Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Rundfunk im Dritten Reich 3
2.1 Struktur und Programmpolitik 4
2.2 Rundfunk als Propagandainstrument 5
2.3 Rundfunk während des zweiten Weltkriegs 8
3. Rundfunk nach 1945 10
3.1 Neugestaltung der Rundfunkanstalten 11
3.2 Programmgestaltung im amerikanischen Sektor 16
3.3 Propaganda, Entnazifizierung und Umerziehung
im bayerischen Nachkriegsrundfunk der Amerikaner 18
4. Bewusstsein der Deutschen für das Nachkriegsradio 23
4.1 AFN - Unbewusstes Vorbild in Nachkriegsbayern 24
4.2 Von Radio München zum Bayerischen Rundfunk:
deutsches Radio unter amerikanischer Aufsicht
und dessen Rezeption 32
5. Auswertung und Zusammenfassung 36
6. Bibliographie 39
7. Anhang 42
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1. Einleitung
Die deutsche Radiolandschaft ist heute, im Jahr 2007, breit gefächert und vielfältig. Ob nun Informations-, Kultur- oder Hitradio, Radio befriedigt die Interessen aller Hörer. Radiomacher sprechen zum Beispiel von ‚Talk’, ‚AC’ oder auch ‚Hot-AC’ - Formatenfür den Laien eine meist unverständliche Radiosprache. Ob es nun der Anchor, die Jingles oder das Back-timing ist - der Einfluss der englischen Sprache ist unverkennbar. Auch die Prägung der Stationen durch ein vorwiegend englischsprachiges Musikprogramm könnte zum großen Teil dem amerikanischen und teilweise auch britischen Einfluss in der Nachkriegszeit zugeschrieben werden. Mit dem Einmarsch der Amerikaner in Bayern zum Ende des zweiten Weltkriegs wurde in der Radiolandschaft sozusagen ein neues Kapitel aufgeschlagen - der nationalsozialistische Rundfunk und dessen Inhalte wurden zerschlagen, ein neues Radiokonzept für Nachkriegsdeutschland aufgebaut. Maßgeblich beteiligt daran waren in Bayern vor allem die amerikanischen Besatzer, deren Einfluss auf die Kultur und den neuen kulturellen Geist in Nachkriegsbayern unverkennbar ist. Mit dieser Arbeit sollen Ansätze zur Klärung der folgenden Fragen gefunden werden:
• Wie kann man diesen Einfluss am besten beschreiben?
• Was nahmen die Hörer vor den Radiogeräten wahr?
• Kann man diese amerikanischen Spuren noch heute feststellen?
Zunächst möchte ich allerdings anmerken, dass es nur sehr wenige englischsprachige Literatur zu diesem Thema aus der Nachkriegszeit von amerikanischen Quellen gibt, da sich offenbar kaum einer der in Deutschland stationierten Amerikaner die Mühe gemacht hat, Impressionen aus dieser Zeit zu sammeln.
2. Rundfunk im Dritten Reich
Um eine klare Vorstellung von der Wende im Rundfunkwesen der Nachkriegszeit zu bekommen, möchte ich zunächst kurz auf die Darstellungsweise des Rundfunks im Dritten Reich eingehen.
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2.1 Struktur und Programmpolitik
Zur Zeit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 war Rundfunk ein relativ neues Medium. Die Organisation und Verbreitung des Inhalts der Sendungen konnte deshalb auch nicht als selbstverständlich angesehen werden, da teilweise die professionelle Struktur innerhalb der Sender fehlte, andererseits nicht jeder Bürger einen Rundfunkempfänger besaß, da erst 1923 der erste Sender seinen Betrieb aufnahm. 1 Die NSDAP wusste diese neue Technik für ihre Zwecke zu nutzen: die nationalsozialistische Machtergreifung führte zunächst zu einer Gleichschaltung des Rundfunks. Rundfunkkommissar Bredow und viele Mitarbeiter der Weimarer Republik traten zurück und wurden durch Anhänger Hitlers ersetzt. Durch die Machtergreifung übernahmen die Nationalsozialisten 107 Lang- und Mittelwellensender, sowie 23 Kurzwellensender. 2 Unter dem Einfluss der Nazis wurden die regionalen Rundfunkgesellschaften zu abhängigen Filialen des „Reichssenders“ umgewandelt, danach Goebbels
Reichspropagandaministerium unterstellt. 3 Diller stellt die Kontrolle über die Massenmedien so dar:
Dem Rundfunk war dabei die Rolle als "Führungsmittel" der Regierung zugedacht. Deswegen ließ sich Goebbels schon zwei Tage nach seiner Ernennung zum Minister am 16. März die politische, personelle und Programmüberwachung vom Reichsinnenminister übertragen. Die neuen Kompetenzen nutzte er anläßlich der Reichstagseröffnung am 21. März, um den "Tag von Potsdam", an dem in Anwesenheit von Reichspräsident von Hindenburg der neu gewählte Reichstag eröffnet wurde, als großes nationalsozialistisches Propagandaspektakel aufzuziehen und dafür unter seiner Regie den Rundfunk "für ganz Deutschland einzuschalten." 4
Natürlich fand mit der Machtergreifung auch eine totale personelle Umstrukturierung statt. Dies war zunächst für die Nazis wichtig, um die bereits vorhandenen Pläne schrittweise in die Tat umzusetzen. Rundfunkkommissar Bredow und viele Mitarbeiter der Weimarer Republik traten zurück und wurden durch Anhänger Hitlers ersetzt.
