Internetbasiertes Projektmanagement im Bauwesen
Produktanalyse, Auswahl und Implementierung eines internetbasierten Projektmanagementsystems
Diplomarbeit
Universität Stuttgart
Fakultät 1 Architektur und Stadtplanung Institut für Grundlagen der Planung, Prof. Walter Schönwandt
Vorgelegt im WS 2002/2003 von Monika Linder, Matrikelnr.: 1864575
Abbildungsverzeichnis
I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
Glossar V
1. Einleitung 1
1.1 Entwicklungen im Projektmanagement 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 2
2. Grundlagen und Begriffe 6
2.1 Grundlagen des Projektmanagements 6
2.1.1 Projekt 6
2.1.2 Projektmanagement und Projektsteuerung 7
2.1.3 Projektmanagementsoftware 9
2.2 Grundlagen der Internet-Technologie 11
2.2.1 Internet 12
2.2.2 Intranet 13
2.2.3 Extranet 14
3. Projektmanagementsysteme im Internet 16
3.1 Begriffsdefinitionen 16
3.2. Technische Voraussetzungen 17
3.3 Zentrale oder dezentrale Datenhaltung 17
3.4 Mietmodell (Application Service Providing) 18
3.5 Funktionen von IbP-MSystemen 20
3.5.1 Kommunikations- und Informationsaustausch 21
3.5.2 Dokumentenmanagement 22
3.5.3 Planmanagement 23
3.5.4 Betrachtungsprogramme (Viewer) 28
3.5.5 Prozess-Unterstützung (Workflow) 29
4. Marktübersicht und Produktanalyse deutscher Anbieter 30
4.1 Marktentwicklung von 2000 bis 2002 30
4.2 Aktuelle Marktzusammensetzung 34
4.3 Analyse von IbP-MSystemen 36
4.3.1 Baulogis PKMS 37
4.3.2 BGS NETPlan 39
4.3.3 Conetics Projektraum 42
4.3.4 conject Plattform 44
4.3.5 PlanNet 46
4.3.6 projectplace.de 49
4.3.7 ProjectsOnline 51
4.3.8 projectSphere 54
4.3.9 think project 57
Glossar II
5. Auswahl eines IbP-MSystems 60
5.1 Allgemeine Vorgehensweise 60
5.2 Fallstudie zum Auswahlverfahren 61
5.2.1 Firmenprofil 61
5.2.2 IT-Ausstattung 62
5.2.3 Einsatzbereich des IbP-MSystems 63
5.2.4 Erwartungen und Zielsetzungen 63
5.3 Vorauswahl der IbP-MSysteme 65
5.4 Auswahlverfahren 67
5.4.1 Anforderungsprofil 67
5.4.2 Analyse der IbP-MSysteme 69
5.4.2.1 Funktionen der Projekträume 70
5.4.2.2 Allgemeine Eigenschaften der IbP-MSysteme 70
5.4.2.3 Benutzerspezifische Anforderungen 71
5.4.2.4 Kommunikation 72
5.4.2.5 Dokumentenmanagement 73
5.4.2.6 Archiv 74
5.4.2.7 Suchfunktion 74
5.4.2.8 Prozessmanagement 74
5.4.2.9 Terminkalender 75
5.4.2.10 Administration 75
5.4.2.11 Systemtechnische Eigenschaften 76
5.4.2.12 Kundenservice 76
5.4.2.13 Anbieterunternehmen 77
5.4.3 Systempräsentation der Anbieter 77
5.4.3.1 Serviceleistungen 78
5.4.3.2 Sicherheitsaspekte 78
5.4.3.3 Rechtliche Aspekte 79
5.4.3.4 Finanzielle Aspekte 80
5.5 Testphase 81
5.5.1 Testinstallation ausgewählter IbP-MSysteme 81
5.5.2 Befragung von Referenzkunden 83
5.6 Empfehlung 84
6. Implementierung eines IbP-MSystems 86
6.1 Vorgehensweise bei der Implementierung 86
6.2 Beteiligung der Mitarbeiter am Implementierungsprozess 87
6.3 Festlegung der Projektraumstandards 88
6.4 Inbetriebnahme des Projektraums 90
7. Nutzen von internetbasierten Projektmanagementsystemen 92
7.1 Kontrolle und Koordination 93
7.2 Risikominimierung 94
7.3 Zeitersparnis 95
7.4 Kostenersparnis 96
8. Fazit und Ausblick 99
9. Quellenverzeichnis VIII
10. Anhang XVII
Glossar III
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Inhaltlicher Aufbau der Arbeit 4
Abb 2: „Magisches Dreieck“ 6
Abb 3: Erweitertes „magisches Fünfeck“ 7
Abb 4: Definition Projektmanagement 8
Abb 5: Aufgabengebiete der Projektsteuerung 9
Abb 6: Fünf Softwaregruppen für das Projektmanagement 10
Abb 7: Intranet Extranet und Internet 12
Abb 8: Umfrage unter Internetnutzern 13
Abb 9: Intranet Extranet 14
Abb 10: Zentrale Datenhaltung 18
Abb 11: Kommunikationsfluss ohne bzw. mit Webplattform 21
Abb 12: Planlauf Ausführungsplanung 24
Abb 13: Hochladen eines Plans 25
Abb 14: Ablage des Plans 26
Abb 15: Vergleich von Plänen im Viewer 27
Abb 16: Viewerfunktion 28
Abb 17: Anbieter internetbasierter Projekträume Anfang 2000 31
Abb 18: Anbieter internetbasierter Projekträume Mitte 2000 31
Abb 19: Anbieter internetbasierter Projekträume Ende 2000 bis Mitte 2001 32
Abb 20: Anbieter internetbasierter Projekträume Mitte 2001 bis Ende 2001 32
Abb 21: Entwicklungshypothese für 2002 2003 33
Abb 22: Anbieter von internetbasiertem Projektmanagement 35
Abb 23: Aufstellung der Projektanzahl Bausummen und Nutzeranzahl 36
Abb 24: Global- und Modulmenü (Baulogis PKMS) 37
Abb 25: Navigationsmenü 2 Ebene geöffnet 37
Abb 26: Oberfläche BGS NETPlan 40
Abb 27: Dateinamen-Schlüssel BGS NETPlan 41
Abb 28: Dokumentenverwaltung 45
Abb 29: Oberfläche PlanNetBase 47
Abb 30: Startseite Projekt 49
Abb 31: Projekt-Startseite bei ProjectsOnline 52
Abb 32: Schaltflächen projectSphere 54
Abb 33: Datenpool-Bereich von projectSphere 55
Abb 34: Oberfläche von think project 57
Abb 35: Fünf Stufen der Software-Auswahl 60
Abb 36: Erfüllung der K.O Kriterien 66
Abb 37: Anforderungskatalog 68
Abb 38: Abfolge der Mausklicks bei think project 81
