Kurzfassung
Mit statistischen Formmodellen (SFM) lassen sich zu erwartende Formvariationen einer bestimmten Objektklasse auf kompakte Weise repr¨ asentieren. Der wesentliche Vorteil dieser elastisch deformierbaren Modelle ist die inh¨ arente Beschr¨ ankung der erlaubten Formvariabilit¨ at innerhalb statistisch plausibler Grenzen. Somit ist die robuste Abbildung bislang unbekannter, patientenindividueller Auspr¨ agungen der jeweiligen Objektklasse und damit der Einsatz von SFM f¨ ur komplexe Aufgabenstellungen der medizinischen Bildverarbeitung wie z.B. die automatische Segmentierung von neuen Patientenaufnahmen m¨ oglich. CT-Aufnahmen des (Unter-)Kiefers sind h¨ aufig durch von Metallen (Zahnf¨ ullungen, Implantate) verursachte Bildartefakte erheblich gest¨ ort. Diese Artefakte sowie der hohe Rauschanteil bei der Low-Dose Dental CT machen eine zuverl¨ assige Segmentierung der Knochenanatomie in vielen F¨ allen nahezu unm¨ oglich. In dieser Arbeit soll deshalb ein statistisches Formmodell f¨ ur den Unterkieferknochen erstellt werden. Hierzu wurden verschiedene Parametereinstellungen bei der Modellerstellung getestet, die sich unmittelbar auf die G¨ ute des Modells auswirken.
Das Modell kann f¨ ur die automatische Segmentierung des Unterkiefers eingesetzt werden. Dadurch ist eine Verbesserung der Visualisierung und somit eine Erh¨ ohung des diagnostischen Nutzens artefakt- bzw. rauschbehafteter CT-Aufnahmen sowie eine genauere Planung chirurgischer Eingriffe m¨ oglich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Kieferknochen 3
2.1 Anatomische Merkmale 3
2.2 Prominente Formvariationen 4
3 Statistische Formmodelle 5
3.1 Formenrepr asentationen 5
3.2 Bestimmung von Landmarken 5
3.3 Modellierung statistischer Formvariabilit at 7
3.3.1 Ausrichtung 7
3.3.2 Statistische Formvariabilit at 8
3.4 Das Korrespondenzproblem 9
4 Material und Methoden 13
4.1 Beschreibung des Datensatzes 13
4.2 Technische Implementierung 14
4.3 Erstellung des statistischen Formmodells 15
4.3.1 Rauschreduktion 15
4.3.2 Segmentierung 16
4.3.3 Modellerstellung 17
4.4 G utekriterien 21
4.4.1 G utekriterien Segmentierung 21
4.4.2 G utekriterien Formmodell 23
5 Ergebnisse 25
5.1 Evaluierung der Segmentierung 25
5.1.1 Qualitative Evaluierung 25
5.1.2 Quantitative Evaluierung 27
5.2 Evaluierung des Formmodells 28
5.2.1 Qualitative Evaluierung 28
5.2.2 Quantitative Evaluierung 30
5.3 Zusammenfassung 34
6 Zusammenfassung und Ausblick 35
6.1 Zusammenfassung 35
6.2 Ausblick 36
Abbildungsverzeichnis 37
Inhaltsverzeichnis
Literaturverzeichnis 39
1 Einleitung
Statistische Formmodelle werden in der Computer Vision und der Bildverarbeitung eingesetzt, beispielsweise f¨ ur die automatische Gesichtserkennung oder die Segmentierung anatomischer Strukturen (Organe, Knochen). Des weiteren lassen sich Formmodelle bei der Diagnose von Krankheiten (z.B. Alzheimer), bei der Planung von radiologischen Behandlungen, sowie bei der Analyse von bewegten Objekten einsetzen.
