Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S 4
2. Mediendidaktik S 7
2.1. Literaturdidaktik S 8
2.2. Filmdidaktik S 8
2.3. Didaktischer Begründungszusammenhang S 9
3. Sachanalyse
3.1. Der Autor S 10
3.2. Die Gattung: Der Kriminalroman S 12
3.3. Das Genre: Der Kriminalfilm S 13
3.4. Der Regisseur von Das Versprechen The pledge S 14
3.5. Inhaltsanalyse S 15
3.5.1. Das Buch S 15
3.5.2. Der Film: Es geschah am helllichten Tag S 15
3.5.3. Der Film: Das Versprechen S 16
3.6. Die Erzählperspektive S 17
3.6.1. Das Buch S 17
3.6.2. Der Film: Es geschah am helllichten Tag S 18
3.6.3. Der Film: Das Versprechen S 19
3.7. Der Ermittler S 20
3.7.1. Das Buch S 20
3.7.2. Der Film: Es geschah am helllichten Tag S 20
3.7.3. Der Film: Das Versprechen S 21
3.8. Literarische Stilmittel vs Filmeffekte S 22
3.8.1. Das Buch S 22
3.8.2. Der Film: Es geschah am helllichten Tag S 24
3.8.3. Der Film: Das Versprechen S 24
3.8.3.1. Filmische Stilmittel S 24
3.8.3.2. Ton (Musik und Off-Sprecher) S 25
3.8.3.3. Kamera und Schnitt S 26
3.8.3.4. Licht und Farben S 26
2
4. Didaktische Überlegungen zu Buch und Filmen S 27
4.1. Exemplarische Bedeutung S 27
4.2. Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung S 29
4.3. Zugänglichkeit S 30
5. Methodisch didaktische Überlegungen zum Filmheft S 31
5.1. Einstieg S 32
5.2. Erarbeitung S 33
5.3. Schlussphase S 34
5.4. Exemplarische Filmheftbearbeitung
5.4.1. Überlegungen zum Film S 35
5.4.2. Die Gefühlswelt des Rezipienten S 37
5.4.3. Der Autor Dürrenmatt und sein Werk S 38
5.4.4. Lektürenotizen S 38
5.4.5. Erzählung und Filme im Vergleich S 41
6. Filmheft S 42
7. Schluss S 43
8. Siglenverzeichnis S 44
9. Literaturverzeichnis
9.1. Primärtitel S 44
9.2. Sekundärtitel S 44
10. Internetverzeichnis S 46
3
1. Einleitung
Es ist kein Geheimnis mehr, dass deutsche Schüler immer weniger lesen und ihre Freizeit lieber vor dem Computer oder Fernseher verbringen. Die Jugend, Information (Multi-) Media – Studie (kurz JIM-Studie) aus dem Jahr 2008 hat ergeben, dass 67 % der
Realschüler ein Fernsehgerät besitzen. 1 Betrug die durchschnittliche tägliche Sehdauer der 12 – 19-jährigen im Jahre 1996 unter der Woche noch 98 Minuten 2 , so stieg diese Zahl im Jahr 2006 auf 135 Minuten Sehdauer täglich an Wochentagen. 3 Die Studie ergab im Jahr 2008 zudem, dass 63 % der Jungen und Mädchen ab 12 Jahren täglich fernsehen,
dagegen aber nur 23 % täglich ein Buch lesen. 4 Hildebrand hat in seinem Filmratgeber aus dem Jahre 2001 noch drastischere Ergebnisse veröffentlicht. Demnach fristen Jugendliche rund 15.000 Stunden ihres Lebens in der
Schule, wohingegen sie ca. 18.000 Stunden vor dem Fernseher verbringen. 5 Viele Deutschlehrer sehen es deshalb als ihre Pflicht an, gerade in der Schule auf das Medium Film und Fernsehen zu verzichten und ihre Schüler mit ihnen weniger bekannten oder beliebten Medien zu konfrontieren – dem Buch. Dies ist wohl einer jahrzehntelangen Negierung, wenn nicht sogar Verteufelung von Film und Fernsehen im Unterricht geschuldet. Nicht nur in den Anfängen von Film und Fernsehen wurde dieses Medium als Gefährdung für Kinder und Jugendliche gesehen, wie man in einem Zitat von Uhlshöfer 1958 in einer Ausgabe der Zeitschrift ´Der Deutschunterricht´ erkennen kann, denn Literatur sei „in Bezug auf künstlerischen Wert, Echtheit, Unmittelbarkeit und
