Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Star Trek und die Enterprise 4
2.1 Die Geschichte von Star Trek 4
2.2 Inhaltliches zur Enterprise 7
3. Die Figur bei Aristoteles 9
3.1 Die Figur als Schlüssel zum Vergnügen 9
3.2 Aufbau einer Figur 10
3.3 Die moderne, figurenbezogene Anwendung der Poetik 12
4. Beispiele nicht-menschlicher Figuren in der modernen Erzählung 15
4.1 Allgemein 15
4.2 K I T T. 15
4.3 Herbie 17
4.4 HAL 9000 18
5. Das Schiff als vermenschlichte Figur 21
5.1 Begriffserklärung 21
5.2 Episoden im Detail 21
5.2.1 „Computer M5“: Inhaltsangabe 21
5.2.2 „Computer M5“: Analyse 23
5.2.3 „Neue Intelligenz“: Inhaltsangabe 26
5.2.4 „Neue Intelligenz“: Analyse 29
5.3 Weitere Beispiele 31
6. Schlussfolgerung 34
7. Zusammenfassung 36
8. Literaturverzeichnis 37
9. Filmverzeichnis 38
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1. Einleitung
Als großer Star Trek Fan ist mir beim Ansehen der Filme und Serien schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass das Raumschiff Enterprise, das zweifellos ein Objekt darstellt, oft innerhalb der Geschichte nicht als Solches behandelt wird. Mehr und mehr habe ich den Eindruck gewonnen, dass es bisweilen hochgradig personifiziert und vermenschlicht wird. Meiner Meinung nach geht das manchmal sogar so weit, dass es die Funktion eines eigenständigen Charakters einnimmt. Um diese, meine Theorie nun durch wissenschaftliche Herangehensweise auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen, habe ich sie zum Thema meiner Facharbeit gemacht.
Ich habe vor dabei folgendermaßen vorzugehen:
Beginnen werde ich mit einer kurzen Einführung in das Star Trek-Universum, das sowohl die Grundlage für alles rund um die Enterprise, als auch für diese Facharbeit an sich bildet. Darauf hin werde ich mit der Charakterauffassung des Aristoteles, entnommen seiner weltberühmten Poetik, fortfahren. Anschließend setze ich mich damit auseinander wie diese, über 2300 Jahre nach ihrer Entstehung, selbst heute immer noch Anwendung findet. Danach widme ich meine Aufmerksamkeit nicht-menschlichen Figuren in modernen Erzählungen, abseits von Star Trek. Im Anschluss daran werde ich konkrete Beispiele anführen warum meiner Auffassung nach auch die Enterprise zu diesen Figuren zählt. Ist das geschehen sollte ich in der Lage sein meine Theorie in einer Schlussfolgerung entweder zu bestätigen oder zu widerlegen. Abschließend arbeite ich dann meine Erkenntnisse in einer Zusammenfassung auf, der im Idealfall die Kriterien zu entnehmen sind, die es zu befolgen gilt, um ein Objekt als Charakter zu etablieren.
3
2. Star Trek und die Enterprise
2.1 Die Geschichte von Star Trek
Trotzdem blieben weitere Produktionen, abgesehen von einer kurzlebigen Zeichentrickserie (1973 - 1974) namens „Star Trek: The Animated Series“ (deutscher Titel: „Die Enterprise“)kurz „TAS“, die direkt an die Original-Serie anknüpfte, aus. Erst 1979, 10 Jahre nach der Absetzung von Star Trek wurden die Abenteuer der Enterprise und ihrer Besatzung in „Star Trek: The Motion Picture“ (deutscher Titel: „Star Trek: Der Film“) im Kino fortgesetzt 3 . Drei weitere Filme „Star Trek II: The Wrath of Khan“ (deutscher Titel: „Star Trek II: Der Zorn des Khan“) - 1982, „Star Trek III: The Search for Spock“ (deutscher Titel: „Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock“) - 1984 und „Star Trek IV: The Voyage Home“ (deutscher Titel: „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“) - 1986, folgten. Ab 1987 bereicherte dann mit „Star Trek: The Next Generation“ (deutscher Titel: „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“) -
1(Vgl.) Sonderegger, Evi: Star Trek: „Mythos“ und „Realität“ (1996/1997), Online im WWW unter URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm#2.%20Die%20Geschichte%20der%20Star %20Trek%20Originalserie: [24.6.2008]
2 URL: http://www.nasa.gov/vision/earth/everydaylife/nasm_enterprise.html [23.6.2008]
3 (Vgl.) Sonderegger, Evi: Star Trek: „Mythos“ und „Realität“ (1996/1997), Online im WWW unter URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm#2.%20Die%20Geschichte%20der%20Star %20Trek%20Originalserie: [24.6.2008]
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kurz „TNG“, eine zweite Star Trek-Serie die Fernsehlandschaft. Etwa 100 Jahre nach „TOS“ auf einer neuen Enterprise, mit einer neuen Crew angesiedelt, gelang es „TNG“ den Erfolg seines Vorgängers zu wiederholen. Ganze sieben Staffeln wurden bis 1994 gedreht. Parallel dazu kamen mit „Star Trek V: The Final Frontier“ (deutscher Titel: „Star Trek V: Am Rande des Universums“) - 1989 und „Star Trek VI: The Undiscovered Country“ (deutscher Titel: „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“) - 1991, zwei weitere Spielfilme, die hingegen noch auf der Original-Serie basierten, ins Kino. Außerdem schickte man ab 1993 mit „Star Trek: Deep Space Nine“ (deutscher Titel ebenfalls: „Star Trek: Deep Space Nine“) - kurz „DS9“, einen dritten Fernsehableger ins Rennen um die Gunst der Zuschauer. Die Handlung spielte zwar zur selben Zeit wie auch schon die von „TNG“ aber, anders als in allen bisherigen Star Trek-Auskopplungen, anstatt auf einem Raumschiff, auf einer Raumstation. Trotzdem schaffte es auch „DS9“ sein Publikum über sieben Staffeln, bis hin ins Jahr 1999 zu begeistern. Kurz nach dem Start von „DS9“ und nach dem Ende von „TNG“ trat der Cast der Klassik-Serie in „Star Trek: Generations“ (deutscher Titel: „Star Trek VII: Treffen der Generationen“) - 1994 endgültig ab. Gleichzeitig stellte der Film aber, wie der Name schon erahnen lässt, das Kinodebüt der „Next Generation“-Besatzung dar. Wenig später, 1995, startete „Star Trek: Voyager“ (deutscher Titel: „Star Trek: Raumschiff Voyager“) - kurz „VOY“. Auch die bereits vierte Star Trek-Fernsehserie schaffte es bis 2001 über die vollen sieben Staffeln. In der Zwischenzeit waren mit „Star Trek: First Contact“ (deutscher Titel: „Star Trek VIII: Der Erste Kontakt“) - 1996 und „Star Trek: Insurrection“ (deutscher Titel: „Star Trek IX: Der Aufstand“) - 1998, zwei weitere Kinoabenteuer der aus „TNG“ bekannten Figuren zu bestaunen. Noch im selben Jahr, 2001, indem auch „VOY“ endete schloss sich mit „Star Trek: Enterprise“ (deutscher Titel ebenfalls: „Star Trek: Enterprise“) - kurz „ENT“, die vorerst letzte Serie dem Star Trek-Universum an 4 . Als Prequel das rund 100 Jahre vor den Begebenheiten der aller ersten Star Trek-Serie ansetzte 5 , blieb „ENT“ jedoch der Erfolg seiner Vorgänger verwehrt. Aufgrund der schwachen Quoten zog man bei Paramount schon nach den ersten drei Staffel eine Absetzung in Erwägung. Wieder waren es die zahlreichen Star Trek-Anhänger die durch ihre Proteste das Studio davon überzeugen konnten eine weitere Staffel zu produzieren. Doch obwohl dieser 2005 veröffentlichten vierten Staffel sowohl von den Fans als auch von den Kritikern ein deutlicher Qualitätsanstieg zugesprochen wurde, sollte es dennoch die Letzte bleiben. Dem 2002 veröffentlichten zehnten Kinofilm „Star Trek: Nemesis“ (deutscher Titel ebenfalls: „Star Trek X: Nemesis“), der einmal mehr die „TNG“ -Mannschaft in den Mittelpunkt rückte, erging es nicht besser. Er floppte an den Kinokassen und konnte erst mit den DVD-Verkäufen seine Produktionskosten einspielen.
4 URL:
http://www.imdb.com/find?s=all&q=star+trek
[24.6.2008]
5 URL: http://www.treknews.de/enterprisezone/enterprise_fakten.php [24.6.2008]
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Seither war es ruhig um Star Trek, bis 2007 ein elfter Kinofilm mit dem einfachen Namen Star Trek angekündigt wurde 6 . Als Prequel zu allen bisherigen Produktionen, mit Ausnahme von „Star Trek: Enterprise“, soll dieser neue Film, die aus „TOS“ bekannten Charaktere wieder aufgreifen und ihre erste gemeinsame Mission auf der Enterprise zeigen. Das größte Budget der Star Trek-Geschichte, über 160 Millionen US-Dollar, soll dabei sicher stellen, dass neben den alten Figuren auch der Erfolg von damals wieder zurückkehrt. Als Grund für diesen Erfolg wird oft die Mischung aus sozialen, politischen und philosophischen Themen mit spannenden, anspruchsvollen aber auch massentauglich aufbereiteten Geschichten genannt, die als Spiegelbild ihrer Zeit fungieren. Besonders „TOS“ ging dabei an die Grenzen des damals vorherrschenden „guten Tons“. So zeichnete die Serie zum Beispiel, als eine der ersten im amerikanischen Fernsehen, ein gleichberechtigtes Frauenbild indem sie den weiblichen Kommunikations-Offizier „Nyota Uhura“ (abgeleitet von Uhuru, dem Swahili-Wort für „Freiheit“ 7 ) als vollwertiges Mitglied der Brückencrew der Enterprise präsentierte. Ähnlich mutig war es 1967, mitten im kalten Krieg, den Stammcast um Pavel Chekov, einem Charakter russischer Herkunft, zu erweitern 8 . Auch die Episode „Plato's Stepchildren“ (deutscher Titel: „Platons Stiefkinder“) gilt heute als kleiner Meilenstein der Fernsehgeschichte, da sie das erste Mal in den Vereinigten Staaten einen Kuss einer Schwarzen (Nichelle Nichols als Nyota Uhura) und eines Weißen (William Shatner als James T. Kirk) zeigte 9 . Wie sehr das den damaligen Moralvorstellungen der Amerikaner widersprach, kann man an der Tatsache ablesen, dass viele US-Bundesstaaten die Ausstrahlung dieser Folge gänzlich untersagten oder die betreffende Szene einfach herausschneiden ließen. Ein ähnliches Schicksal erlitt die Episode „Rejoined“ (deutscher Titel: „Wiedervereinigt“) aus der Serie „Star Trek: Deep Space Nine“ in der sich zwei weibliche Figuren küssten 10 .
Aber trotz oder vielleicht sogar wegen solcher Widrigkeit hat es Star Trek geschafft sich, nunmehr über 40 Jahre auf den Fernsehschirmen den Kinoleinwänden und in den Herzen der Millionen Fans weltweit, zu halten.
6 URL: http://www.treknews.de/treknews/newspro-treknews/static/119443836352467.php [24.6.2008]
7 Vgl. Asherman, 1998, S. 36.
8 (Vgl.) Sonderegger, Evi: Star Trek: „Mythos“ und „Realität“ (1996/1997), Online im WWW unter URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm#2.%20Die%20Geschichte%20der%20Star %20Trek%20Originalserie: [24.6.2008]
9 Vgl. Asherman, 1998, S. 129.
10 URL: http://www.trekkiesworld.de/women/index.php [24.6.2008]
6
2.2 Inhaltliches zur Enterprise
Den Kern von Star Trek bildet eine utopische Zukunftsvision in der die Menschheit Probleme wie Armut, Intoleranz, soziale Ungerechtigkeit und Krieg hinter sich gelassen hat. In einer Art interstellaren UNO (United Nations Organization), „United Federation of Planets“ (zu deutsch: Vereinte Föderation der Planeten) - kurz „UFP“ genannt, leben die Menschen mit sich selbst und mit teils völlig unterschiedlichen außerirdischen Völkern in Harmonie und Einklang. Einziges Ziel, neben der Steigerung der allgemeinen Lebensqualität aller, ist es dabei, anstatt Reichtum oder Macht, immer mehr Wissen anzuhäufen. So versuchen sich die Mitglieder der „Föderation“ stetig weiter zu verbessern. Obgleich die „UFP“ mit „Starfleet“ (zu deutsch: „Sternenflotte“) eine militärisch strukturierte Organisation unterhält, zu deren Aufgaben auch der Schutz vor aggressiv-expandierenden Mächten zählt, ist ihr erster Zweck dennoch die Erforschung von Orten die noch kein Mensch, die noch niemand zuvor gesehen hat 11 .
