Schwedischen Institutes stehen.
Ein Beweggrund für die recht ausführliche Behandlung des historischen As- pektes ist, dass etwas tiefergehende Literatur über das Institut kaum vorhanden ist, geschweige denn in einer anderen Sprache als Schwedisch. Zum anderen ist inte- ressant, wie sich in den letzten Jahren langjährige Gemeinplätze zur Rechtsform des Institutes und zu seiner Zielsetzung mehr oder weniger schlagartig als obsolet
Was soll die Arbeit nun alles leisten? Sie soll die Entstehung des Schwedischen Institutes im Jahre 1945 sowie deren Umstände nachzeichnen. Dabei spielen die Außenbeziehungen Schwedens, in erster Linie zu den Westmächten und zu Deutschland, eine entscheidende Rolle. Sie soll weiter die Entwicklung des Insti- tutes und seine Tätigkeit bis zum heutigen Tage behandeln, um dann speziell auf dessen veränderte Rolle in den letzten zehn Jahren, nach seiner Umwandlung von einer davor relativ unabhängigen Stiftung in eine staatliche Einrichtung, einzuge- hen. Da das Institut heute mit der Vermarktung Schwedens durch die Förderung eines positiven Schwedenbildes im Ausland befasst ist, soll zum einen die dahin- gehende Arbeit des Institutes und zum anderen kurz gefasst auch die Entwicklung dieses Bildes dargestellt werden, um so sowohl diese neue Aufgabe als auch das gewünschte Bild erklärbar zu machen. Schließlich sollen kurz die Kulturinstitute anderer Länder und deren auswärtige Kulturpolitik allgemein vorgestellt werden, damit letztlich die Rolle des Institutes besser verständlich wird.
Zunächst wird auf die Begrifflichkeit „auswärtige Kulturpolitik“ eingegangen und der für die Tätigkeit des Schwedischen Institutes bzw. für auswärtige Kulturpoli- tik allgemein maßgebliche Kulturbegriff herausgearbeitet.
Im zweiten Kapitel wendet sich die Arbeit der Entstehungsgeschichte des Institutes zu und beleuchtet den historischen Kontext, d. h. die entscheidenden schwedischen Außenbeziehungen vom Beginn des Ersten bis zum Ende des Zwei- ten Weltkrieges.
Kapitel drei hat sodann in groben Zügen, aber mit dem Anspruch, die wichtigs- ten Aspekte abzudecken, die Geschichte des Schwedischen Institutes von seiner Gründung bis zum heutigen Tage zum Thema. Das Kapitel gliedert sich – abgese- hen von organisatorischen Entwicklungen – in der Hauptsache nach den verschie- denen Tätigkeitsbereichen.
Danach soll die Vermarktung Schwedens und das Wirken des Schwedischen Institutes für ein angestrebtes Schwedenbild im Ausland untersucht werden. Zu Beginn des Kapitels soll auf die allgemeine Bedeutung einer solchen Vermark- tung sowie in dessen weiteren Verlauf eben auf die Entwicklung des Schweden- bildes und dessen Einflussfaktoren eingegangen werden.
Das nächste Kapitel soll dann den Vergleich zu ausgewählten europäischen Ländern – zu Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Österreich – bzw. deren Kulturinstitute ziehen.
Abschließend sollen in einem kurzen Resümee die in dieser Arbeit gewonnen- en Erkenntnisse zusammengefasst werden.
Forschungsstand und Quellenlage
Zum Schwedischen Institut
Der Forschungsstand zum Thema Schwedisches Institut ist als recht dürftig zu be- zeichnen. Es existieren lediglich zwei Werke, die sich in der Hauptsache mit dem Institut befassen.
Das lange Jahre einzige war eine von GUNNAR HELÉN geleitete, 1967 vollende- te staatliche Untersuchung, 1 die aber nur sehr grob Entstehung und Geschichte des
Institutes nachzeichnet und ansonsten das Zusammenspiel mit anderen schwedi- schen Informationsorganen zum Gegenstand hat.
Das zweite ist die zum 50-jährigen Jubiläum des Institutes erschienene Schrift Upplysningsvis. Svenska institutet 1945–1995 von PER-AXEL HILDEMAN, einem ehemaligen Direktor des Institutes. Dieses ist zwar nicht sonderlich umfangreich, behandelt aber dankenswerterweise doch ziemlich ausführlich die Entstehungsge- schichte des Institutes und gibt einen breiten Einblick in dessen Entwicklung bis 1995. Das Werk erhebt jedoch nicht den Anspruch, die Geschichte des Institutes zu schreiben, wie es im Vorwort heißt, und geht in lockerem Ton vor allem auf interessante Begebenheiten und Umstände ein.
Darüber hinaus wird es hinsichtlich Literatur zum Institut sehr knapp. In der Anfangszeit des Institutes wurden von zwei weiteren ehemaligen Direktoren des Institutes – TORE TALLROTH 2 und GUNNAR HECKSCHER 3 – zwei kurze Aufsätze
TALLROTH, TORE: Svenska Institutet och svensk upplysningsverksamhet i utlandet. In: NAUCKHOFF, SIGURD u. a.: Harald Nordenson. En samling uppsatser tillägnade Harald Nordenson på 60-årsdagen den 10.8.1946. Stockholm 1946, S. 368–378.
über dessen Tätigkeit verfasst, die mir vorlagen. Als Literaturgrundlage dienten daneben weitere vom schwedischen Staat in Auftrag gegebene Untersuchungen, die meist die Aufgabenverteilung zwischen den einzelnen Organen der auswär- tigen Kulturpolitik Schwedens beleuchteten und dabei natürlicherweise auch auf die Geschichte, aber vor allem auf die jeweils aktuelle Tätigkeit des Institutes ein- gingen. Zu nennen wären in erster Linie die Studien von ARVIDSSON / AHLANDER 1978 4 , von LÖFDAHL / JONSSON 1988 5 und von FAXÉN 1993 6 .
Dieser mäßige Forschungsstand machte eine eingehende Beschäftigung mit den zur Verfügung stehenden Quellen notwendig. Dies sind zum einen und vor- wiegend die Jahresberichte des Schwedischen Institutes, wobei die älteren in ihrer Gesamtheit nur im schwedischen Reichsarchiv (Riksarkivet) in Stockholm zu- gänglich sind. Eine weitere Quelle stellen die sogenannten Weisungsbriefe (regle- ringsbrev) dar, die das Institut einmal jährlich vom Außenministerium erhält, und worin – zumindest was die Briefe in jüngerer Zeit anbelangt – Ziele, Tätigkeitsfel- der und Pflichten sowie das jeweilige Budget des Institutes festgelegt sind. Für neuere Aspekte dienten etwa der Internetauftritt und diverse Veröffentlichungen des Institutes sowie persönliche Auskünfte als weitere Quellen.
