Entscheidungen bei Malaria, Atemwegserkrankungen und Enteroparasiten im
Licht soziokultureller Faktoren
von mir selbst und ohne jede unerlaubte Hilfe angefertigt wurde, dass sie noch keiner anderen Stelle zur Prüfung vorgelegen hat, und dass sie weder ganz noch im Auszug veröffentlicht worden ist. Die Stellen der Arbeit, - einschließlich Tabellen, Karten, Abbildungen usw. - die anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen sind, habe ich in jedem einzelnen Fall als Entlehnung kenntlich gemacht.
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 6
1.1. Struktur der Arbeit 6
1.2. Medizinische Versorgung in Guatemala 6
1.3. Ethnomedizin in Mesoamerika 7
1.3.1. Der Nutzen traditioneller Heilpflanzen 10
1.3.1.1. Ethnopharmakologie und kulturelle Rechte 11
1.3.1.2. Psychosomatik und alternative Heilmethoden 12
2. DIE FRAGESTELLUNGEN 14
2.1. Hypothesen 15
2.2. Warum Uaxactún 15
2.2.1. Nachteile 15
2.2.2. Vorteile 17
3. THEORIEBILDUNG UND UNTERSUCHUNGSMETHODEN 18
3.1. Die Grundlagen der kognitiven Anthropologie 18
3.2. Das Entscheidungsmodell 20
3.3. Das Beschreibungsmodell und seine Weiterentwicklung: EM und EMIC 21
3.4. Die Modellanwendung auf Uaxactún 22
3.5. Die Befragung der Bevölkerung 24
3.5.1. Die Methodik der Feldforschung und der Interviews 25
3.5.2. Technik 26
3.5.3. Interviewthemen 27
3.5.4. Die Interviewpartner 28
3.5.4.1. Probleme und Überlegungen bei der Informationsgewinnung 29
3.5.4.2. Die Rolle des Puesto de Salud und des enfermero 30
4. DEFINITIONEN 31
4.1. Medizinsysteme 31
4.1.1. Das westliche Medizinsystem 32
4.1.1.1. Biomedizin 33
2
4.1.2. Traditionelle Medizinsysteme Guatemalas 34
4.1.3. Populärmedizin 35
4.2. Gesundheit und Krankheit 36
4.3. Emische Definitionen in Uaxactún 38
4.3.1. Krankheitsbezeichnungen 38
4.3.2. Gesundheit 40
4.3.3. Remedios caseros 41
4.3.4. Vertrauen: die Rolle des fe in Gesundheitsfragen 42
5. DAS DORF 43
5.1. Geschichtlicher Hintergrund: die wirtschaftliche Bedeutung des Petén 43
5.1.1. Chicle und Uaxactún 44
5.2. Geografie: die Lage Uaxactúns im Maya Biosphären Reservat 45
5.3. Dorfpolitik 47
5.4. Ethnien Sprache und Familienstrukturen 47
5.5. Religion und Glaubensvorstellungen 48
5.6. Wasserversorgung 49
5.7. Soziale Verhältnisse: Dorfleben und Infrastruktur 51
5.8. Weitere ethnografische Daten 52
5.9. Lebensunterhalt 53
5.9.1. Feldbau 54
5.9.2. Waldarbeit 54
5.9.2.1. Chicle Xate Pimienta 55
5.9.2.2. Spezifische gesundheitliche Risiken bei der Waldarbeit 56
5.9.3. Weitere Einkunftsmöglichkeiten 57
6. DIE GESUNDHEITSVERSORGUNG 59
6.1. Schulmedizinisch orientierte Gesundheitszentren 59
6.2. H´men Kräuterkundige Heiler innen Hebammen 60
6.3. Apotheken 62
6.4. „Offizielle“ Heilung in Uaxactún 62
6.4.1. Comadronas 62
6.4.2. Der Gesundheitsposten 64
3
7. DIE KRANKHEITEN UND IHRE BEHANDLUNG 66
7.1. Prä- und postkoloniale Krankheitserreger im mesoamerikanischen Raum unter besonderer
Berücksichtigung von Influenza-Viren und Protozoen 66
7.2. Krankheiten und Heilungsalternativen in Uaxactún 68
7.2.1. Malaria 70
7.2.1.1. Heilungsmethoden und -dauer bei Malaria 71
7.2.1.1.1. Pharmaka 71
7.2.1.1.2. Heilpflanzen 72
7.2.2. Durchfallerkrankungen Enteroparasiten 72
7.2.2.1. Heilungsmethoden für Enteroparasiten und Diarrhö 73
7.2.2.1.1. Pharmaka 73
7.2.2.1.2. Heilpflanzen 74
7.2.3. Schwere Atemwegserkrankungen 74
7.2.3.1. Heilungsmethoden schwere Atemwegserkrankungen 75
7.2.3.1.1. Pharmaka 75
7.2.3.1.2. Heilpflanzen 75
7.2.4. Andere Symptome und Krankheiten 76
8. ENTSCHEIDUNGEN IM KRANKHEITSFALL 78
8.1. Heilung und Entscheidungsfindung: deskriptive Auswertung anhand von Fallbeispielen 79
8.1.1. Einleitung 79
8.1.2. Malaria 81
8.1.3. Grippe Atemwegserkrankungen 83
8.1.4. Darmparasiten und empacho 86
8.1.5. Verbrennung 88
8.1.6. Schlangenbisse der Bothrops asper 89
8.1.7. Hautleishmaniose 91
8.2. Heilung und Entscheidungsfindung: Statistische Auswertung 92
8.2.1. Die Wahl der Heilmethoden und Entscheidungsfindung 93
8.2.3. Gründe der Entscheidungen 95
8.2.1. Informationsquellen des Heilwissens 97
8.3. Fazit 100
SCHLUSS UND AUSBLICK 103
4
LITERATURVERZEICHNIS 106
Literatur zu Bestimmung und Anwendung der Heilpflanzen (vgl IV) 119
Literaturverzeichnis Internet 120
ANHANG 122
I Hinweise zur Schreib- und Zitierweise der Arbeit 122
II Fragebogen 123
IIa Erläuterung der Interviewfragen und Klassifikationen der Antworten 124
Abb I: Maya-Biosphärenreservat mit Nationalparks Biotopen und Schutzzonen 126
ABB II: Konzessionsgebiet der OMYC mit Waldcamps der Xateros 127
Abb III: Karte von Uaxactún mit Häusern der Interviewpartner 128
Abb IV V : Hauptkrankheiten und -symptome Statistik des Puesto de Salud 129
IV Ethnobotanik: Die Krankheiten und ihre pflanzliche Behandlung 130
IV a Heilpflanzen Uaxactúns 131
V Liste der zitierten und interviewten Personen 141
DANKSAGUNG 143
LEBENSLAUF 144
LISTE DER TABELLEN UND GRAFIKEN
Tabelle 1: Umfrageergebnisse über subjektiv empfundene Heilungsdauer von Malaria 71
Tabellen 2 4: Gründe für die Wahl der Heilmethode in Bezug zur angewandten Heilmethode 96
Tabellen 5 7: Angewandte Heilmethode in Bezug zur Wissensvermittlung 99
Tabelle I: Gegenüberstellung von pflanzlicher und synthetischer Medizin 126
Grafik 1: Vom Gesundheitsposten registrierte Hauptkrankheiten in Uaxactún April 2003 69
Grafik 2: Umfrageergebnisse der Behandlungsmethoden für Grippe Malaria und Parasiten 94
Grafik 3: Wissensquelle der angewandten Heilmethode 98
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1. Einleitung
1.1. Struktur der Arbeit
Nach einer allgemeinen Einführung in die Thematik und die ethnologische Relevanz der vorliegen-den Arbeit, wird in Kapitel 2. auf die konkreten Fragestellungen und Hypothesen der Untersuchung eingegangen. In diesem Zusammenhang werden auch die Vor- und Nachteile des Untersuchungs-raumes dargelegt. Es folgt in Kapitel 3. die Entwicklung der Theoriebildung und Untersuchungsme-thoden der Arbeit. Vor diesem Hintergrund werden im Anschluss daran wesentliche Definitionen der in dieser Arbeit gebräuchlichen ethnomedizinischen und ortstypischen Begrifflichkeiten gege-ben, um so den Rahmen der Arbeit genauer abzustecken. Anschließend wird in Kapitel 5 eine eth-nografische Darstellung der örtlichen Gegebenheiten präsentiert. Mit diesem Vorwissen können die generell vorhandenen Behandlungsalternativen in Kapitel 6. erläutert und in den nationalen bzw. mesoamerikanischen Kontext eingeordnet werden, bevor in Kapitel 7. auf die Krankheiten und ihre speziellen Behandlungsmethoden im Einzelnen eingegangen wird. Im Anschluss daran folgt in Ka-pitel 8. eine Beschreibung und Evaluation der Entscheidungsfindungsprozesse anhand von Fallbei-spielen, nach Krankheiten sortiert. Vor dem Hintergrund der Präsentation der deskriptiven Ergeb-nisse kann abschließend eine Auswertung der statistisch aufgearbeiteten Resultate erfolgen, um die beschreibende Evaluation zu stützen und zu ordnen. In der Kombination der qualitativen und sta-tistisch-quantitativen Ergebnisse der Feldforschung soll das Thema möglichst umfassend abgehan-delt werden. Im Fazit werden die Kernpunkte der Feldforschungsergebnisse zusammengefasst und potenzielle zukünftige Möglichkeiten und Entwicklungen des Gesundheitswesens in Uaxactún auf-gezeigt. Hinweise zur Schreib- und Zitierweise der Arbeit finden sich unter Anhang I.