Dieser so genannten „Sternenflotte“ gehörte auch ein Raumschiff namens U.S.S. (Abkürzung für „United Star Ship“) Enterprise an. Unter dem Kommando von Kapitän James Tiberius Kirk gelangte dieses, mit der Registriernummer NCC-1701 versehene Schiff, zu großer Berühmtheit (zu sehen in „TOS“ und den ersten drei Kinofilmen) 12 . Obwohl es das erste Schiff der „Föderation“ war, das diesen Namen trug, sollte es nicht das Letzte bleiben. Fünf weitere folgten. Einzigartig in der Geschichte der „Sternenflotte“ blieb jedoch die Tatsache, dass auch alle Nachfolgemodelle die selbe Registriernummer tragen sollten. Lediglich ein zusätzlicher Buchstabe am Ende der Nummer war für die Unterscheidung der einzelnen Versionen verantwortlich. Das erste Modell bei dem dieses Prinzip angewendet wurde, war die ebenfalls von Captain Kirk kommandierte NCC-1701-A (zu sehen in Star Trek IV, V und VI). Der Nachfolger war unter der Nummer NCC-1701-B (zu sehen in Star Trek VII) registriert 13 . Das vierte Föderationsschiff mit dem Namen Enterprise war die Enterprise C, die wenig überraschend die Bezeichnung NCC-1701-C erhielt (zu sehen in der „TNG“-Episode „Yesterday's Enterprise“, deutscher Titel „Die alte Enterprise“) 14 . Die NCC 1701-D stand unter dem Befehl von Captain Jean-Luc Picard und stellte das Flaggschiff der „Föderation“ dar (zu sehen in „TNG“ und Star Trek VII). Das vorerst letzte Schiff mit dem alt-ehrwürdigen Namen Enterprise war die NCC-1701-E, die ebenfalls von Captain Picard befehligt wurde (zu
11 (Vgl.) Sonderegger, Evi: Star Trek: „Mythos“ und „Realität“ (1996/1997), Online im WWW unter URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm#4.%20Mythos%20 “Föderation“: [7.7.2008]
12 Vgl. Star Trek I, II, III (1979, 1982, 1984)
13 Vgl. Star Trek IV, V, VI, VII (USA 1986, 1989, 1991, 1994)
14 Vgl. Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert - Die alte Enterprise (Yesterday's Enterprise, USA
1990)
7
sehen in Star Trek VIII, IX und X) 15 . Ein weiterer berühmter Vertreter dieses Namens war die Enterprise mit der Nummer NX-01. Ihre Indienststellung lange vor der Gründung der Föderation erklärt dabei die Abweichung der Registriernummer zu ihren Namensvettern (zu sehen in „Star Trek: Enterprise“) 16 .
15 Vgl. Star Trek VII, VIII, IX, X (USA 1994, 1996, 1998, 2002)
16 Vgl. Star Trek: Enterprise (USA 2001-2005)
8
3. Der Charakter bei Aristoteles
3.1 Die Figur als Schlüssel zum Vergnügen
Der griechische Philosoph Aristoteles hat vor mehr als zwei Jahrtausenden mit seiner Poetik ein Standardwerk der Dramaturgie verfasst. Dabei setzte er sich zwangsläufig auch mit den Charakteren an sich, ohne die keine Erzählung auskommt, näher auseinander. Am Anfang seiner Überlegungen stand dabei die Erkenntnis, dass Schauspieler immer handelnde Menschen, oder was Star Trek anbelangt, zumindest menschenähnliche Wesen, nachahmen. Da er die Auffassung vertrat, dass jeder Mensch entweder gut oder schlecht sei, was auch zutrifft, wenn man diese Begriffe nur weit genug fächert, musste das zwangsläufig auch für die dargestellten Figuren gelten 17 . Welche Gesinnung eine Figur nun, allen voran die des Protagonisten, vertrat, war in Zusammenhang mit der jeweiligen Erzählung, seiner Ansicht nach, essentiell für eine gute Geschichte. Seine Definition von gut verlangte dabei nach einer Hauptfigur, mit der sich das Publikum identifizieren könne. Anders wäre es nämlich nicht möglich beim geneigten Zuschauer, Jammern - Mitleid für den Helden und Schaudern -Furcht um sein Wohlbefinden auszulösen 18 . Dies sei jedoch unumgänglich um Vergnügen, an dessen Ausmaß Aristoteles die Qualität einer Geschichte abzulesen pflegte, beim Rezibienten hervorzurufen. Denn nur durch die „Katharsis“, der Reinigung von eben jenen Gefühlen, könne sich dieses Vergnügen einstellen 19 .
Um also die Identifikation mit dem Helden zu gewährleisten, die zweifellos den Schlüssel zum erfolgreichen Erzählen von Geschichten darstellt, ersonn er einen kurzen, dreiteiligen Leitfaden, der die Do's und Don'ts zusammenfasste.
Dieser sah wie folgt aus:
Punkt Eins besagt, dass man nicht zeigen dürfe wie ein guter Protagonist ohne Fehl und Tadel vom Glück ins Unglück gestürzt wird, da ein Solcher, aufgrund seiner Güte, so ein Schicksal nicht verdient. Darum würde, so Aristoteles weiter, eine solche Begebenheit auch nur Abscheu anstatt Jammern und Schaudern hervorrufen 20 .
Noch schlechter wäre, wie er in Punkt Zwei fortfährt, aber der umgekehrte Fall, in dem der Antagonist, also der Bösewicht, einen Umschwung vom Unglück ins Glück erlebt. Da dieser
17 Vgl. Fuhrmann, 1982, S. 7.
18 Vgl. Ebd. S. 39.
19 Vgl. Hiltunen, 2001, S. 46.
20 Vgl. Fuhrmann, 1982, S. 39.
9
Fall ebenso unverdient wäre, wie jener aus Punkt Eins, würde er demzufolge genauso wenig Jammern, Schaudern oder auch Menschenfreundlichkeit aufweisen 21 . Diese Menschenfreundlichkeit bzw. Gerechtigkeit spricht er dem Modell aus Punkt Drei, das für den so genannten ganz Schlechten eine Abkehr vom Glück hin ins Unglück beschreibt, zwar zu, Jammern und Schaudern könne ihm jedoch ebenfalls nicht entspringen 22 . Grund dafür ist, wie schon in den beiden Beispielen zuvor, die mangelnde Identifikation. Denn obwohl manchen von uns die Selbsterkenntnis fehlt, die nötig wäre um zu bemerken, dass sie eher dem Bösewicht aus Modell zwei entsprechen, bringen hingegen doch die Meisten zumindest so viel davon auf, um einzusehen, dass sie nicht der perfekte Held aus Modell eins sind. Ganz zu Schweigen davon, dass den ganz Schlechten aus Modell drei ohnehin niemand in sich selbst sieht.
Daraus ergibt sich sowohl für Aristoteles, als auch für uns, dass der ideale Protagonist irgendwo zwischen den genannten Extremen zu finden sein muss. So definiert er ihn als eine Person, die wegen eines Fehlers, einer Fehleinschätzung oder eines Versagens, was er unter dem Begriff „Hamartia“ zusammenfasste, vom Glück ins unverdiente Unglück gerissen wird und nicht seiner Schlechtigkeit oder trotz seiner Vollkommenheit wegen 23 . Dies erleichtert die besagte Identifikation mit dieser Art Held insofern als, dass er einerseits von gutem Charakter sein kann, aber trotzdem eine nachvollziehbare Erklärung für seinen Fall gegeben ist, die ihn darüber hinaus auch noch menschlicher und bisweilen sogar sympathischer erscheinen lässt.
3.2 Aufbau einer Figur
Was es bei der Ausarbeitung einer Figur zu beachten gilt, greift Aristoteles an anderer Stelle seiner Poetik auf. Grundsätzlich geht er davon aus, dass sich der Charakter einer Figur, der sie erst zu einer Solchen macht, in ihren Neigungen und deren Beschaffenheit, widerspiegelt 24 . Diese Neigungen könne man wiederum an den Aussagen und Handlungen der betreffenden Figur festmachen. Auch die Erkenntnisfähigkeit einer Figur, die man aufgrund ihrer Reaktionen auf allgemeine Begebenheiten beurteilen kann, spielt eine wichtige Rolle bei einer gelungenen Charakterzeichnung 25 . Darüber hinaus beschreibt er vier weitere Merkmale, die eine Solche ebenfalls aufweisen sollte.
Das erste Merkmal, das ihm dabei zugleich als Wichtigstes erschien, ist, „das Tüchtige“. Eine
21 Vgl. Fuhrmann, 1982, S. 39.
22 Vgl. Ebd. S. 39.
23 Vgl. Ebd. S. 39.
24 Vgl. Ebd. S. 23.
25 Vgl. Ebd. S. 21.
10
Figur hat demnach tüchtig bzw. rechtschaffen zu sein 26 . Anscheinend wollte Aristoteles damit zum Ausdruck bringen, dass eine Figur nicht unnötig schlecht sein dürfe, es sei denn, die Handlung würde Derartiges erfordern. Eben dies wäre seiner Ansicht nach aber in Euripides' „Orestes“ der Fall gewesen, als Menelaos die Geschwister Orestes und Elektra im Stich gelassen hat 27 .
Als zweites Merkmal nennt er „das Angemessene“ 28 . Damit ist vermutlich gemeint, dass eine Figur sich entsprechend ihres Charakters auch zu verhalten habe. So wäre es zum Beispiel nicht angemessen wie sich ein Odysseus im Klagelied in der „Skylla“ des Timotheos verhält 29 . Das Merkmal mit der Nummer drei bezeichnet er als „das Ähnliche“ 30 . Scheinbar ist die genaue Bedeutung dieses Begriffes für Aristoteles bis heute nicht eindeutig geklärt. Einer gängigen Auffassung nach meinte er damit aber wahrscheinlich, dass eine Figur in etwa über die selben moralischen und ethischen Wertigkeiten wie der Zuschauer verfügen solle. Viertes und letztes Merkmal ist „das Gleichmäßige“ 31 . Darunter versteht Aristoteles wohl, dass die Figur konsequent in ihren Handlungen zu sein hat. Als Beispiel einer ungleichmäßigen Figur führt er hier die Iphigenie aus dem Stück „Iphigenie in Aulis“ des Euripides an. Darin ist die namensgebende Heldin bereit einen Heldentod zu sterben, obwohl sie kurz zuvor noch um ihr Leben gefleht hat 32 .
Weiters weist er darauf hin, dass stets auf die Notwendigkeit, als auch auf die Wahrscheinlichkeit, im Hinblick auf das Gesagte und Getane, zu achten sei. Wie auch schon bei der Konstruktion einer Handlung, wäre es auch bei den Figuren von größter Wichtigkeit, dass sowohl ihre Aussagen notwendig und wahrscheinlich sind, als auch, dass das wechselseitige Aufeinanderfolgen selbiger auf diesen beiden Prinzipien beruht 33 . Im Anschluss daran vergleicht er die Aufgabe eines Autors mit der eines Portraitmalers. Ähnlich wie dieser solle man bei der Nachahmung von Menschen die Wirklichkeit zwar möglichst detailgetreu, aber dennoch mit einem Hauch an Schönfärberei versehen, abbilden. Ohne Fehler oder Makel außer Acht zu lassen solle man dabei dennoch ein rechtschaffenes Bild von ihnen zeichnen 34 .
