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An t-aos òg agus ceòl - Traditionelle Musik in der Rezeption schottischer Jugendlicher

Examensarbeit,  2009, 196 Seiten
Preis: 34,90 EUR (E-Book), 44,90 EUR (Buch)
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Details zum Text

Beschreibung

Archivnummer:
V136399
ISBN (E-Book):
978-3-640-54684-8
ISBN (Buch):
978-3-640-56227-5
DOI:
10.3239/9783640546848

Kategorie:
Examensarbeit
Jahr:
2009
Seiten:
196
Note:
1,2
Sprache:
Deutsch

Schlagworte:

Zusammenfassung / Abstract

Musik existiert niemals für sich allein. Sie wird von Menschen für Menschen gemacht. Dieser Schaffens – und Rezeptionsprozess findet immer in kulturellen,gesellschaftlichen und historischen Zusammenhängen statt. Der Prozess der Musikrezeption und die Herausbildung musikalischer Einstellungen beeinflussen sich gegenseitig und sind ihrerseits das Produkt der musikalischen Sozialisation. Diese vollzieht sich auf verschiedenen Instanzen und wird von einer Reihe von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Sozialstatus und regionaler Herkunft beeinflusst, doch insbesondere der Einfluss regionaler Faktoren auf die Musikrezeption ist bisher noch nicht ausreichend untersucht worden. Die polnische Musikwissenschaftlerin Zofia LISSA weist auf die Bedeutung dieser Faktoren hin. So zeigen nach LISSA verschiedene gesellschaftliche Gruppen einer Nation spezifische rezeptorische Haltungen. An t-aos òg agus ceòl – Jugend und Musik. Diese gälischen Worte erfassen trotz ihrer Kürze das Thema der Arbeit und weisen durch die gewählte Sprache auf die Art der zu untersuchenden Musik hin –die traditionelle Musik Schottlands. Im ersten Kapitel werden zentrale Begriffe definiert und die theoretischen Aspekte jugendlicher Musikrezeption näher beleuchtet. In einem zweiten Kapitel wird die enorme Vielfalt der traditionellen Musik Schottlands vorgestellt. Neben allgemeinen Charakteristika werden vor allem die verschiedenen Stile der Musik in ihrer historischen und gegenwärtigen Ausprägung beschrieben. Das Verhältnis der Schotten zur ihrer musikalischen Tradition und dessen Entwicklung seit Beginn des 20. Jh. ist Gegenstand eines weiteren Kapitels. Dabei steht insbesondere auch die gälische Liedtradition im Fokus. Im darauf folgenden Abschnitt wird, bezugnehmend auf die These Zofia LISSAS, versucht, nachzuweisen, dass in den Regionen der Highlands und Lowlands distinkte Rezeptionsweisen vorherrschen, die gesellschaftlich, sprachlich,wirtschaftlich und historisch begründet sind. Die Existenz und Gestalt dieser unterschiedlichen Rezeptionsweisen sollen im Anschluss durch eine quantitative Befragung unter schottischen Sekundarschülern empirisch nachgewiesen werden. Auch wenn durch die Untersuchung nur ein kleiner Einblick in die Unterrichtspraxis gewonnen werden konnte, ist es anhand der Eindrücke dennoch möglich, Vorschläge für eine verbesserte Didaktik traditioneller Musik im Schulunterricht zu unterbreiten. Diese Anregungen werden in einem abschließenden Kapitel vorgestellt.

Textauszug (computergeneriert)

Seite 2
An t-aos òg agus ceòl ­ traditionelle Musik in der
Rezeption schottischer Jugendlicher
Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt
Gymnasium
vorgelegt von:
Martin Schröder
Rostock, 20. Mai 2009
Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik
Hochschule für Musik und Theater Rostock

Seite 3
I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ................................................................................................... I
Einleitung ................................................................................................................ S. 3
1.
Theoretische Aspekte zur Musikrezeption Jugendlicher .................... S. 8
1.1
Funktion und Bedeutung von Musik für Jugendliche und junge
Erwachsene ............................................................................................... S. 8
1.2
Zum Begriff der Musikrezeption .............................................................. S. 10
1.3
Musikgeschmack oder Musikpräferenz? .................................................. S. 11
1.4
Musikalische Sozialisation und ihre Einflussfaktoren .............................. S. 13
1.4.1
Begriffsdefinition ...................................................................................... S. 13
1.4.2
Einflussfaktoren auf den Sozialisationsprozess ........................................ S. 15
1.4.3 Sozialisationsinstanzen ............................................................................. S. 19
1.5
Zusammenfassung .................................................................................... S. 22
2.
Die traditionelle Musik Schottlands im Überblick .............................. S. 23
2.1
Zur Problematik einer Definition .............................................................. S. 23
2.2
Allgemeine Merkmale schottischer Musik ............................................... S. 26
2.3
Typische Liedformen und Instrumente ..................................................... S. 28
2.3.1
Die Ballade ............................................................................................... S. 28
2.3.2
Gaelic und Scots Song .............................................................................. S. 31
2.3.3
Clarsach .................................................................................................... S. 36
2.3.4
Fiddle ........................................................................................................ S. 37
2.3.5
Bagpipe ..................................................................................................... S. 41

