Master Thesis Sina Steinführer
freie wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des akademischen Grades Master of Science (M.Sc.)
Diplomarbeit Cornelia Möller
freie wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des akademischen Grades Dipl.-Ing.
Diplomarbeit und Master Thesis
„INFORMELLE SIEDLUNGEN IN DER KAPSTÄDTER REGION”
Nachhaltige Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen informeller Siedlungen
in der Kapstädter Region - am Fallbeispiel KTC in Guguletu unter Anwendung der
Space Syntax Methode
vorgelegt und eingereicht am 01. April 2009:
Inhaltsverzeichnis
A. EINLEITUNG ... 15
B. AUFBAU DER ARBEIT ... 17
C. METHODIK ... 19
D. REPORT
1. DIE PROBLEMATIK INFORMELLER SIEDLUNGEN IN DER KAPSTÄDTER REGION ... 21
1.1 Einführung in die Thematik informeller Siedlungen ... 21
1.2 Informelle Siedlungen in der Kapstädter Region, Südafrika ... 22
1.3 Problemdarstellung am Fallbeispiel KTC, Guguletu ... 23
2. DIE SPACE SYNTAX METHODE ALS NEUES PLANUNGSINSTRUMENT ... 27
2.1 Allgemeine Herangehensweisen und Planungsstrategien im Umgang mit informellen Siedlungen ... 27
2.2 Space Syntax Methode ... 28
3. DIE KONZEPTENTWICKLUNG FÜR DAS FALLBEISPIEL KTC, GUGULETU ... 29
3.1 Konzeptioneller Gedanke ... 29
3.2 Planungsstrategie ... 31
3.3 Städtebauliches Entwicklungskonzept ... 31
3.3.1 Handlungsmaßnahmen ... 32
3.3.1.1 Routenhierarchie - räumliche Anbindung ... 32
3.3.1.1.1 Überlappung von regionaler und lokaler Anbindung Guguletu und Umgebung ... 35
3.3.1.1.2 Räumliche Anbindungs- und Erreichbarkeitspotentiale ... 38
3.3.1.1.3 Entwicklungsbänder ... 44
3.3.1.2 Blockdesign-Blockaufteilung ... 46
3.3.1.2.1 Blockstruktur ... 47
3.3.1.2.2 Blockgrößen ... 47
3.3.1.3 Infrastruktur/ Landnutzung ... 50
3.3.1.4 Masterplan ... 57
3.3.2 Umsetzungsmaßnahmen ... 58
3.3.2.1 Phasenstrategien ... 58
3.3.2.1.1 Routenbasierende Phasenstrategie nach Prioritäten und Auswirkung ... 59
3.3.2.1.2 Auf Superblöcken basierende Phasenstrategie nach Abschnitten ... 64
3.3.2.2 Kriterien für Umsiedlungsmaßnahmen ... 68
3.4 Darstellung möglicher Entwicklungstendenzen von KTC und Guguletu (Szenario) ... 70
3.4.1 Kurzfristige Entwicklungstendenzen (5-10 Jahre) ... 72
3.4.2 Mittelfristige Entwicklungstendenzen (20-25 Jahre) ... 72
3.4.3 Langfristige Entwicklungstendenzen (35 Jahre) ... 72
4. FAZIT – ALLGEMEINE ÜBERTRAGBARKEIT DES STÄDTEBAULICHEN ENTWICKLUNGSKONZEPTES AUF INFORMELLE SIEDLUNGEN DER KAPSTÄDTER REGION ... 74
4.1 Allgemeine Problemstellung der Übertragbarkeit von städtebaulichen Entwicklungskonzepten ... 74
4.2 Vergleich informeller Siedlung in der Kapstädter Region ... 75
4.3 Besonderheit der städtebaulichen Entwicklungskonzeption des Fallbeispieles KTC/ Guguletu ... 76
4.4 Zusammenfassung ... 76
E. ANHANG
I. EINFÜHRUNG IN THEMATIK INFORMELLER SIEDLUNGEN ... 79
1.1 Begriffserläuterung ... 79
1.2 Charakteristika ... 80
1.3 Entstehungsursachen ... 81
1.4 Problemfelder ... 83
1.5 Betrachtung und Analyse allgemeiner Vorgehensweisen und Planungsstrategien für die nachhaltige Entwicklung informeller Siedlungen ... 85
1.5.1 Zwangsräumung ... 86
1.5.2 Geplante Räumung mit Verlegung ... 86
1.5.3 Geplante Räumung und Vorort-Aufwertung ... 87
1.5.4 Slum-upgrading ... 87