Abb 39: Abfolge der Mausklicks bei BGS NETPlan 82
Abb 40: Abfolge der Mausklicks bei PlanNet 82
Abb 41: Aufbau eines IbP-MSystems in einem Unternehmen 86
Abb 42: Zeitverzögerungen bei Maßnahmen der Projektsteuerung 96
Abkürzungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis
ASP Application Service Providing
CAD Computer Aided Design
CD-ROM Compact Disc Read Only Memory
DAT Digital Audio Tape
DMS Dokumenten-Management-System
DSL Digital Subscriber Line
EDM Elektronisches Dokumentenmanagement
EDV Elektronische Datenverarbeitung
E-Mail Electronic Mail
ERP Enterprise Resource Planning
GAEB Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im
Bauwesen
HOAI Honorarordnung für Architekten und Ingenieure
HSCSD High Speed Circuit Switched Data
HTML Hypertext Markup Language
IbPM Internetbasiertes Projektmanagement
IP Internet Protocol
ISDN Integrated Services Digital Network
IT Informationstechnologie
IuK Information und Kommunikation
LAN Local Area Network
MS Microsoft
PDF Portable Document Format
PKS Projektkommunikationssystem
PSP Projektstrukturplan
SMS Short Message Service
SSL Secure Socket Layer
TCP Transmission Control Protocol
TCP/IP Transmission Control Protocol over Internet
Protocol
VPMO Virtual Project Management Office
WAN Wide Area Network
WWW World Wide Web
Glossar
Glossar
Browser
Abgeleitet aus dem Englischen von “to browse” (blättern, schmökern). Bezeichnung für ein Computerprogramm zum Betrachten von Webseiten (vgl. Oebbeke 10.03.2003a).
Customizing
Mit diesem englischen Ausdruck wird die Anpassung eines Software-Programms an die Bedürfnisse eines Kunden bezeichnet.
Download - Upload
Englische Bezeichnung für das (Herunter-) Laden von Daten aus dem Internet auf den eigenen Computer, beziehungsweise vice versa dem (Hinauf-) Laden von Daten in das Internet (vgl. Oebbeke 10.03.2003b).
Firewall
Firewall heißt übersetzt Brandschutzwand. Eine Firewall ist „ein Filter, der das interne Netzwerk vor Schäden und unberechtigten Zugriffen aus dem Internet schützt, aber die volle Ausnützung des Internets gewährleistet.“ (Bartsch-Beuerlein 2001,266)
ISDN - Integrated Services Digital Network
Englische Bezeichnung für ein „digitales Fernsprechnetz, das für normale Telefongespräche, DFÜ, Fax und weitere Dienste (...) konzipiert worden ist. ISDN bietet dabei eine weit höhere Leistungsfähigkeit als das herkömmliche analoge Fernsprechnetz.“ (Bartsch-Beuerlein 2001,268)
LAN - Local Area Network
Abkürzung für ein lokal angelegtes Netzwerk, beispielsweise ein Netzwerk innerhalb eines Unternehmens (vgl. Oebbeke 10.03.2003c).
Login
Login wird im Deutschen auch als „Einloggen“ bezeichnet, darunter versteht man das Anmelden und Authentisieren eines Nutzers in einem Computerprogramm (vgl. Wodecki 19.03.2003). In die „Login“-Maske müssen ein persönliches Benutzer-kennwort und Passwort eingeben werden.
Medienbruch
Ausdruck für den „mit manuellem Aufwand verbundenen Übergang von einem Medium zu einem anderen.“ (Voß 02.04.2003) Damit wird das Auftreten von Nahtstellen bei der Kommunikation bezeichnet.
Glossar
Medienbrüche sind:
„a, Nicht elektronisch – elektronisch (Abtippen, Scannen) b, Elektronisch – nicht elektronisch (Ausdrucken) c, Elektronisch – elektronisch (E-Mail auf Diskette speichern, sowie Übergänge zwischen wenig integrierten Anwendungen, zum Beispiel PDF nach Word)“ (Voß 02.04.2003).
Ein „Portabel Document Format“ ist ein von der Softwarefirma Adobe „definiertes Datei-Format, mit dessen Hilfe Dokumente beliebiger Art (...) plattformübergreifend, elektronisch veröffentlicht werden können.“ (Oebbeke 10.03.2003d) Durch dieses Format bleibt das Layout des Dokuments unverändert, und der Text kann nicht mehr verändert werden.
Provider
„Firma, die den Zugang zum Internet über einen eigenen Internet-Server zur Verfügung stellt.“ (Bartsch-Beuerlein 2001,270)
Redlining
Englischer Fachbegriff für “rot unterstreichen”. Bezeichnung für eine Funktion von Betrachtungsprogrammen. Mit Redlining können Dokumente markiert werden.
Server
Abgeleitet aus dem Englischen “to serve” (dienen, jemanden versorgen). Bezeichnung für einen „zentralen Rechner in einem Netzwerk, der den Arbeitsstationen Daten, Speicher und Ressourcen zur Verfügung stellt. Auf dem Server ist das Netzwerk-Betriebssystem installiert, und vom Server wird das Netzwerk verwaltet.“ (Bartsch-Beuerlein 2001,271)
SSL - Secure Socket Layer
Bezeichnung für eine Technik, mit welcher „ein Web-Client den Server authentifizieren kann und der Datenverkehr zwischen beiden verschlüsselt wird.” (Oebbeke 10.03.2003e)
Unified Messaging Services
„Ein Dienst, der die Möglichkeit bietet, zwischen den einzelnen Medien und Arten der Nachrichten zu wechseln: zum Beispiel E-Mails werden vorgelesen, Fax wird als E-Mail verschickt u.a..“ (Bartsch-Beuerlein 2001,271)
WAN – Wide Area Network
Abkürzung für ein weltumspannendes Netzwerk, Gegenteil eines LAN (vgl. Oebbeke 10.03.2003f).
