1 Einleitung
Das Fürstentum Asturien im Norden der Iberischen Halbinsel umfasst circa 10.600 Quadratkilometer, auf denen rund eine Million Einwohner leben. Es besteht aus einer Provinz, die in 78 concejos, wie die Gemeinden in Asturien genannt werden, unterteilt ist. Asturien ist eine der Autonomen Regionen des sogenannten Grünen Spaniens und ist bekannt für seine üppige Vegetation, die abwechslungsreiche Landschaft und den keltischen Einschlag. Weniger bekannt hingegen ist die Asturianische Sprache, die auch Asturisch, Bable, Leonesisch, Astur-Leonesisch oder Asturisch-Leonesisch genannt wird (Andrés Díaz 2002a, 138f). Die Sprache ist unter anderem deshalb so unbekannt, weil sie im Gegensatz zum Baskischen oder Katalanischen keinen offiziellen Charakter hat und man sie kaum im alltäglichen Sprachgebrauch hört.
Sprachwissenschaftlich betrachtet unterteilt sich die Autonome Region Asturien in vier Bereiche. Während im westlichen Teil zwischen Galicien und dem Fluss Navia kein Asturianisch, sondern Galicisch-Asturianisch gesprochen wird, ist die Asturianische Sprache im restlichen Fürstentum in drei Varianten verbreitet. Das asturianu occidental wird zwischen den beiden Flüssen Navia und Nalón gesprochen. Das Sprachgebiet des asturianu central reicht vom Nalón im Westen bis zum Fluss Sella im Osten. Da diese Variante mit circa 80 Prozent die meisten Sprecher verzeichnet und historisch gesehen die Literatursprache des Asturianischen darstellt, bildet das asturianu central die Grundlage für die heutige normative Hochsprache des Asturianischen (Pérez Fernández 2006, 249). Im östlichen Teil Asturiens findet sich das asturianu oriental, dessen Grenzen der Fluss Sella und die Ostgrenze der Autonomen Region Asturien darstellen. Darüber hinaus wird Asturianisch auch in einigen Gebieten der Provinzen León und Zamora in der Autonomen Region Kastilien-León gesprochen. Außerdem gibt es in Miranda do Douro im Westen Portugals eine als mirandés bezeichnete linguistische Varietät des Asturianischen, welche dort im Jahre 1998 einen offiziellen Charakter erhielt (Academia de la Llingua Asturiana 2002, 41).
Die Einstellung gegenüber der Asturianischen Sprache hat sich im Laufe der Jahre und Jahrhunderte stetig gewandelt. Während die Sprache beispielsweise im Königreich Asturien Amtssprache war, verschwand sie während der Diktatur Francos fast völlig. In der Übergangsphase von der Diktatur zur Demokratie setzten sich dann zahlreiche Vertreter dafür ein, die Situation des Asturianischen zu verbessern und für das Überleben der
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Sprache sowie deren offizielle Anerkennung zu kämpfen. Dennoch sank die Sprecherzahl des Asturianischen kontinuierlich, so dass sie 2001 im Atlas of the World’s Languages in Danger of Disappearing der UNESCO gar als bedrohte Sprache eingestuft wurde (Wurm 2001, 29), also eine Sprache, deren jüngste Sprecher junge Erwachsene sind (Wurm 2001, 27f).
Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit die Verfechter der Asturianischen Sprache ihre Absichten durchsetzen konnten, was sich im Hinblick auf die Verbreitung der Sprache bereits verändert hat, welche Fortschritte erzielt wurden und wie sich die soziale, rechtliche und politische Situation des Asturianischen heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, gestaltet.
