Inhaltsverzeichnis Seite
Abbildungsverzeichnis. V
Tabellenverzeichnis. VIII
1.Einleitung und Zielsetzung 1
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit. 3
1.2 Datengrundlage und Forschungslage. 4
2. Die historische Entwicklung bis 1990 5
2.1 Ortsnamen und Alte Geschichte der Stadt Hettstedt 5
2.1.1 Entwicklung des Bergbaus. 6
2.1.2 Veränderung des Stadtbildes 7
2.2 Die Genese der Stadt bis 1870 9
2.2.1 Wirtschaft: Verfall und Intensivierung des Bergbaus 9
2.2.2 Veränderung des Stadtbildes und Bevölkerungsentwicklung 11
2.3 Entwicklung von 1870 bis 1918 13
2.3.1 Entwicklung zur Industriestadt und der damit verbundene Bevölkerungsanstieg. 13
2.3.2 Infrastruktur und Stadtbild 14
2.4 Entwicklung von 1918 bis 1945 15
2.4.1 Die Wirtschaft Hettstedts in der Zwischenkriegszeit 15
2.4.2 Stadtbild und Bevölkerung 16
2.5 Entwicklung von 1945 bis 1990 17
2.5.1 Wirtschaft. 18
2.5.2 Bevölkerung und Stadtbild 19
2.6 Zwischenfazit 20
3. Analyse der geographischen Strukturen seit den 1990er Jahren bis in die
Gegenwart 23
3.1 Wirtschaftsentwicklung 24
3.1.1 Gewerbe 24
3.1.2 Sozialversicherungspflichtige. 28
3.1.2.1 Verteilung der Sozialversicherungspflichtigen 30
3.1.2.2 Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Sektoren. 32
3.1.3 Arbeitslosenzahlen. 34
3.2 Bevölkerungsentwicklung 38
III
3.2.1 Natürliche Bevölkerungsentwicklung. 40
3.2.2 Migration. 42
3.2.3 Altersstruktur. 45
3.3 Haushalte und Wohnungswirtschaft bis zur Gegenwart und Stadtumbau Ost 49
3.3.1 Leerstand. 49
3.3.2 Stadtumbau Ost: Wohnungswirtschaft und Innenstadtsanierung 52
3.4 Zwischenfazit 65
4. Probleme und Chancen der zukünftigen Entwicklung. 66
4.1 Wirtschaft 66
4.2 Bevölkerung 67
4.3 Stadtentwicklung 69
5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung. 70
Quellenverzeichnis 76
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Karte mit den Wohngebieten Hettstedts.
Abbildung 2: Reste des ersten Bergbaus
Abbildung 3: Mutmaßlicher Verlauf der Stadtmauer.
Abbildung 4: Haus aus der Gründerzeit auf dem Hettstedter Freimarkt.
Abbildung 5: Haus aus der Gründerzeit auf dem Hettstedter Freimarkt.
Abbildung 6: ehemalige Arbeitersiedlung am Kupferberg.
Abbildung 7: Entwicklung der Bevölkerung Hettstedts von 1430 bis 1990
Abbildung 8: Gewerbeanmeldungen und Gewerbeabmeldungen in Hettstedt von 1995 bis
2008...............................................................................................................................
Abbildung 9: Discounter an der B180.
Abbildung 10: Eingangshalle HMT
Abbildung 11: Eingangshalle Wildfang.
Abbildung 12: Gewerbeanmeldungen- auf 1000 Einwohner Hettstedt ,Landkreis Mansfeld-
S üdharz und Sachsen-Anhalt
Abbildung 13: Anzahl der Sozialversicherungspflichtigen in Hettstedt, Sachsen-Anhalt und
Eisleben nach Wohnort von 1999 bis 2008
Abbildung 14: SV-Beschäftigte am Wohnort Hettstedt nach Hauptwirtschaftsbereichen.