1 vgl. Kleinsteuber, Hans J. Rundfunkpolitk in der Bundesrepublik. Der Kampf um die Macht über Hörfunk und Fernsehen. Opladen: Leske Verlag + Budrich GmbH, 1982, S. 22.
2 vgl. Falkenberg, Karin. Radiohören. Zu einer Bewußtseinsgeschichte 1933 bis 1950. Hassfurt; Nürnberg: Hans Falkenberg Verlag/ Institut für Alltagskultur, 2005. S. 55.
3 Kleinsteuber, S. 18.
4 http://www.mediaculture-
online.de/fileadmin/bibliothek/diller_rundfunk45/gez_rundfunkgeschichte_bis45.html. Stand: 2. 3. 2007, Autor: Ansgar Diller
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Da die Nationalsozialisten trotz der aus der »Kampfzeit« stammenden Traktate über den »Neubau des Rundfunks« keine überzeugende Alternative zur bestehenden dezentralen Organisation aufzubieten hatten, versuchten sie, wenigstens auf dem Personalsektor eine kleine Revolution zu veranstalten. Ihr fielen die Direktoren der RRG, die meisten Intendanten der Rundfunkgesellschaften, jüdische, sozialdemokratische und kommunistische Mitarbeiter und überhaupt alle, die ihnen suspekt erschienen, zum Opfer. 5
Auch Goebbels machte vor Einschüchterungen gegenüber den Intendanten der Rundfunkgesellschaften nicht Halt. Auf einer Versammlung im März 1933 stellte er klar:
Wenn Sie uns nicht verstehen können, dann hielte ich es für anständig, wenn Sie von uns gingen…[…] Sie haben doch nun die Aufgabe, … Ihre Funkhäuser zu säubern, aufzuräumen, alles, was nicht hineinpasst, allmählich auszuscheiden, dafür zu sorgen, dass hundertprozentig die ganzen Funkhäuser nun der nationalen Regierung dienen und sich dem Volk verpflichtet fühlen. 6
Den beiden Gesetzen zur Gleichschaltung der Länder vom 31. März und 7. April 1933 folgte am 11. April 1933 das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Da die Rundfunkmitarbeiter dem öffentlichen Dienst gleichgestellt wurden, traf dieses Gesetz auch auf sie zu. Die von Goebbels bereits angedeuteten Säuberungspläne sollten so nachträglich legalisiert werden, Rundfunkangestellte sollten gefügig gemacht werden. Goebbels Umstrukturierungen machten auch auf den Ebenen der Rundfunkgesellschaften keinen Halt, er selbst behielt sich die Ernennung der Intendanten und Sendeleiter vor. 7 Die Einführung des für jeden erschwinglichen Volksempfängers transportierte dann die Weltanschauung der Nationalsozialisten in jedes Wohnzimmer. Die Beherrschung der Rundfunksender war Ziel der NSDAP. Dies machte sich natürlich auch im Programm bemerkbar.
2.2. Rundfunk als Propagandainstrument
Das Programm des Rundfunks nach der Machtübernahme knüpfte zunächst an das aus der Weimarer Republik an. Für Joseph Goebbels war die geistige Mobilmachung eine der Hauptaufgaben des Rundfunks: „Ich halte den Rundfunk für das allermodernste und für
5 Diller, Ansgar. Rundfunkpolitik im Dritten Reich. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1980. S. 108.
6 vgl. Ebd., S. 108.
7 vgl. Ebd., S. 112 f.