Seite 4
II
2.4
Zusammenfassung .................................................................................... S. 44
3.
Das Verhältnis der Schotten zur eigenen musikalischen Tradition
und gälischen Kultur im 20. Jahrhundert ............................................ S. 45
3.1
Die Situation zu Beginn des Jahrhunderts ................................................ S. 45
3.2
Das Second Folk Song Revival in Schottland .......................................... S. 46
3.3
Die Entwicklung der traditionellen Musik seit den 1970er Jahren ........... S. 54
3.4
Die Entwicklung der gälischen Liedkultur im 20. Jahrhundert ................ S. 58
3.5
Zusammenfassung .................................................................................... S. 65
4.
Einflussfaktoren auf eine distinkte Rezeption und Pflege der
musikalischen Tradition in den Highlands und Lowlands ................. S. 66
4.1
Die Highland Line .................................................................................... S. 66
4.2
Lebensweise und soziale Strukturen ......................................................... S. 69
4.3
Sprache ..................................................................................................... S. 72
4.4
Infrastruktur .............................................................................................. S. 82
4.5
Industrialisierung ...................................................................................... S. 86
4.6
Historische Ursachen ................................................................................ S. 88
4.6.1
Der Jakobitenaufstand von 1745 .............................................................. S. 88
4.6.2
Die Highland Clearances .......................................................................... S. 90
4.7
Zusammenfassung und Folgerungen ........................................................ S. 91

Seite 5
III
5.
Empirische Untersuchung zum musikalischen Rezeptionsverhalten
schottischer Jugendlicher ......................................................................... S. 96
5.1
Problemstellung und Relevanz der Untersuchung ...................................... S. 96
5.2
Zur Forschungsmethode .............................................................................. S. 97
5.2.1 Vergleich qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden .................. S. 97
5.2.2 Begründung der angewandten Forschungsmethode ................................... S. 99
5.2.3 Beschreibung der Forschungsmethode ....................................................... S. 100
5.3
Datenerhebung ............................................................................................ S. 101
5.3.1 Durchführung der Untersuchung ................................................................ S. 101
5.3.2 Konzeption des Fragebogens ...................................................................... S. 102
5.3.3 Forschungsleitende Fragestellungen ........................................................... S. 104
5.3.4 Arbeitshypothesen ....................................................................................... S. 105
5.3.5 Kriterien für die Auswahl der Stichprobe ................................................... S. 106
5.4
Untersuchungsergebnisse ............................................................................ S. 107
5.4.1 Einstellung
zu
traditioneller Musik ............................................................. S. 109
5.4.2 Einfluss musikalischer Fertigkeiten auf das Präferenzverhalten ................ S. 115
5.4.3 Einfluss der gälischen Sprachkompetenz auf das Präferenzverhalten ........ S. 120
5.4.4 Konsumverhalten ........................................................................................ S. 123
5.4.5 Besuch von Festivals und Konzerten .......................................................... S. 130
5.4.6 Präferierte Stile traditioneller Musik ........................................................... S. 133
5.5
Zusammenfassung ....................................................................................... S. 146
6.
Anregungen für eine verbesserte Didaktik traditioneller Musik im
Schulunterricht .......................................................................................... S. 147
6.1
Historische Entwicklung ............................................................................. S. 147
6.2
Die Situation heute ...................................................................................... S. 150
6.2.1 Probleme ..................................................................................................... S. 150
6.2.2 Mögliche Maßnahmen ................................................................................ S. 152

Seite 6
IV
6.3
Zusammenfassung ....................................................................................... S. 158
7.
Fazit ............................................................................................................ S. 159
8.
Literaturverzeichnis .................................................................................. S. 161
8.1
Primärliteratur ............................................................................................. S. 161
8.2
Sekundärliteratur ......................................................................................... S. 162
8.2.1 Lexika und Bibliographien .......................................................................... S. 162
8.2.2 Monographien und Beiträge in Sammelbänden .......................................... S. 163
8.2.3 Zeitschriftenaufsätze ................................................................................... S. 170
8.2.4 Websites ...................................................................................................... S. 172
8.3
Tonträger ..................................................................................................... S. 174
9.
Abbildungsverzeichnis .............................................................................. S. 175
10.
Diagrammverzeichnis ............................................................................... S. 179
11.
Anhang ....................................................................................................... S. 181