Abbildung 15: Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hettstedt am Wohnort
insgesamt
Abbildung 16: Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen-Anhalt am
Wohnort
Abbildung 17: Vergleich der SV-Beschäftigten Hettstedts nach Arbeitsort in den Bereichen:
Dienstleistung , verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe, Gastgewerbe,
Handel sowie Instandhaltung
Abbildung 18: Eingangsbereich des MKM Werkes
V
Abbildung 19: Teil des Fabrikgeländes.
Abbildung 20: Mitarbeiterentwicklung in der Mansfelder Kupfer und Messing GmbH von
bis 2008
Abbildung 21: Arbeitslosenzahl von Hettstedt, Eisleben und Sachsen-Anhalt von 1998 bis
2008 im Vergleich
Abbildung 22: Abgänge und Zugänge von der Arbeitslosigkeit in Hettstedt
Abbildung 23: Zu- und Abgänge der Arbeitslosenstatistik der Kategorie unter 25 Jahre alt von
1998 bis 2008 in Hettstedt.
Abbildung 24: Bevölkerungsentwicklung der Stadt Hettstedt von 1991 bis 2008
Abbildung 25: natürliche Bevölkerungsentwicklung der Stadt Hettstedt von 1991 bis 2007.
Abbildung 26: Migration von 1991 bis 2007 in Hettstedt und Sachsen-Anhalt.
Abbildung 27: Fortzüge nach Geschlecht von 1991 bis 2007 in Hettstedt.
Abbildung 28: Bevölkerungspyramide der Stadt Hettstedt unterteilt in Altersstruktur
Abbildung 29: Altersstruktur der Stadt Hettstedt in Prozent
Abbildung 30: Einwohner nach Altersgruppen in den vier Wohngebieten und Weinberg im
Jahr 2009
Abbildung 31: Bevölkerung nach Altersgruppen Sachsen Anhalt
Abbildung 32: Wohnungsleerstand der Wohngebiete I-IV im Jahr 2000, 2003 und 2009
Abbildung 33: Prozentualer Leerstand in den 4 Wohngebieten 2009.
Abbildung 34: Einwohnerentwicklung in den verschiedenen Wohngebieten in Hettstedt seit
1995 bis 2005
Abbildung 35: Wohngebiet mit Einfamilienhäuser am Krankenhaus
Abbildung 36: Wohngebiet mit Einfamilienhäuser auf dem Weinberg
Abbildung 37: Verhältnis von erbauten Wohngebäuden insgesamt und davon errichteten
Wohngeb äuden mit einer Wohnung.
Abbildung 38: Entwicklung der Gebäudeanzahl je 100 Einwohner von 1995 bis 2008 in
Sachsen -Anhalt, Hettstedt und Eisleben.
VI
Abbildung 39: Entwicklung der Wohnungsanzahl je 100 Einwohner von 1995 bis 2008 in
Sachsen -Anhalt, Hettstedt und Eisleben.
Abbildung 40: Bestand der Wohnungstypen 1997.
Abbildung 41: Bestand der Wohnungstypen 2008.
Abbildung 42: Anzahl der Wohnungstypen in Prozent in den Wohngebieten I-IV
Abbildung 43: Karte des III. Wohngebiets Leerstand
Abbildung 44: Sanierte Blöcke im III. Wohnkomplex
Abbildung 45: Neugestalteter Busbahnhof.
Abbildung 46: Marktplatz.
Abbildung 47: Saniertes Rathaus
Abbildung 48: Hausruine auf dem Freimarkt.
Abbildung 49: Fassade des ehemaligen Kaufhauses Schön
Abbildung 50: Kartenskizze des Hettstedter Marktplatzes nach Gebäudefunktion (Aufteilung
nach Stockwerken)
Abbildung 51: Bevölkerungsprognose Hettstedt von 2009 bis 2025.
Abbildung 52: Prognose der Bevölkerungszahl Hettstedt unterteilt in Männer und Frauen.
VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Entwicklung der Bevölkerung vom Mittelalter bis 1875 ........................................ 12
Tabelle 2: Entwicklung der Bevölkerung von 1875 bis 1910................................................. 14
Tabelle 3: Entwicklung der Bevölkerung von 1925 bis 1946................................................. 17
Tabelle 4: Entwicklung der Bevölkerung von 1946 bis 199; ................................................. 20
Tabelle 5: Bevölkerungsentwicklung ausgewählter ostdeutscher Mittelstädte...................... 40
Tabelle 6: Wanderungsbewegung der Stadt Hettstedt mit den anderen Bundesländern
1.Einleitung und Zielsetzung
Hettstedt ist eine Kleinstadt im Landkreis Mansfeld-Südharz, im Bundesland Sachsen-Anhalt. Die im südlichen Harzvorland gelegene Stadt befindet sich ca. 45 km in nordwestlicher Richtung von Halle entfernt. Sie bildete ab 1.01.2010 im Rahmen der Gebietsreform des Landes Sachsen-Anhalt mit den Gemeinden Ritterode und Walbeck die Einheitsgemeinde Hettstedt.
Hettstedt liegt am Rand der Mansfelder Mulde und der Unterharzhochfläche. In dieser Mulde gab es ein reiches Vorkommen an Kupferschiefer und Silber. Der Kupferschiefer, welcher in der Region Hettstedt ausstreicht, ist eine ca. 50 cm dicke, dünnblättrige Mergelschicht an der Basis des Zechsteins. Durch starke organisch-kohlige Beimengungen wurde er schwarz gefärbt. Der Kupferschiefer enthält etwa 1-3% Kupfer, aber auch einen Anteil an Blei, Zink, Nickel, Gold, Platin und vor allem Silber (vgl. Wagenbreth, 1990, S. 78). Hettstedt durchlief unterschiedliche Phasen in seiner Entwicklung. Einen Aufschwung erhielt die Stadt durch den Beginn des Bergbaus, der sie über Jahrhunderte hinweg prägte. Damit war die Stadt eine der ersten Orte, in der Kupferschiefer abgebaut wurde. Begonnen hat der Abbau im Mittelalter und wurde erst mit neueren Technologien forciert, wie beispielsweise durch die Dampfmaschine. Auch in der Zwischenkriegszeit und in der Deutschen Demokratischen Republik galt Hettstedt als bedeutender wirtschaftlicher Standort hinsichtlich des Bergbaus und der Verarbeitung des Kupferschiefers.
Im Zuge der politischen Wende fielen große Teile des sekundären Sektors, d.h. der Industrie weg. Viele Menschen verloren ihre Arbeit. In den 1990er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden aufgrund dieser Entwicklung Probleme für die Stadt. Hier sind die hohe Arbeitslosigkeit, die geringe Wirtschaftskraft, der hohe Verlust von Bevölkerungsteilen und eine steigende Überalterung zu nennen. Auch in der aktuellen Entwicklung muss sich die Stadt mit diesen Problemen beschäftigen, da der „Wendeschock“ noch längst nicht endgültig überwunden ist. Trotz vieler wendebedingter Schließungen der Hettstedter Industrie ist einer der größten Arbeitgeber noch immer der sekundäre Sektor.
Heute ist Hettstedt in neun Stadtteile gegliedert, wie in Abbildung 1 zu erkennen ist. Die Wohngebiete I-IV sind fast ausschließlich Gebiete mit großen Wohnblöcken aus Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik. Auf dem Weinberg wurden ab Mitte der 1990er Jahre bis 2006 viele neue Einfamilienhäuser errichtet. Der sanierte Ortskern stellt geographisch
1
den Entstehungskern der Stadt dar. Hier sind ähnlich wie in Molmeck, Burgörner, Neudorf und Altdorf viele alte Häuser aus der Bergbauära zu finden.
