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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Einführung in das Thema 1
1.1 Darstellung des Problemfeldes 1
1.2 Zielsetzung, Struktur und Vorgehensweise 2
2 Definition und Erläuterung zentraler Begriffe und Sachverhalte 3
2.1 Marketing für Regionen und Standorte 3
2.1.1 Die Region als Betrachtungsobjekt des Marketing 3
2.1.2 Zentrale Aspekte eines Regionalmarketing 5
2.2 Charakterisierung, Erfolg und Bedeutung von Technologieregionen 8
2.2.1 Erläuterung des Untersuchungsgegenstandes. 8
2.2.2 Klassifikation ausgewählter deutscher Technologieregionen 9
2.2.3 High-Tech-Regionen im Fokus zunehmenden wissenschaftlichen Interesses 11
2.3 Erfolgsfaktoren 13
2.3.1 Begriffserläuterung, Probleme und Möglichkeiten der Erfassung 13
2.3.2 Allgemeine Erfolgsfaktoren von Technologieregionen und des Regional-
marketing 16
3 Neue Erklärungsansätze für den potenziellen Erfolg von Technologie-
regionen 18
3.1 Der Aufbau von Innovations- und Kooperationsnetzwerken 18
3.2 Das Konzept des „kreativen Milieus“ 21
4 Erläuterung ausgewählter Technologieregionen - drei Fallstudien 24
4.1 Die TechnologieRegion Karlsruhe 25
4.1.1 Entwicklungsprozess, Strukturen und Ressourcen des Standortes 25
4.1.2 Ausgestaltung der interkommunalen Zusammenarbeit 28
4.1.3 Konzeptionelle Schwerpunkte und Problemfelder des Regionalmarketing 29
4.1.4 Ausprägungen von Netzwerken und „Milieu“-Beziehungen 32
II
4.2 Die Technologieregion Jena 37
4.2.1 Entwicklungsprozess, Strukturen und Ressourcen des Standortes 37
4.2.2 Ausprägungen von Netzwerken und „Milieu“-Beziehungen 41
4.2.3 Partielle Marketinginitiativen in der Biotechnologie - das Beispiel Biostart 46
4.3 Die Technologie Region Ilmenau 47
4.3.1 Entwicklungsprozess, Strukturen und Ressourcen des Standortes 47
4.3.2 Akteursstruktur zur Realisierung des zentralen Projekts „Technologie- und
Forschungspark “ 51
4.3.3 Die Ausgestaltung des Standortmarketing 54
4.3.4 Ausprägungen von Netzwerken und „Milieu“-Beziehungen 57
5 Auswertung der Fallstudien - Identifikation und Erläuterung von Erfolgs-
faktoren in den analysierten Regionen 59
5.1 Objektiv fassbare Erfolgsfaktoren 60
5.2 Subjektive, personenabhängige Erfolgsfaktoren 66
5.3 Ganzheitliches Regionalmarketing als integratives Instrument für die
Entwicklung einer Technologieregion 70
6 Perspektiven für die Technologie Region Ilmenau 73
6.1 Reflexion der ermittelten Erkenntnisse 73
6.2 Strategische Handlungsempfehlungen 75
7 Fazit 79
Anhang I 80
Anhang II 88
Anhang III 89
Anhang IV 90
Literaturverzeichnis 93
Abbildung 1: Regionalmarketingprozess .........................................................................6 Abbildung 2: Endergebnis der Klassifikation .................................................................11 Abbildung 3: „Milieu“, „kreatives Milieu“ und Innovations-Netz ................................23 Abbildung 4: Regionales Unterstützungsnetz der Wirtschaft in der Technologie-
Region Karlsruhe .......................................................................................34 Abbildung 5: Das Unterstützungsnetzwerk Jena ............................................................42 Abbildung 6: Projektorganisation Technologie- und Forschungspark Ilmenau .............53 Abbildung 7: Geplante, teilweise realisierte sowie vorhandene Einrichtungen zum Aufbau eines innovativen Netzes ..............................................................58 Abbildung 8: Stellung und Wirkungsrichtungen eines ganzheitlichen Regional-
Tab. 1: Erfolgsfaktoren im Regionalmarketing .............................................................16
Abb. Abbildung AG Aktiengesellschaft APZ Applikationszentrum ARGE Arbeitsgemeinschaft BMBF Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie BWL Betriebswirtschaftslehre bzw. beziehungsweise ca. circa DDR Deutsche Demokratische Republik d.h. dass heißt etc. et cetera EU Europäische Union e.V. eingetragener Verein F&E Forschung & Entwicklung FH Fachhochschule GdbR Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (g)GmbH (gemeinnützige) Gesellschaft mit beschränkter Haftung i.d.R. in der Regel IHK Industrie- und Handelskammer IHK-UTB IHK-Unternehmens- und Technologie-Beratungs GmbH IMMS Institut für Mikroelektronik- und Mechatroniksysteme k.A. keine Angaben LEG Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH o.a. oder andere PR Public Relations S. Seite s.a. siehe ausführlich Tab. Tabelle TGZI Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau TLG Treuhand Liegenschaftsgesellschaft TRI Technologie Region Ilmenau
V
TRKA TechnologieRegion Karlsruhe TU Technische Universität u.a. unter anderem u.ä. und ähnlichem u.a.m. und andere mehr USA United States of America usw. und so weiter u.U. unter Umständen vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel
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1. Einleitung und Einführung in das Thema
1.1 Darstellung des Problemfeldes
Der europäische Einigungsprozess, insbesondere die Osterweiterung der Europäischen Union und die deutsche Wiedervereinigung stellen Regionen auch in Deutschland vor zunehmende Herausforderungen und verschärfen den Wettbewerb untereinander 1 . Hinzu kommt, dass Regionen größere Chancen bei der Bewältigung ökonomischer Transformations- und Anpassungsprozesse sowie der Gestaltung des Struktur- und Technologiewandels zugetraut werden als den dysfunktionalen und schwerfälligen Nationalstaaten 2 . In dem zunehmenden Standortwettbewerb konkurrieren sie um Ansiedlungen und Investitionen von Unternehmen, Niederlassungen staatlicher oder sonstiger privater Einrichtungen, die Sicherstellung von Fördermaßnahmen sowie den Erhalt eines attraktiven Umfeldes für Bewohner und Gäste 3 .
