INHALTSVERZEICHNIS
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EINLEITUNG 1
K ÖRPER UND STATUS 1. 3
1.1 Grundlegende kultursoziologische Arbeiten zum 5
Verhältnis Körper - Gesellschaft
1.2 Körperdistanzierung, ein „Verschwinden des Körpers“ 9
in komplexen, postmodernen Gesellschaften?
1.3 Körperkult 11
1.3.1 „Versportlichung“ der Gesellschaft 13
1.3.2 Der Kult um die Jugendlichkeit 16
1.3.3 Schlankheitskult 21
1.4 Verkörperung von Weiblichkeit 26
1.4.1 Frauen - das „schöne Geschlecht“? 26
1.4.2 Androgynisierungstendenzen - Vermännlichung weiblicher Körper als Aufhebung 29
des gesellschaftlichen Prinzips der Geschlechterdifferenz?
1.4.3 Die ästhetische Stilisierung der „Kindfrau“ und das Verschwinden des 32
„Mutterkörpers“
1.5 Verkörperung von Männlichkeit 36
1.5.1 „Wahre Männlichkeit“? - Der männliche Körper in der spätmodernen Gesellschaft 36
1.5.2 Der männliche Körper auf dem Schönheitsmarkt 38
1.5.3 Der männliche Körper in der Werbung 40
1.5.4 Der männliche Körper in Männermagazinen - Konstruktion eines neuen 41
M ännerbildes?
43 2. ZUR STATUSRELEVANZ VON ATTRAKTIVITÄT
2.1 Was ist eigentlich schön? 44
2.2 Sozialpsychologische Studien zur Bedeutung der Attraktivität 47
49 2.2.1 Kindheit 50 2.2.2 Partnerwahl 52 2.2.3 Bewerbungen und Einstellungen 53 2.2.4 Weitere soziale Kontexte 54 2.2.5 Kritik 2.3 Kultursoziologische Betrachtungen der Statusrelevanz von Attraktivität 55
2.4 Was ist eigentlich Attraktivität? - Ein Definitionsversuch im Spannungsfeld 59
zwischen körperlicher Schönheit und Darstellungskompetenz.
62 3. SCHLUSSBEMERKUNGEN
Abkürzungsverzeichnis 66
Bibliographie 67
Abbildungsverzeichnis 80
EINLEITUNG
Wie wichtig ist Schönheit?
Extrem wichtig, folgt man den öffentlichen Diskussionen um den gegenwärtigen „Schönheitswahn“ unserer Gesellschaft.
63 % der Leserinnen, die an der Fragebogen-Aktion der Zeitschrift „Brigitte“ zum Thema „Wie wichtig ist Schönheit?“ Ende 2001 teilgenommen haben, möchten gut aussehen. 70 % von ihnen sind damit einverstanden, sich dafür jünger zu machen (vgl. Brigitte 2002, Nr. 13, S. 93). Für die Entwicklung und Ausprägung des Schönheitskultes werden häufig die Medien, die Kosmetikindustrie, die Schönheitschirurgie und die Modewelt, die unser Schönheitsideal mit ihren Inszenierungen von jungen und extrem dünnen Super-Models prägen, verantwortlich gemacht. Je mehr Frauen (und auch Männer) ihren Körper als hässlich oder als nicht perfekt genug empfinden, desto so höher seien die Einnahmequellen der Schönheitsindustrie. Doch diese Erklärung für den „Körperkult“ ist nicht ausreichend. Der neue Kult um den Körper hat viele Erscheinungsformen: Schönheitsoperationen, Fitness- und Muskeltraining, Diäten, Piercings, Brandings, Body Modification, Extrem-sportarten oder tagelange Raves.
Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es, die Ursachen für diesen neuen Kult um den Körper aufzuzeigen und das Streben nach Attraktivität verständlich zu machen. Im ersten Kapitel „Körper und Status“ (1.) soll die Paradoxie der Gleichzeitigkeit von Körperaufwertung und Körperverdrängung in der modernen
Mediengesellschaft beschrieben werden (> 1.1 - 1.3). So befürchten kulturkritische Stimmen, dass nur noch der Körper im Mittelpunkt des individuellen und des gesellschaftlichen Interesses steht: „Der Kult um den Körper sei das entscheidende Indiz für eine neue Oberflächlichkeit, mit ihm kündige sich die Verdrängung des Ethischen durch das Ästhetische an.“ (Klein 2001, S. 54). Andere wiederum erwarten ein „Verschwinden“ des „natürlichen“ Körpers durch die rasanten Entwicklungen in der Bio- und Gentechnologie, der Transplantationsmedizin und der digitalen Medien. Doch dieser Kult um den Körper bei gleichzeitiger Angst vor seinem „Verschwinden“ ist an sich nichts Neues, sondern steht im Zusammenhang mit den Synergien von Körper und Technologie. So fand Anfang des 20. Jahrhunderts eine lebensphilosophische Aufwertung des Körpers (z. B. durch die Lebensreform-, Körperkultur-
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oder Ausdruckstanzbewegung) statt, die sich gegen die Leibfeindlichkeit der Technisierung und Maschinisierung der Industriegesellschaft richtete. „Zurück zur Natur“ lautete die Devise. Der Diskurs um den Naturkörper basierte auf einem antimodernen Konzept. Dieses hat sich mit der Digitalisierung der Kommunikation seit Ende der 70er Jahre geändert. Es wird nicht mehr von der Zerstörung der „organischen Einheit des Leibes“ (Klein 2001, S. 56) gesprochen, sondern von der „Auflösung“ des Körpers im digitalen Raum. Erneut geht mit der Diskussion um das „Verschwinden“ des Körpers eine alltagskulturelle Aufwertung des Körpers einher. Den einen gilt der Körper als letzter Ort der Selbstvergewisserung, die anderen werten den Kult um den Körper als letzten Todesschrei. Jedoch wird der Körper in der nachmodernen Welt nicht mehr zivilisationskritisch als Natur aufgefasst, sondern als ein soziales Konstrukt und als eine Option verstanden. Die postmodernen Denkfiguren beschreiben den Körper als „Erfindung“ und als Projektionsfläche von Kultur und Geschlecht (vgl. Klein 2001, S. 58). Der Körper ist in Zeiten der Ästhetisierung und Stilisierung von Lebenswelten ein „Objekt der Gestaltung, [...] ein formbares Medium zur Inszenierung des Selbst.“ (Klein 2001, S.59).
Der Körperkult wird in den Abschnitten 1.3.1, 1.3.2 und 1.3.3 anhand der Facetten der „Versportlichung“ der Gesellschaft, des „Kultes um die Jugendlichkeit“ und des „Schlankheitskultes“ konkretisiert dargestellt. Dabei soll deutlich werden, dass die Körperverwendung nicht nur der Selbstinszenierung, sondern auch der sozialen Positionierung in der Gesellschaft dient.
Geschlechterspezifische Aspekte des Körperkultes werden in den Abschnitten 1.4 „Verkörperung von Weiblichkeit“ und 1.5 „Verkörperung von Männlichkeit“ thematisiert. Dabei werden das aktuelle ideale weibliche Körperbild und die Tatsache, dass die Körper von Männern zunehmend einer Ästhetisierung ausgesetzt sind, in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Kontext eingebunden.
Das zweite Kapitel (2.) dieser Arbeit versucht das große Interesse, welches der Schönheit des Körpers entgegengebracht wird, aus einer weiteren Perspektive zu beleuchten. Es wird dargestellt, inwiefern Attraktivität einen Einfluss auf den Status eines Menschen im alltäglichen Leben hat. Wenn Studien der Attraktivitätsforschung (< 2.2) und alltägliche Erfahrungen zeigen, dass „hübschen“ Menschen soziale Vorteile zukommen, kann der Wunsch und das Streben nach Schönheit verständlich und nicht mehr als rein oberflächlich aufgefasst werden. Der Abschnitt 2.1 verdeutlicht zunächst, wie schwer der Begriff der „Schönheit an sich“ überhaupt zu greifen ist. In dem
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Abschnitt der „kultursoziologischen Betrachtungen der Statusrelevanz von Attraktivität“ (< 2.3) wird die Bedeutung von Attraktivität in der zunehmenden Unübersichtlichkeit der postmodernen Gesellschaft, vor allem in der Berufswelt, fokussiert.
Der letzte Abschnitt dieser Arbeit (< 2.4) versucht die Attraktivität als Zusammenspiel von rein physischer Schönheit und persönlicher Darstellungskompetenz zu fassen. Dabei werden auch milieuspezifische Unterschiede im Umgang mit Verschönerungsmaßnahmen deutlich. Sehr häufig hört man bei der Beschäftigung mit dem Thema „Schönheit“ die Einwände: „Auf Persönlichkeit kommt’s an. Auf Ausstrahlung. Und darauf, dass man ein guter Mensch ist.“ (Brigitte 2002, Nr. 13, S. 3).
Aber ganz unwichtig ist gutes Aussehen eben doch nicht.
1. KÖRPER UND STATUS
Diese Arbeit geht von der Annahme aus, dass Informationen, die sich auf das Image, den Status oder die „Klasse“ eines Individuums beziehen, sich nicht zuletzt am Körper konkretisieren.
Neben einem biologischen und materiellen Körper, der Gegenstandsbereich von Biologie, Physiologie, Medizin und Ernährungslehre sein kann, existiert ein oftmals unterschätzter sozialer und kultureller Körper.
Zwischen Körper und Gesellschaft bzw. Körper und Kultur herrschen Zusammenhänge und Abhängigkeiten. So steckt in Ess- und Trinkgewohnheiten, in der Gestik, in den historischen Formen körperlichen Arbeitens und Vergnügens und in den verschiedenen Persönlichkeitsidealen immer ein sozialer Faktor. Der Körper ist Objekt sozialer und kultureller Zuschreibungen. Ästhetische Ideale, Vorstellungen von Gesundheit, Krankheit und Natürlichkeit sowie auch Emotionen und Affekte sind sozial determiniert und in ihren kulturhistorischen Zusammenhang eingebunden.
