VORWORT
Auf der Suche nach einem geeigneten Thema für eine fachwissenschaftliche Arbeit stiessen wir auf das Thema "Mentales Training". Bald mussten wir feststellen, dass dies ein sehr vielschichtiger Bereich ist. Sehr viel Material fanden wir in der Sportliteratur. Im Sport ist mentales Training allgegenwärtig. Für uns stand jedoch die Schule im Mittelpunkt. Wir wollten also einen Transfer vom Sportplatz ins Schulzimmer wagen: Wie kann mentales Training in der Schule thematisiert und vor allem genutzt werden?
Lässt sich die Konzentrationsfähigkeit gezielt trainieren und messbar verbessern? Dies war eine zentrale Frage unserer Arbeit. Und was heisst das überhaupt, sich konzentrieren zu können? Diese Frage kann nicht so leicht beantwortet werden, soll aber mit dieser Semesterarbeit geklärt werden.
Wir untersuchten, ob sogenannte Konzentrationstrainings wirklich auch das halten, was sie versprechen. Am Beispiel des Kopfrechnens wollten wir messen, wie gut sich ein Schüler konzentrieren kann, und in einem zweiten Test dann untersuchen, ob das in der Zwischenzeit durchgeführte Training etwas gebracht hat. Wie das Resultat ausging, werden die folgenden Seiten zeigen.
Marco Käppeli
Lukas Traber
St. Gallen, 10. November 2003
2
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort.................................................................................................................................. 2
Inhaltsverzeichnis................................................................................................................... 3
Einleitung 6
Theoretische Grundlagen 7
1. Problem der Synchronisation 7
1.1 Das Flow-Erlebnis. 7
1.2 Objektive und subjektive Perspektive. 7
1.3 Wechselbeziehungen mit der Umwelt 8
1.4 Psychologischer Hintergrund 8
1.5 Übertrag auf die Schule 9
2. Überblick über die kognitiven Fertigkeiten 10
2.1 Training der kognitiven Fähigkeiten 10
2.2 Die wichtigsten kognitiven Fähigkeiten 10
2.2.1 Selbstgesprächsregulation. 10
2.2.2 Kompetenzerwartung 10
2.2.3 Aufmerksamkeitsregulation 10
2.2.4 Aktivationsregulation 11
2.2.5 Vorstellungsregulation 11
2.2.6 Zielsetzung/Analyse. 11
2.2.7 Übertrag auf die Schule 12
3. Aufmerksamkeitsregulation 13
3.1 Aufmerksamkeit 13
3.2 Die vier Formen der Aufmerksamkeit. 13
3.2.1 External - weit. 13
3.2.2 External - eng 13
3.2.3 Internal - weit 13
3.2.4 Internal - eng 13
3.3 Konzentration 14
3.3.1 Konzentration bei Kindern 14
3.3.2 Konzentrationsdauer. 14
3.3.3 Wie funktioniert Konzentration? 15
3.4 Die vier Stufen von DRAKSAL 16
3.4.1 1. Stufe: Wahrnehmung 16
3.4.2 2. Stufe: Aufmerksamkeit 16
3.4.3 3. Stufe: Konzentration 16
3.4.4 4. Stufe: Gedächtnis 17
Experimenteller Teil. 18
4. Thesen und Voraussagen 18
5. Testaufbau 19
5.1 Versuchsklassen. 19
5.2 Annahme. 19
5.3 Auswahl der Testaufgaben 19
5.4 Test: Wie gut kannst du Kopfrechnen? 19
5.4.1 Anleitung. 19
5.4.2 Test 1. 20
5.4.3 Test 2. 20
5.5 Resultate korrigieren. 21
3
5.5.1 Test 1. 21
5.5.2 Test 2. 21
5.5.3 Punkteverteilung 21
6. Trainingsprogramm 22
6.1 Allgemeines 22
6.2 Ein Trainingsprogramm in 13 Schritten. 22
6.2.1 Durchstreichübung I 22
6.2.2 Texte lesen 23
6.2.3 Fotografieren. 24
6.2.4 Kippbilder 24
6.2.5 Durchstreichübung II 27
6.2.6 Sätze wiederholen 28
6.2.7 Figuren zählen 29
6.2.8 Finde das X 30
6.2.9 Farben visualisieren 32
6.2.10 Zahlengedächtnis 32
6.2.11 Langsame Körperbewegungen 33
6.2.12 Durchstreichübung III 34
