Abstract
Vergewaltigung, Missbrauch, ein harter Schlag ins Gesicht, eine Ohrfeige, ein kleiner Schubs - Gewalt gehört bei jeder vierten Frau in Deutschland zu ihrem Alltag. Ausweglosigkeit, Ohnmacht, Angst ist der ständige Begleiter der Gewalt erfahrenen Frauen, die durch ihre Familien, Ehe oder Partnerschaft unterdrückt und misshandelt werden. Vorangegangene empirische Untersuchungen meinen, dass jede vierte Frau Deutschlands häusliche Gewalt erlebt. Diese Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht dieses zu untersuchen und zu begründen. Eine Untersuchung von 100 Frauen in einer Großstadt soll zeigen, wie viele Frauen häusliche Gewalt erleben, Hilfe einfordern und wie man ihnen Hilfe anbieten kann. Stimmt es, dass Frauen mit Migrationshintergrund öfter häusliche Gewalt erleiden und warum? Warum erstatten Gewalt erlebte Frauen keine Strafanzeige? Warum holen sie sich keine professionelle Hilfe ein? Wer kann ihnen eigentlich helfen? Warum sind diese Frauen so ohnmächtig? „Macht macht Angst, Angst macht Ohnmacht“ hat der Mediziner Gerhard Uhlenbruck einmal gesagt. Vielleicht ist Angst das Schlüsselproblem vieler Gewalt erlebter Frauen. Auch das wird diese Arbeit herausfinden und widerlegen.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Aggression und häusliche Gewalt - Was bedeutet das? 3
3. Unterschiedliche Formen von Gewalt 5
4. Erkrankungen durch häusliche Gewalt 10
5. Vorgehensweise und Aufbau der empirischen Untersuchung 12
5.1 Empirische Untersuchung 14
5.1.2 Auswertung der empirischen Untersuchung 14
5.1.2 Anzahl der Probanden 14
5.1.3 Alter der Probanden 14
5.1.4 Migrationshintergrund 15
5.1.5 Gewalterfahrungen der Probanden 17
5.1.6 Erlebte Gewaltform 19
5.1.7 Über die Gewalt sprechen 22
5.1.8 Warum das Opfer Gewalt erfahren musste 26
5.1.9 Professionelle Unterstützung 28
5.2 Ergebnisse 32
6. Prävention und Intervention 34
7. Resümee 38
Literatur - und Quellenverzeichnis
Bachelor-Thesis von: Talar-Carmen Araxian (454397)
Eine empirische Untersuchung der Gewalterfahrungen bei Frauen im familiären Kreis“
1. Einleitung
„Häusliche Gewalt gegen Frauen“ ist eine immer wieder in den Medien diskutierte Problematik. Zum einen erfahren wir durch verschiedene Medien von Ehrenmördern, rachsüchtigen Gewalttätern bzw. Ehemännern und Vätern und zum anderen von vergewaltigten, geschlagenen und zu Unrecht behandelten Frauen, die sich selbst als Provozierte sehen. Während meines Praktikums in Wien in der „Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie“ erfuhr ich viele weitere Details und interessierte mich immer mehr für Ursachen, Hilfen und Präventionen gegen Gewalt an Frauen und so entschied ich mich für den Titel meiner Bachelor-Thesis. Hilfebedürftigen Frauen zu helfen und sie in ihren Ressourcen zu stärken, hat mich während meines Praktikums in der „Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie“ sehr geprägt. Hier habe ich erlebt, dass Gewalt erfahrene Frauen gar Suizid gefährdet sind, teilweise unter ständiger Angst leben und die Hilfe eines kompetenten Sozialarbeiters benötigen. Andrea Buskotte vertritt die Meinung, dass fast jede vierte Frau in ihrem Leben Gewalt erfährt. Um diese These einiger empirischer Untersuchungen zu verifizieren oder gar falsifizieren, habe ich eine von mir entworfene Untersuchung durchgeführt. Mir war bei dieser Untersuchung bewusst, dass nicht alle Frauen ihre Gewalterfahrungen ehrlich angeben würden, aber auch davon kann Andrea Buskotte nicht ausgehen. Es gibt eine Dunkelziffer von Gewalt erfahrenen Frauen, da sie ungern von ihren „schlechten Erfahrungen“ (so wird es oft in Klientengesprächen genannt) sprechen.