Wechselnde Normen und Werte in verschiedenen Kulturen und Epochen, aber auch in den unterschiedlichen sozialen Schichten und Milieus, erscheinen als Faktoren der Körpermodellierung und prägen Körperstile, Körpereinstellungen sowie die Inanspruchnahme der menschlichen Natur mit.
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So ist der Körper ein sozialer und kultureller Körper und damit Träger von Symbolen und Elementen der Gesellschaft (vgl. Rittner 1986, S. 125). Früher galt das Motto „Kleider machen Leute“. Anhand der Bekleidung konnte der gesellschaftliche Status, z. B. durch die prunkvolle Mode der Oberschichten oder durch die Uniformen des Militärs, festgestellt werden. Heute müsste dieses Sprichwort sich eigentlich in „Körper machen Leute“ gewandelt haben. Inszenierungen durch Kleidung oder Kosmetik reichen für eine gelungene Selbstdarstellung nicht mehr aus. Die höhere Wertschätzung des Körpers seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts erklärt sich zum Teil aus der Entfremdung des Menschen in der digitalisierten Arbeitswelt. Die erhöhte Aufmerksamkeit, die dem Körper entgegengebracht wird, beispielsweise durch Fitnesstraining, Aerobic, gezieltes Muskeltraining bis hin zu Schönheitsoperationen, bildet eine Gegenbewegung zu der Nutzlosigkeit des Körpers im Alltag. An die Stelle der Körperbildung durch körperliche Arbeit tritt ein ästhetischer Diskurs (vgl. Wagner-Douglas/ Wippermann 1998, S. 185-186). Die Entwicklung des „Körperkultes“ soll im folgenden ersten Kapitel aufgezeigt werden. Zunächst werden drei kultursoziologische Ansätze dargestellt, die zum Verständnis der Entwicklung des Verhältnisses Körper - Gesellschaft beitragen (> 1.1). Die Körperdistanzierung in der Alltagswelt wird unter Abschnitt 1.2 verdeutlicht. Der „Körperkult“ wird unter den Gesichtspunkten der Versportlichung der Gesellschaft, dem Jugendlichkeits- und Schlankheitskult fokussiert (> 1.3). Aktuelle Körpermoden wie Tätowierungen, Piercings oder Scarification werden in die Darstellungen nicht mit einbezogen, stellen aber einen Teil dieser Körperbewegung dar. Im Abschnitt 1.4 wird ein Blick auf das aktuelle, weibliche Körperideal von Frauen und dessen gesellschaftliche Einbindung geworfen.
Der Abschnitt 1.5 thematisiert die verstärkte Aufmerksamkeit, die dem männlichen Körper, insbesondere in der medialen Darstellung, zukommt.
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1.1 Grundlegende kultursoziologische Arbeiten zum Verhältnis Körper -Gesellschaft
Die Sozialwissenschaften haben lange die soziale Determinante der Körperverwendung vernachlässigt.
Mittlerweile ist jedoch eine Fülle an neueren Arbeiten entstanden, die die soziale und kulturelle Gebundenheit der Körperlichkeit eindrucksvoll und materialreich beschreiben. An dieser Stelle sollen exemplarisch drei klassische Ansätze zum Thema Körper - Gesellschaft vorgestellt werden, die für die vorliegende Arbeit Relevanz haben und anhand derer die Perspektive und Herangehensweise dieser Arbeit verständlich werden soll.
Eine grundlegende Arbeit hat Norbert Elias (1976, zuerst 1939) in „Über den Prozess der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen“ verfasst, in der er aufzeigt, wie sehr die abendländische Geschichte, die als Prozess der Zivilisation erscheint, sich als „Körperformungs-Geschichte“ zeigt. Diese Arbeit macht deutlich, dass Identitätsbildung, Körperaneignung, körperliches Empfinden und Handlungsstrukturen eng miteinander verwoben sind und Änderungen in einem Teilbereich zu Veränderungen des Gesamtgeflechts führen (vgl. Rittner 1986, S. 134-135). Elias stellt anhand der von ihm zusammengestellten Zitate aus Manierenschriften, Tischzuchten und Hofordnungen des Mittelalters und der Renaissance in mittelhochdeutscher, englischer, lateinischer und französischer Sprache die für die Neuzeit typische beginnende Körperdistanzierung dar. Ein vormals als rein funktional betrachteter Körper, der sich durch Affekte und prompte Reflexe auszeichnete, wird durch immer stärker und nachdrücklicher arbeitende Rationalitätsschübe in der Geschichte immer weiter zurückgedrängt. Die Manierenschriften, die für eine kleine Minderheit des Adels verfasst wurden, strebten eine Erziehung zu einem „gesitteten“ Ess- und Trinkverhalten an. „Erzogen“ werden Hände und Füße, der Mund, die Lippen, die Augen und die Zunge. Die Distanzierung und Beherrschung des Körpers ist, so wird es bei Elias deutlich, eine Erziehung einzelner Organe und Sinne, „ein Training zur Distanzierung des physiologisch Ursprünglichen“ (Rittner 1986, S. 134). Die Geschichte der Einführung von Messer und Gabel, von Schnupf- oder Taschentüchern, deren Benutzung zunächst nur den Oberschichten vorbehalten war, dokumentiert die
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systematische und methodische Disziplinierung der Organe mit Werkzeugen, die sich zwischen Antrieb und Handlung oder „buchstäblich zwischen Hände und Zähne schieben“ (Rittner 1986, S. 135).
