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Afroamerikanisches Christentum zwischen Protest und Assimilation - Studien zu Texten vor dem Bürgerkrieg

Examensarbeit,  2003, 142 Seiten
Preis: 34,90 EUR (E-Book)
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Beschreibung

Archivnummer:
V24724
ISBN (E-Book):
978-3-638-27527-9
DOI:
10.3239/9783638275279
Dateigröße:
1328 KB

Kategorie:
Examensarbeit
Jahr:
2003
Seiten:
142
Note:
1,7
Sprache:
Deutsch

Schlagworte:

Zusammenfassung / Abstract

Keine Zusammenfassung vorhanden

Textauszug (computergeneriert)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Seminar für Englische Philologie

Afroamerikanisches Christentum zwischen Protest und Assimilation
Studien zu Texten vor dem Bürgerkrieg

Wissenschaftliche Arbeit
im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt der Sekundarstufe II

vorgelegt dem Landeslehrerprüfungsamt

von Claudia Gerhardt

17.03.2003

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung ... 4

2 Die Protestautoren Maria Stewart und David Walker ... 10
2.1 Maria Stewart ... 10
2.1.1 Lebenslauf Maria W. Stewart ... 11
2.1.2 Restaurierung des Selbstwertgefühls ... 11
2.1.2.1 Abschaffung der hierarchischen Beziehungen zwischen den Rassen ... 13
2.1.2.2 Die Rolle der Frau ... 14
2.1.3 Rechtfertigung für die öffentliche Arbeit der Frauen ... 15
2.1.3.1 Stewards Auserwählung durch Gott ... 17
2.1.4 Moral heben ... 20
2.1.4.1 Unterschied zwischen den weißen Predigern und Maria Stewart ... 21
2.1.4.2 Stärkung der Gemeinschaft ... 23
2.1.5 Gott bestraft Sklaverei und Hypokrisie ... 26
2.1.6 Gott verlangt den Einsatz der Christen ... 33
2.1.6.1 Wie sich Stewarts Gottvertrauen äußert ... 35
2.1.6.2 Gott verlangt den Einsatz von jungen Menschen, Frauen und Weißen ... 37
2.1.7 Ziele des Afroamerikanischen Christentums im Werk von Stewart ... 40
2.1.7.1 Das Christentum soll Hoffnung und Weisheit geben ... 40
2.1.7.2 Religiöse Erklärung des Leids ... 41
2.1.8 Kritik ... 42
2.2 David Walker ... 45
2.2.1 Lebenslauf David Walker ... 46
2.2.2 Walkers Verständnis vom Christentum ... 46
2.2.2.1 Gott ist auf der Seite der Unterdrückten ... 47
2.2.2.2 Die Menschenrechte der Afroamerikaner ... 49
2.2.2.3 Die Farbe Schwarz und die Fluch-Argumentation ... 50
2.2.3 Walkers Erklärung und seine Lösung für das Problem der Sklaverei ... 52
2.2.4 Walkers Kritik an die eigene Rasse ... 55
2.2.5 Emazipatorische Schritte ... 56
2.2.5.1 Christliche Hypokrisie ... 57
2.2.5.2 Missionierungsauftrag ... 59
2.2.5.3 Taufe und sozialer Aufstieg ... 61
2.2.6 Kritik am Rekolonialisierungsplan ... 62
2.2.7 Gerechtfertigter Mord an Weiße ... 64
2.2.7.1 Gott wird einen Erlöser schicken ... 67
2.2.8 Zusammenhalt der schwarzen Rasse ... 69
2.2.9 Bildung ... 70
2.2.9.1 Religiöse Bildung schützt vor einer Missinterpretation der Bibel ... 70
2.2.9.2 Bildung als höchstes Lebensziel ... 72
2.3 Vergleich Walker- Stewart ... 73

3 Nat Turner: der Racheengel Gottes ... 75
3.1 Lebenslauf Nat Turner ... 76
3.2 Turners Verständnis vom Christentum ... 77
3.2.1 Vor der Tat ... 77
3.2.1.1 Turner fühlt sich von Gott auserwählt ... 77
3.2.1.2 Zusammenhang zwischen Bildung und seiner Tat ... 79
3.2.1.3 Mögliche Gründe für die Tat ... 80
3.2.1.4 Turner sieht sich als Racheengel ... 81
3.2.2 Turners Vorstellung vom Christentum nach der Tat ... 82
3.2.2.1 Christentum und Moral ... 82
3.2.2.2 Prädestinationsgedanken ... 83
3.2.2.3 Manipulatorische Schritte ... 85
3.2.2.4 Turner als Christusfigur ... 86
3.3 Unterschied Walker- Turner ... 87