Während meiner Recherche zu meiner Bachelor-Thesis stellte ich fest, dass die jüngeren Frauen zwischen 26-35 Jahren mehr Gewalt erfahren, als ältere Frauen. Diese Behauptung wollte ich prüfen und entschied mich daher für die Untersuchung verschiedener Altersgruppen, um somit diese Aussage zu verifizieren oder gar falsifizieren. Des Weiteren stellte ich fest, dass zum Thema „Häusliche Gewalt gegen Frauen“ nur wenig Literatur existiert, was mich zusätzlich zu diesem
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Bachelor-Thesis von: Talar-Carmen Araxian (454397)
Eine empirische Untersuchung der Gewalterfahrungen bei Frauen im familiären Kreis“
Thema motivierte und meine Entscheidung, eine Befragung 1 , anhand der von mir entworfenen Fragen, bei Frauen ab 18 Jahren durchzuführen, auszuwerten und mittels Statistiken bildlich darzustellen. „Haben sie einen Migrationshintergrund?“, „Haben sie jemals als erwachsene Frau Gewalt in der Familie, Ehe oder Partnerschaft erlebt?“, „Wie äußerte sich diese Gewalt?“, „Haben sie mit jemandem über die Gewalt gesprochen?“, „Wenn nein, warum nicht?“ Diese Gedanken konnte ich unendlich fortführen.
Der Beratungs-Bereich „Gewalt gegen Frauen“ ist für einen Sozialarbeiter ein sehr schwieriger, weil die erfahrenen Informationen und Details der Opfer den Berater zum einen psychisch belasten und zum anderen der Berater erkennt, dass das Opfer intensive Hilfe benötigt. Während meines Praktikums hat mich persönlich ein Fall stark beeinflusst, als ich selbst sogar zur Zielscheibe eines Täters wurde und vor Angst in Ohnmacht fiel. Natürlich sind das Einzelfälle, aber die Ergebnisse der sozialen Arbeit gegen Gewalt an Frauen sind lachende Frauen, die sich ein Leben lang an den Sozialarbeiter erinnern und ewig dankbar sind. Diese Erfahrungen habe ich mir zum Ziel gesetzt und empfinde daher diese Untersuchung als große Herausforderung.
In der folgenden Bachelor-Thesis gehe ich im ersten Kapitel auf die Definitionen „Aggression“ und „Gewalt“ ein und ziehe anschließend ein kurzes Fazit, um einen Einstieg in die Thematik „Häusliche Gewalt an Frauen“ zu gewähren. Im folgenden Kapitel gehe ich auf die unterschiedlichen Formen von Gewalt ein. Die körperlichen Übergriffe, die psychische Gewalt, die ökonomische Gewalt und die sexuelle Gewalt werden hier beschrieben. Dieses wird anhand eines in meinem Wien-Praktikum erlebten Fallbeispiels, welches sich auf die körperliche und sexuelle Gewalt bezieht näher beleuchtet. Im nächsten Kapitel folgen die Erkrankungen durch häusliche Gewalt. Die Folgen für die Kinder, die diese Gewalt miterleben, werden in diesem Kapitel anhand einer Erklärungstheorie von dem Psychologen Bandura abgeleitet und beschrieben. In Kapitel fünf, dem Hauptaugenmerk dieser Bachelor-Thesis geht es um die von mir durchgeführte empirische Untersuchung. Sie
1 Der Fragebogen befindet sich im Anhang
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Bachelor-Thesis von: Talar-Carmen Araxian (454397)
Eine empirische Untersuchung der Gewalterfahrungen bei Frauen im familiären Kreis“
beginnt mit der Vorgehensweise und dem Aufbau der Untersuchung. Der Fokus dieser Arbeit liegt bei der Auswertung der empirischen Untersuchung. Hier werde ich die einzelnen Fragen von meinem erstellten Untersuchungsbogen als Schaubilder darstellen und beschreiben. Meine Ergebnisse der Untersuchung werden in Kapitel 5.2 anschließend dargelegt. In Kapitel sechs geht es um die Prävention und Intervention der Opfer von Gewalt. Ansatzpunkte für Opfer und Angebote einer Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie wie z.B. die in Wien sind in diesem Kapitel Bestandteil. Abschließend folgt das Resümee.