Dabei geht diese Arbeit davon aus, dass es sich beim Asturianischen um eine Sprache und nicht um einen Dialekt handelt. Dennoch gibt es durchaus auch solche Experten des Asturianischen, die die Meinung vertreten, es handele sich um einen Dialekt, was unter anderem daran liegt, dass das Asturianische auch für Sprecher des Spanischen relativ einfach zu verstehen ist. Bekanntester Vertreter dieser These ist der große Bablespezialist Neira Martínez (Bauske 1995, 39), doch selbst er erkennt an, dass es sich bei den verschiedenen Versionen des Asturianischen um „modalidades o dialectos del latín“(Neira Martínez 1976, 45) handelt, die „históricamente en el mismo plano que el gallego, el castellano, el catalán y el aragonés” (Neira Martínez 1976, 29) entstanden sind. Und so basiert auch die Annahme dieser Arbeit, dass es sich um eine Sprache handelt, auf der Evolution des Asturianischen aus dem Lateinischen parallel zum Spanischen (Academia de la Llingua Asturiana 2002, 41) und damit der Tatsache, dass es - trotz einiger Parallelen zum Spanischen - ein eigenes linguistisches System darstellt, welches „en la música, en el acento, en los sonídos vocálicos o consonánticos, en el mecanismo gramatical o semántico [representa] un sistema que no puede reducirse al español“ (García Gonzáles 1980, 191). Des Weiteren begründet sich die Einstufung des Asturianischen als eigenständige Sprache durch den Atlas of the World’s Languages in Danger of Disappearing, in dem es als „threatened Romance language“ bezeichnet wird, sowie die European Charta for Regional and Minority Languages, der Spanien eine Erklärung beifügte, in der es bestätigte, dass Asturianisch eine der zu schützenden „lenguas regionales o minoritarias“ 1 darstellt. Die Frage danach, ob es sich beim Asturianischen um eine Sprache oder einen Dialekt handelt, ist deshalb
1 Council of Europe 2002,
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von solch großer Bedeutung, weil nur die Einstufung als Sprache überhaupt eine Basis für den Kampf um offizielle Anerkennung ermöglicht.
Um die heutige Situation des Asturianischen besser verstehen zu können, soll im zweiten Kapitel dieser Arbeit zunächst auf die Geschichte der Sprache eingegangen werden. Es werden die Entstehung und die Anfänge des Asturianischen aufgezeigt und die weitere Entwicklung bis hin zur Diktatur Francos näher beleuchtet. Bereits in den letzten Jahren der Diktatur entstand eine Bewegung zur Verteidigung des Asturianischen. Im dritten Kapitel soll diese Bewegung ausführlich untersucht werden. Dabei liegt besonderes Augenmerk darauf, wer die Begründer dieser Bewegung waren, welche Ziele sie verfolgten und mit welchen Maßnahmen sie diese erreichen wollten. In diesem Zusammenhang werden auch die Gegner und Hindernisse beschrieben, denen die Verfechter des Asturianischen immer wieder begegneten.
Dies führt direkt zum vierten Kapitel, in dem die heutige juristische Situation des Asturianischen beschrieben werden soll. Es wird aufgezeigt, welche Fortschritte bezüglich der rechtlichen Stellung des Asturianischen sowie der linguistischen Rechte der Bürger bereits erreicht werden konnten und wie sich diese in den verschiedenen zu Grunde liegenden Gesetzestexten widerspiegeln.
Vor dem Hintergrund dieser gesetzlichen Grundlage soll im fünften Kapitel die Situation zu Beginn des 21. Jahrhunderts dargestellt werden. Es soll aufgezeigt werden, welche Stellung das Asturianische im heutigen Alltag einnimmt, wer die Sprecher des Asturianischen sind und wie sich die zu Grunde liegenden Gesetze auf das Leben in Asturien auswirken. Des Weiteren soll untersucht werden, wie sich die Situation des Asturianischen bezüglich der für die Verfechter sehr wichtigen Bereiche Unterrichtswesen, Ortsnamen und Kommunikationsmedien verhält.