Lebenswahrheit weit über den Film zu stellen“. 6 Noch lange Zeit später ist der Film immer noch nicht im Unterricht angekommen, wie beispielsweise ein Zitat aus den Richtlinien Deutsch der Sekundarstufe I NRW 1985 zeigt: „Sieht man nun erneut von anspruchsvollen Jugendbüchern ab, so läßt sich nicht leugnen, daß zumindest die so wichtigen audiovisuellen Texte des Fernsehens und die Trivialliteratur in ihrer dominanten Wirkung auf den Rezipienten eines gemeinsam haben: Sie lähmen seine analytische Aktivität, seine aktive ´Verstehensfähigkeit´, weil ihre
1 http://www.mpfs.de/index.php?id=119/ Stand: 29.12.08 2 http://www.mpfs.de/fileadmin/Einzelstudien/Fernsehen_Sch_ler.pdf/ Stand: 29.12.08 3 http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf06/JIM-Studie_2006.pdf / Stand: 29.01.09 4 http://www.mpfs.de/index.php?id=126 / Stand: 29.01.09 5 Vgl. Zeitlinger, Edith: Unterhaltungsfilme im Unterricht? – Versuch einer Begründung in Theorie und Praxis. In: ide – Film. S. 78.
6 Zit. in: Schörkhuber, Wolfgang: Film im Deutschunterricht – Literaturtransporteur, Filmanalyse oder was?. In: ide – Film. S. 9.
4
Decodierung für den Zuschauer weitgehend automatisiert ist, den präformierten
Erwartungen entsprechend verläuft und mühelos Genuß ermöglicht.“ 7 In den 1960-er Jahren hat man für diese Einstellung gegenüber dem Medium Film sogar einen Begriff geprägt: ´inoculative paradigm´, was soviel bedeutet wie der verderbliche
Einfluss, den die visuellen Medien auf die SchülerInnen ausüben. 8 Ein weiterer Grund für den fehlenden Einsatz von Filmen im Unterricht liegt wohl darin, dass den meisten LehrerInnen oft die nötige Kompetenz im Umgang mit dem Medium Film fehlt. Doch sollten sich die Lehrenden im Klassenzimmer heutzutage wirklich so weit entfernt von der Realität der Lernenden bewegen? Ist es nicht sinnvoller sich den Kindern und Jugendlichen über eine Verknüpfung ihnen bekannter Medien mit dem Unbekannten zu nähern? Die Abneigung gegenüber Film und Fernsehen sollte nicht darin münden, alle Medien, mit denen sich Schüler gerne in ihrer Freizeit beschäftigen, zu verbannen und die Medienerfahrung der Kinder ungenützt zu lassen.
Da jedoch die bloße Filmrezeption alleine nicht ausreicht, um die SchülerInnen im Umgang mit Medien zu schulen, bietet sich die Arbeit mit einem Filmheft an. Zugleich verhilft diese Arbeit, besonders in Verknüpfung mit dem Thema Literaturverfilmungen, sich dem Medium Film zu nähern, ohne dabei zwangsläufig das Medium Buch außer acht zu lassen. Gerade die methodische und rezeptionale Vielfalt durch die Verbindung Buch und Film wird in den sehr heterogen besetzten Klassen immer notwendiger, da ein abwechslungsreicher Unterricht für die Motivation der SchülerInnen förderlich sein kann. Genauso wie die zu vermittelnde Medienkompetenz, die Schüler nur erlangen können,
wenn alle zur Verfügung stehenden Medien zum Einsatz kommen. 9 Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Medien wird daher explizit für den Unterricht
an bayerischen Schulen gefordert. 10 Um einen kleinen Beitrag zur besseren Einbindung der Filmdidaktik in den Deutschunterricht zu leisten, und die Aversion oder auch Angst gegenüber diesem Medium zu verringern, ist das von der Verfasserin entwickelte Filmheft ´Das Versprechen´ daher Gegenstand dieser Zulassungsarbeit sowie die damit verbundene didaktische Auseinandersetzung.