4 Die Assimilationisten: Jupiter Hammon und Philis Wheatley ... 91
4.1 Jupiter Hammon ... 92
4.1.1 Lebenslauf Hammon ... 92
4.1.2 Wie Hammon das Christentum versteht ... 93
4.1.2.1 Positives Gottesbild ... 93
4.1.2.2 Hammons Einstellung zur calvinistischen Prädestinationslehre ... 94
4.1.2.3 Belohnung im Himmel aufgrund von Gnade ... 95
4.1.2.4 Negative Menschenbild ... 96
4.1.2.5 Erbsünde jeglicher Art ist ausgelöscht ... 97
4.1.2.6 Hammons Einstellung zum Tod ... 98
4.1.2.7 Zweck seiner Drohung mit dem jüngsten Gericht ... 99
4.1.3 Krieg als Strafe Gottes ... 100
4.1.4 Religion und Sklaverei ... 102
4.1.4.1 Halten von Sklaven schließt eine echte Religiosität nicht aus ... 102
4.1.4.2 Befreiende Wirkung der Sklaverei ... 103
4.1.4.3 Gott wird sie nicht für immer in der Sklaverei lassen ... 104
4.1.4.4 Die Afroamerikaner als Christusfiguren ... 105
4.1.4.5 Hammons immenses Gottvertrauen ... 106
4.1.4.6 Hammons Vorstellung eines moralischen Lebens ... 106
4.1.5 Gott kämpft auf der Seite der Afroamerikaner ... 109
4.1.6 Hammons Einstellung zur Fluch-Argumentation ... 110
4.1.7 Hierarchien im Himmel ... 111
4.1.8 Hammons Beziehung zu Menschen seiner Rasse ... 112
4.1.9 Zusammenhang zwischen Bildung und Religion ... 113
4.1.10 Ansätze von Protest ... 114
4.1.10.1 Hammon erkennt die christliche Hypokrisie ... 116
4.1.11 Hammons Predigt im Vergleich zu Whitefield ... 118
4.1.12 Schlußbemerkungen ... 119
4.2 Phillis Wheatley ... 122
4.2.1 Lebenslauf Phillis Wheatley ... 123
4.2.2 Wie Phillis Wheatley das Christentum sieht ... 123
4.2.2.1 Phillis fühlt sich Gott ausgeliefert ... 124
4.2.2.2 Gott ist nicht parteisch ... 126
4.2.2.3 Phillis Wheatleys Beziehung zu ihrer Hautfarbe ... 127
4.2.3 Protestansätze ... 128
4.2.4 Widrigkeiten mit denen Phillis konfrontiert war ... 128
4.2.5 Phillis Wheatleys Verdienst ... 129
4.2.6 Auswirkungen des neoklassischen Stils ... 130

5 Zusammenfassung ... 132

6 Blibliographie ... 138

7 Danksagung ... 142

 

1 Einleitung

In den USA, einem Land, daß sich selbst als sehr religiös betrachtet, spielte die christliche Religion in der Vorkriegsdebatte über die Sklaverei eine wichtige Rolle, denn sie wurde sowohl von den Weißen als auch von den Schwarzen zur Rechtfertigung ihrer Positionen benutzt. Beiden Seiten war es wichtig, ihre christliche Moral zu verteidigen. Abraham Lincoln formulierte treffend das Problem, mit dem sich die christlichen Denominationen auseinandersetzen mußten: „Both read the same Bible and pray to the same God; and each invokes His aid against the other. It may seem strange that any men should dare to ask a just God’s assistance in wringing their bread from the sweat of other men’s faces; but let us not judge not that we be not judged.”1 Die afroamerikanischen Christen mußten sich in besonderem Maße damit auseinandersetzen, daß ihre Peiniger dieselbe Bibel als Basis für die Sklaverei benutzten, die sie als Hoffnungsträger erkannt haben. Die Befürworter der Sklaverei fanden sowohl im Neuen als auch im Alten Testament Argumente für ihre Standpunkte. Im Alten Testament wurden die Passagen zitiert, die von Kains und Hams Verfluchung sprechen, und im Neuen Testament war die Ermahnung von Paulus an die Diener, daß sie ihren Herren gehorchen sollen, eine zentrale Belegstelle.2 Außerdem wurde gezeigt, daß viele fromme biblische Charaktere, wie Abraham, selbst Sklaven besaßen und daß sich Jesus nicht explizit gegen die Sklaverei ausgesprochen hat, obwohl sie zu seiner Zeit präsent war.
Die Predigten dienten dazu, die Schwarzen von ihrer Inferiorität zu überzeugen, die angeblich gottgewollt war. Dieser Ausschnitt zeigt, wie der Katechismus der Sklaven aussah:


