Berufliche Weiterbildung als
Bestandteil lebenslangen Lernens.
Bedeutsam, aber nicht ohne Widerstände
Hausarbeit im Rahmen des Abschlusses Bachelor of Arts
im Magisterstudiengang
angefertigt von
Iris Busch
Vorgelegt am 29.04.09
2
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung ... 4
2
Das Konzept des lebenslangen Lernens ... 5
2.1
Definitionen des lebenslangen Lernens... 5
2.2
Konzepte und Programme zum lebenslangen Lernen... 6
3
Die berufliche Weiterbildung als Teil des lebenslangen Lernens... 9
3.1
Gegenstandsbereich der Weiterbildung/der beruflichen Weiterbildung ... 9
3.2
Betriebliche, individuelle und SGB III- geförderte Weiterbildung... 13
3.2.1 Betriebliche Weiterbildung ... 13
3.2.2 Individuelle Weiterbildung... 14
3.2.3 SGB III- geförderte Weiterbildung ... 15
3.3
Bedeutung und Ziele beruflicher Weiterbildung... 15
4
Teilnahme an beruflicher Weiterbildung ... 17
4.1
Weiterbildungsteilname insgesamt und Teilnahme an beruflicher
Weiterbildung 1979-2007... 18
4.2
Weiterbildungsbeteiligung nach Schulabschluss und nach beruflichem
Abschluss 2007... 19
5
Lernwiderstände verstehen- Die subjektwissenschaftliche Perspektive ... 20
5.1
Subjektstandpunkt und Begründungsdiskurs ... 21
5.2
Das Bedingtheitsmodell der traditionellen Psychologie ... 22
5.3
Lernen nach dem subjektwissenschaftlichen Ansatz ... 22
5.4
Lernwiderstände aus subjektwissenschaftlichem Blickwinkel ... 24
5.5
Konsequenzen des subjektwissenschaftlichen Ansatzes für Lernprozesse25
6
Lernwiderstände in der beruflichen Weiterbildung... 27
6.1
Teilnahme und Nicht-Teilnahme an beruflicher Weiterbildung ... 27
6.2
Gering Qualifizierte in der beruflichen Weiterbildung ... 31
7
Resümee ... 34
8
Literaturverzeichnis... 36
9
Anlagen ... 42
3
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Gliederung der Weiterbildung... 11
Abbildung 2 : Definition von Weiterbildung ... 12
Abbildung 3: Durchschnittliche individuelle Kosten beruflicher Weiterbildung pro
Teilnehmendem im Jahr 2002... 14
Abbildung 4: Weiterbildungsteilname insgesamt und Teilnahme an beruflicher
Weiterbildung 1979-2007 ... 18
Abbildung 5: Weiterbildungsbeteiligung nach Schulabschluss 2007 ... 19
Abbildung 6: Weiterbildungsbeteiligung nach beruflichem Abschluss 2007 ... 20
Abbildung 7: Weiterbildungsbarrieren (n=2421) ... 29
Abbildung 8: Einstellungen zur beruflichen Weiterbildung von Teilnehmern und
Nicht-Teilnehmern im Jahr 2002 ... 30
Abbildung 9: Weiterbildungsbeteiligung nach Migrationshintergrund 2007... 44
Abbildung 10: Weiterbildungsbeteiligung nach Geschlecht 2007 ... 44
Abbildung 11: Weiterbildungsbeteiligung nach Altersgruppen 2007... 45
Abbildung 12: Teilnahme an informeller beruflicher Weiterbildung 2007 ... 46
4
1 Einleitung
Im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung heißt es:
,,Der schnelle technologische Fortschritt in der Wissensgesellschaft erfordert es,
berufliche Fähigkeiten und berufliches Wissen auch nach der Erstausbildung zu erhalten,
anzupassen und zu erweitern. Weiterbildung ist mehr als ein Bildungsprinzip.
Lebensbegleitende Weiterbildung sichert Qualifikation und schützt damit vor dem Verlust
des Arbeitsplatzes" (CDU Deutschlands/CSU Landesleitung/SPD Deutschlands, 2005,
43).
Diese Aussage der Bundesregierung erscheint schlüssig, lebenslanges Lernen und
Weiterbildung sind von großer Bedeutung für die Erwerbstätigkeit. Aber lässt sich
auch weiter folgern, dass alle Erwerbstätigen oder erwerbsnahen Personen an
beruflicher Weiterbildung teilnehmen? Und falls nein, warum nicht?