Die Begründung für die Wahl der literarischen Grundlage ´Das Versprechen´ von Friedrich Dürrenmatt folgt im Hauptteil.
7 Zit. in: Tiemann, Hans-Peter: Filme erleben. S. 168.
8 Vgl. Holzmann, Christian: Plädoyer für einen schlechten Film. In: ide – Film. S. 48.
9 Krämer, Felix: SpielFilmSpiel. S. 278 f.
10 Internet: http://www.km.bayern.de/imperia/md/content/pdf/medienerziehung/2.pdf / Stand: 25.01.09
5
Wie schon erläutert, verbindet ein Filmheft die Literatur- mit der Filmdidaktik, deshalb werden in Punkt 2.1. und 2.2. die beiden Begriffe gegenübergestellt und in Punkt 2.3. die Gemeinsamkeiten eruiert. Im Folgenden soll in Anlehnung an die didaktische Analyse Klafkis die Arbeit mit einem Filmheft im Unterricht besprochen werden. Da diese Zulassungsarbeit jedoch nicht den Anspruch einer Unterrichtsvorbereitung erhebt, werden nicht alle Schritte der didaktischen Analyse Klafkis besprochen. Deshalb verzichtet diese Arbeit auch auf eine ausführliche methodische Analyse und beschränkt sich auf einige methodische Überlegungen. Bevor jedoch die methodische Auseinandersetzung mit dem Filmheft ´Das Versprechen´ erfolgt, sind zuvor eine Sachanalyse sowie einige didaktische Überlegungen notwendig. In der Sachanalyse soll das Fachwissen dargestellt werden, das die Lehrkraft für die Unterrichtsstunde benötigt, um eloquent und sicher möglichen Fragestellungen begegnen zu können. Der oder die Lehrende sollte sich demnach vor der Durchführung mit dem darzubietenden Stoff auseinander setzen. Insofern werden zu Anfang Friedrich Dürrenmatt als Autor des Romans sowie Sean Penn als Regisseur der Romanverfilmung vorgestellt. Es folgt die Einordnung der filmischen und literarischen Gattung. Zuletzt werden der Kriminalroman ´Das Versprechen´, die aktualisierte filmische Adaption des Romans ´Das Versprechen´ und der Film ´Es geschah am hellichten Tag´ untersucht und miteinander verglichen. Die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung für die Schüler im Hinblick auf das Thema, sowie die Zugänglichkeit des Themas und die Relevanz für den Lehrplan sollen in den didaktischen Überlegungen ergründet werden. In der methodisch-didaktischen Auseinandersetzung erfolgt dann die Gliederung der Unterrichtsschritte, in Anlehnung an die Dreiteilung von Rupp: Einstieg, Erarbeitung,
Schlussphase. 11 Eine exemplarische Filmheftbearbeitung sowie das Filmheft finden sich am Ende der Arbeit, wobei in der exemplarischen Filmheftbearbeitung auf die Ausführungen der ´kreativen´ Fragen, aufgrund der schwierigen Umsetzung, verzichtet wird.
Das Filmheft enthält Fragen und Erläuterungen zu der amerikanischen Romanverfilmung von Friedrich Dürrenmatts ´Das Versprechen´ aus dem Jahr 2001 sowie zum Roman selbst. Die Filmfassung des amerikanischen Regisseurs Sean Penn steht im Mittelpunkt des Filmhefts. Zwar beziehen sich einige Fragen im Filmheft auch auf die deutsche Filmfassung ´Es geschah am helllichten Tag´, die 1958 von dem Regisseur Ladislao Wechsler gedreht wurde. Sie steht aber nicht im Fokus, da hier der Roman nicht Vorlage der Filmhandlung war, sondern ein von Dürrenmatt schon früher konzipiertes Drehbuch, was sich in grundlegenden Dingen von seinem später verfassten Roman unterscheidet, wie
11 Vgl. Abraham, Ulf: Praxis des Deutschunterrichts. S. 265 f.
6
auch später noch näher erläutert wird. Aus diesem Grund wird der Film mit Heinz Rühmann und Gerd Fröbe im Filmheft auch nur am Rande behandelt.