Regionen im östlichen Teil Deutschlands sehen sich darüber hinaus nicht nur mit der Bewältigung des Wandels von einer Produktionswirtschaft zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, wie in anderen hochindustrialisierten Volkswirtschaften 4 , sondern auch mit der Transformation von einer sozialistischen Planwirtschaft in die Marktwirtschaft konfrontiert 5 . Dort, wo diese Umbrüche und Veränderungen nicht passiv als unbeeinflussbares Schicksal, sondern als Chance begriffen werden, kann gerade die Ausrichtung auf die Förderung und Ansiedlung neuer Technologien auch neue Perspektiven für Regionen bzw. die dort lebenden Menschen eröffnen, die vom Strukturwandel betroffen und einem verstärkten Wettbewerb ausgesetzt sind.
Vor diesem Hintergrund wird seit 1996 die gezielte Entwicklung der Region Ilmenau zu einer High-Tech-Region verfolgt 6 . Heute, etwa sechs Jahre später, zeigt sich jedoch Unzufriedenheit hinsichtlich der bisher erzielten Erfolge. Welche Ressourcen und Potenziale fehlen der Region? Warum erfolgt die Ansiedlung technologieorientierter Unternehmen nicht in dem prognostizierten Umfang? Wo liegen organisatorische Defizite? Weshalb ist die Identifikation mit diesem Projekt, mit seinem Leitgedanken, bei den Bewohnern offenbar unvollständig? Wo liegen Defizite in der Vermarktung?
1 Vgl. Balderjahn/Aleff, 1996, S. 13; Meyer, 1999, S. 2.
2 Vgl. Ohmae, 1993, S. 78.
3 Vgl. Kotler/Haider/Rein, 1994, S. 24.
4 Vgl. ebenda, S. 21 f.
5 Vgl. Fernau, 1997, S. 175.
6 Vgl. Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH, 1996, S. 6.
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Fragen wie diese stellen sich Gestalter und Träger des Projekts, aber auch Menschen der Region. Besondere Bedeutung erhält dabei die Erkenntnis, dass andere sich als Technologieregion deklarierende Räume in Deutschland offenkundig auf größere Erfolge verweisen können. Was machen diese Regionen anders? Oder ist ihre Region bereits ohne gezielte (Marketing-)Maßnahmen schlicht besser - und warum?
Diese Fragen gilt es zu beantworten und Lösungen aufzuzeigen, denn die Stadt Ilmenau und die sie umgebenden Gemeinden sind nicht nur dem eingangs erwähnten zunehmenden Wettbewerb regionaler Räume ausgesetzt, sondern konkurrieren zusätzlich, bedingt durch die Positionierung, mit anderen Technologieregionen. Es wird somit deutlich, dass ein großes praktisches Interesse an einem Erkenntnisgewinn in diesem aktuellen und relativ neuen Themenfeld besteht.
1.2 Zielsetzung, Struktur und Vorgehensweise
Das Hauptziel der Arbeit liegt in der Ermittlung wesentlicher Erfolgsfaktoren von Technologieregionen sowie daran anknüpfend in der Ableitung von Konsequenzen bzw. in dem Aufzeigen von strategischen Handlungsempfehlungen für die Technologie Region Ilmenau 7 . Dieses Ziel wird vorrangig auf der Grundlage von Fallstudien dreier deutscher Technologieregionen, darunter auch Ilmenau, zu erreichen versucht. Mit der Hinzuziehung neuer theoretischer Erklärungsansätze und der Untersuchung ihrer Bedeutung im Rahmen der Fallstudien sollen hier ergänzend zu Ansätzen der traditionellen Standortlehre neue Erklärungsversuche regionalen High-Tech-Wachstums unternommen werden. Auch ist zu ermitteln, welchen Stellenwert und welche Ausgestaltung das Regionalmarketing in den untersuchten Regionen besitzt.
Die Arbeit gliedert sich in drei inhaltlich verbundene Komplexe. Neben Begriffserläuterungen und der Vorbereitung der Fallstudien durch eine Klassifikation mehrerer deutscher Technologieregionen gehören auch die Kritik an traditionellen Erklärungsansätzen für regionales High-Tech-Wachstum und die Erläuterung von zwei neuen Ansätzen zu dem ersten Komplex. Anschließend beleuchten die Fallstudien Gegebenheiten und Maßnahmen „vor Ort“ vertiefend. Gleichwohl die Untersuchung sehr konkret und praxisnah erfolgt, macht es Sinn, diese Vorgehensweise durch den Rückgriff auf die vorher erläuterten neuen Erklärungsansätze zu flankieren bzw. diese
7 Die Schreibweise ergibt sich aus dem Eigennamen des Projekts und wird im folgenden verwendet.
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auf ihre Ausprägungen zu untersuchen. Bestandteil dieses zweiten Komplexes sind auch die Identifikation und Erläuterung von Erfolgsfaktoren in den Vergleichsregionen bzw. von bestehenden Defiziten in der Technologie Region Ilmenau. Im letzten Teil der Arbeit werden ermittelte Probleme bzw. Erkenntnisse für die Technologie Region Ilmenau noch einmal reflektiert und daraus resultierende Konsequenzen und Perspektiven aufgezeigt.