Auf der Basis der vorangegangenen Ausführungen soll schließlich im sechsten und letzten Kapitel ein Fazit zur Situation des Asturianischen gezogen werden. Es soll dargestellt werden, inwieweit sich die Situation seit Beginn der Verteidigungsbewegung verbessert hat, ob die sprachlichen Rechte der Bürger garantiert werden und ob dem Ziel der offiziellen Anerkennung näher gekommen werden konnte. Kurzum soll also eine Antwort auf die Frage gegeben werden, ob sich das Asturianische auf dem Weg zur offiziellen Anerkennung befindet oder das Gegenteil der Fall ist und es kurz vor dem Aussterben steht.
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2 Geschichte des Asturianischen
Um die heutige Situation des Asturianischen, die Bedeutung der Sprache für ihre Anhänger und somit auch die Motivation der Verfechter des Asturianischen besser verstehen zu können, beginnt die Arbeit mit einer kurzen Darstellung der Geschichte der Sprache sowie deren Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte. Wie ist die Asturianische Sprache entstanden? Wie hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte verändert? Welche Bedeutung nahm sie in den verschiedenen geschichtlichen Phasen ein? Diese historischen Hintergründe stellen einen Teil der Basis des Kampfes für die offizielle Anerkennung des Asturianischen dar und begründen die Bedeutung der Sprache als kulturelles Erbe der asturianischen Bevölkerung.
2.1 Von der Entstehung bis zum Königreich León
In der Antike herrschte in Asturien eine linguistische Varietät, bei der sich die präromanischen Sprachen oft von Tal zu Tal unterschieden. Vorherrschend dabei waren keltische Sprachen (Neira Martínez 1976, 51). Durch seine geographische Lage und die natürlichen Grenzen - im Norden der Atlantische Ozean, im Süden das Kantabrische Gebirge - war Asturien zudem seit jeher sehr abgeschieden vom Rest der Iberischen Halbinsel. Diese Abgeschiedenheit der Region war auch der Grund dafür, dass die Römer das Gebiet erst circa 19 v. Chr., also relativ spät im Vergleich zur restlichen Iberischen Halbinsel, erobern konnten und somit auch die Romanisierung erst relativ spät erfolgte. Dann führte sie jedoch zu starken Veränderungen nicht nur im politischen, sondern auch im kulturellen Leben, was insbesondere die Sprache betraf. Die alten präromanischen Sprachen gingen verloren und wurden durch die Sprache der römischen Besatzer, dem Lateinischen, ersetzt (Neira Martínez 1970, 214).
Als im 5. Jahrhundert das Römische Imperium allmählich auseinanderzubrechen begann, folgte auch „la fragmentación de la lengua [latina]“ (Neira Martínez 1970, 214). Trotzdem verschwand das Lateinische nicht völlig von der Iberischen Halbinsel. Vielmehr schuf der Zusammenbruch des Römischen Reiches die Bedingungen dafür, dass sich unterschiedliche, vom Lateinischen abstammende Sprachen herausbilden konnten. Es entstanden verschiedene sprachliche Gebiete, die sich unabhängig voneinander entwickelten: Ga-
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licien-Portugal, Asturien-León und Extremadura, Kastilien mit Andalusien, Aragonesien und Katalonien mit Valencia und Mallorca (Neira Martínez 1976, 48). In diesen Gebieten bildete sich ein jeweils eigener Dialekt des Lateinischen heraus (Neira Martínez 1976, 46). Einige Jahrhunderte später, zu Beginn der Reconquista, waren diese anfänglichen Dialekte des Lateinischen im Norden der Iberischen Halbinsel zu eigenen Sprachen ge-worden: Galicisch, Asturianisch, Aragonesisch, Katalanisch und Spanisch (Neira Martínez 1976, 47). Latein verschwand aber nicht völlig, sondern blieb als Kultur- und Literatursprache insbesondere im Klerus und in intellektuellen Kreisen erhalten (Neira Martínez 1976, 47). Der Süden der Iberischen Halbinsel hingegen unterlag zu dieser Zeit arabischen Einflüssen.