2. Aggression und häusliche Gewalt - Was bedeutet das?
Frauen werden häufig von ihren eigenen Partnern geschlagen, vergewaltigt oder bedroht und können bzw. wollen es niemanden mitteilen, da der Scham und die Angst vor Konsequenzen zu groß ist. Sie hoffen, dass ihr Partner, also ihr Täter, beginnt, die Versprechungen zu halten und sich zu ändern.
Im Folgenden werden die Begriffe Aggression und häusliche Gewalt näher durchleuchtet, um in die Thematik der häuslichen Gewalt einzusteigen. Der Begriff Aggression kommt aus dem lateinischen „aggredior - aggredi“ und bedeutet ursprünglich herangehen, im Sinne von zuwenden, bzw. angreifen im Sinne von berühren. Erst in neuerer Zeit ist Aggression als Angriffsverhalten bekannt. Aggressionen schließen also all jene Verhaltensweisen und Handlungen ein, die gegen andere Lebewesen und
deren Besitztümer gerichtet sind und Schaden anrichten. 2 Im Sprachgebrauch werden Gewalt und Aggression gleichbedeutend gebraucht. Zwischen beiden Begriffen lässt sich keine Trennlinie ziehen,
dennoch kann man unterscheiden. 3
Aggression lässt sich auf jede Art von Lebewesen beschreiben, welche auf Verletzung, Verdrängung und Vernichtung gerichtet ist. Bei Anwendung von Gewalt sind mindestens zwei Personen betroffen, in der man immer
2 vgl. http://www.gewalt-online.de/aggression.php
3 vgl. ebenda
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Bachelor-Thesis von: Talar-Carmen Araxian (454397)
Eine empirische Untersuchung der Gewalterfahrungen bei Frauen im familiären Kreis“
mit einer Verschiebung der Machtverhältnisse rechnet. Eine der beiden Konfliktparteien ist am Ende benachteiligt. Wie die Aggression, ist die
Gewalt immer gegen andere Menschen und deren Willen gerichtet. 4 Folgend wird der Begriff „Gewalt“ in Bezug auf die „häusliche Gewalt“ definiert, um einen Unterschied zum Begriff „Aggression“ zu verdeutlichen.
„Gewalt in Partnerschaften und Familien wird in überwiegender Mehrzahl durch Männer gegen Frauen ausgeübt. Frauen jeder sozialen Schicht, jeden Alters und jeder Konfession erleben häusliche Gewalt. Häusliche Gewalt umfasst Drohungen, Beleidigungen, Demütigungen und Erniedrigungen ebenso wie Schläge, Tritte, Vergewaltigungen bis hin zu Mord und Totschlag. Die Gewalt wird in aller Regel über lange Zeiträume wiederholt ausgeübt und hat erhebliche Folgen für Frauen und ihre Kinder im psychischen, körperlichen, ökonomischen und sozialen Bereich. Forschungen und Schätzungen zur Folge ist jede vierte Frau in ihrer Ehe oder Partnerschaft mindestens einmal der Gewalt durch ihren Partner
ausgesetzt.“ 5
Die Unterscheidung von physischer und psychischer Gewalt ist wichtig. Physische Gewalt äußert sich als direkte Aggression gegen eine Person z.B. schlagen, während sich psychische Gewalt in indirekter Weise z.B. durch Verhaltensweisen wie Nichthören, absichtliches Missverstehen, Vergessen wichtiger Angelegenheiten u. a. manifestieren kann. In indirekter Form sind gerade diese Formen der Gewalt innerhalb familiärer Beziehungen oder
Paarbeziehungen häufig anzutreffen. 6 Die Gewaltformen werden im Folgekapitel näher beleuchtet.