1.2. Medizinische Versorgung in Guatemala
In Guatemala leben etwa 11,5 Millionen Menschen; davon gehören 48% einer der indigenen Bevöl-kerungsgruppen der Xinca, Garífuna und Maya an, die insgesamt 125 verschiedene Sprachen und Dialekte sprechen 1 und unterschiedliche kulturelle Traditionen und Medizinsysteme bewahren (OPS 2002:318). Die verbleibenden 52% der Bevölkerung verteilen sich auf Ladinos, die ethnische Mischkultur aus den Nachfahren der Spanier und den Angehörigen indigener Gruppen 2 . Der Groß- 1 AndereQuellen gehen von allein 20 Maya-Sprachen in Guatemala aus, wobei rund 70% der guatemaltekischen Maya lediglich vier Sprachen sprechen: K´iche´, Mam, Q´eqchi´, Kaqchikel (ALLEBRAND 1997:73f).
2 Lindig und Münzel gehen davon aus, dass die Maya in Guatemala die „Hauptmasse der Bevölkerung“ bilden (1978:24). ALLEBRAND weist darauf hin, dass der „indianische Anteil …für gewöhnlich mit rund 60% einer Gesamtbe-völkerung von derzeit 10,6 Millionen angenommen“ wird, dass aber je nach zugrunde liegender Quelle diese Angaben
6
teil der Bevölkerung (65%) lebt in ländlichen Gebieten mit beschränktem Zugang zu westlich orien-tierten Gesundheitseinrichtungen (ibid.). Besonders dort spielen traditionelle Medizinsysteme und Heilpflanzenbenutzung nach wie vor eine übergeordnete Rolle, da sie teilweise die einzige Möglich-keit für die Behandlung im Krankheitsfall bieten. Durch die stetige Entwicklung auf dem Gesund-heitssektor ist jedoch in den meisten Gegenden der Effekt des so genannten medizinischen Plura-lismus festzustellen, das heißt, es sind sowohl traditionelle indigene als auch westliche Heilmetho-den anzutreffen, die auf populärer Ebene keine strikte Trennung erfahren, sondern teilweise ge-mischt verwendet werden. So formen sie ein neues Medizinsystem, welches sowohl die Methoden als auch die dahinter stehenden Ideologien in sich vereint. Diese populären Heilmethoden lassen sich unter dem Begriff der remedios caseros (Hausmittel) zusammenfassen. Die Haupt-Todes- und Krankheitsursachen auf nationaler Ebene sind schwere Atemwegs- und Durchfallerkrankungen (ibid.), die durch die Umwelt- und Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung schon seit Jahrhunderten die Liste der Gesundheitsprobleme in Lateinamerika anfüh-ren (KUNITZ 1993); Krankheitsbilder, die auch im Untersuchungsraum Uaxactún seit Jahren an der Spitze der monatlichen Statistik des örtlichen Gesundheitspostens auftauchen (Feldnotizen: Puesto de Salud). Die medizinische Versorgung mit Einrichtungen des westlichen, schulmedizinisch orientier-ten Systems führte im Rahmen von nationalen Gesundheitsprojekten und -programmen zu einer stetigen Abnahme der Sterblichkeitsrate infolge dieser Krankheiten 3 .
1.3. Ethnomedizin in Mesoamerika
Die Menschheit hat seit jeher mit dem Problem von Krankheiten zu kämpfen und hat je nach so-ziokulturellem und geografischem Umfeld andere Ätiologien, Heilungsmethoden und damit ver-bundene, individuelle Überlegungen entwickelt und in den so entstandenen Medizinsystemen defi-niert und tradiert. Während das so genannte westliche Medizinsystem dabei seine Ätiologien und Behandlungsmethoden traditionell auf physisch-biologische Vorgänge fokussiert (hat), reflektieren traditionelle Medizinsysteme indigener Kulturen Lateinamerikas eine „ganzheitliche“ Sichtweise des Krankheitserlebnisses, welche auch spirituell-emotionale Faktoren und animistische und übernatür-liche Einflüsse berücksichtigt (GUBLER 2002:63). Damit verbunden sind entsprechende Ätiologien und Behandlungsmethoden, die ein anderes kognitives System als das westliche repräsentieren.
„zwischen Extremwerten von lediglich 35 bis zu 85 Prozent“ schwanken können (1997:71). Fest steht wohl, dass die Maya in Guatemala, wie in keinem anderen Land, einen signifikanten Bevölkerungsanteil ausmachen und ihre Kulturen und Traditionen lebendiger sind als anderswo. Trotzdem werden sie nach wie vor von offizieller Seite größtenteils als unmündige Minderheit dargestellt (vgl. ALLEBRAND 1997).
3 1987 lag die nationale Kindersterblichkeitsrate noch bei 73 toten Kindern pro 1000 Einwohner, bis 1998 reduzierte sie sich durch verbesserte medizinische Versorgung auf 45 Tote/1000 Einwohner (OPS 2002:321).
7
Im Rahmen der Einführung des westlichen Medizinsystems in die Neue Welt durch die Spanier kam es zu einem Aufeinanderprallen verschiedener Vorstellungen und Praktiken bezüglich der Be-handlung von Krankheiten. Der so entstandene medizinische Pluralismus 4 stellt heutzutage staatli-che Gesundheitsprogramme in allen Ländern Lateinamerikas vor die schwierige Aufgabe, die ver-schiedenen medizinischen Systeme mit unterschiedlicher, teilweise konträrer Ätiologie und unter-schiedlichen Krankheitsbildern, Paradigmen und Behandlungsmethoden zu kombinieren und in der Praxis möglichst effektiv miteinander zu koordinieren. Auf der einen Seite stehen die nach den Prä-missen der westlichen Schulmedizin ausgebildeten Vertreter, auf der anderen traditionelle HeilerIn-nen, SchamanInnen, Kräuterkundige, Hebammen, Knocheneinrenker, Schlangendoktoren und an-dere Spezialisten.
Die Untersuchung der soziokulturellen Faktoren, welche bei der Wahl der Behandlungsmethode im Krankheitsfall eine Rolle spielen, kann heutzutage daher eine Lücke schließen zwischen dem Anlie-gen nationaler, westlich orientierter Gesundheitsprogramme und den tatsächlichen, für die indigene Bevölkerung relevanten Überlegungen und Praktiken. Medizinanthropologische bzw. ethnomedizi-nische Untersuchungen bilden in diesem Zusammenhang ein wichtiges Hilfsmittel, um eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Lagern zu schlagen und die medizinpluralistische Zusammenarbeit zu unterstützen (COSMINSKY 1973:11, KLEINMAN 1978:85f).
Durch ethnografische Methoden gewonnene Ergebnisse einer solchen Gesundheitssystemfor-schung bieten eine Vergleichsmöglichkeit der prinzipiell vorhandenen Behandlungsalternativen im Krankheitsfall sowie eine Übersicht der dabei relevanten Entscheidungsfindungsprozesse der Indi-viduen und/oder der Dorfgemeinschaft (YOUNG 1982, PELTO UND PELTO 1997, MATHEWS UND HILL 1995). Die so gewonnen Informationen können von NGOs 5 und anderen Entwicklungshilfe-organisationen genutzt werden und in der praktischen Realisierung von Gesundheitsprogrammen eine wichtige Mittlerrolle übernehmen (EDER UND GARCÍA PÚ 2003:1ff).
Der nicht nur in westlichen Industriestaaten herrschende Absolutheitsanspruch westlicher Schul-medizin, die Unterdrückung autochthoner medizinischer Systeme und dem damit verbundenen indigenen medizinischen Wissen in ehemaligen Kolonialstaaten in Afrika, Asien und Lateinamerika ist bereits oft erklärt und kritisiert worden. Die Integration „unseres“ westlichen Medizinsystems in traditionelle Medizinsysteme weltweit sowie die partnerschaftliche Zusammenarbeit der oft weit auseinanderklaffenden Heilungsansätze in einer medizinpluralistischen Gesellschaft ist eine der ak-tuellen Hauptproblematiken in der Entwicklungshilfe und der medizinpluralistischen Zusammenar- 4 NachPFLEIDERER definiert sich medizinischer Pluralismus als das „historische Produkt kultureller und sozialer Ent-wicklungen in seinen institutionalisierten Formen der medizinischen Versorgung“, welches aus dem „Nebeneinander der bestehenden medizinischen Systeme einer Gesellschaft innerhalb eines […] Gesundheitssystems“ entstanden ist (1995:86).
5 Non-Governmental Organization = Nicht-Regierungsorganisation (NRO).
8
beit 6 . Traditionelle Heiler sehen meist kein Problem darin, auch synthetische Pharmaka auf der Ba-sis westlicher Ätiologien zu verwenden; schulmedizinisch ausgebildete Ärzte hingegen tun sich we-sentlich schwerer mit der Inkorporation fachfremder Medizin-Praktiken, um nicht Gefahr zu lau-fen, ihren hochgesteckten Anspruch an Wissenschaftlichkeit zu verlieren (GARCÍA, SIERRA UND BALÁM 1999:153, HUDSON 1993:45).