5
das allerwichtigste Massenbeeinflussungsinstrument, das es überhaupt gibt.“ 8 Allerdings setzte Goebbels auf eine Umstellung des Programms, die dem Hörer allerdings nicht direkt bewusst war. Falkenberg beschreibt diesen Vorgang in der Übergangszeit zwischen Weimarer Republik und NSDAP Herrschaft:
Die Programme der deutschen Reichssender umfassten zu über 60 Prozent Unterhaltungsmusik, die der Entspannung der Hörer dienen sollte. Unter dem Einfluß von Joseph Goebbels wurde das Musikprogramm zunächst ausgeweitet, und zwar, wie Nanny Drechsler erarbeitete, in einer Form, die den Hörfunk auch denjenigen, die nicht die NSDAP gewählt hatten, schmackhaft machen sollte. 9
Das Ziel der Nationalsozialisten war klar: Unterhaltungsmusik diente der Zerstreuung, sie sollte allerdings auch die Propaganda der NSDAP stützen, sie den Hörern zugänglicher machen. Allerdings nur die durch staatlich „genehmigte“ Musik. Der Kulturwissenschaftler Hermann Glaser beschreibt diese Entwicklung: „Jazz in jeder Form gehörte als ‚Nigger-Jazz’ zur ‚entarteten’ Musik und war jahrelang diffamiert […].“ 10 Im Oktober 1935 verfügte der Chef der Reichsrundfunkgesellschaft, Eugen Hadamovsky, ein generelles Verbot für „Nigger-Jazz“ im gesamten deutschen Rundfunk. Um dem Wunsch nach Tanzmusik nachzukommen und zugleich einer ausländischen Beeinflussung der Musik entgegenzuwirken wurde im Jahr 1941 das „Deutsche Tanz- und Unterhaltungsorchester“ gegründet. So sollte eine Art „deutscher Swing“ entwickelt werden. Radiogeräte in den Wohnungen dienten praktisch zur direkten Teilnahme an der Politik der Nazis. Die Partei fand in allen Wohnzimmern statt, politische Großkundgebungen wurden ab 1933 von allen Reichssendern übertragen. 11 Heute, mit einer gewissen Distanz zur Vergangenheit und der fortgeschrittenen Technisierung der Medien, ist die Rolle des Radios als damals erstes richtiges elektronisches Medium nur schwer darzustellen. Eine politische Rede war nicht nur eine politische Veranstaltung, es war ein emotionales Ereignis. Gerhard Döll, Jahrgang 1926, schildert das Erlebnis Radiohören als einen Zwang: „Da war ja ein nationalsozialistischer Auftrag, dass man Radio hören musste. Wer sich nicht informiert hat, […] wer nicht zugehorcht hat, hat schon schnell als anti-N[ational]-S[ozialistisch] gelten können. Die Reden und
8 Heiber, Helmut (Hg.) Goebbels Reden 1932-1945. Band 1. Düsseldorf, 1971/72, S. 87ff.
9 Falkenberg. S. 58.
10 Glaser, Hermann. Wie Hitler den deutschen Geist zerstörte. Kulturpolitik im Dritten Reich. Hamburg: Ellert & Richter, 2005. S. 210.
11 Falkenberg, S. 59.
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Kundgebungen […] und so, das haben wir alles gehört, das hat man hören müssen.“ 12 Hitler selbst wusste um dieses Phänomen und die Wirkung seiner eigenen Stimme, setzte sie gezielt ein:
Ihr habt einst die Stimme eines Mannes vernommen, und sie schlug an euere Herzen, sie hat euch geweckt, und ihr seid dieser Stimme gefolgt. Ihr seid ihr jahrelang nachgegangen, ohne den Träger der Stimme auch nur gesehen zu haben; ihr habt nur eine Stimme gehört und seid ihr gefolgt. Das ist das Wunder unserer Zeit, das ihr mich gefunden habt unter so vielen Millionen. Und dass ich euch gefunden habe, das ist Deutschlands Glück. 13
Die Übertragung von Großkundgebungen im Gemeinschaftsempfang führte zu einer politischen Gleichschaltung des Hörfunks und einem gemeinsamen Hörerlebnis vor den Empfängern. Um dieses Gemeinschaftsgefühl noch zu stärken, wurden ab 1930 so genannte „Ortsrufanlagen“ installiert, um auch die Menschen, die kein Radio besaßen, zu erreichen. In der NS-Zeit wurden die Ortsrufanlagen genutzt, um die ländliche Bevölkerung ohne Radio akustisch und somit politisch im Griff zu halten. 14 Allein im Jahr der Machtergreifung wurden zum Zweck der politischen Propaganda 50 Reden Hitlers übertragen. Hitlers Reden waren nicht nur schlichte Ansprachen, sie waren für die Hörer am Radio - und natürlich auch die Zuhörer, die anwesend waren - wie ein brillant inszeniertes Theaterstück, das offenbar die Realität widerspiegelte und die Massen in den Bann zog. Falkenberg beschreibt die Faszination des Führers so: „Hitlers Reden regten die Gefühlswelten seiner Zuhörer insbesondere durch ihre Form, aber auch durch ihren Inhalt an, denn nicht nur die Stimme und der Klang, die Hitler in seinen Reden nutzte, wirkten auf die Emotionen der Zuhörer, sondern auch die Botschaften selbst.“ 15 Ob Hitler nun zu vielen Reden zu spät kam, oder auch das Singen der Nationalhymne im Reichstag nach jeder übertragenen Rede - alles diente dem Zweck der nationalsozialistischen Propaganda. Als Mittel zum Zweck dienten so auch die Reden von Joseph Goebbels, die im Rundfunk übertragen wurden. In einer bewusst einfach gehaltenen Sprache teilte der Propagandaminister sich den Zuhörern mit: „Vereinfachung bezieht sich auch hier auf die Reduktion komplexer Sachverhalte, um den Hörern Sinn zu vermitteln, ihnen Orientierung und Sicherheit anzubieten und sie eben dadurch zu manipulieren.“ 16 Zudem blieben vor
12 vgl. Falkenberg, S. 59.
13 nach: Ebd., S. 58. Ursprünglich in: Fest, Joachim C. Hitler. Frankfurt a. M., 1973. S. 706.