Diese Zurücksetzung der Körperlichkeit erschien in einer körperbetonten Agrargesellschaft des Mittelalters, in der die Robustheit des Körpers, die Schnelligkeit der Reaktionen und die Affekte überlebensnotwendig zum Bestehen von Hungersnöten, Seuchen, Naturbedrohungen und Kriegen war, als unnatürlich und mühsam. Trotzdem ist die Körperdistanzierung und der Aufbau neuer, dadurch bewirkter psychischer und intellektueller Leistungen, nicht aufzuhalten gewesen. Der Prozess der Natur- und Bedürfnisbeherrschung setzt sich im Laufe der Geschichte bis in die untersten sozialen Schichten durch. Als wichtigstes Ergebnis der Distanzierung des Körpers, die die abendländische Geschichte prägt, erscheint die Fähigkeit, den Körper von dem Selbst zu trennen. Was außen mittels Messer, Gabel und den Maschinen geschieht, passiert im Inneren mit der Psyche. Aus der Körperbeherrschung entsteht die Modellierung der typisch europäisch, westlichen Identität, bei der die von Norbert Elias beschriebene Ausdehnung der Scham- und Peinlichkeitsschwelle ein Begleitphänomen ist. Der Fremdzwang zur Selbstkontrolle wird im Laufe der Zivilisation immer mehr internalisiert und wandelt sich zum Selbstzwang. Anhand Elias Darstellung der zu Beginn der Neuzeit einsetzenden Körperdistanzierung wird deutlich, wie wenig konstant der Umgang mit der Körperlichkeit des Menschen ist. So kann „Über den Prozess der Zivilisation“ zum weiteren Verständnis des aktuellen Diskurses über das „Verschwinden des Körpers“ (mit Zunahme der virtuellen Arbeits- und Lebenswelten des Menschen) versus dem „Körperkult“ (der Bedeutungszunahme der Körperlichkeit) beitragen.
Für das Phänomen, dass sich Schicht- und Klassenunterschiede auch am Körper manifestieren, ist das Werk von Pierre Bourdieu (1982) „Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft“ als ausschlaggebend anzuführen. In diesem entwickelt Bourdieu zum ersten Mal einen theoretischen Bezugsrahmen für die Erfassung divergierender Körperphänome. Anhand empirischer Studien, die von 1963 - 1979 durchgeführt wurden, untersucht er die schichtspezifischen Unterschiede der französischen Gesellschaft in Kulturbereichen wie der Musik, Theater, Film, Wohnungseinrichtung, Essen und Trinken und eben auch in der Kleidung und dem Umgang mit dem Körper. Diese kann man auch auf Deutschland übertragen. Bourdieu verdeutlicht die verschiedenen Lebensstile, die zur Abgrenzung der herrschenden
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Klasse von der Mittel- und Unterschicht dienen: „Die im objektiven wie im subjektiven Sinn ästhetischen Positionen, die ebenso in Kosmetik, Kleidung und Wohnungsausstattung zum Ausdruck kommen, beweisen und bekräftigen den eigenen Rang und die Distanz zu anderen im sozialen Raum.“ (Bourdieu 1999, S. 107). Bourdieu geht davon aus, dass Schicht-, Klassen- und Milieuunterschiede in einem unterschiedlichen Habitus geltend gemacht werden. Den Habitus-Begriff führt Bourdieu ein, um eine Überwindung der, aus seiner Sicht, künstlichen Spaltung zwischen Objektivismus und Subjektivismus zu erzielen, um also „eine Vermittlung von struktur- und handlungstheoretischer Perspektive vorzunehmen.“ (Brandl-Bredenbeck 1999, S. 40). Den Begriff des Habitus definiert Bourdieu selbst nirgendwo kurz und bündig. Annette Treibel (1997) versucht in ihrer „Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart“ den Habitus folgendermaßen zu erklären: „Im Habitus eines Menschen kommt das zum Vorschein, was ihn zum gesellschaftlichen Wesen macht: seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Klasse und die ‚Prägung‘, die er durch seine Zugehörigkeit erfahren hat.“ (Treibel 1997, S. 206). Zum besseren Verständnis drückt Treibel es vereinfacht aus: „[...] niemand kann aus seiner oder ihrer Haut. Wer als Kind einer Bauersfamilie im Hunsrück geboren ist, ‚hat‘ einen völlig anderen Habitus als das Kind einer Unternehmersfamilie in Hamburg.