Die ethnozentrisch orientierte Überprägung traditioneller medizinischer Praktiken zeigt sich bei den heutigen Nachfahren der Maya besonders deutlich auf dem Bereich der Zusammenarbeit zwischen traditionell orientierten Hebammen (comadronas/parteras) und den Vertretern der modernen westli-chen Medizin in Fragen der Geburtsvorsorge und -behandlung (vgl. HURTADO UND SÁENZ DE TE- JADA 2001,COSMINSKY 2001). Dieses Phänomen zieht sich in weniger prägnanter Form auf popu-lärem Level durch alle Bereiche des täglichen Lebens, in denen medizinische Entscheidungen ge-troffen werden müssen, da die mittlerweile nahezu omnipräsente westliche Gesundheitsversorgung in Form von Apotheken, Ärzten und staatlichen Gesundheitseinrichtungen selbst in entlegenen ländlichen Gegenden oft den überzogenen Anspruch an ihre Alleinherrschaft stellt, obwohl sie bei weitem nicht alle (indigenen) Krankheiten zu heilen weiß (GARCÍA, SIERRA UND BALÁM 1999:152ff, vgl. a. COSMINSKY 1973, BASTIEN 1992). Daher ist es wichtig festzustellen, wie die Menschen in-nerhalb dieses medizinpluralistischen Systems handeln und welche Faktoren auf populärer Ebene die Entscheidungen im Krankheitsfall lenken. Zu diesem Zweck bietet sich eine anwendungsbezo-gene Differenzierung der die jeweiligen „offiziellen“ Medizinsysteme repräsentierenden Heilmittel an - also hauptsächlich Pharmaka und Heilpflanzen.
In Mesoamerika stellen seit Jahrhunderten, wenn nicht gar seit Jahrtausenden, vornehmlich Pflan-zen die materielle Behandlungsgrundlage traditioneller Vertreter des Gesundheitssystems dar (CÁCERES UND GIRÓN 1984). Die Pflanzen werden jedoch zunehmend teils mit chemisch-synthetischen Pharmaka, teils mit anderen Zivilisationsprodukten gemischt verwendet, besonders auf der breiten populärmedizinischen Ebene. Eines der Ziele der Untersuchung war es herauszufin-den, inwiefern eine traditionelle Sichtweise bezüglich der Pflanzenbenutzung bei den untersuchten Krankheitsbildern anzutreffen war; eine ganzheitlich-kosmologische Sichtweise des Heilungspro-zesses droht im Zuge der fortschreitenden Entwicklungen verloren zu gehen (PÖLL 1993, COMER- FORD 1996).Daher soll im folgenden Kapitel näher auf den Nutzen der Alternative zu westlichen Behandlungsmethoden, den der Heilpflanzen und deren kulturelle Einbettung in Lateinamerika und Guatemala, eingegangen werden, um so den Rahmen der Arbeit weiter abzustecken.
6 Vgl. u.a. BASTIEN 1992, BICHMANN 1995, EDER UND GARCÍA PÚ 2003, GARCÍA, SIERRA UND BALÁM 1999, HARRISON
2001, KELLER 1993/94, PFLEIDERER 1993, SANDSTROM 2001.
9
1.3.1. Der Nutzen traditioneller Heilpflanzen
Eine immer schneller voranschreitende, weltweite Zerstörung natürlicher Urwald-Ressourcen hauptsächlich aus agrar- und forstwirtschaftlichen Gründen macht jedoch auch vor der yukateki-schen Halbinsel im Rahmen eines stetigen Bevölkerungswachstums keinen Halt (SCHWARTZ 2002, ARVIGO 1995) 7 . Zudem tragen die Urbanisierung und die kulturübergreifenden Einflüsse der Glo-balisierung 8 zu einem zunehmenden Verlust indigener Medizin-Traditionen bei, und die Nutzung natürlicher, d.h. vornehmlich pflanzlicher Heilmethoden ist daher nicht mehr so ausgeprägt wie früher (GUBLER 2002, ARVIGO UND BALICK 1994:11, ESCOBAR 1995:11). Heilpflanzen wurden in indigenen Medizinsystemen Guatemalas bereits vor Ankunft der Spanier verwendet (XIMENEZ 1857:209, PÖLL 1999:1, ESCOBAR 1995) und stellen bis in die Neuzeit ein wichtiges Standbein der medizinischen Versorgung in ländlichen Gegenden dar (CÁCERES und CÁCERES 1984:270, CÁCE- RESUND GIRÓN 1984:284ff). Bestandsaufnahmen über das noch vorhandene indigene Wissen die-ser teilweise seit Jahrhunderten mündlich überlieferten Heilmethoden auf Pflanzenbasis sind daher empfehlenswert, um nicht Gefahr zu laufen, ebenjenes kulturelle Wissensgut im Zuge vorgenannter Entwicklungen allmählich zu verlieren (BICHMANN 1995:48ff, GUBLER 2002:68ff).
PÖLL weist darauf hin, dass speziell im Petén ein Großteil der Bevölkerung nach wie vor abhängig ist von pflanzlichen Heilmitteln, da diese oft die einzige Alternative in abgelegenen Gemeinden darstellen, die keinen unmittelbaren Zugang zu Apotheken oder Ärzten haben: Schlangenbisse, gastrointestinale Probleme und die nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen erst von den Europäern mit der Kolonisation Amerikas eingeführte Malaria 9 werden dort seit Jahrhunderten erfolgreich mit Heilpflanzen behandelt. Umfassendes Heilwissen im Nord-Petén ist heutzutage je-doch fast nur noch bei der älteren Bevölkerung anzutreffen und droht im Zuge der Generationen-wechsel allmählich verloren zu gehen (1993:93, ESCOBAR 1995:4). Um diesen Entwicklungen ansatzweise entgegenzuwirken, sind zum einen ethnobotanische Be-standsaufnahmen der relevanten Flora, zum anderen ethnomedizinische Untersuchungen aktueller Behandlungsmethoden und -überlegungen, die zur Nutzung oder Ablehnung von natürlichen Heilmitteln führen, unter der Bevölkerung empfehlenswert (COMERFORD 1996:325, vgl. ARVIGO UND BALICK 1994).
7 Allein im Petén wuchs die Bevölkerung zwischen 1980 und 2002 von 130.000 auf rund 370.000 Bewohner (INE
2003:27), also eine fast dreifache Zunahme an Menschen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit. James NATIONS, Ri-chard PRIMACK und David BRAY rechnen vor, dass jährlich etwa 80.000 ha Wald auf der yukatekischen Halbinsel verlo-ren gehen (NATIONS ET AL. 1998:XVI)
8 Hier besonders auf den Sektoren der Wirtschaft, Telekommunikation [z.B. Internet] und Migration. Damit einherge-hend ist ein „schnellerer“, an westliche Vorbilder angepasster Lebensstil, wo traditionelle Werte zu touristischen Anzie-hungspunkten konvertiert werden; aber immerhin werden sie so teilweise erhalten (SCHWARTZ 2002).
9 Vgl. DUNN (1993:860f), s. Punkt 7.1.
10
Das Wissen um pflanzliche Wirkstoffe kann die Schulmedizin um wichtige Aspekte bereichern und gegebenenfalls Anhaltspunkte gegen in unserem Kulturkreis als schwer zu heilende oder bislang unheilbar geltende Krankheiten liefern 10 . Besonders in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kam den Heilpflanzen durch die zunehmende Urbanisierung und den damit aufkommenden, vor-mals nahezu unbekannten Zivilisationskrankheiten wie zum Beispiel Diabetes 11 , eine „modernere“ Bedeutung zu, da sie neu evaluiert und angewendet werden konnten (Feldnotizen: I. Chayax, yerbate-ra San José). Nahezu losgelöst von ihrem lokalen, traditionell-kulturellen Kontext erfahren die Pflanzen auf diese Weise eine globale Bedeutung.
1.3.1.1. Ethnopharmakologie und kulturelle Rechte
Die Bedeutung der traditionellen Medizin hat besonders in den letzten Jahren im Rahmen der Su-che nach neuen Heilverfahren und Wirkstoffen an Einfluss gewonnen und es werden immer mehr Projekte ins Leben gerufen, die traditionelle Heilpflanzen der indigenen Maya-Völker Lateinameri-kas auf ihren pharmazeutisch nutzbaren Wert hin untersuchen 12 . In Guatemala ist jedoch gleichzei-tig eine Abnahme der Bedeutung der traditionellen Heilkunde und ihrer Vertreter festzustellen (vgl. EDER UND GARCÍA PÚ 2003, OROZCO GARCÍA 2000:43). Somit steht zu befürchten, dass auch das Wissen um die Wirksamkeit der Pflanzen nach und nach verloren geht.
Herauszufinden, inwiefern die Pflanzen bzw. die darin enthaltenen aktiven Wirkstoffe wirklich me-dizinisch wirksam und im Endeffekt für das Gros der Weltbevölkerung nutzbar sind, ist Aufgabe der Ethnopharmakologie. Diese relativ junge Sparte der Ethnologie widmet sich der „Erforschung der Wirkprinzipien traditioneller Materia medica“, wie es HIRSCHBERG im Wörterbuch der Völker-kunde prägnant ausdrückt, wobei diese Nachbardisziplin von Ethnomedizin und Ethnobotanik in einem interdisziplinären Ansatz die Bereiche Pharmakologie, Soziologie, Ethnologie und Psycholo-gie zu vereinen weiß (1999:109).