Zu weiteren Themen
Das Thema Schwedenbild im Ausland ist insgesamt als sehr gut erforscht zu be- zeichnen. Die bislang größte Studie hierzu aus dem Jahre 2005 7 diente als Haupt-
quelle für diesbezügliche Ausführungen. Ein Schwachpunkt dieser Studie ist je- doch, dass Ausführungen zum Schwedenbild in der Vergangenheit hauptsächlich auf Auswertungen von ausländischen Medien über deren Schwedenberichterstat- tung, die zwar sicherlich zur Bildung oder Bestätigung eines Schwedenbildes bei- trug, die aber wohl kaum das gesamte komplexe Bild widerspiegelt, fußen. Bei Arbeiten zum deutschen Schwedenbild, das hier nur kurz angerissen und hauptsächlich historisch behandelt wird, kommt man um Veröffentlichungen von BERND HENNINGSEN nicht herum. Diese beziehen sich jedoch häufig auf Skandi- navien als Gesamtheit.
Die auswärtige Kulturpolitik anderer Länder findet sich relativ gut dokumen- tiert, mit Überblickinformationen und Links, auf der Internetseite des Institutes für Auslandsbeziehungen, www.ifa.de. Als hilfreich für dieses Thema erwies sich auch das Werk Nationalkultur oder europäische Werte? Britische, deutsche und französische Auswärtige Kulturpolitik zwischen 1989 und 2003 von JULIA SAT- TLER, in dem die Autorin eben die auswärtige Kulturpolitik Deutschlands, Frank- reichs und Großbritanniens in diesem Zeitraum gegenüberstellt.
HECKSCHER, GUNNAR: Svenska Institutet. In: Industria 46(1950) H. 13, S. 33–36.
ARVIDSSON, INGRID / AHLANDER, DAG SEBASTIAN: Kultur och information över gränserna (Statens offentliga utredningar 1978:56). Stockholm 1978.
LÖFDAHL, GÖRAN / JONSSON, ANITA u. a.: Sverigeinformation och kultursamarbete (Statens offentliga utredningar 1988:9). Stockholm 1988.
FAXÉN, MAGNUS: Svenska Bilder. Översyn av Sverigeinformationen (Ds 1993:72). Stockholm 1993.
LUNDBERG, LARS-OLOF: Bilder av Sverige i utlandet. En studie av förändringar, nuläge och mätmetoder. Stockholm 2005.
1 Auswärtige Kulturpolitik
1.1 Begriffliche Bestimmung
1.1.1 Der Kulturbegriff
Es stellt sich zu Beginn die Frage, was Kultur eigentlich ist oder vielmehr was im Rahmen dieser Arbeit und im Hinblick auf auswärtige Kulturpolitik darunter zu verstehen ist. BUSCHE stellt fest, dass „[d]er Begriff Kultur […] für seine Unklar- heit berüchtigt“ ist. 8 Wo Unklarheit herrscht, gibt es selbstredend viele Auslegun- gen eines Begriffes. So unternehmen beispielsweise KROEBER / KLUCKHOHN eine Analyse von 164 von 1870 bis 1950 verwendeten Kulturbegriffen und versuchen sich schließlich an einer allen Definitionen gerecht werdenden eigenen Begriffs-
Culture consists of patterns, explicit and implicit, of and for behavior
acquired and transmitted by symbols, constituting the distinctive achievement of human groups, including their embodiments in artifacts; the essential core of culture consists of traditional (i. e., historically derived and selected) ideas and especially their attached values; culture systems may, on the one hand, be considered as products of action, on the other as conditioning elements of further action. 9
Das Ergebnis dieses Versuches musste selbstverständlich ein sehr weit gefasstes Verständnis von Kultur sein. Ein derart umfangreiches – und für die Belange die- ser Arbeit maßgebliches – Verständnis findet sich auch in der 1982 formulierten und mehrmals bestätigten eingängigen Begriffsbestimmung der UNESCO:
Kultur [sollte] als Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Eigenschaften angesehen werden [...], die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen, und [...] sie [umfasst] über Kunst und Literatur hinaus auch Lebensformen, Formen des Zusammenlebens, Wertesysteme, Traditionen und Überzeugungen [...]. 10
NILSSON spricht in Bezug auf ein solches Kulturverständnis von Kultur als „As- pekt“ – im Gegensatz zu Kultur als „Sektor“, als welcher der Begriff lediglich die künstlerischen Ausdrucksformen und die Institutionen, Organisationen und Perso- nen, die sich dadurch ausdrücken, umfasse. 11 In der Literatur zu auswärtiger Kulturpolitik oder zu Kulturinstituten wird der Kulturbegriff oftmals nur auf „Werke, Manifestationen, Hervorbringungen geis- tiger, musischer, künstlerischer Natur“, 12 beschränkt, was jedoch weder auswär-
Vgl. BUSCHE, HUBERTUS: Was ist Kultur? Erster Teil: Die vier historischen Grundbedeutungen.
In: Dialektik. Zeitschrift für Kulturphilosophie. H. 1, 2000, S. 69.
KROEBER, ALFRED L. / KLUCKHOHN, CLYDE: Culture. A Critical Review of Concepts and
Definitions. 2. Auflage. New York 1967, S. 357.
DEUTSCHE UNESCO-KOMMISSION (DUK): Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt. Auf:
ARNOLD, HANS: Auswärtige Kulturpolitik. Ein Überblick aus deutscher Sicht. München / Wien
1980, S. 9.
