Inhaltsverzeichnis
1. Definition von Gewalt - Ein Problemfall 4
1.1 Die Frage nach der Gewaltüberwindung 5
1.2 Religion als Ursache von Gewalt. 6
1.3 Die Position der katholischen Kirche zur Gewalt 8
1.4 Das Alte Testament weist den Weg. 9
2. Das vierte Lied vom Gottesknecht 10
2.1 Deuterojesaja und die Gottesknechtslieder 12
2.1.1 Geschichtlicher Zusammenhang und Einordnung 12
2.1.2 Die Identität des Gottesknechts. 14
2.2 Jes 52,12-53,12: Übersetzung ins Deutsche. 16
3. Aufbau, Gattungsfragen, Analyse. 19
3.1 Der Prolog Gottes (52,13-52,15) 21
3.1.1 Der erhabene Knecht - Seine Gestalt entfernt von den Adamskindern 22
3.1.2 Wichtige Funktionen des JHWH-Orakels. 24
3.2 Der missachtete Gottesknecht (53,1-53,3) 26
3.2.1 Der Unglaube der „Wir“ 28
3.2.2 Das Bild vom „Schössling“ und der „Wurzel in dürrem Erdreich“ 29
3.2.3 Gestalt-Hoheit-Ansehen: Die Grundlage menschenwürdigen Lebens. 30
3.2.4 Voraussetzungen für die Gewalt am Gottesknecht 33
3. 3 Strafe zu unserem Heil? (53,4-53,6) 34
3.3.1 Sündenbock und Stellvertretung 34
3.3.2 Der Stellvertretungsgedanke im vierten Gottesknechtslied 38
3.3.3 Der Tun-Ergehen-Zusammenhang. 39
3.3.4 Die Erkenntnis. 40
3.3.5 Frieden und Heil durch Tragen von Schuld 42
3.3.6 Das Bild der „Schafe“ 43
2
3.4 Menschliche Gewalt am Gerechten (53,7-53,9) 46
3.4.1 Die Verbindung zu den „Schafen“: Das „Mutterschaf“ 46
3.4.2 Der Tod des Gottesknechts 49
3.4.3 Die Bestattung des Knechts. 52
3.5 Die Zuwendung Gottes (53,10) 54
3.5.1 Der Opfergedanke - Das neue Opfer 55
3.5.2 Die Nachkommen des Knechts - JHWHs Versprechen 57
3.5.3 Prophetische Vorausdeutung auf den Sohn Gottes? 58
3.6. Der Epilog Gottes (53,11-53,12) 60
3.6.1 Sättigung in der Erkenntnis 61
3.6.2 Der Knecht macht die „Vielen“ gerecht. 62
3.6.3 Wer sind die Bekenner aus Jes53, 1-6? 63
3.6.4 Das Heil und die Erlösung 64
3.6.5 Gewalt und Gewaltüberwindung. 65
4. Die Spirale der Gewalt. 66
4.1 Umgang mit Gewalt heute - Bezug zum Alten Testament 67
4.2 Eine psychologische Studie und die innere Autorität 69
4.2.1 Gewalt und Autorität - Das Milgram-Experiment. 70
4.2.2 Recht und Gerechtigkeit im Alten Testament 73
4.2.3 Die Sonderstellung des vierten Gottesknechtsliedes. 75
5. Getrenntes zusammenführen - Das neue Opfer. 78
5.1 Das vierte Gottesknechtslied in der Karfreitagsliturgie 79
5.2 Überwindung der Gewalt - Das Kreuz als Siegeszeichen 81
Literatur 85
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1. Definition von Gewalt - Ein Problemfall
Das Erleben und die Erfahrung von psychischer und physischer Gewalt zwischen einzelnen Menschen, aber auch zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Kriegen unter verschiedenen Völkern, ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte der Menschheit. Gleichwohl scheint der Begriff „Gewalt“ vielschichtig und vieldeutig, wenn er aus wissenschaftlicher Perspektive betrachtet wird. Der Soziologe Siegfried Lamnek stellt die Schwierigkeit, den Gewaltbegriff klar zu definieren, folgendermaßen dar:
„Die sprachliche Determination allen Erkennens in den Sozialwissenschaften zeigt sich besonders im Begriff der Gewalt, der extrem heterogen, unscharf und deshalb gelegentlich auch ideologisch besetzt gebracht wird. Je nach Reichweite der Definition des Gewaltbegriffes ergeben sich unterschiedliche Gewaltszenarien, die Gewalt einmal als marginale Größe, andernfalls jedoch als alles durchdringendes und bedrohendes Interaktionsmuster erscheinen lassen. Aus interaktionistischer Perspektive bildet Gewalt daher auch keine unmittelbar gegebene Realität, sondern wird als Sachverhalt erst definiert, weshalb (gerade auch) für Wissenschaftler das 1 Risiko existiert, zu Definierern, nicht jedoch zu Analytikern von Gewalt zu werden.“
Es ist also nicht einfach, aus wissenschaftlicher Perspektive von Gewalt zu sprechen. Umso schwieriger erweist sich deshalb die Aufgabe, Gewalt und ihre Auswirkungen zu analysieren. Die Unterschiedlichkeit der Gewalttypologien erfordert vor allem eine genaue Betrachtung der Wurzel von Gewalt. Indem die geschehenen Gewalttaten bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden, ist es für die heutige Forschung, insbesondere der Psychologie und der Sozialpädagogik, ansatzweise möglich, Gewalt zumindest theoretisch in ihrem Entstehungsvorgang zu begrenzen und einzudämmen. Personen und Gruppen von Menschen, die in diesen wissenschaftlichen Bereichen
