1 Einleitung 5
2 Definition grundlegender Begriffe 7
2.1 Definition von Angst 7
2.1 Angst und Furcht 8
2.2 Die Trait und State Komponente der Angst 9
3 Theorien der Angstentstehung 11
3.1 Psychoanalytische Theorie 11
3.1 Freuds Theorie der Angstneurose 12
3.2 Freuds Signaltheorie der Angst 13
3.2 Lerntheoretische Angsttheorie 14
3.1 Klassische Konditionierung von Angst 14
3.2 Operante Konditionierung von Angst 15
3.3 Zwei Faktoren Theorie von Mowrer 16
3.4 Die Trieb Habit Theorie von Spence und Taylor 17
3.5 Modellernen 17
3.3 Kognitive Angsttheorien 18
3.1 Die Angstverarbeitungstheorie von Lazarus 18
3.2 Die Angstkontrolltheorie von Epstein 21
3.4 Neurobiologische Modelle der Angstentstehung 23
4 Klassifikation von Ängsten 26
5 Prüfungsangst 29
5.1 Definition von Prüfungsangst 29
5.2 Diagnostische Einordnung der Prüfungsangst 30
5.3 Symptomatik der Prüfungsangst 31
5.1 Körperliche Symptome 31
5.2 Seelische Symptome 33
5.3 Geistige Leistungsfähigkeiten 33
5.4 Verhaltensstörungen 33
6 Ursachen von Prüfungsangst 35
6.1 Prüfungsangst und elterlicher Erziehungsstil 35
6.2 Prüfungsangst und frühere Erfahrungen 36
6.3 Schulische Einflusse 36
6.4 Sozio - kulturelle Bedingungen………….……...………………..…………37
6.5 Einstellungen der Hoch und Niedrig Prüfungsängstlichen 37
6.1 Einstellung der Hochängstlichen 38
6.2 Einstellung der Wenig Prüfungsängstlichen 38
7 Prüfungsangst und Leistungen 40
7.1 Yerkes Dodson Gesetz 40
7.2 Der Ansatz von Mandler und Sarason 41
7.3 Der Ansatz von Wine 42
7.4 Erklärungsansatz von Jacobs und Strittmatter 44
8 Bedingungen für die Beeinträchtigung bzw Förderung der Leistung durch
8.1 Kompetenz 46
8.2 Angststärke 47
8.3 Schwierigkeitsgrad von Aufgaben 47
8.4 Prüfungsroutine 48
9 Messungen von Prüfungsangst 49
9.1 Die Selbsteinschätzung 49
9.2 Die Fremdeinschätzung 49
9.3 Die apparativen Messungen 50
10 Empirische Befunde 51
11 Präventions und Interventionsmöglichkeiten bei Prüfungsangst 54
11.1 Angstbewältigung nach psychoanalytischer Theorie 54
11.2 Angstbewältigung nach verhaltenstherapeutischen Ansätzen 55
11.1 Systematische Desensibilisierung 56
11.2 Modeling 57
11.3 Coping Angstbewältigung aus kognitionstheoretischer Sicht 58
11.1 Die Rational Emotive Therapie von Ellis 59
11.2 Selbstinstruktionen 60
11.3 Mentales Training 61
11.4 Entspannungstechniken 62
11.1 Progressive Muskelentspannung 62
11.2 Autogenes Training 63
11.5 Optimale Prüfungsvorbereitung 63
11.1 Planung des Lernprozesses 64
11.5.2 Arbeitsorganisation………………………………………..……...…….64
11.3 Effektive Lernmethoden und Lerntechniken 65
12 Schulische Präventions und Interventionsmöglichkeiten 67
12.1 Lehrerverhalten und Lehrer Schüler Interaktion 67
12.2 Unterricht 68
12.3 Kooperation und Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern 70
13 Schlussbetrachtung 72
14 Literatur 75
1. Einleitung
Angst gilt als alltägliches Phänomen im Leben des Menschen und ist seit langem Gegenstand philosophischer, religiöser und psychologischer Überlegungen. In der heutigen leistungsorientierten Gesellschaft sind Prüfungsängste von großer Bedeutung. Sowohl berufliche als auch soziale Positionen werden vorwiegend aufgrund von Leistung vergeben, die hauptsächlich durch Prüfungen ermittelt wird (Weiß, 1997). Die Prüfungsangst ist eine Angst vor der Bewertung der persönlichen Leistungsfähigkeit, die auf der einen Seite einen förderlichen Charakter haben kann oder auf der anderen Seite durch eine Blockierung einen hemmenden Charakter einnehmen kann.