6.2.13 Buchstabensalat 35
7. Ablauf der Tests und der Trainingsphase 36
7.1 Organisatorisches. 36
7.2 Zeitplan 36
8. Testresultate 37
8.1 Resultate Test 1 37
8.1.1 Klasse A 37
8.1.2 Klasse B 38
8.2 Resultate Test 2 39
8.2.1 Klasse A 39
8.2.2 Klasse B 40
Auswertung und Interpretation. 41
9. Auswertung 41
9.1 Überlegungen zur Auswertung 41
9.1.1 Vergleich des ersten mit dem zweiten Test 41
9.1.2 Vergleich der beiden Klassen 41
9.2 Unterschiede zwischen Test 2 und Test 1. 42
9.2.1 Klasse A 42
9.2.2 Klasse B 43
9.2.3 Kommentar 43
9.3 Vergleich der Mittelwerte 44
9.3.1 Tabelle 44
9.3.2 Diagramm Klasse A 44
9.3.3 Diagramm Klasse B 44
9.3.4 Kommentar 45
10. Interpretation 46
10.1 Vergleich mit den Thesen 46
10.1.1 Thesen 1 und 2. 46
10.1.2 These 3 46
10.1.3 Weitere Feststellungen 46
10.2 Mögliche Fehlerquellen 47
10.2.1 Zeitspanne 47
10.2.2 Zeitpunkt der Durchführung 47
4
10.3 Schlussfolgerung / Fazit 47
Schlusswort 48
Literaturverzeichnis 49
5
EINLEITUNG
Das Wort «Konzentration» ist in der Schule allgegenwärtig. Nur allzu oft hört man von Lehrkräften, dass Schülerinnen und Schüler ihren Kopf nicht bei der Sache haben und gedanklich ganz anderswo sind, als im Schulzimmer. Die Fähigkeit eines Schülers oder einer Schülerin, sich voll und ganz auf die Sache konzentrieren zu können, ist sehr wichtig. Wenn es gelingt, kein Problem - aber wie soll ich als Lehrkraft reagieren, wenn der Schüler nicht in der Lage ist, seine Aufmerksamkeit auf das gestellte Problem zu lenken?
Der Leser soll zuerst einen Überblick über die mentalen Fähigkeiten erhalten. Die wichtigsten kognitiven Fähigkeiten werden kurz erläutert.
Die Aufmerksamkeitsregulation als Hauptthema dieser Arbeit wird genauer beschrieben und leitet mit dem Beschrieb der vier Stufen von Draksal zum experimentellen Teil über. Welche Thesen wollen wir untersuchen? Wie muss ein geeigneter Test aufgebaut sein? Wie soll ein Training zur Steigerung der Konzentration aussehen? Auf diese Fragen geben wir im experimentellen Teil Antwort.
Ein wichtiger Teil unserer Arbeit waren die Tests und das Training, das wir mit Schülerinnen und Schülern durchführten. Diese Resultate sind die Grundlage für die Auswertung und die Interpretation im letzten Teil.
Alle Personenbezeichnungen umfassen soweit sinnvoll weibliche und männliche Personen (siehe Weisung des Erziehungsrates zur sprachlichen Gleichberechtigung von Mann und Frau).
6
THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Wie wir bereits im Vorwort betont haben, fanden wir sehr viele Literaturstellen zum Thema "Mentales Training", die aber alle im Sport angesiedelt sind. Wir versuchen daher jeweils am Ende eines Kapitels, einen Übertrag auf den herkömmlichen Unterricht zu machen.
Was sind mentale Fähigkeiten, und wie können diese verbessert werden? Darauf soll das erste Kapitel Antworten geben. In einem Überblick werden die verschiedenen kognitiven Fähigkeiten beleuchtet. Die Aufmerksamkeitsregulation als Hauptaspekt unserer Arbeit wird ausführlicher behandelt.
1. Problem der Synchronisation
Menschliches Handeln ist erst wirklich effizient, wenn es gelingt, es zu synchronisieren, also harmonisch abzustimmen. Dies gilt sowohl im Privaten wie auch in der Schule, im Beruf wie im Sport. Gedankliche Handlungen und ausgeführte Bewegungen müssen synchronisiert werden - also das, was man tut und das, was man denkt, muss zueinander passen.