“ (Treibel 1997, S. 206). Der Habitus ist verantwortlich für abweichende ästhetische Ideale, für Unterschiede in den Geschmacksäußerungen, den Körperidealen, den hygienischen Praktiken, dem Kunst- oder Musikgeschmack oder den Ess- und Trinkgewohnheiten. Bourdieu legt in seiner Theorie der ästhetischen Distinktion drei Geschmacks-Dimensionen fest: Den legitimen Geschmack des Bildungs- und Großbürgertums, die zusammen die herrschende Klasse bilden, in dessen Bewertung von Ästhetik die Form und der Stil Vorrang vor dem Inhalt hat; den mittleren Geschmack der Mittelklasse (Angestellte, technische Berufe) und den populären Geschmack des Kleinbürger- und Arbeitertums, deren Geschmäcker sich eher an der Funktion, Substanz und Praktikabilität orientieren, so dass man von einem „Notwendigkeitsgeschmack“ (vgl. Treibel 1997, S. 215) sprechen könnte. Zentrale Aussage des Bourdieuschen Geschmacksbegriffs ist, dass der Geschmack und die Selbstinszenierung nie etwas Individuelles oder ein persönlicher Verdienst ist, sondern immer als etwas Gesellschaftliches betrachtet werden muss. Nirgends vollzieht sich die soziale Abgrenzung effektiver als über den Körper (vgl. Klein 2001, S. 61). So entwickeln soziale Klassen ebenso deutlich unterscheidbare Mittel körperlicher Selbstpräsentation:
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Bourdieu kommt zu dem Ergebnis, dass die Frauen der unteren Schichten sich selbst und ihre Körper nicht so hoch schätzen wie bürgerliche Frauen. Insgesamt betrachtet messen sie der Schönheit, Gesundheit und Schlankheit ihrer Körper weniger Wert und Interesse bei:
„Eine ganze Gruppe konvergierender Merkmale zeigt, dass diese Frauen ihrem Körper weniger Wert und weniger Interesse beimessen als die Frauen aus anderen Klassen: z. B. meinen 40,2 % der Frauen von Landwirten und 36,0 % der Arbeiterfrauen (aber nur 24,2 % der Frauen aus der herrschenden Klasse und 33,2 % der Frauen aus den mittleren Klassen), dass sie unter dem Schönheitsdurchschnitt stehen; 13,0 % und 14,0 % (gegenüber 10,1 % und 7,6 %) glauben, dass sie älter aussehen als sie sind, und die Frauen aus den unteren Klassen bewerten ihr Aussehen (ausgenommen Haut, Nase und Hände) stets schlechter als das der Frauen aus den oberen Klassen. Im übrigen halten sie Schönheit für weniger wichtig und bringen für Körperpflege systematisch weniger Zeit, Geld und Interesse auf (Z.Q. XLIV).“ (Bourdieu 1999, 596). Die grundlegende These Bourdieus ist also, dass der Körper - ebenso wie die Körperideale - ein Produkt der Gesellschaft ist, das seinerseits wiederum auf diese einwirkt. Die vorliegende Arbeit geht von dem Postulat der Manifestation von Klassen-und Schichtunterschieden am Körper aus. Der milieuspezifische Umgang mit dem Körper wird daher in die Betrachtungen von Attraktivität mit einbezogen. Wie unterschiedlich die Körperverwendungen und Inszenierungen in Alltagssituationen sind und wie sehr dabei Körperhaltung, Mimik und soziale Situation aufeinander abgestimmt werden müssen, geht aus vielen Einzelanalysen der Schule des „Symbolischen Interaktionismus“ (vgl. hierzu: Herbert Blumer 1969 1 , George Herbert Mead 1973 2 in: Treibel 1997, S. 108-115) und der „Ethnomethodologie“ (vgl. hierzu Erving Goffman 1969 3 in: Treibel 1997, S. 133-134) hervor, bei denen aufgezeigt wird, wie Körperkontrolle, Körperausdruck und Selbstdarstellung je nach sozialen Anlässen und Räumen variieren. Ob Party, Kneipe, Kaufhaus oder Großraumbüro, es ergeben sich jeweils unterschiedliche, auf das Milieu abgestimmte Körper-Choreografien.
1 Anm.: H. Blumer: „Symbolic Interactism. Perspectiv and method“, Englewood, Cliffs/ New Jersey
1969.
2 Anm.: G. H. Mead: „Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviourismus“,
Frankfurt/ M. 1973.
3 Anm.: E. Goffman: „Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag“, München 1969.
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Anhand der Untersuchungen des „Symbolischen Interaktionismus“ wird deutlich, welche große Rolle der Körper bei Ritualen des Sich-Kennenlernens, des Verabschiedens, bei freundlichem wie aggressivem Verhalten spielt: „Wo vieles unausgesprochen bleibt, kommunizieren die Körper und werden die sozialen Situationen durch ihre Signale definiert.“ (Rittner 1986, S. 130).