Um die Prüfungsangst zu verstehen, war es für mich wichtig, zu Beginn dieser Arbeit auf das Entstehen der Angst einzugehen. Dabei sind unterschiedliche Ansätze zu berücksichtigen, die die Angstentstehung unter verschiedenen Voraussetzungen
Im weiteren Verlauf wird auf die Prüfungsangst und ihre Merkmale eingegangen. Es wird den Fragen nachgegangen, wie sich Prüfungsangst äußert, wie sie entsteht, welche Ursachen dahinter stecken und vor allem welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Es muss berücksichtigt werden, dass die Prüfungsangst eine Emotion ist, die sich bei jedem Individuum anders auswirkt und durch verschiedene Situationen und persönliche Merkmale beeinflusst wird. Wichtig für mich ist es, die verschiedenen Einstellungen von Hoch- und Niedrigprüfungsängstlichen zu verdeutlichen sowie aufzuzeigen, dass es eine hemmende und eine förderliche Prüfungsangst gibt.
Da nachweislich ein hoher Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und Leistung besteht, werde ich mich im siebten Kapitel mit diesem Thema befassen. Es werden die wichtigsten Modelle dargestellt, die leistungsfördernde bzw. leistungshemmende Wirkung der Angst zeigen.
Im nächsten Kapitel der Arbeit werden wesentliche Präventions- und Interventionsmaßnahmen, unter besonderer Bezugnahme auf die im dritten Kapitel aufgeführten psychologischen Positionen zur Angstentstehung, vorgestellt. Dabei konzentriere ich mich besonders auf Interventionsmöglichkeiten, die im schulischen Bereich einsetzbar sind.
Da Lehrer auf Angstgefühle ihrer Schüler als Ursachenfaktor für Lern- und Prüfungsprobleme achten sollen, ist es deshalb notwendig, sich mit dem Phänomen der Angst im Kontext der Schule zu befassen. Es werden sowohl nähere Ausführungen zum Lehrerverhalten, dem Unterricht und zur Leistungsbewertung gemacht als auch Lern- und Arbeitstechniken sowie Entspannungstechniken aufgezeigt.
Aus meiner Sicht erscheint es mir als zukünftige Lehrerin wichtig, sich mit dem Thema Prüfungsangst intensiv auseinanderzusetzen, um dann im Berufsleben zu versuchen, den Schülern nicht nur Wissen mit auf den Weg zu geben, sondern auch Kompetenzen im Umgang mit Stress und Belastungen zu vermitteln. Meiner Meinung nach kann nur ein angstfreies Lernen die Aufnahmebereitschaft und Kreativität von Kindern und Jugendlichen garantieren.
2. Definition grundlegender Begriffe
2.1 Definitionen von Angst
Angst ist ein Phänomen, das etwa so alt ist wie die Menschen selbst. Jeder Mensch kennt dieses Gefühl. Es gehört zum Menschsein dazu, genauso wie Trauer, Ärger, Freude und Hoffnung (Morschitzky, 2002, S. 1). In der Vorzeit warnte Angst die Menschen vor konkreten lebensbedrohlichen Gefahren und ermöglichte ihnen, sich auf Flucht oder Kampf einzustellen. Auch heute noch ist Angst überlebensnotwendig, weil sie eine Schutzfunktion einnimmt und den Menschen vor Gefahren warnt. Der Mensch selbst nimmt dieses Gefühl und die auftretenden Begleiterscheinungen jedoch eher negativ wahr.