2. Mediendidaktik
War es in den 1960-er Jahren noch verpönt, Filme in die unterrichtliche Arbeit einzubinden, denn sie galten als zu trivial, als dass sie als anspruchsvolles Medium einen Platz im Klassenzimmer hätten finden können, wandelte sich diese Auffassung langsam mit der literaturdidaktischen Diskussion, die in den 1970-er Jahren aufkam (s. Punkt 3.2.). Doch erst Anfang der 1990-er Jahre, als Film und Fernsehen aus der Welt der Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken waren, ging man dazu über, sich dem Medium Film und Fernsehen immer mehr zu öffnen. Man hatte erkannt, dass Film und Fernsehen zur Lebenswelt der Heranwachsenden gehören und diese Medien deshalb auch Einzug in die Unterrichtswelt finden müssen. Ein schülerzentrierter oder wenigstens schülerbezogener Unterricht kann und sollte deshalb nicht auf deren Einsatz verzichten, denn die Welt der SchülerInnen sollte nicht nur akzeptiert werden, es muss auch darauf reagiert werden. Die Schlussfolgerung muss demnach die Einbindung einer vielseitigen Mediendidaktik in den Deutschunterricht sein. Die Realität muss ins Klassenzimmer gebracht werden, um die Schüler ausreichend für ein zukünftiges Leben vorbereiten zu
können. 12 Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist ein wichtiges Schlagwort der Mediendidaktik die Medienkompetenz. Dieter Baacke formuliert die Aufgabe der Medienkompetenz folgendermaßen: Sie ist „die Fähigkeit, in die Welt aktiv aneignender Weise auch alle Arten von Medien für das Kommunikations- und Handlungsrepertoire von Menschen
einzusetzen.“ 13 Der kompetente und bewusste Umgang mit unterschiedlichen Medien soll den SchülerInnen als Schlüsselkompetenz vermittelt werden. Dabei gilt es, die Kompetenz der Medienkunde, die Nutzungskompetenz, die Kritikkompetenz sowie die
Mediengestaltungskompetenz der Schüler zu entwickeln und/oder zu schulen. 14 Der Umgang mit unterschiedlichen Medien im Unterricht ist daher unerlässlich.
12 Vgl. Lange, Günter: Film und Fernsehspiel im Unterricht. In: Taschenbuch des Deutschunterrichts. Bd. 2.
S. 695 f.
13 Zit. in: Hoffmann, Bernward: Medienpädagogik. S. 31.
14 Lange. S. 703.
7
2.1. Literaturdidaktik Die Schrift lässt uns die Möglichkeit, unsere Phantasie frei zu entfalten. Das Wort alleine gibt uns einen Anstoß und so kann der Leser hinabtauchen in eine Welt, die aus Lettern besteht. Unsere Vorstellungskraft produziert Bilder, die nicht nur visuell, sondern auch akustisch, taktil und olfaktorisch erlebt werden können. Diese sogenannte literar- ästhetische Erfahrung ist also ein „inneres Erleben von Gedanken, Gefühlen und Sinneseindrücken, wachgerufen durch die produktiv mitschaffende Rezeption von
Dichtung.“ 15 Die Literatur schafft mit Hilfe von „Leerstellen“ die Möglichkeit, dem Leser eine Welt zu eröffnen, die jenseits von den gedruckten Buchstaben der Lektüre erschlossen werden kann. Der Leser kann sich mit Hilfe des Textes in einer selbst geschaffenen Welt verlieren
oder sich fehlende Bausteine sinnbildlich vorstellen. 16 Für Iser stellt sich sogar erst durch die Interaktion des Lesers mit der Lektüre das eigentliche Lesevergnügen ein. 17 Es sollte deshalb nicht darauf verzichtet werden, den SchülerInnen Literatur näher zu bringen. Denn obwohl sich die Leselust in Deutschland seit der Veröffentlichung der PISA-Studie
aus dem Jahr 2000 gesteigert hat 18 , geben immer noch 11 % der Jugendlichen im Alter von 14 – 19 Jahren an, keine Bücher zu lesen. 19 Um möglichst alle Lernenden an Literatur heranzuführen, sollte sie im Unterricht nicht die bloße Klassenlektüre erwarten. Nur durch einen spannenden und unterhaltsamen Zugang hat man die Chance, möglichst viele SchülerInnen zu erreichen.