tiger Kulturpolitik insgesamt noch der Tätigkeit der mit ihr befassten Institutionen gerecht wird, wobei es freilich auch solche Organe auswärtiger Kulturpolitik gibt, deren Arbeit sich auf Kultur in diesem Verständnis beschränkt. Wie sich bei einem Blick auf die Internetseite oder in einen Jahresbericht beispielsweise eben des Schwedischen Institutes zeigt, umfasst dessen Kulturverständnis sowohl – oder vor allem – Kultur als Aspekt mit allen seinen Sphären als auch Kultur als
Während Kulturpolitik innerhalb der Grenzen eines Landes oft – um bei obiger Unterscheidung zu bleiben – Kultur als Sektor meint,
13
ist auswärtige Kulturpoli-
tik eben mit Kultur als Aspekt befasst. Es kommt also hier ein „erweiterter“ oder „umfassender“ Kulturbegriff zum Tragen. 14
1.1.2 Auswärtige Kulturpolitik
Der Begriff „auswärtige Kulturpolitik“ wurde vermutlich zum ersten Mal im Jahre 1912 vom Historiker Karl Lamprecht verwendet. 15 Was darunter zu verstehen ist,
dazu schreibt ARNOLD:
Mit dem Begriff auswärtige Kulturpolitik ist die Einbeziehung der
internationalen Kulturbeziehungen in die Außenpolitik bzw. eine international ausgerichtete Kulturpolitik im Interesse der Außenbeziehungen eines Staates gemeint. In der außenpolitischen Praxis verwirklicht sich eine solche Politik in erster Linie in der Förderung internationaler Kulturbeziehungen durch den Staat. 16
Auswärtige Kulturpolitik ist also ein Teil der Außenpolitik, wenn ihr auch interna- tional und über die Zeit unterschiedliche Bedeutung beigemessen wurde und wird. Denn „kulturelle Kontakte und Wechselwirkungen zwischen Völkern [haben
zwar] schon immer bestanden“, eine „bewußte Einbeziehung von kulturellen Be- ziehungen in die Außenpolitik der Staaten“ aber begann erst im 19. Jahrhundert. Damals wurden diese in erster Linie „als Mittel zur Unterstützung nationaler Inte- resse [sic!] im Zeichen des Kolonialismus und Imperialismus eingesetzt.“ 17
So verwundert es nicht, dass es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fast ausschließlich „die größeren Staaten Europas [waren], die aus außenpolitischen Motiven internationale Kulturbeziehungen förderten.“ Auswärtige Kulturpolitik lief damals vor allen Dingen auf „Kulturwerbung bzw. -propaganda“ hinaus, die
Vgl. z. B. SCHWEDISCHER KULTURRAT: Cultural Policy. A Review of State Cultural Policies and Practices. Stockholm 1990, S. 12 zur staatlichen Kulturpolitik Schwedens.
Vgl. TROMMER, SIEGFRIED J.: Die Mittlerorganisationen der auswärtigen Kulturpolitik. Tübingen 1984, S. 3–6.
TROMMER stellt diesem erweiterten den engeren Kulturbegriff gegenüber, der Kultur als etwas „Feierlich-Exklusives“, etwas Elitäres versteht, was offenbar dem Kulturverständnis in der deutschen auswärtigen Kulturpolitik bis 1970 entsprach. Vgl. ebd., S. 2–5.
Vgl. ARNOLD 1980, S. 12.
Ebd., S. 9.
MERKEL, STEPHANIE: Interkulturelle Zusammenarbeit. Das Goethe-Institut als Mittlerorganisa- tion in der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland. In: Lernen in Deutsch- land 12(1992) H. 2, S. 107.
der Überzeugung von der Überlegenheit der eigenen Kultur entsprang, und wurde als „Hilfsmittel für die Durchsetzung der jeweiligen Außenpolitik“ betrachtet. 18
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bestand seitens der großen Macht- blöcke die Notwendigkeit, um Verständnis für ihre Politik zu werben sowie ihre militärischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Interessengebiete zu stärken oder auszuweiten. Zugleich wuchs aber auch die Einsicht, dass Einvernehmen und Zusammenarbeit zwischen Ländern wichtig zur Erhaltung des Friedens sind. Länder spürten, dass sie nicht nur von den Regierungen, sondern auch von der öf- fentlichen Meinung in anderen Ländern abhängig sind. Personenaustausch, Infor- mationsschriften, Kulturkontakte und Zusammenarbeit bei Wissenschaft und For- schung waren einige der Wege zur Festigung der Beziehungen zwischen den Völkern. Jetzt hielten es auch kleinere Länder besondere Anstrengungen für gebo- ten, um am allgemeinen Erfahrungsaustausch teilzunehmen und um Aufmerksam- keit und Verständnis für ihre besonderen Probleme und Interessen zu gewinnen. 19
Willy Brandt, zu jener Zeit Außenminister, nannte 1967 die auswärtige Kultur- politik die „dritte Säule“ der Außenpolitik, was ihre hohe Bedeutung unterstrei- chen sollte. Die anderen Säulen wären dabei wohl zum einen die klassische Diplomatie und zum anderen die Außenhandelspolitik eines Landes. 20 KATHE
konstatiert allerdings, dass sie im Falle Deutschlands zwar rein quantitativ – mit etwa einem Drittel des Budgets und nahezu einem Drittel der Stellen – mit den beiden anderen Teilen der Außenpolitik stets auf einer Stufe stand, dass sie indes in der außenpolitischen Realität eine deutlich untergeordnete Rolle spielte. 21 Dass
dies in anderen Ländern durchaus anders ist, zeigen etwa die Beispiele Frankreich oder England, wo kulturelle Außenbeziehungen traditionell als „ein integrales und politisch wichtiges Element“ der Außenpolitik betrachtet werden. 22
ARNOLD bezeichnet auswärtige Kulturpolitik als „Interessenpolitik“ und sieht es als deren legitimes Bestreben, „die eigene Kultur im Interesse des eigenen Staates international wirksam werden zu lassen.“ 23 Als übergeordnetes Ziel einer
auswärtigen Kulturpolitik sieht er deren Beitrag zur Völkerverständigung und damit zum friedlichen Zusammenleben der Völker durch kulturelle Mittel. Sie solle den Boden für die Außenpolitik bereiten und festigen. 24 Daher müsse sich
auswärtige Kulturpolitik „an den Prioritäten orientieren, wie sie sich aus den eigenen kulturellen Möglichkeiten und aus den Notwendigkeiten des eigenen Landes […] ergeben.“ 25
Welche Formen auswärtige Kulturpolitik annehmen kann, soll folgende Tabel- le nach KATHE veranschaulichen:
ARNOLD 1980, S. 11.
Vgl. ARVIDSSON / AHLANDER 1978, S. 35.
Vgl. MERKEL 1992, S. 106–109.
Vgl. KATHE, STEFFEN R.: Kulturpolitik um jeden Preis. Die Geschichte des Goethe-Instituts von 1951 bis 1990. München 2005, S. 449.
Vgl. ARNOLD 1980, S. 16f.
Ebd., S. 18.
Vgl. ebd., S. 30.
Ebd., S. 33.