14 Falkenberg, S. 60.
15 Ebd., S. 66.
16 Falkenberg, S. 67.
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allem die Reden von Hitler und Goebbels im Gedächtnis von Zeitzeugen. 17 Reichssendeleiter Hadamovsky wurde schnell zur wichtigen Stütze des Propagandaministers. Übertragen wurden Führerkundgebungen, Reichsparteitage und Massenaufmärsche. 18 Die Reichssendeleitung war auch für die Zensur von Inhalten von Rundfunksendungen zuständig:
Auch die Rundfunkabteilung besaß bei diesen Prozeduren durchaus eine Funktion als Koordinationsstelle, die immer dann passiert werden musste, wenn Manuskripte mit Streichungen, Änderungsforderungen oder einem Ablehnungsvermerk über die Reichssendeleitung ihren Weg zurück in die Funkhäuser nahmen. 19
Die Gleichschaltung der einzelnen Funkorgane beeinflusste auch die Nachrichtendienste. Abgesehen von einzelnen lokalen Meldungen mussten sich die Nachrichtensendungen auf Meldungen des „Drahtlosen Dienstes“ verlassen. Dieser wurde bereits im Jahr 1932 der Reichsrundfunkgesellschaft angegliedert. Der Leiter des „Drahtlosen Dienstes“, Hans Fritzsche, bekam zunächst von Goebbels die Aufgabe, die Angelegenheiten der deutschen Nachrichtenagenturen im In- und Ausland neu zu ordnen. Dies bedeutete zugleich eine Aufwertung der gesamten Einrichtung zu einem weiteren wichtigen
Propagandainstrument. 20 Fritzsche setzte durch, „dass die Weitergabe sämtlicher Nachrichten von seiner Dienststelle genehmigt werden musste.“ 21
2.3 Rundfunk während des zweiten Weltkriegs
Die Propaganda der Nazis machte auch zu Beginn des zweiten Weltkriegs keinen Unterschied zwischen Wahrheit und Unwahrheit. Hitler nutzte den Rundfunk unter anderem zur gezielten Desinformation. Als Ende August 1939 der deutsche Rundfunksender Gleiwitz angeblich von polnischen Soldaten überfallen wurde, steckte dahinter ein ausgeklügelter Plan Hitlers. Eigentlich hatte die SS diesen Vorfall inszeniert, damit es so aussah, als hätte Polen die deutsche Reichsgrenze verletzt. Tatsächlich hatten „die Hörer des Senders Gleiwitz am Abend zuvor über ihre Rundfunkgeräte für kurze Zeit deutsch-polnisches Stimmengewirr sowie einige Schüsse vernehmen können. Am folgenden Morgen konnten sie erfahren, dass mit diesem Ereignis der ‚Verteidigungsfall’
17 Falkenberg, S. 68.
18 vgl. Diller, S. 104.
19 Ebd., S. 104.
20 Ebd., S. 105f.
21 Ebd., S. 106.
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eingetreten sei. Diese Inszenierung war Hitlers Vorwand, um Polen zu besetzen.“ 22 Das Radio eignete sich in der damaligen Zeit als beste Möglichkeit, die Neuigkeiten zu verbreiten. Bereits seit 1933 wurden von Deutschland aus Propagandasendungen ins Ausland gesendet. 23
Mit dem Überfall auf Polen änderte sich zugleich die Bedeutung des Radiohörens. Radiohören war nicht mehr nur Unterhaltung. Natürlich war es das seit dem Beginn der Machtergreifung bereits nicht mehr. Allerdings konnte man - sieht man von den propagandistischen Übertragungen der Nazis ab - es in gewisser Art und Weise als Unterhaltung betrachten. Nun wurde das Radio zum Kriegssender und zugleich zur wichtigsten Quelle für Nachrichten. Bereits kurz nach Kriegsbeginn gab es vermehrt Sondermeldungen über den Verlauf des Krieges. Noch wichtiger war allerdings für die Soldaten und Daheimgebliebenen der Verlauf des Krieges und wo sich die Kriegsschauplätze befanden. Karin Falkenberg beschreibt die Prozedur für die Sondermeldungen während des Krieges so:
Die Sondermeldungen mit den Nachrichten über militärische Ereignisse wurden im Hörfunk mit Fanfaren und Trommelwirbel angekündigt. Diese Laute entwickelten sich im Verlauf des Krieges für die Radiohörer zu einem akustischen Chiffre, denn vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda war angeordnet worden, dass die Sondermeldungsfanfaren bei keinem anderen Programm gespielt werden durften. 24
Während des Krieges ließen die Nationalsozialisten nichts aus, um das Volk kriegskonform zu halten. Selbst die Musik wurde den Themen angepasst.
