Archäobotanik der Pfahlbausiedlung
Konstanz-Staad Hörlepark
(Baden-Württemberg)
- Subsistenz und Vegetation
in der Urnenfelderzeit -
Magisterarbeit zur Vorlage an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Eberhard-
Karls-Universität Tübingen
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
Abteilung Jüngere Ur- und Frühgeschichte
Vorgelegt von
Daniel Günther
am 03.03.2005
Danksagung
Hiermit möchte ich den Menschen meinen herzlichen Dank aussprechen, die mich beim
Gelingen dieser Arbeit unterstützt haben.
Mein Dank gilt Prof. Dr. M. K. H. Eggert und Prof. Dr. M. Rösch für die Annahme des
Themas.
Ich möchte besonders Prof. Dr. M. Rösch und seinem Team in Hemmenhofen danken, die
mich stets sehr hilfsbereit und freundlich unterstützt haben. Insbesondere T. Märkle M.A. ist
in dieser Hinsicht besonders hervorzuheben. Auch Prof. Dr. M. Rösch und Dipl.-Biol. E.
Fischer waren mir bei der Bestimmung der Pflanzenreste und durch verschiedene
Diskussionen zu meinem Thema eine wertvolle Hilfe.
Für zahlreiche Anregungen und Diskussionen möchte ich Dr. S. Riehl, Chr. Herbig M.A. und
Dr. U Maier meinen Dank aussprechen.
Dr. H. Schlichtherle und Dr. M. Mainberger danke ich für die Bereitstellung der Proben und
der Grabungsunterlagen.
Insbesondere möchte ich mich bei meinen aufmerksamen Korrekturleserinnen T. Märkle
M.A., S. Meyer, Dr. M. Doll, A. Kottmann M.A. und Chr. Günther M.A. / M.B.A. bedanken.
T. Märkle M.A., Dr. J. Serangeli und M. Malina gaben mir viele wertvolle Hinweise zur
Bildbearbeitung mit dem Computer.
Zuletzt schulde ich noch meiner Frau Christina Günther tiefen Dank, die mir stets eine
liebevolle und verständnisvolle Unterstützung war.
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
2
1.1. Aufgabenstellung und Ziele
2
1.2. Gliederung
3
2. Lage des Fundortes
4
3. Geologie
5
4. Klima
7
5. Vegetation
7
6. Archäologische Grundlagen
9
6.1. Forschungsgeschichte
9
6.2. Funde und Befunde
11
6.3. Datierung
15
7. Material und Methode
18
8. Rezente ökologische Verbreitung der Arten und Bestimmung der Taxa
20
9. Kulturpflanzen
53
9.1. Neuer Spelzweizen
66
10. Sammelwirtschaft
69
11. Vegetation um Konstanz-Staad Hörlepark
74
11.1. Vorbemerkungen
74
11.2. Rekonstruktion der Vegetation
75
11.2.1. Wälder
75
11.2.2. Uferzone
77
11.2.3. Unkrautflora
77
11.2.4. Grünland
78
11.2.5. Sonstige
79
11.2.6. Haftdoldenverband
81
12. Zusammenfassung
84
13. Literatur
88
14. Anhang
97
1
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werden die Ergebnisse der archäobotanischen Untersuchungen des
urnenfelderzeitlichen Fundortes Konstanz-Staad Hörlepark vorgelegt.
Die Urnenfelderzeit ist von vielfältigen Veränderungen und Umbrüchen gekennzeichnet. Die
materiellen Hinterlassenschaften dieser Zeit unterscheiden sich deutlich von denen der
vorangegangenen neolithischen und bronzezeitlichen Kulturen. Erste Objekte aus Eisen treten
in dieser Zeit auf.
Am Ende der Urnenfelderzeit wird ein Umbruch in der Siedlungstradition sichtbar. Die
Erforschung der Urnenfelderzeit hat insbesondere im Bereich der Seeufersiedlungen eine
besondere Bedeutung. Die Tradition, Pfahlbausiedlungen an den Seeufern zu errichten, bricht
mit dem Ende der Urnenfelderzeit aus bisher ungeklärter Ursache ab.
Die Archäobotanik liefert wichtige Anstöße zur Erforschung dieser Veränderungen in der
materiellen Kultur und in der Siedlungstradition. Einerseits kann sie Hinweise zur
Wirtschaftsgeschichte, andererseits wichtige Informationen zu Standortfaktoren wie
Vegetation und klimatischer Situation geben.
Wirtschaftsarchäologische Untersuchungen befassen sich mit der Subsistenz prähistorischer
Menschen, also mit den Lebensbereichen, die für die Existenz menschlicher Gemeinschaften
grundlegend sind. Diese bestimmen nicht nur große Teile des damaligen Alltags, sondern
haben in mannigfacher Weise Auswirkungen auf die gesamte Vielfalt der Kultur.
1
1.1. Aufgabenstellung und Ziele
Die Aufgabe dieser Arbeit ist die Erforschung der wirtschaftlichen Subsistenz und der
Vegetation der urnenfelderzeitlichen Siedlung Konstanz-Staad Hörlepark. Diskutiert wird
auch die Datierung dieses Fundortes, die bislang noch nicht eindeutig geklärt ist.
Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist der Vergleich mit anderen Siedlungen der Urnenfelderzeit.
Ziel ist es, allgemeine Entwicklungstendenzen im Ackerbau und in der Pflanzennutzung
dieser Zeit festzuhalten.
Die Anzahl der archäobotanisch untersuchten Siedlungen aus dieser Zeit ist sehr begrenzt.
Vom Bodensee wurde bislang lediglich Material der Stationen Hagnau-Burg
2
,
Unteruhldingen
3
, Konstanz-Langenrain
4
, sowie Konstanz-Rauenegg
5
vorgelegt. Die beiden
1
Gross-Klee 1997, 13.
2
Rösch 1996 a, 239 ff.
3
Rösch 1993 b, 38 ff.
4
Bertsch 1932, 305 ff.