Tab. 1: Formen der auswärtigen Kulturpolitik
Für das Beispiel Deutschland steht in der vom Auswärtigen Amt abgefassten Kon-
zeption 2000 zu lesen, welche Bereiche auswärtige Kulturpolitik umfassen kann:
[…] die Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft, der internationale Kulturdialog, der Kunst-, Kultur- und Personenaustausch, die Nutzung und Entwicklung der Medien in der internationalen Zusammenarbeit, die Erhaltung und Stärkung der deutschen Sprache als Schlüssel zur deutschen Kultur sowie das Auslandsschulwesen. 27
Oftmals wird zwischen auswärtiger Kultur- und auswärtiger Bildungspolitik un-
terschieden, im Rahmen dieser Arbeit soll auswärtige Kulturpolitik aber beide Be-
reiche abdecken.
TROMMER weist darauf hin, dass auswärtige Kulturpolitik „eindeutig eine staat-
liche Aufgabe ist“, sagt aber zugleich, dass daraus nicht die Folgerung abgeleitet werden könne, dass der Staat diese „in eigener Regie“ betreiben müsse. 28 Hier
kommen die sogenannten Mittlerorganisationen ins Spiel.
Darunter sind besondere Organisationen zu verstehen, „welche als Mittler zwischen Inland und Ausland die eigentliche Auslandskulturarbeit“ übernehmen 29
bzw. „staatliche Aufgaben im Bereich der auswärtigen Kulturpolitik wahrneh- men“ 30 . Beispiele wären etwa der 1934 gegründete British Council im Falle Groß-
britanniens 31 oder das Goethe-Institut als die größte und wichtigste Mittlerorgani-
sation in der auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands 32 .
Solche Mittlerorganisationen sind „Instrumente für eine aus politischen Grün-
den für notwendig gehaltene auswärtige Kulturpolitik“ und, da ihre Tätigkeit im
Interesse des Staates liegt, ja sogar Aufgabe des Staates ist, in der Regel gänzlich oder fast gänzlich staatlich aus Steuergeldern finanziert. 33
Vgl. KATHE 2005, S. 38.
TROMMER 1984, S. 5f.
ARNOLD 1980, S. 21.
TROMMER 1984, S. 52a.
Vgl. ARNOLD 1980, S. 21.
Vgl. KATHE 2005, S. 13.
Vgl. ARNOLD 1980, S. 21.
Das Schwedische Institut war jedenfalls bis 1998 eine solche Mittlerorganisa- tion. Nachdem es bereits ab 1970 zur Gänze staatlich finanziert worden war, wur- de es vor zehn Jahren in eine dem schwedischen Außenministerium unterstellte staatliche Behörde umgewandelt. 34 Damit stellt sich die Frage, ob man das Institut
heute überhaupt noch als Mittlerorganisation bezeichnen kann, wo es doch mitt- lerweile ein Teil des Außenministeriums und infolgedessen im engeren Sinne kein Mittler mehr ist. Wahrscheinlich wäre diese Bezeichnung für das Schwedische Institut heute nicht mehr korrekt. Diese Definitionsproblematik soll jedoch für die vorliegende Arbeit im Weiteren keine Rolle spielen.
1.2 Die Auswärtige Kulturpolitik Schwedens
Für die auswärtige Kulturpolitik Schwedens sind vor allen Dingen das Außenmi- nisterium sowie das Kultusministerium und das Bildungsministerium zuständig. Mittel kommen aber mitunter auch von anderen Ministerien. 35 Für die Durchfüh-
rung der staatlich unterstützten auswärtigen Kulturarbeit zeichnen neben dem Schwedischen Institut staatliche Organisationen wie der Schwedische Kulturrat (Statens kulturråd), das Zentralamt für Denkmalpflege (Riksantikvarieämbetet), das Reichsarchiv und die Künstlerkommission (Konstnärsnämnden) verantwort- lich. Daneben gibt es staatliche geförderte kulturelle Institutionen, wie etwa das Schwedische Filminstitut (Svenska filminstitutet) oder das Schwedische Konzert- institut (Svenska Rikskonserter), die international kulturell tätig sind. Seit Mitte der 1980-er spielt darüber hinaus auch beim Schwedischen Amt für Internationale Entwicklungszusammenarbeit, Sida (Swedish International Development Coope- ration Agency), Kultur eine verstärkte Rolle. 36
1979 beschloss der schwedische Reichstag Richtlinien für die auswärtige Kul- turpolitik, genauer gesagt für den staatlich unterstützten allgemeinen Informati- ons- und Kulturaustausch mit dem Ausland. Dabei wurden auch drei Motive hierfür genannt: das außenpolitische Interesse, dass schwedische Standpunkte im Ausland Gehör finden, die entscheidende Bedeutung internationaler Kontakte für die Entwicklung der schwedischen Gesellschaft und die Bedeutung des Informati- ons- und Kulturaustausches für den schwedischen Außenhandel und Tourismus. 37
Die diesem Beschluss vorausgegangene staatliche Untersuchung aus dem Jahre 1978 sah die Abhängigkeit vom Ausland bei der Sicherheit des Landes, die wirt- schaftliche Abhängigkeit und die sprachliche Isolation Schwedens als Gründe da- für, dass der Bedarf einer staatlichen Unterstützung des Informations- und Kultur- austausches mit dem Ausland in Schweden besonders hoch sei. 38
Für die schwedische Kultur als Sektor wurde außerdem bereits 1974 in den Zielen für eine staatliche Kulturpolitik als ein Ziel die Förderung des Austausches
Siehe Kap. 3.1.1.
Siehe z. B. Kap. 3.1.5.
AUSLANDSBEZIEHUNGEN. URL: http://cms.ifa.de/fileadmin/content/informationsforum/dossiers/downloads/eu_kleberg.pdf [08.09.2008], S. 3.
Vgl. LÖFDAHL / JONSSON 1988, S. 36.
Vgl. ARVIDSSON / AHLANDER 1978, S. 9/38.
von Erfahrungen und Ideen im Kulturbereich über sprachliche und nationale Grenzen hinweg festgelegt 39 und in den neuen Zielen von 1996 bestätigt 40 .
Die heutige auswärtige Kulturpolitik Schwedens ist – legt man obige Tabelle zugrunde – irgendwo zwischen Austausch und Zusammenarbeit, Information, Selbstdarstellung und Kulturexport anzusiedeln. Diese Beurteilung fußt in erster Linie auf der Tätigkeit des Schwedischen Institutes, die in den Kapiteln 3 und 4 behandelt werden soll.
Vgl. SCHWEDISCHER KULTURRAT 1990, S. 12.
Vgl. NILSSON 1999, S. 423.
2 Die Entstehung des Schwedischen Institutes
Zu Beginn sollen die Umstände und Hintergründe, die zur Entstehung des Schwe- dischen Institutes im Jahre 1945 führten, untersucht werden. Als Ausgangspunkt sollen dabei die Ziele des zu gründenden Institutes dienen.