Definition und Erläuterung zentraler Begriffe und Sachverhalte 2
Trotz der Betonung des Praxisbezugs der Arbeit ist es unverzichtbar, sich Klarheit über grundlegende Begriffe und Entwicklungen sowie theoretische Überlegungen zu verschaffen. Dies liefert gemeinsam mit der Klassifikation von Technologieregionen das erforderliche Hintergrundwissen, welches für das Verständnis der neuen Erklärungsansätze, den Aufbau der Fallstudien und auch die anschließende Auswertung erforderlich ist.
2.1 Marketing für Regionen und Standorte
2.1.1 Die Region als Betrachtungsobjekt des Marketing
Der Begriff „Region“ wird in der Literatur äußerst unterschiedlich und unter Zweckmäßigkeitsüberlegungen definiert 8 . Eine vielschichtige und vielseitig verwendbare Definition liefern Balderjahn/Aleff. Sie wird dieser Arbeit im weiteren zugrunde liegen. Regionen lassen sich danach als „(...) historisch gewachsene Einheiten, kulturell und wirtschaftlich verflochtene geographische Räume, die sich auch unabhängig von Landes-, Kreis- und Stadtgrenzen herausbilden und Bestand haben“ 9 charakterisieren. Dem ist konkretisierend hinzuzufügen, dass die räumliche Größe von Regionen zwischen den Gebietskörperschaften Kommune und Bundesland gesehen wird 10 .
Seit Mitte der achtziger Jahre gewinnt der Einsatz des Marketing zur Begegnung der eingangs skizzierten Entwicklungen in der Wissenschaft und Praxis verstärkt an
8 Vgl. Meyer, 1999, S. 17 f.
9 Balderjahn/Aleff, 1996, S. 13.
10 Vgl. Batt, 1994, S. 208.
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Bedeutung 11 . Um die Anwendbarkeit des Marketing für in dieser Arbeit zu behandelnde Problemstellungen zu begründen, ist der Entwicklungsverlauf des Marketingbegriffs von den Anfängen als einem Instrument der Absatzförderung zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bis zu dem heutigen Verständnis als marktorientiertes Führungskonzept kritisch nachzuvollziehen 12 . Somit lässt sich Marketing heute als eine Konzeption der Unternehmensführung begreifen, nach der sich alle unternehmerischen Aktivitäten an den Anforderungen des Marktes, respektive den Bedürfnissen der Kunden, orientieren 13 .
Neben dieser klassischen, allein auf ökonomische Sachverhalte ausgerichteten Philosophie (Business-Marketing), setzt sich zunehmend eine moderne, generische Interpretation durch. Sie erweitert den Anwendungsbereich des Marketing auf sämtliche soziale Einheiten, die miteinander den Austausch von Werten anstreben. 14 Unstrittig ist somit in der Literatur die grundsätzliche Anwendbarkeit, z.B. auf Austauschprozesse zwischen Standortanbietern und -nachfragern. Über das „Wie“ bestehen allerdings unterschiedliche Auffassungen. So kann Regionalmarketing auch als eine Form des Non-Profit-Marketing oder gar als eigenständige Disziplin verstanden werden 15 .
In dieser Arbeit wird es jedoch als eine Variante des unternehmerischen Marketing gesehen. D.h. Grundprinzipien des unternehmerischen Marketing werden auf das Regionalmarketing übertragen. Diese Auffassung teilen und begründen u.a. Meffert, Manschwetus und Spieß. 16 Allerdings ist die Übertragbarkeit nicht uneingeschränkt möglich, da die Region ein äußerst vielschichtiges sozioökonomisches System darstellt, das durch eine Vielzahl Determinanten (Menschen, Lage, Klima, etc.) bestimmt ist. Es kann folglich nicht wie ein Wirtschaftsgut verändert, geplant und dargestellt werden. 17
Entsprechend herrscht in der Literatur bei der Bestimmung eines passenden Produktbegriffs für das Regionalmarketing eine lebhafte Diskussion, die hier jedoch nicht weiter verfolgt werden soll. 18 Es wird in Anlehnung an Manschwetus die Auffassung vertreten, dass die unkritische Übernahme des betriebswirtschaftlichen Produktbegriffs auf die Ebene der Region (Produkt=Region) zu kurz greift. Gleichwohl
11 Vgl. AKTION MÜNSTERLAND e.V., 1996, S. 21.
12 Für eine ausführliche Darstellung siehe Meffert, 1998, S. 3 ff.
13 Vgl. Balderjahn, 2000, S. 55.
14 Vgl. Kotler, 1972, pass., besonders S. 53; Meffert, 1998, S. 8 f.; Balderjahn, 2000, S. 55 f.
15 Vgl. Meyer, 1999, S. 10 ff.
16 Vgl. Meffert, 1989, S. 274; Manschwetus, 1995, S. 23 f.; Spieß, 1998, S. 9 f.
17 Vgl. Meffert, 1989, S. 274; Deutsches Seminar für Städtebau und Wirtschaft, 2000, S. 6.
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ist der Autor dieser Arbeit der Meinung, dass auch die Region als Ganzes (z.B. beim Image oder Bekanntheitsgrad) und nicht nur verschiedenste regionale Teilleistungen (z.B. Gewerbeflächen, Forschungs- und Technologieinfrastruktur), wie Manschwetus ausführt, Gegenstand von Austausch- bzw. Transaktionsprozessen sein können. 19
Der häufig synonyme Gebrauch des Regional- und Standortmarketing ist auf Grund des ähnlichen Betrachtungsobjekts nicht verwunderlich. Nach Kotler/Haider/Rein können sowohl Städte als auch Regionen oder Nationen Standorte sein, für die ein Standortmarketing betrieben werden kann 20 . Demgegenüber sieht Meyer das Standortmarketing als eine Teildisziplin des Regionalmarketing, die sich auf die Zielgruppe der Investoren konzentriert. Letzteres würde hingegen mehrere Zielgruppen ansprechen und entsprechend umfassender ausgerichtet sein. 21 Seine Aufgabe liege darin, Beziehungen der Region mit ihren Marktpartnern zu gestalten 22 . Regionalmarketing wird in dieser Arbeit somit als „(...) ein marktorientiertes Steuerungskonzept zur Entwicklung von Regionen“ 23 verstanden. Der außerdem bestehende Begriff „Regionenmarketing“ wird in der Arbeit synonym mit dem des Regionalmarketing verwendet.