2
letztgenannten Untersuchungen aus den 1930er Jahren können aufgrund anderer methodischer
Herangehensweise nur bedingt zu Vergleichen herangezogen werden. Weitere
archäobotanische Ergebnisse von Feuchtbodensiedlungen im süddeutschen und Schweizer
Raum sind von den urnenfelderzeitlichen
6
Siedlungen ,,Wasserburg Buchau"
7
, Zürich-
Mozartstrasse
8
Zürich-Alpenquai
9
, Ürschhausen-Horn
10
, Zug-Sumpf
11
und Hauterive-
Champréveyres
12
bekannt. Andere archäobotanische Untersuchungen von Siedlungen wie
z.B. Burkheim Vogtsburg
13
, Wiesloch-Weinäcker
14
oder Stuttgart-Mühlhausen
15
mit verkohlt
erhaltenen Makroresten sind mit einigen Vorbehalten zu erwähnen. Die
Erhaltungsbedingungen von botanischem Material sind dort erheblich schlechter und das
Artenspektrum ist deshalb stark eingeschränkt.
In Anbetracht des unzureichenden Forschungsstands der Archäobotanik für die
Urnenfelderzeit, stellt die hier vorgelegte Untersuchung der Siedlung Konstanz-Staad
Hörlepark eine grundlegende Ergänzung dar.
1.2. Gliederung
Die Arbeit ist in mehrere Abschnitte gegliedert. Als Einführung in das Thema werden Lage,
Geologie, Klima und Vegetation von Konstanz-Staad Hörlepark beschrieben. Anschließend
werden die Forschungsgeschichte zum Fundort sowie die archäologischen Befunde und
Funde mit besonderer Berücksichtigung der Stratigraphie dargestellt, sowie die Datierung des
Fundortes diskutiert.
Im botanischen Teil wird auf das Probenmaterial und dessen Aufbereitung sowie allgemeine
Untersuchungsmethoden eingegangen. Zum einen werden zuerst alle in den Proben
nachgewiesenen Pflanzenarten hinsichtlich ihrer rezenten ökologischen Verbreitung
5
Bertsch/Bertsch 1947
6
Die in Deutschland übliche Bezeichnung Urnenfelderzeit wird von den Schweizer Archäologen aufgrund der
dort fehlenden Urnenfelder zumeist vermieden. Aus diesem Grund ist die Bezeichnung Urnenfelderzeit in der
Schweiz auch nicht zutreffend (Z. B. Rychner 1998, 70 ff.). Stattdessen wird dort die Bezeichnung
Spätbronzezeit für die Stufen Reinecke BZ D, Ha A und Ha B verwendet. In der deutschen Archäologie wird der
Begriff Spätbronzezeit lediglich für die Reinecke-Stufe BZ D benutzt. Um eine einfache Handhabung zu
ermöglichen, wird hier sowohl für die deutschen als auch für die Schweizer Fundorte der Begriff Urnenfelderzeit
verwendet. Dieser Begriff beschreibt dabei lediglich einen Zeitabschnitt und macht keinerlei Aussagen über die
Kultur und vor allem nicht über die Formenkreise der Fundobjekte.
7
Bertsch 1931.
8
Brombacher & Dick 1987, 198 ff.
9
Neuweiler 1935.
10
Feigenwinter 1992.
11
Jacomet & Karg 1996.
12
Jaquat 1989.
13
Küster 1988.
14
Rösch 1993 a.
15
Piening 1988.
3
beschrieben. Zum anderen werden die Bestimmungsmerkmale der gefundenen Pflanzenreste
der Kulturpflanzen sowie der wichtigsten Wildpflanzen erläutert.
Nachdem die Tendenzen im Ackerbau in Konstanz-Staad Hörlepark diskutiert und mit
anderen urnenfelderzeitlichen Fundorten verglichen werden, wird die Sammelwirtschaft
dieser Siedlung betrachtet werden. Danach wird die Vegetation von Konstanz-Staad
rekonstruiert.
Abschließend werden in einer Synthese alle Ergebnisse der Untersuchung zusammenfassend
vorgestellt und diskutiert.
4
2. Lage des Fundortes
Der Fundort Konstanz-Staad Hörlepark liegt am Bodensee im Nordosten der Halbinsel
Bodanrück, etwa 3 km südöstlich der Insel Mainau.
Abb. 1: Lage Konstanz-Staad Maßstab 1:25.000.
Dort befindet sich der Hohenegger Bergrücken an dessen südlichem Ende sich eine kleine
Landzunge in den See erstreckt. Der Geländesporn dient noch heute als Fähranleger. Die
Station liegt südlich der Hornspitze, auf der sich heute der Fährhafen befindet, auf einer Höhe
von 393,56 m ü. NN. Seewärts in Richtung Ostnordost zieht sich durch die prähistorische
Siedlung eine Geländerippe.
5
Abb. 2: Lageplan Konstanz-Staad Hörlepark Dr. M. Mainberger, Ortsakten LDA
Hemmenhofen.
3. Geologie
Die Landschaft in Konstanz-Staad wird durch Jungmoränen mit ihren typischen
Ablagerungen und Geländeformen bestimmt. Die Siedlung lag wie der gesamte Bodensee im
Stammbecken des würmzeitlichen Rheingletschers. Dieser reichte in seiner maximalen
Ausdehnung weit über das Bodenseebecken hinaus bis an den Südrand des Federseebeckens
sowie bis an die Westgrenze des zentralen Hegaus. Im Hinterland von Konstanz-Staad
befinden sich einige wenige Drumlinfelder. Geschiebemergel der Grundmoräne, alpine
Schotter und Gesteine der Molasse sind das basenreiche und karbonatreiche
Ausgangsmaterial der Bodenbildung. Die allgemeine Bodenbildung setzte im Alleröd ein, sie
6
führte zur Entstehung von Parabraunerden mit einer geringen Entkalkungstiefe. Lößböden
fehlen im Bodenseegebiet völlig.
16
4. Klima
Das Klima des Bodensees ist gekennzeichnet durch relative Niederschlagsarmut, durch milde
Winter und mäßig warme Sommer. Es entspricht nach Lang (1973) einer Übergangssituation
zwischen maritimem Klima (weniger als 15 °C) und kontinentalem Klima (mehr als 20 °C).
Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt in Konstanz 8,9 °C. Die Julimitteltemperatur
schwankt in Seenähe zwischen 17,5 und 18,1 °C. Die Januarmitteltemperatur liegt bei etwa 0
°C. Mit weniger als 100 Frosttagen liegt das Bodenseegebiet unter dem Durchschnitt der
angrenzenden Gebiete.
17
Die mittleren jährlichen Niederschläge betragen auf dem Bodanrück
über 800 mm.