1. Einleitung 1
1. Einleitung
1.1 Entwicklungen im Projektmanagement
Die Baubranche befindet sich in einer Umstrukturierungs- und Neuorientierungsphase (vgl. Kuhn 2001,30). In den letzten Jahren konnte man auch im Bereich des Projektmanagements zahlreiche Veränderungen beobachten. Projektsteuerungsbüros erweitern oder diversifizieren ihr Leistungsangebot. Durch den Einsatz der neuen Medien werden traditionelle Arbeitsabläufe umstrukturiert und verändert. Die Entwicklungen im Projektmanagement werden von den folgenden Faktoren bewirkt (vgl. Alshawi 25.11.2002).
Die Globalisierung der Märkte und Unternehmen nimmt Einfluss auf zahlreiche Geschäftsprozesse. Durch die neue Konkurrenz aus dem Ausland wird Druck auf die Bauindustrie und Projektsteuerungsgesellschaften ausgeübt. Die Bedeutung von effizientem und internationalem Projektmanagement wächst. Ferner bewirkt die allgemeine Rezession auch in Deutschland eine angespannte Auftragslage und ein daraus resultierendes niedriges Preisniveau.
Der Anspruch der Auftraggeber an Kosten, Termine und Qualitäten wächst gleichzeitig mit der Projektkomplexität. An Projekten arbeiten heute zahlreiche, auf der Welt verteilte, Spezialisten zusammen, deren Kommunikationsfluss ständig aufrecht erhalten werden muss. Bedeutend in diesem Zusammenhang sind multikulturelle Teams und mögliche kulturelle Differenzen (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,15). Durch die neuen Medien und Innovationen im Bereich der Informationstechnologie wird der Zeitdruck verstärkt, denn die neuen Hilfsmittel werden eingesetzt, um die Arbeit zu erleichtern und die Produktivität zu erhöhen. Neue Dienstleistungen wie zum Beispiel Private Finance Initiative (PFI) oder Public Private Partnership (PPP) mit höheren Qualitätsansprüchen und strengen Termin- und Kostenrahmen werden gefordert.
Wichtige Einflussfaktoren auf die Disziplin Projektmanagement sind außer der Globalisierung, die Konzentration in der Weltwirtschaft, die Verbreitung des Einsatzes von Projektmanagement und die Internet-Technologie (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,15). Neben den Veränderungen lassen sich Grenzen der typischen Projektmanagementmethoden erkennen. Eine unzureichende Kommunikation unter den Projektbeteiligten gefährdet die erfolgreiche Steuerung von Projekten. Wenn der Informationsfluss nicht klar strukturiert abläuft, können durch falsche oder verspätete Informationen, Verschiebungen im Terminplan des Projektes entstehen. Konflikte bereitet außerdem die Implementierung von Softwareprodukten in den Projektalltag. Am Markt werden viele Programme für einzelne Teilbereiche des Projektmanagements angeboten, zum Beispiel für die Kostenkontrolle. Die Systeme verfügen aber meistens nicht über die geeigneten Schnittstellen, um Informationen mit Programmen aus anderen Bereichen auszutauschen. Zudem fehlt ein internationaler Standard zum Datenaustausch. Auch innerhalb der Projektsteuerungsunternehmen müssen Abläufe neu strukturiert werden. Standards in der Projektablaufplanung und die Disziplin des Wissensmanagements sind noch nicht stark verbreitet (vgl. Alshawi 25.11.2002).
1. Einleitung 2
Weitere alltägliche Probleme, die Projektmanager aus ihrer Praxis kennen, sind:
„Ein Teilnehmer kommt mit einer Stunde Verspätung zu einer Besprechung. - „FreuenSie sich, dass ich überhaupt komme,“ sagt er dem Projektleiter. „Ich habe von dem Termin erst heute morgen erfahren!“ „Können Sie mir das noch mal zuschicken? Ich hatte das mal, aber ich - findedas nicht mehr wieder.“ (Homberg 2002,9f)
Projektsteuerungsunternehmen, die sich am Markt etablieren beziehungsweise ihre Position stärken möchten, müssen den Wandel der Arbeitsprozesse erkennen und entsprechend agieren. Ein Ansatz zur Lösung dieser Konflikte ist der Einsatz der neuen Medien, beziehungsweise im Speziellen das Arbeiten mit Projektplattformen im Internet.
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Die im ersten Kapitel dargestellten Hintergründe führten dazu, dass sich auch die Baubranche mit dem Medium Internet und seinen Chancen und Risiken befassen musste. Im Rahmen dieser Arbeit soll speziell der Bereich Projektmanagement in Verbindung mit dem Internet kritisch untersucht werden. Innerhalb der letzten fünf Jahre ist die Anzahl der Bauportale und der internetgestützten Managementsoftware stetig gestiegen. Nationale und internationale Anbieter versuchten sich auf dem deutschen Markt zu etablieren und langfristig Kunden zu gewinnen. Doch die hohen Erwartungen, welche die Branche mit diesen neuen Entwicklungen verbunden hat, konnten nicht immer erfolgreich umgesetzt werden (vgl. Angermeier 2001b,1). Häufig wird eine effektive Anwendung der Systeme unter Ausnutzung sämtlicher Vorteile durch Probleme und Verhaltensweisen der Projektbeteiligten verhindert.
Ziel dieser Arbeit ist es, darzustellen, inwieweit das Management von Bauprojekten durch die Anwendung eines internetbasierten Projektmanagementsystems verbessert werden kann. Zudem soll aufgezeigt werden, wie Projektsteuerungsunternehmen bei der Auswahl und Einführung von Projektplattformen vorgehen sollten und welche Entwicklungen bei den Systemen noch zu erwarten und nötig sind.
Nachdem in der Einleitung Entwicklungstendenzen in der Baubranche und Gründe für den Einsatz des Internets im Projektmanagement genannt wurden, werden im zweiten Kapitel grundlegende Begriffe des traditionellen und internetgestützten Projektmanagements erklärt. Diese Definitionen bilden den notwendigen Hinter-grund für das Verständnis dieser Arbeit.
Anschließend folgt in Kapitel 3 eine Einführung in das internetbasierte Projektmanagement. Nach einer Begriffsübersicht, werden die Grundlagen der Systeme erklärt. Im Besonderen werden die unterschiedlichen Arten der Datenhaltung und das in der Branche typische Mietmodell für Projektmanagementsysteme dargestellt.
1. Einleitung 3
Es folgt eine Beschreibung der Grundfunktionen von internetgestützten Managementsystemen, dazu gehören ein Kommunikations- und Informationsmodul, das Dokumenten- und Planmanagement, Betrachtungsprogramme und die Prozessunterstützung.