2.1.2 Zentrale Aspekte eines Regionalmarketing
Während noch vor einigen Jahren das Schalten von Werbung oder Promotionsaktionen zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades und Verbesserung des Images unter dem Begriff Regionenmarketing subsumiert wurden, liegt dem Problemfeld heute auch in der Praxis zunehmend ein anderes, integriertes, Marketingverständnis zugrunde 24 . Insbesondere regionalwirtschaftliche Probleme sollen mit Hilfe eines entsprechend zugeschnittenen Marketingansatzes gelöst werden 25 . Zentrale regionalentwicklungspolitische Ziele sind u.a. die gezielte Entwicklung eines regionalen Spezifikums, sprich eines Alleinstellungsmerkmals, die Integration nichtökonomischer und langfristiger Ziele sowie die Vertretung der Bevölkerung 26 .
18 Für einen Überblick siehe Manschwetus, 1995, S. 57 ff.; Meyer, 1999, S. 23 ff.
19 Vgl. Manschwetus, 1995, S. 63.
20 Vgl. Kotler/Haider/Rein, 1994, S. 13.
21 Vgl. Meyer, 1999, S. 19 ff.
22 Vgl. Manschwetus, 1995, S. 39.
23 Manschwetus, 1995, S. 39.
24 Vgl. AKTION MÜNSTERLAND e.V., 1996, S. 22.
25 Vgl. Deutsches Seminar für Städtebau und Wirtschaft, 2000, S. 6.
26 Vgl. Deutsches Seminar für Städtebau und Wirtschaft, 2000, S. 7; Meyer, 1999, S. 57.
6
Als Ausgangs- bzw. Orientierungspunkt für die Erarbeitung einer Marketingkonzeption für Regionen eignet sich das Referenzmodell für entsprechende Konzeptionen marktorientierter Unternehmen mit seinen Elementen und Schrittfolgen. D.h. auch der Planungsprozess einer Marketingkonzeption für Regionen beinhaltet eine Analyse der Situation, Planungsaktivitäten, die zielorientierte Durchführung von Maßnahmen sowie die Erfolgskontrolle. 27 Die Phasen des Regionalmarketingprozesses sind in der nachstehenden Abbildung dargestellt.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Regionen- und Business-Marketing besteht jedoch hinsichtlich der Machtstrukturen und daraus folgend bei der Koordination und Durchsetzung des Marketing 28 . Insbesondere das für ein Unternehmen übliche Koordinationsinstrument Hierarchie 29 entfällt bei der Initiierung und Durchsetzung des Regionenmarketing. Stattdessen ist es auf freiwillige Unterstützung gleichberechtigter und vielstimmiger Akteure aus der Region angewiesen 30 . Es wird das Kunststück
27 Vgl. Meyer, 1999, S. 61.
28 Vgl. ebenda, S. 40.
29 Für eine Begriffserläuterung siehe Oelsnitz, von der, 2000, S. 98.
30 Vgl. Meyer, 1999, S. 40.
7
verlangt, eine längerfristige kooperative Trägerschaft aufzubauen, an der sämtliche relevanten regionalen Akteure zu beteiligen sind 31 .
Abschließend sind die Ziele und Aufgaben, die Zielgruppen und die Träger des Regionalmarketing zu benennen. Es ist einsichtig, dass sich in der Praxis spezifische und individuelle Ausgestaltungen ergeben. Folglich vermitteln die nachfolgenden Aufzählungen und Ausführungen einen Überblick.
Zu den Trägern des Regionenmarketing zählen etwa Vertreter der Verwaltung und Politik, der Wirtschaft, verschiedener Verbände und Organisationen, wie Industrie- und Handelskammern, Wirtschaftsförderungsinstitute, eventuell eine Marketingagentur und natürlich die Bewohner 32 .
Zielgruppen des Regionenmarketing liegen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Region. Typisch sind Meinungsführer aus Journalismus, Kultur, Politik und Wirtschaft, Investoren, Bewohner und Arbeitnehmer, Besucher und die allgemeine Öffentlichkeit 33 . Zielgruppen können natürlich auch gleichzeitig Träger des Regionalmarketing sein.
Hinsichtlich der Ziele bietet sich die grundsätzliche Unterscheidung in interne und externe Ziele an. Während letztere die Förderung des Images, des Bekanntheitsgrades und der Attraktivität der Region nach außen umfassen, konzentrieren sich interne Ziele vor allem auf die Identifikation der Bürger mit ihrer Region. 34 Die Innen- und Außenorientierung setzt sich bei den aus den Zielen resultierenden Aufgaben fort. Zu nennen sind hier integrierende und konstituierende, initiierende und gestaltende, steuernde und kontrollierende sowie informative und kommunikative Aufgaben. 35
Die Entwicklung und die Komplexität des Regionenmarketing sollten in diesem Abschnitt deutlich geworden sein. Das Ziel bestand in der Schaffung eines Ein- und Überblicks, nicht in der detaillierten Schilderung der Strukturen und Prozesse.