18
Ursachen für das günstige Klima sind die relativ niedrige Lage des
Bodensees, die ausgleichende Wirkung des Wassers mit seiner hohen Fähigkeit, Wärme zu
speichern, die Reflexionswirkung des Seespiegels, das häufige Auftreten von Föhn-
Wetterlagen und die besonders im Herbst häufigen Nebel, welche die nächtliche
Wärmereflexion, allerdings auch die Einstrahlung am Tage vermindern.
19
5. Vegetation
Die heutige Vegetation des Bodensees ist völlig vom Menschen geprägt, nur kleine Teile in
Feuchtgebieten sind noch als natürlich zu bezeichnen. Lang (1973) hat die potentielle
natürliche Vegetation des Gebietes weitgehend untersucht und kartiert.
Die Karte der potentiellen natürlichen Vegetation wurde nach der heutigen realen Vegetation
unter Heranziehung von pollenanalytischen Untersuchungen und Studien aus Archiven der
Forstwirtschaft erstellt.
20
Seine Karte zeigt, dass sich an das Siedlungsareal der urnenfelderzeitlichen Menschen aus
Konstanz-Staad Hörlepark direkt am See landwärts Buchenwälder anschließen. Er schließt in
dieser Kategorie die Pflanzengesellschaften Luzulo-Fagetum, Asperulo-Fagetum und Carici-
Fagetum mit ein.
21
Jedoch erwähnt er, dass diese Untergliederung der Buchenwälder in
Simsen-, Waldmeister- und Seggen-Buchenwälder erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Dies
16
Schlichtherle 1985, 13 ff.
17
Lang 1973, 16.
18
Ebd.., 21.
19
Ebd. 1973, 20.
20
Ebd.. 187 f.
21
Ebd.. Abb. 36 & 37.
7
hängt damit zusammen, dass der in der Molasse- und Jungmoränenlandschaft oft vorhandene
kleinflächige Wechsel zwischen tief-, mittel- und gar nicht entkalkten Böden bei den
Ersatzgesellschaften durch Düngung überdeckt und damit schwer erkennbar wird. Dieser
kleinflächige Wechsel im Kalkgehalt des Bodens wird aber bei der ökologischen Betrachtung
der in den archäobotanischen Proben nachgewiesenen Arten deutlich. Trotzdem sieht Lang
die Gesellschaft der Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fagetum) als vorherrschende
Pflanzengesellschaft.
22
Nach Lang kommen in diesen so genannten Schlussgesellschaften
folgende Wiesengesellschaften vor: Onobrychio-Brometum (Esparsetten-Halbtrockenrasen),
Gentiano-Koelerietum (Enzian-Zwenkenrasen), Dauco-Arrhenatheretum (Tiefland-
Glatthaferwiese) und Alchemillo-Cynosuretum (Kammgrasweide). Er sieht in Abhängigkeit
der angebauten Arten die folgenden Ackerunkrautgesellschaften als potentielle Vegetation im
Gebiet der Buchenwälder: Aphano-Matricarietum(Kamillen-Gesellschaft), Melandrietum
noctiflori (Ackerlichtnelken-Gesellschaft), Kickxietum (Tännel-Leinkraut-Gesellschaft),
Chenopodio-Oxalidetum (Gänsefuß-Sauerklee-Gesellschaft), Setario-Veronicetum
(Borstenhirsen-Gesellschaft) und Muscari-Allietum (Weinberg-Lauch-Gesellschaft).
23
22
Lang, 1973. 191.
23
Ebd. Tab. 25.
8
6. Archäologische Grundlagen
6.1. Forschungsgeschichte
Die Station Konstanz-Staad Hörlepark (alte Bezeichnung Allmansdorf-Staad) wurde bereits
im 19. Jahrhundert gemeldet, ihre genaue Lage geriet danach jedoch für über hundert Jahre in
Vergessenheit. Dabei war unklar, ob es sich um eine oder um mehrere Stationen handelte. Die
erste Erwähnung von Pfahlbauten zwischen dem heutigen Fährschiffanleger und dem Weiler
Egg stammen bereits aus dem 19. Jahrhundert von Heierli
24
und Schnarrenberger
25
. Von
Tröltsch erwähnte Konstanz-Staad in seiner Monographie zwei Mal
26
, was nach Ansicht des
Taucharchäologen Dr. M. Mainberger dafür spricht, dass er damit zwei Fundstellen meinte.
27
Nach von Tröltsch enthielt die Station "in ihrem untern Theile Steinartefakte, im oberen
Bronzegeräthe". Sie bilde ein ca. 4000 Pfähle umfassendes Viereck. Er nennt den Arzt
Lachenmann aus Überlingen als Entdecker des Fundortes.
28
Aus Lachenmann´s
Privatsammlung stammen auch die einzigen bis 2002 bekannten Bronzegegenstände aus
Konstanz-Staad.
29
In einer weiteren Erwähnung des Fundortes nennt er "nur wertlose
Scherben".
30
Munro spricht später explizit von einer zweiten Fundstelle "juste en face du
village d´Egg".
31
Nach seiner Publikation fanden sich keine weiteren Hinweise mehr auf die
Pfahlbauten an dieser Stelle.
24
Heierli 1888, 34.
25
Schnarrenberger 1891, 5 Tafel 4, 37.51.
26
V. Tröltsch 1902, 217.
27
Mainberger 2001, 73.
28
V. Tröltsch 1902, 217.
29
Schöbel 1996, Tafel 18, 19.
30
Ebd.. 191.
31
Munro 1908, 148.
9
Abb. 3: Altfunde Konstanz-Staad (aus Schöbel 1996 Tafeln 18, 19)
Über zwei Jahrzehnte wurden Versuche unternommen, die Siedlung wieder aufzufinden. Es
wurden Begehungen durchgeführt, Sammler befragt und Tauchgänge unternommen. All diese
Versuche blieben erfolglos, die durch die Bronzefunde als spätbronzezeitlich ausgewiesene
Fundstelle wieder aufzufinden. Entdeckt wurden in der ausgebaggerten und durch den
Fährbetrieb stark zerfurchten Fahrrinne jedoch mit der historischen Schifffahrt in Verbindung
stehende Pfählungen. Der Fund eines Steinaxtfragmentes durch den Sammler H. Maier war
lange Zeit der einzige Hinweis auf eine prähistorische Besiedlung in Konstanz-Staad
Hörlepark.