Obwohl der Begriff „Angst“ aufgrund seiner Alltagsnähe intuitiv leicht verständlich erscheint, existieren verschiedene Definitionen zu diesem Konstrukt.
Das Wort „Angst“ ist verwandt mit dem lateinischen „angustus“ und bedeutet „eng“, „beengend“, „die freie Bewegung hindernd“ (Menge & Güthling, 1965, zit. nach Dorsch, 2004, S. 7).
Im Psychologischen Wörterbuch definiert Dorsch (2004) Angst als „ein mit Beengung, Erregung, Verzweiflung verknüpftes Lebensgefühl, dessen besonderes Kennzeichen die Aufhebung der willensmäßigen und verständnismäßigen ‚Steuerung’ der Persönlichkeit ist. Man sieht in der Angst auch einen aus dem Gefahrenschutzinstinkt erwachsenen Affekt, der, teils in akutem Ausbruch (dem Schreck) verwandt, teils in schleichend - quälender Form eine elementare Erschütterung bewirkt“ (Dorsch, 2004, S. 44). Eine bündige Definition, die den kognitiven Aspekt der Angst berücksichtigt, geben Hackfort und Schwenkmetzger (1985):
„Angst ist eine kognitive, emotionale und körperliche Reaktion auf eine Gefahrensituation bzw. auf die Erwartung einer Gefahren – oder Bedrohungssituation. Als kognitive Merkmale sind subjektive Bewertungsprozesse und auf die eigene Person bezogene Gedanken anzuführen… Emotionales Merkmal ist die als unangenehm erlebte Erregung, die sich auch in physiologischen Veränderungen manifestieren und mit Verhaltensänderungen einhergehen kann“ (Hackfort & Schwenkmetzger, 1985, S. 19). Angst als Affekt kennzeichnet ein psychophysisches Reaktionsmuster, neben dem Angstgefühl sind auch verschiedene somatische und vegetative Symptome zu
beschreiben: Herzklopfen, Hitzewallungen oder Kälteschauer, Tremor (Zittern), trockener Mund, Missempfindungen in der Brust und im Magen, Atembeschwerden, Beklemmungsgefühle, Schwindel, sowie Wahrnehmungsunsicherheit (Resch et al., 1999, S. 358).
Zusammenfassend ist hier zu sagen, dass der Begriff „Angst“ kein einheitliches Phänomen ist, sondern ein komplexes Thema mit unterschiedlichen Konzepten.
2.1.1 Angst und Furcht
In vielen psychologischen Ansätzen wird es versucht, zwischen Angst und Furcht zu unterscheiden. Beide Begriffe werden als gefahrenbezogene Emotionen verstanden. Bei Freud (1926) steht Angst im Zusammenhang mit „Erwartung“, ist also auf die Zukunft gerichtet, unbestimmt und objektlos. Furcht ist auf ein Objekt gerichtet. Freud nennt die Furcht auch „Realangst“, im Gegensatz zur „neurotischen Angst“ (zit. nach Sörensen, 1993, S. 12).
Nach Izard (1981) bezeichnet Angst ein Muster oder eine Kombination aus verschiedenen Emotionen. Eine Emotion ist für Izard ein Gefühlszustand, mit dem bestimmte Kognitionen und Handlungstendenzen assoziiert sind. Furcht ist die zentrale, d.h. am intensivsten erlebte, Emotion in diesem Muster. Affekte wie Schmerz und affektiv-kognitive Strukturen wie Schuld-Aggression, Schüchternheit oder Scham bilden weitere Komponenten, die jeweils mit Furcht zusammen auftreten können. Für Izard besteht der Unterschied zwischen Angst und Furcht in bestimmten strukturellen Merkmalen. Die Mehrzahl der Forscher unterscheidet Angst und Furcht allerdings nicht nach diesen strukturellen, sondern eher nach funktionalen Gesichtspunkten (zit. nach Krohne, 1996, S. 8).