31 Vgl. Balderjahn/Aleff, 1996, S. 16.
32 Vgl. Kotler/Haider/Rein, 1994, S. 54; Meyer, 1999, S. 34.
33 Vgl. ebenda, S. 42; ebenda, S. 29 f.
34 Vgl. Tietz, 1981, S. 130.
35 Vgl. Meyer, 1999, S. 28 f.
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2.2 Charakterisierung, Erfolg und Bedeutung von Technologieregionen
2.2.1 Erläuterung des Untersuchungsgegenstandes
Die Begriffe „Technologie“ oder „Technologieregion“ sind ebenso schillernd wie vage hinsichtlich dessen, was sich hinter ihnen verbirgt. Die nachstehenden Erläuterungen sollen zur Konkretisierung und Versachlichung beitragen.
Das aus dem Griechischen stammende Wort „Technik“ lässt sich mit der Gesamtheit der Kunstgriffe, Regeln oder maschinellen Verfahren auf einem Gebiet übersetzen. Heute werden die Begriffe Technik und Technologie häufig synonym verwendet, wobei letzterer präzise als die Lehre von den in der Technik angewendeten und anwendbaren Produktionsverfahren zu beschreiben ist. Die Unterschiede zwischen den Begriffen (Hoch-/Spitzen-)Technologie und High-Tech sind zu vernachlässigen und werden an dieser Stelle nicht weiter erläutert 36 .
Obwohl diese grundsätzliche Klärung im weiteren nicht ausreicht, wird deutlich, dass Technologien auf den vielfältigsten Gebieten menschlichen Wirkens zu finden sind. Heute gehören zu den Zukunftstechnologien die sogenannten „Life Sciences“ (insbes. Biotechnologie), Neue Materialien und Werkstoffe, ressourcenschonende Energietechniken, die Informations- und Kommunikationstechnologie, die Mikroelektronik und -systemtechnik, die Nanotechnologie sowie die Photonik. Diese Bereiche werden für die kommenden Jahrzehnte als entwicklungsprägend beurteilt. Interessant ist dabei, dass diese Technologien häufig nicht nebeneinander bestehen, sondern sich gegenseitig ergänzen, bedingen oder fördern. 37
Eine vollständige und detaillierte Erfassung sämtlicher derzeitiger Forschungsgebiete der Hoch- und Spitzentechnologie ist kaum möglich und auf Grund des permanenten Wandels und Fortschritts sowie der hohen Spezifität wenig hilfreich. Folglich genügt es für den Außenstehenden, einen Überblick über zentrale Forschungsgebiete zu besitzen.
Um die Technologieorientierung einer Region zum Ausdruck zu bringen, findet sich in Literatur und Praxis eine begriffliche Verwandtschaft zwischen „Technologie-, High-Tech- und Innovationsregion“. Eine Trennung ist sowohl empirisch wie auch theoretisch kaum möglich. 38 Ihnen gemein ist eine im nationalen Vergleich
36 Vgl. Sternberg, 1995a, S. 7.
37 Vgl. Lessat/Schürfeld, 2001, S. 30; s.a. Delphi’98 - Umfrage der Fraunhofer-Gesellschaft, 1998, pass.
38 Vgl. Hilpert, 2000, S. 47.
9
überdurchschnittliche Zahl an Betrieben und Beschäftigten in Hoch- und Spitzentechnologiebranchen 39 . Charakteristisch sind außerdem eine steigende Zahl technologieorientierter Unternehmensgründungen sowie internationale High-Tech-Investitionen 40 .
Das inzwischen schon legendäre Beispiel einer typischen Technologieregion ist sicher das US-amerikanische „Silicon Valley“. Aus der Bewunderung über die spektakulären Erfolge solcher Standorte sind auch in anderen Landesteilen der USA sowie anderen Industrieländern wirtschafts- und technologiepolitische Anstrengungen unternommen worden. Häufig nicht mit dem gewünschten Erfolg. 41
2.2.2 Klassifikation ausgewählter deutscher Technologieregionen
Die Technologie Region Ilmenau ist in besonderem Maße Gegenstand dieser Arbeit. Bevor theoretische Ansätze und vor allem die Fallstudien mit den sich daraus ableitenden Konsequenzen behandelt werden, ist es sinnvoll, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen. D.h. zu ermitteln, wo die Technologie Region Ilmenau im Vergleich zu anderen Regionen mit einer Konzentration auf die Förderung und Unterstützung von Hoch- und Spitzentechnologie und ihrem diesbezüglichen Erfolg einzuordnen ist. Die zu untersuchenden anderen Regionen wurden durch ein Internet-Screening sowie unter Hinzuziehung von Literatur ermittelt.
Mit Hilfe dieser Klassifizierung können ferner Regionen identifiziert werden, die später im Rahmen der Fallstudien und des Vergleichs als Referenzregionen herangezogen werden können. Es ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Einordnung weder ein breites Spektrum von Indikatoren benutzt, noch einen Anspruch auf die Berücksichtigung sämtlicher Einrichtungen und Maßnahmen einer Region besitzt. Gleichwohl werden wissenschaftliche Einzelbetrachtungen, Sonderauswertungen und unterstützend sogenannte „Rankings“ bei der Einordnung berücksichtigt.
Ein wesentliches Problem stellt die Wahl geeigneter Indikatoren dar. Theoretische Ansätze liefern eine Fülle von Bestimmungsfaktoren, liegen in der Bewertung derselben aber weit auseinander. Häufig genannt werden die Zahl hochqualifizierter Arbeitskräfte sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Hinzu kommen die Zahl/der Anteil der
39 Vgl. Sternberg, 1995a, S. 7.
40 Vgl. Hilpert, 2000, S. 47.
10
High-Tech Beschäftigten und der High-Tech Betriebe. 42 Da Technologieregionen in manchen Fällen nicht mit Raumordnungsregionen, Arbeitsamt- und IHK-Bezirken, Landkreisen etc. übereinstimmen, liegen nur sehr eingeschränkt statistische Daten vor. Die Wahl der Indikatoren ist hier somit das pragmatische Ergebnis einer Zusammenführung häufig in Theorien genutzter Bestimmungsfaktoren einerseits und der entsprechenden Datenverfügbarkeit in den untersuchten Regionen andererseits. Aus den genannten Gründen besitzt die vorgenommene Klassifikation letztlich den Charakteruntermauerter - Tendenzaussagen.