Q. Who was the first negro?
A. Cain.
Q. How did he become so?
A. The Lord set a black mark upon him.
Q. Did the Southern slave come from him?
A. Yes.
Q Have the negroes been held as slaves in all ages of the world?
A. Yes.
Q. Did Christ and his apostles approve of Roman slavery?
A. Yes.
Q. How do you know?
A. They didn’t say anything against it.
Q. Was Paul a good man?
A. Yes, he was a holy saint.
Q. What did he do?
A. He sent back a run-away slave.3

Man sieht daran, wie die Weißen die Bibel strategisch eingesetzt haben. Sie vermittelten den Schwarzen nur diejenigen Passagen aus der Bibel, die als Beweis für ihre Unterdrückung dienen konnten. Sie mußten davon überzeugt werden, daß ihre Hautfarbe etwas Negatives ist, und daß Gott sie mit der Sklaverei bestraft hat. So wie die Weißen die Erbsünde von Adam und Eva in sich trugen, trugen die Schwarzen angeblich die zusätzliche Erbsünde Kains oder Hams. Es mußte ihnen klargemacht werden, daß die Farbe Weiß rein ist, die Farbe Schwarz hingegen unrein. Die meisten Schwarzen waren Analphabeten, das heißt, daß sie die Bibel nicht selbstständig lesen konnten. Daher war es ein Anliegen der schwarzen Kirche, den Afroamerikanern Lesen beizubringen, damit sie sich selbst ein Bild von der Bibel machen konnten, ohne dabei von der weißen Kirche beeinflußt zu werden.
Die weißen christlichen Kirchen im Norden zogen es vor, Sklaverei im Bereich des Profanen anzusiedeln. Die Beziehung zwischen den Sklaven und ihren Herren wurde als eine weitere interfamiliäre Beziehung gesehen, wie die Beziehung zwischen Frau und Mann sowie zwischen Eltern und Kindern. Sie sollte von derselben Hierarchie dominiert werden und unter denselben Gesetzen stehen. Die Herren sollten sich um das körperliche und seelische Wohl der Sklaven bemühen und die Sklaven um die Erfüllung ihrer Aufgaben. Daher sahen die Kirchen es nicht als ihre Aufgabe an, den Status der Sklaven zu ändern, sondern deren Behandlung: „the sin of slavery lay not in the holding of slaves per se, but in the misconduct one might exercise in the holding.“4 Außer kleinere Splittergruppen wie die „Society of Friends“ oder die „Quaker“ übernahmen die Kirchen nur die Aufgabe, die Afroamerikaner zu missionieren oder an Rekolonialisierungsplänen der American Colonization Society mitzuwirken.5 Anfangs hatten Sklaventreiber gegen die Christianisierungsversuche der Missionare Bedenken. Sie wurden milde gestimmt, indem man betonte, daß es ausschließlich um das Seelenheil der Schwarzen ginge und keineswegs um die Veränderung der irdischen Hierarchie:


British colonists in North America proved especially indifferent, if not downright hostile, to the conversion of their slaves. At first, opposition was based on the suspiciton that English low forbade the enslavement of Christians and so would require slaveholders to emancipate any slave who received baptism. Masters suspected that slaves would therefore seek to be baptised in order to gain freedom. These fears were quickly allayed by colonial legislation declaring that baptism did not alter slave status. With the legal obstacles aside, slaveowners for the most part still demonstrated scant interest in converting their slaves. According to the common wisdom, Christianity spoiled slaves. Christian slaves thought too highly of themselves, became imprudent, and even turned rebellious. Moreover, Anglo-Americans were troubled by a deep-seated uneasiness at the prospect that Slaves would claim Christian fellowship with white people. Africans were foreign; to convert them was to make them more like the English and therefore deserving better treatment. In fact religion, like language and skin color, constituted the colonists identity. To Christianize black-skinned Africans, therefore, would confuse the distinctiveness of the races and threaten the social order based upon that distinctiveness. Finally, the labor, not the souls of the slaves concerned most slaveholders.6