Erfolgsmeldungen vom Seekrieg leitete die Melodie von „Denn wir fahren gegen Engeland“ ein, beim Westfeldzug gegen Frankreich wurde „Es braust ein Ruf wie Donnerhall“ oder „Die Wacht am Rhein“ gespielt, bei Meldungen vom Balkan ertönte „Prinz Eugen, der edle Ritter“ und zum Russlandfeldzug wurde von Franz Liszt „Les Preludes“ abgespielt. 25
Natürlich wurde so auch die Unterhaltung der Soldaten an der Front gewährleistet. Sie sollten durch ein emotionales und unterhaltendes Programm gestärkt werden. „Der
22 Falkenberg, S. 79.
23 Ebd., S. 80.
24 Ebd., S. 80f.
25 Ebd., S. 82.
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Hörfunk, insbesondere das Wunschkonzert für die Wehrmacht, sollte während des Zweiten Weltkriegs eine ‚Brücke zwischen Heimat und Front’ bilden und die Verbindung zwischen beiden festigen.“ 26 Um die eigene Propaganda nicht zu gefährden wurde bereits im Jahr 1937 ein Abhörverbot ausländischer Sender in Deutschland eingeführt. Diller stellt zudem fest:
Der 1. September [1937] brachte zwar das strikte Verbot, ausländische Sender zu empfangen, es war aber nicht der erste Versuch der Nationalsozialisten in dieser Richtung. Bereits die Produktion des Volksempfängers und des Deutschen Kleinempfängers hatte unter diesem Vorzeichen gestanden. Das Fehlen eines Kurzwellenteils an diesen leistungsschwachen Billiggeräten sollte die Bevölkerung zum Abhören hauptsächlich deutscher Sender anhalten. 27
Schließlich könnten die Programme anderer Sender im Ausland eine (Nazi-) Deutschland feindliche Gesinnung haben oder auch die Menschen zum Nachdenken anregen. Um die Bevölkerung abzuschrecken, wurden mehrjährige Zuchthausstrafen verhängt. Man warf dem Angeklagten meist vor, er habe von jüdischen Emigranten inspirierte „hetzerische und verlogene“ Rundfunksendungen abgehört und daraus Schmähschriften gegen den Führer, andere führende Persönlichkeiten des Staates und der Wehrmacht verfasst. 28 Nazideutschland und seine Propaganda gingen gemeinsam unter: Der Selbstmord Hitlers und somit das Ende des Dritten Reiches sind mit einer Propaganda-Lüge im Rundfunk angekündigt worden:
Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, dass unser Führer Adolf Hitler heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzuge gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist. 29
3. Rundfunk nach 1945
Nach dem Krieg mussten die Alliierten eine vollkommen neue Presselandschaft schaffen. Durch die große Zerstörung in Deutschland waren dies beim Hörfunk allerdings überall zunächst Übergangslösungen. Teilweise brachten die Besatzer ihre Sender auch mit nach Deutschland. Für die Neugestaltung des Medienbereiches hatten die Alliierten bereits klare
26 Falkenberg, S. 86.
27 Diller, S. 304.
28 vgl. Diller, S. 308.
29 Knappe, Sven. Adolf Hitler und Joseph Stalin. erschienen in der Reihe: "CD Wissen - Biographien des 20. Jahrhunderts", audio media verlag GmbH München, 2004.
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Ziele ausgearbeitet. Diese sollten unter Aufsicht der Militärregierungen in Betrieb genommen werden und dienten der Information, Unterhaltung und natürlich auch der Umerziehung. In Sachen „Radiohören“ hatten die Deutschen auch viel nachzuholen, schließlich war ihre Radioerfahrung fast schon von Beginn an verfremdet worden, durch die Nationalsozialisten sogar fast zerstört. Die Deutschen mussten zunächst lernen, das Radio als das wahrzunehmen, was es war: Unterhaltung und nicht-manipulierte Information.
3.1 Neugestaltung der Rundfunkanstalten (Ziele)
Zahlreiche Sender und natürlich Rundfunkanstalten wurden durch die Bombardierungen des zweiten Weltkriegs zerstört. Mit dem Kriegsende startete zugleich die Stunde Null der deutschen Presse. Kurz vor Kriegsende hatte das alliierte Oberkommando bereits drei Gesetze erlassen, die besagten, dass zunächst das Reichsvermögen - und auch die Radiosender - beschlagnahmt würde, dass Rundfunksender anzumelden seien und dass es Deutschen untersagt sei, eigene Sender zu betreiben. 30 Hans Bausch beschreibt den Nachkriegszustand:
Außer einigen mehr oder weniger zerstörten Gebäuden und Sendern verbindet den Rundfunk in der Nachkriegszeit nichts mit jenem gigantischen Propagandaapparat eines totalitären Regimes, das jedermann vor Ohren und manchem auch schon vor Augen geführt hatte, wie das relativ junge publizistische Instrument Rundfunk als »Führungsmittel« eines allmächtigen Einparteienstaates zu missbrauchen war. 31
Zudem stellt Bausch auch eine elementare Funktion des Rundfunks in der Nachkriegszeit heraus. Gerade in den ersten Wochen nach Kriegsende war Hörfunk eines der wichtigsten Kommunikationsmittel mit der deutschen Bevölkerung. Die Prägung der westlichen Alliierten im Hörfunkbereich in den Nachkriegsjahren ist schon allein deshalb wichtig, weil erst im Jahr 1955 die Funkhoheit an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben wurde.
Mit diesem Hinweis sei zunächst nur ins Bewusstsein gerufen, dass die westlichen Alliierten ein volles Jahrzehnt lang von ihrer Macht Gebrauch gemacht haben, die
30 vgl. Falkenberg, S. 157.
31 Bausch, Hans. Rundfunkpolitik nach 1945. Erster Teil: 1945-1962. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1980. S. 13.
