2
Inhaltsverzeichnis
1 Thematische Einführung 5
2 Die Erschöpfbare ressource Erdöl 7
2.1 Die politische und wirtschaftliche Relevanz des Rohstoffs Öl 7
2.2 Zukünftiges Nullwachstum wegen ausgehender fossiler Brennstoffe? 10
2.2.1 Prognosen über die zukünftigen Erdölbestände 12
3 ÖKONOMISCHE GRUNDLAGEN ERSCHÖPFBARER RESSOURCEN. 15
3.1 Erschöpfbare natürliche Ressourcen 15
3.2 Hotelling. 15
3.3 Roncaglias Alternativen Ansatz zur Analyse von knappen Ressourcen. 20
3.3.1 Roncaglias Kritik. 20
3.3.2 Trilaterales Oligopol. 22
4 Back-Stop-Technologien 31
4.1 Begriffsbestimmung zu Back-Stop-Technologien. 31
4.2 Von der erschöpflichen Ressource zum Back-Stop-Substitut 32
4.3 Begrenzte praktische Anwendung des Models. 34
4.4 Back-Stop-Technologien zwischen Theorie und Praxis 36
4.4.1 Die Solarenergiesysteme als Back-Stop-Ressource 36
4.4.2 Die Windenergie als Back-Stop-Ressource. 37
4.4.3 Die Biomasse als Back-Stop-Ressource. 39
4.4.4 Technische Umsetzbarkeit von Back-Stop-Technologien 42
4.4.5 Back-Stop-Technologien - ein Ersatz für Erdöl? 43
5 Die Klimadebatte 44
5.1 Back-Stop Technologien für den Umweltschutz 44
3
5.2 Auswirkungen des Klimawandels 45
5.3 Konsequenzen einer globalen Erwärmung. 46
5.4 Vorzeichenwechsel im Zuge der Klimadebatte - sind die fossilen
Brennstoffvorr äte jetzt zu groß? 48
5.5 Die Forderung nach einer langsameren Förderung 49
5.5.1 Die Ressourceneigentümer 50
5.5.2 Gesellschaftlicher Zielkonflikt zwischen heutigem und zukünftigem Konsum 51
5.5.3 Der Umweltaspekt 53
5.6 Politische Notwendigkeiten um eine Verlangsamung des Abbaus zu
implementieren.......................................................................................................... 56
5.6.1 Die Deutsche Umweltpolitik fossiler Brennstoffe und ihre Konsequenzen. 57
5.6.2 Möglichkeiten um das Politikproblem zu überwinden. 60
6 Schlussbetrachtung 62
7 Literaturverzeichnis 65
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Herkunft des Deutschen Endenergieverbrauchs
Abbildung 2 Statische Reichweiten der Ressourcenbestände Abbildung 3 Übergang einer erschöpflichen Ressource auf eine Back-Stop-Ressource Abbildung 4 Kilometerreichweite eines Hektars Biotreibstoff Abbildung 5 Prozentualer Biokraftstoffanteil und dafür benötigte prozentuale Ackeranbaufläche
Abbildung 6 Volkswirtschaftlich effizienter Pfad im Vergleich zum Marktergebnis
Symbol- und Abkürzungsverzeichnis
γ
Zinssatz GKBS Grenzkosten Back-Stop-Technologie Pt Preis der erschöpfbaren Ressource Psubst kritischer Preis ab dem Substitute eingeführt werden qt(t) Zeitpfad der Ressourcenausbeutung N Nachfrage BIP Bruttoinlandsprodukt
5
1 THEMATISCHE EINFÜHRUNG
Hintergrund dieser Untersuchung ist die Frage, ob es möglich ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit gleichzeitig steigendem Wohlstand zu erreichen, oder ob diesem natürliche Grenzen durch limitierte Ressourcen gesetzt sind. Während sich in den 70ern die Angst vor einem Wohlstandsrückgang durch Verknappung der Ölressourcen begründete, ist der Fokus der politischen und gesellschaftlichen Diskussion des Wohlstandsrückgangs heute auf die Treibhausgasemissionen, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen, gerichtet. Daher wird in der vorliegenden Arbeit das Thema der knappen Ölressourcen aus unterschiedlichen Perspektiven analysiert und versucht mit Hilfe verschiedener ökonomischer Theorien das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Sichtweisen aufzuarbeiten. Einleuchtend ist, dass nicht erneuerbare Ressourcen wie Öl irgendwann erschöpft sein müssen. Um die Brisanz des Themas erschöpfter Ölressourcen zu