Im Anschluss wird in Kapitel 4 die Entwicklung des internetgestützten Projektmanagements in Deutschland erläutert. Dabei wird insbesondere auf die Veränderungen der Faktoren Finanzen, Kunden, Interne Prozesse und Innovation durch die Anbieter in den letzten drei Jahren eingegangen. Im Rahmen einer Marktübersicht erfolgt ein Vergleich der aktuellen Projektmanagementsysteme. Die einzelnen Produkte werden gegenübergestellt, und es wird analysiert, worin sich die Systeme unterscheiden und welche Besonderheiten sie aufweisen. Schwerpunkte der Produktanalyse sind der Unternehmenshintergrund des Anbieters, Funktionalitäten des Systems, Schnittstellen zu anderen Programmen, die Datensicherheit, Besonderheiten des Systems und die Nutzungskosten.
Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Auswahl von IbPM-Systemen. Die Auswahl eines internetbasierten Projektkommunikationssystems wird exemplarisch für eine Projektsteuerungsgesellschaft beschrieben. Der Prozess wird von der Grobauswahl einiger Anbieter bis zur engeren Auswahl mittels eines Anforderungskatalogs dargestellt. Zur allgemeinen Vorgehensweise gehören eine Analyse des Unternehmens und seinen Zielsetzungen. Der Einsatzbereich des neuen Projektmanagementwerkzeugs muss festgelegt werden, danach kann durch Gespräche mit den Mitarbeitern ein Kriterienkatalog für die Software entwickelt werden. Die Auswertung des an die Anbieter versandten Anforderungsprofils wird dargestellt, danach folgen Hilfestellungen für Einzelgespräche mit den Anbietern, welche die Entscheidung für ein System herbeiführen sollen.
Kapitel 6 knüpft direkt an die Auswahl eines internetbasierten Projektmanagementsystems an und beschreibt, wie bei der Implementierung und Einführung des Systems vorgegangen werden kann. Besonders beachtet werden muss dabei die Integration der Projektbeteiligten und die Umstrukturierung einzelner Arbeitsschritte parallel zur Festlegung der Projektstandards.
Abschließend werden in Kapitel 7 die sogenannten Vorteile von internetgestützten Projektplattformen auf ihre Umsetzbarkeit in der Praxis überprüft. Die Vorteile wurden vier Erwartungsbereichen der Nutzer zugeordnet, untergliedert wird in: Kontrolle und Koordination, Risikominimierung, Zeitersparnis und Kostenersparnis. Es wird analysiert, ob tatsächliche Verbesserungen auftreten und unter welchen Voraussetzungen sie erfolgen.
Eine Zusammenfassung der aus der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse wird in Kapitel 8 gegeben. Als Abschluss werden weitere Entwicklungstrends beim internetbasierten Projektmanagement und Themen für weiterführende Arbeiten genannt.
2. Grundlagen und Begriffe 6
2. Grundlagen und Begriffe
Dieses Kapitel führt in die Grundlagen des Projektmanagements und der Informationstechnologien ein. Die Aufgaben des Projektmanagements werden erklärt, um in den folgenden Kapiteln die Intension der internetbasierten Projektmanagementsysteme deutlich zu machen.
Anschließend werden als Grundlage für den Aufbau von internetbasierten Platt-formen die Netzarten Internet, Intranet und Extranet erläutert. Dabei werden die wichtigsten Einflussfaktoren für die Inbetriebnahme und Implementierung genannt und die Vor- und Nachteile der Systeme aufgezeigt.
2.1 Grundlagen des Projektmanagements
2.1.1 Projekt
Projekte unterschiedlicher Größenordnungen findet man in vielen Bereichen, nicht nur in der Baubranche, sondern auch in der Forschung und auf dem Gebiet der Softwareentwicklung. In der vorliegenden Arbeit steht der Projektbegriff immer im Zusammenhang mit der Baubranche und wird wie folgt definiert. Nach DIN 69901 ist ein Projekt ein „Vorhaben, das im Wesentlichen durch die Einmaligkeit der Bedingungen in der Gesamtheit gekennzeichnet ist, wie zum Beispiel:
Zielvorgabe - zeitliche,finanzielle, personelle oder andere Begrenzungen - Abgrenzunggegenüber anderen Vorhaben - projektspezifischeOrganisation.“ (Greiner 2000,1) -
WeitereMerkmale eines Projekts sind die thematische Komplexität und die Interdisziplinität (vgl. Greiner 2000,1). Die Risiken, die beim Projektmanagement beachtet werden müssen, werden in einem sogenannten „magischen Dreieck“ dargestellt:
Abb. 2: „Magisches Dreieck“ (eigene Darstellung)
Zielsetzung des Projektmanagements ist das Erreichen des Projektziels mit der geforderten Qualität. Das Projektziel soll innerhalb eines bestimmten Zeitraums er-
2. Grundlagen und Begriffe 7
reicht werden beziehungsweise das Projekt muss am Endtermin abgeschlossen sein. Ein weiteres Risiko sind die Kosten, sie stehen für den Aufwand an Finanzmitteln, Arbeitskraft und weiteren Ressourcen, die eingesetzt werden, um das Ziel zu erreichen. Die Verbindungslinien des Dreiecks stellen Effektivität (Qualität und Zeit), Rentabilität (Qualität und Kosten) und Produktivität (Kosten und Zeit) dar (vgl. Internet 11.03.2003). Die Pfeile zeigen die wechselseitige Beeinflussung der unterschiedlichen Risiken. Aktuellere Überlegungen führten zu einem „magischen Fünfeck“ (s. Abb. 3), in dem zwei Faktoren hinzukommen: Methoden/Tools und Mitarbeiter. Der Einsatz von Projektmanagementmethoden und unterstützenden Werkzeugen hat Einfluss auf die Faktoren Zeit, Kosten und Qualität. Ebenso ist die Mitarbeitermotivation und –qualifikation sowie deren Führung von großer Bedeutung (vgl. Heilmann 2000,19f).
Abb. 3: Erweitertes „magisches Fünfeck“ (Quelle: Heilmann 2000,20 modifiziert)
Am „magischen Fünfeck“ wird ersichtlich, dass der professionelle Einsatz von Projektmanagementwerkzeugen Auswirkungen auf das Projektziel hat. Nicht zu vergessen ist dabei, dass ein Werkzeug aber nur so gut sein kann wie der Anwender, der es bedient. Eine umfassende Schulung aller Projektmitarbeiter hat deshalb höchste Priorität.