So dient der Körper, seine Verwendung in Interaktionen und seine Inszenierung, als identitätsbildener Faktor. Die Vertreter des „Symbolischen Interaktionismus“ verstehen die Identität nicht als Konstante oder etwas Gleichbleibendes, sondern als etwas, das im sozialen Interaktionsprozess der Wechselbeziehung mindestens zweier Menschen erst ausgehandelt werden muss. Dieses geschieht, indem die sog. „Ich-Identität“ zwischen dem „I“ , welches das „Ich“ als spontanes und kreatives Subjekt beschreibt, und dem „Me“, welches das „soziale Selbst“ in Beziehung zu anderen Menschen darstellt (nach G. H. Mead vgl. Treibel 1997, S. 112), vermittelt. 4 Die „Ich-Identität“ ist also die Balance der Aufrechterhaltung dieser beiden Identitäten einer Person. In der vorliegenden Arbeit wird die Bedeutung der postmodernen Gesellschaft für die Identitätsentwicklung in Bezug auf den Umgang mit dem Körper zum Ausdruck gebracht.
1.2 Körperdistanzierung, ein „Verschwinden des Körpers“ in komplexen, postmodernen Gesellschaften?
In den nächsten Abschnitten soll thematisiert werden, welche Bedeutung dem Körper in komplexen Gesellschaften zukommt, das heißt, wie die Körperverwendung zwischen einer zunehmenden Körperdistanzierung in der immer mehr durch Virtualität geprägten Alltags- und Arbeitswelt und dem gleichzeitigen Bedeutungszuwachs des „Körperkultes“ balanciert.
In komplexen Gesellschaften ist die Distanzierung des Körpers maximal fortgeschritten. Der Körper wird durch die modernen Kommunikationsmedien (Internet, Handys etc.) immer mehr aus persönlichen Interaktionen verdrängt und seine Eigenschaften werden entfunktionalisiert. Die Entkonkretisierung der Lebensverhältnisse wird mit Bezeichnungen wie „abstrakte Gesellschaft“ oder „anonyme Gesellschaft“ ausgedrückt.
4 Anm.: Erving Goffman fasst den gleichen Sachverhalt mit den Kategorien „persönliche Identität“ und
„soziale Identität“ zusammen.
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Zunehmende Klagen über eine Körperfeindlichkeit und eine gleichzeitig gesteigerte Körperaufmerksamkeit zeigen, dass diese Probleme kollektiv empfunden werden. Vom Babyalter an unterliegen unsere Körper einem immer stärker werdenden Zugriff, angefangen vom Sauberkeitstraining in der primären Sozialisation, über das Erlernen des Stillsitzens der Erstklässler bis zum Verharren an bewegungs- und reizarmen (PC-) Arbeitsplätzen. Formen der Selbstbeherrschung zeugen von den Folgen der Geschichte der Körperdistanzierung in den Gefühlen und Verhaltensweisen: Man muss „sich beherrschen“, „an sich halten“, „sich zusammenreißen“ oder darf sich „nicht gehen lassen“. Dabei kann einen der Körper „verraten“, beispielsweise durch Erröten oder ein Zittern in der Stimme in Situationen, in denen es auf eine gute Selbstbeherrschung ankommt. Die Vertreter des „Symbolischen Interaktionismus“, wie Erwin Goffman in seinen Betrachtungen der Alltagskultur (vgl. Rittner 1986, S. 138-140), haben beobachtet, dass der Körper im Alltagsleben oftmals als etwas Fremdes und latent Bedrohliches erscheint: Der Körpergeruch, Achselschweiß, Haare eines Vorgängers im Waschbecken, der „gelegentlich unliebsame Zwang zur Benutzung vielleicht noch warmer Klobrillen“ (Rittner 1986, S. 140), Abdrücke von Zähnen auf einem liegengelassenen Brötchen oder Schuppen auf dem Nacken des Nachbarn sind neuzeitliche Beispiele für Ekel. Der Einsatz von Deosprays, von Wasch-, Antischuppen-oder Putzmitteln korrespondiert mit diesen. Mit ihnen wird versucht, Hautoberflächen, Schleimhäute, Körperöffnungen, Pickel, Schuppen und Gerüche des Körpers unter Kontrolle zu bringen. Man erkennt, wie sehr die Geschichte der Körperdistanzierung internalisiert wurde: „Das scheinbar natürliche Empfinden, die mehr oder minder ausgeprägten Schwindel des physiologisch getönten Ekels sind, dies wird deutlich, ein sozialgeschichtliches und kulturelles Produkt. Die menschliche Natur ist zweite Natur. Die Geschichte der Körperdistanzierung sitzt demnach mit ihren Auswirkungen in den Körpern, in den Gefühlen, in der Empfindlichkeit wie im Gedächtnis des Menschen.“ (Rittner 1986, S. 140).