Aus dem in Asturien gesprochenen Latein ging das Asturianische hervor (Neira Martínez 1970, 214). Während der Zeit des Asturianischen Königreichs vom 8. bis zum 10. Jahrhundert war diese Sprache Amtssprache (Academia de la Llingua Asturiana 2002, 41), und laut dem Historiker und Philologen Menéndez Pidal wurden diejenigen Personen, die Spanisch sprachen, zu dieser Zeit gar verspottet (Neira Martínez 1970, 214). Der königliche Sitz des Asturianischen Reichs in Oviedo verfügte damals über ein hohes soziales Prestige (Neira Martínez 1970, 214) und die Sprache war über das gesamte Gebiet des Asturianischen Königreichs sowie in Gebieten südlich des Kantabrischen Gebirges verbreitet.
Als im Jahre 910 das Asturianische Königreich zum asturleonesischen Königreich ausgeweitet wurde, breitete sich damit auch die Asturianische Sprache zwischen der Vía de la Plata und der portugiesischen Grenze aus (García Arias 2002, 15f). Wie beim vorangegangenen Königssitz in Oviedo war das am Königssitz in León gesprochene Asturianisch von hohem sozialem Ansehen. Trotzdem handelte es sich beim Königreich León nicht um eine linguistische Einheit. Während im Norden des Reichs neben Asturianisch auch Galicisch und Spanisch gesprochen wurde, trafen im Süden des Reichs durch politische Ansiedlungsmaßnahmen zum Schutz gegen die Mauren im Süden der Halbinsel Menschen aus den verschiedensten Bereichen der Iberischen Halbinsel aufeinander. Wegen ihrer unterschiedlichen Herkunft verständigten sich diese deshalb untereinander „más uniformada [y en una] nivelación lingüística“ (Neira Martínez 1976, 56f). Menéndez Pidal schrieb in diesem Sinne, dass das Königreich León
„[era] la tierra donde más activa fue la repoblación con muchos emigrantes venidos de muy diversos países; tal mezcla de gente no era propicia para conservar ni para producir hondos particularismos dialectales; el leonés del centro propendió, pues, a un tipo medio trabajado por tan encontradas influencias de gallegos, asturianos,
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bercianos, castellanos, mozárabes y se apartó bastante del multiforme dialectalismo de Asturias.” (Menéndez Pidal 1968, 449f)
2.2 Vom Königreich Kastilien bis zur Diktatur Francos
Im 12. Jahrhundert gewann das Königreich Kastilien auch für das asturleonesische Königreich immer weiter an Bedeutung. Dies führte zu einem stetig steigenden Einfluss des Spanischen und einer Absorption des Asturianischen (García Gonzáles 1980, 99). Dennoch verschwand das Asturianische nicht völlig, sondern überlebte auch in dieser schweren Zeit zumindest in abgelegenen Gebieten des asturleonesischen Königreichs (García Arias 2002, 16).
Mit der Übernahme des asturleonesischen durch das kastilische Königreich im Jahre 1230 gewann das Spanische die Überhand und Asturianisch wurde als Alltagssprache verdrängt. Dennoch wurde es im 13. und 14. Jahrhundert besonders für die Abfassung juristischer Dokumente weiterhin verwendet (Academia de la Llingua Asturiana 2002, 41). In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verstärkte sich die Kastellanisierung, also das Ersetzen des Asturianischen durch das Spanische, weiter und das Asturianische wurde nunmehr lediglich mündlich weitergegeben (García Arias 2002, 16). Doch das Asturianische sollte nicht völlig verschwinden. Im Gegenteil: Ab dem
17. Jahrhundert kam die erste Literatur auf Asturianisch auf, die sich von da an immer weiter entwickeln sollte (Academia de la Llingua Asturiana 2002, 41). Die häufigste literarische Gattung dieser modernen asturianischen Literatur war die Poesie, doch daneben gab es auch Veröffentlichungen in den Gattungen Drama und Prosaerzählungen sowie asturianische Lieder (García Arias 2002, 16).