Gegen Anfang des 19. Jahrhunderts begannen Afroamerikaner, aus Protest gegen die weißen Kirchen ihre eigene Kirche zu gründen, wie zum Beispiel Richard Allen, der 1816 die „American Methodist Episcopal Church“ gründete.
Doch nicht nur schwarze Pastoren beschäftigten sich mit der religiösen Rechtfertigung der Sklaverei und mit einer Neuinterpretation der Bibel. Auch wenn die Kirche als Institution eine Debatte über Sklaverei vermied, waren die meisten Abolitionisten Christen.7 Daher war es für jeden schwarzen Schriftsteller und für jeden politischen Redner ratsam, den Eindruck zu vermitteln, er oder sie sei ebenfalls religiös und moralisch. Notgedrungen wurde die Religion und der Rückbezug auf die Bibel ein wichtiges strategisches Mittel, um gegen die Sklaverei zu kämpfen.8 Die schwarze Bevölkerung, egal ob frei oder versklavt, fand im Christentum eine Nische, in welcher sie ihr Gemeinschaftsleben pflegen konnte. Sie entwickelte eine ambivalente Sprache, die sich stark an die biblische Sprache lehnte, und deswegen konnte man als Weißer wenig dagegen unternehmen. Die diversen Interpretationsmöglichkeiten, welche die Bibel bietet, waren für das Entstehen von Protestansätzen sehr förderlich. Unterdrückte Völker in der Bibel wurden zum Symbol des eigenen Leids und gaben Hoffnung, daß Gott sie ebenfalls erretten könnte. Andererseits war die Geschichte dieser Völker auch eine Mahnung an die Weißen, daß Gott sie für ihre Taten bestrafen will: „Sermons harmoniously correlate the ancient biblical stories and changing historical situations.“9 Unter dem Deckmantel der seelischen Freiheit, keimten auch Gedanken auf, welche die körperliche Freiheit und die Emanzipation betrafen.
Das Ziel meiner Arbeit ist es, das Spektrum der afroamerikanischen Bibelinterpretationen aufzuzeigen. Dazu werde ich Werke von fünf Autoren untersuchen, und diese miteinander sowie mit der Bibel vergleichen.10 Diese Autoren sind, in der Reihenfolge ihrer jeweils ersten Publikation: Jupiter Hammon, Phillis Wheatley, Maria Stewart, David Walker und Nat Turner. Der daraus entstandene Kontrast soll die Reichweite der afroamerikanischen Bibelinterpretation demonstrieren, die von einer Übernahme der weißen Position bis hin zu einer Ablehnung dieser gehen kann.
Jupiter Hammon und Phillis Wheatley gelten als Assimilationisten, da sie sich, wie die weißen Missionare, überwiegend mit dem seelischen Wohl und der seelischen Befreiung der Sklaven auseinandergesetzt haben. Ich werde untersuchen, wie es dazu kam, daß sie die Position der Weißen übernommen haben und inwieweit sie es sich erlaubt haben, diese zu verändern, um gegen die Sklaverei zu protestieren.
Maria Stewart und besonders David Walker hingegen haben sich einen Ehrenplatz in der afroamerikanischen Protestgeschichte verdient, da sie sich überwiegend mit der Veränderung der irdischen Situation auseinandergesetzt haben. Es war ihnen jedoch nicht möglich, eine reine Protestliteratur zu schreiben, sie mußten sich auch an die weißen Normen halten, um Gehör zu finden.11
Nat Turner war kein politischer Redner, sondern ein Prediger. Durch seine Haltung und seine Predigten, die allerdings nicht überliefert sind, konnte er, nach eigener Aussage, seine Mitsklaven dazu motivieren, einen blutigen Aufstand zu wagen. Seine Beichte, die in einem Interview durch einen Weißen nach seiner Tat entstanden ist, ist Gegenstand meiner Arbeit. Darin gibt er seine Gründe für die Tat preis.12