Fazit: Ziel und Aufgabe einer Gewaltprävention bei häuslicher Gewalt ist die Gewaltspirale bei Gewalt und Aggression in der Beziehung, Partnerschaft oder Ehe zu durchbrechen, die Opfer zu unterstützen, zu stärken und ein gewaltfreies Verhalten beim Gefährder zu erzielen.
4 vgl. http://www.gewalt-online.de/aggression.php
5 Zitat: http://www.helpline-sh.de/uberGewalt.html
6 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Gewalt gegen Frauen
- Ursachen und Interventionsmöglichkeiten, Kohlhammer 1998, S. 11ff
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Bachelor-Thesis von: Talar-Carmen Araxian (454397)
Eine empirische Untersuchung der Gewalterfahrungen bei Frauen im familiären Kreis“
3. Unterschiedliche Formen von Gewalt
Buskotte vertritt die Meinung, dass „jede vierte Frau […] mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch ihren Ehepartner, ihren
Freund oder Geliebten“ 7 wird. Das Spektrum der Taten sei breit und reiche von sexuellen Übergriffen bis hin zu unterschiedlichen Formen körperlicher und seelischer Gewalt. Gewalt gegen Frauen würde am Arbeitsplatz und in der Freizeit, auf der Straße und zu Hause verübt werden. Die eigene Wohnung sei jedoch ein besonders gefährlicher Ort für Frauen, denn Frauen würden in ihren Partnerschaften mehr Gewalt als überall sonst im
Leben erleben. 8
Hirigoyen verdeutlicht in ihren Schriften, dass viele Frauen, die zu Hause misshandelt werden, schweigen und sich weder an Polizei noch an eine Beratungsstelle wenden würden. Diese Frauen tauchen daher in keiner Statistik auf. Laut Hirigoyen gibt es aus dem Jahr 2005 Anhaltspunkte für ihre Statistik aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, mit 17.991 Fällen von häuslicher Gewalt. Diese Fälle beinhalten einfache und schwere Körperverletzungen, Bedrohungen, Nötigungen aber auch Vergewaltigungen und Tötungen. Obwohl diese Zahl uns sehr hoch erscheint, ist zu beachten, dass viele
Opfer sich bei Gewaltübergriffen nicht melden. 9 Die Gewalt bezeichnet nicht nur körperliche Misshandlungen, sondern jede Form von Zwangsanwendung gegenüber einer anderen Person, um Macht und Kontrolle auszuüben oder Schaden zuzufügen. Die gegenüber Frauen ausgeübte Gewalt nimmt alle denkbaren Formen an wie z.B. körperliche Gewalt, psychische Gewalt, sexuelle Gewalt oder ökonomische Gewalt.
Diese werden im Folgenden näher beschrieben. 10
„Aber nein, er prügelt mich doch nicht! Na ja, hin und wieder klebt er mir eine. Das Wort prügeln mag ich nicht, weil prügeln unzulässig ist. Wenn
7 Zitat: Buskotte, Andrea, Gewalt in der Partnerschaft, Patmos Verlag 2007, S. 16
8 vgl. ebenda
9 vgl. Hirigoyen, Marie-France, Warum tust du mir das an? Gewalt in Partnerschaften,
C.H. Beck Verlag 2006, S. 39
10 vgl. ebenda
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Arbeit zitieren:
Carmen Araxian, 2009, Häusliche Gewalt an Frauen - Eine empirische Untersuchung der Gewalterfahrungen von Frauen im familiären Kreis, München, GRIN Verlag GmbH
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