Um die Heilpflanzen bei so genannten Pflanzen-Screenings 13 , die oft im Auftrag großer Pharma-Unternehmen stattfinden, jedoch nicht einfach dem kulturellen Kontext zu entreißen, dem sie ent- 10 Soerfuhr ich im Rahmen der Feldforschung von angeblich wirksamen Pflanzenextrakten unter anderem gegen Krebs, Diabetes, Malaria und Nierenentzündungen; Pflanzen, die teilweise erst im Rahmen der Besiedlung der Neuen Welt aus der Alten Welt eingeführt wurden und auch in indigene Medizinsysteme des Distriktes Petén integriert wurden (vgl. COMERFORD 1996).
11 SCHWARTZ 2002:164.
12 Vgl. ARVIGO UND BALICK 1995:240ff, BERGER UND CÁCERES 1999, CÁCERES 1996, COMERFORD1996, NIGH 2002, VILLATORO 1984:44, General-Anzeiger (GA) 26.8.2003.
13 wörtl.: „Überprüfung“. Man untersucht weltweit bei den verschiedensten Ethnien und traditionellen Gesellschaften deren Wissenspool bezüglich Heilpflanzenanwendung und sammelt Spezimen zur labortechnischen Untersuchung, um so eventuell noch nicht erforschte oder bekannte chemische Wirkstoffe hauptsächlich gegen moderne Zivilisations-krankheiten (s.o.) zu entdecken und letztendlich zu vermarkten. U.a. im Journal of Ethnopharmacology werden regelmäßig die neuesten weltweit gesammelten wissenschaftlichen Untersuchungen und Ergebnisse präsentiert.
11
springen - also hier dem der traditionellen Maya-Heilkunde -, bedarf es sensibler ethnomedizini-scher Aufklärungsarbeit 14 . Dies bietet nicht nur den Vorteil einer finanziellen oder wie auch immer gearteten Beteiligung der Einheimischen, zum Beispiel an den Patentrechten eines eventuell daraus resultierenden Medikamentes, sondern liefert gegebenenfalls auch unerlässliche Hinweise auf As-pekte der Handhabung der Pflanze, welche die medizinisch wertvolle Wirksamkeit erst voll zur Ent-faltung bringt 15 . Der Ethnologe kann diesbezüglich nicht nur in seiner Funktion als kultureller Ü-bersetzer bei den Wahrungen der Interessen des Volkes und gegebenenfalls der betreffenden Hei-ler, Schamanen etc. eine Mittlerrolle spielen 16 , sondern durch sensible Feldforschung auch Wissen zu Tage fördern, welches bei den auf möglichst hohe Effizienz ausgelegten Screenings mit meist vergleichsweise kurzer Aufenthaltsdauer der Wissenschaftler vor Ort nicht oder nur unzureichend ans Licht gebracht bzw. evaluiert wird (vgl. z.B. OTERO EL AL. 2000).
1.3.1.2. Psychosomatik und alternative Heilmethoden
Betrachtet man die aktuellen Trends auf dem medizinischen Sektor in westlichen Industrienationen, fällt eine zunehmende Verlagerung des öffentlichen und medizinischen Interesses hin zu alternati-ven Heilmethoden und ethnomedizinischen Interessengebieten auf (GOERKE 1999:24, KNIPPER 2000:16) 17 . Dieser Trend entsprang laut BASTIEN in den 1970er Jahren aus der New Age-Bewegung, sei aber heutzutage keineswegs nur noch auf diese begrenzt (1992:216ff). Warum diese Abkehr von der vorbehaltlosen Akzeptanz moderner, medizintechnischer Errungenschaften, Ideale und Heilme-thoden im westlichen Sinne?
Immer mehr Menschen haben (Zivilisations-)Krankheiten, die sich nicht oder nur schwer mit den Methoden der westlichen Schulmedizin heilen lassen. Darunter fallen hauptsächlich chronische und nicht eindeutig diagnostizierbare Beschwerden mit teilweise psychosomatischen Ursachen, die durch einen unausgeglichenen und „schnellen“ Lebensstil, wie ihn die moderne, urbane Gesell-schaft fördert, hervorgerufen werden. Symptome wie Stress, Existenzangst und diffuse körperliche
14 NIGH drückt es etwas direkter aus: “The search for raw materials for the production of universal medical technology results in symbolic violence to the cultural logic of the Maya peoples. Only the full recognition of Maya peo-ples´collective rights to territory and respect for their local common-resource institutions will provide ultimate protec-tion for their cultural and natural patrimony“ [“Die Suche nach Rohmaterialien für die Produktion weltweiter mediz-inischer Technolgie resultiert in symbolischer Gewaltanwendung gegenüber der kulturellen Logik der Maya-Völker. Nur die volle Anerkennung der Kollektivrechte aller Maya-Völker an ihrem Territorium sowie Respekt gegenüber ihren lokalen, gemeinsamen Ressourcen-Einrichtungen wird absoluten Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes ge-währleisten“] (2002:451).
15 So berichtet eine Studie von einem Pflanzen-Screening-Projekt der Uni Bonn in Mexiko über eine angeblich wirksa-me Pflanze gegen Diabetes, die sich aber erst nach ausgiebigen Informationen des ortsansässigen Schamanen zu ihrer Verwendung als „wirksam“ erwies: man muss die Pflanze während der Zubereitung mit einem Katalysator wie z.B. Mais mischen, damit die aktiven Wirkstoffe auf molekularer Basis überhaupt freigesetzt werden können (GA vom 26.8.2003).
16 Vgl. u.a. BASTIEN 1992, COSMINSKY 1973, EDER UND GARCÍA PÚ 2003, HUBER 2001.
17 Auf dem medizinischen Sektor werden hierzulande immer öfter „sanftere“ Methoden verlangt, und Pharmaprodukte aus reinen Pflanzenextrakten stehen daher vermehrt im öffentlichen Interesse sowie in den Regalen der Apotheken (vgl. STERN 3/2004).
12
Beschwerden werden durch allgemeine Zeit- und Ruhelosigkeit, hohen Leistungsdruck sowie kom-plexe, oft rein geistige Arbeit begünstigt (STERN 3/2004). SCHWARTZ weist diesbezüglich darauf hin, dass allein in den semiurbanen Besiedlungsräumen des Petén eine Zunahme von Angstatta-cken, Diabetes und Angina von den Ärzten unter Hinweis auf die zunehmende Komplexität des modernen Lebens in den letzten Jahren festgestellt wurde (2002:164). Alternative, natürliche Heil-methoden bieten hier durch ihren außerhalb dieses kognitiven Zivilisationssystems stehenden An-spruch an Erdverbundenheit, Natürlichkeit, Ruhe und Einfachheit einen wertvollen psychischen Gegenpol, ganz abgesehen von den ganzheitlichen Heilungsansätzen, auf die Heiler, Heilpraktiker und andere, nicht-westlich-schulmedizinisch ausgebildete Vertreter des Gesundheitssystems durch eine holistische Sichtweise des Patienten-Krankheitsverhältnisses zurückzugreifen vermögen (KAPTCHUK 1983, GUBLER 2002). Die Wirkung der Pflanzen und die dahinter stehende Ideologie basieren auf einer ganzheitlichen Wirkung, d.h. sowohl auf physiologischer wie auf psycho-sozialer Ebene (ibid.:63f). Dies spricht besonders bei schulmedizinisch nicht genau definierbaren -da schwer bis gar nicht lokalisierbaren- Krankheiten (z.B. Allergien und psychosomatische Beschwerden) der Phytotherapie eine neue Bedeutung zu, die diesbezüglich nicht als konkurrierender Gegenpol zur Schulmedizin verstanden werden soll, sondern vielmehr als ergänzender (ibid.:69f, STERN 3/2004)). Die Suche nach Alternativen zur naturwissenschaftlich-rationalen Schulmedizin konzentriert sich daher in westlichen Industriestaaten vermehrt auf traditionelle Heilverfahren anderer Kulturen, vornehmlich die der jahrtausendealten chinesischen Heilkunde (TCM), die eine ganzheitliche Sicht-weise des menschlichen Körpers und der persönlichen Umstände des Kranken an den Tag legt; die traditionelle chinesische Medizin weist viele Gemeinsamkeiten mit der traditionellen Maya-Medizin bezüglich Ursachenforschung, Ätiologie und Behandlungsmethodik auf (GARCÍA, SIERRA UND BALÁM 1999, CÁCERES UND CÁCERES 1984) 18 .
Die ausnahmslose Bedeutung der psychischen Vorgänge bei der (Selbst-)Heilung von Krankheiten steht vermehrt im wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse westlicher Industriestaaten (vgl. GEO 10/2003). Dieser schwer wissenschaftlich zu fassende Faktor fällt in den Bereich des religiös gefärbten Verständnisses des Begriffes fe 19 im Petén und anderswo in Lateinamerika. Fe war im Rah-men der Befragung eine der Hauptantworten nach dem Grund für die gewählte Heilmethode und wurde gleichsam von den meisten Bewohnern Uaxactúns als die Grundvoraussetzung für eine er-folgreiche Heilung ins Feld geführt.