Laut Epstein bezieht sich Furcht auf Situationen, in denen die Gefahrenquelle eindeutig und klar auszumachen ist (Epstein, 1973, S. 215); Angst bezieht sich dagegen auf die Situationen, in denen Reize mehrdeutig und unbestimmt sind, so dass die Person nicht in sinnvoller Weise auf die angezeigten Bedrohungen reagieren kann (Krohne, 1996).
Von Furcht spricht man, wenn die aversive Situation vorhersehbar und eher zu bewältigen ist, von Angst bei unvorhersehbaren und nicht zu bewältigenden
Diese terminologische Differenzierung wird von einigen Autoren abgelehnt und die beiden Begriffe werden als austauschbar angesehen, da die Unterscheidungskriterien einen kontinuierlichen Übergang als sinnvoller erscheinen lassen als zwei qualitative emotionale Zuständlichkeiten (Lukesch, 1992).
Da Angst- und Furchtzustände die gleichen Merkmale der Spannung, Betroffenheit und autonomen Erregung besitzen, werden sie in der neuen humanpsychologischen Forschung unter dem Oberbegriff der Zustandsangst (state anxiety) zusammengefasst (Fröhlich, 2002).
2.1.2 Die Trait- und State-Komponente der Angst
In diesem Zusammenhang hat es sich in der Forschung durchgesetzt, einen zeitlich relativ kurzen, emotionalen Zustand des Organismus, genannt Zustandsangst (state), von einer Verhaltensdisposition, der Eigenschaftsangst (trait), begrifflich zu trennen (Krohne, 1976, S. 20). Diese Unterscheidung geht auf Spielberger zurück, der die trait- und state-Angst folgendermaßen definiert: „The trait anxiety factor is interpreted as measuring stable individual differences in unitary [...] (and) the state anxiety factor [...] defining a transitory state or condition of the organism which fluctuates over the time“ (Spielberger, 1966, zit. nach Scholz, 1995, S. 13). Angst kann auftreten als Zustandsangst oder als Ängstlichkeit im Sinne einer relativ stabilen Bewertungs- und Verhaltensdisposition. d.h. als Persönlichkeitsmerkmal.
Die Zustandsangst stellt einen momentanen emotionalen Zustand dar, welcher durch Anspannung, Besorgtheit, Nervosität, innere Unruhe und Furcht vor zukünftigen Ereignissen gekennzeichnet ist.
Dabei kann die Zustandsangst als eine spezifische Konstellation „subjektiver, physiologischer und verhaltensmäßig-motorischer Merkmale“ beschrieben werden, die sich beispielsweise in der Schlagfrequenz des Herzens, der Atemfrequenz, im Zittern der Stimme, Schweißausbruch, Tränen, einer verkrampften Körperhaltung usw. bemerkbar macht (Scholz, 1995).
State - Angst ist für Spielberger etwas Vorübergehendes. Dieser Angstzustand tritt als Reaktion auf bedrohliche Stimuli auf und wird vermindert, wenn die Bedrohung nicht mehr besteht.
Angst als Eigenschaft, Trait-Angst, sei nach Spielberger eine erworbene, zeitstabile Verhaltensdisposition, welche bei einem Individuum zu Erlebens- und
Verhaltensweisen führt, eine Vielzahl von objektiv wenig gefährlichen Situationen als Bedrohung wahrzunehmen. Auch wenn diese objektive Bedrohlichkeit nicht besteht, wird mit einem Anstieg der Zustandsangst reagiert (Sörensen, 1993).
Trait-Angst ist ein relativ überdauernder individueller Unterschied in Bezug darauf, wie Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und auf sie reagieren.
Beziehungen zwischen der Neigung, in selbstwertbezogenen Situationen Bedrohliches zu sehen (z.B. in Erwartung prüfungsähnlicher Erfahrungen) und der Intensität ma- nifester Zustandsangst lassen sich mit dem State-Trait-Anxiety-Inventory (STA1) auf der erlebnisdeskriptiven Ebene darstellen. Daneben existieren zahlreiche situationsspezi- fische Verfahren, z. B. zur Ermittlung der Prüfungsangst u.a. (Fröhlich, 2002).
