Inhaltsverzeichnis
Punkt Inhalt Seite
1. Einleitung 3
2. Die Fußballsprache allgemein 6
2.1 Fußballsprache: Sammelbegriff für drei Teilsprachen 6
2.2 Exkurs: Fachsprache oder Sondersprache 8
2.3 Die Entwicklung der Fußballsprache 11
2.3.1 Die Anfänge 11
2.3.2 Bedeutung Kochs für die Fußballsprache 13
2.3.3 Bedeutung der Fußballberichterstattung für die weitere
Entwicklung 14
3. Die Sprache der Fußballberichterstattung in der Presse 16
3.1 Die Anfänge der Fußballberichterstattung 16
3.2 Die Zäsur: Radio und Fernsehen als neue „Konkurrenten“ 17
3.3 Allgemeine Merkmale 18
3.3.1 Das Prinzip der Antonomasie 18
3.3.2 Tabellensprache, Positionssprache, Spielsprache 19
3.4 Weitere spezifische Merkmale und Kritik 21
3.4.1 Emotionalität 21
3.4.2 Wertungen, Superlative, Hyperbolik 22
3.4.3 Wortfeld Krieg/Kampf 23
3.4.4 Weitere bevorzugte Wortfelder 25
3.4.5 Wortfeld Leistung/Technik 26
3.4.6 Wortfeld Spiel/Musik/Bühne 27
3.4.7 Phraseologismen 28
3.4.8 Fremdwörter 29
3.5 Arbeitsbedingungen des Fußballjournalisten 29
4. Die Analyse 30
4.1 Einleitende Überlegungen 30
4.2 Das Wortfeld Emotion 33
4.3 Wertungen, Superlative, Euphemismus 34
4.4 Wortfelder Krieg/Kampf, Leistung/Technik, Musik/Bühne 37
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4.5 Phraseologismen, Namensspielchen, Ad-hoc-Bildungen 39
4.6 Anglizismen und andere Fremdwörter 42
5. Fazit 44
6. Literaturverzeichnis 47
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1. Einleitung
„ Das nächste Spiel ist immer das schwerste“, „Es ist dann Abseits, wenn der Schiri pfeift“, „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ oder „Ein Spiel dauert 90 Minuten“. Jedem, der sich ein wenig für Fußball interessiert, werden diese Phrasen bekannt sein. Mittlerweile haben viele dieser Sprüche sogar Kultstatus erreicht, nicht zuletzt gefördert durch die Fußball-Talkrunde „Doppelpass“ im Deutschen Sport Fernsehen (DSF), in der die Gäste für jede verwendete Phrase drei Euro ins so genannte „Phrasenschwein“ einzahlen müssen. Allein diese Ausführungen belegen, dass zwischen der Sportart Fußball und der deutschen Sprache ein unverkennbarer Zusammenhang besteht. In besonderer Weise gilt dies für die Sprache der Fußballberichterstattung, die aus linguistischer Perspektive vor allem deshalb interessant ist, weil sich in ihr nicht nur unterschiedlichste Sprachstile zu einer Sprachschicht verbinden, sondern sie auch großen Beitrag zur Weiterentwicklung der Fußballsprache leistet.
Angesichts dieser sprachwissenschaftlichen Relevanz unternimmt die vorliegende Bachelorarbeit den Versuch, die spezielle Sprache der Fußballberichterstattung in Tageszeitungen zu erfassen und zu analysieren. Vorab soll jedoch im ersten Teil der Arbeit die Fußballsprache allgemein in den Blick genommen werden. So wird zunächst dargestellt, was unter dem Terminus
„Fußballsprache“ eigentlich zu verstehen ist und aus welchen verschiedenen Sprachstilen sich diese zusammensetzt. Hieran schließt sich ein Exkurs an, welcher der nicht leicht zu beantwortenden Frage nachgeht, ob die Fußballsprache der Fach-oder Sondersprache zuzurechnen ist. Der nächste Punkt gibt einen Überblick über die Anfänge der Fußballsprache und nimmt dabei auch auf die Bedeutung der Fußballberichterstattung für ihre weitere Entwicklung Bezug.