Medizinische Bilder sind stets mit Rauschen behaftet sowie durch weitere Artefakte gest¨ ort. Aus diesem Grund ist es hilfreich Vorkenntnisse ¨ uber die Form der zu untersuchenden Struk-
tur zu haben, um eine automatische Erkennung und Segmentierung erm¨ oglichen zu k¨ onnen. Ein statistisches Formmodell liefert eben dieses Vorwissen ¨ uber das Objekt. Dabei wird aus
einer Menge von sogenannten Trainingsdaten eine Durchschnittsform und m¨ ogliche Formvariationen des Objektes bestimmt. Die Repr¨ asentation des Trainingsobjektes erfolgt dabei durch eine gewisse Anzahl an Punkten auf der Oberfl¨ ache, den sogenannten Landmarken. Die wesentliche Herausforderung bei der Erstellung eines statistischen Formmodells (SFM) aus Trainingsdaten ist die Bestimmung von korrespondierenden Landmarken ¨ uber alle Instanzen des Trainingsdatensatzes. Im dreidimensionalen Raum ist dabei nur eine automatische Bestimmung von korrespondierenden Punkten praktikabel.
Ziel dieser Arbeit ist es ein statistisches Formmodell f¨ ur den Kieferknochen zu erstellen. Im ersten Schritt ist die Segmentierung der Trainingsdaten erforderlich. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei auf eine m¨ oglichst effiziente Segmentierungsstrategie gelegt werden. Anschließend wird aus den segmentierten Daten ein Formmodell erstellt und dessen G¨ ute qualitativ und quantitativ evaluiert.
Da die Qualit¨ at von CT- oder MRT-Aufnahmen durch Artefakte, die durch Zahnf¨ ullungen bzw. Implantate aus Metall oder starke Bewegungen des Patienten entstehen, vermindert wird, kann die Diagnose einer Anomalie oder die Planung einer Operation f¨ ur den Arzt erschwert werden. Insbesondere soll das erstellte Formmodell dazu dienen die Bildqualit¨ at von Kopfaufnahmen zu verbessern, um dem Arzt bei medizinischen Anwendungen wie beispielsweise dem Einsetzen von Implantaten oder bei chirurgischen Eingriffen am Kiefer eine verbesserte Visualisierung der Aufnahmen zur Verf¨ ugung zu stellen. Zudem ist auch eine Anwendung des Formmodells bei chirurgischen Korrekturen von Missbildungen am Kiefer vorstellbar [1]. In einem solchen Fall ist die eigentliche Form nicht bekannt und beruht zumeist ausschließlich auf der subjektiven Einsch¨ atzung durch den Arzt.
Zu Beginn dieser Arbeit (Kapitel 2) werden die wesentlichen anatomischen Merkmale und prominente Formvariationen des Unterkieferknochens zusammengefasst. Im Anschluss daran wird in Kapitel 3 auf die mathematischen Grundlagen zur Erstellung eines statistischen Formmodells eingegangen. Dazu geh¨ ort die mathematische Repr¨ asentation von Formen, die Einf¨ uhrung von Landmarken und die Modellierung statistischer Formvariabilit¨ at. Außerdem soll das Problem der Korrespondenzbestimmung n¨ aher erl¨ autert werden. In Kapitel 4 wird das verwendete Material (CT-Daten, Software) und die eingesetzten Methoden beschrieben. Hierzu wird zuerst der Trainingsdatensatz, der zur Erstellung des statisti-
1
1 Einleitung
schen Formmodells verwendet wird, genauer beschrieben. Danach erfolgt eine Einf¨ uhrung in die Software ITK-SNAP, mit der die Segmentierung der Daten erfolgt und eine Erl¨ auterung der Schritte, die zur Erstellung des statistischen Formmodells n¨ otig sind. Die Modellerstellung gliedert sich in vier Schritte. Eine Vielzahl an Parametern beeinflusst sowohl die G¨ ute der Segmentierungen, als auch die G¨ ute der erstellten Modelle. Als ¨ Ubergang zum Kapitel
5 werden aus diesem Grund G¨ utekriterien genannt, die eine qualitative bzw. quantitative Bewertung sowohl der Segmentierungen, als auch der erstellten Modelle erm¨ oglicht. Im abschließenden Kapitel 5 erfolgt die Evaluierung der Segmentierungen und der erstellten Modelle.
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Arbeit zitieren:
Nick Sander, 2010, Erstellung und Evaluierung eines statistischen Formmodells des Kieferknochens, München, GRIN Verlag GmbH
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