2.1 Ziele
Am 4. Februar 1944 wurde im schwedischen Außenministerium ein großer Emp- fang abgehalten, der die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, dem Organisationskomi- tee für die Aufklärungsarbeit im Ausland (Organisatonskommittén för upplys- ningsverksamhet i utlandet), zum Zweck hatte. Hierbei sprach einer der geistigen Väter des Schwedischen Institutes, der damalige Staatssekretär im schwedischen Außenministerium, Erik Boheman, der Zeitung Dagens Nyheter zufolge folgende Worte über die Ziele des künftigen Institutes, zu dem jenes Organisationskomitee Vorschläge erarbeiten sollte:
Ein Land in neutraler Position kann weder auf der einen noch auf der anderen Seite sonderlich beliebt sein. Deswegen gilt es, dafür zu sorgen, dass die Stimme unseres Geistes draußen in der Welt Gehör findet, dass wir eine schwedische Exportvereinigung auf geistigem und kulturellem Gebiet gründen, eine Organisation, die in gewissem Umfang auch für den Import auf diesem Gebiet bestimmt sein sollte. 41,42
In Schweden war man nun also offenbar besorgt um den Ruf des Landes im Aus- land. Was zu einer solchen Sorge hätte Anlass geben können, dies soll ein kurzer historischer Exkurs zu den schwedischen Beziehungen zum Ausland, besonders zu den Westmächten und Deutschland, vom Beginn des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges beleuchten.
2.2 Schweden und das Ausland 1914 bis 1945
2.2.1 Der Erste Weltkrieg
Skandinavien wurde – trotz aller Anzeichen für einen militärischen Konflikt zwi- schen den europäischen Großmächten – vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges überrascht. Dänemark, Norwegen und Schweden waren sich einig darin, die schon zuvor praktizierte Politik der Neutralität auch in diesem Krieg fortzuführen. 43
Die Sympathien unter den nordischen Ländern waren indes ungleich auf die Kriegsparteien verteilt. Während Norwegen zu England neigte, lagen die Sympa- thien Schwedens auf Seiten Deutschlands. 44 WEIBULL zufolge waren die schwe- dischen Sympathien für Deutschland „deutlich“, 45 was nicht sonderlich über-
Zit. bei HILDEMAN, PER-AXEL: Upplysningsvis. Svenska institutet 1945–1995. Stockholm 1995, S. 9.
Vgl. ebd.
Vgl. WEIBULL, JÖRGEN: Schwedische Geschichte. Stockholm 1994, S. 116.
rascht, war doch der kulturelle Einfluss Deutschlands auf Schweden zu jener Zeit enorm. 46 Und auch wirtschaftlich waren die Beziehungen sehr eng. 47
Folge der deutschlandfreundlichen Politik und des Handels mit Deutschland
war etwa, dass Alliierte die Kontrolle über den schwedischen Überseehandel ver- schärften und ihn schließlich ganz zum Erliegen brachten. 48 Nach dem Kriegs-
eintritt der USA 1917 erhöhte sich der innere und äußere Druck auf Schweden wegen seiner Deutschlandpolitik immer mehr. 49
Aufgrund der schwierigen Versorgungslage musste daraufhin im Frühjahr 1917
die schwedische Regierung zurücktreten. Eine neue Regierung verhandelte mit
den Westmächten und es gelang ihr, das Land wieder für Importe aus dem Westen zu öffnen. 50
Wie freundlich das Verhältnis Schwedens zu Deutschland war, zeigen Ent-
deckungen des amerikanischen Geheimdienstes, die die Regierung in Washington
im September 1917 bekannt gab: „Deutsche Diplomaten durften in Buenos Aires
die diplomatischen Kanäle der schwedischen Botschaft nutzen, um Erkenntnisse über den alliierten Schiffsverkehr zu übermitteln“. 51
Diese bis zum Frühjahr 1918 52 ausgeübte deutschlandfreundliche Neutralität
schmälerte sicherlich das Ansehen Schwedens bei den Alliierten bzw. der Entente.
2.2.2 Die Zwischenkriegszeit
Die sich bildenden faschistischen Bewegungen in Süd- und Mitteleuropa stießen in ganz Skandinavien auf Ablehnung. 53
Ab 1920 beteiligte sich Schweden aktiv im Völkerbund, 54 dem es aber nur
unter einem Neutralitätsvorbehalt beigetreten war. 55
Da sowohl Russland als auch Deutschland zu den Verlierern des Ersten Welt-
krieges zählten und stark geschwächt waren, wurde Schweden nach dem Ersten
Weltkrieg zur vorherrschenden Ostseemacht. Aus diesem Grund wurde 1925 eine
neue Verteidigungsordnung verabschiedet. Diese führte zu einer „Verringerung der Übungszeit der Wehrpflichtigen und [zur] Auflösung vieler Regimenter“. 56
Nach der Demonstration der Machtlosigkeit des Völkerbundes im Abessinien-
krieg und Hitlers Bruch des Versailler Vertrags durch Remilitarisierung des
Rheinlandes im März 1936 erklärte Schweden im Juli selbigen Jahres, dass es sich
Vgl. KUMMEL, BENGT: Svenskar i all världen förenen eder! Vilhelm Lundström och den
allsvenska rörelsen. Åbo 1994, S. 255.
Vgl. IMHOF, ARTHUR ERWIN: Grundzüge der nordischen Geschichte. Darmstadt 1970, S. 178;
FINDEISEN, JÖRG-PETER: Schweden. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Regensburg 1997, S. 224.
Vgl. WEIBULL 1994, S. 116; SCHRÖTER 2007, S. 68.
Vgl. FINDEISEN 1997, S. 225.
Vgl. WEIBULL 1994, S. 117.
FINDEISEN 1997, S. 225.
Vgl. ebd.
Vgl. ebd., S. 116.
Vgl. WEIBULL 1994, S. 124.