verstehen, wird zunächst einleitend die politische und wirtschaftliche Relevanz des Rohstoffs Öl dargestellt und im Anschluss auf die aktuellen Prognosen der statischen Reichweiten fossiler Brennstoffe eingegangen. In der Diskussion um einen Rückgang des Wirtschaftswachstums durch die Verknappung von Ölressourcen bildete die Theorie Hotellings die Basis der Ressourcenökonomik, die sich besonders in den 70er Jahren mit der Verknappung der Ölressourcen auseinandersetzte. Das Grundgerüst der Hotelling-Regel geht von der absoluten Knappheit des Rohstoffs Öl aus und besagt, dass der Preis für eine erschöpfbare Ressource im Zeitablauf mit dem Zinssatz ansteigen muss. Die Theorie Hotellings ist nützlich um durch den Mechanismus der Preisbildung einen durch den Markt bestimmten Abbaupfad zu determinieren. Roncaglia kritisiert die Annahmen der Hotelling-Regel und verweist auf die Bedeutung von technischem Fortschritt und Unsicherheit in diesem Zusammenhang. Basierend auf dem Ausdruck eines „Trilateralen Oligopols“ - das sich aus den ölproduzierenden Ländern, den Ölkonzernen und den ölkonsumierenden Ländern zusammensetzt - hat Roncaglia in seiner Theorie einige grundlegende Faktoren ermittelt, die den Ölmarkt entscheidend bestimmen und aufzeigen, inwiefern diese Faktoren das potentielle Wachstum beeinflussen können. Im langfristigen Zeithorizont sind Alternativen zu fossilen Brennstoffen notwendig, um Wirtschaftswachstum und steigendem Wohlstand zu erreichen.
6
Um in Zukunft den Energiebedarf durch Öl zu decken bedarf es Substitutprodukte, so genannte Back-Stop-Technologien. Konkret ist mit Back-Stop-Technologie ein Verfahren gemeint, dass die erschöpfbare Ressource unmittelbar durch eine nicht erschöpfbare Ressource substituiert. 1 Wann aus ökonomischer Sicht ein Übergang von erschöpflichen Ressourcen zur Back-Stop-Technologie eintritt, wird anhand eines ökonomischen Modells aufgezeigt. Inwiefern diese Back-Stop-Technologien jedoch wirklich als Substitute vorhanden sind bzw. inwiefern diese Technologien eine Lösung zur absoluten Knappheit der Ölressourcen darstellen, wird nach der Darstellung der ökonomischen Theorie in dieser Arbeit untersucht.
Da Back-Stop-Technologien jedoch nicht nur in der Diskussion über die Knappheit des Rohstoffs Öl verwendet werden, sondern auch als eine Möglichkeit zur Minderung des CO 2 -Ausstoßes angesehen werden, ist es sinnvoll die Analyse hinsichtlich der Umwelt-und Klimaproblematik zu erweitern. Um die Notwendigkeit zur Reduzierung des CO 2 -Ausstoßes zu verstehen, gilt es jedoch zunächst mögliche Auswirkungen und Konsequenzen des Klimawandels zu erkennen. An dieser Stelle wird insbesondere Bezug auf Hans-Werner Sinn genommen, der die Forderung einer Verlangsamung der Abbaurate von Erdöl 2 im Zusammenhang von Versorgungsgesichtspunkten zukünftiger Generationen, sowie im Kontext der Gefahren der Treibhauseffekte begründet. Eine Verlangsamung des Abbaus durch eine Verschiebung der Fördermengen in die Zukunft führt unter anderem dazu, dass der Schaden, den die Gesellschaft durch den Temperaturanstieg hat, ebenfalls in die Zukunft verschoben wird. Dies bedeutet, dass durch Erwärmung auftretende Schäden gemindert werden können. Um eine Verlangsamung des Abbaus politisch durchzusetzen, zeigt Sinn diverse Lösungsansätze auf. Für ihn ist von grundlegender Bedeutung, dass fossile Brennstoffe nur zu einem sehr geringen Maß durch regenerative Energien ersetzt werden können und dass durch den Zertifikatehandel und die Umweltpolitik Deutschlands bzw. Europas den Klimaveränderungen nur zu einem gewissen Grad geholfen werden kann.