Die Wiederentdeckung der Fundstelle gelang durch einen Zufall. In einem Prospekt des
Fremdenverkehrsamtes Konstanz fand sich ein Luftbild, das östlich des Hafens braune
Verfärbungen zeigte. Deren Strukturierung erinnerte Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes so
sehr an Luftbilder von Pfahlsiedlungen mit freiliegenden Pfählen, dass im Dezember 2002 ein
erster Kontrolltauchgang unternommen wurde. Peter Schwörer, der den Tauchgang leitete
fand den Fundort auf Anhieb. Entdeckt wurde ein Pfahlbaufeld mit spätbronzezeitlicher
10
Keramik und einer weiteren Kulturschicht, die sich keilförmig im Südwesten des Pfahlfeldes
anschloss.
32
Abb. 4: Luftbild von Konstanz-Staad aus dem Prospekt des Fremdenverkehrsamtes Konstanz.
6.2. Befunde und Funde
Allgemeine Stratigraphie
Für die taucharchäologische Untersuchung wurden Bohrfluchten angelegt. Bei der
Betrachtung von zwei Bohrprofilen wurde eine sehr eindeutige Stratigraphie erkannt. Die
oberste Schicht bestand aus 3-4 cm dicker Seekreide, die eine sandige Matrix aufwies.
Darunter folgte eine Kulturschicht, die wiederum eine Stärke von etwa 3-4 cm hatte. In der
Kulturschicht waren selbst in den dünnen Bohrprofilen größere Holzstücke erkennbar. Sie
war außerdem geprägt von einer relativ sandigen Matrix mit großen Anteilen von Holzspänen
und Holzkohlen. Eine Mehrphasigkeit konnte nicht erkannt werden. Unter der Kulturschicht
befand sich die 24-26 cm große untere Seekreideschicht, die ähnlich wie die obere
32
Das Kapitel der Forschungsgeschichte basiert auf dem Bericht in den Ortsakten Konstanz-Staad Hörlepark,
der von M. Mainberger 2004 verfasst wurde. Die Ortsakten befinden sich in der Außenstelle des
Landesdenkmalamtes in Hemmenhofen. Sie werden künftig als Ortsakten KSHö zitiert.
11
Seekreideschicht eine sehr sandige Matrix hatte. Beide bearbeitete Profile wiesen die gleiche
Stratigraphie auf.
Abb. 5: Grabungsplan Dr. M. Mainberger, Ortsakten im LDA Hemmenhofen.
12
Bei den Grabungen wurde festgestellt, dass die Kulturschicht in stark sandige Matrix
eingebettet war. Es handelte sich dabei um groben Detritus, der zahlreiche große Bestandteile
wie Rinden, Holzfragmente, Holzkohlen und Späne enthielt. Auffällig viele Holzbestandteile
wiesen Werkzeugspuren auf und können somit als Arbeitsabfälle gedeutet werden. Stark
verrollte Holzkohlen, zahlreiche Mollusken, die unfragmentiert gefunden wurden, sowie Sand
wiesen nach Ansicht des Ausgräbers Dr. M. Mainberger auf starken Wassereinfluss bei der
Schichtbildung hin. Der etwa 2-3 m breite Kulturschichtstreifen lag auf 393,5 m ü NN und
fiel in sehr flachem Winkel in Richtung See ab.
33
Abb. 6: Profilplan Dr. M. Mainberger, Ortsakten im LDA Hemmenhofen.
Pfahlfeld
Im Zentrum der Station wurden Schnitte
34
angelegt, die zeigten, dass im landwärtigen Teil
des Pfahlfeldes nur noch Pfahlspitzen vorhanden sind. Somit ist damit zu rechnen, dass Pfähle
33
Siehe Ortsakten KSHö.
34
Die Schnittgröße lässt sich leider nur ungefähr aus der Zeichnung von Mainberger feststellen. Genauere
Angaben finden sich in keinem der Berichte in den Ortsakten.
13
bereits verloren gegangen sind. Im Zentrum fanden sich nach Angaben von Dr. M.
Mainberger massive "Eichenspältlinge", deren Bearbeitungsspuren gut zum
urnenfelderzeitlichen Material passen würden. Anhand welcher Kriterien der Ausgräber das
feststellen konnte, erwähnte er leider nicht. Seewärts vor dem Pfahlfeld ließen sich
mindestens zwei oder drei Palisadenreihen nachweisen, die mehrheitlich aus Weichhölzern
bestanden.
35
Abb. 7: Plan Pfahlfeld Dr. M. Mainberger, Ortsakten im LDA Hemmenhofen.
Funde
Alle Funde stammen von der Oberfläche der Kulturschicht. Im landwärtigen Bereich wurden
mehr Funde verzeichnet als in den seewärtigen Bereichen. Die Keramik war meist stark
erodiert, vereinzelt wies sie massive Versinterungen auf. Einige Scherben erschienen laut M.
Mainberger bruchfrisch und unerodiert. Es handelte sich generell um "spätbronzezeitliche"
36
,
also urnenfelderzeitliche Keramik, die schamottgemagert und hart gebrannt war. Ein
frühbronzezeitliches Gefäß (s. u.) wurde zusammen mit dem urnenfelderzeitlichen Material
angetroffen. Die Funddichte war nach Mainberger gering. Mit einer Metallsonde wurden
35
Siehe Anm. 32.
36
Mainberger scheint generell die Schweizer Terminologie der Bronzezeit zu benutzen, wonach die
Urnenfelderzeit (Ha A und Ha B) zur Spätbronzezeit gerechnet wird und man den Begriff Urnenfelderzeit selbst
vermeidet. Dies hat seine Gründe darin, dass es in der Schweiz in dieser Zeit praktisch keine Urnenfelder gibt.
14
Versuche unternommen, weitere Bronzegegenstände aufzuspüren. Außer einigen
neuzeitlichen Metallobjekten wurden jedoch keine antiken Metallgegenstände gefunden.
37
Abb. 8: Kulturschicht ohne Angabe der genauen Lage, Dr. M. Mainberger (Foto: T. Rott)
Prospektion des Außenbereiches seewärtig vor der Station
Die oben beschriebene Geländerippe setzt sich, wie das Luftbild zeigt, in das tiefere Wasser
fort. Dort wurde eine "im Winter im Flachwasser liegende, sehr flach abkeilende und sandige
Kulturschicht" gefunden, die starker Erosion ausgesetzt ist.