In den nachindustriellen Gesellschaften, die durch Medienkommunikation und eine globalisierte Wirtschaft geprägt sind, wird der physische Körper zunehmend unwichtig. Die Arbeit erfordert nicht mehr körperliche Kraft, sondern mentale Arbeitsleistungen und die Fähigkeit diese Bewegungsarmut auszuhalten. Diese Körperunterdrückung erschwert die Identitätsbildung innerhalb des Körper-Selbst-Verhältnisses, dabei kann der Körper überfordert werden, Stress sammelt sich an. Dieses hat auch gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen. Die Kosten des Gesundheitssektors
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nehmen bedingt durch den Anstieg der durch Stress mit verursachten Krankheiten, wie zum Beispiel den koronaren Herzkrankheiten, die eine der Haupttodesursachen in westlichen Kulturen darstellen, zu. So kann die Körperunterdrückung durch nicht abgebauten Stress, durch Bewegungsarmut oder eine unausgewogene Ernährung krank machen (vgl. Rittner 1986, S. 141-142). Weiter laufende Prozesse der Rationalisierung und Technisierung des Arbeitslebens, vor allem durch die sehr weitreichende Entwicklung und Anwendung der Informationstechnologie, die in nahezu alle Arbeitsbereiche und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten (Internet, Computerspiele, Cyberspace) eingedrungen ist, werden die Prozesse der Körperdistanzierung und Körperausschaltung und die damit verbundenen Probleme körperlicher Unausgelastetheit der Menschen noch weiter vorantreiben.
1.3 Körperkult
Dem zuvor beschriebenen Prozess der Körperdistanzierung steht gegenwärtig eine starke Körperaufwertung und Körperthematisierung gegenüber. Was zunächst widersprüchlich erscheint, lässt sich jedoch logisch in den Gesamtzusammenhang einfügen: Körpererfahrungen werden als Form der Authentizitätssuche kultiviert. Nicht mehr die Distanzierung des Körpers ist identitätsstiftend, sondern seine Beschwörung und Thematisierung (vgl. Rittner 1986, S. 144). Die Körperthematisierung wird zu einem Akt der Identitätsarbeit und Identitätssicherung.
Zahlreiche seit Ende der 80er Jahre erscheinende kultursoziologische Arbeiten weisen darauf hin, dass der Körper in spätmodernen Gesellschaften zu einem Gegenstand der bewussten Gestaltung wird. In der sog. „Inszenierungsgesellschaft“ (Willems/ Jurga 1998 in: Meuser 2000, S. 212) gewinnt der Körper als Medium der Selbstdarstellung an Bedeutung. Man spricht von einem „Körperboom“. Bryan Turner (1996), dessen Buch „The Body and the Society“ eines der am meisten referiertesten des kulturwissenschaftlichen Körperdiskurses ist, begreift die Spätmoderne als eine „somatische Gesellschaft“ („somatic society“), „in which our major political and moral problems are expressed through the conduit of the human body.“ (Turner 1996 zit. n. Meuser 2000, S. 211). Eine Vielzahl von Entwicklungen ist Turner zufolge für diese Ausprägung verantwortlich. Hierzu zählt die Ausbreitung einer „Konsumkultur“ („consum culture“), in welcher Fitness und körperliches Wohlbefinden („feeling
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good“) zu zentralen Werten werden, die das Wachstum einer Industrie fördern, die von der Kommerzialisierung des Körpers lebt und diese zugleich vorantreibt. Die Darstellungen des modernen Körperkultes in den nächsten Abschnitten sollen verdeutlichen, dass der Körper zwar eine sehr hohe Aufmerksamkeit in der Gesellschaft erfährt und der Umgang mit dem Körper immer breiter öffentlich diskutiert wird, der Körper selbst jedoch in seinen Affekten und Trieben nicht unzivilisiert „laufen gelassen“ wird, sondern wiederum einer starken Disziplinierung ausgesetzt ist. Arnd Krüger und Bernd Wedemeyer (1995) behaupten in ihrer Einleitung zu „Kraftkörper - Körperkraft. Zum Verständnis von Körperkultur und Fitness gestern und heute“: „Die Körperkultur und [der] Sport domestiziere und kanalisiere den letzten Rest räuberischen Instinkts des Menschen.“
Noch Anfang der 80er Jahre stellte die Beschäftigung mit dem Körper eine als positiv empfundene Alternative zu einer sich durch Distanz zum Körperlichen auszeichnenden Welt dar (vgl. Rittner 1982 in: Krüger/ Wedemeyer 1995, S.12). In den letzten Jahren hat sich dieses gewandelt. Nun ist es wichtig, im Besitz des „richtigen“ Körpers zu sein, vor allem für die eigene Identität. Dem Körper wird eine starke Aufmerksamkeit entgegengebracht, der Körperkult produziert eine neue Körpernorm, die rigoros und eindeutig vorgibt: Der Körper hat stark, ästhetisch, gesund, ewig jugendlich und abwehrkräftig zu sein, er muss schön und attraktiv sein. Die Medien, Film und Werbung sowie die Gesundheits- und Schönheitsbranche verwenden und tradieren den gestählten Körper. Der gesunde, leistungsfähige, schöngeformte Körper wird zum „Maß aller Dinge“. Der Körper erhält einen neuen sozialen Wert, wobei der Geist-Körper-Mythos („Edler Körper“ = „Edler Geist“, „Wer schön ist, ist auch gut“), der schon über Jahrhunderte besteht, immer noch wirksam ist. Der starke, attraktive Körper repräsentiert damit auch entsprechend innere Werte. Unbewusst werden dabei diejenigen ausgegrenzt, wie z. B. Übergewichtige oder Körperbehinderte, deren Körper nicht der Norm entsprechen (vgl. Krüger/ Wedemeyer 1995, S. 109). So werden Übergewichtigen negative Charaktereigenschaften wie träge, faul oder undiszipliniert zugeschrieben.