Abbildung 1: Karte mit den Wohngebieten Hettstedts; Quelle: Bauamt Hettstedt, 2009
2
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Die Stadt Hettstedt entwickelte sich von einem mittelalterlichen Ort zur industriell geprägten Kleinstadt. Wie sah der wirtschaftliche Aufstieg aus? Welche Phasen gab es bei der Genese der Stadt und welche Auswirkungen hatte die „spezielle“ (Bergbau) wirtschaftliche Entwicklung der Stadt für die Stadtstruktur, für andere Wirtschaftszweige und für die Bevölkerung in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Wo lagen und liegen die zentralen Probleme der Stadt? Außerdem wird geklärt werden, wo Chancen und Stärken der Stadtentwicklung liegen. Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt insbesondere auf der Strukturentwicklung seit 1990 bis zum aktuellen Verlauf. Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung der Stadt Hettstedt, um auf die aktuellen Strukturen zu schließen. Dabei wird näher auf die Bevölkerungsstruktur, auf die Wirtschaft und das Stadtbild eingegangen.
Aus diesen Überlegungen ergeben sich drei Kategorien von Fragen, mit denen sich die Arbeit auseinandersetzt. Die zu beantwortenden Fragen
1. Wie entwickelte sich die Stadt bis zur politischen Wende 1990? 2. Was sind aktuelle Prozesse und Strukturen der Stadt und wie sind diese zu deuten? 3. Wie könnte die zukünftige Stadtentwicklung aussehen? Wo liegen die Chancen und Risiken?
Die Zielsetzung der Arbeit ist es, die aktuelle Entwicklung in den Bereichen Wirtschaft, Bevölkerung und Stadtstruktur aufzuzeigen und aus der historischen Genese der Stadt heraus zu begründen. Desweiteren sollen Zusammenhänge zwischen der wirtschaftlichen, der Bevölkerungs- und der stadtstrukturellen Entwicklung deutlich gemacht werden. Die immer wiederkehrende Reihenfolge Wirtschaft, Bevölkerung und Stadtstruktur in der Gliederung der Arbeit ist bewusst gewählt worden, weil die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt die Bevölkerungszahl beeinflusste. Konnte die Stadt beispielsweise einen wirtschaftlichen Aufschwung aufweisen, fanden immer mehr Menschen den Weg nach Hettstedt. Eine ansteigende Bevölkerungszahl hatte die Veränderung des Stadtbildes, respektive der Stadtstruktur, zur Folge. Bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage war dies andersherum. Die Stadt verzeichnete nach der politischen Wende ein deutliches Bevölkerungsdefizit. Die Folge daraus war, dass sich zwangsläufig die Strukturen Hettstedts veränderten.
3
1.2 Datengrundlage und Forschungslage
Für die Anfertigung der Arbeit wurden sowohl allgemeine als auch Fachliteratur verwendet. Desweiteren dienten Experteninterviews zur Analyse der aktuellen Entwicklung. Ein Großteil der Datengrundlage, der in dieser Arbeit verwendeten Statistiken, basiert auf bereits erhobenem Datenmaterial, welche vom Statistischen Landesamt zur Verfügung gestellt wurden. Hier liegen für Hettstedt Daten ab 1991 vor. Allerdings sind die Arbeitslosenzahlen erst ab 1995 von der Agentur für Arbeit verfügbar, weil sich ab diesem Jahr eine neue Berechnungsgrundlage in der Agentur durchsetzte. Diese sekundärstatistischen Daten werden einer Analyse unterzogen. Direkt zum Thema „Geographische Strukturanalyse Hettstedt“ wurden bisher keine Forschungen veröffentlicht. Aber einige Personen beschäftigten sich bereits mit der Stadt und ihrem Werdegang. Da sich bisher nur wenige Menschen mit der Geschichte Hettstedts auseinandersetzten, basiert der historische Teil der Arbeit auf Werken des Ortschronisten Otto Spieler und die Herausgaben des ehemaligen pädagogischen Kreiskabinetts Hettstedts. Der Hauptteil der Arbeit besteht hauptsächlich aus dem aufbereiteten Zahlenmaterial des Landesamtes für Statistik, der Agentur für Arbeit, dem Hettstedter Flächennutzungsplan, dem Hettstedter Stadtentwicklungskonzept und Befragungen von Mitarbeitern des Hettstedter Bauamtes. Diese Zahlen wurden ausgewertet, in Beziehung gesetzt und verglichen, so dass klare Aussagen für Hettstedt formuliert werden konnten.