1 LAMNEK, SIEGFRIED: Art. Gewalt. In: Reinhold, G. (Hg.): Soziologielexikon, München: Oldenbourg, 3 1997, S.230.
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geschult sind, werden oft eingesetzt, um Gewalt im zwischenmenschlichen Bereich 2 einzuschränken und mit Hilfe sozialer Arbeit gewalttätige Konflikte zu beenden.
1.1 Die Frage nach der Gewaltüberwindung
Die Ursprünge des Versuches Gewalt zu beseitigen oder gar zu überwinden sind nicht erst bei den Theorien der Psychologen Karl Wundt oder Sigmund Freud anzusetzen. Schon seit Menschengedenken beschäftigen sich vor allem Religionen mit dem Problem der zwischenmenschlichen Gewalt. Unter diesem Aspekt kann auch das vierte Gottesknechtslied in Jes 52,13-53,12 gelesen werden. Das Alte Testament ist bei weitem nicht gewaltfrei, doch sucht es in seinen Rechtsvorschriften immer nach 3 einer Möglichkeit, die Eskalation von Gewalt zu vermeiden. Das vierte
Gottesknechtslied sprengt schließlich alle bisher im Alten Testament beschriebenen Gesetzmäßigkeiten, welche die Eindämmung und Überwindung von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Menschen zum Thema haben. Das Denken, welches in diesem Text ein völlig neues Licht auf das Handeln Gottes, auf die Gewalt und auf menschliches Leid wirft, soll in der folgenden Arbeit ausführlich behandelt werden. Dabei ist es notwendig, textimmanente Metaphern in die moderne sozialwissenschaftliche, geisteswissenschaftliche und theologische Forschung mit einzubringen. Erst durch interdisziplinäres Herangehen an dieses Lied ist es möglich, ein deutlicheres Bild vom gewaltlosen Sieg des Gottesknechtes über die Gewalt zu erhalten.
2 Viele in pädagogischen und psychologischen Fächern ausgebildete Personen arbeiten als Sozialpädagogen in Schulen, aber auch in einschlägigen Stadtbezirken, in denen Gewalt zum Alltag gehört.
3 Vgl. Ex 20,12-17; Ex 21; 23-25 u. a. Genaueres darüber in Kap. 4.2.2.
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1.2 Religion als Ursache von Gewalt
Die Aspekte allgemeingesellschaftlicher Gewalt, welche sämtliche Wissenschaften 4 5 beschäftigen, finden mögliche Ursachen auch in Religionen und Ideologien. Die
Kreuzzüge der Christenheit, Religionskriege, Selbstmordattentate und viele andere gewaltsame Auseinandersetzungen zeichnen eine blutige Spur durch die Geschichte der Religionen. Der Kampf um den rechten Glauben wird bis heute mit fürchterlichen Waffen geführt. Gerade deshalb sind Religionsgemeinschaften in besonderem Maße verpflichtet, gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Menschen, und damit auch Anfeindungen und Kriege, die aus religiösen Gründen geführt werden, zu verantworten. Nicht wenige Wissenschaftler, darunter Jan Assmann, der emeritierte Universitäts-Professor für Ägyptologie in Heidelberg, werfen besonders den monotheistischen Religionen ein erhebliches Gewaltpotential vor. Grundlage 6 dieses Vorwurfes ist Assmanns Theorie des „exklusiven Monotheismus“, der neben
dem einen Gott keine anderen Götter duldet und deshalb Gewalt gegenüber anderen Religionen und anders denkenden Gemeinschaften provoziert. Assmann kritisiert hauptsächlich die sprachliche Darstellung von Gewalt und die gewaltsame 7 Durchsetzung des Monotheismus in der hebräischen Bibel. Diese Kritik Assmanns
an der jüdischen Tora und damit auch am christlichen Alten Testament ist 8 hochbrisant, denn die drei großen monotheistischen Religionen sind allesamt davon
betroffen. Der Islam befindet sich ebenfalls in einer engen Beziehung zum Alten Testament.