Der Körper und das Aussehen war zu keiner Zeit bedeutungslos, jedoch scheint der Kult um das perfekte Aussehen in den letzten Jahren extremer geworden zu sein. Verglichen mit älteren Erhebungen geben 1993 63% der befragten Männer und 68% der befragten Frauen an, dass ihnen äußere Attraktivität sehr wichtig ist (vgl. Rodin 1994 nach Müller-Streitbörger 1993 in: Müller 1995, S. 104). In einer Meinungsumfrage des
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Instituts für Demoskopie Allensbach für den Deutschen Studienpreis der Körber Stiftung zum Thema „Wie viel Körper braucht der Mensch?“ im September/ Oktober 2000 war auffällig, dass die meisten Befragten jede Abhängigkeit von dem aktuellen Schönheitsideal bestritten und den gegenwärtigen Körperkult kritisierten, zugleich aber ganz genau über das gängige Schönheitsideal Bescheid wussten: Rund 70% waren sich einig darüber, dass das Schönheitsideal für Frauen „vor allem schlank“ und für Männer „vor allem muskulös und gut durchtrainiert“ ist (vgl. Piel 2001, S. 168-169). Bei der Befragung wurde deutlich, dass die jüngeren Befragten der Körperkultivierung und auch Schönheitsoperationen gegenüber signifikant positiver eingestellt waren: „42% der Unter-30-Jährigen plädieren ganz eindeutig dafür, dass man an seinem Körper arbeiten muss: erstens, um fit zu bleiben, zweitens, um beruflichen Erfolg zu haben, und drittens, um beim Wettbewerb der Geschlechter nicht vorzeitig aus dem Rennen geworfen zu werden.“ (Piel 2001, S. 169). Zusammenfassend lässt sich behaupten, dass „die physische Nutzlosigkeit des Körpers eine ideologische Aufwertung nach sich zieht.“ (Krüger/ Wedemeyer 1995, S. 12). Im Folgenden soll dieses anhand der „Versportlichung“ der Gesellschaft und dem Jugendlichkeits- und Schlankheitskult näher beleuchtet werden.
1.3.1 „Versportlichung“ der Gesellschaft
Sportivität ist in der modernen Gesellschaft zu einem bedeutenden Wert geworden. Sportlichkeit wird mit Fitness und Gesundheit assoziiert und ist sozial erwünscht. Ein Boom der Sport- und Fitnessstudios, sowie der Freizeit- und Sportartikelindustrie zeugen von der massiven Verkörperlichung des Freizeithandelns. Man kann nahezu von einer sozialen Verpflichtung zur Sportlichkeit für jedermann sprechen. Damit einher geht auch die Sportlichkeit des Körpers als Schönheitsideal oder das Eindringen der Sportlichkeit in die Mode. So lebt nicht mehr nur die Jugendmode von sportiven Elementen, das „Sneakers-“ (Turnschuh) Tragen ist auch im geschäftlichen Leben vieler Branchen ein Usus, sportliche Mode zeugt von „Hipp-Sein“, von einem „Mit-der-Zeit gehen“. Der Umfang der Sportnachrichten in den Tageszeitungen, sowie die Berichterstattung der einzelnen Fernsehkanäle über sportliche Großereignisse ist in den letzten Jahren bedeutend angewachsen. Der „‘Kult des Körpers‘ als idealisiertes Bild moderner Empfindung“ (Sieber 1999, S. 54) wird uns durch die ausufernde Medialisierung des Sports in den Massenmedien beständig in Erinnerung gerufen.
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Arbeit zitieren:
Miriam Davids, 2002, Körper und Status. Eine Betrachtung von Attraktivität im aktuellen soziokulturellen Kontext, München, GRIN Verlag GmbH
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Der Umgang des Individuums mit...
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Miriam Davids hat den Text Körper und Status. Eine Betrachtung von Attraktivität im aktuellen soziokulturellen Kontext veröffentlicht
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