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rundfunkpolitische Entwicklung der Nachkriegszeit zu prägen, indem sie zunächst ihre Vorstellungen von der Rolle des Rundfunks in einer Demokratie in rund vier Jahrzehnten durchsetzten und dann sechs weitere Jahre darüber wachten, dass die einmal gesetzten rundfunkpolitischen Prinzipien nicht verletzt wurden. 32
Nun stellt sich natürlich die Frage nach dem Konzept der Besatzungsmächte. 33 Während
die Briten sich am Konzept der heimischen BBC orientierten, und versuchten, dieses auf
Deutschland zu übertragen, hatten die Amerikaner ganz andere Vorstellungen für den
Hörfunk in der amerikanischen Zone, so Bausch:
Der neue deutsche Rundfunk sollte jeglichem Regierungseinfluss entzogen sein und dezentralisiert aufgebaut werden. Damit entsprachen sie nicht nur amerikanischem Demokratie-Verständnis, sondern glaubten auch die Gefahr eines zentralistischen, vom Staat gelenkten Rundfunks gebannt zu haben, womit sie zugleich das Kriegsziel »Zerschlagung des Nationalsozialismus« erfüllten. 34
Zugleich setzten die Amerikaner (vorerst) auf ein nicht-kommerzielles Radiosystem, da
dies im zerstörten Nachkriegsdeutschland die einzige Möglichkeit war. Die alliierten Ziele
waren zudem bereits seit 1944 gesteckt. Sie besagten, dass deutsche Sendetätigkeiten
unmittelbar nach der Besetzung verboten werden sollten, um die Sicherheit der alliierten
Streitkräfte zu gewährleisten und um eine weitere Verbreitung des nationalsozialistischen
Gedankenguts zu verhindern, die bestehenden Rundfunkeinrichtungen zu beschlagnahmen
um den Rundfunk für die Mitteilungen der Militärregierung nutzen zu können. Zudem
sollte der Funkbetrieb mittelfristig zurück in die Hände der Deutschen gegeben werden,
natürlich unter Kontrolle der Alliierten. 35 Die Franzosen hingegen setzten auf eine
zentralistische Organisation des Rundfunks in ihrer Zone, die in drei Länder gegliedert
war.
Da der Rundfunk im Bewusstsein der deutschen Beamten nach Kriegsende noch immer
eng mit der Reichspost - die das Sendernetz in der Weimarer Republik aufgebaut hatte - 32 Bausch,S. 17f.
33 Anmerkung: Die generellen Ziele der vier Siegermächte lauteten zusammengefasst: Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Entflechtung der Wirtschaft und Demokratisierung und Umerziehung vgl. Maaßen, Ludwig. Der Kampf um den Rundfunk in Bayern. Rundfunkpolitik in Bayern 1945-1973. Berlin: Verlag Volker Spieß, 1979, S. 10.
34 Bausch, S. 18.
35 vgl. Bolz, Rüdiger. Rundfunk und Literatur unter amerikanischer Kontrolle. Das Programmangebot von Radio München 1945-1949. Wiesbaden: Otto Harrassowitz, 1991. S. 28.
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verbunden war, gab es zunächst Meinungsverschiedenheiten über die künftigen
Regelungen über die Rechte am Rundfunk. Bausch beschreibt diesen Konflikt:
Die Ansprüche und Funkhoheitsbefugnisse der Post bildeten in allen Verhandlungen über Rechtsgrundlagen für die neuen Rundfunkanstalten eine Sperre, die in der amerikanischen Zone erst gelöst wurde, als der amerikanische Militärgouverneur General Lucius D. Clay am 21. November 1947 ein Machtwort sprach und die nunmehr so genannte Deutsche Post von der Beteiligung am Rundfunk ausschloss, mit Ausnahme des Einzugs der Rundfunkgebühr, der Schaltung der Rundfunkleitungen und des Entstörungsdienstes. 36
Das Ziel der Alliierten in Sachen Rundfunk besaß einen elementaren und gemeinsamen
Inhalt: der zukünftige Rundfunk in Deutschland solle nicht mehr zentralisiert sein. Deshalb
sollten viele unabhängige Rundfunkgesellschaften gegründet werden. Schon alleine
deshalb lehnten die Amerikaner eine Beaufsichtigung der neuen deutschen Sender durch
die Postverwaltung ab. Denn wer die Sender in der Hand hatte, würde auch den Rundfunk
beherrschen. Gerade im Hinblick auf den Rundfunk waren die Amerikaner hart in ihrer
Politik. Jeglicher Forderung durch deutsche Politiker wurde mit Ablehnung begegnet. Der
Standpunkt der Briten und Amerikaner wurde Ende Dezember 1947 nochmals bekräftigt,
indem die Besatzungskontrollinstanz nochmals unterstrich, dass Eigentumsrecht und
Kontrolle in der amerikanischen Zone bis auf Länderebene zu dezentralisieren seien. Somit
durfte die Kontrolle über den Rundfunk nicht auf Länderebene ausgeübt werden, vielmehr
sollte eine unabhängige deutsche Verwaltung diese Aufgabe übernehmen. 37 Hurwitz
beschreibt die generelle Situation in Nachkriegsdeutschland als eher ungeordnet:
Das deutsche Volk musste sich einem analogen Wechsel der Situationen anpassen: vom Zusammenbruch des Nationalsozialismus zum primitiven Neubeginn unter einer fremden Besatzung - anfänglich unter dem Vorzeichen der »Kollektivschuld« und Bestrafung, dann unter dem einer »reeducation« und »Umorientierung«; schließlich der Chance, wieder eine wirtschaftliche und eigenständige Existenz zu erlangen, allerdings in einem zweigeteilten Land. 38