„Ganz ähnlich wie die biblischen Weisheitsbücher enthält der Koran Reflexionen und Meditationen zu früheren Offenbarungen und zur Geschichte der Propheten. Sie rufen den Leser zur Annahme des wahren und ursprünglichen Glaubens an den einzigen Gott auf, der Religion Abrahams, der zuvor schon Adam angehangen habe: d.h. zum
4 Gemeint sind damit Theologie, Philosophie, Soziologie, Psychologie, aber auch die Geisteswissenschaft in ihrer Gesamtheit.
5 Vgl. LAMNEK, SIEGFRIED: Art. Gewalt, S.233.
6 ASSMANN, JAN: Monotheismus und die Sprache der Gewalt. In: Walter, Peter (Hg.): Das Gewaltpotential des Monotheismus und der dreieine Gott, Quaestiones Disputatae 216, Freiburg im Breisgau: Herder, 2005, S.18-38.
7 Vgl. ASSMANN, JAN: Monotheismus und die Sprache der Gewalt, S.19. 8 Das sind das Judentum, das Christentum und der Islam.
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Monotheismus der ‚natürlichen Religion’ (der Fitra), zu der sich jeder ‚vernünftige und gute’ Mensch bekennen muss und zu der jeder eine von Gott geschaffene 9 ‚Anlage’ in sich trägt.“
Die Texte des Alten Testaments sind den Moslems also nicht unbekannt. Dennoch verbreiten gerade in der heutigen Zeit fundamentalistische Extremisten innerhalb des Islams Angst und Schrecken unter Moslems und andersgläubigen Menschen. Die Kritik Assmanns an den monotheistischen Religionen ist also nicht nur hochbrisant, sondern auch aktuell. Seit dem Einzug des religiösen Terrorismus in das Realitätsbewusstsein der Weltöffentlichkeit, seit dem 11. September 2001, scheint Assmanns Theorie bestätigt, denn viele Terroranschläge finden ihre Täter in religiös motivierten radikal monotheistischen Fundamentalisten vornehmlich aus extremistischen Kreisen des Islam. Der Kommentar des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu den Anschlägen am 11. September klingt hart:
„Es ist bekannt, dass ausnahmslos alle Religionen nie dazu dienten, die Menschen einander näher zu bringen und den Frieden zu mehren. Religionen waren und sind der Grund für unendliches Leid, für Massenmorde und ungeheuerliche physische und psychische Gewalt, die zu den dunkelsten Kapiteln der elenden Geschichte der 10 Menschheit gehören.“
Saramago zeigt mit dieser provozierenden Aussage die Symptome von religiöser Gewalt auf, dringt aber nicht zur Quelle der Gewalt vor. Es ist nicht die Religion selbst, die Menschen zu Gewalttätern macht, sondern die Art und Weise, wie der Mensch seine Vorstellungen und Wünsche durchzusetzen versucht. So macht es jeden im Glauben verwurzelten religiösen Menschen zutiefst traurig, wenn er sehen muss, wie religiöse Fanatiker bis hin zum Selbstmord alles versuchen, um Ungläubige oder Andersgläubige entweder vom Glauben zu überzeugen oder, wenn das nicht gelingen kann, zu unterdrücken oder zu vernichten. Saramago verkennt, dass Gewalt nicht nur innerhalb von Religion existiert, sondern in vielen zwischenmenschlichen Bereichen,
9 BORRMANS, MAURICE: Ein Buch oder viele Bücher Gottes? In: Welt und Umwelt der Bibel. Der Koran und die Bibel, Heft 15, 1.Quartal 2000, S.5.
10 SARAMAGO, JOSÉ, Im Namen Gottes ist das Schrecklichste erlaubt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 220, 21.09.2001, S.52.
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in denen eine Person ihren Willen gegenüber einer anderen Person durchsetzen möchte. Gewalt spielt in sehr vielen menschlichen Lebenssituationen eine mehr oder minder große Rolle. Menschen haben die Möglichkeit, Gewalt bei Unstimmigkeiten immer einzusetzen oder eben auf diese zu verzichten. Dadurch ist psychische und physische Gewalt jederzeit möglich und von der religiösen Einstellung erst einmal unabhängig. Es ist also nicht allein die Religion, der Saramagos Kampfansage gelten sollte, sondern ganz konkret dem religiösem Extremismus, der in die Gewalt mündet, der Gewalt und den Gewalttätigen selbst.
1.3 Die Position der katholischen Kirche zur Gewalt
Gleichwohl räumen die Religionen der Gewalt unterschiedliche Positionen ein. Einige Religionen gelten als gewaltlos, wieder andere wie der Zoroastrismus, die 11 Mithrasreligion und der Islam sehen in Kampf und Gewalt ein legitimes Mittel zur 12 Durchsetzung des göttlichen Willens. Das Christentum, und insbesondere die
katholische Kirche, setzen jedoch grundsätzlich auf Gewaltlosigkeit. Eine Ausnahme bildet die Situation der Notwehr:
„Wer auf gewaltsame blutige Handlungen verzichtet und zur Wahrung und Verteidigung der Menschenrechte Mittel einsetzt, die auch den Schwächsten zur Verfügung stehen, legt Zeugnis ab für die Liebe des Evangeliums, sofern nicht die Rechte und Pflichten der anderen Menschen und der Gesellschaft verletzt werden. Er bezeugt zu Recht, welch schwerwiegende physische und moralische Gefahren der Einsatz gewaltsamer Mittel mit sich bringt, der immer Zerstörung und Tote 13 hinterläßt.“
Diese Position der katholischen Kirche leitet sich aus dem Leben, Sterben und der 14 Auferstehung Jesu Christi ab.