Diesen Fragen soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. Für den
Einstieg in die Thematik wird zunächst das lebenslange Lernen skizziert, um
aufzuzeigen, dass lebenslanges Lernen nicht nur ein Schlagwort ist, sondern
Konzepte dahinter stehen. Im Folgenden wird zunächst der Begriff der
Weiterbildung beleuchtet, um dann zu dem Zweig der beruflichen Weiterbildung
zu kommen, um den Gegenstandsbereich zu verdeutlichen. In dem
Zusammenhang erfolgt auch ein Verweis auf sogenannte Megatrends, die zur
Relevanz des lebenslangen Lernens, insbesondere der beruflichen Weiterbildung
als Teil dessen, beitragen.
Beruflicher Weiterbildung kommt ein hoher Stellenwert zu. Dementsprechend
stellt die vorliegende Arbeit die Frage nach der Teilnahme an beruflicher
Weiterbildung.
Wenn man einerseits die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung zugrunde legt
und andererseits die Teilnehmerquoten betrachtet, wird eine signifikante
Diskrepanz deutlich.
Wie kann das sein? Wie kommt es zu Weiterbildungsabstinenz bzw. zu
Lernwiderständen hinsichtlich der beruflichen Weiterbildung? Bevor dieser
Fragestellung nachgegangen werden kann, ist es sinnvoll, zunächst auf die
subjektwissenschaftliche Konzeption von Klaus Holzkamp einzugehen, da
hierdurch Lernwiderstände erklärbar werden. Darüber hinaus wird vielfach auf die
subjektwissenschaftliche Lerntheorie bei der Auseinandersetzung mit Lernen und
5
Lernwiderständen in der beruflichen Weiterbildung zurückgegriffen, wie in den
darauffolgenden Ausführungen zu Weiterbildungsabstinenz als Lernwiderstand in
der beruflichen Weiterbildung deutlich werden wird. Die Arbeit schließt mit
einem Resümee.
2 Das Konzept des lebenslangen Lernens
Bevor es im nächsten Abschnitt um den Gegenstandsbereich der beruflichen
Weiterbildung geht, wird in diesem Kapitel das Konzept des lebenslangen
Lernens skizziert, in dem die berufliche Weiterbildung ein bedeutendes Element
darstellt. Lebenslanges Lernen wird vielfach sogar als Synonym für
Weiterbildung verwendet. Nach Schiersmann (2007) liegt dies nicht zuletzt daran,
dass insbesondere der Bereich der Weiterbildung das Konzept aufgegriffen hat.
Zu dem wird das Lernen im Kindes- und Jugendalter mit dem Besuch der Schule
als selbstverständlich angesehen. Es ist an dieser Stelle jedoch zu betonen, dass
sich das lebenslange Lernen auf die gesamte Lebensspanne bezieht. Beim
lebenslangen Lernen handelt es sich um ein Konzept, welches intensiver in der
bildungspolitischen als in der wissenschaftlichen Diskussion verortet ist
(Schiersmann, 2007).
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, 2008, 1) drückt die
Bedeutung des lebenslangen Lernens wie folgt aus:
,,Das Lernen im Lebenslauf gehört zu den großen politischen und gesellschaftlichen
Herausforderungen in Deutschland. Die Verwirklichung des Lernens im Lebenslauf ist
entscheidend für die Perspektive des Einzelnen, den Erfolg der Wirtschaft und die
Zukunft der Gesellschaft."
2.1 Definitionen des lebenslangen Lernens
Für das lebenslange Lernen gibt es keine einheitliche Definition. Somit sind
nachfolgende Definitionen Beispiele dafür, was verschiedene Gremien/Autoren
darunter verstehen.
Lebenslanges Lernen ist ,,alles Lernen während des gesamten Lebens, das der
Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen dient und im Rahmen einer
persönlichen,
bürgergesellschaftlichen,
sozialen,
bzw.
beschäftigungsbezogenen
Perspektive erfolgt" (Europäische Kommission, 2001, 9).
6
Die Bund- Länder- Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung
1
(BLK, 2004, 13) definierte lebenslanges Lernen wie folgt:
,,Lebenslanges Lernen umfasst alles formale, nicht-formale und informelle Lernen an
verschiedenen Lernorten von der frühen Kindheit bis einschließlich der Phase des
Ruhestands. Dabei wird ,,Lernen" verstanden als konstruktives Verarbeiten von
Informationen und Erfahrungen zu Kenntnissen, Einsichten und Kompetenzen."
Für Kraus (2001, 10) handelt es sich beim lebenslangen Lernen um einen
Oberbegriff ,,für all diejenigen Konzepte [...], die explizit und in ihrem Kern die
Unmöglichkeit bzw. Unangemessenheit eines Endpunktes der Lernbemühungen
jedes einzelnen Menschen benennen."