2.1.2 Projektmanagement und Projektsteuerung
Die Begriffe Projektmanagement und Projektsteuerung werden häufig synonym gebraucht, sind aber voneinander zu trennen. Projektmanagement umfasst nach DIN 69901 die Gesamtheit aller Führungsaufgaben, „die für die Abwicklung eines Projekts erforderlich sind.“ (Ilieva 08.11.2002) Rinza (1998,3) erklärt Projektmanagement (PM) anhand der Begriffe Projekt und Management:
2. Grundlagen und Begriffe 8
Abb. 4: Definition Projektmanagement (Quelle: Rinza 1998, 3, modifiziert)
Durch Projektmanagement soll gewährleistet werden, dass die festgelegten Ziele unter Einhaltung der terminlichen und finanziellen Rahmenbedingungen erreicht werden. Als wesentliche Elemente des Projektmanagements werden die Projekt-organisation (Aufbau und Ablauf), die Projektlenkung (Planung, Steuerung und Kontrolle), Instrumente (Methoden, Verfahren, Werkzeuge), Führungsfunktionen und Grundsätze bezeichnet (vgl. Wolf 2000,1). Die Funktionen des Projektmanagements sind „Planen, Organisation, Durchführen und Kontrollieren“ (Kyrein 1999,77). In dieser Arbeit werden ausschließlich Instrumente beziehungsweise Werkzeuge des Projektmanagements und ihr Nutzen für die Projektbeteiligten untersucht. Kapitel 3.2 zeigt, welche der genannten Funktionen von internetbasierten Projektmanagementsystemen unterstützt werden können.
Die Projektsteuerung hingegen beschreibt „Leistungsinhalte und Leistungsabschnitte, die durch das Projektmanagement, d.h. den Projektmanager, umgesetzt werden.“ (vgl. Kyrein 1999,77) Bei der Steuerung von Projekten werden „Auftraggeberfunktionen in organisatorischer, technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht“ (Ilieva 08.11.2002) wahrgenommen. Das Leistungsbild der Projektsteuerung wird in fünf Projektstufen unterteilt:
1. Projektvorbereitung
2. Planung des Projekts
3. Ausführungsvorbereitung des Projekts
4. Ausführung des Projekts
5. Projektabschluss (vgl. AHO 1998,13).
Die Projektstufen sind wiederum in vier Handlungsbereiche gegliedert:
A: Organisation, Information, Koordination und Dokumentation B: Qualitäten und Quantitäten
2. Grundlagen und Begriffe 9
C: Kosten und Finanzierung
D: Termine und Kapazitäten (vgl. AHO 1998,14).
Abbildung 5 zeigt die einzelnen Handlungsbereiche mit den entsprechenden Aufgaben.
Abb. 5: Aufgabengebiete der Projektsteuerung (Quelle: RKW 1998,230)
Aufgabe des Projektmanagers ist es, die Zielkonflikte, die aus dem „magischen Dreieck“ beziehungsweise „Fünfeck“ resultieren, mit einer abgestimmten Projektsteuerung zu lösen.
2.1.3 Projektmanagementsoftware
In den letzten beiden Jahrzehnten wurden für die Projektmanagementbranche zahlreiche Softwareprogramme entwickelt. Zu Beginn wurden damit vor allem die Planung und Kontrolle der Termine und Kosten unterstützt. Abbildung 6 zeigt weitere Anwendungsgebiete für Software im Projektmanagement. Von der Basis der Pyramide bis zur Spitze steigt der Spezialisierungsgrad der Software. Kommunikations- und Informationsanwendungen sind die Basis für die Projektkommunikation. Zu diesem Typ gehören auch die später untersuchten internetbasierten Projektmanagementsysteme. Darauf aufbauend folgt Projektplanungssoftware, mit der Projekte strukturiert geplant und Kosten, Termine und Ressourcen verfolgt werden können. Spezifische funktionale Programme werden in den abgebildeten Bereichen eingesetzt, zum Beispiel bei der Risikoanalyse. Arbeitsplatz-Software ist an jedem Computer im Unternehmen installiert, ein Beispiel ist das Microsoft-Office-Paket. Ein weiterer Softwaretyp für die Projektarbeit sind Fortbildungsprogramme um das Wissen der Projektbeteiligten auszubauen. Die Schulungen und Fortbildungen
2. Grundlagen und Begriffe 10
werden direkt am Computer durchgeführt (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,52f). Welche Softwaretypen in einem Unternehmen zum Einsatz kommen ist abhängig von der Ausrichtung und den Schwerpunkten des Büros, sowie dessen Innovationsbereitschaft.
Abb. 6: Fünf Softwaregruppen für das Projektmanagement (Quelle: Schelle 2001,234 und Dworatschek 1992,30)
Insbesondere bei Begriffen aus dem Softwarebereich und dem Internet gibt es zahlreiche Definitionen. Deshalb werden hier die wichtigsten Begriffe erklärt.
Projektmanagement-Software:
„Als Projektmanagement-Software wird die spezielle Anwendung verstanden, die die Planung und Steuerung der Projekte bezüglich Termine, Kosten und Ressourcen unterstützt. Hierbei wird als Anwender eine Einzelperson betrachtet.“ (Bartsch-Beuerlein 2001,51)
„Klassische“ Funktionen einer Projektmanagement-Software sind:
Projektstruktur- und Projektablaufplanung - Terminplanungund Kontrolle - Kapazitätsplanungund Kontrolle - Kostenplanungund Kontrolle - Cash-Flow-Planung - Aufzeigendes Projektfortschritts -
2. Grundlagen und Begriffe 11
(automatische) Ermittlung des Projektfortschritts - Projektdokumentationund Ergebnisverwaltung - Speichernvon Projektdaten zur späteren Auswertung und Nutzung (vgl. - Bartsch-Beuerlein2001,55)
Projektmanagement-Software wird in vielen Unternehmen bereits in einzelnen Teilbereichen eingesetzt, überwiegend bei der Kosten- und Terminplanung. In den letzten Jahren sind die Hersteller der Programme dazu übergegangen, ihre Software internetfähig zu machen um konkurrenzfähig zu bleiben. Ein Beispiel ist die Anwendung Microsoft Project.