38
Weitere Angaben über Funde
oder Befunde wurden nicht gemacht.
6.3. Datierung
Bei der gefundenen Keramik handelt es sich ausschließlich um Oberflächenfunde der
Kulturschicht. Es wurde hart gebrannte, schamottgemagerte Keramik der Urnenfelderzeit
gefunden. Eine Ausnahme stellt ein becherförmiges Gefäß dar, das ebenfalls an der
37
Siehe Anm. 32.
38
Siehe Anm. 32.
15
Oberfläche der Kulturschicht gefunden wurde. Dieses Gefäß ist im Unterschied zum übrigen
Fundmaterial in die Frühbronzezeit zu datieren. Ein vergleichbarer Becher wurde in Bodman-
Schachen I gefunden.
39
Aufgrund dieses Fundes war die Datierung des Fundortes mit gewissen Unsicherheiten
behaftet. Die Kulturschichten zeigten sowohl bei der Grabung selbst, als auch bei den im
Labor bearbeiteten Profilen keinerlei Anzeichen von Mehrphasigkeit im Sinne einer lang
andauernden Besiedlung über mehrere Zeitstufen oder zwei aufeinander folgenden
Siedlungen im Abstand mehrerer Jahre. Deshalb lag es nahe anzunehmen, dass es sich durch
den Terminus post quem um eine urnenfelderzeitliche Kulturschicht handeln müsse. Das
Fälldatum einer Palisade wurde dendrochronologisch auf das Jahr 850 v. Chr. bestimmt, sie
stammt somit aus der jüngeren Urnenfelderzeit. Es handelt sich dabei um einen Eichenpfahl
mit Waldkante.
40
Beim Auslesen einer weiteren Bodenprobe aus dem Kulturschichtkeil außerhalb des
Palisadenringes wurden zwei Gerstenkörner zur AMS-Datierung geschickt, bei der ein Datum
von 2725 +/- 40 B. P. festgestellt wurde. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,2 % wurde im
2-Sigma-Bereich ein kalibriertes Datum zwischen 905 und 825 B. C. ermittelt. Das Datum im
1-Sigma-Bereich lag mit einer Wahrscheinlichkeit von 95,4 % zwischen 970 und 800 B. C..
Auch dieses Datum liegt in der jüngeren Urnenfelderzeit.
41
Außerdem wurden aus einer Bodenprobe, die nachträglich innerhalb des Palisadenrings von
M. Mainberger entnommen wurde, Hölzer zur konventionellen
14
C-Datierung entnommen.
42
Das Ergebnis aus dem Institut für Umweltphysik in Heidelberg ergab ein kalibriertes Datum
mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,2 % im 2-Sigma-Bereich zwischen 905 und 810 B. C..
Im 1-Sigma-Bereich wurde ein Datum zwischen 900 und 830 B. C. mit einer
Wahrscheinlichkeit von 95,4 % ermittelt. Das unkalibrierte Datum lag bei 2710 +/- 25 B. P..
43
Diese Ergebnisse der Datierung liegen ebenfalls in der jüngeren Urnenfelderzeit.
Aus der Probe 3 wurden mehrere Pollenproben entnommen, die freundlicherweise von Prof.
Dr. M. Rösch (Leiter des botanischen Labors im Landesdenkmalamt Baden-Württemberg,
Außenstelle Hemmenhofen) bearbeitet wurden. Die Ergebnis der Pollenproben und der
Abgleich mit anderen Pollenprofilen ergab ebenfalls eine sehr wahrscheinliche Datierung in
der Urnenfelderzeit.
39
Köninger & Schlichtherle 1990, Abb. 14,1.
40
Datenbank des dendrochronologischen Labors LDA Hemmenhofen, Version Januar 2005, Probenummer: P22,
P27, P28; mündliche Mitteilung Dr. A. Billamboz 02.02.2005.
41
Labornummer Ua-22984, Probenummer KHö-1. Bei dieser Probe handelt es sich um Probe 6 mit der
Fundnummer SP 04 100/249 a Bef. 2.
42
Bei dieser Probe handelt es sich um Probe 3 mit der Fundnummer SP 04 103/249 5 c.
43
Labornummer: Hd-23829, Probenname: Sp-RC1.
16
Abschließend bleibt festzuhalten, dass alle Datierungen die Kulturschicht in die jüngere
Urnenfelderzeit verweisen. Deshalb kann man meines Erachtens mit sehr großer
Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Fundort Konstanz-Staad Hörlepark
urnenfelderzeitlich ist. Der Becher aus der Frühbronzezeit muss demzufolge entweder
sekundär verlagert worden sein oder er wurde als alter Gegenstand durch die
urnenfelderzeitlichen Menschen in die Siedlung verbracht.
17
7. Material und Methode
Bei der Probenentnahme traten leider große Schwierigkeiten auf, die starke Auswirkungen auf
die Interpretation der Ergebnisse haben. Mir wurden insgesamt 15 Proben zur Verfügung
gestellt, von denen die meisten von außerhalb des Palisadenringes stammen. Eine Probe, die
später von M. Mainberger innerhalb des Palisadenrings entnommen wurde
44
, konnte
fachgerecht geschlämmt werden. Allen anderen Proben waren ursprünglich nur
Schlämmrückstände der archäologischen Schlämmung. Das heißt, dass praktisch alle Proben
durch ein 2 mm-Sieb geschlämmt und nur die übrig gebliebenen organischen Rückstände
dann für die archäobotanische Bearbeitung zur Verfügung gestellt wurden. Das hat einen
entscheidenden Einfluss auf die Repräsentativität der Ergebnisse. Alle kleineren Pflanzenreste
wie zum Beispiel Mohnsamen oder viele Wildpflanzen sind dabei nicht mehr ordnungsgemäß
erfassbar, da sie zum Teil aus der Probe ausgeschlämmt wurden. Als Glücksfall kann man die
"unsaubere" Schlämmung der Proben bezeichnen, so dass von vielen Arten, deren
Pflanzenteile recht klein sind, zumindest die Anwesenheit festgestellt werden konnte.
Dennoch sind fast alle Ergebnisse der archäobotanischen Untersuchungen unter dem
Vorbehalt zu betrachten, dass sie nicht repräsentativ sein können.
Des Weiteren habe ich noch zwei Profile zur Bearbeitung erhalten, deren Volumen aber derart
gering war, dass wiederum eine repräsentative Auswertung nur eingeschränkt möglich war.