Die Darstellung der Entwicklung der Fußballberichterstattung in der Presse bildet den Auftakt für den zweiten Teil dieser Arbeit, die sich
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unter lexikalischen Gesichtspunkten mit der Sprache der Fußballberichterstattung in den Print-Medien beschäftigt. Hierin werden zunächst allgemeine Merkmale dieser Sprachschicht aufgeführt, bevor in einem weiterführenden Schritt der Fokus auf ihre spezielleren Eigenschaften gelegt wird. Die darin häufig implizit geäußerte Kritik soll danach durch eine kurze Zusammenfassung der Arbeitsbedingungen eines Fußballjournalisten zu gewissen Teilen relativiert werden, was zudem erst eine angemessene Beurteilung der Sprache der Fußballberichterstattung möglich macht. Nach einer thesenartigen Zusammenfassung dieser Charakteristika will dann eine Analyse von Fußballberichten aus drei verschiedenen Zeitungen Aufschluss darüber geben, inwiefern sich die Thesen anhand des untersuchten Materials belegen lassen.
Abschließend sollen in einem Fazit wesentliche Erkenntnisse dieser Arbeit noch einmal zusammengefasst und die aus Platzgründen nicht behandelten Aspekte kurz erwähnt werden.
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2. Die Fußballsprache allgemein
2.1 Fußballsprache- Sammelbegriff für drei Teilsprachen Um Missverständnissen vorzubeugen, muss zunächst grundsätzlich festgehalten werden, dass in der Sekundärliteratur häufig nicht explizit von der „Fußballsprache“, sondern von der „Sportsprache“ im Allgemeinen die Rede ist. Die Sportsprache ist demnach nicht als ein starres und nach außen hin abgeschlossenes, sondern vielmehr als ein relativ flexibles Konstrukt zu verstehen, welches sich aus drei unterschiedlichen Teilbereichen immer wieder neu konstituiert:
a) die Sportfachsprache
b) den Sportjargon
c) die Sprache der Sportberichterstattung (Vgl. Dankert 1969, S.1f.)
Ausgehend von dieser Anordnung bietet es sich an, auch die Fußballsprache als eine „Subsprache“ (Fingerhut 1989, S.63) der Sportsprache in derlei Kategorien zu unterteilen. Allerdings ist anzumerken, dass „Fußballsprache“ und „Sportsprache“ nicht synonym zu begreifen sind und sich die Sprache des Fußballs durchaus von der Sprache anderer Sportarten unterscheidet (Vgl. Dankert 1969, S. 5). Generell kann die Fußballsprache nur der Versuch sein, „sich einen speziellen Weltausschnitt sprachlich zu erschließen und so kommunikativ verfügbar zu machen“ (Burkhardt 2006b, S.64):
a) Fußballfachsprache
b) Fußballjargon
c) Sprache der Fußballberichterstattung (Vgl. Burkhardt 2006a, S.8) 1
Unter der Fußballfachsprache werden jene Termini des Fußballs subsumiert, ohne die dieses Spiel schlichtweg nicht existieren könnte. Darunter fallen zum einen Grundbegriffe der Regeln und Spielgegenstände wie Tor, Seitenlinie, Eckstoß, Eckfahne oder
1 Burkhardt fügt diesen Komponenten mit der Sprache der Fans noch eine vierte
hinzu. Die Fans hätten aus dem Kontext ihrer Lebenswelt eigene Wörter und
Bedeutungen wie zum Beispiel Blockfahne oder supporten entwickelt (Vgl. ebd.).