26 Vgl. Fuhrmann, 1982, S. 47.
27 Vgl. Ebd. S. 121.
28 Vgl. Ebd. S. 47.
29 Vgl. Ebd. S. 121.
30 Vgl. Ebd. S. 47.
31 Vgl. Ebd. S. 47.
32 Vgl. Ebd. S. 121.
33 Vgl. Ebd. S. 49.
34 Vgl. Ebd. S. 49.
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3.3 Die moderne, figurenbezogene Anwendung der Poetik
Selbst heute, lange nach Aristoteles' Tod, finden seine Erkenntnisse zum Teil bewusst, zum Teil unbewusst, immer noch Anwendung. Ari Hiltunen, leitender Angestellter beim finnischen Fernsehsender YLE, war einer der Ersten, der mit seinem Buch „Aristoteles in Hollywood“ zu ergründen versuchte wo, warum und wie oft dies tatsächlich der Fall ist. Die Ergebnisse seines Bestrebens würden Aristoteles selbst bestimmt die Schamesröte ins Gesicht treiben. Denn es gelang ihm nicht nur so gut wie alle von dem Philosoph beschriebenen Prinzipien um effektiv Vergnügen hervorzurufen, in uralten Märchen und klassischen Shakespeare-Dramen nachzuweisen, sondern auch in Bestseller-Romanen, TV-Serien-Hits und Kino-Kassenschlagern bis hin zu dem ein oder anderen Videospiel. Mehr noch, er konnte seine These, die den Erfolg derartiger Veröffentlichungen unmittelbar auf die Befolgung der aus der aristotelischen Poetik bekannten Richtlinien zurückführt, glaubhaft darlegen. Dazu bediente er sich einiger dieser Werke, die er erst aufschlüsselte und dann auf Gemeinsamkeiten mit der Poetik hin analysierte.
„The Firm“ (deutscher Titel: „Die Firma“) des Erfolgsautors John Grisham, eine Episode der NBC Fernsehserie „Emergency Room“ (deutscher Titel: „Emergency Room - Die Notaufnahme“) und „The Fugitive“ (deutscher Titel: „Auf der Flucht“) mit Harrison Ford, stellen dabei nur ein Bruchteil der Beispiele dar, die er zu diesem Zweck bearbeitete. Dabei lies der Finne natürlich die figurenspezifischen Überlegungen des Griechen auch nicht außen vor. Im bereits erwähnten Roman „Die Firma“ erkennt er zum Beispiel in der Tatsache, dass der Protagonist Mitchell, trotz zahlreicher Vorwarnungen, die Stelle in eben jener „Firma“ überhaupt annimmt, dessen „Hamartia“. Obwohl er kein perfekter, aber im Grunde doch ein guter Mensch ist, beschwört er sein Unglück mit dieser verhängnisvollen Fehlentscheidung selbst herauf. Dadurch passt er perfekt in das aristotelische Idealbild des Helden.
Zwei andere Figuren, der Eigentümer einer Tauchschule, der Mitch dabei hilft einen mysteriösen Bootsunfall aufzuklären, bei dem neben zwei Mitarbeitern der Firma auch sein eigener Sohn ums Leben gekommen ist, und Eddie, ein Freund von Mitchs Bruder, der ihm ebenfalls zur Seite steht, bezeichnet Hiltunen als funktional, also nur dem Handlungsfortgang dienlich. Er unterstellt Grisham damit, das Arbeitsverhältnis zwischen dem Privatdetektiv Eddie und seinem Auftraggeber Mitch sowie die Verwandtschaftsbeziehung zwischen dem Tauchschulbesitzer und einem der Opfer des Bootsunfalls, nur konstruiert zu haben, um passende Motive für die helfende Funktion jener Figuren liefern zu können. Da dies, seiner
12
Ansicht nach, aber durch dreidimensionale Charakterzeichnung ohnehin nicht ins Gewicht fällt, lässt es auf der anderen Seite dennoch weitere Bezugspunkte zu Aristoteles in Grishams Arbeit erkennen, auf die Ersterer so bedacht war - die Notwendigkeit und die Wahrscheinlichkeit. Denn es ist einerseits notwendig, dass Mitch an diesem Punkt der Geschichte, an dem er alleine nicht mehr weiter kommt, Hilfe erfährt. Andererseits ist es aber auch wahrscheinlich, dass ihm die Beiden aufgrund der zuvor genannten Beweggründe helfen 35 .
In der Krankenhausserie „Emergency Room“ findet Ari Hiltunen ebenfalls Parallelen zu Aristoteles. Eine seiner ersten Feststellungen besagt dabei, dass die Figuren erst in Konfliktsituationen ihren Charakter unter Beweis stellen können. Das deckt sich im weitesten Sinne mit einer Behauptung des Aristoteles, die ebenfalls besagt, dass Figuren ihren Charakter über ihre Handlungen definieren. Im Detail sieht das so aus, dass wir vom Heldentum der Ärzte erfahren, indem wir ihnen bei ihrer Arbeit, die darin besteht Leben zu retten, über die Schulter schauen.
Wie auch in John Grishams „Die Firma“ nutzt „Emergency Room“ ebenfalls das aristotelische Konzept des ungerechtfertigten Unglücks. Als Beispiel hierfür nennt Hiltunen eine Szene in der ein Vater mit seinem bewusstlosen Sohn in den Armen die Notaufnahme betritt und um Hilfe schreit, da jener zu sterben droht. Vor allem im Fernsehen wären solche Szenen besonders wichtig. Denn das erzeugte Mitleid mit der Figur des Vaters würde aufgrund der leichten Identifikationsmöglichkeit schon von Beginn an großes Interesse am Fortgang der Handlung schüren und dadurch ein Umschalten verhindern, so der Autor 36 .
Auch in dem Spielfilm „Auf der Flucht“ entdeckt der Finne eine „Hamartia“ in den Handlungen des Titelhelden. Als dieser, ein Chirurg namens Richard Kimble, eines Abends nach einem Wohltätigkeitsbankett einwilligt noch bei einer Operation zu helfen, anstatt mit seiner Ehefrau Helen nach Hause zu fahren, begeht er damit unwissentlich einen folgenschweren Fehler. Denn alleine im gemeinsamen Heim angekommen wird Helen dort umgebracht. Neben dem Verlust seiner geliebten Frau wird Richard dabei jedoch noch weiteres unverdientes Leid zugefügt, indem er selbst für diesen Mord verhaftet und anschließend zum Tode verurteilt wird. Die Beweggründe hinter diesem Fehler, der Versuch Leben zu retten bzw. zu erhalten, überzeugt uns aber von der Rechtschaffenheit des Helden und stellen darüber hinaus auch noch einen Beweis für die Anwendung aristotelischen
35 Vgl. Hiltunen, 2001, S. 157 ff
36 Vgl. Ebd. S. 184 ff
13
Wissens dar 37 .
Abschließend kann also festgehalten werden, dass die Arbeit des Aristoteles selbst im dritten Jahrtausend noch immer einen guten Ausgangspunkt für die Art der Untersuchung darstellt, wie ich sie hiermit durchzuführen gedenke.
37 Vgl. Hiltunen, 2001, S. 111 ff
14
4. Beispiele nicht-menschlicher Figuren in der modernen Erzählung
4.1 Allgemein
Alle eben genannten Beispiele beziehen sich offensichtlich auf menschliche Figuren. Obwohl solche Figuren zweifellos beim Erschaffen nicht-menschlicher Charaktere Modell stehen und sie mir daher bei meinen Bemühungen die Enterprise auf ihre Charakterqualitäten hin zu untersuchen von unschätzbarem Wert sein können, gilt es jedoch noch abzuklären, ob in Film und Fernsehen überhaupt Belege für ähnliche, nicht-menschliche Figuren existieren. Da ein Nein als Antwort auf diese Frage aber schon fast einer verwehrten Existenzberechtigung dieser Untersuchung gleichkommen würde, sollte dem geneigten Rezipienten spätestens beim Lesen dieser Zeilen klar werden, dass Derartiges sehr wohl der Fall sein muss. Bedenkt man dabei beispielsweise auch noch den Maschinen-Menschen aus Fritz Langs „Metropolis“ (englischer Titel ebenfalls: „Metropolis“) aus dem Jahr 1927, stellt man fest, dass uns solche Figuren schon seit den Kindertagen dieser Medien begleiten. Klammert man jedoch künstliche Figuren aus, die Menschen darstellen sollen, wie zum Beispiel der „T-800“ aus „The Terminator“ (deutscher Titel: „Terminator“), ihnen nachempfunden wurden, wie zum Beispiel „C3PO“ aus „Star Wars“ (deutscher Titel: „Krieg der Sterne“) oder sogar, wie Pinocchio nach Menschlichkeit streben, wie zum Beispiel David aus „A.I.“ (deutscher Titel: „A.I. - Künstliche Intelligenz“) oder auch „Data“ aus „TNG“ und Star Trek VII bis X, wird die Anzahl schon überschaubarer. Nichtsdestotrotz gibt es sie. Auf Anhieb fallen mir hierzu „K.I.T.T.“ aus „Knight Rider“ (deutscher Titel ebenfalls: „Knight Rider“), Herbie aus „The Love Bug“ (deutscher Titel: „Ein toller Käfer“) und „HAL 9000“ aus „2001: A Space Odyssey“ (deutscher Titel: „2001: Odyssee im Weltraum“) ein. Um dies zu beweisen und so eine gute Ausgangsbasis für meine Analyse der Enterprise zu schaffen werde ich nun jene Charaktere, die in mehr oder weniger gewöhnlichen Gebrauchsgegenständen inkaniert sind, auf ihre Qualitäten als Figur im Bezug auf Aristoteles hin überprüfen.
4.2 K.I.T.T.
Die Abkürzung K.I.T.T. steht für Knight Industries Two Thousand. Es handelt sich dabei um die Bezeichnung eines fast unzerstörbaren Super-Sportwagens aus der 80er Jahre Fernsehserie „Knight Rider“. Dieser Sportwagen, ein schwarzer 82er Pontiac Trans Am, um genau zu sein, verfügt neben einer einmaligen Molekular-Versiegelung, die ihn nahezu unverwundbar macht,
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einen Turbo-Boost, der es ihm ermöglicht Hindernisse einfach zu Überspringen, und zahlreichen weiteren Extras über einen Supercomputer, der wiederum eine künstliche Intelligenz, kurz K.I. beherbergt. Diese K.I. verleiht dem Auto eine eigene Persönlichkeit und erlaubt es dem Fahrer, Michael Knight, sich mit ihm zu unterhalten. Während der zahlreichen Aufträge, die dieses ungewöhnliche Duo für die so genannte Foundation für Recht und Verfassung absolviert hat, wurden die Beiden zu Freunden. Dies ging sogar so weit, dass Michael sein Auto als „Kumpel“ bezeichnet.
Die Idee ein Auto als Figur zu verwenden war schon 1982, als „Knight Rider“ das erste Mal ausgestrahlt wurde, nicht mehr neu. Trotzdem wurde die Serie zu einem großen Erfolg und geniest heute bisweilen Kultstatus. Dies verdankt sie nicht zu Letzt „K.I.T.T.“, einem Auto.
Nun, sehen wir uns dieses Auto einmal durch die Augen eines Aristoteles etwas genauer an. Wir erinnern uns, dass sich bei ihm ein Charakter über seine Neigungen und deren Beschaffenheit definiert. Was „K.I.T.T.“ angeht sind diese Neigungen schnell erklärt, wenn man die Episode „Trust Doesn't Rust“ (deutscher Titel: „Der Doppelgänger“) zu Rate zieht. Darin erfahren wir nämlich, dass tief in seiner Programmierung der Leitsatz fremdes Leben, notfalls unter Einsatz seines Eigenen, zu schützen, verankert ist 38 . Ein edler Wesenszug, den er während der 90 Episoden der Serie auch mehrmals unter Beweis stellt. Aufgrund seiner guten Taten können wir ihm also einen guten Charakter bescheinigen, sofern diese Taten seinem freien Willen entsprungen sind. Außerdem wäre damit auch jenes aristotelische Merkmal, das nach Tüchtigkeit verlangt, als vorhanden abzuhaken.