Die gesamte Übersicht der Indikatoren sowie sämtlicher Ressourcen aller untersuchten Technologieregionen sind dem Anhang I zu entnehmen. Daran schließt sich im Anhang II die Darstellung der für die Klasseneinteilung nutzbaren Indikatoren mit ihren jeweils gewählten Ausprägungen an. Die Festlegung, dass beispielsweise eine Region mit 0-2 Hochschulen der Klasse C zuzuordnen ist, ist nicht frei von Kritik. Schließlich wird damit noch nichts über die Größe sowie die Ausrichtung auf technischnaturwissenschaftliche Ausbildung und Forschung ausgesagt. Allerdings ist abermals auf den Zeck dieser Klassifikation zu verweisen. Im Anhang III schließlich befindet sich das Zwischenergebnis, welches sich aus der Einordnung der relevanten Ressourcen in die entsprechend der Ausprägung vorgesehenen Klassen ergibt.
Es wurden drei Klassen gewählt. In der Klasse A finden sich jene Regionen mit dem größten Erfolg bei den untersuchten Indikatoren. Räume in der Klasse B nehmen eine mittlere Position ein, während Technologieregionen in der Klasse C klare Defizite aufweisen. Die Klassengrenzen sind als durchlässig zu betrachten. Das Endergebnis ist der nachfolgenden Übersicht zu entnehmen. Verschiebungen innerhalb einer Klasse bringen tendenzielle, sich aus Anhang III ergebende, Unterschiede zwischen den Regionen zum Ausdruck.
41 Vgl. Sternberg, 1995a, S. 1 f.
42 Vgl. ebenda, S. 76.
Als ein zentrales Ergebnis dieser Klassifikation ist die Belegung des letzten Ranges für die Technologie Region Ilmenau festzuhalten. Interessant ist, dass Jena, ebenfalls in Thüringen und damit in den neuen Bundesländern gelegen, eine erheblich günstigere Position einnimmt. Die Kapitel 4 und 5 der Arbeit widmen sich detailliert dem Aufspüren von Gründen.
2.2.3 High-Tech-Regionen im Fokus zunehmenden wissenschaftlichen Interesses
„The nation state has become an unnatural, even dysfunctional, unit for organizing human activity and managing economic endeavor in a borderless world.“ 43 Mit dieser kritischen Einschätzung weist Ohmae auf eine weltweit zu beobachtende Entwicklung hin. Nämlich die Entstehung und das Wachstum prosperierender (Technologie-) Regionen innerhalb nationalstaatlicher Gebilde. Derartige Standorte finden sich in den unterschiedlichsten Staaten, wie z.B. in den USA, Deutschland oder Japan, aber auch in Malaysia oder Indien. Ihnen allen gemein ist, trotz ihrer Individualität, der Besitz von Schlüsselfaktoren bzw. -bestandteilen, der ihnen eine erfolgreiche Teilnahme an der globalen Ökonomie ermöglicht. Von diesen Regionen sind ferner positive Wirkungen auf andere Gebiete eines Staates zu vermuten. 44
Trotz dieser aufgezeigten Entwicklung konstatiert Sternberg noch 1995 das Fehlen generalisierender Arbeiten, welche die Genese von Technologieregionen zum
43 Ohmae, 1993, S. 78.
44 Vgl. Ohmae, 1993, S. 83 f.
12
Untersuchungsgegenstand haben 45 . Dennoch herrscht die Erkenntnis, dass die Entstehung und Entwicklung solcher Regionen mittels bisher üblicher Standorttheorien allenfalls unzureichend erklärt werden kann 46 . Im Fokus dieser traditionellen Theorien stehen entweder einzelne Unternehmen oder ganze Nationen. Willoughby fasst entsprechende Untersuchungen unter den Begriffen „Micro bzw. Macro Level Inqiry“ zusammen. 47
Wichtige Erklärungsansätze dieser traditionellen Standorttheorie sind u.a. die Analyse der betrieblichen Standortfaktorwahl (Standortlehre), die regionale Variante der Produktzyklustheorie und die Theorie der Langen Wellen wirtschaftlicher Entwicklung. Sie liefern alle interessante und notwendige Erkenntnisse, können das dynamische Wachstum der hier zu untersuchenden Technologieregionen jedoch nur zum Teil erklären. 48 D.h. diese Modelle erweisen sich hinsichtlich der Beantwortung von Fragen regionaler Innovationsfähigkeit und Kreativität als nachteilig 49 .
Gänzlich unstrittig ist, dass Kataloge „harter“ und „weicher“ Standortfaktoren auch für High-Tech-Unternehmen und somit für Technologieregionen von Relevanz sind. Erstere treffen Standortentscheidungen multifaktoriell. Gute Infrastruktureinrichtungen, die Verkehrsanbindung, Wirtschaftsförderung und Steuern sowie das Potenzial an qualifizierten Arbeitskräften haben weiterhin Bedeutung. Daneben wird die Nähe zu Universitäten und Instituten für den Wissenstransfer zunehmend wichtiger. Insbesondere High-Tech-Unternehmen besitzen auf Grund des Qualifikations- und Bildungsniveaus ihrer Mitarbeiter höhere Ansprüche an Kultur, Freizeit bzw. allgemein an die Lebensqualität. 50 Kritik müssen sich Standortanalysen u.a. wegen ihrer Theoriedefizite, der Aggregationsproblematik, einer mangelnden Repräsentativität und ihres statischen Charakters gefallen lassen. Ihr Vorteil ist die Beschreibung des Ist, nicht die Erklärung des Warum . 51 Dennoch sind sie für die Fallstudien unverzichtbar.
