Einführung in die Sinolinguistik -
Ein Lehr- und Arbeitsbuch
zur grammatischen Kontrastanalyse Chinesisch-Deutsch
mit einer Einführung in den Unterricht
von Chinesische als Fremdsprache
Muhammad Wolfgang G. A. Schmidt
Das vorliegende Werk geht von den elementaren grammatischen Strukturmustern der modernen chinesischen Umgangssprache aus und arbeitet diese im Vergleich zum Deutschen auf. Der Lehrbuchteil untergliedert den dargebotenen Stoff in einen allgemeinen und einen speziellen Teil, wobei im ersteren allgemeine einführende Grundlagen zu Didaktik und Methodik des Unterrichts von Chinesisch als Fremdsprache und im zweiten, dem speziellen Teil, die grammatischen Grundmuster der modernen chinesischen Umgangssprache präsentiert und erläutert und im Anschluss daran im Vergleich zum Deutschen kontrastiv aufbereitet werden. Besondere Theoriefragen, die sich im Zusammenhang mit einer solchen Kontrastanalyse stellen, werden dann in einem eigenen Abschnitt mit Hinweisen für die praktische Umsetzung im Sprachunterricht angesprochen. In der Stoffgliederung des speziellen Teils wird von konkreten Rede- und Kommunikationssituationen ausgegangen, an denen sich auch die präsentierten Grammatikstrukturen orientieren. Einige bisher in der chinesischen Grammatikschreibung noch ungelöste Fragen wie die der subjektlosen Sätze, sogenannter "Quasi-Objekte" oder Passivstrukturen ohne Agensangabe werden auf valenztheoretischer Grundlage mit einem neuartigen Lösungsansatz präsentiert. Abgerundet wird das Werk durch Übungs- und Arbeitsvorschläge zu den Stoffen des speziellen Teils sowie durch weitere zusätzliche Materialien, die auch im Unterricht ergänzend eingesetzt werden können.
Zielgruppe: Studierende und Lehrende im Bereich von Chinesisch und / oder Deutsch als Fremdsprache (im letzteren Fall für eine chinesische Muttersprachenklientel).
Dieses Werk basier auf einer früheren, in 1. Auflage erschienenen Werkausgabe, die unter dem Titel "Grammatische Grundmuster der modernen chinesischen Umgangssprache und Kontrastanalyse Chinesisch-Deutsch" als Mikrofiche-Edition im Verlag Hänsel-Hohenhansen (Deutsche Hochschulschriften, Band 2378), Egelsbach 1996, herausgekommen ist. Gegenüber dieser früheren Werksausgabe stellt die vorliegende Werkfassung eine überarbeitete und erweiterte Werkauflage dar.
Vorwort
In erster Linie sind zwar Chinesischlehrer mit einer deutschen Muttersprachenklientel Adressaten dieser Arbeit, aber auch Deutsch-Lehrenden mit einer hauptsächlich chinesischen Muttersprachenklientel werden hier interessante und wichtige Einsichten in die wesentlichen strukturellen Unterschiede zwischen beiden Sprachen und in den angemessenen Umgang mit ihnen in der unterrichtspraktischen Umsetzung vermittelt.
Gegenstand sind wesentliche Strukturen der Elementargrammatik der modernen chinesischen Umgangssprache (Mandarin), wie sie gewöhnlich auf Anfängerniveau im ersten Jahr auf dem chinesischen Festland und in Taiwan unterrichtet und gelernt werden. Im Prinzip wird dabei auf eine herkömmliche systematische Darstellungs- und Vorgehensweise im Sinne herkömmlicher Grammatiken verzichtet, die mit der Abhandlung der Wortklassen beginnt und dann zu komplexeren syntaktischen Strukturen übergeht. Die behandelten Strukturen sind hingegen in bestimmte weitergehende Redekontexte (z.B. bestimmte Arten von Sachverhaltsaussagen) und Begriffskonzepte (z.B. wie Inklusivität und Exklusivität) eingebettet, was auch dem Status grammatischer Strukturen und ihrer Verwendung in der kommunikativen Realität entspricht. Diese behandelten Strukturen der modernen chinesischen Umgangssprache werden in ihren wesentlichen Unterschieden zum Deutschen kontrastiv besonders herausgearbeitet und sollen dem Lerner die "Fremdheit" besser bewältigen helfen und sind für den Lehrenden da, wo sinnvoll und erforderlich, auch mit besonderen methodischen Vermittlungshinweisen verbunden. Auch der Deutschlehrer und -lektor mit einer chinesischen Muttersprachenklientel erhält hier eine erste systematische Einführung in die strukturellen Eigenheiten der modernen chinesischen Umgangssprache, die die wesentlichen Unterschiede zum Deutschen aufzeigen und bewußt machen, worauf er in der unterrichtspraktischen Gestaltung des Deutschunterrichts stellenweise besonders abstellen sollte oder muss. Diese Stoffe werden im speziellen Teil in 24 Lehr- und Stoffeinheiten mit kontrastiven Hinweisen und da, wo sinnvoll auch erforderlich, in weiterführenden Erörterungen zu theoretischen Fragen der grammatischen Deskription geboten. Insofern ist das vorliegende Werk in erster Linie kontrastiv-linguistisch auf die konkrete Unterrichtspraxis hin ausgerichtet.