Ein Schelm übrigens, wer „K.I.T.T.“ nun eine Sklavenmentalität unterstellt denn, obwohl er niemals sein oberstes Prinzip verletzt hat, was Aristoteles zu folge übrigens auch als ein Bruch mit dem Merkmal „des Angemessenen“, als auch mit dem „des Gleichmäßigen“ anzusehen wäre, tut er durchaus nicht immer das was man ihm sagt oder worauf er programmiert wurde. In der Folge „Junk Yard Dog“ (deutscher Titel: „Eine schreckliche Falle“) zum Beispiel will er nach einem schweren Unfall, bei dem er fast völlig zerstört wurde, aus Angst nicht mehr durch Wände fahren, obgleich ihm das aufgrund seiner speziellen Panzerung nicht den geringsten Kratzer beibringen würde 39 . Ein derartiges Verhalten impliziert also einen freien Willen, womit nun auch ein Beweis für einen solchen erbracht wäre. Darüber hinaus lässt es auch, die vom griechischen Philosophen eingeforderte Wahrscheinlichkeit erkennen. Denn auch wir würden nach einem derart traumatischen Erlebnis alles daran setzten ein solches, eine Art Schmerz wenn man so will, von uns fernzuhalten. Daher ist es also mehr als nur wahrscheinlich, ja gerade zu logisch, dass
38 Vgl. Knight Rider: Der Doppelgänger (Trust
Doesn't Rust,
USA 1982)
39 Vgl. Knight Rider: Eine schreckliche Falle (Junk Yard Dog, USA 1985)
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„K.I.T.T.“ Situationen meidet, die ihn der Gefahr eines solchen Schmerzes erneut aussetzen. Darum maße ich mir hiermit also an, es als erwiesen zu betrachten, dass das Auto „K.I.T.T.“, in „Knight Rider“, die Funktion einer Figur übernimmt.
4.3 Herbie
Herbie ist der Protagonist aus einer inzwischen sechsteiligen Spielfilmreihe, die 1968 mit „Ein Toller Käfer“ ihren Anfang nahm. Ähnlich wie „K.I.T.T.“ ist auch er ein Automobil. Aufgrund dieser Tatsache sei es mir also erlaubt die ein oder andere Parallele zu ziehen. Damit wären aber auch schon so gut wie alle Gemeinsamkeiten der Beiden aufgezählt. Denn obwohl wir hier anstatt auf ein schwarzes, amerikanisches Muscle-Car, auf einen weißen, deutschen Volkswagen, aus dem Jahr 1963 treffen, stellt dies noch den kleinsten der Unterschiede dar. Anders als sein Artgenosse ist Herbie nämlich, zumindest von der technischen Seite her, ein völlig normales Auto, ohne Panzerung, Computer und irgendwelchen Extras. Trotzdem ist er auf wundersame Weise beseelt und mit „richtigem“ Leben erfüllt. Auch in der Art und Weise wie die zwei Autos dargestellt werden, unterscheiden sie sich. Wo „K.I.T.T.“ auf der einen Seite die Rolle eines gleichberechtigten Partners von Michael Knight einnimmt, übt Herbie auf der anderen Seite eher den Part eines Schoßtieres, das in der Hierarchie klar unter einem Menschen einzuordnen ist, aus. An seiner Funktion als Figur ändert das aber meiner Ansicht nach nichts. Besonders da Hunde wie Lessie oder Rex, bei denen übrigens, was die Vermenschlichung angeht auch nicht gegeizt wurde, auch schon eine solche Rolle ausgefüllt haben. Ob jedoch auch ein Aristoteles dieser Ansicht gewesen wäre gilt es nun zu klären.
Zu Anfang stellt sich hier nun wieder die Frage nach den Charakter definierenden Handlungen der potentiellen Figur. Der Film „Ein toller Käfer“ kann hierfür gleich mit mehreren Beispielen aufwarten. Zum Einen wäre hier die völlige Aufopferungsbereitschaft Herbies für den glücklosen Rennfahrer Jim Douglas. Nur um dessen Karriere aufs Neue anzukurbeln verausgabt er sich weit über seine physischen Grenzen hinaus. Das gipfelt am Ende des Film sogar darin, dass er im wahrsten Sinn des Wortes seinen Kopf verliert und im finalen Rennen in zwei Teilen, auf Platz eins und drei die Ziellinie überquert. Seine Motivation dafür ist wohl am ehesten in dem bereits angesprochenem Vergleich mit einem Hund zu finden. Denn die Anerkennung seines „Herrchens“ ist alles was er sich von solch edlen Taten zu versprechen hat. Nichtsdestotrotz ändert das am Charakter jener, die
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zweifelsfrei als gut bezeichnet werden können, nichts. Ähnlich beschaffen ist auch der Versuch seinen Besitzer mit der Verkäuferin Carol, bei der ihn Jim erworben hat, zu verkuppeln. Als dieser nämlich Carol während einer gemeinsamen Probefahrt die vermeintlichen Macken des nagelneuen Fahrzeugs demonstrieren will, versperrt Herbie seine Türen und lässt die Beiden erst wieder aussteigen, nachdem sie sich näher gekommen sind 40 . Die Frage nach einem freien Willen stellt sich, anders als bei „K.I.T.T.“, übrigens hier insofern nicht als, dass Herbie über keinen Computer verfügt, dem man auf ein bestimmtes Verhaltensmuster hätte programmieren können. Was also die von Aristoteles geforderte Rechtschaffenheit angeht, bin ich in diesen Fall am Ende meiner Beweisführung angelangt.
Die Erkenntnisfähigkeit, die laut Aristoteles ebenfalls ein wichtiges Merkmal einer Figur darstellt, kann man bei dem kleinen Volkswagen an einer eher traurigen Szene, ebenfalls aus „Ein toller Käfer“, festmachen. Nachdem Jim sein anfänglicher Erfolg, den er einzig und allein Herbie zu verdanken hat, zu Kopf gestiegen ist, will er diesen durch einen vermeintlich besseren Sportwagen ersetzen. Als Herbie das jedoch herausfindet demoliert er seinen Kontrahenten nicht nur bis zur Unkenntlichkeit, sondern versucht sich auch durch einen Sprung von der Golden Gate Bridge das Leben zu nehmen. Da Selbstmord, neben dem Ausrotten der eigenen Art, zu den wenigen Eigentümlichkeiten zählt, die der menschlichen Rasse vorbehalten sind, ist es fast schon unnötig weitere Belege für die Vermenschlichung des tollen Käfers aufzuführen. Der Vollständigkeit halber sei aber noch erwähnt, dass Herbie, Jim letzten Endes wieder tatkräftig unterstützt. Zuvor, stürzt Jim jedoch, bei dem Versuch sich zu entschuldigen, selbst fast von der Brücke. Ob der Gefahr, in die dieser für ihn geraten ist, scheint er wohl dessen guten Charakter zu erkennen. Daraufhin riskiert der kleine Volkswagen seinerseits sein Leben, um dass seines Fahrers zu retten 41 . Wie dies von einem Disney-Film nicht anders zu erwarten war, gelingt ihm dies natürlich auch. Diesem Verhalten ist jedenfalls also eine gewisse Konsequenz insofern nicht abzusprechen als, dass es neuerlich Herbies geradezu bedingungslose Hingabe für seinen Besitzer zeigt.
4.4 HAL 9000
HAL 9000 ist der Name eines Supercomputers aus dem 1968 erschienenen Science-Fiction-Klassiker „2001: A Space Odyssey“ (deutscher Titel: „2001: Odyssee im Weltraum“). An Bord des Raumschiffs „Discovery“, das sich auf einer geheimen Mission zum Jupiter
40 Vgl. Ein toller Käfig (The Love Bug, USA 1968)
41 Vgl. Ebd.
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befindet, ist HAL der Dreh- und Angelpunkt. Denn der Computer der 9000er Serie, von der lediglich zwei Exemplare gebaut wurden, die gemeinhin als unfehlbar gelten, ist als Einziger über alle Einzelheiten des Unternehmens informiert. Daneben ist er auch noch für die Steuerung des Schiffs verantwortlich und dient darüber hinaus der fünfköpfigen Besatzung zum Teil als Gesprächspartner.
Anders als ihre drei Kollegen, die sich bis zum Erreichen des Ziels in einem Kälteschlaf befinden, sind die Astronauten David Bowman und Frank Poole bei vollem Bewusstsein und überwachen sowohl HAL als auch den Flug 42 .
Im Gegensatz zu den zuvor genannten nicht-menschlichen Protagonisten handelt es sich bei HAL aber um eine böse Figur. Nichtsdestotrotz eignet er sich vorzüglich als Beispiel für ein vermenschlichtes Objekt. Grund hierfür ist neben der, meiner Ansicht nach, besonders ausgeprägten Charakterzeichnung auch die Nähe zur Enterprise. Ähnlich dem Hauptcomputer der Enterprise, der zweifellos Teil des Schiffs ist, kann HAL nämlich ebenfalls als Teil der „Discovery“ angesehen werden. Im selben Ausmaß wie eben zum Beispiel dieser Hauptcomputer, die Enterprise ist, ist daher auch HAL die „Discovery“. - Er repräsentiert also so zu sagen das ganze Schiff.
Ohne HAL aber tatsächlich als Figur auszuweisen nützt diese Erkenntnis nur wenig. Zu diesem Zweck wird erneut Aristoteles von mir zu rate gezogen.
Beginnen wir also mit den Handlungen HALs. Wie schon erwähnt deuten diese auf einen schlechten Charakter hin. Am deutlichsten kommt das zur Geltung als HAL, dem wegen einer Fehlfunktion die Abschaltung droht, Poole bei der erst besten Gelegenheit umbringt, indem er ihm während eines Weltraumspaziergangs die lebenswichtigen Versorgungsleitungen kappt. Als Bowman das Schiff daraufhin verlässt, um dessen Leiche zu bergen, macht sich HAL eines noch größeren Verbrechens schuldig. Er tötet die drei restlichen Besatzungsmitglieder auf besonders niederträchtige Art und Weise. Denn da sich diese nach wie vor im Kälteschlaf befinden sind sie der Abschaltung der lebenserhaltenden Systeme schutzlos ausgeliefert. Hinzu kommt, dass sie im „tiefgefrorenen“ Zustand, noch keinerlei Bedrohung für den defekten Computer darstellen. Trotz der offensichtlichen Schlechtigkeit eines solchen Verhaltens bricht es nicht mit dem aristotelischen Merkmal „des Tüchtigen“, da HAL nachvollziehbare Motive für seine Taten vorweisen kann. - Er ist demzufolge also nicht unnötig schlecht. Was seine Motivation angeht, gestaltet sich diese wie folgt. Einerseits sieht er die Mission durch die schlechter informierten, ihn unterlegenen Menschen, in Gefahr,
42 Vgl. Odyssee im Weltraum (A Space Odyssey, USA 1968)
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sollten diese bei ihrem Bestreben ihn abzuschalten Erfolg haben. Andererseits will er damit natürlich auch sein eigenes Leben schützen und der Abschaltung, die aus seiner Sicht dem Tod gleichkommt, entgehen. Dem Mord an den schlafenden Raumfahrer kann man dadurch, darüber hinaus durchaus als konsequent bezeichnen. Immerhin ist es mehr als nur wahrscheinlich, dass jene nach ihrem Erwachen Fragen stellen und so den Auftrag ihrerseits der Gefahr eines Scheiterns aussetzen. Auch „das Ähnliche“ kann aus so einem Vorgehen herausgelesen werden. Denn das auch der Mensch oftmals, um ein vermeintlich höheres Ziel zu erreichen, über Leichen geht, ist hinreichend belegbar. Ob so ein Vorgehen jedoch erstrebenswert ist, sei dahingestellt. Selbsterkenntnis, die getrost als Beweis für Erkenntnisfähigkeit aufgefasst werden kann, demonstriert HAL als er sich selbst ausdrücklich ein Bewusstsein zuschreibt. In dieser Meinung wird er von den beiden Astronauten insofern bestätigt als, dass sie ihm sogar den Status einer Person zugestehen. Lediglich die Frage ob ihn dieses Bewusstsein auch zu echten Gefühlen befähigt, können sie nicht zweifelsfrei beantworten. Gegen Ende des Films zerstreut jedoch HAL selbst jeden Zweifel an seiner Empfindsamkeit. Während David Bowman ihn nämlich schrittweise deaktiviert, lässt er diesen an seinen Ängsten teilhaben. Als dann aber auch seine Überredungsversuche und sein Appell an Daves Menschlichkeit keine Früchte tragen, fleht er regelrecht um sein Leben. -Ohne Erfolg 43 .