3. Theorien der Angstentstehung
Die verschiedenen psychologischen Angsttheorien unterscheiden sich hinsichtlich der Annahmen über die Entstehung und die Wirkung der Angst, ihres Situationsbezugs und der Herleitung von Interventions- bzw. Therapiekonzepten beträchtlich voneinander. Diese Vielfältigkeit der Theorien deutet bereits auf ein globales Dilemma hin. Angst ist als Phänomen zu vielschichtig, um sie erschöpfend in einer Theorie zu behandeln. Daher können einzelne Theorien auch immer nur einzelne Aspekte der Angstentstehung und des Angsterlebens hervorheben, was zwangsläufig eine Kritik der Einseitigkeit der meisten Theorien berechtigt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich Elemente aus einem Ansatz häufig auch in den anderen Gruppen wiederfinden.
Im Weiteren werden Ansätze behandelt, in denen die Auslösung der Emotion Angst und die Konsequenzen dieses emotionalen Zustandes für das Erleben und Verhalten aus bestimmten Annahmegefügen heraus erklärt werden.
3.1 Die Psychoanalytische Angsttheorie
S. Freud (1856-1939), der Begründer der Psychoanalyse, hat entscheidend zur Theoriebildung der Angst beigetragen. Im Verlauf seines wissenschaftlichen Arbeitens hat er unterschiedliche Auffassungen über die Angst vorgeschlagen. Häufig werden zwei Angsttheorien von Freud unterschieden. Die „erste Angsttheorie“ hat Freud schon früh in seinem wissenschaftlichen Arbeiten in einer kürzeren Schrift „Über die Berechtigung, von der Neurasthenie einen bestimmten Symptomkomplex als Angstneurose abzutrennen“ (1895) dargelegt. Seine „zweite Angsttheorie“, die wesentliche Aspekte der ersten Theorie modifiziert, ist besonders in seinem Werk „Hemmung, Symptom und Angst“ (1926) entwickelt worden (zit. nach Krohne, 1996, S. 155).
Generell ist Angst für Freud ein Affektzustand, der aus einer Erregungssteigerung, aus Reaktionen zur Abfuhr dieser Steigerung, aus der Wahrnehmung dieser Erregung und ihrer Abfuhr besteht. Abfuhrreaktionen wären etwa Störungen im
Herzschlag- und Atemrhythmus, Schweißausbrüche sowie motorische Unruhe (Zittern und Schütteln). Dieser Verlaufsmuster soll typisch für den Affektzustand der Angst sein
und diesen von anderen Affekten, wie z.B. Trauer, unterscheiden (Krohne, 1996, S.
3.1.1 Freuds Theorie der Angstneurose
Nach Freuds erster Angsttheorie, in der er sich mit der „Angstneurose“ befasste, entsteht Angst durch die Unterdrückung unbewusster Impulse, d.h. nicht entladene Libido führt zur Verdrängung und wird in Angst umgewandelt (Sörensen, 1993). Freud sah Angst als eine Reaktion des Organismus auf nicht verkraftbare Erregung, die durch Blockierung der Erreichung von Triebzielen (z.B. durch Vereitelung des Orgasmus) bzw. durch den seelischen Schmerz bei drohendem Verlust eines triebbesetzten Objekts (z.B. eines geliebten Menschen) ausgelöst wird (Fröhlich, 2002).
Zu den wichtigsten Symptomen der Angst zählt Freud folgende (zit. nach Dimitriadis,
1. Allgemeine Reizbarkeit.
Diese weist auf den jeweiligen Erregungszustand hin.