Software für Projektmanagement:
„Als Software für Projektmanagement werden alle Software-Anwendungen ver-standen, die im Rahmen der unterschiedlichen Projektprozesse die Projektarbeit im Allgemeinen unterstützen. Hierbei wird als Anwender das ganze Projektteam betrachtet.“ (Bartsch-Beuerlein 2001,51) Die Software ist in diesem Sinne eine Weiterentwicklung von Projektmanagementprogrammen beziehungsweise eine Kombination mehrerer Programme.
Funktionalitäten, die im Allgemeinen von einer Software für Projektmanagement angeboten werden, sind:
- Zentrale Ablage und Datenverwaltung
- Kommunikationsdienste (zum Beispiel E-Mail-Programm, Unified Messaging Services)
- Suchfunktion
- Terminkalender
- Web-Konferenzen
- Ablauf- oder Prozessmanagement (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,56)
Die Software für Projektmanagement kann im unternehmensinternen Netzwerk installiert sein oder durch das Medium Internet unterstützt werden. Im Rahmen dieser Arbeit werden ausschließlich internetgestützte Softwaresysteme für Projektmanagement untersucht.
2.2 Grundlagen der Internet-Technologie
Zum Themenkomplex Internet gehören die Begriffe Intranet und Extranet. Aus diesem Grund werden im folgenden Abschnitt die Unterschiede der Internet-Technologien erklärt. Abbildung 7 veranschaulicht die Zielgruppen und Einsatzbereiche der einzelnen Netzarten. Über das Medium Internet können Unternehmen mit potenziellen Kunden und Interessenten in Kontakt treten. Das Internet ist offen für alle Anwendergruppen. Die Einsatzmöglichkeiten sind genauso vielfältig wie die Nutzergruppen. Mit Business-to-Business wird die Kommunikation zweier Unterneh-
2. Grundlagen und Begriffe 12
men bezeichnet, Business-to-Consumer beschreibt die Kommunikation zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden. Ein bekanntes Beispiel für eine Business-to-Consumer-Geschäftsform ist das Angebot des Internetversands Amazon (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,81). Die Nutzergruppen werden vom Internet zum Intranet immer eingeschränkter, genauso wie die Geschäftsbeziehungen und Prozesse vertraulicher werden.
Abb. 7: Intranet, Extranet und Internet (Quelle: Bartsch-Beuerlein 2001,77)
2.2.1 Internet
Der Begriff Internet ist eine Abkürzung für „Interconnected Networks“ (vgl. Internet 04.01.2003). Die Definition von Bogaschewsky (1999,52) lautet: „Das Internet kann als ein weltumspannender Verbund von miteinander vernetzten Computern verstanden werden, die das gemeinsame Kommunikationsprotokoll TCP/IP zum Austausch von Daten verwenden.“ Von den Internetnutzern werden die Dienste E-Mail (97,2%), das World Wide Web (95,2%), File Transfer (78,4%) und Newsgroups (40,6%) als die wichtigsten Internet-Dienste eingeschätzt (vgl. Bogaschewsky 1999,25). Durch die Nutzung der Internetdienste können weltweit digitale Dokumente und Nachrichten ausgetauscht werden. Voraussetzung für die Internetnutzung ist eine Schnittstelle zwischen dem Computer und dem Netzwerk des Unternehmens (siehe Glossar LAN oder WAN). Bei der privaten Internetnutzung wird die Verbindung über das Telefonnetz und einen Online-Provider hergestellt. Um Webseiten des Internets betrachten zu können, wird zusätzlich ein Browser benötigt, zum Beispiel der Microsoft Internet Explorer oder der Netscape Navigator. Welchen Einfluss das Internet derzeit auch auf das tägliche Leben nimmt, zeigt die 15. W3B-Umfrage (s. Abb. 8), die vom 07.10.2002 bis 11.11.2002 durchgeführt
2. Grundlagen und Begriffe 13
wurde. Für circa 82% der Befragten hat das Internet und die Nutzung seiner Dienste einen großen Stellenwert im Alltag.
44,6%
Abb. 8: Umfrage unter Internetnutzern (Quelle: Fittkau & Maaß, 11.12.2002)
Aus dieser Statistik geht hervor, dass der Interneteinsatz auch in der Arbeitswelt große Bedeutung haben muss. Neben dem Internet werden in Unternehmen noch zwei weitere Netzwerke eingesetzt: das Intranet und Extranet.
2.2.2 Intranet
Als Intranet wird ein „Informations- und Kommunikationssystem in Unternehmen auf der Basis der Technologie des (öffentlichen, weltweiten) Internet“ bezeichnet. Es ist „ein Internet im Unternehmen“ (vgl. Bogaschewsky 1999,74). Das Intranet ist jedoch durch sogenannte Firewalls vor Übergriffen aus dem Internet geschützt. Voraussetzung für ein Intranet ist ein Local Area Network (LAN). Das ist ein lokal ausgelegtes, unternehmensinternes Netzwerk zur Übertragung von Daten. Die In-formationen und Daten liegen in einem Intranet meistens in Form von HTML-Dokumenten auf Servern. Das HTML-Format ist das am häufigsten genutzte Format zur Darstellung von Dokumenten im Internet. Der Zugriff auf die Informationen und Anwendungen erfolgt über einen Browser (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,77ff). Intranets werden überwiegend für die Verwaltung von innerbetrieblichen Daten genutzt. „Die Haupteinsatzgebiete eines Intranets sind die statische und dynamische Informationsbereitstellung sowie die Zusammenarbeit der Mitarbeiter in Bereichen eines Unternehmens.“ (Bartsch-Beuerlein 2001,78) Einzelne Geschäftsprozesse, sowie der Workflow können durch das System unterstützt werden.
Vorteile eines solchen Netzwerks sind eine verbesserte Kommunikationsfähigkeit im Unternehmen sowie eine benutzerfreundliche Oberfläche, die keine langwierige Einarbeitung verlangt. Um die Vorteile nutzen zu können, sollten die Anwendungen an jedem Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Eine neue Möglichkeit ergibt sich durch Wissensmanagement. In einem Intranet können Wissenspools für die Mitarbeiter angelegt werden, so dass Erfahrungen und Informationen einfacher weitergegeben werden. Ebenso kann die Informationssuche mit Hilfe eines Intranets erleichtert werden (vgl. Bogaschewsky 1999,77). Allgemein ist die folgende Regel zu be-
2. Grundlagen und Begriffe 14
achten: „Je länger ein Intranet statisch ist, desto stärker wird es als uninteressant wahrgenommen und desto weniger wird es genutzt.“ (Koop 2000,54) Für den Erfolg des internen Netzwerks sind also die Mitarbeiter mit ihrem Engagement verant-wortlich. Dies gilt auch für Projektplattformen im Internet.