1 Vgl. Endres/Querner (2000), S.60.
2 Der Begriff Erdöl ist das unverarbeitete Naturprodukt, direkt nach der Extraktion. Als Rohöl wird Öl benannt, welches durch verschiedene Verarbeitungsstufen bereits entgast, entsalzt, entwässert und von
festen Verunreinigungen (z.B. Metalle) getrennt wurde. Der Begriff Mineralöl bezeichnet weiter
verarbeitetes Rohöl, bei dem durch mehrere Trennverfahren, wie beispielsweise Destillation oder
Raffination jeweils bestimmte Bestandteile aufgespalten bzw. abgetrennt wurden. (Vgl. Avia Mineralöl
(2009))
7
Sinn betont, dass durch das Angebot fossiler Brennstoffe der Klimawandel entscheidend bestimmt wird und verweist auf die Notwendigkeit eines weltweiten Zertifikatesystems, sodass eine restriktive Nachfragepolitik, wie sie bereits von einigen Ländern implementiert wurde, auch tatsächlich Wirkung zeigen kann. Zusätzlich bedarf es einer eindeutigen Zuordnung von Eigentumsrechten sowie einer Umgestaltung der Steuerpolitik, um die Ressourceneigentümer von einem vorschnellen Ressourcenabbau abzuhalten und eine Minderung des Klimaeffektes durchzusetzen.
2 DIE ERSCHÖPFBARE RESSOURCE ERDÖL
2.1 Die politische und wirtschaftliche Relevanz des Rohstoffs Öl Die einzigartige Bedeutung des Rohstoffs Öl ist kaum verkennbar. Kein anderer Rohstoff hat solch einen Einfluss auf Politik, Macht und Wirtschaftswachstum. Dabei ist die Geschichte des Ölzeitalters noch jung. Erst 1855 wurde die Petroleumlampe erfunden, während 1909 bereits die industrielle Ölförderung durch den Erwerb der Konzessionen an Ölfeldern in der Golfregion durch den britischen Unternehmer d’Arcy ermöglicht wurde. 3 Innerhalb kurzer Zeit setzte sich der Rohstoff Öl als vorrangige Energiequelle durch. Öl eignet sich insbesondere durch seine hohe Energieintensität als Treibstoff für den Antrieb von Motoren. Yergin konstatiert: „In the twentieth century, oil, supplemented by natural gas, toppled King Coal from his throne as the power source for the industrialized world.” 4 Seit den 50er Jahren erreichte die Ölindustrie eine neue Ära. Der Weltmarkt wurde geprägt von schnellem Wachstum und es folgte ein Aufschwung durch die kommerzielle Nutzung von Öl in den Industriestaaten. Die Nachfrage und damit auch das Konsumniveau stiegen mit einer rasanten Geschwindigkeit an. Noch größer jedoch war der Anstieg der verfügbaren Ölfördermengen. Diese enorme Steigerung an Fördermengen führte letztendlich zu stark fallenden Ölpreisen. Mit dem Ziel den Ölpreis wieder zu stabilisieren, einigten sich 1960 die fünf größten Ölexporteure auf einen Zusammenschluss, der so genannten „Organization of Petroleum Exporting