Der dem speziellen Teil vorgeschaltete allgemeine Teil besteht aus drei Kapiteln und beschäftigt sich mit Fragen des Lehrens und Lernens von Chinesisch als Fremdsprache (ChaF). Gedacht ist er vor allem für Chinesischlehrende ohne eigentliche fremdsprachenpädagogische Ausbildung und soll, da eine etablierte spezielle Fachdidaktik und -methodik für den Unterricht von Chinesisch als Fremdsprache bislang noch fehlt. die komplexen Zusammenhänge von Gehirnfunktion, Lehren und Lernen und den mit ihnen verbundenen didaktisch-methodischen Fragen zumindest bewußt machen, ohne natürlich alle diese Fragen auf dem hier zur Verfügung stehenden Raum auch nur erschöpfend behandeln oder gar abschließend beantworten zu können.
Dass in der kontrastiven Erörterung von Strukturen der chinesischen und der deutschen Sprache die Valenztheorie eine wesentliche, wenn auch nicht ausschließliche Rolle spielt, kommt nicht von ungefähr: Zum einen tangiert sie den gesamten Bereich der Verbalsyntax sowie indirekt auch weite Bereiche der Nominalsyntax (insbesondere dann, wenn es um grammatische Relationen zwischen Verb als zentraler Satzgliedkonstituente im Zusammenspiel mit dem von seiner Bedeutung bedingten u.a. nominalen Ergänzungen geht), zum anderen hat sie sich gerade im Fremdsprachenunterricht immer wieder bewährt. Und drittens würden sich wesentliche Themen der chinesischen Grammatik und ihrer Beschreibung, die bislang noch nicht ausreichend aufgearbeitet wurden wie etwa subjekt- und objektlose Sätze, die sogenannten Quasi-Objekte, das Verhältnis von Subjekt und Rhema sowie Passivstrukturen ohne eigentliche Agensangabe im Chinesischen ohne die valenztheoretische Sichtweise gar nicht angemessen darstellen lassen.
Die in diesem Text vorgelegten Inhalte sind das bisherige Ergebnis einer nunmehr fast zwölfjährigen Forschungsarbeit am Gegenstand in Verbindung mit einer langjährigen unterrichtspraktischen Tätigkeit in den Bereichen Chinesisch und Deutsch als Fremdsprache in Deutschland und Ostasien, die mit der Arbeit an meiner 1986 als Dissertation vorgelegten kontrastiven Studie zu Kopulaverben im Deutschen und Chinesischen aus valenztheoretischer Perspektive begann und sich dann mit zwei kontrastiven Arbeiten auf valenztheoretischer Grundlage zu Verben im Deutschen und Koreanischen fortsetzte (1987) Letztere sind das Ergebnis eines literarischen Feldforschungsprojekts mit Information vor Ort anlässlich der Lehr- und Forschungstätigkeit des Verfassers als Gastdozent für Deutsch als Fremdsprachen zwei koreanischen Universitäten. Die sprachtypologischen Aspekte mit der Frage, inwieweit ein valenztheoretisches Deskriptionsmodell beschaffen sein muss, dass es sich auf beliebig und ganz unterschiedlich strukturierte Sprachsysteme anwenden läßt, wurden in einer umfassenden Monographie 1990 diskutiert. Alle diese "Vorgängerarbeiten" machen den theoretischen Standort in einer ausführlichen Diskussion sowie seiner Begründung hinreichend deutlich. Das, was nunmehr hier der interessierten Fachöffentlichkeit vorgelegt wird, ist mehr im Sinne einer Darstellung der bisherigen Resultate mit Blick auf die erwähnten Vorgängerarbeiten und Ausrichtung auf das Sprachenpaar Chinesisch / Deutsch zu verstehen.
Nur selten bieten sich auf Grund von fachlicher Ausrichtung des Studiums und späterer Lehr- und Forschungstätigkeit Chance und Gelegenheit, so interdisziplinär und damit global über den eigenen engen fachlichen Tellerrand hinaus zu blicken in Lehre und Forschung Eindrücke und Erfahrungen in zweierlei Richtung (Unterricht von Chinesisch bzw. Deutsch als Fremdsprache) zu sammeln, diese für die eigene Forschungsarbeit fruchtbar zu machen und dann wieder auf ihre Umsetzbarkeit in der Lehrpraxis hin zu überprüfen. Auf diesem Hintergrund ist auch die vorliegende Arbeit entstanden. Wenn sie einige Anregungen den Chinesisch und Deutsch lehrenden Kollegen geben und auch zu kontroversen Diskussionen in der Forschung führen kann, hat sie vielleicht ihren bescheidenen Beitrag erfüllen können.
Trier, Sommer 1999
Muhammad Wolfgang G. A. Schmidt, Jg. 1950. Studium der Sprachwissenschaften, Afrikanistik, Sinologie, Traditionellen Chinesischen Medizin, Theologie und Religionswissenschaften an Universitäten in Deutschland, China und den USA. Promotion und Habilitation. Langjährige Lehr- und Forschungserfahrung an Universitäten in Fernost (China und Korea), Nordafrika, Europa und den USA. Z.Zt. Professor für Vergleichende Religionswissenschaft an der NationsUniversity, West Monroe, La., USA. Autor zahlreicher Lehr- und sonstiger Fachbücher zu Sprache/Kultur Chinas und Koreas, Traditionellen Chinesischen Medizin und zu Theologie und Religionswissenschaft.
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Arbeit zitieren:
Prof. Dr. Muhammad Wolfgang G. A. Schmidt, 1999, Einführung in die Sinolinguistik - Ein Lehr- und Arbeitsbuch zur grammatischen Kontrastanalyse Chinesisch-Deutsch mit einer Einführung in den Unterricht von Chinesisch als Fremdsprache, München, GRIN Verlag GmbH
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Was ist Auftrag einer Übersetzung?
Christiane Nords Modell des fu...
Kulturwissenschaften - Sonstiges
Seminararbeit, 21 Seiten
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