4
2. Die historische Entwicklung bis 1990
In diesem Kapitel geht es um die Genese der Stadt Hettstedt und deren Strukturen von der Alten Geschichte bis 1990. Besondere Schwerpunkte in diesem Abschnitt bilden die Entwicklung des Bergbaus und die Zeit während der Deutschen Demokratischen Republik. Untersucht wird die Entwicklung der Stadtstrukturen hinsichtlich der Wirtschaft, der Bevölkerung und des Stadtbildes.
2.1 Ortsnamen und Alte Geschichte der Stadt Hettstedt
Der Name Hettstedt veränderte sich in der Geschichte der Stadt sehr häufig. So hieß die Stadt beispielsweise 1046 Heiczstette. Danach folgten leicht abweichende Schreibweisen bis die Stadt 1541 Hetstedt und in der darauf folgenden Zeit den heutigen Namen Hettstedt bekam. Hermann Größler sah es als wahrscheinlich an, dass der Ortsname vom Personennamen Hecco oder Heico abstammt und schließt somit auf die Wohnstätte des Heicos. Spangenberg sah die Herkunft des Namens ganz anders. Da in der Region viele Hecken wuchsen, benannte er den Ort Heckstett. In der Namensentwicklung wurde schließlich von Heckstett auf Hettstedt geschlossen (vgl. Eigendorf, 2003, S. 25f.). Welche Deutung von beiden die richtige ist, ist unbekannt, aber jene von Hermann Größler wird als die wahrscheinlichere angesehen.
Die erste Erwähnung fand die Siedlung in einer Schenkungsurkunde von König Heinrich III. vom 2. Juli 1046 an die Stiftskirche Meissen. Aus der Zeit davor sind keine weiteren schriftlichen Nachrichten bekannt. Aber durch Funde ist nachgewiesen, dass eine Besiedlung des Gebietes schon in der Stein- und Bronzezeit erfolgte. Die genaue Gründungszeit ist somit unbekannt.
5
2.1.1 Entwicklung des Bergbaus
Erst 1199 setzte die Entwicklung des kleinen Dorfes verstärkt ein, weil in dieser Zeit der Sage nach zwei Bergleute, Nappian und Neucke, aus dem Oberharz bei einer Pause während ihrer Wanderung ein glänzendes Stück Metall fanden, was sich nach näherer Untersuchung als Kupfer herausstellte. Der Abbau erfolgte zunächst dort, wo der Kupferschiefer ausstrich und an die Oberfläche trat (vgl. Mansfelder Geschichts- und Heimatverein e.V., 2008, S. 63).