3 Vgl. Müller/ Hennicke (1995), S.7.
4 Yergin (1990), S.14.
8
Countries“ (kurz OPEC). Zu den fünf Gründungsstaaten gehörten der Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela. Zusammen förderte die OPEC 2008 knapp 40% der nachgewiesenen Ölreserven. Ziel der OPEC war und ist es maximale Ölförderquoten festzulegen, um einem Preisverfall entgegenzuwirken. 5
„Today, we are so dependent on oil, and oil is so embedded in our daily doings, that we hardly stop to comprehend its pervasive significance. It is oil that makes possible where we live, how we live, how we commute to work, how we travel- even where we conduct our courtships.” 7
Aktuelle Messungen bestätigen, dass sich der Mineralölverbrauch noch weiterhin erhöht. 2007 erreichte er einen historischen Höchstwert von circa 3,9 Gt. 8 Wie nachfolgende Abbildung zeigt wurde 38,5% des deutschen Endenergieverbrauchs 2006 aus Mineralöl gewonnen, während Erdgas mit 29,4%, Kohle mit 16,8% und Atomenergie mit 5,3% folgen. Der Rest verteilt sich auf die Nutzung von Wind, Wasser, Biomasse, Solarenergie und anderen erneuerbaren Energien. Dabei entfällt der größte Nutzungsanteil von Mineralöl auf den Kraftstoffmarkt mit 25,5%, gefolgt vom Wärmemarkt mit 12,7% und dem Strommarkt mit 0,3%. 9
5 Vgl. Sinn (2008), S.365f.
6 Vgl. Müller/ Hennicke (1995), S.1.
7 Yergin (1990), S.14.
8 Vgl. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2009b)
9 Vgl. Sinn (2008), S.124.
Abbildung 1: Herkunft des Deutschen Endenergieverbrauchs
Es gibt kaum einen anderen Sektor in dem Politik eine so beachtliche Rolle einnimmt. Dies hat drei Gründe: Zum einen gibt es nur wenige Güter, bei denen die Spanne zwischen Produktionskosten und Konsumentenbereitschaft für das Gut zu zahlen, so groß ist. Zweitens befinden sich die größten Vorkommen an Öl hauptsächlich in gering industrialisierten Ländern und demzufolge dort, wo die Nachfrage nach Öl noch relativ niedrig ist. Gleichzeitig haben industrialisierte Länder wie Deutschland, Japan, Frankreich und Italien eine sehr hohe Ölnachfrage, jedoch kaum bzw. keine eigenen Ölvorkommen. Folglich ist Öl eines der bedeutendsten Handelsgüter der Welt. 10
10 Vgl. Roncaglia (1983), S.2.
10
Ferner zeigten die beiden Golfkriege - mitte der 80er und Anfang der 90er Jahredeutlich die geopolitischen Differenzen um die besonders ergiebigen und einfach zu erschließenden arabischen Ölfelder. Das wirtschaftliche Interesse an der Golfregion lässt sich unmissverständlich darlegen durch ein Zitat von dem US-amerikanischen Verteidigungs- und Energieminister James Schlesinger (1989): „Wer auch immer die Kontrolle über die gewaltigen Energiereserven der Golfregion gewinnt, wird dadurch direkt oder indirekt auch die wirtschaftliche Entwicklung der Welt entscheidend bestimmen (…). Ein dritter Weltkrieg, sollte er stattfinden, würde wahrscheinlich um die Energiequellen in der Golfregion geführt werden.“ 11 Der dritte Grund für den politischen Eingriff in den Ölmarkt ist die aus dem Ölkonsum resultierende Umweltbelastung. Im Zuge der Umweltbewegung wird hauptsächlich das durch die Verbrennung ausgestoßene Kohlenstoffdioxid für eine zunehmende Luftverschmutzung, Sauren Regen, das Ozonloch und die globale Erderwärmung verantwortlich gemacht. Um den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß möglichst gering zu halten und einen schonenden und effizienten Umgang mit Öl zu fördern, sind politische Interventionen und Anreizsysteme gefordert.