Gesteigerte Reizbarkeit führt zur erhöhten Erregung und kann ein Hinweis dafür sein, dass die Fähigkeit, angestaute Erregung zu ertragen, nicht vorhanden ist. 2. Ängstliche Erwartung. Damit ist die Tendenz zur pessimistischen Beurteilung einer
Situation gemeint. Die unbegründbare Ängstlichkeit kann von dem Betroffenen als zwanghaft erkannt werden. Gewissensangst, Skrupellosigkeit oder Pedanterie sind weitere mögliche Ausdrucksformen der ängstlichen Erwartung:
3. Angstanfall. Zu den wichtigsten Formen des Angstanfalls zählt Freud Störungen der
Herztätigkeit und der Atmung, Schweißausbrüche, Heißhunger, Schwindel sowie nächtliches Aufschrecken (pavor nocturnus).
4. Schwindel. Schwindelanfällen folgen oft starke Angst, Herz- und Atemstö-rungen
sowie Ohnmachtsanfälle.
5. Störungen der Verdauungstätigkeit. Dazu gehören Brechneigung, Heißhunger und
6. Empfindungsstörungen.
Schmerzempfindlichkeit und Tendenz zu Halluzina-
7. Phobische Symptome:
chronische Ängstlichkeit, ängstliche Erwartung, sowie
Neigung zu Schwindelanfällen.
Wenn sich eine Person unfähig fühlt, bestimmte Aufgaben zu bewältigen, entsteht Angst als ein Affektzustand mit physiologischen, verhaltensmäßig-motorischen und
subjektiven Komponenten. Sind diese Aufgaben in der Umwelt des Individuums zu lokalisieren, spricht man von einer „normalen“ Angst. Neurotische Angst entsteht dagegen aus innerer Erregung und führt im Individuum zu einem zeitlich erheblich länger erstreckten, erhöhten Niveau des Angstaffektes. Unbefriedigende Sexualpraktiken verursachen eine Anhäufung sexueller Aufregung, die bei der ungenügender oder fehlender Abfuhrmöglichkeiten zur Angstneurose führen.
3.1.2 Freuds Signaltheorie der Angst
Die zweite Angsttheorie Freuds wird häufig als „Signaltheorie“ der Angst bezeichnet. Sie besagt, dass Angst als Gefahrensignal der wahrnehmenden und bewusst handelnden (kognitiven) Instanz der Persönlichkeit, des Ichs, dient. Diese zweite Angsttheorie setzt nicht mehr verdrängte Sexualerregung als Ursache der Angstentstehung voraus, sondern umgekehrt ist Angst jetzt die kognitive Reaktion auf die Erwartung des Eintretens einer Gefahrensituation (Sörensen, 1993, S. 12; Krohne, 1996, S. 158).
Freud unterscheidet dabei drei verschiedene Formen von Ängsten:
Die „Realangst“ wird ausgelöst, wenn das Individuum Umweltvorgänge wahrnimmt, die als eine äußere, bedrohliche Gefahr gesehen werden und eine Beeinträchtigung des Organismus erwarten lassen. Realangst ist eng mit dem Fluchtreflex verbunden und dient dem Selbsterhaltungstrieb. Angstbereitschaft kennzeichnet jeden Organismus und äußert sich durch erhöhte sensorische Aufmerksamkeit und motorische Erregung. Im Angstaffekt sieht Freud die Wiederholung eines während des Geburtsaktes entstandenen Eindruckes. Dieser Eindruck ist des Menschen erstes Angsterlebnis (Dimitriadis, 1986). Als „neurotische Angst“ bezeichnete Freud intensive, quälende, unbeherrschbare, relativ überdauernde Formen der Angst, die mit manifesten oder
symbolischen Tendenzen zu Flucht, Vermeidung und somatischen (autonomen) Veränderungen einhergehen (Fröhlich, 2002). Sie entsteht, wenn das Ich Triebregungen aus dem eigenen Organismus, genauer aus dem Es als der Bedürfnis- oder motivationalen Instanz der Persönlichkeit, wahrnimmt, deren Realisierung eine Gefährdung des Organismus erwarten lassen (Krohne, 1996). Charakteristisch für die neurotische Angst ist ein Zustand ängstlicher Erwartung und innerer Unruhe. Menschen, die unter neurotischer Angst leiden, ahnen oft Schreckliches voraus und tendieren zu pessimistischen Situationsbeurteilungen (Dimitriadis, 1986).