43 Vgl. Odyssee im Weltraum (A Space Odyssey, USA 1968)
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5. Das Schiff als vermenschlichte Figur
5.1 Begriffserklärung
Nach dieser, wie ich meine, erfolgreichen Anwendung aristotelischer Prinzipien auf vermeintliche Objekte, bei der es mir, so meine ich, weiter gelungen ist die Existenz von nicht-menschlichen Figuren nachzuweisen, bin ich nun mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet um auch die Enterprise dahingehend zu untersuchen. Herauszufinden ob auch bei ihr jene Kriterien aufzufinden sind, die dem griechischen Philosophen zu folge vorhanden sein müssen um eine Figur als solche erkannt zu wissen, ist dabei mein erstes Ziel. Davor ist jedoch eine kleine Begriffserklärung von Nöten. Wie schon erwähnt gab bzw. gibt es im Star Trek-Universum mehr als nur ein Schiff mit dem Namen Enterprise. Um die Anzahl vermeintlicher Belege für meine These im überschaubaren Rahmen zu halten beziehe ich mich, wenn ich von der Enterprise spreche, zwar auf mehrere, jedoch nicht auf alle Schiffe dieses Namens. Im Besonderen ist dabei vor allem von den Schiffen mit den Nummern NCC-1701, NCC-1701-A und NCC-1701-D die Rede, da ich bei jenen mit TOS, TNG und Star Trek I bis VII auf das meiste Ausgangsmaterial zurückgreifen kann.
5.2 Episoden im Detail
Ähnlich wie schon zuvor bei K.I.T.T., Herbie und HAL werde ich auch bei der Enterprise damit beginnen ihre Handlungen auf deren Beschaffenheit hin zu deuten. Anders als bei den eben genannten Beispielen für nicht-menschliche Figuren unterstelle ich dem Schiff jedoch nicht den pauschalen Anspruch einer Figur und die Handlungen, die ein Solcher voraussetzt. Dennoch lässt sich derartiges sehr wohl in der ein oder anderen Episode auffinden. Zwei solche Episoden möchte ich im Anschluss mithilfe von kurzen Inhaltsangaben näher beleuchten. Zum Einen wäre dies „The Ultimate Computer“ (deutscher Titel: „Computer M5“) aus „Raumschiff Enterprise“, und zum Anderen „Emergence“ (deutscher Titel: „Neue Intelligenz“) aus „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“.
5.2.1 „Computer M5“: Inhaltsangabe
Die Folge beginnt damit das die Enterprise NCC-1701 unter Captain Kirk zu einer
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Raumstation der Föderation beordert wird, um dort das Computergenie Doktor Richard Daystrom und seine neueste Erfindung, den M5 Computer, an Bord zu nehmen. Dieses Wunder der Technik soll es ermöglichen ein Schiff von der Größe der Enterprise, für dessen Betrieb normalerweise über 400 Besatzungsmitglieder erforderlich sind, völlig allein operieren zu lassen. Dadurch sollen zahllose Leben, die bei der risikoreichen Erforschung des Alls gefährdet wären, geschützt werden. Trotz einiger Skepsis der Crew wird M5 in die Systeme der Enterprise integriert und scheint noch besser als erwartet zu funktionieren. Als die Enterprise dann sogar während eines simulierten Gefechts zwei baugleiche Schiffe besiegt, macht sich vor allem bei Captain Kirk die Angst breit von einer Maschine ersetzt zu werden. Diese Angst verfliegt jedoch, nachdem M5 plötzlich schwerwiegende Fehlfunktionen aufweist. So reist er kurz nach seinem Triumph bei der Übung, die vollständige Kontrolle über das gesamte Schiff an sich und attackiert einen Erzfrachter, den er als Bedrohung einstuft. Dieser wird dabei vollständig vernichtet. Glücklicherweise kommt niemand zu Schaden, da jener Frachter unbemannt war. Anders als M5s Schöpfer, der diesen Zwischenfall als Folge eines unbedeutenden Defekts abtut, klingeln bei Kirk und seiner Mannschaft die Alarmglocken. Man versucht daraufhin den Computer abzuschalten, aber dieser schreckt nun auch nicht mehr vor Gewalt gegen Lebewesen zurück. Bei dem Versuch die Hauptstromversorgung zu deaktivieren gerät ein Techniker in einen von M5 aktivierten Energiestrahl und stirbt. Noch immer weigert sich Daystrom anzuerkennen, dass es sich bei seinem Werk um einen Fehlschlag handelt. Er will keinen Vorsatz in der Tat seiner Erfindung erkannt haben. Das Aktivieren jenes todbringenden Strahls sollte, seiner Ansicht nach, lediglich dem stetig ansteigenden Energiebedarf der Maschine Rechnung tragen. Der Techniker war dabei einfach nur im Weg und zur falschen Zeit am falschen Ort. Später vergleicht er die Handlungen M5s sogar mit denen eines Kindes, das sich nur verteidigen würde. Mehr denn je versucht man nun die Maschine von der Stromversorgung abzuschneiden. Sie durchschaut jedoch einen weiteren Versuch und wirkt ihm erfolgreich entgegen. Verblüfft von der Flexibilität des mechanischen Captains fordert man von seinem Erbauer eine Erklärung. Er erläutert daraufhin, dass es ihm gelungen sei menschliche Denkstrukturen, seine eigenen um genau zu sein, dem Computer einzuprägen. Daher wäre M5 in der Lage selbstständig zu denken. Zu allem Überfluss wird im selben Augenblick gemeldet, dass sich eine Gruppe aus vier Schiffen der Enterprise nähert. Zwei davon standen ihr schon während der ersten Übung gegenüber und sind nun mit Verstärkung zurückgekehrt, um in einem zweiten, simulierten Gefecht, selbst als Sieger hervorzugehen. Das eine solche Simulation jedoch aufgrund von M5s Fehlfunktionen zu tödlichem Ernst werden könnte ist ihnen dabei nicht bekannt. Auch Captain Kirk ist es nicht möglich die Flotte vor der Gefahr
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zu warnen, die von seinem Schiff ausgeht, da der Computer alle Systeme, einschließlich der Kommunikation, unter seine Kontrolle gebracht hat. Daystrom, noch immer von seiner Arbeit überzeugt, versichert Kirk jedoch, dass M5 in dieser Situation die Lage richtig einschätzen würde und gar nicht im Stande wäre die Schiffe anzugreifen. Einmal mehr belehrt die Schöpfung seinen Schöpfer eines besseren. Die Enterprise greift die verbündeten Schiffe an und beschädigt diese schwer. Zahlreiche Besatzungsmitglieder, darunter die gesamte Mannschaft der Excalibur, kommen dabei ums Leben. Um sich und seine verbliebenen Leute zu schützen erbittet der Befehlshaber der Flotte daraufhin vom Sternenflottenkommando die Erlaubnis seinerseits auf die Enterprise feuern zu dürfen. Während dessen erkennt nun auch Richard Daystrom, dass sein Werk aufgehalten werden muss. Um es aber vor der Zerstörung zu bewahren erklärt er sich dazu bereit sein Kind davon zu überzeugen die Angriffe einzustellen. Von Gewissensbissen ob der zahlreichen Toten geplagt, für die er sich persönlich verantwortlich fühlt, erleidet er jedoch einen Nervenzusammenbruch ehe er diese Aufgabe zu einem erfolgreichen Abschluss bringen kann. Inzwischen hat die Flotte die Erlaubnis erhalten alle erforderlichen Mitteln einzusetzen um die Enterprise aufzuhalten. Kirk nutzt die Erkenntnis, dass Daystrom mit dem Wissen, zumindest indirekt getötet zu haben nicht fertig wird, geschickt für seine Zwecke aus. Er macht dem Computer klar was er getan hat. Dieser, der mit den selben Gedankenstrukturen wie sein Erfinder programmiert ist, erkennt schließlich auch das Unrecht, das er angerichtet hat. Als Folge davon deaktiviert er sich und alle Verteidigungssysteme der Enterprise, um sich so der Vernichtung preis zu geben und dadurch für seine Taten zu sühnen. Die verbliebenen drei Schiffe sind unter dessen schon beinahe wieder in Schussweite. Noch immer ohne Kommunikationsmöglichkeit beschließt Captain Kirk die Schutzschilde abgeschaltet zu lassen und die Waffensysteme ebenfalls zu deaktivieren. Die vermeintlichen Gegner interpretieren dieses Verhalten richtig als Schwenken der weißen Fahne und brechen ihrerseits den Angriff ab. Damit ist die Enterprise und ihre Crew gerettet und der Beweis erbracht, dass Maschinen den Menschen vorerst noch nicht ersetzen können 44 .
5.2.2 „Computer M5“: Analyse
Ausgangspunkt für meine Behauptung in der eben beschrieben Folge eine Personifizierung der Enterprise vorzufinden, ist die Auffassung, dass M5, mit der Integration in das Schiff, selbst zur Enterprise wird. Obwohl eine derartige Aussage zugegebenermaßen streitbarer
44 Vgl. Raumschiff Enterprise: Computer M5 (The Ultimate Computer, USA 1968)
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Natur ist möchte ich mit einem Vergleich zu einer der wohl bekanntesten (Horror)Figuren der Geschichte aufzeigen, dass sie nicht jedweder Grundlage entbehrt. Bei jener Figur handelt es sich um Franksteins Monster aus Mary Shelleys 1818 erschienenem Roman „Frankenstein or The Modern Prometheus“ (deutscher Titel: „Frankenstein“). Geht man nämlich davon aus, dass der Computer M5 das Gehirn des neu geschaffenen Wesens Enterprise darstellt, ist dieser Vergleich nicht so weit her geholt. Denn ähnlich wie bei Frankensteins Monster, das nach dem Einsetzen eines fremden Gehirns in einen leblosen Körper mithilfe eines Stromschlags zum Leben erweckt wird, verhält es sich auch mit der Enterprise. Auch hier wird in einen leblosen Körper, die Enterprise, ein Gehirn, M5, eingesetzt und daraufhin mit einem Stromschlag, das Anbinden an die Energieversorgung des Schiffs zum Leben erweckt. Obgleich sie für mein Vorhaben nicht von allzu großer Bedeutung sind, sollen weitere Parallelen der beiden Erzählungen nicht unerwähnt bleiben. Die Tatsache das sich Frankensteins Monster ebenso wie die Enterprise gegen ihren Schöpfer richtet, wobei im Fall der Star Trek Episode eher die gesamte Menschheit anstatt des wirklichen Erfinders einem Vergleich mit Doktor Frankenstein standhält, ist wohl unverkennbar. Auch gewisse Ähnlichkeiten zwischen besagtem Doktor Victor Frankenstein, der wohl den Archetypen des verrückten Wissenschaftlers darstellt und dem M5 Erbauer Doktor Richard Daystrom, sind kaum von der Hand zu weisen.
Um wieder auf das Monster zurück zu kommen sei noch erwähnt, dass bei diesem wohl niemand zwischen dem Gehirn, das aufgrund seines kriminellen Vorbesitzers für die schlechten Taten des ganzen Wesens verantwortlich ist, und seinem Körper differenzieren würde. Daher halte ich es im Bezug darauf, in diesem speziellen Fall, ebenso für vertretbar nicht zwischen der Enterprise und M5 zu unterscheiden. Und deshalb werde ich Beide im Folgenden unter dem Begriff Enterprise zusammenzufassen.
Nimmt man diese Auffassung als Gegebenheit an, gestaltet sich die Suche bei der Enterprise nach Qualitäten einer Figur ähnlich einfach wie bei HAL. - Die Gemeinsamkeiten sind auch schwer zu übersehen.
Ähnlich wie dieser entpuppt sich auch die Enterprise, zumindest wenn man sie nur, ohne ihre Motive zu hinterfragen, nach ihren Handlungen beurteilt, als böse. Immerhin tötete sie einen Techniker, die über 400 Mitglieder zählende Besatzung der „Excalibur“ und eine unbestimmte Anzahl von Lebewesen an Bord der anderen drei Schiffe, mit denen sie sich ein Gefecht lieferte. Zweifellos sind solche Handlungen böser Natur und brandmarken das Schiff dadurch ebenfalls als böse. Sieht man sich jedoch die Gründe für diese Taten genauer an, fällt das Urteil unter Umständen nicht mehr so eindeutig aus. Obwohl es sich in Wahrheit anders
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verhält, war das Schiff der festen Überzeug sein Leben wäre in Gefahr, als es die Morde beging. Unter diesen Umständen kann man diese Morde daher durchaus als Notwehr auffassen, die auch im realen Leben ein legitimes Mittel darstellt um sich selbst zu schützen. Ob ihr Leben jedoch mehr, als das von über 400 anderen empfindungsfähigen Wesen wert war, bleibt jedoch anzuzweifeln.