die Bierbrauerei und der Getreideumschlag. Durch den Bergbau kamen viele Bergleute nach Hettstedt und siedelten sich an. Im Jahr 1204 folgte der Bau einer Burg an der Wipper, um die Stadt und deren Kupfer- und Silbervorkommen zu schützen (vgl. Schwinekörper, 1989. S. 211). Der für die Menschen attraktive Bergbau wurde ursprünglich in Familienbetrieben durchgeführt. In der Mansfelder Mulde bildeten der Kupferschieferabbau und dessen Verarbeitung schon immer eine Einheit. Gegenüber dem Kupfer war die wichtigere und wertvollere Ressource das Silber, welches im Saigerprozess gewonnen wurde (vgl. Stadtverwaltung Hettstedt, 1995 c, S. 101; vgl. PKH, 1965-1966 a, S. 3). Die Entwicklung der Bevölkerung war in der Zeit des Mittalters stets sehr wechselhaft, aber im Durchschnitt konnte die Stadt ein Bevölkerungswachstum verzeichnen. In der Stadt fanden die Menschen Schutz und Arbeit. Eine erste erwähnte Bevölkerungszahl schrieb der Stadt im Jahr 1430 2100 Einwohner zu, 1496 waren es schon 2677. In der Folge schrumpfte die Bevölkerungszahl der Stadt sehr stark, was unterschiedliche Gründe, wie beispielsweise Krankheiten oder Kriege, hatte (vgl. Rat der Stadt Hettstedt, 1984, S. 9). Die Bevölkerungszahl der Stadt war nicht sehr hoch und stieg wegen der hohen Sterblichkeitsrate infolge der schlechten oder nicht vorhandenen ärztlichen Versorgung und der mangelnden Hygiene auch nur langsam an. Das leichte Bevölkerungswachstum hatte
6
zur Folge, dass der Platz im Stadtzentrum zu eng wurde. Schließlich musste die Stadt vergrößert werden und änderte ihr Erscheinungsbild.
2.1.2 Veränderung des Stadtbildes
Mit der fortschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung nahm Hettstedt auch an Größe zu. So konnten beispielsweise viele Orte in näherer Umgebung schon während des Mittelalters in die Stadt integriert werden. Außerdem passte sich die Ausdehnung der Stadt den topographischen Verhältnissen an. Die Besiedlung fand zunächst entlang der Wipper statt. Deshalb besitzt Hettstedt auch heute noch einen geomorphen Grundriss (vgl. Jonas, 2009, S. 24).
Die erste Siedlung wurde links der Wipper gebaut. Diese Siedlung hatte kein Stadtrecht. So war zu jener Zeit auch kein Marktplatz nötig, weil nur Städte mit Stadtrecht einen Markt abhalten durften. Durch den beginnenden Kupferbergbau nahm die Bedeutung der Stadt zu. Aus diesem Grund ließ der Freiherr von Arnstein im Jahr 1204 eine Kapelle bauen, welche später Gangolfkirche genannt wurde. Im Zuge des Bergbaus siedelten sich Menschen auf dem Kupferberg an, was sogar dazu führte, dass das Hospital 1223 von Arnstedt zum Kupferberg verlegt wurde. Das erste Rathaus der Stadt wurde nahe der Wipper errichtet und stand mitten auf dem heutigen Marktplatz. Daneben befanden sich an dieses Gebäude angebundene Häuser. Die Fläche des heutigen Marktplatzes musste zur damaligen Zeit also eine deutlich andere Form gehabt haben, da das Rathaus, wie weiter unten zu sehen ist, einen anderen Standort besaß. Erst im Jahr 1380 bekam Hettstedt das Stadtrecht zugesprochen. Aber dies war zu spät, um einen Marktplatz im Zentrum einzurichten, da es keinen Platz mehr für diesen gab. Es sollte aber trotzdem ein Markt abgehalten werden und so wurde ein Ort im Freien (später Freimarkt) dazu ausgewählt. Im Jahr 1418 wurde der Bau einer weiteren Kirche beendet - der Jakobikirche. In den Jahren 1430 bis 1439 wurde die alte Stadt mit einer steinernen Stadtmauer umschlossen, um sie gegen feindliche Angriffe wehrhafter zu machen. Eine Wasserburg, welche schon 1224 erbaut worden ist, lag außerhalb dieser Verteidigung. Sie war aber mit der Stadt über ein Tor verbunden. Die Stadt besaß noch drei weitere Tore, wie auch in Abbildung 3 zu erkennen ist. Diese Mauer war mit dem in der Umgebung abgebauten Zechstein errichtet worden. Wichtig zu erwähnen ist, dass auf dem Markt im Freien 1535 ein Torturm gebaut wurde (siehe Abbildung 3). Dieser Turm, das sogenannte Saigertor, ist heute ein wichtiger Bestandteil des Stadtbildes und das Wahrzeichen der Stadt (vgl. PKH, 1965-1966 a, S. 3-7).