Als eine andere Form der Angst beschreibt Freud die Phobie. Laut dem Psychoanalytiker sind Phobien eine Abwehr gegen Angst, die durch die Verdrängung von Trieben entsteht. Sie ist im Gegensatz zu der neurotischen Angst an bestimmte Objekte oder Situationen gebunden, z. B. Angst vor Tieren, offenen Plätzen, Gewitter etc. (Sörensen, 1993).
Der psychoanalytische Ansatz Freuds sieht in der Unterdrückung von sexueller Spannung die Ursachen von neurotischer Angst. Er verfolgt in seiner zweiten Angsttheorie, der Signaltheorie, den Ansatz einer direkten Angsterzeugung durch unterdrückte Triebimpulse. Hier wird Angst zum Signalgeber, der den Organismus vor Gefahren warnt.
3.2. Lerntheoretische Angsttheorie
Im Vordergrund der lerntheoretischen Modelle steht, erstens, die Erforschung der Lernprozesse, die für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Ängste verantwortlich sind. Zweitens, liegt der Schwerpunkt auf der Erfassung und der Beschäftigung mit der Angstreaktion selbst, dem Angstverhalten. Als Angstreaktion wird meistens das motorische Flucht- und Vermeidungsverhalten untersucht, weil sie gut beobachtbar und messbar sind (Sedlmayr-Länger, 1985).
Die behavioristische Theorie vertritt die Auffassung, dass Angst – wie jedes menschliche Verhalten – durch Lernen entsteht.
Lernen vollzieht sich nach dem Modell des Konditionierens. Konditionieren bedeutet das Herstellen einer bedingten Reaktion. Es werden in der Regel zwei
Arten von bedingten Reaktionen unterschieden: das klassische und das operante (instrumentelle) Konditionieren (Krohne, 1996).
3.2.1 Klassische Konditionierung von Angst
Beim klassischen Konditionieren wird die Reaktion eines Reflexes mit einem bis dahin hinsichtlich der Reflexauslösung neutralen Reiz verbunden.
Es genügt die ein- oder mehrmalige raum-zeitliche Paarung eines zuerst neutralen Reizes (konditionaler Stimulus) mit einem aversiven Reiz (unkonditionaler Reiz), um
auf den zuerst neutralen Reiz dieselbe Angstreaktion (konditionierte Reaktion) auszulösen wie auf den aversiven Reiz (Lukesch, 1992).
Es kann dabei auch zu einer Ausbreitung des Auftretens von Angstreaktionen auf ähnliche Reize oder Situationen erfolgen, wie sie bei dem Konditionierungs-vorgang präsent waren (Generalisation).
Nach Meinung der Lerntheoretiker sei Angst ein erlernter Triebreiz auf der Grundlage einer angeborenen Neigung des Menschen, Schmerz vermeiden zu wollen, deswegen lernen die Menschen aus den Konsequenzen ihrer Handlungen (Sörensen, 1993). Wie die klassische Konditionierung von Angst bei Menschen funktioniert, verdeutlichen Watson und Rayner (1920) am Experiment mit dem kleinen Albert. Vor dem Experiment zeigte der elfmonatige Albert keinerlei Angstreaktionen gegenüber Tieren. Wurde ihm jedoch eine Ratte gezeigt und gleichzeitig hinter seinem Kopf ein lauter Ton erzeugt, zuckte Albert zusammen und fing an zu weinen. Dieser Vorgang wurde siebenmal in einer Woche durchgeführt. Kurz danach begann Albert bereits nach Anblick der Ratte sofort zu weinen. Der ursprünglich neutrale Stimulus Ratte war innerhalb einer Woche zu einem konditionierten, angstauslösenden Reiz geworden. Die Konditionierung von Angst hatte noch einen anderen Effekt: Kaninchen, Hunde, Pelzmantel und alle pelzartige Objekte lösten beim kleinen Albert eine Angstreaktion aus. Es kam zu einer Reizgeneralisierung, oder, wie Watson und Rayner es ausdrücken, zu „einem emotionalen Transfer“, bei dem der angstauslösende Reiz in andere ähnliche Stimuli übertragen wurde (zit. nach Dimitriadis, 1986, S. 7).