18 Zu einer umfassenden Darstellung der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sei auf das Standardwerk KAPT- CHUKs (1993)verweisen, der in einer Synthese der westlichen und östlichen Medizintheorie und -praxis die Unterschie-de in Ätiologie und Behandlung der beiden Systeme anhand von praktischen Fallbeispielen sehr gut verständlich macht. GARCÍA, SIERRA UND BALÁMs Arbeit bietet einen umfassenden, anwendungsbezogenen Vergleich der traditionellen Medizinsysteme der Maya-curanderos Yukatans und Campeches mit den Behandlungsmethoden der TCM.
19 Eine Mischung aus Vertrauen und Glaube, s. Kapitel 4.3.4.
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2. Die Fragestellungen
Die vorliegende Arbeit bietet am Beispiel einer ethnologisch orientierten Feldforschung einen theo-retischen und praktischen Ansatzpunkt der Untersuchung vorgenannter Problem- und Aufgaben-stellungen. Folgende Fragestellungen werden untersucht:
1. WELCHE Behandlungsalternative wird im Krankheitsfall in Anspruch genommen? WIE werden Krankheiten und Heilmethoden klassifiziert (emische/etische Sicht-weise 20 )? Inwieweit gibt es Abstufungen und fließende Übergänge bei der Anwendung moderner und traditioneller bzw. synthetischer und pflanzlicher Heilmittel ?
2. WARUM verwenden die Einheimischen diese oder jene Behandlungsmethode? Wel-che Faktoren spielen bei der Entscheidungsfindung bei der Wahl der Heilmethode eine Rolle? Inwiefern beeinflussen Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit, Bildung, Alter, wirt-schaftliche Verhältnisse, Religion, Geschlecht, persönliche Definitionen der Krankheits-bilder und soziale Netzwerke die Entscheidung im Risikofall Krankheit?
3. WIE wird das Heilwissen vermittelt? Welche Informationsquellen spielen im soziokultu-rellen Netzwerk der Dorfgemeinschaft eine Rolle und wie werden sie gewichtet? Wie groß ist die Rolle der intra- und interfamiliären Informationsvermittlung?
Nach Evaluation der vorhandenen Hauptkrankheiten und ihren Behandlungsalternativen vor Ort konnten obige Fragestellungen ergänzt werden und ein Fragenkatalog für die Interviews ausgearbei-tet werden (vgl. II):
4. WIE hoch ist die Akzeptanz des örtlichen Gesundheitspostens (Puesto de Salud) un-ter der einheimischen Bevölkerung?
Inwiefern wird der Posten als Vertreter der westlichen Medizin akzeptiert und in An-spruch genommen? Nach welchen Kriterien beurteilen die Bewohner Uaxactúns Nütz-lichkeit und Effizienz des Puesto (Personal-Erreichbarkeit, Kompetenz, Medikation)? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen des Puesto?
5. WELCHE Rolle spielen die Heilpflanzen im Vergleich zum Gesundheitsposten? Mit welchen soziokulturellen Faktoren ist die Verwendung der Heilpflanzen im kulturell stark gemischten und nicht traditionell gewachsenen Uaxactún verknüpft? Wann werden die Heilpflanzen, wann die synthetischen Pharmaka des Postens, des Ladens oder der A-potheke genutzt?
20 Vgl. Kapitel 3.1.
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2.1. Hypothesen
Auf der Basis vorangegangener medizinanthropologischer und ethnomedizinischer Untersuchun-gen 21 werden ansatzweise Hypothesen überprüft, die sich als die entscheidungstragenden Faktoren bei Risikoentscheidungen im Krankheitsfall herauskristallisiert haben. Demnach wird evaluiert, ob die Entscheidungen bei der Wahl der Heilungsmethode hauptsächlich abhängig sind von folgenden Faktoren:
a) Traditionell-ideologische Kriterien, speziell Heiß-Kalt-Dichotomie-Vorstellungen
b) Schwere der Krankheit
c) Kosten der Behandlung
d) Ethnische Zugehörigkeit des konsultierten Gesundheitspersonals / Soziokultu-relles Umfeld der Heilmethode 22
e) Zeitfaktor (Dauer der Behandlung)
f) Verfügbarkeit der Heilungsalternativen
g) Sozialer Einfluss (Peer Pressure o.ä.)
h) Persönliches Heilwissen
2.2. Warum Uaxactún?
In diesem Kapitel sollen die Vor- und Nachteile des Untersuchungsraumes für eine derartige Feld-forschung dargelegt und abgewogen werden, denn diese Überlegungen hatten einen wichtigen Ein-fluss auf die Methodik der Datenerhebung.
2.2.1. Nachteile
Die Nachteile Uaxactúns für die getätigte Untersuchung beinhalten folgende Punkte:
a) Das Fehlen eines ortsansässigen Heilers, Kräuterkundigen oder Schamanen als direkte Ver-gleichsmöglichkeit des indigenen, traditionellen Medizinsystems mit dem westlichen bzw. dem
21 LOGAN 1973, COSMINSKY 1973, YOUNG 1978, 1981, GARRO 1982, MATHEWS UND HILL 1990, WAXLER-MORRISON
1988, FOSTER 1994, HURTADO UND SÁENZ DE TEJADA 2001, EDER UND GARCÍA PÚ 2003.
22 Dies bedeutet zum einen, dass sich für eine bestimmte Behandlungsalternative entschieden wird, weil deren offizieller Vertreter dem gleichen soziokulturellen Umfeld entspringt oder weil er zur gleichen ethnischen Gruppe gehört (MA- THEWSUND HILL 1990:162ff). Diese Hypothese bedeutet zum anderen aber auch, das „moderne“ westliche Heilme-thoden benutzt werden, weil das „Statussymbol westliche Medizin“ die Menschen anzieht, also gerade weil der Vertreter bzw. die Heilmittel ein anderes soziokulturelles Umfeld repräsentieren (WAXLER-MORRISON 1988:542).
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Puesto de Salud. Es gibt zwar drei Hebammen, die aber einen anderen Status als der enfermero 23 haben, weil sie sich vornehmlich um perinatale Angelegenheiten kümmern, um die sich der Krankenpfleger gar nicht kümmert.
b) Ein praxisrelevanter Nachteil der Feldforschung kristallisierte sich erst nach einiger Zeit vor Ort heraus: Das Dorf war durch seine nahezu einzigartige geografische Lage in der Vergangenheit Ziel etlicher sozial-, agrarwissenschaftlicher und biologischer Untersuchungen gewesen 24 und diente zudem mehrfach als Betätigungsfeld für Entwicklungshilfeprojekte diverser Nicht-Regierungs- und Regierungs-Organisationen sowie im Rahmen der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen auch diverser Organisationen mit rein wirtschaftlichen Interessen (JATOVSKY 1998, Feldnotizen). Diese Untersuchungen und Projekte verliefen jedoch nicht immer nach Wunsch, bzw. hinterließen oft nichts als einen bitteren Nachgeschmack bei der Bevölkerung, da sich die-se ausgenutzt, übervorteilt oder als Versuchskaninchen missbraucht sah (ibid., Feldnotizen). Zudem waren die individuellen Interessen der NRO´s und Verbände oft konträr, was die Situa-tion verschlimmerte. Besonders die finanziellen Interessen von Privatpersonen und einer nahe-zu unüberschaubaren Anzahl an Verbänden, Organisationen und Komitees schüren ein Gefühl gegenseitigen Misstrauens unter großen Teilen der Bevölkerung: Man verdächtigt(e) sich viel-fach gegenseitig, unlautere Ziele der persönlichen Bereicherung auf Kosten der Dorfgemein-schaft zu verfolgen (ibid.:49, Feldnotizen) 25 .
Aufgrund dieser Einflüsse waren die Dorfbewohner zunächst relativ reserviert mir gegenüber. Man wollte erstmal abwarten, was ich für Pläne hatte. So erwies es sich manchmal als schwierig und teilweise sogar als unmöglich, einige Personen innerhalb des kurzen Untersuchungszeit-raumes unbefangen zu kontaktieren, geschweige denn tiefergehend zu interviewen, da man mich ebenso verdächtigte, im Auftrag eines nicht näher spezifizierten Interessenverbandes zu handeln. Dies scheint ein gängiges Problem bei Feldforschungen in Guatemala zu sein (vgl. COSMINSKY 1973:13/14, JATOVSKY 1998:9) und ist vielleicht historisch bedingt (Bürgerkrieg). Einige Menschen von meinen lauteren Absichten zu überzeugen, kostete daher Zeit und Mühe und war in rund zweieinhalb Monaten nicht immer möglich.
23 So wird die krankenpflegerische Hilfskraft (Hector Caal), die den Gesundheitsposten leitet, allgemein bezeichnet. Der Authentizität und Einfachheit halber wird in der Folge größtenteils weiterhin dieser Begriff verwendet.
24 U.a. ARAGON BARRIOS 1990, BAMACA FIGUEROA 2000, BEAVERS 1996, CON-AM 1999, ESCOBAR DE MCVEAN 1995, DELLER UND SCHRÖDER 1996, JATOVSKY 1998, LITOW 2000, MCNAB 1997, MARROQUIN MORALES 1993, MUTCHNIK UND MCCARTHY 1997, SANDOVAL CUMES 1998.