11 Der Koran, Sure 2, S.190ff. u. a.
12 Vgl. SCHREY, HEINZ-HORST: Art. Gewalt/Gewaltlosigkeit. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. XIII, Berlin/New York: Walter de Gruyter, 1984, S.168f.
13 KATECHISMUS DER KATHOLISCHEN KIRCHE, München: Oldenbourg, 1993, S.586, Abschn. 2306. 14 Vgl. die vier Evangelien im Neuen Testament.
8
1.4 Das Alte Testament weist den Weg
Das Leben Jesu, sein Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung haben ihre 15 Wurzeln im Alten Testament der Bibel. Das Alte Testament hat ein überaus 16 differenziertes Verhältnis zur Gewalt. Liest man die Texte, die von der Bestrafung
von Gewalttätern handeln und ihre Verwurzelung in Theorien wie dem Tun-Ergehen- 17 18 Zusammenhang oder dem Ius Talionis, so nimmt man die außergewöhnliche
Stellung des vierten Gottesknechtsliedes wahr. Es verkehrt bisherige Gesetzmäßigkeiten ins Gegenteil. Der totgesagte Verlierer wird zum Sieger und diejenigen, welche sich selbst zu den Gerechten gezählt haben, zu den bekennenden Verlierern. Doch selbst diese gelangen durch den Totgesagten zu ihrem Heil. Damit gipfeln die unterschiedlichen Rechtstheorien gegenüber der Gewalt im Alten Testament in diesem einem Text: in Jes 52,13-53,12.
Im vierten Gottesknechtlied, aber auch schon in den Liedern eins bis drei finden sich nicht nur eschatologische Vorausdeutungen zum Geschehen im Evangelium, sondern 19 auch eine besondere und bemerkenswerte Definition des Gottesknechtes, d.h. des
Menschen, der den Willen Gottes erfüllt. Diese Definition wird am Ende des vierten Gottesknechtsliedes in ihrer Bestimmung klar. Erst in Verbindung mit den Geschehnissen, die im Evangelium Christi verkündet werden, kann diese geglaubt und verstanden werden.
15 Vgl. dazu DENZINGER, HEINRICH: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen. Verbessert, erweitert, ins Deutsche übertragen und herausgegeben von Peter
40 Hünermann, Freiburg i. Breisgau: Herder, 2005, S.1251, Abs.4203f.
16 Vgl. MOSER, MANFRED: Art. Gewalt/Gewaltlosigkeit. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. XIII, Berlin/New York: Walter de Gruyter, 1984, S.169.
17 SEDLMEIER, FRANZ : Art. Tun-Ergehen-Zusammenhang. I.Biblisch. In: Lexikon für Theologie und 3 Kirche, Bd. 10, Freiburg im Breisgau: Herder, 2001, Sp.304.
18 SCHWIENHORST-SCHÖNBERGER, LUDGER: Art. Ius Talionis. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3 Bd. 5, Freiburg im Breisgau: Herder, 1996, Sp.700f.
19 Gemeint ist hier das Werden des Gottesknechts, sein „Ja“ zu Gott, seine Persönlichkeit, seine Fähigkeit, das ihm auferlegte Leiden zu tragen und seine Erhöhung. Der Begriff „Definition“ wird hierbei verwendet, weil er letztlich treffend als Begriffsbestimmung für den Gottesknecht steht. Die Definition des Gottesknechtes wird schließlich in einer Person Realität: in Jesus Christus. Dies wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch verständlicher.