2.2 Konzepte und Programme zum lebenslangen Lernen
Verschiedene internationale Gremien haben sich mit dem lebenslangen Lernen
beschäftigt und Konzepte dazu entwickelt. Hierzu zählen der Europarat
2
und die
Europäische Union, die OECD
3
und die UNESCO
4
. Bereits in den 1970er Jahren
wurde das Konzept des lebenslangen Lernens eingehend erörtert. In Deutschland
wurde es seit den 1990er Jahren intensiver diskutiert (Schiersmann, 2007). Das
Jahr 1996 wurde von der EU zum ,,Europäische[n] Jahr des lebensbegleitenden
Lernens"
5
ernannt. Ziel war u.a. die ,,Sensibilisierung der europäischen
Öffentlichkeit für die Bedeutung einer lebenslangen allgemeinen und beruflichen
Bildung" (Europäische Kommission, 1995).
An dieser Stelle soll nicht detailliert auf die einzelnen unterschiedlichen
internationalen Konzepte eingegangen werden, da dies für die Fragestellung der
Arbeit nicht relevant ist. Dennoch soll mit dem Verweis auf die Konzepte und der
Darstellung ihrer gemeinsamen Eckpunkte untermauert werden, dass es sich beim
lebenslangen Lernen nicht nur um eine Phrase handelt, sondern sich
unterschiedliche Gremien intensiv mit der Thematik auseinandersetzen.
1
,,Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK)
hat ihre Tätigkeit zum 31. Dezember 2007 beendet" (BLK, 2008).
2
Literaturangaben zu Veröffentlichungen der verschiedenen Gremien befinden sich in der Anlage
1
3
Organisation for Economic Cooperation and Development
4
United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization
5
,,Beschluß [sic] Nr. 95/2493/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober
1995 über die Veranstaltung eines Europäischen Jahres des lebensbegleitenden Lernens (1996)"
(Europäische Kommission, 1995).
7
Gemeinsame Aspekte der verschiedenen Konzepte zum lebenslangen Lernen:
· Die Begründungen für lebenslanges Lernen stehen im Zusammenhang mit
dem ökonomischen und gesellschaftlichen Wandel (Schiersmann, 2007).
· Das Wesentliche soll im Kindes- und Jugendalter erlernt werden. Hierbei
ist das Erlernen der Lernfähigkeit von großer Bedeutung (Kraus, 2001).
· Das Lernen im Kindes- und Jugendalter ist nicht ausreichend, ein Lernen
über die Lebensspanne wird erforderlich. Dadurch werden wiederum
Neuerungen/Änderungen im Bildungswesen notwendig (Schiersmann,
2007).
· Selbstorganisation/Selbststeuerung der Lernprozesse wird als sehr
bedeutsam angesehen. Sie wir zum ,,zentrale[n] methodische[n] Prinzip"
(Schiersmann, 2007, 70). Damit ändern sich die Aufgaben des Lehrenden
und auch der Lernenden. Der Fokus wird intensiver auf die Lernenden
gerichtet (Kraus, 2001; Schiersmann, 2007).
· ,,Eine Öffnung der Institutionen des Bildungswesens, vor allem der
Schule, wird gefordert. Schließlich lässt sich noch die Tendenz zur
Zerteilung des Wissens in kleinere Einheiten, die zertifiziert und anerkannt
werden, feststellen" (Kraus, 2001,107).
· Bis auf den Ansatz der ,,recurrent education" von der OECD Anfang der
1970er Jahre gehen alle Konzepte davon aus, dass die ,,Trennung
zwischen Lernen und anderen Tätigkeiten - insbesondere Arbeiten -"
aufgehoben wird. ,,Diese Einbeziehung informeller Lernkontexte soll zu
einer allgemeinen Verbreitung des Lernens im Erwachsenenalter
beitragen. Zugleich wird die Verbindung formaler und informeller
Lernprozesse betont" (Schiersmann, 2007, 70).
Sowohl international als auch national gab und gibt es Programme mit dem Ziel,
das lebenslange Lernen zu fördern.
In Deutschland gab es beispielsweise das Modellversuchsprogramm
"Lebenslanges Lernen" der Bund-Länder-Kommission (BLK) mit dem Deutschen
Institut für Erwachsenenbildung als Programmträger vom 01.04.2000-31.03.2005
(BLK, 2006). Zudem hat die BLK 2004 die ,,Strategie für Lebenslanges Lernen in
der Bundesrepublik Deutschland" herausgegeben, in deren Anhang auch
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