2.2 Zukünftiges Nullwachstum wegen ausgehender fossiler Brennstoffe?
Während für die längste Zeit des 20. Jahrhunderts Öl als Symbol für Wirtschaftswachstum und menschlichen Fortschritt stand, wandelte sich seit den 70ern die Betrachtung des Ölzeitalters in eine kritischere Sichtweise. Sowohl politisch als auch ökonomisch wurden die Risiken des Erdöls unter verschiedensten Gesichtspunkten diskutiert. Aus ökonomischer Sicht kam eine Debatte über die Grenzen des Wirtschaftswachstums sowie deren Konsequenzen und dem Umgang mit den ökologischen Schäden auf. Anstoß für die Diskussion gab die Publikation einer Studie über die „Grenzen des Wachstums“ von Meadow u. a. 1972. Diese Studie, veröffentlicht vom Club of Rome, besagt im Wesentlichen, dass die Weltbestände an fossilen Brennstoffen bald erschöpft seien und damit dem Wirtschaftswachstum eine
11 Müller/ Hennicke (1995), S.2.
11
natürliche Grenze gesetzt sei. Meadow untersuchte in diesem Rahmen die verbleibenden Erdölvorkommen und erstellte verschiedene Szenarien. Für den schlechtesten Fall sah Meadow im Jahre 1972 nur noch eine Reichweite von weiteren 10 bis 11 Jahren; demnach hätten sich die Erdölbestände bereits 1984 dem Ende neigen müssen. 12 Meadows Schätzungen basierten jedoch auf Fehlern. In der Untersuchung wurden die bereits bekannten Reserven gleich dem weltweiten Ölvorkommen gesetzt und davon ausgegangen, dass die Ölpreise in Zukunft konstant bleiben würden. Tatsächlich ist jedoch seit dem Beginn der Industrialisierung relativ wenig von den ehemals vorhandenen Ressourcen abgebaut worden. Sinn schreibt in einer aktuellen Untersuchung:
„Bis zum Jahr 2005 hatte die Menschheit erst 23,1% der Kohlenstoffreserven (…) verbraucht. Am größten ist mit 16,3% der verbrauchte Anteil an den Erdölressourcen und am niedrigsten mit 3,4% der verbrauchte Anteil an Kohle. Dazwischen liegt das Erdgas mit einem verbrauchten Anteil von 5,8%.“ 13 Auch wenn sich die eindrucksvolle Warnung von Seiten Meadows als falsch erwiesen hat, führte sie dennoch schon in den 70ern zu einer gesellschaftlichen und politischen Bereitschaft umzudenken. Die Politik errichtete erste Auflagen um eine effizientere Energienutzung durchzusetzen. Es wurde gezielt nach Energiesparmethoden geforscht. In Deutschland wurde auch symbolisch ein Zeichen durch ein sonntägliches Fahrverbot an vier Sonntagen gesetzt.
Durch die fallenden Rohölpreise in den 80ern - die daraus resultierten, dass zum einen die OPEC Mitgliedsstaaten keine Einigkeit finden und deshalb ihre einheitliche Preis-und Förderpolitik nicht durchsetzen konnten und zum anderen zeitgleich eine Vielzahl von neuen Ölquellen erschlossen wurden - schwächte die Aufmerksamkeit der Politik im Hinblick auf Energieeinsparungen und Energieeffizienz wieder ab. Dies führte dazu, dass die Furcht der Industriestaaten vor einem Einbruch ihres Wachstums und materiellen Wohlstands verblasste, da auf der einen Seite die baldige Rohstoffknappheit, wie sie in der Meadow Studie dargestellt wurde widerlegt werden konnte und zum anderen es neue Hoffnungsträger durch Substitut-Technologien gab.