Ebd. 1994, S. 122/124.
nicht länger an die Bestimmungen des Völkerbunds über gemeinschaftliche Sank- tionen gebunden fühle, womit es zu einer neutralen Außenpolitik zurückkehrte. 57
Außerdem verstärkte Schweden nach jahrelangen Debatten über die Landes-
verteidigung im Jahre 1936 aufgrund der neuen politischen Situation in Europa seine Militärmacht wieder. 58 Diese Aufrüstung war jedoch, verglichen mit derje-
nigen Deutschlands und der der Sowjetunion, gering. 59
Ideen einer gemeinsamen nordischen Verteidigungsgemeinschaft konnten sich
ebenso wenig durchsetzen wie die norwegische Initiative zur sogenannten Oslo-
Kovention, die einen wirtschaftlichen Zusammenschluss kleinerer Staaten Nord-
und Mitteleuropas vorsah – Letzteres konnte Großbritannien durch eine sofortige „Drohgebärde“ erfolgreich abwenden. 60
Hitlers an alle nordischen Staaten erfolgter Vorschlag eines Nichtangriffs-
paktes wurde von Schweden abgelehnt. Dänemark stimmte zwar zu, dies nützte aber bekanntlich nichts. 61
In Schweden kam es in der Zwischenkriegszeit zu einem enormen wirtschaft- lichen Wachstum. 62 Deutschland war dabei neben England der wichtigste Han-
delspartner. So kam 1938 knapp 25% des deutschen Eisenerzes aus Schweden. 63
Im Bereich Kultur und Wissenschaft hingegen nahm der Einfluss Deutschlands zugunsten Englands ab. 64 Die Schweden hegten im Allgemeinen eine starke
Abneigung „gegen den deutschen Nationalsozialismus mit seiner unüberhörbaren Aggressivität“. 65 Allerdings weist GUSTAFSSON darauf hin, dass das schwedische
Bürgertum durchaus gewisse Sympathien für Nazideutschland gezeigt habe. 66
2.2.3 Der Zweite Weltkrieg
Der Grund, weshalb man in Schweden aber konkret besorgt um seinen Ruf war,
war Schwedens Verhalten während des Zweiten Weltkrieges. Da das nicht aktiv
am Krieg beteiligte Schweden ständig ein Hineingezogenwerden in Form bei- spielsweise einer deutschen Invasion befürchtete, 67 war die Zeit geprägt von
einem Lavieren der schwedischen Regierung, das sich zwischen nachgiebiger und
ablehnender Haltung hauptsächlich gegenüber deutschen Forderungen bewegte.
So forderte Deutschland noch am Tage des Angriffes auf Polen von allen
nordischen Ländern uneingeschränkte Neutralität, die diese auch umgehend er- klärten. 68
Vgl. WEIBULL 1994, S. 126.
Vgl. BRACHER 1968, S. 116.
Vgl. SCHRÖTER 2007, S. 72.
Vgl. ebd., S. 82.
Vgl. BRACHER 1968, S. 117; SCHRÖTER 2007, S. 82–83.
Vgl. SCHRÖTER 2007, S. 75–80.
Vgl. WILHELMUS, WOLFGANG: Schweden und das faschistische Deutschland im Zweiten
Vgl. SCHRÖTER 2007, S. 77f.
FINDEISEN 1997, S. 235.
Vgl. GUSTAFSSON, HARALD: Nordens historia. En europeisk region under 1200 år. Lund 2007,
S. 259.
Vgl. GRUCHMANN, LOTHAR: Schweden im Zweiten Weltkrieg. Ergebnisse eines Stockholmer
Vgl. WILHELMUS 1973, S. 795.
Schweden gelang es durch Verhandlungen mit den beiden großen Kriegs-
mächten Großbritannien und Deutschland, die schwedischen Im- und Exporte auf dem Niveau des Jahres 1938 festzuschreiben. 69 Dies war auch für Deutschland
äußerst wichtig, da Eisenerzlieferungen aus Schweden entscheidend für die deut- sche Kriegsindustrie waren. 70
Im sogenannten „Winterkrieg“ zwischen der Sowjetunion und Finnland vom
Herbst 1939 bis März 1940 erklärte sich Schweden allerdings nicht als neutral,
sondern lediglich als „nicht kriegsführend“ – völkerrechtlich ein wichtiger Unter- schied. 71 Schweden stand Finnland zwar nicht direkt bei, unterstützte es aber um-
fangreich und vermittelte beim Friedensschluss. 72 Bitten der Engländer und
Franzosen, die ihre Truppen durch das Eisenerzrevier Norrbottens nach Finnland
marschieren lassen wollten, schlug Schweden ab. Diese Haltung wurde in der britischen und französischen Presse scharf verurteilt. 73 Schweden hatte dabei aber
neben Sorgen um seine Neutralität und der Angst vor Deutschland – wohl nicht
ganz zu Unrecht – die Befürchtung, dass die Westmächte sich der Erzgruben im Norden des Landes bemächtigen wollten. 74
In erster Linie in der Zeit vom April 1940, als Deutschland in Dänemark und
Norwegen einfiel, bis zum Frühjahr 1943, als deutsche und verbündete Truppen
an der Wolga unterlagen, war Schweden zu zum Teil großen Zugeständnissen an Hitler gezwungen. 75 Diese reichten von wirtschaftlichen, über logistische und po-
litische bis hin zu militärischen. 76 Für besonders heftige Debatten und Unmut
unter der schwedischen Bevölkerung sorgten deutsche Transite von zum Teil auch Kriegsmaterial und Kampftruppen durch Schweden. 77
Weil Schweden unter allen Umständen seine Souveränität wahren und vermei-
den wollte Hitler zu provozieren, wurde nicht nur Norwegens Bitte um Truppen-
hilfe und Kriegsmaterial abgelehnt, sondern sogar die schwedische Presse zen- siert. 78 Mit der deutschen Besetzung Dänemarks und Norwegens geriet Schweden
in eine noch größere wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland. 79
Als sich im Frühjahr 1943 schließlich die Anzeichen für eine deutsche Nieder-
lage mehrten, kam es zu stärkerem Widerstand gegen die deutschen Transitforde- rungen und im August selbigen Jahres zu einem Stopp. 80 Die Zugeständnisse wur-
den allmählich abgebaut und auf dringende alliierte Forderungen hin wurde ab 1943 auch der Export nach Deutschland in zunehmendem Maße eingeschränkt. 81
In der Endphase des Krieges zeigte sich Schweden den Alliierten gegenüber im
Vgl. FINDEISEN 1997, S. 235.
Vgl. SCHRÖTER 2007, S. 84.
Vgl. GUSTAFSSON 2007, S. 261.
Vgl. WEIBULL 1994, S. 127f.
Vgl. FINDEISEN 1997, S. 236.
Vgl. WILHELMUS 1973, S. 793f.
Vgl. ebd., S. 802–804.
Vgl. ebd., S. 802; WEIBULL 1994, S. 128.
Vgl. FINDEISEN 1997, S. 236f.
Vgl. ABRAHAMSEN 1957, S. 40.
Vgl. FINDEISEN 1997, S. 238.
Vgl. ABRAHAMSEN 1957, S. 53.