36 Bausch, S. 20.
37 Anmerkung: Der Streit um die Rechtsnatur der Rundfunkgebühr setzte sich bei Gründung der Bundesrepublik Deutschland fort. Im Jahr 1968 wurde er mit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes beendet. Im Jahr 1961 fällte das Bundesverfassungsgericht das Fernsehurteil, wonach das Recht zum Bau neuer Netze der Post vorbehalten war. Dies ist als Teilerfolg für die Post anzusehen. vgl. Bausch, S. 16.
38 Hurwitz, Harold. Die Stunde Null der deutschen Presse. Die amerikanische Pressepolitik in Deutschland
1945-1949. Köln: Verlag Wissenschaft und Politik, 1972. S. 15.
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Genau diese Beschreibung traf auch auf den Wiederaufbau des Pressewesens durch die Amerikaner zu. Sie wollten aus der deutschen Presse ein Instrument der Volkserziehung machen. Zunächst stand jedoch die Information der Besatzungsmächte für das deutsche Volk im Vordergrund. Nach und nach führten die Amerikaner dann ihr Bild einer neuen, deutschen und vor allem demokratischen Presse - für Rundfunk und Zeitungswesen - ein. Zahlreiche einflussreiche Amerikaner in den Besatzungsbehörden wollten zumindest die Zeitungen nach amerikanischem Vorbild gründen. Allerdings, so stellt Hurwitz es heraus, wurden die deutschen Zeitungen nie zu einer amerikanischen Presse. 39 Manche Maßstäbe, die in Amerika an der Tagesordnung waren, ließen sich in Deutschland oftmals gar nicht anwenden. Vielmehr entstand bei den Zeitungen eine Mischform, mit den Einflüssen von Deutschen und Amerikanern. Deutsche Redakteure ließen sich durch amerikanische Praktiken beeinflussen und so entstand ein Prozess gegenseitiger Anpassung. Die generelle Überzeugung der amerikanischen Presseoffiziere stellt Hurwitz so dar:
Dazu gehörte, eine deutsche Presse mit einer wahrheitsgetreuen und objektiven Berichterstattung zu entwickeln: eine Presse mit Redakteuren und Besitzern, die sich als Antinazis behaupten, die wirtschaftlich unabhängig bleiben und engagiert sein würden, die Pressefreiheit zu erhalten. 40
Ihre Pressepolitik mussten die amerikanischen Besatzer zunächst vor der heimischen Öffentlichkeit rechtfertigen, die jedoch durch die geographische Entfernung keinen direkten Kontakt zur tatsächlichen Politik in Nachkriegsbayern- und Deutschland besaß. Zwar gab es generelle Direktiven, dennoch war es immer direkte Auslegungssache der Gesetze in der Praxis. So fanden natürlich auch die Interessen der Amerikaner in diesen Direktiven ihre eigene Auslegung.
Vom Aufbau der generellen „Presse“ in Form von Zeitungen hatten die Amerikaner eine klare Vorstellung, nicht jedoch vom Aufbau eines freien Rundfunkapparates. Schließlich war dies ja das wohl mächtigste Propagandainstrument Nazideutschlands. Der Aufbau eines Rundfunks nach dem Vorbild Amerikas kam einerseits aufgrund der damals bereits hohen Kommerzialisierung des amerikanischen Vorbilds nicht in Frage, andererseits konnte kein generelles Konzept der Amerikaner angewendet werden, da die USA um einiges größer als Deutschland bzw. die amerikanische Zone waren. Schließlich entschlossen sich die Amerikaner, einen Rundfunk aufzubauen, der sich am Bild der
39 vgl. Hurwitz, S. 16.