Dieses Argument der Notwehr könnte man nun natürlich auch auf HAL anwenden und ihm so den Charakterzug des Schlechten absprechen. Der Grund warum ich mich jedoch nicht dazu hinreisen lasse sind die Tötungen an den schlafenden Wissenschaftlern. Denn anders als die Enterprise, die nur auf direkte Bedrohungen mit Gewalt reagierte, brachte HAL diese, sozusagen präventiv um, um einer möglichen Gefährdung vorzubeugen. Ein solches Verhalten kann der Enterprise in meinen Augen nicht nachgewiesen werden.
Ein anderer Punkt der mich an ihrer völligen Boshaftigkeit zweifeln lässt, ist ihr Verhalten, als sie ihre Taten als schlecht begreift. Sie erkennt ihre Verfehlungen als solche und ist gewillt dafür zu büßen. Ein Verhalten, das meiner Ansicht nach, eher einem guten als einem schlechten Charakter entspricht. Doch egal welche Wertigkeit man diesen Taten auch zuschreiben mag, der Kern, also die Handlungen an sich, die je nach individueller Betrachtung entweder so oder ganz anders verstanden werden können, zeugen in jeden Fall davon, dass die Enterprise nicht als unnötig schlecht gehandelt hat und das es sich bei ihr, zumindest in dieser Folge, doch tatsächlich um eine Figur handeln könnte. Da jener von Aristoteles geforderte Punkt nun abgehandelt zu sein scheint, fahre ich mit dem fort was er als „das Ähnliche“ bezeichnet hat. Jenes Beispiel das ich dafür anzuführen gedenke kann guten Gewissens auch als Beweis für die Erkenntnisfähigkeit des Schiffes gewertet werden. Die Rede ist dabei von dem Moment als ihr klar wird, dass sie für den Tod hunderter Unschuldiger verantwortlich ist. Die Erkenntnis, dass sie ihrem eigentlich Zweck, Leben zu retten zuwider gehandelt hat, führt ihre Existenz ad absurdum, woraufhin sie Selbstmord begeht. - Insofern als, dass ihr Geist stirbt und nur noch eine leere Hülle zurückbleibt. Neben ihrer Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen sollte damit auch „das Ähnliche“ nachgewiesen sein, das den Figuren in etwa die selben moralischen Wertvorstellungen wie auch jene des Publikums, zu denen wohl auch die Idee gehört einen Verbrecher seiner gerechten Strafe zuzuführen, abverlangt und die man deutlich aus ihrer Bereitschaft für ihre Taten sühnen zu wollen ablesen kann.
Auch „das Gleichmäßige“ lässt sich durchaus in den Handlungen der Enterprise erkennen. Denn von Anfang an ist sie darauf bedacht sich selbst zu schützen. Als sie dann sogar diesen Selbsterhaltungstrieb, so wie jedes Lebewesen, über alles andere stellt und so schließlich auch ihre obersten Prinzipien vergessen macht, zeugt dies nicht zuletzt auch von einer gewissen
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Konsequenz. Diese Konsequenz ist vor allem darin begründet, dass sie dieses Verhalten immer wieder aufs Neue an den Tag legt. Beispiel hierfür wäre der Angriff auf den vermeintlich bedrohlichen Frachter, der Mord an dem Techniker, der zuvor versuchte ihr Gehirn abzuschalten, die Irreführung der Besatzung bei weiteren, ähnlich gearteten Versuchen oder die Attacken gegen die anderen Föderationsschiffe, die zumindest zu Anfang, fälschlicherweise als Gefahr für das eigene Leben eingestuft wurden. Da ich nun auch dieses Merkmal des Aristoteles als erfüllt ansehe, schließe ich dieses Unterkapitel mit der Behauptung die Enterprise, unter der weiter oben genannten Voraussetzung, als Figur in dieser Folge nachgewiesen zu haben.
5.2.3 „Neue Intelligenz“: Inhaltsangabe
Diese Episode nimmt in einem Holodeck, einem Teilbereich des Schiffs, der es ermöglicht mit holographischen Projektionen, Orte und Personen zu simulieren, der Enterprise D ihren Anfang. Als frei zugängliche Einrichtung wird das Holodock oft von der Besatzung zur Freizeitgestaltung genutzt, um videospielartige Abenteuer oder einfache Ausflugsziele wie zum Beispiel einen Strand zu generieren. An solch einem Ort übt auch, der zweite Offizier der Enterprise, ein Androide namens Data, in akkurater Kulisse und unter Anleitung von Captain Picard, die Rolle des Prospero aus Shakespeares „Der Sturm“. Plötzlich werden die Beiden beinahe von einem heranrasenden Zug, welcher in dieser Simulation jedoch nicht vorgesehen ist, überfahren. Beim Überprüfen dieses Vorfalls stellt sich heraus, dass der Zug, bei dem es sich um den Orient-Express gehandelt hat, aus einem Programm der Schiffsärztin, Doktor Crusher, stammt. Aus Sicherheitsgründen werden daraufhin alle Holodecks an Bord deaktiviert.
Inzwischen kommt es jedoch zu weiteren merkwürdigen Ereignissen. Wie von Geisterhand beschleunigt die Enterprise, ohne fremdes Zutun, auf Warpgeschwindigkeit. Da das Schiff auch auf keine Eingaben mehr reagiert zieht man sogar eine Notabschaltung der Hauptenergieversorgung, der es jedoch für mehrere Tage seiner Mobilität berauben würde, in Betracht. Kurz bevor dieser Plan in die Tat umgesetzt werden kann, geht die Enterprise aber selbst wieder unter Lichtgeschwindigkeit. Auch die Kontrollen sprechen nun wieder an. Als man dann diesen Vorfall einer näheren Untersuchung unterzieht, bemerkt man, dass die Enterprise durch diesen kurzen Warpflug der sicheren Zerstörung entgangen ist. Denn auf ihrer ursprünglichen Position hatte sich eine Anomalie gebildet, die das Schiff binnen weniger Sekunden vernichtet hätte. Beim weiteren Voranschreiten der Untersuchung entdeckt man
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außerdem einen eigenartigen Schaltkreisknoten, der sich erst vor Kurzem gebildet zu haben scheint. Die Vermutung liegt also nahe, dass dieser mit den unerklärlichen Vorkommnissen in Zusammenhang stehen könnte. Ein Versuch diesen Knoten zu deaktivieren, der sich aber aufgrund eines schützenden Kraftfeldes als erfolglos erweist, bestätigt diese Vermutung. Ebenso wie die Tatsache, dass sich auf dem ganzen Schiff derartige Gebilde, die gleich mehrere Schiffssysteme miteinander verbinden, auffinden lassen. Da diese alle auf Holodeck drei zusammenlaufen, entschließt man sich der Sache dort auf den Grund zu gehen. Als der erste Offizier Riker, der Sicherheitschef Worf und Data das Holodeck betreten ist dieses zu ihrer Überraschung aber nicht abgeschaltet. Im Gegenteil befinden sie sich nun selbst im Orient Express, der mit einer illusteren Gruppe aus verschiedenen Figuren unterschiedlichster Programme bevölkert ist. Darunter sind zum Beispiel ein wild-west Revolverheld, ein Ritter in schimmernder Rüstung und ein Gangster, der mühelos dem Chicago der 30er Jahre entsprungen sein könnte. Unbeirrt untersucht Data den Zug bzw. das Holodeck und findet einen weiteren Schaltkreisknoten vor. Beim Versuch diesen abzuschalten wird er vom Schaffner unterbrochen. Der neu hinzugestoßene Zugführer erweist sich jedoch als Fürsprecher. Dies scheint jedoch dem Revolverhelden nicht zu behagen, woraufhin er den Zugführer erschießt. Im selben Augenblick wird die Enterprise von einer Erschütterung erfasst und geht anschließend wieder auf Warp. Der Gangster ergreift nun nicht nur einen Ziegelstein, der zuvor noch im Besitz des Zugführers war, sondern auch die Gelegenheit um zu verkünden, dass er nun dessen Platz eingenommen hat. Kurz darauf werden Riker, Worf und Data vom Schaffner des Zuges verwiesen, da sie keine Fahrscheine besitzen. Bei einer anschließenden Besprechung der Führungsoffiziere, bei der das weitere Vorgehen diskutiert wird, werden alle über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Dabei kann Data mit einigen sehr interessanten Beobachtungen und Theorien aufwarten. Einerseits zieht er aufgrund des Vorfalls mit dem Zugführer den Schluss, dass alle Begebenheiten auf Holodeck drei direkten Einfluss auf das Schiff haben. Andererseits vermutet er, dass die Enterprise eine Art Intelligenz entwickelt. Die Knoten, die ähnlich wie das Gehirn eines Menschen und sein eigenes aufgebaut sind, dienen dieser Behauptung als Ausgangspunkt. Um mehr über diese neue Lebensform herauszufinden beschließt man auf das Holodeck zurückzukehren. Dort angekommen erfahren Worf, Data und Troi, die Riker, wegen ihrer ausgeprägten empatischen Fähigkeiten, im Team ersetzt hat, das der Zug nach Keystone City unterwegs ist. Am Ziel ihrer Reise angekommen, verlassen die drei das anarchische Fortbewegungsmittel und begeben sich in die Stadt. Während Data neuerlich versucht den Schaltkreisknoten abzuschalten, folgen Worf und Troi dem Gangster, der immer noch den Ziegelstein bei sich trägt. Nachdem er damit ein Loch in einer Wand versiegelt hat, erklärt er, dass nun das
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Fundament gelegt sei. Mittlerweile, wieder unter Warp, entdeckt LaForge, der Chefingenieur der Enterprise, ungewöhnliche Energiewerte aus Frachtraum fünf. Diese rühren von einer eigentümlichen Struktur her, die sich dort zu formieren scheint. Unter dessen ist Data immer noch mit dem Abschalten des Knotens beschäftigt. Als das Schiff dabei neuerlich von Erschütterungen heimgesucht wird, muss er dieses Vorhaben jedoch abbrechen. Daraufhin steht wieder eine Art Krisensitzung an der Tagesordnung, bei der die Führungsoffiziere ihre nächsten Schritte besprechen. Neben der Erkenntnis, dass diese Erschütterungen dem Selbstschutz der Enterprise dienen, gelangt man dabei zu dem Schluss weiter vom Holodeck aus zu versuchen auf das, von Troi als kindlich charakterisierte, Wesen Enterprise einzuwirken. Wieder zurück im Orient Express, der nun nach Vertiform City unterwegs ist, bietet sich für Worf, Data und Troi die Möglichkeit einige Passagiere beim Zusammensetzen eines Puzzles, dessen Motiv frappierende Ähnlichkeit mit dem Gebilde aus Frachtraum fünf aufweist, zu beobachten. In etwa zeitgleich stellt man auf der Brücke einen Rückgang der Energieleistung fest. Nun mit Fahrkarten ausgestattet, gestaltet sich ein weiteres Aufeinandertreffen mit dem Schaffner weitaus reibungsloser. Worf bietet diesem sogar seine Hilfe an und darf daraufhin als Heizer Kohlen schaufeln. So gelingt es ihm die volle Energieleistung des Schiffs wieder herzustellen und ein erneutes Beschleunigen auf Warpgeschwindigkeit zu ermöglichen. Ziel ist diesmal ein weißer Zwergstern, der, wie auch seine Artgenossen, die einzige natürliche Quelle für so genannte Vertionpartikel darstellt. Am weißen Zwergstern bzw. in Vertiform City angekommen, werden jene Vertionpartikel von der Enterprise extrahiert und in Frachtraum fünf gebeamt. Dadurch beginnt das mittlerweile als organisch identifizierte Objekt zu wachsen. - Die Enterprise bekommt also, vereinfacht ausgedrückt, ein Kind. Ehe dieser Wachstumsprozess jedoch abgeschlossen ist, sind die Vertionpartikel im weißen Zwerg erschöpft. Nun gilt es für die Mutter so schnell wie möglich mehr dieser Partikel, ohne die die im Entstehen begriffene neue Lebensform nur noch wenige Stunden zu leben hat, aufzufinden. Die Reise nach Vertiform City ist also doch noch nicht beendet, weder in Wirklichkeit noch am Holodeck. Um den nächsten weißen Zwergstern schneller zu erreichen leitet also die Enterprise sämtliche Energie, auch die der Lebenserhaltungssysteme, in den Warpantrieb. Auf diese Weise kann der Flug auf zwölf Stunden, in etwa die Zeitspanne die das Kind ohne Zufuhr von weiteren Vertionpartikel noch zu leben hat, verkürzt werden. Die Crew selbst kann aber durch das Umleiten der Energie aus der Lebenserhaltung nur noch für knapp zwei Stunden überleben, ehe auch der Restsauerstoff aufgebraucht ist. LaForge, der einen Weg sieht die benötigten Partikel auch auf künstlichem Wege zu erzeugen, erweist sich als Retter in der Not. Um also sowohl das Leben des Fötus' als auch der Besatzung zu retten, müsste nur in einem nahegelegenen Nebel eine
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Kettenreaktion in Gang gebracht werden. Lediglich die Enterprise müsste nun noch zu einer entsprechenden Kurskorrektur überredet werden, um diesen Plan auch in die Tat umsetzen zu können. Diese Aufgabe fällt dem sich immer noch auf Holodeck drei befindlichen Data anheim. Ihm gelingt es den Schaffner, der naturgemäß um die Einhaltung des Fahrplans besorgt ist, davon zu überzeugen, dass er in der Lage ist, den Zug schneller nach Vertiform City zu bringen und so noch pünktlich dort einzutreffen. Die Kurskorrektur zum Nebel erfolgt sogleich. Am Nebel angekommen wird ein modifizierter Torpedo abgefeuert und der Plan geht auf. Genügend Partikel sind entstanden um die Entwicklung der Lebensform im Frachtraum abzuschließen. - Der Zug ist also tatsächlich noch pünktlich in Vertiform City angekommen. Die neue Lebensform verlässt daraufhin das Schiff, seine Mutter, und schwebt in die unendlichen Weiten des Alls davon. Die Schaltkreisknoten beginnen sich ebenfalls aufzulösen und die Mannschaft erlangt die vollständige Kontrolle über das Schiff zurück. Nachdem die Normalität wieder Einzug an Bord gehalten hat, sucht Data, Captain Picard auf, um ihn zu einer Aufführung von „Der Sturm“ einzuladen. Dabei fragt er ihn warum er dem Wesen im Frachtraum überhaupt erlaubt hat sich zu entwickeln. Immerhin hätte auch Gefahr von ihm ausgehen können. Darauf entgegnet Picard, dass es sozusagen mit den Log- und Tagebüchern der Crew, mit ihren persönlichen Aufzeichnungen und ihren Holodeckprogrammen aufgewachsen ist. Sollte dies alles gut gewesen sein, wovon er ausgeht, so müsste auch das Wesen im Grunde gut sein 45 .