25 Selbst nützliche Projekte, wie die Installation der Pumpstation, hinterlassen bei Teilen der Bevölkerung ein Gefühl der latenten Unmündigkeit, welches prinzipiell dem Dorf eine eigenverantwortliche Autonomie abspricht: man macht den Bewohnern Glauben, dass sie auf Entwicklungshilfe angewiesen seien und ohne fremde Hilfe nur unzureichend in Einklang mit ihrer natürlichen Umwelt leben könnten. Die künstliche Wasserversorgung und die vom Dorf gepachtete Waldnutzungs-Konzession der Regierung sind die größten Streitpunkte unter der Bevölkerung (vgl. Punkt 3.2.). Zudem bringen diese Projekte natürlich auch externe Einflüsse in das Dorf, welche das soziale Leben entscheidend beeinflus-sen. Der Gesundheitsposten stellt ein solches Projekt dar, welches die für diese Arbeit wichtigen Entscheidungen im Krankheitsfall maßgeblich beeinflusst (hat). Er wird jedoch von den meisten Bewohnern gutgeheißen.
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2.2.2. Vorteile
a) Uaxactún bietet durch seine einzigartige geografische Lage inmitten des RBM (an der Grenze zwischen bosque und monte, vgl. SCHWARTZ 1999:16f) optimale Voraussetzungen für ethnomedi-zinische und -botanische Untersuchungen: die große Abundanz natürlich vorkommender Heil-pflanzen in direkter Dorfnähe bei gleichzeitiger Präsenz des nach westlichen Methoden arbei-tenden Gesundheitspostens bieten optimale Vergleichsmöglichkeiten natürlicher/traditioneller und synthetischer/moderner Behandlungsmethoden von Krankheiten unter der Bevölkerung -vorausgesetzt man benutzt beide Heilungsalternativen.
Im Gegensatz zu vergleichbaren Orten im nördlichen Flachland Peténs, wo in der unmittelba-ren Umgebung der Siedlungen durch intensive Abholzung zum Zwecke der Viehzucht und Landwirtschaft kaum noch Heilpflanzen vorkommen (vgl. ARVIGO 1995, COMERFORD 1996, SCHWARTZ 2002, Feldnotizen: I. Chayax, San José), ist in Uaxactún, durch den Lebensunterhalt der Bevölkerung auf Basis einer nachhaltigen natürlichen Ressourcennutzung von Nicht-Nutzholz-Waldprodukten, der Primär- und Sekundärwald samt der darin vorkommenden Heil-pflanzen rings um das Dorf herum weitestgehend erhalten geblieben. Viele Heilpflanzen kom-men auch im Dorf selbst vor, da viele ungenutzte Flächen vorhanden sind, die das Wachstum einiger Heilpflanzen begünstigen. Somit kann von vornherein ein Faktor abgeschwächt werden, der die Bevorzugung der Behandlung mit Pharmaka begünstigen würde: die Unzugänglichkeit zu Heilpflanzen bzw. ein übermäßiger Zeitaufwand, der zur Beschaffung benötigt wird (vgl. ARVIGO 1995).
b) Durch die abgeschiedene Lage mitten im Wald sowie den strikten Zuwanderungsbestimmun-gen 26 bietet Uaxactún ein überschaubares Untersuchungsgebiet (vgl. Abb. I-III).
c) Die nicht über die Jahrhunderte hinweg traditionell gewachsene Dorfgemeinschaft Uaxactúns 27 schließt einen weiteren Faktor aus, der die Entscheidungsfindung im Krankheitsfall in eine be-stimmte Richtung lenken könnte: lokale, intrakulturell tradierte Werte bezüglich Ätiologie und Heilungsmethodik, die bei traditionellen Dorfgemeinschaften ein wichtiges Hauptkriterium bei Risikoentscheidungen darstellen (vgl. YOUNG 1982, LOGAN 1973, COSMINSKY 1973, EDER UND GARCÍA PÚ 2003). Das tägliche Miteinander der Menschen Nord Peténs und Uaxactúns ist aus historischen Gründen eher von sozialen als von kulturellen Faktoren bestimmt (vgl. Schwartz 2002; Kapitel 5.1.). Das Dorf besteht aus Menschen mit unterschiedlichsten Abstam-mungen und differenzierten persönlichen Wissenspools bezüglich Heilmethodik und Entschei- 26 Seit1990 dürfen nur noch unter strengen Auflagen Familien nach Uaxactún immigrieren, um die Dorfgröße und die damit verbundenen umweltschädigenden anthropogenen Einflüsse auf das empfindliche natürliche Gleichgewicht des Regenwaldes möglichst gering zu halten (Feldnotizen OMYC, CON-AM 1999:22).
27 Vgl. Kapitel 5.1.
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dungskriterien (vgl. Punkt 3.2.3.). So kann aus einer breit gefächerten Palette möglicher Behand-lungsalternativen und Gründen für deren Benutzung geschöpft werden.
3. Theoriebildung und Untersuchungsmethoden
Die Untersuchungsmethoden ethnomedizinischer Feldforschungen stützen sich zu einem großen Teil auf Entscheidungs- und Beschreibungsmodelle. Diese Modelle haben ihre Wurzeln in der kog-nitiven Anthropologie. In diesem Kapitel wird daher nach einer kurzen Einleitung in die Entste-hungs- und Entwicklungsgeschichte dieser Fachrichtung zur Darstellung der Modelle übergeleitet. Abschließend wird evaluiert, inwiefern eine Modellanwendung bei der Feldforschung in Uaxactún angesichts der Fragestellungen von Nutzen ist und angewendet wird.
3.1. Die Grundlagen der kognitiven Anthropologie
Die kognitive Anthropologie entwickelte sich zu einem großen Teil aus der Sprachwissenschaft heraus, und zwar aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten strukturellen System der Kom-munikationsanalyse, die vom Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure theoretisiert und vom Prager linguistischen Zirkel in den 1920er Jahren weitergesponnen wurde (vgl. PELZ 1998:57ff, D´ANDRADE 1995:17). Aus dem komplexen de Saussure´schen sprachwissenschaftlichen Struktura-lismus möchte ich die Kernidee herausgreifen, welche auf die Ethnografie übertragen besagt, dass erst die Funktion und die Beziehungen der einzelnen sozialen Elemente zueinander ein strukturelles Gesamtbild zu schaffen vermögen 28 (ibid.:17ff, PELZ 1998:62): Für sich allein genommen, fehlt ei-nem einzelnen (sozialen) Element jegliche Bedeutung, da die Vergleichsmöglichkeit mit anderen (sozialen) Elementen fehlt. Man muss es eingebettet in seine Umgebung betrachten und auch dia-chrone bzw. historische Elemente berücksichtigen, denn die Bedeutung eines (sozialen) Elementes kann selten losgelöst von seiner zeitlichen Einordnung verstanden werden und daher verfälscht erscheinen. Auf die vorliegende Arbeit übertragen bedeutet dies die Notwendigkeit der Berücksich-tigung möglichst vieler soziokulturellen Umgebungsvariablen, welche die Entscheidungen im Krankheitsfall beeinflussen. Dazu gehören u.a. die persönlichen Krankengeschichten der Befragten,
28 So, wie es sich in der Linguistik mit den einzelnen semantischen Teilen eines Satzes verhält.
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die Heilwissensvermittlung innerhalb der Dorgemeinschaft, die äußeren Umstände des Untersu-chungsraumes etc. (vgl. II) 29 .
LOUNSBURY und GOODENOUGH gelten laut D´ANDRADE als Vorreiter der kognitiven Entschei-dungsmodelle, weil sie erstmals erfolgreich die Untersuchung von Verwandtschaftsbeziehungen der Sprache anpassen konnten, d.h. eine in unserem Sprachgebrauch nicht existierende Verwandt-schaftsbezeichnung konnte abstrakt erklärt und grafisch dargestellt werden (D´ANDRADE 1995:17ff). Es gilt, verschiedenartige „Vorstellungs-Einheiten“ (idea units) einer Gemeinschaft zu untersuchen und deren Zusammenhänge und phänomenologische Struktur darzustellen (ibid.). Dies ist eine Untersuchungsmethode, die nicht nur allein auf Verwandtschaftsbeziehungen, sondern un-ter anderem auch auf medizinische Überlegungen angewandt werden kann (COSMINSKY 1973:6). GOODENOUGH klassifiziert jene „Vorstellungs-Einheiten“ als die (Glaubens-) Vorstellungen, Werte und Prinzipien der Handlungsweisen der Mitglieder einer Gemeinschaft, und die phänomenologi-sche Struktur als das statistische Muster der beobachteten Ereignisse und der Regelmäßigkeiten, die diese Ereignisse an den Tag legen (GOODENOUGH 1964:1). Wichtig für die vorliegende Arbeit ist in diesem Zusammenhang die auf Kenneth Pike zurückgehende Unterscheidung emischer und etischer Begrifflichkeiten, d.h. die in Anlehnung an die sprachwissenschaftliche Unterscheidung der phone- mischen undphonetischen Elemente eines Satzes entwickelte Übertragung auf kulturelle Untersu-chungsgegenstände der Ethnologie (vgl. D´ANDRADE 1995:18, HIRSCHBERG 1999). Auf die Krank-heiten übertragen bedeutet diese Unterscheidung, dass emische Krankheitsvorstellungen nur in der untersuchten Kultur eine bedeutungsunterscheidende Funktion haben, etische Krankheitsvorstellun-gen hingegen die vom Forscher eingeführten, analytischen Klassifikationsschemata repräsentieren 30 . Diese Unterscheidung beinhaltet die Ätiologie 31 sowie die damit verbundenen Gründe für die Wahl der Heilmethode. Emisch und etisch sollen jedoch nicht unbedingt als gegensätzlich, sondern eher als sich ergänzendes Paar betrachtet werden. Beide sind notwendig, um die einheimische mit der wis-senschaftlichen Sichtweise zu verknüpfen (vgl. Punkt 8).