Im Zuge dieses Aufkommens der Literatur wuchs auch das Bewusstsein für die Sprache. So gab beispielsweise bereits der asturianische Dichter und Schriftsteller Gaspar Melchor de Jovellanos eine Grammatik und ein Wörterbuch des Asturianischen in Auftrag
- beide Aufträge wurden jedoch nicht veröffentlicht (Bauske 1995, 22). Ende des 18. Jahr-hunderts plante Jovellanos außerdem die Gründung einer asturianischen Akademie. Der Prozess der Kastellanisierung, welcher zunächst sehr langsam vonstatten gegangen war, intensivierte sich im 20. Jahrhundert rapide, so dass die höchste Rezession des
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Asturianischen in diesem Jahrhundert angesiedelt ist. 2 Insbesondere während der Diktatur Francos verlor das Asturianische an Einfluss, asturianischsprachige Literatur wurde kaum veröffentlicht und in den Schulen wurde das Asturianische korrigiert und als ‚falsch gesprochen’ eingestuft (Andrés Díaz 2002b, 83).
Ein Versuch, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, bestand in der Gründung des Instituto de Estudios Asturianos (IDEA) im Jahre 1946, welches Bücher auf Asturianisch veröffentlichte und ab 1947 auch Konferenzen zum Asturianischen veranstaltete sowie ein eigenes Mitteilungsblatt, das Boletín del Instituto de Estudios Asturianos (BIDEA), publizierte. All dies geschah jedoch stets im Rahmen der Heimatgeschichte, also konform mit dem diktatorischen System Francos (Bauske 1995, 28). Dass das Asturianische dennoch fast durch das Spanische verdrängt wurde, lag auch daran, dass moderne Methoden zur Verbreitung einer Sprache, wie beispielsweise Radio und Fernsehen oder obligatorischer Sprachunterricht, lediglich dem Spanischen vorbehalten waren (Xunta pola Defensa de la Llingua Asturiana 1996, 45).
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Andrés Díaz 2002c,
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3 Transición und pro-asturianische Bewegung
Nachdem die historische Entwicklung des Asturianischen bis zur Diktatur Francos aufgezeigt wurde, soll im folgenden Kapitel dazu übergegangen werden, auch die darauf folgende Entwicklung zur Zeit der Transición bis hin zum Ende des 20. Jahrhunderts darzustellen. In der Übergangsphase von der Diktatur hin zur Demokratie erfuhr das Asturianische einen entscheidenden Aufschwung und es entstand eine motivierte Bewegung, die für das Überleben des Asturianischen und dessen offizielle Anerkennung kämpfte. Die Teilnehmer dieser Bewegung setzten sich sowohl für die Normalisierung der Sprache, welche den Asturianischunterricht, die Vertretung der Sprache in den Medien, die Anerkennung der traditionellen asturianischen Ortsnamen und den legalen Status des Asturianischen betrifft, als auch für die Normierung der Asturianischen Sprache, die normierte Regelwerke zu Grammatik und Rechtschreibung sowie ein allgemeingültiges Wörterbuch betrifft, ein. Doch die Bewegung stieß auch auf Widerstand, insbesondere seitens jener Personen, die gegen einen offiziellen Charakter des Asturianischen plädierten. Die in diesem Kapitel dargestellten Entwicklungen stellen die Basis für die weitere Entwicklung dar und sind somit maßgebend für die aktuelle Situation des Asturianischen.