1.5.4.1 Typen von Slum-upgrading Programmen ... 89
1.5.4.2 Geoinformationssysteme in Slum-upgrading Programmen ... 81
1.6 Zusammenfassung ... 91
II. INFORMELLE SIEDLUNGEN IN DER KAPSTÄDTER REGION ... 93
2.1 Rahmendaten und Allgemeiner Abriss der Kapstädter Region ... 93
2.2 Die Kapstädter Region in der Apartheid ... 95
2.2.1 Räumliche Entwicklung ... 95
2.2.1.1 Die Gründung Kapstadts durch die Niederländer (1652-1806) ... 96
2.2.1.2 Moderne Stadtentwicklung und Industrialisierung durch die Briten (1806-1910) ... 96
2.2.1.3 Erste räumliche Segregationstendenzen durch die Niederländer (1910-1948) ... 97
2.2.1.4 Apartheid – gesetzliche Manifestierung der Rassentrennung ... 98
2.2.2 Politische Entwicklung ... 100
2.2.3 Sozioökonomische Entwicklung ... 100
2.3 Die Kapstädter Region in der Postapartheid ... 102
2.3.1 Problemstellung der Townships und informellen Siedlungen in den Cape Flats, Kapstädter Region ... 102
2.3.2 Planungssystem ... 103
2.3.2.1 Planungsrichtlinien und formelle Planung ... 104
2.3.2.1.1 Reconstruction Development Framework (RDF) ... 104
2.3.2.1.2 Metropolitan Spatial Development Framework (MSDF) ... 105
2.3.2.1.3 Stadtentwicklungsprojekte – das Beispiel Joe Slovo ... 108
2.3.2.2 Informelle Planung ... 109
2.3.2.3 Aktuelle Stadtentwicklungstendenzen ... 109
2.4 Zusammenfassung ... 110
III. BESTANDSAUFNAHME VON KTC, GUGULETU ... 113
3.1 Rahmendaten und sozioökonomische Aspekte ... 113
3.2 Entstehungsgeschichte ... 115
3.3 Routenhierarchieräumliche Anbindung ... 115
3.3.1 Straßenausrichtung ... 115
3.3.2 Regionale Anbindung ... 117
3.3.3 Intermediäre Anbindung ... 119
3.3.4 Lokale Anbindung ... 120
3.3.5 Überlagerung von regionaler und lokaler Anbindung Guguletu und Umgebung ... 121
3.4 Morphologie ... 124
3.4.1 Plotstruktur ... 124
3.4.2 Gebäudestruktur ... 128
3.5 Infrastruktur/ Landnutzung ... 129
3.6 Raumbeobachtung (Bevölkerungsbewegung) ... 135
3.7 Zusammenfassung ... 141
IV. SPACE SYNTAX, EINE AUF GIS BASIERENDE METHODE ... 143
4.1 Space Syntax Theorie und Analysemethoden ... 143
4.1.1 Graphentheorie ... 144
4.1.2 Linien Logik – Axialpläne ... 145
4.1.3 Morphologie ... 147
4.1.4 Infrastruktur / Landnutzung ... 147
4.1.5 Bewegungsdynamik ... 148
4.2 Einführung in die Thematik von Geoinformationssystemen (GIS) ... 149
4.2.1 GIS – Geoinformationssysteme ... 150
4.2.2 Komponenten von Geoinformationssystemen ... 150
4.2.3 Anwendungsgebiete von GIS im Allgemeinen ... 151
4.2.4 Ausprägung von GIS (Teilbereiche) ... 151
4.2.5 Anwendung von GIS in informellen Siedlungen ... 151
4.3 Zusammenfassung ... 152
E. EXKURS SÜDAFRIKA ... 155
E.1 Rahmendaten und Allgemeiner Abriss ... 156
E.2 Historische Entwicklung (europäische Besiedlung und Stadtentwicklung) ... 158
E.2.1 Von der ersten europäischen Besiedlung bis zum Nationalstaat (1652-1948) ... 158
E.2.1.1 Erste europäische Besiedlung – Gründung von Kapstadt ... 158
E.2.1.2 Britische Kolonie und Burenrepubliken (vorindustrielle Entwicklung) ... 159
E.2.1.3 Das Ende der Burenrepubliken (frühe Industrialisierung) ... 160
E.2.1.4 Die Südafrikanische Union (Hochindustrialisierung) ... 160
E.2.1.5 Nationalstaat – Die Bedrohung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit ... 161