Gelingt dies perfekt, spricht der Sportler von einem erfolgreichen Wettkampf. Aber das Gegenteil ist mindestens so häufig der Fall. Bei Misserfolgen erleben Sportler ihre Bewegungsabläufe als gestört, widerständig oder schwierig. Der Bewegungsfluss gerät ins Stocken, die Bewegungen werden ruckartig und verlieren ihren Rhythmus.
Häufig liegen die Ursachen für derartige Störungen darin, dass die eine Bewegung begleitenden inneren Abläufe (Gedanken, Gefühle) die äusseren Abläufe (Bewegungsausführung) nicht unterstützen sondern erschweren 1 .
1.1 Das Flow-Erlebnis
Bei optimaler Synchronisation spricht man vom «Flow»-Erlebnis 2 . Bei diesem Erlebnis sind Personen ausschliesslich ihrer Handlung, jedoch nicht ihrer selbst bewusst. Sie vergessen sich sogar und zentrieren ihre Aufmerksamkeit auf ein beschränktes Wahrnehmungsfeld, wobei sie sich und ihre Umwelt völlig unter Kontrolle haben. Sie streben dabei keine Ziele und Belohnungen als Konsequenz ihrer Tätigkeit an 3 .
1.2 Objektive und subjektive Perspektive
Menschen werden als aktiv gestaltende Personen aufgefasst, die ihre (objektive) Umwelt aufgrund bestimmter Erfahrungen (subjektiv) wahrnehmen. Ein Mensch handelt demnach immer als erlebende Person in ihrer erlebten Umwelt. Vom ablaufenden Geschehen hat also jede Person eine subjektive Sicht. Ein und dasselbe Geschehen wird von verschiedenen Personen unterschiedlich wahrgenommen und erlebt. Damit objektive und subjektive Perspektive möglichst deckungsgleich sind und man situationsangemessen handeln kann,
1 EBERSRÄCHER, S.10
2 CSIKSZENTMIHALYI (1975) in EBERSRÄCHER, S. 11
3 EBERSRÄCHER, S. 11
Theoretische Grundlagen 7
muss das subjektive Bild einer Situation an die objektiven Gegebenheiten angeglichen werden. Die Dinge sollen also möglichst realistisch eingeschätzt werden 4 .
Abbildung 1: Unterschiedliche Perspektive: Die objektive und subjektive Schräglage beim Motorradfahrer sind unterschiedlich 5
1.3 Wechselbeziehungen mit der Umwelt
Über ihr Handeln stehen Personen mit ihrer Umwelt in einer Wechselbeziehung: Ihr Handeln wirkt auf die Umwelt ein, diese wiederum beeinflusst die Person. Die objektive Umwelt wird ihnen dabei immer nur über ihr Wahrnehmen als subjektive Erfahrung vermittelt. Umweltfaktoren beeinflussen also unser Handeln nur durch vermittelnde psychische Prozesse. Solche Prozesse können z.B. Gefühle, Bewertungen oder Motivation sein. Sie also bestimmen, wie die Umwelt wahrgenommen, beobachtet und bewertet wird, und beeinflussen dadurch unser Handeln 6 .
1.4 Psychologischer Hintergrund
Menschen erleben sich als aktiv gestaltende Wesen und nehmen u.a. ihre Umwelt aufgrund bestimmter Erfahrungen wahr. Sie setzen sich in Bezug zu etwas. Von den umweltbedingten Abläufen (Ursachen, Bedingungen, Wirkungen) macht sich der Mensch eine subjektive Sicht und bildet hieraus Ansichten. Daher wird dasselbe Ereignis von Menschen unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Zugleich stehen wir mit unserer Umwelt in einer Wechselbeziehung. Wir beeinflussen uns gegenseitig, was sich natürlich
4 EBERSRÄCHER, S. 13
5 EBERSRÄCHER, S. 14
6 EBERSRÄCHER, S. 14
Theoretische Grundlagen 8
auch auf unser Handeln und unsere Werte auswirkt. Das bedeutet auch, dass unsere Umwelt unser Handeln nur durch Gefühle, Bewertungen und Motivationen beeinflussen kann, denn sie bestimmen, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, beobachten und bewerten. Das wiederum beeinflusst unser Handeln.
Es ist daher nur konsequent, Veränderungen im Kopf anzusetzen. Das Verhalten und Handeln wird in erster Linie durch unsere Gedanken, unsere Identität und unsere Werte bestimmt. Verändert man diese glaubhaft, dann verändert sich auch das Verhalten einer Person 7 .