5.2.4 „Neue Intelligenz“: Analyse
Erneut gilt meine Aufmerksamkeit zuerst den Handlungen der vermeintlichen Figur und dem wie jene beschaffen sind.
Das erste eigenständige Handeln, das in dieser Episode vom Schiff zu sehen ist, stellt der kurze Warpflug, der es vor der sicheren Zerstörung bewahrt, dar. Das Motiv dahinter ist so offensichtlich wie einleuchtend. Die Enterprise wollte damit sich selbst, das in ihr aufkeimende Leben und wohl auch die Mannschaft schützen. Ohne jeden Zweifel kann eine derart motivierte Handlung als gut bezeichnet werden. Ähnlich verhält es sich auch mit den zahlreichen anderen Selbstschutzbemühungen. Ein Beispiel hierfür wäre das Errichten eines Kraftfelds, um den ersten der Schaltkreisknoten, die als Quelle für das Eigenleben der Enterprise zu verstehen sind, herum. Ein anderes Beispiel dafür wäre auch die von ihr selbst hervorgerufenen Erschütterungen, die ebenfalls das Ziel hatten jene Knoten vor der
45 Vgl. Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert - Neue Intelligenz (Emergence, USA 1994)
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Abschaltung zu bewahren.
Etwas anders gestaltet sich das Transferieren der Energie von den Lebenserhaltungssystemen zum Antrieb. Dadurch nimmt das Schiff, um sein Kind zu retten, den Tod von über 1000 anderen Lebensformen an Bord billigend in Kauf. Obwohl auch hier der Hintergedanke, sein Kind vor dem Tod zu bewahren, als gut einzuordnen ist, entbehrt die gewählte Umsetzung jedem Anflug davon. Da ich jedoch kaum eine Alternative für das Schiff sehe und da ich auch dazu geneigt bin ihm ein gewisses Maß an Mutterinstinkt zu zugestehen, von dem wiederum behauptet wird, dass er das Wohl des eigenen Kindes über alles andere stellt, bleibt ein solches Verhalten aber zumindest nachvollziehbar. In jeden Fall kann auch hier nicht vom unnötig Schlechten gesprochen werden. Besonders da das Schiff, als es auf den Plan die so dringend benötigten Vertionpartikel künstlich herzustellen eingeht, neben seiner Erkenntnisfähigkeit auch den Willen das Leben der Crew zu bewahren unter Beweis stellt. Die Tatsache das ein Fehlschlag bei diesem Bestreben aufgrund der verlorenen Zeit, gleichbedeutend mit dem Tod des Kindes gewesen wäre, unterstreicht nochmal, dass es der Enterprise neben Skrupel auch nicht an Mitgefühl und vor allem an Vertrauen mangelt. Damit wären also sowohl „das Tüchtige“ als auch die Erkenntnisfähigkeit, die Aristoteles bei einer Figur voraussetzt, nachgewiesen. Auch „das Ähnliche“ und „das Gleichmäßige“ sehe ich im Umgang der Mutter mit ihren Kind bewiesen. Denn wie bereits erwähnt tut das Schiff alles um sich und dadurch auch seinen Nachwuchs zu schützen. Das Auflösen der Knoten, das dem Tod der selbstbestimmten Enterprise gleichkommt, und ein Vergleich, den Doktor Crusher daraufhin, am Ende der Episode anstellt, verleiht dieser Tatsache noch zusätzlich eine ganz besondere Bedeutung. Diese erläutert nämlich, dass der einzige Sinn im Leben mancher Lebensformen nur darin besteht Nachkommen zu erzeugen. Eine solche Erklärung liefert daher nicht nur eine Begründung für die Konsequenz, die sich in den Handlungen des Schiffs widerspiegelt, sondern beweist diese auch aufs Neue. Denn immerhin hat das Schiff das größtmögliche Opfer gebracht, um den Kreis des Lebens zu schließen und so sein Schicksal zu erfüllen. Auch als Beleg für „das Ähnliche“ bietet sich dieses Verhalten an. Ich glaube mich nämlich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen wenn ich behaupte, dass auch viele menschliche Eltern alles tun und sogar ihr Leben opfern würden, um ihr geliebtes Kind vor Unheil zu bewahren. Darum sehe ich auch genug Gemeinsamkeiten in den Wertigkeiten der Enterprise und der, der potentiellen Zuschauer, um nun auch dieses aristotelische Merkmal als vorhanden abstempeln zu können. Ebenso interpretiere ich einen Beleg für „das Angemessene“ in eine solche Handlung. Denn für ein Wesen, deren einziger Zweck es ist sich fortzupflanzen, ist es mehr als nur angemessen nicht entgegen dieser Aufgabe zu handeln. Der Bedeutung die dem Holodeck in dieser Folge zukommt möchte ich ebenfalls noch kurz
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Rechnung tragen. Wie Data schon während des ersten Besuchs im simulierten Orient-Express bemerkt, repräsentieren die anwesenden Figuren die Schiffssysteme der Enterprise. Der schießwütige Revolverheld steht dabei für die Waffensysteme sowie der Ritter in der prächtigen Rüstung als Repräsentation für die Verteidigungssysteme verstanden werden kann. Führt man dieses Gedankenspiel zu Ende kommt man schnell zu dem Schluss, dass der Zug an sich wohl das meint was Freud als das Unbewusste bezeichnet hat. Alleine schon diese Annahme, ganz zu Schweigen von den vorangegangen Ausführungen, belegt deutlich, dass es sich bei dem Schiff auch in dieser Folge um eine Figur handeln muss.
5.3 Weitere Beispiele
Auch in anderen Episoden und Filmen der Marke Star Trek kommen meiner Ansicht nach, mal mehr, mal weniger eindeutige Belege dafür vor warum das Schiff zum Teil die Funktion einer Figur einnimmt. Um den Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht noch weiter zu sprengen werde ich nur ganz kurz auf solche Beispiele eingehen.
In der TOS Episode „Tomorrow Is Yesterday“ (deutscher Titel: „Morgen ist Gestern“) flirtet der Computer, in einer zugegebenermaßen eher albernen B-Handlung, mit Captain Kirk. Man hat bisweilen sogar den Eindruck, dass er sich in ihn verliebt hat 46 .
Ebenfalls in einer TOS Folge, „Elaan Of Troyius“ (deutscher Titel: „Brautschiff Enterprise“) um genau zu sein, ist die Liebe zwischen dem Captain und seinem Schiff neuerlich Teil der Handlung. Darin verliebt sich Kirk nämlich, durch eine biochemische Reaktion ausgelöst, scheinbar für den Rest seines Lebens in eine Frau, die jedoch schon einem Anderen versprochen ist. Gegen Ende, als der Bann gebrochen ist, erklärt er, dass er ihr nur widerstehen konnte weil er seine einzig wahre Liebe bereits in der Enterprise gefunden hat 47 .
Obwohl es noch einige Beispiele, in denen die Liebe zum Schiff behandelt wird, anzuführen gäbe, schließe ich dieses Thema mit Folgendem:
In der TNG Episode „Relics“ (deutscher Titel: „Besuch von der alten Enterprise“) rettet die Enterprise D Scotty, den Chefingenieur der Enterprise A und ihrer Vorgängerin. Als sich jener wegen seines Alters nutzlos vorkommt, verkriecht er sich in einer Holodecksimulation der
46 Vgl. Raumschiff Enterprise: Morgen ist Gestern (Tommorow Is Yesterday, USA 1967)
47 Vgl. Raumschiff Enterprise: Brautschiff Enterprise (Elaan Of Troyius, USA 1968)
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Brücke der Enterprise „ohne verdammtes A, B, C oder D“ wie er sagt. Als Captain Picard ihn dort besucht, um ihn aufzuheitern, schwelgen Beide in nostalgischen Gefühlen, die ersten Schiffe auf denen sie Dienst getan haben, betreffend. Im Verlauf dieser Unterhaltung vergleichen sie jene mit der großen ersten Liebe eines Mannes 48 .
Ganz anders verhält sich die Sache im Fall von „Galaxy's Child“ (deutscher Titel: „Die Begegnung im Weltraum“), ebenfalls aus TNG. Dort trifft die Enterprise auf ein riesiges, im All lebendes Wesen, das das Schiff scheinbar grundlos angreift. Als man es mit minimaler Waffenenergie zu vertreiben versucht, tötet man es unabsichtlich. Kurz darauf stellt sich heraus, dass das Wesen trächtig war. Um das Junge zu retten entschließt man sich es per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen. Das Vorhaben gelingt. Doch das Kind, offenbar von der Größe der Enterprise geblendet, hält sie für seine Mutter, saugt sich an ihr fest und entzieht dem Schiff, ähnlich einem Säugling, Energie. Um nicht auch noch dieses Exemplar zu gefährden entscheidet man sich die Milch zu säuern, indem man die Energie so moduliert, dass sie der Lebensform nicht mehr behagt 49 .
In Star Trek I gestaltet sich die Situation ganz ähnlich. Als VGER, eine der Voyager-Sonden aus dem 20. Jahrhundert, die von den Bewohnern eines Maschinenplaneten stark modifiziert wurde um ihren Auftrag besser erfüllen zu können, zur Erde zurückkehrt um seinen Schöpfer zu suchen, wird die Enterprise losgeschickt um das bis dato unbekannte Objekt aufzuhalten. VGER, der auf seiner Reise ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat, hält die Enterprise dabei für einen primitiven Verwandten. - Ein Lebewesen das von Kohlenstoffeinheiten, wie er die Besatzung nennt, infiziert ist 50 .