Die Profile wurden in der gleichen Weise untersucht, wie es nachfolgend für Probe 3
beschrieben wird.
Probe 3 wurde nach archäobotanischen Kriterien aufbereitet. Sie ist als ein Quadratmeter
großer Profilabstich auf einem Blech von M. Mainberger geborgen worden. Die Probe wurde
beschrieben, die Stratigraphie aufgenommen und fotografiert. Danach wurden die einzelnen
Schichten abgetragen und separiert. Weiter bearbeitet wurde nur die Kulturschicht. Diese
wurde mit einem Siebsatz von 2 mm, 0,5 mm und 0,25 mm nass geschlämmt, um
überschaubare, einfach auszulesende Fraktionen zu erhalten. Zur besseren Trennung von den
anorganischen Bestandteilen der Probe wurde die so genannte Goldwäschermethode
angewendet. Mit der Goldwäschermethode wird der Umstand genutzt, dass die leichteren
organischen Bestandteile meist oben schwimmen und die anorganischen schwereren
Bestandteile sich eher auf dem Boden des Gefäßes sammeln. Deshalb kann man durch
vorsichtiges Abgießen zuerst die organischen Rückstände bergen, zuletzt bleiben die
anorganischen Rückstände auf dem Boden liegen. Es wurden dabei Volumen und Gewicht
44
Bei dieser Probe handelt es sich um Probe 3 mit der Fundnummer SP 04 103/249 5 c.
18
der Probe vor und nach dem Schlämmen bestimmt.
45
Es wurde darauf verzichtet, diese
Angaben für die einzelnen Fraktionen zu erheben, da alle Fraktionen vollständig ausgelesen
wurden.
Zählung der gefundenen Samen und Früchte
Die Fragmente der Taxa wurden generell als 0,2 (
1
/
5
) gezählt, um sie erfassbar zu machen Es
ist klar, dass nicht jedes Fragment genau ein Fünftel des ganzen Taxons darstellt. Da diese
Fragmente aber ansonsten nicht in die Untersuchung aufgenommen werden können, wurde
bei der Darstellung der Gesamttabelle obiges Verfahren gewählt. In den Tabellen für die
einzelnen Proben wurden die ganzen und die fragmentarischen Teile der Taxa getrennt
aufgeführt, damit die verwendeten Summen nachvollziehbar bleiben. Bei Summen mit
Dezimalstellen wurde generell aufgerundet, da ja auch 0,2 ein Beleg von einem Taxon
darstellt.
Bei der quantitativen Auswertung des Pflanzenmaterials ist darauf zu achten, dass nur
Gleiches mit Gleichem verglichen wird. So enthält eine Schlehe beispielsweise nur einen
Kern, während eine Mohnkapsel über 1000 Samen enthält.
Außerdem wurde bereits im Kapitel Probenaufbereitung erwähnt, dass zum größten Teil nur
grob geschlämmtes Material zur Auswertung zu Verfügung stand. Dort fehlen durch ihre
geringe Größe vor allem Wildpflanzen mit kleineren Samen oder Früchten. Glücklicherweise
konnte bei einigen Arten wenigstens die Präsenz festgestellt werden. Wie viel aber an kleinen
Pflanzenresten verloren gegangen ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.
Aus diesen Gründen wurde auch die Stetigkeitsberechnung als Mittel der Auswertung
gewählt. Bei Stetigkeitsberechnungen ist zu beachten, dass eine Art eine hohe Stetigkeit
haben kann, ohne dass sie in großen Stückzahlen erhalten sind. So sind beispielsweise
Karyopsen von Nacktweizen mit einer Stetigkeit von 60 % in allen Proben enthalten,
erreichen aber insgesamt nur eine absolute Anzahl von 19 Stück in allen Proben. Die
Karyopsen von Dinkel, die nur in einer Stetigkeit von 53,3 % nachgewiesen wurden, kamen
aber in einer absoluten Gesamtzahl von 60 Stück vor.
45
Siehe bei Jacomet & Kreuz 1999, 114 ff.
19
8. Rezente ökologische Verbreitung der Arten und Bestimmung der
Taxa
Um den Katalog übersichtlich zu halten, wurden nur die Samen und Früchte aller
Kulturpflanzen und die der schwer zu bestimmenden Wildpflanzen mit jeweiligen
Literaturangaben beschrieben. Nomenklatur und Beschreibungen der rezenten
Verbreitungsschwerpunkte der einzelnen Arten wurden sämtlich aus Oberdorfer (1994)
entnommen. Die Familien und die Arten sind nach ebenfalls nach dem System von
Oberdorfer geordnet. Anderenfalls wurde dies in einer Fußnote separat vermerkt. Dies dient
der Übersichtlichkeit und Einheitlichkeit, da verschiedene Autoren verschiedene
Nomenklaturen und abweichende Ansichten zu den einzelnen Arten haben.
Die Moosarten wurden ausschließlich nach dem System Frahm & Frey (2004) nach Familien
und Arten geordnet, die rezente ökologische Verbreitung der Arten wurde ebenfalls aus
diesem Florenwerk übernommen.
Mit ,,cf." (conferre) benannte Arten konnten nicht sicher bestimmt werden. Die Bestimmung
auf die genannte Art wird jedoch als sehr wahrscheinlich betrachtet. Zu allen bestimmten
Arten wurden der lateinische und der deutsche Name sowie die Angabe der erhaltenen
Pflanzenteile angeführt.
Die jeweiligen gefundenen Pflanzenteile einer Art wurden in verschiedenen Typen erfasst. So
können von einer Art mehrere Typen vorkommen, von Triticum spelta L. (Dinkel) wurden
zum Beispiel Hüllspelzen und Karyopsen gefunden.
Die Bestimmungen der einzelnen Taxa wurden mit Hilfe von Fr. Dipl.-Biol. E. Fischer, Fr.
Dr. U. Maier, Fr. T. Märkle M. A. und Hr. Prof. Dr. M. Rösch durchgeführt. Insbesondere um
die Bestimmung der fraglichen Timopheevi-Weizen (Triticum cf. timopheevi) waren die
zahlreichen Hinweise von Fr. E. Fischer sehr hilfreich.
Sämtliche Moose wurden von Prof. Dr. M. Rösch bestimmt, der mir die Daten zur
Bearbeitung überließ.