Seite 7
"Thig crioch air an t-saoghal, ach mairidh gaol is ceòl."
"The world will end, but love and music will endure forever."
Gälisches Sprichwort

Seite 8
2
Abb. 1 Karte von Schottland. Die Orte, an denen die Befragung durchgeführt worden ist, sind rot
markiert

Seite 9
3
Einleitung
,,Die Existenz eines Musikwerkes [ist] in der konkreten Wirklichkeit
trotz seiner klanglichen Realisation solange nicht wirklich vollkommen,
bis es zu einem gemeinsamen Empfang des Werkes kommt, der sein
Dasein konstituiert."
1
Étienne
S
OURIAU
Musik existiert niemals für sich allein. Sie wird von Menschen für Menschen gemacht.
Dieser Schaffens ­ und Rezeptionsprozess findet immer in kulturellen,
gesellschaftlichen und historischen Zusammenhängen statt. Komponist bzw. Interpret
und Hörer lassen sich nicht aus diesem Kontext wegdenken.
2
Der Prozess der Musikrezeption und die Herausbildung musikalischer Einstellungen
beeinflussen sich gegenseitig und sind ihrerseits das Produkt der musikalischen
Sozialisation. Diese vollzieht sich auf verschiedenen Instanzen und wird von einer
Reihe von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Sozialstatus und regionaler Herkunft
beeinflusst, doch insbesondere der Einfluss regionaler Faktoren auf die Musikrezeption
ist bisher noch nicht ausreichend untersucht worden.
Die polnische Musikwissenschaftlerin Zofia L
ISSA
weist auf die Bedeutung dieser
Faktoren hin. So zeigen nach L
ISSA
verschiedene gesellschaftliche Gruppen einer
Nation spezifische rezeptorische Haltungen. Die Art der Musikaufnahme sei die Folge
der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kulturtyp.
3
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der eigenen traditionellen Musik in
Schottland. In Deutschland ist subjektiv eine große Vorliebe für Musik zu beobachten,
die an dieser Stelle grob vereinfacht unter dem Namen ,,Celtic Music" zusammengefasst
werden soll. Dazu zählt insbesondere die traditionelle Musik aus Irland und Schottland.
Möglicherweise ist diese Affinität aus der (vermeintlichen) Verbindung von Musik und
Nationalstolz heraus zu erklären, aus der Sehnsucht nach einer einheitlichen nationalen
Musik und dem Bedürfnis, einen Stolz auf ,,Land und Leben" zu entwickeln, der jedoch
nach den Schrecken der NS-Zeit immer einen schalen Beigeschmack haben wird.
4
1
Zitiert nach: L
ISSA
, Zofia: Neue Aufsätze zur Musikästhetik. Wilhelmshaven 1975. S. 111.
2
L
ISSA
, Zofia: Neue Aufsätze zur Musikästhetik. (wie Anm. 1). 132.
3
Ebenda, S. 117.
4
M
URPHY
, Robert: Die Kultur der schottischen Musik. In: S
IEBERS
, Winfried; Z
AGRATZKI
, Uwe [Hsg.]:
Deutsche Schottlandbilder ­ Beiträge zur Kulturgeschichte. Osnabrück 1998. S. 100.