2.2.3 Extranet
Das nächste größere Netzwerk ist das Extranet. Per Definition ist es die Verbindung von räumlich getrennten Intranets und externen Geschäftspartnern in einem internen Netzwerk (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,80). Die Verbindung der Intranets wird über das öffentliche Internet hergestellt, deshalb sollten Verschlüsselungs- und Authentifizierungstechnologien integriert werden um die notwendige Sicherheit zu gewährleisten (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,80). In Abbildung 9 wird der Unterschied von Intranets und Extranets aufgezeigt.
Abb. 9: Intranet/Extranet (Quelle: Ilieva 2001,48)
In einer Studie aus dem Jahre 2000 wurde festgestellt, dass erst zehn Prozent der Unternehmen in Deutschland Extranets einsetzen. Gründe dafür sind die An-
2. Grundlagen und Begriffe 15
schaffungs- und Implementierungskosten, die Wartung des Systems durch einen Administrator sowie die Datenhaltung und Sicherheitsaspekte (vgl. Ilieva 2001,48). Ein Unternehmen kann per Intranet mit den einzelnen Niederlassungen verbunden sein, die weiteren Geschäftspartner und Lieferanten werden durch das Extranet integriert (s. Abb. 9). So können gleichzeitig Arbeitsabläufe zwischen den unterschiedlichen Beteiligten transparenter gestaltet und besser abgestimmt werden.
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3. Projektmanagementsysteme im Internet
In diesem Kapitel wird die Frage beantwortet: Was ist internetbasiertes Projektmanagement? Außerdem wird dargestellt wo internetgestützte Systeme eingesetzt werden und welche Aufgaben damit bearbeitet werden können. Neben den technischen Voraussetzungen wird genau auf das branchenübliche Mieten von Softwareprogrammen eingegangen. Danach folgt eine Zusammenfassung der Basisfunktionen von IbPM-Systemen, die von den Anbietern zur Verfügung gestellt werden.
3.1 Begriffsdefinitionen
Auf dem Gebiet des internetbasierten Projektmanagements gibt es viele unterschiedliche Bezeichnungen für ähnliche und gleiche Systeme. Dass es noch keine einheitliche Namensgebung gibt, liegt an der Aktualität des Themas, so dass jeder Anbieter seine eigene Definition hat. Die häufigsten Begriffe werden im Folgenden erklärt.
Bauportal/Projektportal:
Seit Ende der 90er Jahre wächst die Anzahl der Bauportale. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, ist unterschiedlich. „Im Baubereich kann unter einem Portal in der Regel eine Plattform verstanden werden, die verschiedenste Arten von Informationen, Software-Produkten oder Dienstleistungen zum Thema Bauen unter einem Dach vereint.“ (Liskien 2001,45) Die einzelnen Anbieter dieser Lösungen haben unterschiedliche Konzepte. Es gibt Handelsplattformen für Baustoffe, Ausschrei-bungsplattformen, sowie Portale mit virtuellen Projekträumen und Plattformen, die versuchen, die gesamte Bandbreite der Bauprozesse abzudecken (vgl. Liskien 2001,45). Ein bekanntes Bauportal ist Baunetz.de, dessen Informationsangebot DIN-Normen, Baurechtsurteile, Fachbeiträge, Auslobungen, Hersteller-Informationen und ähnliches beinhaltet.
Internetbasiertes Projektmanagement:
Mit dem Begriff internetbasiertes Projektmanagement (IbPM) werden Projektkommunikationssysteme (PKS) bezeichnet, die durch eine entsprechende Software für Projektmanagement unterstützt werden, und das Medium Internet zur Unterstützung aller Projektprozesse nutzen. Im Allgemeinen sind die Systeme so aufgebaut, dass die Projektbeteiligten die Möglichkeit haben, alle projektspezifischen Daten auf einem Server im Internet strukturiert abzulegen (vgl. Kuhn 2001,31).
Auf die unterschiedlichen IbPM-Systeme wird in Kapitel 4 näher eingegangen. Schwerpunkte des internetgestützten Projektmanagements sind: Kommunikation, Dokumentenmanagement, Planmanagement, Automatisierung von Vorgängen und Controlling (vgl. Bachmaier 2002a).
3. Projektmanagementsysteme im Internet 17
3.2 Technische Voraussetzungen
Die technischen Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um ein IbPM-System einsetzen zu können, sind gering. Jeder Nutzer benötigt einen Computer mit Internetanbindung und einen Internetbrowser, die meisten Anbieter empfehlen den Microsoft (MS) Internet Explorer ab Version 5.0 oder Netscape Navigator 4.x (vgl. BuildOnline 16.12.2002). Als Betriebssystem kann beispielsweise MS Windows ab Version 95 verwendet werden.
Für die Nutzung einer internetgestützten Plattform ist die Netzanbindung von großer Bedeutung. Wenn längerfristig mit einer Internetplattform gearbeitet werden soll zeigt sich, dass eine permanente Internetverbindung, zum Beispiel eine Standleitung oder ein DSL-Anschluss von großem Vorteil ist. Dabei ist auf die Bandbreite der Anbindung zu achten. „Die Bandbreite ist das Maß für die Übertragungskapazität einer Datenleitung.“ (Bartsch-Beuerlein 2001,85) Die Messeinheit ist Kilobit oder Megabit pro Sekunde (Kbit/s oder Mbit/s). Von den Anbietern werden zum Beispiel eine ISDN-Verbindung mit 64 Kbit/s Übertragungskapazität empfohlen (vgl. Baulogis 2002b). Das Datenvolumen, das in einer Sekunde übertragen werden kann, wird in Kilobyte (KB), Megabyte (MB) oder Gigabyte (GB) angegeben (vgl. Bartsch-Beuerlein 2001,85). Entscheidend ist die Leistungsfähigkeit der Internetverbindung bei der Übertragung von CAD-Daten, Plänen, Sprache und Bildern bei Web-Konferenzen.