Die gefundenen Taxa wurden mit Hilfe folgender Literatur bestimmt:
Berggren, G., Atlas of Seeds. Part 3. Salicaceae-Cruciferae. Stockholm, 1981.
Brouwer, W. & Stählin, A., Handbuch der Samenkunde für Landwirtschaft, Gartenbau und
Forstbau, Frankfurt (Main), 1975
2
.
20
Frahm, J.-P. & Frey, W., Moosflora (4. Auflage), Stuttgart, 2004.
Jacquat, Chr., Hauterive-Champréveyres. Les plantes de l´âge du Bronze. Catalogue des fruit
et graines, Archéologie neuchâteloise 7, Saint-Blaise, 1988.
Jacomet, St., Brombacher, Chr., Dick, M. Archäobotanik am Zürichsee. Ackerbau,
Sammelwirtschaft und Umwelt von neolithischen und bronzezeitlichen Seeufersiedlungen im
Raum Zürich. Ergebnisse von Untersuchungen pflanzlicher Makroreste der Jahre 1979-1988.
Zürich, 1989.
Knörzer, K.-H., Römerzeitliche Pflanzenfunde aus Neuss. Novaesium IV. Limesforschungen
10, Berlin, 1970.
Rösch, M., Archäobotanische Untersuchungen in der spätbronzezeitlichen Ufersiedlung
Hagnau-Burg (Bodenseekreis), in: Schöbel, Gunter, Sieldungsarchäologie im Alpenvorland
IV. Die Spätbronzezeit am nordwestlichen Bodensee. Taucharchäologische Untersuchungen
in Hagnau und Unteruhldingen 1982-1989. Stuttgart, 1996. 239-312.
Schoch, W., H., Pawlik, B., Schweingruber, F. H., Botanische Makroreste. Ein Atlas zur
Bestimmung häufig gefundener und ökologisch wichtiger PflanzenSamen. Bern & Stuttgart
1988.
Sillmann, M., Botanische Großreste mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Latrinen und
Gruben aus Freiburg im Breisgau. In: Galioto, L., Löbbecke, F. & Untermann, M., Das Haus
,,Zum roten Basler Stab" (Salzstraße 20) in Freiburg im Breisgau, Stuttgart, 2002, 623-770.
Stika, Hans-Peter, Römerzeitliche Pflanzenreste aus Baden-Württemberg, Stuttgart 1996
(Materialhefte zur Archäologie 36).
zu Avena:
Körber-Grohne, Udelgard, Bickelmann, Ulrike, Leist, Norbert, Saathafer (Avena sativa L.)
und Flughafer (A. fatua L.) sowie die Deutung der Zwischenformen in einem Vorratsfund aus
dem Jahrhundert n. Chr. im Vergleich mit heutigen Formen. In: Fundber. Ba-Wü Bd. 13,
1988, 279-305.
21
Bryophyta (Moospflanzen) - Bryophytina (Laubmoose)
Leucodontaceae
Leucodon sciuroides
(Hedw.) Schwaegr., Gametophytenfragmente
Auf Rinde und an trockenen Felsen.
Neckeraceae
Neckera crispa
Hedw., Gametophytenfragmente
Kalk liebende Art, an Felsen und an Bäumen, besonders in Kalkgebirgen verbreitet.
Neckera pumila
Hedw., Gametophytenfragmente
An Bäumen, seltener an Felsen.
Thuidiaceae
Anomodon viticulosus
(Hedw.) Hook. & Tayl., Gametophytenfragmente
An schattigen Felsen und Bäumen, verbreitet; außerhalb der Kalkgebirge selten.
Thuidium delicatulum
(Hedw.) Mitt., Gametophytenfragmente
In Wäldern.
Thuidium tamariscinum
Hedw. B.S.G., Gametophytenfragmente
Auf mäßig sauren Waldböden allgemein verbreitet.
Amblystegiaceae
Calliergonella cuspidata
(Hedw.) Loeske, Gametophytenfragmente
In Sumpfwiesen, in Sümpfen, auf feuchtem Holz auf feuchter Erde und an feuchten Felsen.
Häufig ruderal.
Brachytheciaceae
Brachythecium rutabulum
(Hedw.) B.S.G., Gametophytenfragmente
Auf Holz und Gestein, auch auf Wald- und Wiesenböden. Bis über die Waldgrenze steigend,
häufig.
22
Eurhynchium praelongum
(Hedw.) B.S.G., Gametophytenfragmente
Kalkscheue Art. Im Flachland und in den kalkarmen Mittelgebirgen verbreitet.
Eurhynchium striatum
(Hedw.) Schimp., Gametophytenfragmente
In Wälder, Gebüschen und schattigen Mauern. Basenzeiger.
Homalothecium sericeum
(Hedw.) B.S.G., Gametophytenfragmente
An schattigen Felsen, besonders Kalkfelsen, Mauern, am Grund von Laubbäumen.
Scleropodium purum
(Hedw.) Limpr., Gametophytenfragmente
Auf schattigen Waldböden, in Wiesen und an Wald- und Wegrändern.
Hypnaceae
Hypnum cupressiforme
Hedw. s. str., Gametophytenfragmente
Verbreitet, kosmopolitisch.
Polypodiaceae
Pteridium aquilinum
Kuhn (L.) - Adlerfarn, Blattfieder
In artenarmen Eichen- und Kiefernwäldern, auf vernachlässigten Weiden, an Waldrändern
und Böschungen, mäßig trocken bis frisch bzw. wechselfrisch, basearm, sauer, modrig-
humos, sandige Lehmböden oder bindige Sandböden, Weideunkraut.
Pinaceae
Abies alba
Mill. - Weißtanne, Nadeln
In Wälder bestandsbildend oder mit Buche, Kiefer und Fichte gemischt, vor allem in der
montanen Stufe, auf frischen, kühlen, milden, humosen oder mäßig sauren, meist
mittelgründigen, steinigen Lehm- und Tonböden, in humid-sommerwarmer Klimalage,
spätfrostempfindlich, auf schweren Böden gegenüber der Buche begünstigt, Schattholz.
Potamogetonaceae
Potamogeton
L. - Laichkraut, Samen
Artunterscheidung nicht möglich. Häufig in den namensgebenden Laichkrautgesellschaften.