Seite 10
4
Die Schotten selbst besitzen solch einen patriotischen Stolz, der sich nicht zuletzt aus
geschichtlichen Ereignissen speist, einer Geschichte von oft blutigen
Auseinandersetzungen mit dem südlichen Nachbarn England. Doch geht die Liebe zur
schottischen Heimat gleichzeitig auch mit der Rezeption traditioneller Musik einher?
Gibt es innerhalb Schottlands regionale Faktoren und kulturelle Einflüsse, die sich auf
die Musikrezeption auswirken, und können diese empirisch nachgewiesen werden?
Diese und andere Fragen versucht die vorliegende Arbeit zu beantworten. Dafür wurden
gezielt die musikalischen Rezeptionsweisen von Jugendlichen in verschiedenen
Regionen Schottlands untersucht, ist doch die Jugend ein Indikator für den Zustand, in
dem sich die traditionelle Musik Schottlands gegenwärtig befindet.
Diese wird häufig als ,,lebendige Tradition" bezeichnet. Doch ist dies tatsächlich
gerechtfertigt? Lebendig ist eine Tradition nur dann, wenn sie weitergegeben wird ­
entweder schriftlich oder mündlich. Die Jugend nimmt eine Schlüsselposition in diesem
Transmissionsprozess ein. Ihr kommt die Aufgabe zu, musikalische Traditionen auch in
Zukunft zu pflegen. Nimmt sie diese nicht an, wird der Prozess unterbrochen und die
Traditionen laufen Gefahr mit den Generationen der Eltern und Großeltern
auszusterben.
Um den Umgang mit der schottischen Musik in einem größeren Kontext zu betrachten,
wurde bewusst die Rezeption von Sekundarschülern untersucht. Die Schule steht für die
Weitergabe bestimmter Werte und reflektiert ihre Bedeutung innerhalb einer
Gesellschaft. Der Bildungsforscher Hamish M. P
ATERSON
erklärt hierzu:
,,But the ways in which a nation arranges and organises the schooling of
adolescents ­ that is, young people between the ages of 12 and 18,
which is how I define secondary education [...] ­ give perhaps the
clearest indications of these cultural values. Secondary education is also
the clearest institutional embodiment of the inevitable contradictions
and conflicts in that culture [...]"
5
5
P
ATERSON
, Hamish M.: Secondary Education. In: Holmes, Heather [Hsg.]: Scottish Life and Society ­
A Compendium of Scottish Ethnology: Institutions of Scotland ­ Education. East Linton 2000. S. 136.

Seite 11
5
An t-aos òg agus ceòl ­ Jugend und Musik. Diese gälischen Worte erfassen trotz ihrer
Kürze das Thema der Arbeit und weisen durch die gewählte Sprache auf die Art der zu
untersuchenden Musik hin ­ die traditionelle Musik Schottlands.
6
Die Worte Jugend und Musik ihrerseits stehen für ein komplexes Themengebiet, dem
sich zu nähern, sich als nicht ganz leicht herausgestellt hat. Um dennoch einen
möglichst breiten Einblick in die Problematik jugendlicher Musikrezeption in
Schottland geben zu können, wurde sich verschiedener Teilbereiche musikalischer
Forschung bedient, so der systematischen und historischen Musikwissenschaft aber
auch der Musikethnologie und Musikpädagogik. Darüber hinaus wurde zur Erhellung
einzelner Aspekte die Hilfe anderer Wissenschaften wie der Geschichts-, Sprach- und
Sozialwissenschaft in Anspruch genommen.
So werden im ersten Kapitel zentrale Begriffe definiert und die theoretischen Aspekte
jugendlicher Musikrezeption näher beleuchtet. In einem zweiten Kapitel wird die
enorme Vielfalt der traditionellen Musik Schottlands vorgestellt. Neben allgemeinen
Charakteristika werden vor allem die verschiedenen Stile der Musik in ihrer
historischen und gegenwärtigen Ausprägung beschrieben. Das Verhältnis der Schotten
zur ihrer musikalischen Tradition und dessen Entwicklung seit Beginn des 20. Jh. ist
Gegenstand eines weiteren Kapitels. Dabei steht insbesondere auch die gälische
Liedtradition im Fokus. Im darauf folgenden Abschnitt wird, bezugnehmend auf die
These Zofia L
ISSAS
, versucht, nachzuweisen, dass in den Regionen der Highlands und
Lowlands distinkte Rezeptionsweisen vorherrschen, die gesellschaftlich, sprachlich,
wirtschaftlich und historisch begründet sind. Die Existenz und Gestalt dieser
unterschiedlichen Rezeptionsweisen sollen im Anschluss durch eine quantitative
Befragung unter schottischen Sekundarschülern empirisch nachgewiesen werden. Auch
wenn durch die Untersuchung nur ein kleiner Einblick in die Unterrichtspraxis
gewonnen werden konnte, ist es anhand der Eindrücke dennoch möglich, Vorschläge
für eine verbesserte Didaktik traditioneller Musik im Schulunterricht zu unterbreiten.
Diese Anregungen werden in einem abschließenden Kapitel vorgestellt.
Die vorliegende Arbeit steht nicht für sich allein, sondern basiert auf Erkenntnissen
langjähriger nationaler und internationaler Forschungstätigkeit zum musikalischen
Rezeptions- und Präferenzverhalten Jugendlicher. Dieses wird insbesondere durch die
Musikpsychologie und Musiksoziologie untersucht. Die Forschungsliteratur hierzu ist
mannigfaltig und kann an dieser Stelle nur in Auswahl angegeben werden.
6
Wobei sich der Terminus ,,traditionelle Musik" selbstverständlich nicht nur auf die gälischsprachige
Musik bezieht.

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