2.2. Filmdidaktik
Die immer wiederkehrende Kritik an der Filmdidaktik war und ist heute auch noch stellenweise zu finden, dass der Film die Phantasie des Rezipienten nicht anregen kann. Dem Medium Film wird, anders als dem Medium Buch, die Fähigkeit abgesprochen, die eigene Vorstellungswelt des Zuschauers zu aktivieren. So schreibt Iser in seinem Artikel ´Der Lesevorgang´: „Die Romanverfilmung hebt die Kompositionsaktivität der Lektüre auf. Alles kann leibhaftig wahrgenommen werden, ohne dass ich etwas hinzu bringe, geschweige denn mich mit dem Geschehen gegenwärtig machen muß. Deshalb empfinden wir dann auch die optische Genauigkeit des Wahrnehmungsbildes im Gegensatz zur
15 Zit. n.: Köppert, Christine/Spinner, Kaspar H.: Filmdidaktik. Imaginationsorientierte Verfahren zu bewegten Bildern. In: Deubel, Volker/ Kiefer, Klaus H.: MedienBildung im Umbruch Lehren und Lernen im Kontext der Neuen Medien (Hrsg.). Bielefeld 2003, S. 59.
16 Krämer, S. 80 ff.
17 Vgl. Tiemann, S. 76.
18 Vgl. Studie: Lesen in Deutschland 2008. Stiftung Lesen, S. 21, Mainz 2008.
19 Ebd., S. 22.
8
Undeutlichkeit des Vorstellungsbildes nicht als Zuwachs oder gar als Verbesserung,
sondern als Verarmung.“ 20 Doch jeder Mensch, der schon einmal einen Film gesehen hat, weiß, dass es während und nach der Filmrezeption nicht nur bei den Bildern auf der Leinwand bleibt. Wenn nicht schon im Kino- oder Fernsehsessel, produziert er spätestens nach dem Filmerleben in seiner eigenen Gedankenwelt neue Bilder. Dies kann man z.B. gut daran beobachten, dass viele Menschen nachdem sie einen Horrorfilm oder Thriller gesehen haben, automatisch von einem Angstgefühl beschlichen werden, was sie oft bis in die eigenen vier Wände begleitet. Die Phantasie wird also auch bei der Filmrezeption angeregt.
Werden die Medien Film und Fernsehen im Unterricht einbezogen, bietet dies die Möglichkeit, die SchülerInnen während ihrer Rezeption zu begleiten. Die Lernenden werden so nicht mit dem Medium Film alleine gelassen und gerade durch die Begleitung der Lehrkraft kann der reflektierte, sinnvolle und raisonable Umgang mit dem Medium Film entstehen. „Die Lernenden machen die Erfahrung, dass Filmrezeption nichts zu tun haben muss mit automatisierter, stumpfer Wahrnehmung. Ein ästhetischer Umgang mit dem Film kann letztlich sogar über den abgegrenzten künstlerischen Rahmen hinaus für intensivere und differenziertere Alltagswahrnehmung sensibilisieren.“ In diesem Sinne kann die Filmdidaktik einen Beitrag zu einer umfassenden Wahrnehmungsschulung
leisten. 21
2.3. Didaktischer Begründungszusammenhang
Literatur und Film müssen sich nicht ausschließen, haben sie doch einige verbindende Elemente aufzuweisen. Beide Medien transportieren eine Geschichte und gehen eine
Wechselwirkung mit dem Rezipienten ein. 22 Diese kann sogar im selben Dreiaktschema erzählt werden (wie in Punkt 4.1. näher erläutert wird). 23 Auch die Erzählstrukturen, wie auktorialer, personaler und Ich-Erzähler, finden sich nicht nur in der Literatur, sondern auch im Film wieder, was die beiden Medien auch in dieser Hinsicht vergleichbar macht.