Festzuhalten bleibt, dass die Mesoebene lange Zeit nur geringe Aufmerksamkeit erfuhr. In einem geographischen Kontext meint dies die Stadt oder Region. Erst der oben bereits skizzierte Erfolg einzelner Regionen, welcher im wesentlichen auf der
45 Vgl. Sternberg, 1995a, S. 3.
46 Vgl. Hilpert, 2000, S. 5.
47 Vgl. Willoughby, 2000, S. 2 f.
48 Vgl. Gehrung, 1996, S. 5 ff.; Sternberg, 1995a, S. 29 ff.
49 Vgl. Maier/Rösch, 1997, S. 237.
50 Vgl. Töpfer, 1993, S. 44 f.
51 Vgl. Sternberg, 1995a, S. 68 f.
13
Ansiedlung und dem Wachstum von Unternehmen der Hochtechnologie basiert, rückt jenes Meso-Level zunehmend in den Blickpunkt. 52
Hotz-Hart spricht von einem parallel verlaufenden Prozess einer „(..) Wechselwirkung zwischen Globalisierung/Angleichung und Regionalisierung/Differenzierung (...)“ 53 . D.h. auf der einen Seite weicht die räumliche Konzentration aller Unternehmensaufgaben zunehmend einer Verteilung auf mehrere Standorte; entsprechend der optimalen Passfähigkeit von Arbeitsaufgabe oder Unternehmensstrategie, den örtlichen Gegebenheiten und der räumlichen Ausweitung der Geschäftstätigkeit 54 . Andererseits haben es verschiedenste Regionen bewusst oder unbewusst verstanden, trotz der „Bindungslosigkeit“ von Hochtechnologieindustrien, in diesen Bereichen tätige Unternehmen räumlich zu konzentrieren, so dass es nicht zu einer gänzlichen Aufhebung lokaler Bezüge und einer Standortungebundenheit ökonomischer Aktivitäten durch die Globalisierung kommt 55 .
Begründen lässt sich diese Aussage damit, dass durch Innovationen geprägte Regionen spezifische immobile Wettbewerbsfaktoren aufweisen. So etwa hochqualifizierte Arbeitskräfte, vorhandene Forschungseinrichtungen und regional-ökonomische Traditionen. 56 Persönliche, vertrauensvolle Kontakte gewinnen hier an Bedeutung 57 . Generell fördert die räumliche Nähe der Akteure die Bildung kreativer Milieus und regionaler Innovationsnetzwerke, wie noch gezeigt wird, und somit gemeinsame Lern-und Innovationsprozesse. Sie begünstigt auch die Diffusion von Kenntnissen und Innovationen. 58
2.3 Erfolgsfaktoren
2.3.1 Begriffserläuterung, Probleme und Möglichkeiten der Erfassung
Die Frage nach den Erfolgsursachen exzellenter Unternehmen steht schon lange im Interessenfeld von Wissenschaft und Praxis. Dabei gerieten die Suche und Identifikation jener Faktoren in den achtziger und neunziger Jahren oft zu einer populär-
52 Vgl.Willoughby, 2000, S. 3.
53 Hotz-Hart, 2001, S. 164.
54 Vgl. Matuschewski/Zoche, 2001, S. 155; Willoughby, 2000, S. 7.
55 Vgl. Matuschewski/Zoche, 2001, S. 155.
56 Vgl. Hilpert, 2000, S. 49 f.; Hotz-Hart, 2001, S. 164.
57 Vgl. Hilpert, 2000, S. 55.
58 Vgl. Matuschewski/Zoche, 2001, S. 155 u. 157.
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wissenschaftlichen Diskussion. 59 Einen Höhepunkt markiert in diesem Zusammenhang Peters und Watermans populäres Werk „In Search of Excellence“. Ungeachtet der Tiefe des wissenschaftlichen Diskurses sehen sich Unternehmen und, wie aufgezeigt, auch Regionen, einem an Dynamik und Intensität zunehmenden Wettbewerb gegenüber. Um in diesem bestehen zu können, sind möglichst exakte Kenntnisse der Realität erforderlich. Auf Grund der Menge relevanter Daten ist diesem Anspruch jedoch kaum gerecht zu werden. Das Wissen um grundlegende Erfolgsursachen liefert hier ein komplexitätsreduzierendes Informationsgerüst für realitätsnahe Planungsaktivitäten. Um Transparenz und Handhabbarkeit zu erhalten, ist aber davon abzusehen, sämtliche identifizierbaren Erfolgsfaktoren zu berücksichtigen. Steinle/Schmidt/Lawa. plädieren für die Auswahl sogenannter kritischer Erfolgsfaktoren, die über eine sehr starke Erfolgswirkung verfügen. 60
Fritz versteht unter Erfolgsfaktoren die Determinanten, welche maßgeblich über den Erfolg oder Mißerfolg von Aktivitäten entscheiden. Sie können sowohl durch die betrachtete Untersuchungseinheit selbst als auch durch deren Umwelt bestimmt sein. 61 Ein Erfolgsfaktor kann somit als eine unabhängige Stellvariable (z.B. Durchführung von Events) und die Erfolgsgröße (z.B. touristische Attraktivität) als abhängige Zielvariable verstanden werden. Im weiteren ist eine Spezifizierung in beobachtbare (z.B. Zahl der technologieorientierten Unternehmensansiedlungen) und nicht beobachtbare Erfolgsfaktoren (z.B. Zufriedenheit) zu beachten. Letztere sind über sinnvolle Indikatoren zu operationalisieren. 62
In jedem Fall besteht jedoch eine allgemeine Kausalitätsproblematik hinsichtlich der Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen Erfolgsfaktoren und Erfolgsgrößen bzw.potenzialen. Dahinter steht die Frage, ob ein betrachteter Erfolgsfaktor tatsächlich die Ursache für eine bestimmte Wirkung besitzt oder diese vielleicht durch vorgelagerte oder intervenierende Faktoren erzielt wird. Ein Dilemma, dass durch eine hohe Umweltdynamik zusätzlich verstärkt wird. 63 Neben der Schwierigkeit einer präzisen Beurteilung der Ursache-Wirkungszusammenhänge besteht das Problem der Multidimensionalität. D.h. eine Ursache besitzt häufig mehrere Wirkungen, welche sich wiederum aus mehreren Ursachen zusammensetzen. Zusätzlich bestehen zwischen