12 Vgl. Becker-Boost/ Fiala (2001), S.224.
13 Sinn (2008), S.351.
12
2.2.1 Prognosen über die zukünftigen Erdölbestände
Auch aktuellere Messungen des Erdölbestandes von 2006 zeigten, dass die Reserven noch weitere 41 Jahre ausreichen. 14 Mit Reserven sind nur jene Bestände gemeint, deren durchschnittliche Förderkosten unter den heutigen Preisen liegen. 15 Wichtiger sind jedoch die Ressourcen. Sie umschließen die Reserven und den Gesamtbestand, der bereits bekannt ist, aber bis jetzt noch nicht exploriert wird. Ressourcen lassen sich in konventionelle und unkonventionelle unterteilen. Unkonventionelle Erdöle wie Schweröl, Schwerstöl, Ölsand oder Ölschiefer werden in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung spielen. 16 Sie erhöhen die Reichweite des Erdölbestandes insgesamt um weitere 140 Jahre. 17 Die wirtschaftliche Umsetzbarkeit wird jedoch in hohem Maße von der Entwicklung des Ölpreises abhängen. Besonders gilt dies für den Ölschiefer, der circa 80% der unkonventionellen Ressourcen ausmacht. Dessen wirtschaftliche Nutzung scheint auf absehbarer Zeit wegen der vergleichsweise hohen Kosten und anstehender Umweltprobleme als kritisch. 18 Die folgende Grafik veranschaulicht noch einmal die statischen Reichweiten der erschöpfbaren Ressourcen zur Herstellung von Energie:
14 Vgl. Sinn (2008), S.306.
15 Vgl. Sinn (2008), S.351.
16 Vgl. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2009a).
17 Vgl. Sinn (2008), S.307.
18 Vgl. Rempel (2006).
Abbildung 2: Statische Reichweiten der Ressourcenbestände
Auch wenn keine Bedrohung durch eine Knappheit in dem Maße bevorsteht, wie sie Meadow einst vorausgesagt hat, ist an der Abbildung dennoch zu erkennen, dass bei Erdöl als erstem Energierohstoff eine physische Verknappung absehbar ist. Die IEA (International Energy Agency) sagt den Höhepunkt der Erdölförderung, den so genannten „depletion mid-point“, zwischen 2010 und 2020 voraus. 19 In der Zeit danach wird die Förderung von Erdöl sukzessiv geringer werden, weil sie im Vergleich zum erzielbaren Erdölpreis immer teurer werden wird. Gründe für die Erhöhung der Kosten sind, dass der Zugang zu Erdöl geologisch und geographisch schwieriger wird und dadurch auch die Transportkosten durch den Bau von aufwendigen Pipelines ansteigen. Politisch unsichere Gebiete, wie viele Gebiete im Nahen Osten, erhöhen ebenfalls das unternehmerische Risiko und dadurch auch die Kosten. Mit zunehmendem Anteil an unkonventionellem Erdöl (wie Ölsand, Ölschiefer,
19 Vgl. Becker-Boost und Fiala (2001), S.226.
14
Schweröl, Schwerstöl) werden in Zukunft die Kosten für die Bereitstellung von Erdöl ebenfalls steigen, da die Verarbeitung aufwendiger ist. Die Angaben der Erdölreserven sind mit Unsicherheit behaftet, da sie durch viele Faktoren beeinflusst werden. Die Höhe der OPEC Reserven wird aus verschiedenen Gründen angezweifelt. Zum einen haben OPEC Staaten einen Anreiz höhere Vorräte zu nennen, da Kredite für die Entwicklung ihrer Ölindustrie von den genannten Reserven abhängen und zum anderen die Förderquoten innerhalb der OPEC von den Vorräten determiniert werden und die einzelnen Mitgliedsländer stets hohe Förderquoten anstreben. 20 Ferner kommen die Ölkonzerne auf einen höheren Marktwert, wenn sie ihre Erdölvorräte höher ansetzen. Dem ist jedoch entgegenzusetzen, dass die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre zeigen, dass Prognosen der Fördermengen von Erdölfeldern auf Basis der ursprünglich ausgewiesenen Reserven oftmals zu niedrig angesetzt wurden. 21 Dies steht auch in Verbindung mit den im Laufe der Zeit verbesserten Fördertechnologien.
Es bleibt festzuhalten, dass in absehbarer Zukunft, Erdöl alleine die erwartete Nachfrage nicht vollständig decken kann. Da eine Umstellung im Energiesektor längere Anpassungsprozesse in der Technologie impliziert, ist es bereits heute notwendig nach Alternativen für Erdöl zu suchen.
20 Vgl. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2007), S.21.
21 Vgl. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2007), S.22.
Arbeit zitieren:
Janina Wagner, 2009, Vorzeichenwechsel im Zuge der Klimadebatte, München, GRIN Verlag GmbH
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