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2. Das vierte Lied vom Gottesknecht
In der Diskussion um Assmanns These vom Gewaltpotential des Monotheismus weist Erich Zenger darauf hin:
„Das ‚politische’ Konzept des Gewaltverzichts könnte und müsste nun durch den Blick auf die sog. Gottesknechtslieder des Jesajabuches weiter präzisiert werden. Insbesondere das vierte Gottesknechtslied Jes 52,13-53,12 präsentiert eine Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt, die darin kulminiert, dass durch die freiwillige Hinnahme von Gewalt durch den ‚Knecht’ (als Individualgestalt, aber auch als Gemeinschaft) der tödliche Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt aufgebrochen 20 wird.“
Diese These klingt provozierend, denn wer möchte schon auf Verteidigung verzichten? Dennoch ist es eine These, die nicht nur durchdacht, sondern auch weitergedacht werden muss. Insbesondere in unserer Zeit, in der die Gewalt in Form des religiösen Terrorismus ihr höchstes Ausmaß erreicht hat, wird das vierte 21 Gottesknechtslied plötzlich aktuell. Es stellt für einen Christen gleichsam die Wende
von einer gewalttätigen zu einer friedensstiftenden Religion dar und beweist ein zutiefst pazifistisches und gewaltloses Verhalten, welches das Wüten der Gewalttäter 22 bis „zum Tod am Kreuz“, in Gehorsam Gott gegenüber auszuhalten vermag. Die
These Jan Assmanns ist deshalb fragwürdig, weil er das Gewaltpotential aller monotheistischen Religionen gleichsetzt, indem er die Theologie des Judentums, des Christentums und des Islams in Bezug auf Gewalt nicht ausdifferenziert. Sein 23 Hauptargument sind Gebote, wie: „Du sollst keine anderen Götter neben dir haben.“ Im Alten Testament, das für Juden und Christen nahezu die gleiche Gültigkeit besitzt, sind gerade Texte, wie das vierte Gottesknechtslied theologisch entscheidend, um von dem Gedanken Abschied zu nehmen, Gewalt könne durch Gewalt besiegt werden. In
20 ZENGER, ERICH: Der Mosaische Monotheismus im Spannungsfeld von Gewalttätigkeit und Gewaltverzicht. Eine Replik auf Jan Assmann. In: Walter, Peter (Hg.): Das Gewaltpotential des Monotheismus und der dreieine Gott, Quaestiones Disputatae 216, Freiburg im Breisgau: Herder, 2005, S.59.
21 Für die Juden dürfte dieses Lied ebenfalls zu einem pazifistischen Denken führen, auch wenn die tatsächliche Erlösergestalt, Jesus Christus, in ihrem Glauben nicht erkannt wurde.
22 Vgl. Phil 2,8. 23 Ex 20,3.
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diesem Lied ist die Offenbarung der Relativität von Orthodoxie geradezu bemerkenswert, da das Leiden des Gottesknechts, der den Erlöser verkörpert, eben nicht dem im Alten Testament bis dahin gültigen Tun-Ergehen-Zusammenhang folgt. Es kann demnach nicht richtig sein, die Gewalt, die im praktischen Leben von Juden und Christen verübt wird, auf die Religion bzw. auf die Heilige Schrift zurückzuführen. Zielgerichteter wäre die Kritik an fehlerhafter, eigensinniger und machtorientierter Auslegung der biblischen Texte durch die jeweiligen Religionsführer, welche Gewaltanwendung gepredigt und durch Religion legitimiert 24 haben und bis heute immer wieder legitimieren. Besonders deutlich ist diese Kritik
an den widerstreitenden Konfessionen in Nordirland anzubringen, denn sie schrecken bisweilen vor Gewalttaten nicht zurück. Aber auch gläubige Muslime müssen darauf hingewiesen werden, sich für eine gewaltfreie Ausübung ihres Glaubens einzusetzen, damit radikal extremistische Prediger des Islam diese in sich friedliche Religion nicht für ihre Zwecke und für ihren persönlichen Hass gegen Andersgläubige oder Ungläubige benutzen. Religiöser Extremismus jeglicher Art neigt zu Gewaltanwendung. Durch die vielen Toten, die aufgrund von Auseinandersetzungen zwischen den Religionen zu beklagen sind, müssen sich Geistliche jeder Konfession und jeden Glaubens aufrütteln lassen. Deshalb soll der Apostel Paulus nicht zuletzt, sondern gerade zur Einführung in die Exegese des vierten Gottesknechtsliedes mit einem zentralen Schriftwort, das gerade heute an Aktualität gewinnt, zu Wort kommen: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns 25 aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“
24 Vgl. dazu die Kreuzzüge, den Investiturstreit, den 30-jährigen Krieg, die Hassprediger der radikalen Moslems und viele andere geschichtliche Ereignisse, bei denen religiöse Gründe ein nicht wegzudenkender Bestandteil waren.
25 1 Kor 1,18.
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2.1 Deuterojesaja und die Gottesknechtslieder
Eine Besonderheit des Jesajabuches ist bereits im Aufbau feststellbar. In den Kapiteln eins bis 39 spricht der zwischen (740?)734-701 v. Chr. wirkende Prophet Jesaja selbst. Das ist wissenschaftlich unstrittig. Die Probleme und Unklarheiten über die 26 Autorschaft beginnen im Jesajabuch ab Kapitel 40. Mit wenigen Ausnahmen ist
jedoch ein anderer Prophet mit dem Namen Deuterojesaja als Autor der Kapitel 40 bis 55 allgemein anerkannt. Umstritten ist die seit 1892 von Duhm vertretene These, dass 27 ab Kapitel 56 nicht Jesaja, sondern wieder ein anderer Prophet, Tritojesaja, rede.