Außerdem werde ich jeweils einen Assimilationisten und auch einen Protestautoren mit weißen Predigern vergleichen, die dasselbe Thema behandelten, um den Unterscheid zwischen einer afroamerikanischen Sichtweise, egal ob sie radikal ist oder nicht, und einer weißen Darstellung einer biblischen Geschichte zu zeigen.
Assimilation heißt im Kontext dieser Arbeit, daß sich die Autoren an die oben erwähnten Hierarchien zwischen Schwarzen und Weißen halten, die darauf basieren, daß die Schwarzen einer minderwertigeren, verfluchten Rasse angehören. Sie stimmen den Weißen zu, daß die Schwarzen eine niedrigere Position in der Schöpfung einnehmen als die Weißen und übernehmen die Wertigkeit der Farben Schwarz und Weiß. Ihre Meinung, was die Bibel über die Sklaverei sagt, überschneidet sich mit der der Weißen, und sie zitieren dieselben Bibelstellen, welche die Weißen zur Unterdrückung der Afroamerikaner benutzen, und legen die Bibel so aus, als ob die Sklaven ihren Herren mehr gehorchen sollten als vor ihrer christlichen Bekehrung. Die Antwort, wie man als Schwarzer ein Leben führt, das Gott gefällt, stimmt bei einem Assimilationisten mit der Antwort der Weißen überein. Assimilationisten geben auf die fundamentalen Fragen ihrer Gemeinschaft dieselben Antworten wie die Weißen. Solche Fragen zielen darauf ab, den Konflikt zu lösen, daß man zwar seelisch frei ist, aber körperlich ein Sklave. Sie beschäftigen sich mit dem Sinn des irdischen Leids, der Unterdrückung und mit der versprochenen Belohnung im Himmel. Assimilation heißt ferner, daß die schwarzen Autoren den weißen prosklavereiorientierten Predigern in Sprache und Stil ähneln.
Protest hingegen heißt, daß man an Stelle einer weißen Bibelinterpretation eine eigene, auf die Bedürfnisse der Afroamerikaner angepaßte Bibelinterpretation vorlegt. Die Farbsymbolik sowie die Stellung der Schwarzen innerhalb der Schöpfung sind hier verschieden. Das Ziel des Christentums ist es nicht, gehorsamere Sklaven zu machen, sondern zum Handeln zu bewegen. Man will beweisen, daß Gott die Sklaverei nicht zulassen möchte. Dadurch ändern sich die Hierarchien auf der Erde. Nachdem die Sklaverei in den Nordstaaten abgeschafft worden war, durften Freiheitsgedanken auch offiziell von Afroamerikanern zu Papier gebracht werden. Sie richteten sich zunächst an die schwarze Bevölkerung, dessen Analphabetenrate langsam zurückging, erhielten allerdings auch offensichtliche Drohungen an die Sklaventreiber, welche sie als hypokritische Christen bezeichneten. Kritik an die weiße Auslegung der Bibel und eine mögliche Bestrafung von Gott sind auch Bestandteil des Protestes. Ein solches Christentum soll den Afroamerikanern Hoffung geben und sie zum Handeln animieren. Man hat als Protestautor andere Antworten auf die fundamentalen Fragen eines bekehrten Sklaven als die Weißen und die Assimilationsautoren; man benutzt auch andere Bibelstellen als letztere, um seine Meinung zu belegen.
Anhand von Untersuchungen, wie diese afroamerikanischen Autoren das Christentum unter den spezifischen Bedingungen ihrer Unterdrückung verstehen, und wie sie das Christentum für eine emanzipatorische Argumentation nutzen, kann man sehen, wie facettenreich sich das Christentum in der schwarzen Gemeinschaft niedergeschlagen hat. Man kann dadurch einen Eindruck von der Spannbreite und der Komplexität des afroamerikanischen Christentums bekommen. Es ist zwar nicht der primäre Zweck dieser Arbeit zu beweisen, ob das afroamerikanische Christentum für die Emanzipation schädlich oder fördernd war, doch werde ich auch auf den Verdienst der Autoren in Richtung der Emanzipation eingehen. Dabei werde ich die verschiedenen Schreibbedingungen, die Religiosität und das Geschlecht der Autoren berücksichtigen.