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Feldverweis 2 sowie Bezeichnungen für taktische Systeme oder Positionen wie etwa 4-4-2, Viererkette oder Mittelstürmer. Insgesamt jedoch macht die Fachsprache nur einen kleinen Teil der Fußballsprache aus, was sie gleichzeitig durchlässiger für die Umgangssprache macht (Vgl. Braun 1998, S.134). Zum Fußballjargon zählen die zumeist umgangssprachlichen, bildhaften Ausdrücke, mit denen sich sowohl Sportler als auch Zuschauer über Spielsituationen, -handlungen und -elemente verständigen. Jargonale Wendungen zeichnet vor allem ihr synonymer Einsatz innerhalb der Kommunikation aus. Sie werden also verwendet, obwohl der standardsprachliche oder
fachsprachliche Wortschatz eigentlich schon zur Beschreibung ausreichen würde. Beispielhaft können hier die Bezeichnungen Pille für Ball oder Bude für Tor angeführt werden. Die Sprache der Fußballberichterstattung schließlich umfasst die charakteristischen Ausdrücke und Wortschöpfungen der Journalisten, die beruflich über den Fußball berichten. Neben dem Stilmittel der Metonymie, „bei der sich die Bedeutung eines Wortes innerhalb desselben Erfahrungsrahmens oder, beim Fußball, derselben Spielsituation auf neue bzw. weitere Elemente verschiebt“ (Burkhardt 2006b, S. 60), durch die sich Formulierungen wie Er trat die Ecke hoch vor das Tor oder Oliver Kahn hielt den Elfmeter ergeben, sind hier vor allem viele sprachliche Bilder zu finden. Dies begründet sich aus dem Ziel des Sportjournalisten, das Spielgeschehen nicht nur wiedergeben, sondern den Leser auch unterhalten zu wollen. Ergebniskosmetik, Abstiegskandidat, Zitterpartie oder Fehlpass-Festival sind nur einige Ergebnisse der journalistischen kreativen Bemühungen, auf die in dieser Arbeit noch zu einem späteren Zeitpunkt explizit eingegangen werden wird (Vgl. Burkhardt 2006a, S. 8; Burkhardt 2006b, S.55). Bei der Auseinandersetzung mit der Sprachvarietät
„Fußballsprache“ ist allerdings zu berücksichtigen, dass das bis
2 Die im Folgenden jeweils kursiv gehaltenen Beispiele sind entweder vom Autor erfunden
oder aus der Literatur übernommen, die am Ende eines Abschnitts angegeben wird (Anm. d.
Verf.).
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hierhin gezeichnete Bild zu statisch ist und lediglich der Anschaulichkeit dienen soll. Vielmehr ist die Fußballsprache in der Praxis, wie bereits oben angedeutet, als ein Konglomerat aus allen drei Bereichen zu begreifen, deren Grenzen fließend verlaufen. Am eindeutigsten lässt sich dies am Beispiel eines Zeitungsberichtes über ein Fußballspiel erkennen: So sind hier nicht nur die obligatorischen Elemente der Report- und Fachsprache, sondern auch eine Vielzahl von fachjargonalen Ausdrücken zu finden, da Fachtermini „erst in Verbindung mit einer Fülle von Variierungen und Ergänzungen zu einer exakten Beschreibung des Fußballspiels taugen“ (Dankert 1969, S.17). 2.2 Exkurs: Fachsprache oder Sondersprache? Schon die bisher angeführten Beispiele lassen selbst einen Laien erkennen, dass die Sprache des Fußballs zahlreiche Unterschiede zur Standardsprache aufweist. So leicht diese Feststellung auch erscheinen mag, so schwer fällt die Frage, welcher Sprachvarietät die Fußballsprache letztendlich zuzuordnen ist. Die Schwierigkeit ergibt sich vor allem durch die oben dargelegte Komplexität der aus drei Teilbereichen bestehenden Fußballsprache und dem daraus resultierenden heterogenen Wortschatz, dessen Inhalt sich sowohl unter der Kategorie Fach- als auch Sondersprache einordnen ließe.
Um überhaupt eine Einteilung vornehmen zu können, soll zunächst daran erinnert werden, was eine Fachsprache ausmacht: „Die Fachsprache ist an den Beruf gebunden und zeichnet sich z.B. durch einen speziellen Wortschatz […] und bestimmte syntaktische Strukturen […] aus. Eine Fachsprache strebt nach Ökonomie und Genauigkeit; sie ist vor allem funktional.“ (Kessel/Reimann 2008, S.143) Angesichts dieser Definition erscheint es zunächst aufgrund der Sach- und Regeltermini des Fußballs wie etwa Ball, Torwart,
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Schiedsrichter, schießen oder Abseits nahe liegend, von einer Fachsprache zu sprechen.
Demgegenüber stehen jedoch zahlreiche Wendungen des Fußballjargons (z.B. Bogenlampe oder Klebe), die sich der Gattung Sondersprache zuordnen lassen, da diese Begriffe durchaus der Funktion einer Sondersprache nachkommen: Der Bildung eines Gruppenzusammengehörigkeitsgefühls und die damit einhergehende Abgrenzung von anderen Sprechergruppen (Vgl. Kessel/Reimann 2008, S.144).