59 Vgl. Meffert, 2000, S. 1.
60 Vgl. Steinle/Schmidt/Lawa, 1995, S. 311.
61 Vgl. Fritz, 1993, S. 1.
62 Vgl. Bornemeyer/Temme/Decker, 1999, S. 208.
63 Vgl. Lange, 1982, S. 28.
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Erfolgsfaktoren selbst wechselseitige Abhängigkeiten. Außerdem ist auf die Unsicherheit bezüglich der Bedeutung eines einzelnen Faktors auf eine von verschiedenen Ursachen bestimmte Erfolgsgröße hinzuweisen. 64
Auch Lange kommt auf Grund dieser Verflechtungen und Unklarheiten zu dem Ergebnis, dass die Berücksichtigung sämtlicher bestimmbarer Erfolgsfaktoren nicht zwingend sei. Diesem idealen Anspruch sei vielmehr die Forderung nach Transparenz und Handhabbarkeit entgegenzuhalten. 65
Zur Ermittlung von Erfolgsfaktoren sind vielfältige Ansatzpunkte zu identifizieren, die in bezug auf die Zuverlässigkeit variieren. So können neben theoretischen Erkenntnissen und empirischen Untersuchungen Erfolgsfaktoren auch aus Plausibilitätsüberlegungen oder situationsspezifischem Wissen ermittelt werden. Das methodische Spektrum reicht dabei von Einzelfallstudien, wie sie auch in dieser Arbeit Anwendung finden, bis zur einzelfallübergreifenden Erfolgsfaktorenforschung. 66 Somit lässt sich eine Uneinheitlichkeit in der methodischen Vorgehensweise feststellen.
Wendet man diese allgemeinen Erkenntnisse auf die Region und das Regionalmarketing an, so ist vor allem die Frage nach regionalen Möglichkeiten der Beeinflussbarkeit von Erfolgsfaktoren zu stellen. Die Lage der Weltkonjunktur, die Steuergesetzgebung oder auch die Auflage spezifischer Förderprogramme, als beispielhafte Einflussfaktoren auf die Situation einer betrachteten Region, können von dieser nicht oder allenfalls marginal beeinflusst werden. 67 Ein zentrales Problem ist darüber hinaus die Erfolgskontrolle. Während in Unternehmen, unabhängig ihrer Branche oder Größe, Umsatz, Gewinn und Marktanteil zentrale Erfolgsgrößen darstellen, lassen sich für das regionale Marketing keine einheitlichen, allgemeingültigen Größen festlegen. 68
Insgesamt kommen in den Ausführungen Komplexität und Schwierigkeiten bei der Ermittlung zentraler Erfolgsfaktoren zum Ausdruck. Diesen Gegebenheiten können sich auch die später im Kapitel 5 erfolgenden Festlegungen zentraler Erfolgsfaktoren nicht gänzlich entziehen. Anstöße für die Praxis vermögen sie in jedem Fall zu geben.
64 Vgl. Lange, 1982, S. 29.
65 Vgl. ebenda, S. 29.
66 Vgl. ebenda, S. 31; Meffert, 2000, S. 3.
67 Vgl. Lange, 1982, S. 29 f.
68 Vgl. Bornemeyer/Temme/Decker, 1999, S. 210.
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2.3.2 Allgemeine Erfolgsfaktoren von Technologieregionen und des Regionalmarketing
Bornemeyer/Temme/Decker stießen bei einer umfassenden auf das Stadtmarketing bezogenen Literaturauswertung vor allem auf Einzelfallstudien und durch den Erfahrungsaustausch in Kolloquien gewonnene Erkenntnisse. Allerdings auch auf empirische Studien. Aus letzteren stellten die Autoren wichtige Erfolgsfaktoren in einer Übersicht zusammen. 69 Auf Grund des allgemeinen Charakters der ausgewählten Faktoren erscheint eine Übernahme auf die Ebene der Region als Orientierungspunkt angemessen. Die folgende Tabelle ist außerdem um im Rahmen einer weiteren empirischen Studie des Deutschen Seminars für Städtebau und Wirtschaft ermittelte Erfolgsfaktoren im Regionalmarketing ergänzt 70 .
Decker S. 212 u. Deutsches Seminar für Städtebau und Wirtschaft S. 46 f.)
69 Vgl. Bornemeyer/Temme/Decker, 1999, S. 211 f.
70 Vgl. Deutsches Seminar für Städtebau und Wirtschaft, 2000, S. 46 f.
Arbeit zitieren:
Christian Schneider, 2002, Erfolgsfaktoren im Regionalmarketing von Technologieregionen - unter besonderer Berücksichtigung der Technologie Region Ilmenau, München, GRIN Verlag GmbH
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