2.1.1 Geschichtlicher Zusammenhang und Einordnung
Die Forschung geht davon aus, dass Deuterojesaja und einige andere Texte aus dem 28 Jesajabuch zwischen 520-515 v. Chr. verfasst wurden. In den Texten selbst fehlen
die für eine historisch kritische Exegese so wichtigen Informationen wie gliedernde Überschriften und Situationsangaben. So muss die Exegese zum einen die Art der Einheiten des Textes bestimmen, zum anderen diesen Einheiten eventuelle Gliederungsprinzipien entnehmen. Schließlich sollte geprüft werden, ob eine 29 kompositorisch-redaktionelle Arbeit in Deuterojesaja wahrscheinlich ist. Historisch
gesehen ist die Hörerschaft in dieser Zeit eine völlig andere als zu Zeiten 30 Protojesajas. Der Jerusalemer Tempel wurde 589 v. Chr. zerstört und das Volk Israel in das Exil nach Babylon geführt. Leid und Unterdrückung in babylonischer Gefangenschaft lösten bei den Israeliten Resignation und Verzweiflung aus. Gleichzeitig kamen diese Israeliten immer intensiver mit der Religion, Kultur und Zivilisation Babylons in Kontakt und fanden sich nicht nur mit dem Neuen und Unbekannten ab, sondern sie drohten gar der Faszination dessen zu erliegen und die
26 Diese Ausnahmen sind Spadora und Payne. Vgl. dazu MICHEL, DIETHELM: Art. Deuterojesaja. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. VIII, Berlin/New York: Walter de Gruyter, 1981, S.510.
27 Vgl. dazu MICHEL, DIETHELM: Art. Deuterojesaja, S.510f.
28 Vgl. ZENGER, ERICH u. a.: Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart: W. Kohlhammer, 4 2001, S.398.
29 Vgl. MICHEL, DIETHELM, S.511. 30 734-701 v. Chr.
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Treue zu JHWH zu brechen. Es liegt auf der Hand, dass eine Reaktion seitens der Theologie notwendig erschien.
„Das Wort in 40-55 versucht einerseits mit dem Aufgebot aller zur Verfügung stehenden Mittel der traditionellen Theologie und religiösen Rhetorik, andererseits mit dem Einsatz schöpferischer Kraft zur Formung ganz neuer, ungehörter theologischer Sätze den Glauben an JHWH, den einen Gott, den Schöpfer und Retter, attraktiv zu machen. Kyrus eröffnete die Möglichkeit der Rückkehr nach Jerusalem wahrzunehmen. Theologisch ist der Auszug aus Babylon ein Auszug, der den aus 31 Ägypten überbietet.“
Diese hier sehr kurze und grob umrissene Momentaufnahme aus der Geschichte Israels versucht die Intention Deuterojesajas etwas zu verdeutlichen. Die nach Babylon verschleppten Israeliten sollten wieder Hoffnung schöpfen und sich ihrem Gott JHWH erneut zuwenden. Aufbauend auf diesen Hintergrund und in dieser Intention sind auch die Gottesknechtslieder zu lesen. Trotzdem sind sowohl die literarische Einheitlichkeit der Gottesknechtslieder, als auch ihre theologische Einordnung in die Prophetie Deuterojesajas, die Verfasserfrage und die 32 Identifizierung des Gottesknechts exegetisch umstritten. Erst seit B. Duhm werden 33 die Gottesknechtslieder als eigene Textgruppe verstanden. Dies liegt wohl an dem eigenen und besonderen Stil der Lieder, welcher durch die ruhige und getragene 34 Sprache sowie das „Ebenmaß der Stichen und Strophen“ auffällt. Folgt man der
Meinung der Exegeten, die sich Duhm angeschlossen haben, so können die Gottesknechtslieder auch aus Deuterojesaja entfernt werden, ohne dass eine auffallende Lücke im Text entstehen würde. Schließlich haben sie keine besondere und für den Textzusammenhang wichtige Beziehung zu ihrer Umgebung. Dies hat auch Folgen für die Person des Gottesknechts in Deuterojesaja und in Abgrenzung dazu für die Person des Knechts in den Gottesknechtsliedern. Zwar spricht der Prophet sowohl in den Liedern wie auch in den anderen Jesajatexten immer wieder vom Gottesknecht, doch sind die Zusammenhänge anders:
31 ZENGER, ERICH u. a.: Einleitung in das Alte Testament, S.400.
32 Vgl. HAAG, ERNST: Art. Knecht Gottes. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 6. Freiburg im 3 Breisgau: Herder, 1997, Sp.155.