7
In dieser Entwicklung ist zu erkennen, dass die Bedeutung der Stadt durch den beginnenden Bergbau anstieg. Mit den erwähnten Befestigungen versuchten die Herrscher ihren Besitz zu festigen, d.h. auch den beginnenden Bergbau und den damit entstandenen Gewinn für sich zu beanspruchen. Ein Bedeutungsanstieg der Stadt war auch an den steigenden Einwohnerzahlen und somit an der Urbanisierung deutlich zu erkennen. Hinweis dafür war, dass die Bevölkerung sich auch vor den Mauern der Stadt ansiedelte.
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2.2 Die Genese der Stadt bis 1870
In diesem Kapitel wird deutlich, wie sich die Stadt Hettstedt, mit ihrem Bergstadtcharakter, nach dem Mittelalter hinsichtlich der Wirtschaft, der Bevölkerung und der Stadtstrukturen weiter entwickelte. Schwerpunkte hier sind die Bedeutung des Bergbaus für die Stadt und die Entwicklung der verschiedenen Stadtstrukturen während des Dreißigjähriger Krieges sowie der Industriellen Revolution.
Der Dreißigjährige Krieg veränderte die Stadt gravierend. Hier kam es zu Plünderungen und Bränden. In den Jahren nach 1648 stiegen die Bevölkerungszahl und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt wieder an. Durch die Entwicklung der Dampfmaschine erhielt der Bergbau einen deutlichen Aufschwung. Mit der Industrialisierung vergrößerte sich die Stadt zum Ende des 19. Jahrhunderts beträchtlich.
2.2.1 Wirtschaft: Verfall und Intensivierung des Bergbaus
Der Bergbau bot gute Aufstiegsmöglichkeiten und lockte somit viele Menschen in die Region, wie zum Beispiel Hans Luther und seine Ehefrau Margarete, welche von Möhra nach Eisleben zogen. Schon im 15. Jahrhundert blühte der Mansfelder Bergbau richtig auf und erreichte in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts seinen vorläufigen Höhepunkt. Eben dieser Wirtschaftszweig kam als Träger der wirtschaftlichen Entwicklung 1530 fast komplett zum Erliegen, weil die Grafen von Mansfeld die Holzkohlezufuhr sperrten, um dann 1535 das Hettstedter Berggericht zu schließen. Albrecht der IV. von Mansfeld organisierte zu dieser Zeit den Bergbau in der Stadt. Er hatte die Intention, den Bergbau in kapitalistische Bahnen zu lenken und vertrieb die bisherigen Hüttenmeister. Der weitere Abbau des Schiefers erfolgte unter der Aufsicht des Grafen von Mansfeld. Währenddessen entwickelte sich Hettstedt im 15. und 16. Jahrhundert zu einem wichtigen Umschlagplatz für Getreide und war hoch angesehen in den umliegenden Regionen (vgl. Stadtverwaltung Hettstedt, 1995 a, S. 20; vgl. Jankowski, 1995, S. 167; vgl. Seidel, 1998, S. 80). Durch den Krieg von 1618 bis 1648 zerfielen viele Schachtanlagen, da etliche Bergleute in den Krieg zogen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Andere dagegen arbeiteten bei Bauern auf dem Land. Durch diese Umstände war der Bergbau in Hettstedt zu dieser Zeit nicht oder kaum noch aktiv. Vor 1618 gab es ungefähr 2000 Berg- und Hüttenleute. An der Zahl der Bergleute ist zu erkennen, wie fatal die Lage gewesen sein muss, denn 1648 waren nur noch ca. 200 der Bergleute tätig. Erst als der Krieg beendet wurde, hatte 1671 Johann Georg II. das sogenannte Freilassungspatent erlassen, was bedeutete, dass die Grafen von