E.2.2 Apartheidsära (1948-1994) ... 162
E.2.2.1 Ebenen der Apartheid- Politik ... 162
E.2.2.1.1 Erste Ebene: gesellschaftliche Segregation – das Klassensystem ... 162
E.2.2.1.2 Zweite Ebene: räumliche Segregation – das Model der Apartheidsstadt ... 163
E.2.2.1.3 Dritte Ebene: territoriale Segregation – Homelands ... 164
E.2.2.2 soziale, ökonomische und räumliche Auswirkungen der Apartheid ... 165
E.2.2.3 Erste Entwicklungstendenzen gegen die Apartheid ... 166
E.2.3 Postapartheid (1994-heute) ... 166
E.2.3.1 Gründung der Wahrheitsfindungskommission ... 166
E.2.3.2 Sozioökonomische und räumliche Folgen der Apartheid ... 166
E.2.3.3 Südafrika – heute ... 168
E.3 Bevölkerungsentwicklung ... 168
E.3.1 Entwicklung der ethnischen Vielfalt ... 169
E.3.2 Demographische Entwicklung ... 170
E.3.3 Bildung ... 171
E.3.4 Arbeitsmarktentwicklung ... 171
E.4 Wirtschaft- und Haushaltssituation ... 172
E.5 Politik ... 173
E.6 Zusammenfassung ... 173
F. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS ... 177
G. ABBILDUNGSVERZEICHNIS ... 179
A. EINLEITUNG
Südafrikanische Städte weisen aufgrund ihrer spezifischen Entwicklungsgeschichte einen weltweit einzigartigen Charakter auf. Durch die Heterogenität der Bevölkerung in Bezug auf dessen Kulturen und Rassenzugehörigkeiten sowie durch die gesetzliche Verankerung der Rassentrennung in der Apartheidpolitik entwickelten sich die Städte Südafrikas konträr zu anderen Stadttypen. Die mit der Apartheidsideologie einhergehende räumlich getrennte ethnische Entwicklung erforderte einen radikalen Umbau sämtlicher Städte. Die mit diesem Umbau bewusst und gezielt erzeugte räumliche Fragmentierung und soziale Segregation führte sowohl ökonomisch, ökologisch als auch sozial zu höchst uneffizienten Stadtstrukturen.
Südafrika hat sich seit dem Ende der Apartheid in vielerlei Hinsicht stark entwickelt. So zählt das Land heute zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren des afrikanischen Kontinents und ist außerdem ein nennenswertes Beispiel für eine funktionierende Demokratie. Allerdings leben heute mehr Menschen in diesem Land unter unakzeptablen Bedingungen als zu Zeiten der Apartheid – Tendenz steigend. Die Auswirkungen dessen spiegeln sich vor allem in den drei größten Agglomerationsräumen Südafrikas wieder: Kapstadt, Johannesburg und Durban. In diesen breiten sich riesige Armutsgebiete aus, die wie im Falle der Townships in Kapstadt mit einem Durchmesser von ca. 30km mehr als 15 mal größer sind als die Innenstadt selbst und die höchste Anzahl der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Menschen aufweisen.
Kapstadt kommt aufgrund günstiger klimatischer und geographischer Gegebenheiten eine Sonderrolle mit enormer Verstädterungsproblematik zu. In keiner anderen Stadt ist das Bevölkerungswachstums so hoch und zieht infolgedessen so gewaltige soziale und urbane Probleme mit sich. Hier treffen auf engstem Raum große Gegensätzlichkeiten zwischen arm und reich aufeinander. Die Lebensbedingungen für den Großteil der Bevölkerung in der Kapstädter Region ohne angemessenen Wohnraum sind nahezu unzumutbar. Aber auch die nicht vollzogene Aufarbeitung der Apartheidsära prägt das Stadt- und Gesellschaftsbild und erzeugt Spannungen und Konflikte.