33 Das sind Jes 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9 (10,11); 52,13-53,12. 34 MICHEL, DIETHELM, S.521.
13
35 „Bei ihm ist Israel, so wie es ist, der Knecht Jahves, von Jahve erwählt, geschützt und für eine herrliche Zukunft bestimmt, aber gegenwärtig blind und taub, gefangen und geplündert, ein Wurm, verachtet von den Heiden, voller Sünden. Dagegen ist der Held dieser Dichtungen dem Volk gegenübergestellt, unschuldig, Jahves Jünger und von ihm täglich erleuchtet, berufen zur Mission am Volk und an den Heiden und 36 seinem Berufe in aller Stille nachgehend; […]“
Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass es eine beachtliche Anzahl von Exegeten gibt, die Duhms Auffassung nicht folgen. Während Budde Jesaja die Möglichkeit einräumt, nicht immer dasselbe über sein Volk Israel sagen zu müssen und damit die Existenz Deuterojesajas relativiert, erkennt Giesebrecht die Sonderstellung der Gottesknechtslieder innerhalb Deuterojesajas an und schließt damit die Möglichkeit der Autorschaft eines anderen, nämlich Deuterojesajas, nicht 37 aus. Die Meinungen der Exegeten gehen also bereits in der Verfasserfrage weit auseinander. Infolgedessen ist es nicht verwunderlich, dass in der Forschung über tiefergehende theologische Fragen, wie über die Identität des Gottesknechts selbst, noch weit mehr Unsicherheit herrscht.
2.1.2 Die Identität des Gottesknechts
Giesebrecht gibt zu bedenken, dass die Übereinstimmungen der Gottesknechtslieder mit dem Kontext sehr groß seien. Deshalb müsse Israel auch in den Liedern als der 38 Gottesknecht identifiziert werden. Die Hauptschwierigkeit für die Exegese der
Gottesknechtslieder liegt also in der Auslegung bzw. der Interpretation und der damit verbundenen Frage: Wer ist mit dem Gottesknecht tatsächlich gemeint? Die Ursache der Deutungsvielfalt in dieser Frage ist größtenteils auch eine Frage der Zuordnung der Gottesknechtslieder zu Deuterojesaja oder zu einem anderen Autor. Der Gottesknecht steht nach verschiedenen Exegeten einmal für das Denkmodell
35 Gemeint ist hier Deuterojesaja. 36 MICHEL, DIETHELM, S.521. 37 Vgl. ebd. S.522. 38 Vgl. ebd.
14
39 „empirisches Israel - ideales Israel“ und einmal für den als Prophet gedachten 40 Ein andermal wird der Knecht für das Erzeuger und Repräsentant des Volkes Israel.
in die Verbannung geführte Israel gehalten, dessen Leiden im Zusammenhang mit dem des ausbleibenden Befreiungsedikts von Kyros steht. Diese recht grundsätzliche Frage nach der Identität des Knechtes ist also heftig umstritten und nicht eindeutig zu beantworten. Trotzdem finden im Neuen Testament bereits die ersten Christen zum besseren Verständnis des Leidens und Sterbens Jesu Christi wertvolle Hilfe im vierten 41 Gottesknechtslied. Dies darf nicht übersehen werden. Der äthiopische Kämmerer stellt in der Apostelgeschichte die Frage, welche Person mit dem Gottesknecht identifiziert werden könne, als er Jes 52,13-53,12 liest. Philippus legt ihm daraufhin 42 auf der Grundlage dieses Schriftwortes das Evangelium von Jesus Christus aus. Laut
dieser Bibelstelle „begann Philippus zu reden und ausgehend von diesem Schriftwort 43 verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.“ Es geht aus diesem Text nicht
eindeutig hervor, dass mit dem Gottesknecht zwingend Jesus selbst gemeint ist, doch wird die Autorität des vierten Gottesknechtsliedes schon in der Apostelgeschichte als wertvoll eingeschätzt. So konnte aufgrund dieses Textes das Evangelium verkündet werden. Für einen Christen stellt der Gottesknecht im vierten Gottesknechtslied eine Vorausdeutung auf die tatsächlichen Geschehnisse um Jesus Christus im Neuen Testament dar. So zentral ist dieses Lied, dass es Notger Füglister ohne Bedenken als die „abschließende Krönung der vier sog. ‚Gottesknechtslieder’ Jes 42,1-4; 49,1-6; 44 50,4-9; 52,13-53,12.“ bezeichnet.
Die Thematik dieses Liedes geht in zwei verschiedene Richtungen, die abschließend zusammengeführt werden. Zum einen in die Richtung der Beschreibung und Entlarvung von zwischenmenschlicher Gewalt in verschiedenen Formen, zum anderen in die Richtung der Gewaltüberwindung in Form der Gerechtmachung. Dies hat einen eschatologischen Stellenwert, der unbedingt berücksichtigt werden muss. So bildet der Text gleichsam die Grundlage für die Befreiung der Menschen aus ihrer
39 Vgl. MICHEL, DIETHELM, S.522. 40 Vgl. ebd.
41 Vgl. dazu besonders MICHEL, DIETHELM, S.526. 42 Vgl. dazu: Apg 8,26-40. 43 Apg 8,35.
44 FÜGLISTER, NOTKER: Karfreitag. Jes 52,13-53,12. In: Schulz Ehrenfried/Wahl Otto (Hg.): Unsere Hoffnung - Gottes Wort. Die alttestamentlichen Lesungen der Sonn- und Festtage. Auslegung und Verkündigung. Lesejahr B, Frankfurt am Main: Verlag Josef Knecht 1996, S.225.