Großen und Ganzen in jedem Wunsch entgegenkommend und war gewisserma- ßen als ein Nicht-Kriegführender auf der Seite der Westmächte zu betrachten. 82
Auf humanitärem Gebiet leistete das neutrale Schweden im Zweiten Weltkrieg wichtige Arbeit. So kam es mehrfach zu einem über Göteborg abgewickelten Austausch von Kriegsgefangenen, zur Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Baltikum und den anderen skandinavischen Ländern sowie zur Rettung von etwa 7.500 dänischen Juden im September 1943. 83 Außerdem konnten im Februar 1945
nach Verhandlungen Graf Folke Bernadottes, dem Vizepräsidenten des Schwed- ischen Roten Kreuzes 84 , mit Himmler etwa 19.000 Menschen, darunter auch Fran- zosen und Juden, aus deutschen Konzentrationslagern gerettet werden. 85
Daneben bildete Schweden ab dem Frühjahr 1943 Flüchtlinge aus Dänemark und Norwegen polizeilich oder militärisch aus und unterstützte Dänemark militä- risch. 86 Schweden vermittelte im September 1944 auch den neuerlichen Frieden Finnlands mit der Sowjetunion. 87
2.2.4 Fazit
Hatte Schweden im Ersten Weltkrieg noch deutliche Sympathien für Deutschland, so nahmen diese spätestens seit der Machtergreifung Hitlers deutlich ab und gin- gen auf die Westmächte über.
Seine streng neutrale Haltung hat Schweden im Zweiten Weltkrieg zunächst auf Druck und zugunsten Deutschlands verlassen, später dann zugunsten der Alli- ierten. Auf diese Weise gelang es Schweden, seine Souveränität zu wahren und ein Hineingezogenwerden in den Krieg zu vermeiden. 88 Staatssekretär Boheman
hatte im Spätherbst 1942 in London und Washington über ein Kriegshandels- abkommen, v. a. betreffend Öllieferungen nach Schweden, mit den Westmächten verhandelt, welche Verhandlungen einen Umschwung der schwedischen Kriegs- handelspolitik als Ergebnis hatten. 89 Dabei muss ihn vor allem das tiefe Miss-
trauen der Amerikaner, an deren Sieg er keinerlei Zweifel hatte, sehr bekümmert haben. Schon zuvor hatte Churchill ihn gewarnt, dass man in Washington keiner- lei Verständnis für die Situation Schwedens habe, das als völlig in Nazideutsch- lands Hand betrachtet werde. 90 Überhaupt, so ABRAHAMSEN: „In the Allied coun-
tries and in occupied Norway, anti-Swedish sentiment was strong as long as the transit permit existed.“ 91
Bezüglich des Neutralitätsbruchs zugunsten Deutschlands „weist schließlich einiges darauf hin […], daß man dabei auch selber ganz gut verdiente“. Das Ent-
Vgl. WEIBULL 1994, S. 130.
Vgl. WILHELMUS 1973, S. 809.
Vgl. WEIBULL 1973, S. 130; FINDEISEN 1997, S. 239.
Vgl. GRUCHMANN 1977, S. 612; SCHRÖTER 2007, S. 88.
Vgl. FINDEISEN 1997, S. 238.
Vgl. GRUCHMANN 1977, S. 600.
Vgl. HÄGGLÖF, GUNNAR: Svensk krigshandelspolitik under andra världskriget. Stockholm 1958, S. 223–227.
Vgl. BOHEMAN, ERIK: På vakt. Kabinettssekreterare under andra världskriget. Stockholm 1964, S. 197/225.
ABRAHAMSEN 1957, S. 41.
gegenkommen gegenüber den Alliierten im späteren Verlauf lasse, so SETZEN weiter, die Hoffnung auf „handfeste wirtschaftliche und politische Vorteile“ nach und auch noch während des Krieges vermuten, 92 worauf in gewisser Weise ja
auch die in Kapitel 2.1 zitierte Rede Bohemans hindeutet.
In einem Artikel vom 30. Januar 1945 über die erste Ratssitzung des Schwedi- schen Institutes am Tage zuvor schrieb die Dagens Nyheter, dass Schweden – zumindest im Westen – trotz aller Befürchtungen jetzt ein viel besseres Ansehen als nach dem Ersten Weltkrieg genieße. Darin werden auch wiederum Worte Erik Bohemans zitiert, der das Schwedische Institut als einen bedeutenden Faktor im Wettbewerb um Exportmärkte sah. 93
Es bestand indes durchaus Bedarf, dem Ausland die schwedische Haltung wäh- rend des Krieges zu erklären und für einen besseren Ruf des Landes zu arbeiten bzw. Schweden im Ausland bekannter zu machen.
2.3 Von der Idee bis zur Gründung
Die Idee für eine Institution, die für das Ansehen Schwedens in der Welt wirken sollte, kam innerhalb des sogenannten Amerikaausschusses (Amerikautredningen) des schwedischen Außenministeriums auf, der auf Initiative von Staatssekretär Boheman im Frühjahr 1943 eingesetzt worden war. 94
Anlass für die Gründung des Amerikaausschusses, der untersuchen sollte, wie Schweden gute Beziehungen zu beiden amerikanischen Kontinenten, die vom Krieg verhältnismäßig wenig berührt waren, aufbauen konnte, um nach Ende des Krieges intensive Handelsbeziehungen (wieder) aufnehmen zu können, war die zum Teil stark antischwedische Haltung, die Boheman in Amerika entgegenge- schlagen war.
Recht bald kam man innerhalb des Ausschusses jedoch zu der Erkenntnis, dass es einer Institution mit Verantwortung für schwedische Aufklärungsarbeit in aller Welt, nicht nur auf den beiden amerikanischen Kontinenten bedürfe. Deshalb beschloss man ein Komitee einzusetzen, das die Einrichtung einer solchen Institu- tion vorbereiten sollte.
Das einzurichtende Organ sollte nach Möglichkeit gegenüber staatlichen Mi- nisterien selbstständig arbeiten können und sowohl die allgemeinen als auch die wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte mit dem Ausland stärken. Daneben sollte es ein allseitiges und aktuelles Bild von Schweden und den schwedischen Verhältnissen vermitteln. 95
Zur Einsetzung des Organisationskomitees für die Aufklärungsarbeit im Aus- land lud Boheman etwa 200 bekannte Schweden – Repräsentanten von Kulturins- titutionen, Universitäten, Volksbewegungen, aus Kirche und Wirtschaft – samt
Zit. bei HILDEMAN, PER-AXEL: Upplysningsvis. Svenska institutet 1945–1995. Stockholm 1995, S. 6.