3.2.2 Operante Konditionierung von Angst
Beim operanten Konditionieren spielt die momentane Bedürfnis- oder Antriebsstärke des zu konditionierenden Organismus eine wesentliche Rolle. Das Verhalten eines Lebewesens wird von den Konsequenzen gesteuert: „Wenn eine Reaktion, wie auch immer die Bedingungen ausgehen mögen, die zu ihr geführt haben – von einer Verstärkung gefolgt wird, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass die Reaktion später unter ähnlichen Umständen wieder auftritt.“ (Skinner, 1953,zit. nach Lefrancois, 1986). Nach den Prinzipien des operanten Konditionierens werden Angstreaktionen aufgrund der diesen Reaktionen unmittelbar folgenden Konsequenzen gelernt oder verlernt. Skinner (1953) vertritt die Meinung, dass Angst wie auch andere psychische Störungen sich nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten entwickeln wie das normale Verhalten.
Angstverhalten unterscheidet sich von dem normalen bezüglich Häufigkeit, Umfang und sozialer Angepasstheit (zit. nach Lefrancois, 1986). Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang den Begriff „Verstärker“ zu nennen, darunter versteht man alle Umweltreaktionen oder Reize, die das Verhalten in irgendeiner Weise beeinflussen. Grundsätzlich unterscheidet man vier Verstärkungsformen (Dimitriadis, 1986): Positive Verstärkung: Darbietung eines angenehmen Reizes, bei dem die
Häufigkeit des Auftretens einer bestimmter Verhaltensweise zunimmt (z. B. Lob);
Negative Verstärkung:
bezieht sich auf das Entfernen eines unangenehmen
Reizes (z. B. das Beseitigen von übelriechenden Substanzen, unangenehmen Tönen oder physischen Beschwerden);
Bestrafung: beschreibt den Vorgang der Darbietung eines unangenehmen
Reizes, bei dem die Häufigkeit des Auftretens einer bestimmter Verhaltensweise abnimmt (z. B. Strafmaßnahmen für das kindliche Fehlverhalten);
Löschung:
bezieht sich auf das Entfernen eines angenehmen Reizes, bei dem die
Häufigkeit des Auftretens der zuvor erfolgten Verhaltenweise abnimmt (z. B. elterliche Ignoranz gegenüber dem weinendem Kind).
3.2.3 Zwei-Faktoren-Theorie von Mowrer
Die Zwei-Faktoren-Theorie von Mowrer (1960) versucht in der Kombination von klassischem und operantem Konditionieren Ängste zu erklären. In der ersten Phase kommt es durch klassische Konditionierung zur Verknüpfung eines neutralen Reizes mit einem aversiven Reiz, so dass der ursprünglich neutrale Reiz zum konditionierten Reiz wird, d.h. als Angstauslöser wirkt (Sörensen, 1993, S. 31). Im Verlauf können die konditionierten Stimuli generalisieren, d.h. immer mehr Reize können die Angst
In einer zweiten Phase werden nach dem Paradigma des instrumentellen Konditionierens Flucht- und Vermeidungsreaktionen gelernt. Mit dem Fliehen oder Vermeiden von Angstauslösenden Reizen (Situationen, Orte, Objekte oder Personen) wird das Angstgefühl reduziert oder beendet. Das entspricht einer negativen Verstärkung mit der das Vermeidungsverhalten belohnt und dadurch aufrechterhalten wird (Petermann, 2005, S. 258).
Das akute Angstempfinden wird dadurch reduziert, verschwindet dennoch nicht völlig.
Arbeit zitieren:
Marina Lindekrin, 2010, Prüfungsangst bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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