3.1 Aufkommen der pro-asturianischen Bewegung
Bereits während der letzten Jahre der Diktatur Francos, die zu diesem Zeitpunkt durch die Krankheit des Diktators aber bereits geschwächt gewesen war, entstand 1969 eine Gruppe namens Amigos del Bable. Diese Vereinigung war die erste ihrer Art, die sich intensiv für die Asturianische Sprache einsetzte, und trug damit in hohem Maße zur darauf folgenden Entstehung der pro-asturianische Bewegung bei. Sie gab Schallplatten auf Asturianisch heraus, veröffentlichte asturianischsprachige Literatur und verlieh die Auszeichnung Xana del Bable für Verdienste rund um das Asturianische in verschiedenen Bereichen (Bauske 1995, 33). Ein wichtiges Mitglied der Vereinigung war der Grundschullehrer Lorenzo Novo Mier. Dieser war verantwortlich für die ab 1971 mehrmals pro Monat in der Sonntagsausgabe der Zeitung Región erscheinende Seite über das Asturianische, die traditionelles Erzählgut, asturianische Vokabeln und ab 1973 auch Theoretisches zur Asturianischen
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Sprache enthielt (Bauske 1995, 32f). Der Gründer der Gruppe, José León Delestal, äußerte sich einige Jahre später folgendermaßen über die Amigos del Bable: “Voz que en algunos casos, y por parte de muchos, fue recibida con alegría y atención, mientras que por otros lo fue al menos con respeto; pero que también cosechó desdenes y olvidos, cuando no expresiones despectivas, alusiones irónicas y, sobre todo, incomprensiones.” (García Gonzales 1980, 105) Vier Jahre nach Gründung der Amigos del Bable fand vom 19. bis zum 21. November 1973 in Oviedo die I Asamblea del Bable statt. Anwesend war auch Delestal, der von der Wichtigkeit sprach, Bücher auf Asturianisch zu veröffentlichen, um die Sprache zu erhalten. Außerdem wurde bereits die Forderung nach der Rekuperation der Ortsnamen geäußert (García Gonzales 1980, 182) und die Meinung vertreten, dass der Erhalt des Asturianischen nur durch eine Aufwertung der Sprache erreicht werden könnte, welche in der Schule mit einem Wahlfach Asturianisch beginnen müsse (García Gonzales 1980, 73). Diese drei Forderungen sollten bis heute die drei Hauptziele der Verfechter des Asturianischen bleiben.
Wegen der sich verschlimmernden Krankheit Francos wurde der spätere König Juan Carlos am 19. Juli 1974 als kommissarischer Staatschef eingesetzt. Am 20. November des folgenden Jahres starb der Diktator schließlich, und zwei Tage darauf wurde Juan Carlos zum König Spaniens gekrönt. Durch diese historischen Geschehnisse gingen im ganzen Land große Veränderungen vonstatten, so dass sich ab 1974 auch der Kampf für den Erhalt der Asturianischen Sprache verstärkte und eine pro-asturianische Bewegung, das sogenannte surdimientu, aufkam. 3
Teil dieser Bewegung war auch eine Gruppe junger Intellektueller namens Conceyu Bable, die sich für die Revitalisierung des Asturianischen einsetzte. Diese Gruppe zog im Juli 1974 mit ihrem dreiseitigen Bericht ‚Hablemos en bable’ in der Zeitung Asturias Semanal zum ersten Mal öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Darin wurde das Asturianische nicht nur als eigenständige Sprache dargestellt, sondern diese als ein Kulturgut bezeichnet, das es zu schützen galt (San Martín Antuña 2004, 41). Darüber hinaus kamen auch hier wieder die Forderungen nach Wiedereinführung der traditionellen Ortsnamen, Asturianischunterricht und einer würdigen Medienpräsenz zum Ausdruck (San Martín Antuña 2004, 43). Doch diese Bewegung zog auch negative Reaktionen nach sich, beispielsweise in Form des drei Wochen später in Asturias Semanal erschienenen Antwortschreibens, in dem nicht nur Ablehnung gegenüber dem Conceyu Bable geäußert wurde, sondern
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Andrés Díaz 2002c,
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Sarah Nadjafi, 2010, Die „asturische Sprache“ - Anspruch und Wirklichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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