Der Inhalt dieses Kapitels ist, soweit nicht anders vermerkt, entnommen aus: HILDEMAN 1995, S. 7–14.
Vgl. ARVIDSSON / AHLANDER 1978, S. 109.
Außenminister Günther und Kultusminister Bagge ein. Aus diesen wurde ein kleiner Kreis gewichtiger Persönlichkeiten für das Komitee ausgewählt. Nach wöchentlichen Treffen des Komitees hatte man bereits Ende März 1943 einen Vorschlag ausgearbeitet, der dem schwedischen Reichstag am 12. Mai 1944 vorgelegt und später angenommen wurde. Demnach sollte ein Rat bestehend aus 100 Personen der Organisation, die den Namen „Schwedisches Institut“ erhalten sollte, vorstehen, wobei die Zusammensetzung des Rates die Finanzierung aus 50% staatlichen und 50% privaten Mitteln widerspiegeln sollte. Unternehmen und Organisationen sollten zahlende Mitglieder des Institutes werden. Die Mitglieder sollten die eine Hälfte der Ratsmitglieder auswählen, die Regierung die andere. Der Vorstand sollte sich aus elf Mitgliedern, sieben ernannt vom Aufsichtsrat, drei vom König sowie dem Direktor, zusammensetzen. Der Rat sollte jährlich den Jahresbericht des Vorstandes prüfen und ihm Eigenverantwortlichkeit bewilligen. Im Vordergrund der Tätigkeit sollte die Vermittlung von Informationen durch bekannte Medien, Drucksachen, Filme, Ausstellungen, Vorträge, das Einladen von Multiplikatoren anderer Länder und auch Rundfunk stehen. Außerdem sollte das Institut auch in Schweden über andere Länder informieren.
Daneben sollte das Institut die schwedische Forschung durch Stipendien und Übersetzungen unterstützen.
In mancherlei Hinsicht, v. a. im Bereich des Kultur- und Erfahrungsaustau- sches, war der einige Jahre zuvor gegründete British Council Vorbild für das neu zu gründende Institut. 96 Der British Council war allerdings ganz staatlich finan- ziert und rein kulturell tätig. 97
Das Komitee arbeitete bis zum Januar 1945, als das Schwedische Institut am 29. selbigen Monats schließlich – als ideelle Vereinigung Schwedisches Institut
für kulturellen Austausch mit dem Ausland (Svenska institutet för kulturellt utbyte med utlandet) – aus der Taufe gehoben wurde. Anfang Februar nahm das Institut schließlich seine Arbeit auf.
2.4 Aufgabe
Über die Aufgabe des Schwedischen Institutes ist in den ersten Statuten, die vom damaligen schwedischen König Gustav V. bereits am 12. Januar 1945 offiziell abgesegnet wurden 98 , dann folgendes zu lesen:
§1 Aufgabe des Institutes: Aufgabe des Schwedischen Institutes ist es, zum
Wohle für Schwedens kulturelle, soziale und wirtschaftliche Beziehungen mit dem Ausland, die bereits vorhandene Aufklärungsarbeit über Schweden im Ausland zu koordinieren und zu unterstützen sowie, insofern dies als notwendig und geeignet angesehen werden mag, neue Tätigkeitszweige im Dienste des Kulturaustausches aufzunehmen. 99
Das Schwedische Institut sollte also zu einer koordinierenden Stelle innerhalb der auswärtigen Kulturarbeit Schwedens werden. Und auch wirtschaftliche Beziehun-
Vgl. ARVIDSSON / AHLANDER 1978, S. 114.
Vgl. HILDEMAN 1995, S. 12.
Ebd., S. 14.
gen spielten explizit eine Rolle, was durchaus verständlich ist, waren doch alle nordischen Länder von jeher auf internationalen Handel angewiesen.
2.5 Schwedens auswärtige Kulturpolitik vor 1945
Das Schwedische Institut war aber natürlich nicht das erste Organ der schwedi- schen auswärtigen Kulturpolitik. Es konnte auf die Arbeit anderer aufbauen bzw. mit ihnen zusammenarbeiten. Die wichtigsten sollen hier genannt werden. 1887 wurde die Allgemeine Exportvereinigung Schwedens (Sveriges Allmänna Exportförening) gegründet, die selbstverständlich eine kommerziell ausgerichtete Informationstätigkeit betrieb. 100
Die Riksföreningen för svenskhetens bevarande i utlandet (Reichsvereinigung für die Bewahrung des Schwedentums im Ausland) hatte ab 1908 als ihre Aufgabe eben zum einen die Bewahrung und zum anderen die Förderung der schwedischen Sprache und Kultur im Ausland. 101
Das schwedische Außenministerium hatte ab 1909 ein eigenes Pressebüro, das zentrale Informationsangelegenheiten betreute. 102
Als Resultat der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg und aufgrund der immer bedeutenderen Rolle der USA entstanden 1919 die Schweden-Amerika- Stiftung (Sverige-Amerika Stiftelsen) und 1921 das Schwedisch-amerikanische Nachrichtenbüro (Svensk-amerikanska nyhetsbyrån). Die Stiftung vergibt auch heute noch 103 Stipendien an Schweden, die in Nordamerika studieren oder for-
schen, und das Nachrichtenbüro mit Sitz in New York und Stockholm vermittelte Nachrichtenmaterial an amerikanische Medien. 104
Im Jahre 1927 wurde das Schwedisch-internationale Pressebüro (Svensk-inter- nationella Pressbyrån) mit besonderer Ausrichtung auf Südamerika ins Leben ge- rufen. 105
Innerhalb des Außenministeriums entstanden 1935 der Aufklärungsausschuss (Upplysningsnämnden) und der Kulturrat (Kulturrådet). Diese beiden Organe hatten vor allem Beratungsaufgaben zu erfüllen. 106
Manche dieser Organe bestehen – meist umbenannt – heute noch fort. Einige werden in dieser Arbeit auch noch ein oder mehrere Male zur Sprache kommen, eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den einzelnen Institutionen würde al- lerdings den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Vgl. HILDEMAN 1995, S. 13.
Vgl. KUMMEL 1994, S. 71f.; HILDEMAN 1995, S. 13.
Vgl. HILDEMAN 1995, S. 13.
Vgl. SCHWEDEN-AMERIKA-STIFTUNG. Internetseite. URL: http://www.sweamfo.se/
Vgl. TALLROTH 1946, S. 370; HILDEMAN 1995, S. 13.
Vgl. TALLROTH 1946, S. 370; HILDEMAN 1995, S. 13.
Vgl. HILDEMAN 1995, S. 13.
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