9
Mansfeld als Regalherren die gleichen Bedingungen wie alle anderen hatten. Bevor durch dieses Patent in der Folgezeit der Bergbau allmählich wieder in Gang gebracht wurde, war die Produktion des Kupfers rückläufig. Im 16. Jahrhundert wurden ca. 2000 Tonnen Kupfer im Jahr gewonnen. Während der besten Zeiten des 17. Jahrhunderts erreichte die Förderung des Kupfers ca. 750 Tonnen im Jahr. Festzuhalten ist, dass es eine beträchtliche Abnahme in der Kupferförderung gegeben hat. Dies ist mit den zerstörerischen Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges zu erklären. Der Handel nach dem Krieg lag am Boden, da Kupfer-und Messingerzeugnisse kaum noch benötigt wurden. Ein weiterer Grund für die geringere Förderung war, dass auch andere europäische Länder anfingen, Kupferbergbau zu betreiben und die Konkurrenz gewachsen war (vgl. PKH, 1965-1966 a, S. 15). Der Kupferabbau wurde in der Folgezeit langsam aber stetig wieder gesteigert und die Betriebe suchten Arbeitskräfte, so dass immer mehr Menschen in die Stadt kamen. Zum Anfang des Abbaus waren nur Schachttiefen von 2-3 Meter nötig. Später wurde der Schiefer im Tagebau gewonnen, bis der noch vorhandene Kupferschiefer zu tief lag und der Abbau im Tiefbau weiter erfolgte. Durch die Errichtung von Stollen kam das Problem auf, dass Grundwasser einen weiteren Abbau verhinderte. Hier half die Dampfmaschine, welche den tieferen Abbau möglich machte und das Grundwasserproblem beseitigte. Die Bedeutung des Kupferbergbaus in Hettstedt stieg mit dem Einsatz der Dampfmaschine am Ende des 18. Jahrhunderts. Mit dem Einsatz dieser kohlebetriebenen Maschine begann auch in Hettstedt eine neue Ära des Berg- und Hüttenwesens, da sie die bis dahin schwierig gewordenen Wasserhaltungsprobleme löste. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Schächte weiter vergrößert werden. Somit wurden mehr Arbeiter benötigt. Was zur Folge hatte, dass die Stadt und die Bevölkerungszahl wuchs (vgl. Stadtverwaltung Hettstedt, 1995 c, S. 101). Ab dem Jahr 1852 kam es durch den Zusammenschluss von fünf Gewerkschaften zur „Mansfeldischen Kupferschieferbauenden Gewerkschaft“ zur wichtigsten Zäsur des Kupferschieferbergbaus in der Region. Durch diesen Zusammenschluss gelang es, das erste Großunternehmen Mitteldeutschlands zu erschaffen (vgl. Arbeitsgruppe der Lutherstadt Eisleben, 2000, S.14).
In der Folgezeit rückten die Schachtanlagen immer weiter von Hettstedt weg. Auf dem freien Gelände um Hettstedt entstanden größere Betriebe zur Verarbeitung des Kupfers. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass sich die Zusammensetzung der Werktätigen änderte. Aus einem Teil der Bergleute wurden Hüttenarbeiter, welche das gewonnene Material weiter verarbeiteten. Durch die florierende Wirtschaft entstand ein Mangel an Arbeitskräften. Um die Arbeiter fest an das Hettstedter Gebiet zu binden, stellten die Gewerkschaften ihnen Grundstücke zur Verfügung und gaben ihnen Geld, damit Häuser gebaut werden konnten (vgl. PKH, 1965-1966 a, S.23f).
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Stefan Schulz, 2010, Geographische Strukturanalyse Hettstedt, München, GRIN Verlag GmbH
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