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Gewalttätigkeit und ihrer Schuld. Ihre Befreiung leisten die Menschen nicht selbst, sondern die schon im ersten Gottesknechtslied, Jes 42,1-4, eingeführte Hauptperson: der Gottesknecht. Dies ist beim erstmaligen Lesen des Textes zu erkennen, wie folgende Übersetzung aus dem Hebräischen zeigt:
45 2.2 Jes 53,12-53,12: Übersetzung ins Deutsche
52,13Siehe Glück haben wird mein Knecht.
Er wird sich erheben, er wird empor getragen werden und er wird sehr erhaben sein.
52,14Wie viele entsetzten sich über dich, so entstellt, entfernt vom Menschen war sein Aussehen und seine Gestalt entfernt von den Adamskindern.
52,15So versetzt er viele Völker in Staunen. Seinetwegen werden Könige ihren Mund verschließen. Denn das, was ihnen nicht verkündet wurde, das haben sie gesehen, und was sie nicht hörten, haben sie vernommen.
53,1Wer hat unserer Kunde geglaubt? Der Arm JHWH’s - wem wurde er offenbar?
53,2Und er stieg auf wie der Schössling vor seinen Augen
45 Übersetzung nach STEURER, RITA MARIA [Übers.]: Das Alte Testament. Interlinearübersetzung Hebräisch-Deutsch und Transkription des hebräischen Grundtextes nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia 1986. Band 3. Jesaja - Jeremia - Ezechiel, Neuhaussen - Stuttgart: Hänssler Verlag, 1996 und
EDEL, REINER-FRIEDEMANN: Hebräisch-Deutsche Präparationen zu Jesaja, Marburg: Ökumenischer
3 Verlag Dr. R. F. Edel, 1964.
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und wie die Wurzel aus der Dürre der Erde.
Keine Gestalt hatte er und keine Hoheit, dass wir ihn angesehen hätten, und kein Ansehen, so dass wir ihn begehrt hätten.
53,3Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen, mit Krankheit bekannt gemacht, und wie jemand vor dem man das Gesicht verhüllt. Er war geschmäht und wir achteten ihn nicht.
53,4Dennoch: Unsere Krankheiten, ja er hat sie getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Wir hingegen, wir hielten ihn für einen Gezeichneten, einen von Gott Geschlagenen und Niedergebeugten.
53,5Und er war durchbohrt von unseren Missetaten, zerschlagen von unseren Verfehlungen. Auf ihm war Strafe für unseren Frieden, und in seiner Verwundung war uns Heilung.
53,6Alle von uns hatten sich verirrt wie das Schaf, ein jeder hatte sich seinem eigenen Weg zugewandt. Und JHWH, er ließ ihn treffen die Schuld von uns allen.
53,7Er wurde misshandelt, und er, er demütigte sich und er öffnete nicht seinen Mund, wie das Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie das Mutterschaf, das vor dem Angesicht ihres Scherenden verstummt, so öffnete er nicht seinen Mund.
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53,8Aus der Drangsal und aus dem Strafgericht wurde er genommen, und bei seinem Geschlecht,
wer bedenkt, dass er aus dem Lande der Lebenden herausgerissen war? Wegen der Abtrünnigkeit meines Volkes war ihm Schaden.
53,9Und man gab ihm sein Grab bei den Übeltätern und bei einem Reichen seine Todesruhe, obgleich er nicht Unrecht getan hat, und nicht Betrug in seinem Munde war.
53,10Und JHWH, er wollte sein Zerschlagen, er machte ihn leiden. Wenn er seine Seele als Schuldopfer hingibt, wird er Nachkommen sehen, er wird die Tage lang machen. Und das Wollen JHWHs: Durch seine Hand wird es gelingen.
53,11Frei von der Mühsal seiner Seele wird er sehen. Er wird satt werden in seiner Erkenntnis. Der Gerechte, mein Knecht, wird die Vielen gerecht machen, und ihre Verfehlungen wird er selbst tragen.
53,12Darum werde ich ihm an den Vielen Anteil geben, und er wird mit den Mächtigen Beute teilen
dafür, dass er seine Seele zum Tode hin gegossen hat und zu den Abtrünnigen gezählt wurde.
Und er trug die Sünde der Vielen, und er trat für die Abtrünnigen ein.
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Arbeit zitieren:
Peter Kaimer, 2008, Gewalt und Gewaltüberwindung im Alten Testament, München, GRIN Verlag GmbH
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