2 Die Protestautoren Maria Stewart und David Walker

2.1 Maria Stewart

2.1.1 Lebenslauf Maria W. Stewart

Maria Stewart wurde 1803 in Hartford, Connecticut geboren. Im Alter von fünf Jahren verwaiste sie. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, arbeitete sie als Dienstmädchen in einer Pfarrersfamilie, wo sie neben einer religiösen Erziehung keine sonstige Bildung bekam. 1826 heiratete sie James W. Stewart, der drei Jahre später verstarb. David Walkers Appeal, das 1829 veröffentlicht wurde, und eine Glaubenserfahrung im Jahre 1830 regten Maria Stewart an, sich selbst aktiv für die Rechte der Schwarzen einzusetzen, und sich der Abolitionistenbewegung in Boston anzuschließen. Zwischen 1831 und 1833 hielt sie Reden und veröffentlichte Essays in William Lloyd Garrisons Antisklavereizeitung, „The Liberator“.13 Die Werke, die ich in dieser Arbeit untersuchen werde, befinden sich alle in Marilyn Richardsons Ausgabe von 1987. Es handelt sich dabei um „Religion and the pure principles of morality“ (1831), „Cause for encouragement“ (1832), „Lecture delivered at the Frankin Hall“ (1832), „An address delivered before the Afric-American female intelligence society of America“ (1832), „An address delivered at the African Masonic Hall“ (1833) und „Farewell Address to her friends on the city of Boston“ (1833). Der wachsende Widerstand gegen ihre Ansichten zwang Stewart, nach New York umzusiedeln. Dort engagierte sie sich weiterhin in Frauenorganisationen und in der Abolitionistenbewegung. Sie arbeitete als Lehrerin in Brooklyn und Long Island, nach 1825 in Baltimore und Washington, D. C. Kurz vor ihrem Tod brachte sie eine überarbeitete Edition ihrer Abhandlungen und Reden aus den 30er Jahren mit einem Zusatzwerk, welches sie „Sufferings during the war“ nannte.14

[...]


1 John R. McKivigan and Mitchell Snay, eds., Religion and the Antebellum Debate over Slavery (Athens: Univ. of Georgia Press, 1998) 1.

2 Eph. 6:5.

3 Dwight Hopkins, Down, UP and Over: Slave Religion and Black Theology (Minneapolis: Fortress Press, 2000) 90-91.

4 McKivigan, 40.

5 “Consituted in Washington, D.C., in late December 1816, the ACS, brainchild of New Jersey Presbyterian minister Robert Finley, intended to help impoverished and persecuted free blacks help themselves by strongly encouraging them to emigrate to a colony on the West African coast that the ACS would help establish.” Aus Peter Hinks To Awaken my afflicted Brethren (University Park, Pa.: Pennsylvania State Univ. Press, 1997) 98.

6 David G. Hackett, ed. Religion and American culture: a reader (New York: Routledge, 1995) 75-76.

7 „Most of the men and women prominent in the anti-slavery agitation were deeply religious and made constant use of the teachings of Jesus in their appeals for support.“ (McKivigan, 3).

8 Das heißt natürlich nicht, daß die politischen Redner nicht selbst eine tiefe Religiosität besitzen konnten.

9 Cain Hope Felder, ed. Stony the Road we Trod (Minneapolis: Fortress Press, 1991) 120.

10 Meine englische Referenzbibel ist die King James Version. Für die deutschen Bibelzitate habe ich die Elberfelder Übersetzung genommen.

11 Um diese zwei Gruppen zu differenzieren, werde ich Jupiter Hammon und Phillis Wheatley als „Assimilationisten“ bezeichnen, auch wenn sie nicht vollkommen die Werte und religiösen Vorstellungen der Weißen übernommen haben, wie ich im Laufe der Arbeit zeigen werde. David Walker und Maria Stewart werde ich „Protestautoren“ nennen, auch wenn sie mehr oder weniger auch assimilatorische Züge haben.

12 Das Werk von Phillis Wheatley habe ich nicht in vollständig untersucht, sondern nur diejenigen Gedichte und Briefe, die sich in der Norton Anthology befinden. Für die Bearbeitung der Werke von Jupiter Hammon und Maria Stewart fand ich die einleitenden Interpretationen der Herausgeber nützlich.

13 In the very first issue of his anti-slavery newspaper, The Liberator, William Lloyd Garrison stated, "I do not wish to think, or speak, or write, with moderation. . . . I am in earnest -- I will not equivocate -- I will not excuse -- I will not retreat a single inch -- AND I WILL BE HEARD." And Garrison was heard. For more than three decades, from the first issue of his weekly paper in 1831, until after the end of the Civil War in 1865 when the last issue was published, Garrison spoke out eloquently and passionately against slavery and for the rights of America′s black inhabitants. William Lloyd Garrison Africans in America (accessed 09 March 2003); available from http://www.pbs.org/wgbh/aia/part4/4p1561.html.

14 Nina Baym, ed., The Norton Anthology of American Literature. (New York: W. W. Norton & Company,1998) 201-202.

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