Neben solchen eher handfesten Beispielen gibt es noch zahlreiche, kleine Details, die man mit etwas gutem Willen als Anspielung auf die Personifizierung des Schiffes deuten kann. Wie auch in der Schifffahrt üblich, ist was die Enterprise betrifft, immer von „die“ oder „ihr“ die Rede. Dem Schiff werden also schon von vornherein weibliche und damit menschliche Züge verliehen. Das setzt sich in der Tatsache fort, dass auch der Computer eine weibliche Stimme hat.
Ein weiterer interessanter Punkt ist wie die Umwelt auf das Raumschiff reagiert. Oft findet
48 Vgl. Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert - Besuch von der alten Enterprise (Relics, USA 1992)
49 Vgl. Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert - Die Begegnung im Weltraum (Galaxy's Child, USA
1991)
50 Vgl. Asherman, 1998, S. 166.
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nämlich eine regelrechte Reduzierung der Besatzung auf selbiges statt. In Star Trek III heißt es zum Beispiel „Anflugkontrolle, hier ist die Enterprise“. Es ist also nicht von einem Raumschiff oder dessen Besatzung die Rede sondern nur von der Enterprise. Auch die Alarmstufen, die die aktuelle Gefechtsbereitschaft symbolisieren, könnte man so auslegen, dass sie die jeweiligen Gemütszustände des Schiffs widerspiegeln.
Mit etwas Fantasie lassen sich noch dutzende solcher vermeintlicher Belege finden. Da dabei jedoch ein Großteil der eigenen Interpretation überlassen bleibt und daher die wissenschaftliche Verwertbarkeit anzuzweifeln ist, schließe ich an dieser Stelle.
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6. Schlussfolgerung
Nach diesen, wie ich meine, eindeutigen Belegen dafür, dass das Raumschiff Enterprise, in welcher Ausführung auch immer, durchaus auch als Figur fungieren kann, steht nun eine abschließende Schlussfolgerung auf der Tagesordnung. Obwohl ich das Ergebnis zum Teil schon vorweggenommen habe, möchte ich dennoch einige ergänzende Worte verlieren. Anders als bei K.I.T.T. zum Beispiel, der immer eine Schlüsselrolle innerhalb der Serie einnimmt, steht die Enterprise jedoch nicht immer im Zentrum der Handlung. Da sich Star Trek vor allem mit den Menschen und ihrem Bestreben sich zu verbessern befasst, ist das über lange Sicht auch gar nicht möglich. Dennoch ist es vereinzelt sehr wohl der Fall, weshalb die Frage ob das Schiff nun ein Charakter ist oder nicht, nicht mit einem klaren ja oder nein beantwortet werden kann. Wie so oft im Leben muss also die Antwort hier irgendwo zwischen zwei Extremen zu finden sein.
Darum liegt der Schluss nahe, dass die Enterprise, abhängig von Film und Folge, zum Teil als Figur angesehen werden kann, zum Teil aber auch nicht. Wobei, nüchtern betrachtet, letzterer was die Häufigkeit anbelangt, deutlich überwiegt. Trotzdem ist es mir, so denke ich, zwar nicht pauschal aber dennoch vereinzelt gelungen das Ziel dieser Arbeit zu erreichen, das darin bestand der Enterprise Figur-Qualitäten nachzuweisen. Abschließend möchte ich daher meine in diesem Prozess gewonnen Erkenntnisse zusammenfassen, um einen kurzen Leitfaden zu erstellen, der bei der Erschaffung eines zur Figur hochstilisierten Objektes von Nutzen sein kann. So wie ich es verstanden habe gibt es dabei folgende Punkte zu beachten:
Das aller wichtigste sind, wie Aristoteles auch schon bei den normalen Figuren bemerkte, die Handlungen des potentiellen Charakters. Hinzu kommt hier jedoch, dass diese Handlungen klar und deutlich dem Objekt zuzusprechen sein müssen. Sie müssen also von einem freiem Willen zeugen. Selbst ein hochentwickelter Computer, der blind seiner Programmierung entsprechend handelt, ist darum nichts weiter als eine Maschine, ein Werkzeug, so menschlich er auch wirken mag. Erst wenn er zu eigenen Gedanken fähig ist und aufgrund derer die Fähigkeit entwickelt hat dieser Programmierung bei Bedarf auch zuwider zu handeln, kann er meiner Meinung nach auch als Figur betrachtet werden. Ein Grund hierfür ist vielleicht eine gewisse Unberechenbarkeit die jedem Menschen inne wohnt. Niemand kann mit völliger Gewissheit sagen was ein Anderer tun wird. Obwohl die Handlungen einer Figur, wie auch schon Aristoteles anmerkte, ihrem Charakter entsprechen sollten, findet sich diese Unberechenbarkeit und sei es auch nur in der Auswahl einer der ihr zur Verfügung stehenden Optionen, bei ihr wieder. - Ein Punkt der übrigens für den Spannungsaufbau auch nicht ganz
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unerheblich sein dürfte. Eine Figur ohne freien Willen wäre also daher nicht nur unglaubwürdig sondern auch vorhersehbar und langweilig.
Die restlichen Punkte, die bei der Erstellung einer nichtmenschlichen Figur zu beachten sind, decken sich wieder mit denen die auch Aristoteles bei den menschlichen Figuren angewandt sehen wollte. Obwohl die Erkenntnisfähigkeit eigentlich eine Voraussetzung für den freien Willen ist, führe ich sie der Vollständigkeit halber trotzdem nochmal an. - Denn wie sollte es ohne jene möglich sein zwischen zwei Möglichkeiten, die es zu erst einmal zu erkennen und danach abzuwägen gilt, zu wählen, um unter anderem so einen freien Willen zu demonstrieren.
Weitere Punkte, die ebenfalls auf Aristoteles zurückgehen, die jedoch eher dem Abrunden und der Glaubwürdigkeit eines Charakters dienen, wären im Speziellen „das Tüchtige“, „das Angemessene“, „das Ähnliche“ und „das Gleichmäßige“.
Sind diese, zumindest zum Teil erfüllt, ist es möglich annähernd jedes Objekt, vom Auto bis zum Raumschiff und weit darüber hinaus, in einer Geschichte als Figur zu etablieren.
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7. Zusammenfassung
In einer obligatorischen Einleitung habe ich mein Vorhaben, das Raumschiff Enterprise auf den Status einer Figur hin, zu untersuchen und die dabei angedachte Vorgehensweise, dargelegt. Dann fuhr ich mit einem kurzen geschichtlichen Überblick von Star Trek und einigen inhaltlichen Details zum Schiff an sich fort.
Anschließend habe ich versucht alle figurrelevanten Gedanken der von Aristoteles verfassten Poetik zu entnehmen. Da diese Gedanken die Grundlage für mein Bestreben darstellen sollten, galt es daraufhin ihre Gültigkeit nachzuweisen. Dazu bediente ich mich dem von Ari Hiltunen verfassten Buch „Aristoteles in Hollywood“. Danach trug ich eine Reihe von Beispielen zusammen, in denen meiner Meinung nach, Objekte ähnlich der Enterprise, erfolgreich als Figur agierten. Diese Auffassung versuchte ich dann über die Poetik zu bekräftigen. Im Anschluss daran widmete ich meine Aufmerksamkeit endlich der Enterprise. Zwei Episoden sollten Aufschluss darüber geben, ob das Schiff tatsächlich die Rolle einer Figur einnimmt. Da dem, meiner Auffassung nach, in den behandelten Folgen so war, erklärte ich die Enterprise in einer abschließenden Schlussfolgerung, mit der Einschränkung, dass dies jedoch auch stark von der jeweiligen Folge abhängt, zur Figur. Aus dieser Erkenntnis destillierte ich dann zu guter Letzt noch einige Richtlinien, um andere Objekte ebenfalls als Figuren nutzen zu können.
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8. Literaturverzeichnis
Asherman, A. (1998). Star Trek - Raumschiff Enterprise: Das offizielle Logbuch. Schweiz: HEEL AG.
Fuhrmann, M. (1982). Aristoteles Poetik. Stuttgart: Reclam.
Hiltunen, A. (2001). Aristoteles in Hollywood: Das neue Standardwerk der Dramaturgie. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe.
Homepage der NASA [Online im Internet]. URL:
http://www.nasa.gov/vision/earth/everydaylife/nasm_enterprise.html [18.6.2008].
Sonderegger, E. (1996/97). Star Trek: „Mythos“ und „Realität“. [Online im Internet]. URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm [24.6.2008].
The Internet Movie Database [Online im Internet]. URL:
http://www.imdb.com/fin s=all&q=star+trek [24.6.2008].
Trek News - Informationen zu Enterprise [Online im Internet]. URL: http://www.treknews.de/enterprisezone/enterprise_fakten.php [18.6.2008].
Trek News - Informationen zu Star Trek XI [Online im Internet]. URL: http://www.treknews.de/treknews/newspro-treknews/static/119443836352467.php [24.6.2008].
Trekkies World [Online im Internet]. URL: http://www.trekkiesworld.de/women/index.php [24.6.2008].
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9. Filmverzeichnis
Ein toller Käfig (The Love Bug), Regie: Robert Stevenson, USA 1968, Walt Disney.
Knight Rider: Der Doppelgänger (Trust Doesn't Rust), Regie: Paul Stanley, USA 1982, Universal Pictures.
Knight Rider: Eine schreckliche Falle (Junk Yard Dog), Regie: George Fenady, USA 1985, Universal Pictures.
Odyssee im Weltraum (A Space Odyssey), Regie: Stanley Kubrick, USA 1968, Warner Brothers.
Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert - Die alte Enterprise (Yesterday's Enterprise), Regie: David Carson, USA 1990, Paramount Pictures.
Raumschiff Enterprise: Computer M5 (The Ultimate Computer), Regie: John Meredyth Lucas, USA 1968, Paramount Pictures.
Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert - Neue Intelligenz (Emergence), Regie: Cliff Bole, USA 1994, Paramount Pictures.
Raumschiff Enterprise: Morgen ist Gestern (Tommorow Is Yesterday), Regie: Michael O'Herlihy, USA 1967, Paramount Pictures.
Raumschiff Enterprise: Brautschiff Enterprise (Elaan Of Troyius), Regie: John Meredyth Lucas, USA 1968, Paramount Pictures.
Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert - Besuch von der alten Enterprise (Relics), Regie: Alexander Singer, USA 1992, Paramount Pictures.
Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert - Die Begegnung im Weltraum (Galaxy's Child), Regie: Winrich Kolbe, USA 1991, Paramount Pictures.
Star Trek I: Der Film (The Motion Picture), Regie: Robert Wise, USA 1979, Paramount Pictures.
Star Trek II: Der Zorn des Kahn (The Wrath of Kahn), Regie: Nicholas Meyer, USA 1982, Paramount Pictures.
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock (The Search for Spock), Regie: Leonard Nimoy, USA 1984, Paramount Pictures.
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart (The Voyage Home), Regie: Leonard Nimoy, USA 1986, Paramount Pictures.
Star Trek V: Am Rande des Universiums (The Final Frontier), Regie: William Shatner, USA 1989, Paramount Pictures.
Star Trek VI: Das unentdeckte Land (The Undiscovered Country), Regie: Nicholas Meyer, USA 1991, Paramount Pictures.
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Star Trek VII: Treffen der Generationen (Generations), Regie: David Carson, USA 1994, Paramount Pictures.
Star Trek VIII: Der erste Kontakt (First Contact), Regie: Jonathan Frakes, USA 1996, Paramount Pictures.
Star Trek IX: Der Aufstand (Insurrection), Regie: Jonathan Frakes, USA 1998, Paramount Pictures.
Star Trek: Nemesis (Star Trek: Nemesis), Regie: Stuart Baird, USA 2002, Paramount Pictures. Star Trek: Enterprise (gesamte Staffel), USA 2001-2005, Paramount Pictures.
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Lukas Grasberger, 2007, Die Personifizierung von Objekten in Film und Fernsehen anhand des Raumschiffs Enterprise, München, GRIN Verlag GmbH
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