Auf dem Gebiet der Ethnomedizin entwickelten sich im Laufe des letzten Jahrhunderts eine Reihe von Modellen, die Ordnung in die praktischen Überlegungen betroffener Individuen in bestimmten
29 LÉVI-STRAUSS führte den Strukturalismus als einer der erfolgreichsten europäischen Vertreter in die Ethnologie ein. Er glaubte, eine schematisierte strukturelle Matrix über die von ihm untersuchten kognitiven Systeme (Verwandt-schaftsbeziehungen, Magie, Mythen und Denkstrukturen) legen zu können, die in Form eines nach abstrakt-absoluten Sinnzusammenhängen strebenden Modells alles erklärt und systematisch ordnet, ohne jedoch dabei diachrone bzw. geschichtliche Entwicklungen, persönliche Lebensumstände und nicht rationale, auf Emotionen basierte Entscheidun-gen der untersuchten Menschen selbst zu berücksichtigen (D´ANDRADE 1995:19, HIRSCHBERG:233, vgl. a. LÉVI-STRAUSS 1999:183ff). Daher wirken seine Darstellungen in einem westlichen Sinn philosophisch-abstrakt: sie vermögen nur bedingt emische Strukturen wiederzugeben (s. nächste Seite).
30 Zum Beispiel: GARCÍA, SIERRA UND BALÁM weisen auf verschiedene Arten von Kopfschmerzen in Campeche, Mexi-ko hin (kinan pool, chiba pool, kinan pach ka, jolon al), deren emische Bedeutungsunterscheidung auf die jeweilige Ursache zurückzuführen ist (u.a. mit warmem Kopf das Haus verlassen, bei Nieselregen auf dem Feld arbeiten, in der Sonne arbeiten, Baden, ohne den Kopf nass zu machen) und entsprechend anders behandelt werden muss (GARCÍA, SIERRA UND BALÁM 1999:42). Die alleinige etische Kategorie „Kopfschmerzen“ erfährt also hier eine Differenzierung in emische Krankheiten.
31 Die Lehre der Ursache von Krankheiten.
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Ethnien bringen sollten und oft eine Vorhersageintention hatten. Die meisten dieser Modelle erwie-sen sich jedoch als zu statisch, da seitens des Forschers oft etische Kategorien in die untersuchten Ethnien eingeführt wurden, welche die tatsächlichen Entscheidungen der Menschen zu sehr sche-matisierten und auf einen mehr oder weniger abstrakten Nenner zu bringen versuchten, der weit von der emischen Realität vor Ort entfernt war (vgl. MATHEWS 1982, QUINN 1975). Die ganz persön-lichen Entscheidungen im Krankheitsfall jedes Individuums einer Gesellschaft wurden zugunsten eines homogenen Bildes einer gleich denkenden und handelnden Gesellschaft aufgegeben. An die-sem Punkt soll im folgenden Kapitel angeknüpft werden, um so zur Anwendung eines Modells auf die Untersuchung in Uaxactún hinzuleiten.
3.2. Das Entscheidungsmodell
Normative Untersuchungsmodelle, die kognitive Ordnungen lediglich im Hinblick auf eine Vorher-sage zukünftiger Entscheidungen zu quantifizieren suchen, gelten heutzutage als zu statisch: Wie MATHEWS feststellt, liegt der Nachteil normativer Untersuchungsmodelle in der ihnen zugrunde liegenden mathematischen Konstruktion, mit der Entscheidungsvorhersagen bei Risikoentschei-dungen einer Gemeinschaft getroffen werden (1982:173) 32 . Sie weist unter Berufung auf psychologi-sche Untersuchungen darauf hin, dass sich Menschen bei Risikoentscheidungen eher auf heuristi-sche Überlegungen stützen, die den Entscheidungsfindungsprozess vereinfachen und weniger rati-onal nachvollziehbar gestalten (ibid.). Beschreibende Entscheidungsmodelle, wie sie u.a. James Y- OUNG beiseiner ethnomedizinischen Feldstudie in Pichataro, Mexiko angewendet hat, seien we-sentlich besser geeignet, realitätsnahe Vorhersagen zu generieren (ibid., vgl. YOUNG 1978, 1980, 1981). Die Theorie der beschreibenden Entscheidungsmodelle beruht darauf, die kognitiven Pro-zesse bei der Entscheidungsfindung einer Ethnie, eines Dorfes o.ä. in ihrem natürlichen Umfeld im Rahmen einer Feldforschung zu untersuchen. Dabei sind nach YOUNG (1981:9,141) folgende Punk-te zu untersuchen:
1) Die vorhandenen Alternativen, zwischen denen die untersuchte Gruppe angesichts einer Risikoentscheidung wählen kann bzw. muss.
2) Die Kriterien, nach denen sich für die eine oder andere Methode entschieden wird. 3) Diese Kriterien anschließend zueinander in Beziehung zu setzen und Gesetzmäßigkeiten herauszuarbeiten: Wie findet der Entscheidungsprozess statt? Welche Faktoren müssen er-füllt sein, um die Entscheidung in eine bestimmte Richtung zu lenken?
32 KUNSTADTER kommt bei seiner Untersuchung über Entscheidungen zu Behandlungsalternativen in Nord-Thailand zum gleichen Ergebnis: intellektualisierte Entscheidungstheorien entsprechen nicht den wahren Gegebenheiten vor Ort in der fremden Kultur, da die Entscheidungen mehr auf pragmatischen als auf ideologischen Beweggründen basieren (1975, bei YOUNG UND GARRO 1982:1463).
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Auf der Basis dieser, durch ethnografische Interviewmethoden gewonnenen Untersuchungsergeb-nisse, konstruierte YOUNG in seiner Feldforschung ein Vorhersagemodell: Ist eine bestimmte Kom-bination von soziokulturellen Faktoren gegeben/nicht gegeben, wird sich die Gemeinschaft bzw. das Individuum für diese oder jene Heilungsalternative entscheiden (vgl. ibid.: 141ff.). Seine Über-prüfung des Modells bei vormals noch nicht untersuchten Krankengeschichten im selben Dorf be-wies tatsächlich eine Vorhersagegenauigkeit von über 90% (ibid.:162ff). Allerdings liegt eine Schwachstelle seiner Arbeit in dem geografisch und zeitlich begrenzten Wirkungsraum seiner Un-tersuchung: Eine Feldforschung in einem vergleichbaren Dorf in Costa Rica, die sich zunächst aus-schließlich auf YOUNGs Modell zu stützen versuchte, wurde mit einer äußerst schlechten Vorhersa-geeffizienz mit hoher Fehlerquote gestraft (vgl. MATHEWS UND HILL 1990:158ff). Denn obwohl YOUNG´s entscheidungstheoretischer Ansatz zeitweise als neuer, revolutionärer Weg im Bereich der medizinischen Sozialwissenschaft galt, weil er den qualitativen Aspekten im natürlichen Umfeld der Untersuchung mehr Bedeutung zumaß (vgl. GARRO 1982), so liegt seine Begrenztheit doch in sei-ner Vorhersageintention begründet, die nur sehr bedingt intrakulturellen Wandel und individuelle, emotional generierte Entscheidungsfindungen berücksichtigen kann, die nicht einer homogenen
Dorfmeinung entspringen (QUINN 1975:42, MATHEWS UND HILL 1990:155). Bei wenig homoge-nen, im stetigen soziokulturellen und ökonomischen Wandel inbegriffenen Gesellschaften, in denen der kulturelle Konsens abnimmt, wird das von YOUNG und seinen Anhängern promovierte Modell in seiner Vorhersagequalität stark eingeschränkt, da die Menschen auf persönlichen Schwerpunkt-setzungen und emotionalen Faktoren beruhende Entscheidungen treffen, die sich schlecht verall-gemeinbaren lassen (ibid.:166). MATHEWS UND HILL kombinierten daher im weiteren Verlauf ihrer Untersuchungen YOUNG´s Methode der Entscheidungstheorie mit der rein beschreibenden Analy-semethode (EM) 33 . Die Anwendung des EM brachte in Kombination mit der quantitativen Stüt-zung der Fallbeispiele mehr Erfolg bezüglich der Vorhersagequalität (ibid.: 164ff) 34 .
3.3. Das Beschreibungsmodell und seine Weiterentwicklung: EM und EMIC
Das EM legt mehr Wert auf persönliche, individuelle Überlegungen einzelner Interviewpartner. Das Modell ist von Arthur KLEINMAN im Hinblick auf die Überbrückung der „fundamentalen Span-nungen zwischen medizinischen und anthropologischen Interessen“ entwickelt worden (KLEINMAN
33 Im englischsprachigen Raum wird ausschließlich das Kürzel EM (Explanatory Model) für die deutsche Bezeichnung „Beschreibungsmodell“ benutzt, so wie es von KLEINMAN (1978) definiert wurde. Aus Gründen der Einfachheit wird daher im Folgenden ebenfalls nur noch „EM“ benutzt.