In der älteren Forschung lässt sich die Tendenz erkennen, die Fußballsprache eher als Sondersprache aufzufassen. Zwar erkennt Dankert die Notwendigkeit zur Differenzierung von Fach- und Jargonsprache (Vgl. Dankert 1969, S.22), klassifiziert die Fußballsprache insgesamt aber als „die wichtigste und einflussreichste unter den […] Sondersprachen“ (Ebd., S.1) und stimmt so mit Schneider überein, der die Sondersprache Sportsprache als „die Gesamtheit des zur Verbalisierung des Sports benötigten speziellen Wortschatzes“ (Schneider 1974, S.18) versteht. Auf den ersten Blick scheint diese Zuordnung angesichts der zahlreichen jargonalen Wendungen für bereits bestehende Wendungen (z.B. die Synonyme Kirsche, Pille für Ball) nachvollziehbar. Schließlich sind diese Begriffe Teil eines Wortschatzes, der Fußballlaien wahrscheinlich verständnislos mit den Achseln zucken ließe. Unstrittig ist ebenso, dass diese Begriffe „zur Akzentuierung einer intimen Vertrautheit mit dem Fußballspiel“ (Dankert 1969, S.22) beitragen und mit der jeweiligen Konnotation nur innerhalb der Gruppe verstanden werden, die Fußballsprache verwendet.
Ob aber sich aber hieraus automatisch die Schlussfolgerung Fußballsprache gleich Sondersprache herleiten lässt, soll an dieser Stelle kritisch hinterfragt werden. Als problematisch erweist es sich vor allem, den Mitgliedern der „Sprachgruppe Fußball“ grundsätzlich eine bewusste Exklusionsintention gegenüber anderen
Sprechergruppen zu unterstellen, wenn sie etwa die oben angeführte
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Jargonausdrücke verwenden. Diese Absicht dürfte bei Sprechern der Fußballsprache deutlich geringer ausgeprägt sein, als dies zum Beispiel in der Sondersprache „Jugendsprache“ der Fall ist. Darüber hinaus sprechen die zahlreichen Wendungen des Jargons und der Reportsprache, die zur adäquaten Beschreibung von speziellen Spielaktionen verwendet werden, gegen die Definition der Fußballsprache als Sondersprache. So dienen etwa die Umschreibungen für das Fachwort schießen (z.B. schieben, platzieren oder abstauben) nicht der Synonymisierung, sondern der exakten Beschreibung der jeweiligen Spielsituation. Die Verwendung solcher Ausdrücke ist also in erster Linie funktional motiviert und erfüllt somit die Voraussetzungen einer Fachsprache. Auch im Bewusstsein der sich immer mehr ausweitenden Fußballberichterstattung wäre es verfehlt, die Fußballsprache noch als eine Sondersprache zu definieren. Schließlich fällt es heute selbst einem grundsätzlich fußballuninteressierten Menschen schwer, sich der Berichterstattung über fußballerische (Groß-) Ereignisse vollkommen zu entziehen. 3 Vor diesem Hintergrund lässt sich schlussfolgern, dass ein Großteil der Sprachgemeinde zumindest Basiskenntnisse über den Fußballwortschatz verfügt. 4 Wie sehr die Fußballsprache in den umgangssprachlichen Gebrauch Einzug gefunden hat, stellte bereits Haubrich 1965 fest, indem er die Verwendung fußballsprachlicher Fachbegriffe zur Bildung von umgangssprachlichen Metaphern in politischer und wirtschaftlicher Berichterstattung analysierte (Vgl. Haubrich 1965). Seine Erkenntnisse besitzen auch noch 40 Jahre später ihre Gültigkeit: So können Politiker sich gegenseitig den Ball zuspielen oder ein Eigentor fabrizieren, während sich Wirtschaftsunternehmen gerne in der Champions-League sehen oder in Verhandlungsrunden in die Verlängerung gehen müssen. Diese Durchlässigkeit
3 Eine neue Dimension erreichte diese Entwicklung mit dem Aufkommen des
„Public Viewing“ seit der Weltmeisterschaft 2006 (Anm. d. Verf.).
4 Insofern genießen auch die Klassifizierungen Dankerts und Schneiders eine
gewisse Berechtigung. Über Fußball wurde 1969 bzw. 1974 noch nicht in dem
Maße berichtet, wie es heute der Fall ist, sodass der Kreis derer, die mit der
Fußballsprache in Kontakt kamen, sicherlich deutlich kleiner war als heute (Anm. d.
Verf.).
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Christopher Deeken, 2010, Sprachliche Besonderheiten der Fußballberichterstattung, München, GRIN Verlag GmbH
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