24
Der mediendidaktische Unterricht sollte nicht im Spannungsverhältnis zwischen einer
20 Zit. in: Krämer, S. 81.
21 Zit. n.: Köppert, S. 72. ff.
22 Vgl. Zeitlinger, Edith: Unterhaltungsfilme im Unterricht? – Versuch einer Begründung in Theorie und Praxis. In: ide – Film. S. 80.
23 Vgl. Schwarz, Florian: Der Roman „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt und die Filme „Es geschah am hellichten Tag“ (1958) und „The Pledge“ (2001). S. 14 f.
24 Ebd., S. 29 / 32.
9
„Lese- und einer Medienkultur“ gesehen werden, sondern sollte eine Verbindung
zwischen ´neuen´ und ´alten´ Medien schaffen. 25 Eine Möglichkeit mediendidaktischen Literaturunterricht umzusetzen ist die Nutzung des imaginationsorientierten Verfahrens. Das Weiter- und Umschreiben von Einzelepisoden oder dem Schluss, das szenische Spielen zu ausgewählten Buchpassagen, bzw. Filmszenen, das Verfassen von inneren Monologen, das Zeichnen zu Bildsequenzen
u.v.m., können sowohl filmisch, als auch literarisch umgesetzt werden. 26 Gerade in der Arbeit mit einem Filmheft werden imaginationsorientierte Verfahren angewandt und binden so Buch und Film über entsprechende Arbeitsaufträge gleichermaßen ein. Auf spannende, abwechslungsreiche Weise nähern sich die Schüler dem schriftlichen und audiovisuellen Medium. Interessante, aufschlussreiche und herausfordernde Fragen sollen die Schüler dazu ermutigen, den Film nicht nur als reinen Zeitvertreib wahrzunehmen, sondern sich auch kritisch und reflektorisch mit dem
Gesehenen auseinander zu setzen. 27 So gibt das Filmheft Anregungen, wie die Bearbeitung der literarischen, als auch der filmischen Vorlage aussehen kann. Der einzelnen Lehrkraft wird jedoch noch genügend Spielraum zur Interpretation eigener Ideen zur Verfügung gestellt.
Die Rezeption einer Literaturverfilmung kann zudem zu einem besseren Verständnis der literarischen Vorlage dienen oder sogar zu einem ersten Zugang zum Medium Buch
verhelfen, da das Interesse über den Film geweckt werden kann. 28
3. Sachanalyse
3.1. Der Autor
Friedrich Dürrenmatt wurde am 5.Januar 1921 im schweizerischen Konolfingen als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren. Schon als junger Mann fühlte er sich zum Künstler berufen und kündigte seinen Eltern früh an, sich in diesem Metier versuchen zu wollen. Allerdings war er in diesen frühen Jahren noch nicht ausschließlich auf den Beruf des Autors festgelegt, sondern tendierte auch stark zum Beruf des Kunstmalers. Aus jugendlicher Rebellion heraus, um dem konservativen Elternhaus zu trotzen, schloss sich Dürrenmatt 1938 für kurze Zeit der frontistischen Jugendbewegung in der Schweiz an, die den Nationalsozialismus Hitlers unterstützte. Doch kehrte er Hitler und seinen
25 Vgl. Lange, S. 703.
26 Vgl. Köppert, S. 59 – 61.
27 Rußegger, Arno: Film im Deutschunterricht. In: ide Film, S. 18.
28 Vgl. Lange, S. 706.
10
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Saskya Olympio, 2009, "Das Versprechen" von Friedrich Dürrenmatt , München, GRIN Verlag GmbH
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