1.5 Übertrag auf die Schule
Alle erwähnten Punkte treten auch in der Schule in Erscheinung. Dies wollen wir folgendermassen verdeutlichen:
• Flow-Erlebnis: Vor allem beim selbständigen Arbeiten kann es vorkommen, dass ein Schüler total in seine Arbeit versinkt und seine Umwelt gar nicht mehr wahrnimmt. Er ist sich nur noch seiner Handlung bewusst und vergisst sogar die Zeit.
• Objektive und subjektive Perspektive: Jeder Schüler fasst den behandelten Stoff anders auf. So kommt es vor, dass für den einen gewisse Stoffinhalte wichtiger sind als für den anderen. Zum Beispiel durch Formulierung von Lernzielen wird diesen verschiedenen subjektiven Wahrnehmungen eine objektive Grundlage gegeben, so dass alle Schüler die wichtigen Stoffinhalte realistisch einschätzen können.
• Wechselbeziehungen mit der Umwelt: Prüfungsnoten, Lob oder Tadel des Lehrers, Bemerkungen von Mitschülern etc. können mitbestimmen, wie ein Schüler das Schulumfeld wahrnimmt. Dadurch wird sein schulisches Handeln beeinflusst.
• Psychologischer Hintergrund: Das Verhalten eines Schülers im Klassenzimmer wird stark durch seine Motivationen beeinflusst. Daher ist es wichtig, dass die Lehrperson für eine angenehme Unterrichtsatmosphäre sorgt und selbst Freude an der Sache hat. Denn von einem unmotivierten Lehrer lassen sich nur die Allerwenigsten begeistern.
7 HANSEN
Theoretische Grundlagen 9
2. Überblick über die kognitiven Fertigkeiten
Informationsverarbeitungsprozesse nennt man in der Psychologie kognitive Prozesse. Mit mentalen Trainingsformen lassen sich kognitive Fertigkeiten erlernen, verändern und verbessern 8 . Fertigkeiten laufen sehr schnell und ökonomisch ab, sie sind in der Regel stabil gegen Störungen und erfordern im Allgemeinen keine sonderlich hohe Konzentration. Sie sind meist automatisiert. Über Fertigkeiten können mit wenig Aufwand regelmässige Aufgaben erledigt werden. Es sind also sehr wirksame Handlungsmuster zur Bewältigung alltäglicher Anforderungen.
2.1 Training der kognitiven Fähigkeiten
Kognitive Prozesse können durch Training optimiert werden. Durch die Stabilisierung kognitiver Fertigkeiten kann jeder einzelne sein Handeln verbessern.
2.2 Die wichtigsten kognitiven Fähigkeiten
2.2.1 SELBSTGESPRÄCHSREGULATION
Das menschliche Gedächtnis kann keine unbegrenzte Menge an Informationen verarbeiten. Deshalb ist die Grundlage für situationsangemessenes Handeln eine systematische Informationsverarbeitung. Die für das Entwickeln wirksamer Handlungsstrategien notwendigen Informationen müssen ausgewählt und entsprechend zugeordnet werden. Die Selbstgesprächsregulation lässt diese Prozesse besser im Kopf ablaufen. Die Intensität von Selbstgesprächen hängt von der erlebten Beanspruchung ab 9 .
2.2.2 KOMPETENZERWARTUNG
Die Praxis zeigt, dass wer im Training durchaus die nötige Leistung erbringt, in Wettkämpfen die Überzeugung von der Wirksamkeit dieser Techniken verlieren kann. In der Umgangssprache nennt man dieses Phänomen „Trainingsweltmeister“. Damit dem entgegengewirkt werden kann, ist es notwendig, die Überzeugung von der Wirksamkeit des eigenen Handelns (Kompetenzerwartung) auch in den schwierigsten Situationen einzuüben. „Wichtig ist die Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten. Dabei spielt nicht allein technisches Können eine Rolle!“ 10
2.2.3 AUFMERKSAMKEITSREGULATION
Die Aufmerksamkeitsregulation ist das Kernthema unserer Arbeit. Wir behandeln sie deshalb ausführlich im Kapitel 3 ab Seite 13.
8 EBERSRÄCHER, S. 17
9 EBERSPÄCHER, S. 20
10 EBERSPÄCHER, S. 32
Theoretische Grundlagen 10
Arbeit zitieren:
Marco Käppeli, Lukas Traber, 2003, Mentales Training - Besser Konzentrieren in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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