3.3 Zentrale oder dezentrale Datenhaltung
Innerhalb eines internetgestützten Projektkommunikationssystems kann der Austausch und die Verwaltung der Projektdaten auf zwei Arten erfolgen, der zentralen oder dezentralen Datenhaltung. Am Markt gibt es Vertreter beider Philosophien, die die jeweiligen Vorteile ihrer Systemarchitektur in den Vordergrund stellen. Bei der zentralen Datenverwaltung werden die Projektdaten auf einem Server des Anbieters gesichert. Die Dokumente und Pläne sind dort abgelegt, aufgelistet und archiviert. Die Projektmitarbeiter können je nach Zugriffsrecht die Dokumente herunterladen. Nach der Bearbeitung des Dokuments wird die aktuelle Version auf dem Server abgelegt. Eine gleichzeitige Datenbearbeitung ist mit diesem System nicht möglich. Ilieva benennt als Vorteil dieser Datenverwaltung die Übersichtlichkeit des Projektgeschehens (vgl. 08.11.2002). Ein Nachteil ist, dass die Daten nur dann abrufbar sind, wenn eine Verbindung zum Netz aufgenommen werden kann. Zeiten hoher Netzbelastung stellen daher ein potenzielles Risiko bezüglich der Erreichbarkeit der Daten dar. Anbieter einer zentralen Datenhaltung ist beispielsweise die Firma Baulogis. Dieses Datenmodell kann als kommunikations-orientiert bezeichnet werden, im Gegensatz zum ablageorientierten, dezentralen System. Wichtig ist, dass die täglichen Arbeitsabläufe durch den Einsatz des Internets nicht gänzlich geändert werden (vgl. Bachmaier 2002a). Die Vorgehensweise beim Verschicken eines Dokuments über die Plattform ist vergleichbar mit dem Ver-sand per Post.
3. Projektmanagementsysteme im Internet 18
Abb. 10: Zentrale Datenhaltung (Quelle: Ilieva 08.11.2002)
In einem dezentralen Modell werden die Daten lokal bei den Projektbeteiligten verwaltet. Der Austausch der Dokumente erfolgt dann über das Internet, die Daten werden in das System eingebracht. Auf diese Weise haben die Projektbeteiligten ständig Zugriff auf die eigenen Daten und können diese ohne Zeitverzögerung bearbeiten. Vor der Einführung eines dezentralen Systems sind aber die Arbeitsprozesse genau abzustimmen, wenn zum Beispiel Beteiligte parallel an einem Dokument arbeiten. Die unterschiedlichen Versionen der Datei müssen danach vom System abgeglichen und kontrolliert werden (vgl. Ilieva 08.11.2002). Mit einem ähnlichen Prinzip arbeitet die Firma WeltWeitBau bei ihrem Programm PlanNet.
3.4 Mietmodell (Application Service Provider)
„Application Service Providing [ASP] ist ein 1999 durch das Internet entstandenes Geschäftsfeld, das die Nutzung von Anwendungsprogrammen via Internet ermöglicht.“ (Oebbeke 20.11.2002) Die Softwarefirmen, die diesen Service anbieten, vermieten ihre Programme gegen eine Gebühr an Kunden. Die Vorgehensweise ist in der Praxis wie folgt: Jeder Anwender hat einen eigenen Zugangscode für die Anmeldung bei seinem Betreiber. Der Anbieter der Mietsoftware stellt das Programm auf einem Server und an einem bestimmten Ort auf einer Festplatte zur Verfügung. Anderen Mitarbeitern können auch Zugriffsrechte für diesen Platz auf der Festplatte gegeben werden (vgl. Henseler 2000,44). Zielgruppe der ASP-Anbieter sind unter anderem kleine und mittelständische Unternehmen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um sich die Programmanwendungen kaufen zu können. Weitere Vorteile der Mietsoftware sind:
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Die Anwender können immer mit der aktuellsten Programmversion - arbeiten.
Die vorhandene EDV-Struktur und Computersysteme können weiterhin - genutztwerden. Da „die Performance im Netz liegt“ (Bartsch-Beuerlein 2001,100), können die Programme auch auf älteren Computern angewendet werden.
Der Kosten- und Zeitaufwand bei der Implementierung eines ASP-basierten - Programmsist geringer als bei gekaufter Software. Es wird kein System-administrator benötigt, da die Installation schnell erfolgt und die Pflege und Handhabung der Anwendungen einfach ist. Bartsch-Beuerlein hält Kosteneinsparungen im IT-Bereich von bis zu 30% für realistisch, weil die Administration entfallen kann (vgl. 2001,100).
Unternehmen können neue Software auf ASP-Basis testen und prüfen, ob - dieProgramme effektiv eingesetzt werden.
Kleinere und mittelständische Unternehmen können mit Hilfe von Mietsoft- - wareihr Leistungsbild erweitern und werden konkurrenzfähiger.
Mit drei Argumenten lassen sich die Vorteile des Application Service Providing zusammenfassen (vgl. Fischbach 1999,409f):
Kostenvorteile: Einsparungen durch Mieten statt Kaufen. Geringere Hardwarekosten und Personalkosten für die Administration des Programms.
Konzentration auf die Kernkompetenzen: Weniger Arbeitspausen, da die Installation mit Hilfe des Internets schneller durchgeführt wird. Die neusten
Updates des Programms werden auf dem Server aktiviert und stören nicht den Arbeitsablauf und die Produktivität. Risikominimierung: Die Kosten für die Mietsoftware und ihre Installation sind genau kalkulierbar und der Kostenrahmen für die Investition ist im
Wesentlichen festgesteckt. In den USA setzten im Jahr 2000 etwa 80% der Unternehmen Mietsoftware ein (vgl. Mummert und Partner 20.11.2002). In Deutschland zögern Firmen noch, ASPbasierte Programme einzusetzen, da viele Kunden Sicherheitsbedenken äußern. Ein weiteres Problem der Provider ist die Konsolidierung des Marktes. Die Marktentwicklungen im Bereich des ASP entsprechen nicht den Erwartungen der Branche. In den letzten Jahren scheiterten viele Anbieter, insbesondere Marktneulinge. Gründe dafür sind die fehlende Kundenorientierung, die hohen Investitionskosten und der große Wettbewerbsdruck. Deshalb entschließen sich viele potenzielle Kunden eher für etablierte, wenn auch teurere Anbieter, als für Start-Up-Unternehmen (vgl. Giga Information Group 20.11.2002).
Bei der Auswahl des Providers muss beachtet werden, dass dieser für den Fall eines Konkurses ein Szenario skizziert, in dem dargelegt wird, was mit den Projektdaten
Arbeit zitieren:
Monika Linder, 2003, Internetbasiertes Projektmanagement im Bauwesen, München, GRIN Verlag GmbH
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