40 Ebd., S. 17.
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britischen Besatzungsmacht und der BBC orientierte, dieses aber nicht kopierte. Die tatsächliche Umsetzung des Planes gestaltete sich in der amerikanische Zone allerdings nicht so einfach. „Während in Hamburg ein mit der Autorität des Fachmanns ausgestatteter Chief-Controler alle Fäden in der Hand hielt, wurde die amerikanische Rundfunkpolitik bestimmt von nur vereinzelt mit dem Fach vertrauten Angehörigen eines militärischen Behördenapparats.“ 41 Das oberste Ziel der Amerikaner war es, den Einfluss von Regierung oder auch der Post auf den Rundfunk auszuschalten und so zu verhindern, dass ein anderer partikularer Einfluss beherrschend werden kann, wie es im 3. Reich der Fall war. Diese Handlungsdirektive wurde im „Manual for the control of German Information Services“ im Mai 1945 festgelegt. Den Deutschen sollte in Sachen Rundfunk zuerst klar werden, dass eine neue Ära begonnen hatte, danach wollten die Amerikaner die Massenmedien in deutsche Verantwortung übergeben. Bereits im Oktober 1945 veranlassten die Amerikaner die Gründung eines deutschen Koordinierungs- und Beschlussorgans, des „Länderrats“, bestehend aus Vertretern der Länder der amerikanischen Zone. Hier wurden erstmals Konzepte für die Rundfunkorganisation durch die Amerikaner entwickelt. Vorrangiges Ziel war es, die Entstehung eines neuen Propagandaministeriums zu verhindern. Im Mai 1946 wurde von den Amerikanern der erste Entwurf zu einer Erklärung der Rundfunkfreiheit in Deutschland 42 vorgestellt. Dieses Schriftstück enthielt sozusagen die zehn Gebote für die zukünftige Rundfunkberichterstattung in Deutschland. Diese Richtlinie gab mehr oder weniger das Demokratieverständnis der Amerikaner wieder. Im Herbst 1947 erließ der stellvertretende Militärgouverneur, General Hays, den Befehl mit dem Titel Klarstellung der Rundfunk-Überwachungspolitik. Daraufhin gab es in den Gesetzesentwürfen Vorschläge zur Bildung von Rundfunkräten, die sich aus verschiedensten Gruppen des deutschen Volkes zusammensetzen sollten, um einen repräsentativen Querschnitt darzustellen. Weiter wurde erlassen, dass die Rundfunkgebühr ausschließlich für Rundfunkzwecke verwendet werden durfte. Zudem verfügte General Hays, dass „die Aufsicht der Militärregierung über Radio Stuttgart, Radio München und Radio Frankfurt auf unbestimmte Dauer über das Datum der Bildung deutscher Rundfunkorganisationen hinaus fortgesetzt wird.“ 43 Die Amerikaner setzten den vier Sendern unter ihrer Obhut eine Frist zum Entwurf eines eigenen Rundfunkgesetzes: Radio Frankfurt, Radio Stuttgart, Radio München und Radio Bremen sollten bis September 1948
41 Bausch, S. 65.
42 vgl. Anhang 1 aus: Bausch, S. 72f.
43 Bausch, S. 76.
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Teil eines Rundfunkgesetz werden, das als Rechtsgrundlage nach den Vorstellungen der Amerikaner in der Nachkriegszeit diente. Diese Legitimation war übrigens auch die Einzige aus der damaligen Zeit. Hier kann man erneut erkennen, wie viel Wert in der U.S.-Zone auf einen dezentralisierten Rundfunk gelegt wurde. Interessanterweise wurden die Pläne für Presse und Rundfunk im besetzten Deutschland vom gleichen Personenkreis gemacht, der bereits während der Kampfhandlungen gegen Nazi-Deutschland verantwortlich für die psychologische Kriegsführung war: die Psychological Warfare Division (PWD). 44 Die PWD war der direkte Vorläufer der Information Control Divison (ICD), die nach Kriegsende wiederum als Teil der Militärregierung für den Wiederaufbau und die Kontrolle der deutschen Nachrichtenmedien verantwortlich war.
3.2 Programmgestaltung im amerikanischen Sektor
Da das Radio das wichtigste Instrument zur Verständigung mit der deutschen Bevölkerung war, bedienten sich die Alliierten zunächst dieses Instruments, um den Deutschen die Mitteilungen der Militärregierung näher zu bringen. Wie bereits erwähnt war die PWD für die Nachrichtenkontrolle zuständig. In Bayern war das die 6870. Distrikt-Nachrichtengruppe mit Sitz in München, bei der im Frühjahr 1946 eine Entmilitarisierung stattfand. Die bayerische Unterbehörde wurde umbenannt in OMGB/ICD. Später, als die Deutschen vorwiegend selbst verantwortlich für den Rundfunk und die Presse waren, wurde die ICD zur „Information Service Divisions“ (ISD). 45 Bei ihrer Ankunft in Nürnberg fanden die amerikanischen Truppen trotz des starken Bombardements der Stadt einen völlig intakten Sender und stark beschädigte Studios vor, in München waren die Sendeanlagen nur leicht beschädigt. Radio München ging am 12. Mai 1945 auf Sendung. An der Programmplanung waren zunächst ausschließlich Amerikaner beteiligt. Anfangs wurden nur 90 Minuten gesendet, die Wortbeiträge kamen aus Erding, die Musik kam von Radio Luxemburg, das seit 1944 von den Alliierten betrieben wurde. Maaßen beschreibt die folgende Entwicklung:
In der Folgezeit erweitert Radio München die Sendezeit auf dreizehneinhalb
Stunden, wobei es für den Münchner Sender die Möglichkeit gab, an Werktagen
44 vgl. Hurwitz, S. 22.
45 nach: Maaßen, Ludwig. Der Kampf um den Rundfunk in Bayern. Rundfunkpolitik in Bayern 1945-1973. Berlin: Verlag Volker Spieß, 1979. S. 12.
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Arbeit zitieren:
Stephanie Graeber, 2007, Der amerikanische Einfluss auf die Rolle des Radios in Nachkriegsbayern, München, GRIN Verlag GmbH
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