Brennpunkt dieser sind die in der Apartheid an die Peripherie Kapstadts ausgelagerten Siedlungen, die so genannten Townships. Sie bilden den Hauptfokus herrschender urbaner und suburbaner Probleme. Die ständig wachsende Einwohnerzahl und die damit verbundene informelle sowie oftmals unstrukturierte, illegale Bautätigkeit in Form von Shacks1, stellt eines der größten Probleme in der Stadtentwicklung dar. Seit der Aufhebung der Apartheidspolitik im Jahre 1994 wurden in einigen Townships Stadtentwicklungsprogramme und -konzepte zur städtebaulichen Aufwertung und sozialen Stabilisierung vollzogen. Diese von der Administration Kapstadts verfolgten Maßnahmen zeigten jedoch langfristig gesehen nicht die beabsichtigte Wirkung.
Der Fokus dieser Arbeit liegt im Speziellen auf dem Fallbeispiel der informellen Siedlung KTC im Township Guguletu. Dieses gehört zu den südlichen Vororten Kapstadts und ist 15km von der Innenstadt entfernt. Infolge des Group Areas Acts von 1950 war es schwarzen Südafrikanern nicht gestattet in den Städten zu wohnen. Bis zur Errichtung von Guguletu war das 12km südöstlich von Kapstadt gelegene Langa zum damaligen Zeitpunkt Kapstadts einziges Township. Aufgrund der drückenden Überbevölkerung in Langa wurde dann in den 1950er und 1960er Jahren das Township Guguletu nahe Kapstadt erbaut. Viele schwarze Bewohner Kapstadts, insbesondere aus dem damaligen District Six2, wurden in dieses Township umgesiedelt. Die Bevölkerung von Guguletu gehört zum Großteil dem Volk der Xhosa an, welche aus dem weiter entfernten östlichen Südafrika stammen und in Hoffnung auf Arbeit in das westliche Südafrika kamen. Die Townshipbewohner holten ebenfalls ihre Familien aus den entfernten ländlicheren Gegenden Südafrikas in ihre neue Heimat dem Western Cape. Infolgedessen entstanden die an den Townships angrenzenden informellen Siedlungen, bestehend aus einfach und spartanisch errichteten Hütten mit unakzeptablen Lebensbedingungen auf engstem Raum. Die Bevölkerung von Guguletu wuchs bis heute auf rund 330.000 Einwohner (EW) auf einer Fläche von 6,1km² an.
Die Arbeit verfolgt nachhaltige Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen informeller Siedlungen in der Kapstädter Region basierend auf der Erarbeitung möglicher Planungsstrategien und eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes am Fallbeispiel KTC in Guguletu. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, mit Hilfe welcher städtebaulicher Konzepte und Strategien neue effiziente Siedlungsstrukturen geschaffen werden können, die im nachhinein auch aufgegriffen und weiter entwickelt werden können, ohne jedoch die schon bestehende Armut und soziale Problematik zu verstärken.
Ein gezielter positiver Entwicklungs- und Verbesserungsanstoß in der räumlichen Struktur in Form eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes basierend auf Anbindungspotentialen sowie damit einhergehenden Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen, würde sich unmittelbar auf die angrenzenden Siedlungen auswirken und hätte nachhaltige Auswirkungen in Bezug auf das regionale Netzwerk der Kapstädter Region. Das räumliche Anbindungspotential ist ein entscheidender Faktor für eine nachhaltig erfolgreiche Aufwertung informeller Siedlungen. Die räumliche Verteilung kommerzieller Landnutzungen in Guguletu und auch anderer informeller Siedlungen und deren Aktivitäten haben einen großen Einfluss auf deren sozioökonomischen Umstände in der Region und bringen als Bilanz langfristig betrachtet effiziente Lösungen in der Wohnraumversorgung und deren selbständigen Entwicklung.
[...]
1 illegal errichtete Wellblechhütten ohne jegliche Infrastruktur und Erschließung
2 District Six: Name des 1867 geschaffenen sechsten Bezirks in Kapstadt. Dieser Bezirk diente vor allem freigelassenen Sklaven, Händlern, Künstlern, Arbeitern und Immigranten als Wohnort, denn District Six lag einerseits nahe der Stadt und andererseits auch nahe dem Hafen.
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B.Sc. M.Sc. (TU) Sina Steinführer, Dipl.-Ing. Cornelia Möller, 2009, Informelle Siedlungen in der Kapstaedter Region, München, GRIN Verlag GmbH
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