23
Najadaceae
Najas marina
All. - Großes Nixenkraut, Samen
In locker stehenden, untergetauchten Laichkrautgesellschaften stehender oder langsam
fließender basenreicher, meso- bis eutropher Gewässer, in seichten, ruhigen Seebuchten oder
Altwässern, oft zwischen lockerem Röhricht oder an gestörten Stellen, auf Schlammböden in
10 bis 100 (200) cm Wassertiefe, salzertragend, Wärme liebend.
Najas intermedia
Wolfg. ex Gorski - Mittleres Nixenkraut, Samen
In Klein-Laichkrautgesellschaften stehender, mesotropher Gewässer, in ruhigen Seebuchten
über Kalkschlammböden, in 30 bis 300 cm Wassertiefe, Sommerwärme liebend.
Najas flexilis
(Willd.) Rostk. et Schmidt - Biegsames Nixenkraut, Samen
In untergetauchten Laichkrautgesellschaften, seichte, stehende, basenreiche bis mesotrophe
Gewässer, in flachen Seebuchten, auf humosen, sandigen oder reinen Schlammböden.
Juncaceae
Luzula
DC - Hainsimse, Samen
Keine weitere Artbestimmung möglich. Keine weitere ökologische Eingrenzung möglich.
Cyperaceae
Scirpus sylvaticus
L. - Waldbinse, Frucht
In Nasswiesen oder quelligen Auenwäldern, auf sicker- oder staunassen, nährstoffreichen,
meist kalkarmen, kühlen, locker-humosen, sandigen Lehm- und Tonböden, Nässezeiger.
Eleocharis palustris
(L.) R. et Sch. - Gewöhnliche Sumpfbinse, Achänen
Achänen breit verkehrt eiförmig, undeutlich zweikantig, Oberfläche mit längsgerichtenen
feingrubigen Zellreihen.
46
In Verlandungsgesellschaften, im Röhricht oder Großseggen-Beständen an Ufern stehend
oder in langsam fließenden Gewässern, auch Nasswiesen, auf überschwemmten, zeitweilig
auch trocken fallenden, nährstoffreichen und meist basenreichen, humosen Schlickböden.
46
Jacomet et al. 1989, 318.
24
Carex elata
All. - Steife Segge, Frucht
Auf Sumpfwiesen, an Ufern von Seen oder Bächen, hinter dem Röhricht, in alten Flutmulden
mit stark schwankenden Wasserständen, auf staunassen, nährstoff- und basenreichen, mild-
müßig sauren, torfig-sandigen Ton- und Schlickböden, Verlandungspflanze, Sommerwärme
liebend.
Carex flacca
Schreb. / Carex flava L. - Blaugrüne / Gelbe Segge, Frucht
Artunterscheidung nicht möglich. Unter anderem beide in Kalk-Flachmooren, meist auf
kalkreichen Böden. Eine weitere ökologische Differenzierung ist nicht möglich.
Carex panicea
L. - Hirsen-Segge, Schlauch
In Flach- und Quellmooren, auf nassen Wiesen, an Gräben und nassen Wegen, auf
sickernassen und nährstoffreichen, mild-mäßig sauren Sumpfhumus-Böden, gern in
Störzuständen.
Carex hirta
L. - Raue Segge, Frucht
An Wegen, Böschungen, Ufern, in lückigen Wiesen und Weiden, in Waldschlägen, auf mäßig
frischen oder wechselfeuchten, nährstoffreichen, zur Verdichtung neigenden Sandböden,
Sandzeiger, etwas Wärme liebend.
Poaceae
Bromus secalinus
L. - Roggentrespe, Karyopsen (verkohlt)
Vor allem im Wintergetreide, auf nährstoff- und basenreichen, meist kalkarmen, sandigen
oder reinen Lehmböden.
Triticum monococcum
L. - Einkorn, Karyopsen, Spindelglieder (verkohlt)
Körner basal und apikal meist spitz zulaufend, Bauchfurche bei guter Erhaltung schmal und
tief. Körner im Allgemeinen dicker als breit. Bauch- und Rückenlinie verlaufen in
Seitenansicht gleichmäßig konvex geschwungen, wobei die Rückenlinie basal im Bereich der
Keimgrube konkav verläuft. Im Querschnitt Rücken dachförmig, aber Lateralflächen sind z.
T. leicht konkav oder nach außen gewölbt. Die schmalen aber massiven und kantigen
Hüllspelzenbasen laufen nach oben nur wenig auseinander. Die Ährchenbreite in Höhe der
Spelzansätze liegt bei Einkorn nur wenig über dem Wert der Maximalbreite des Internodiums,
25
während beim Emmer das Internodium ca. halb so breit ist wie die Basisbreite des
Ährchens.
47
Kulturpflanze (laut Oberdorfer Sommerfrucht), besonders auf mäßig trockenen (frischen),
mageren, basenreichen, kalkhaltigen Lehm- und Tonböden in sommerwarmer, winterkalter
Klimalage, ertragsarm.
Abb. 9: Triticum monococcum, Spelzrest.
Triticum dicoccum
Schrank - Emmer, Karyopsen, Spindelglieder (teilweise verkohlt)
Zur Bestimmung von Triticum dicoccum siehe Kapitel ,,Neuer" Spelzweizen.
Kulturpflanze (laut Oberdorfer Sommerfrucht), bevorzugt auf warmen Kalkböden,
ertragsarm.
Triticum aestivum
L. / durum Desf. - Saatweizen / Hartweizen, Karyopsen (verkohlt)
Körner in dorsaler Ansicht mit rechteckig-gerundeter Umrissform, sowohl Bauch- als auch
Rückenseite gleichmäßig gerundet. Apikales Ende stumpf abgerundet, Rücken recht hoch,
dickste Stelle des Rückens in Kornmitte. Bauchfurche breit und tief angelegt. Keimlingsgrube
prägnant abgesetzt und meist rundlich ausgebildet, ihre Ränder laufen am basalen Ende
zusammen. Oberfläche bei guter Erhaltung glatt.
48
Artunterscheidung nicht möglich. Beides Kulturpflanzen.
Tr. aestivum
: Winter- und Sommerfrucht, auf sommerwarmen, trockenen, kalkhaltigen,
schweren Lehm- und Tonböden, winterfest.
Tr. durum
: Sommerfrucht (lt. Oberdorfer), auf warmen Kalkböden.
47
Stika 1996 a, 200.
48
Ebd., 199 f.
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