34 Für Vorraussagen der Wahl der Behandlungsmethoden innerhalb eines großen, repräsentativen Samples ist laut WEL- LER, RUEBUSH UND KLEINheutzutage das so genannte SBM (Sociobehavioral Model) unerlässlich (1997). Da jedoch in der vorliegenden Arbeit aus zeitlichen Gründen weder ein großes Sample benutzt werden konnte, noch konkrete Vorraus-sagen getroffen werden sollen, sei nur der Vollständigkeit halber darauf verwiesen (vgl. a. COSMINSKY 1977).
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1978:85). EMs beinhalten Erklärungen folgender fünf Faktoren: Ätiologie, Symptome, Pathophy-siologie, Krankheitsverlauf (Schwere und Art der Krankenrolle) und Behandlung (ibid. 1978:87f). KLEINMAN´s Modell ist jedoch speziell für die anthropologische Sensibilisierung medizinischen Gesundheitspersonals geeignet 35 und kann daher nur bedingt einer realitätsnahen Feldforschung vom ethnologischen Standpunkt aus dienen (WEISS 1997:241). Das Modell wurde von KLEINMAN selbst später als zu „deterministisch“ verworfen (KLEINMAN 1995:8, vgl. a. KNIPPER 2001:22). Es wurde in der Folge vom Medizinanthropologen und Psychiater Mitchell WEISS im so genannten EMIC (Explanatory Model Interview Catalogue) weiterentwickelt: der EMIC beinhaltet sowohl quantita-tive, als auch qualitative Variablen, die in ihrer Kombination Aufschlüsse über praxisorientierte Entscheidungen im Krankheitsfall geben können (WEISS 1997:235). Die Vorgehensweise des EMIC ist sensibler und variabler als die des EM, da er eine Unterscheidung in emische und etische Kategorien berücksichtigt und mit offener Interviewstruktur arbeitet, die mehr Raum für individuelle Interpre-tationen und Auslegungen seitens des Befragten zulässt. Bei Mehrfachantworten wird im EMIC nach einer relativen Signifikanzgewichtung seitens der interviewten Person gefragt. Zudem wird auf diachrone Entwicklungen des individuellen Erklärungsmodells der befragten Person eingegangen, also die persönliche (Kranken-) Geschichte berücksichtigt. Dies ist besonders bezüglich des präva-lenten Zieles der vorliegenden Arbeit, der Herausarbeitung der Gründe für die Benutzung einer
bestimmten Heilmethode, von Bedeutung, da sich diese Meinungsbildung durch persönliche Erfah-rung mit Krankheiten im Laufe des Lebens entwickelt hat. Aus der so genannten prose elaboration des EMIC, also der narrativen Struktur der Antworten, können die notwendigen qualitativen und quan-titativen Daten gleichsam herausgefiltert werden und gegebenenfalls zur Differenzierung bereits vorhandener Kategorien beitragen (ibid.)
Andere Untersuchungen bestätigen ebenfalls die Nützlichkeit einer Kombination qualitativer und quantitativer Analysemethoden, da je nach Art der methodologischen Befragung bzw. Datenerhe-bung im Rahmen einer Feldforschung teilweise deutliche Abweichungen bei den Ergebnissen zu erwarten sind (COSMINSKY 1977, PELTO UND PELTO 1997, MATHEWS UND HILL 1995).
3.4. Die Modellanwendung auf Uaxactún
In Uaxactún ist eine wandlungsfreudige Gesellschaft mit inter- und intrakulturell hoher Fluktuation der äußeren Variablen festzustellen, also derjenigen Faktoren, welche die Entscheidungsfindung der Behandlungsmethode im Krankheitsfall beeinflussen. Die nicht traditionell gewachsene, vergleichs-weise junge Gemeinschaft des Dorfes (vgl. Kapitel 5.1.), mit Menschen unterschiedlichster Her- 35 DasKLEINMAN´sche EM arbeitet mit vollstrukturierten Fragemethoden, die vom schulmedizinisch-klinischen Stand-punkt aus gestellt werden (ibid.:245).
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kunft, kulturellen Backgrounds und arbeitstechnisch bedingt unterschiedlichen Einflüssen stellt eine heterogene Mischkultur dar (OMYC 1999, Feldnotizen: R. McNab). Die Ethnizität beruht in Ua-xactún daher historisch bedingt eher auf sozialen als kulturellen Faktoren, wie generell im Petén (SCHWARTZ 2002:165, vgl. Punkt 3.1.). Die Überlegungen im Krankheitsfall entspringen somit dif-ferenzierten Umgebungsvariablen, die je nach Interviewpartner unterschiedlich gewichtet und defi-niert werden (vgl. Kapitel 8).
Bei der vorliegenden Untersuchung wird daher die Vorgehensweise und Struktur des EMIC-Modells als konkreter Anhaltspunkt genommen, unter Berücksichtigung der kognitiven Prozesse bei der Entscheidungsfindung, die von YOUNG erwähnt werden. Es wird Wert auf eine individuali-sierte Auswertung der Befragung gelegt, welche durch statistische Daten gestützt wird, also im Sin-ne von GOODENOUGHs Unterscheidung in idea units und den phänomenologischen Ordnungen dieser Einheiten gehandelt.
Es wird bei der Darstellung der Krankheiten in Kapitel 7. und der qualitativen und quantitativen Auswertung in Kapitel 8. nur indirekt eine Unterscheidung nach den infrastrukturellen Behand-lungsalternativen Gesundheitsposten, Arzt, Apotheke, Klinik, Hebamme, Heimanwendung, Wald vorgenommen; eine solche Unterteilung erweist sich aufgrund der deutlich überwiegenden Nutzung der Heilmittel in Heimanwendung als unzureichend. Die Befragung ergab, dass Klinik und Ärzte außerhalb Uaxactúns nur in einem Fall für die Behandlung von Enteroparasiten, in einem für schwere Grippe und für Malaria überhaupt nicht benutzt wurden. Erst bei lebensbedrohlichen Zu-ständen werden die Klinik und Ärzte benutzt, worunter hauptsächlich andere Krankheiten fallen. Vielmehr erweist sich eine Unterteilung der in Heimanwendung benutzten Mittel in industriell pro-duzierte Pharmaka, Heilpflanzen und eine Kombination aus beiden als sinnvoll. Obwohl die strikte Trennung von synthetischer und pflanzlicher Medikation aus der Sicht des reinen Wirkstoffgehaltes nicht wirklich greift, da viele synthetische Pharmaka auf natürlichen Rohstoffen beruhen 36 , so kann doch mit dieser Differenzierung auf den Aspekt der anderen kognitiven Bezugsrahmens der Heil-pflanzen auf soziokultureller und historischer Ebene hingewiesen werden (vgl. STERN 3/2004). Pharmaka entspringen einer nicht lokalen Quelle: einer Produktionsstätte an einem anderen Ort, die nicht im Zusammenhang mit einer dorfeigenen Umwelt steht. Sie haben keinen kulturellen Bezugs-rahmen, der in direkter Verbindung zu den Bewohnern steht. Pharmaka kosten normalerweise Geld und repräsentieren das westliche kognitive System moderner Zivilisationsgesellschaften (vgl. Kapitel 4.1.1.).
36 ESCOBAR DE MCVEAN weist darauf hin, dass ein Viertel aller in den USA vertriebenen Pharmaka auf pflanzlichen Wirkstoffen beruht (1995:4); der Stern berichtet, dass 2002 ein Drittel aller in Deutschland in Apotheken verkauften Produkte natürlichen Ursprungs ist (3/2004).
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Pflanzennutzung hingegen erfordert zumindest eine Auseinandersetzung mit der natürlichen Um-welt, wenn nicht sogar eine Identifikation des Individuums mit dieser. Man handelt aufgrund des Fehlens eines ortsansässigen Heilers in Uaxactún bei der Suche der richtigen Pflanze und der an-schließenden Verarbeitung und wohldosierten und zeitlich abgestimmten Anwendung des korrek-ten Pflanzenteils völlig eigenverantwortlich. Die Benutzung pharmazeutischer Medikation schließt diese Schritte zu einem großen Teil aus, da man die Verantwortung für diese Faktoren in die Hände des westlichen Medizinsystems legt – sei es nun mit oder ohne Beratung bzw. Behandlung eines seiner offiziellen Vertreter. Man benutzt im Fall der Pflanzen diejenige Heilungsquelle, welche die natürliche Umwelt bietet und wird somit ein Teil von ihr: die Benutzung der Heilpflanzen (und Heiler) bettet das Individuum automatisch in diesen gesamtheitlicheren Kontext lokaler Natur-Ressourcennutzung ein (vgl. GARCÍA, SIERRA UND BALÁM 1999, CARE 1999, CÁCERES UND CÁCERES 1984). Die im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass es heutzutage nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, ob die Nutzung von Heilpflanzen in einem streng traditionellen (Maya-)Kontext erfolgt; kulturell tradierte Werte spielen im Untersu-chungsgebiet Uaxactún und Nord-Petén aufgrund der jungen Geschichte der Besiedlung keine gro-ße Rolle (SCHWARTZ 2002). Wichtig sind daher die grundsätzlichen Überlegungen der Menschen bezüglich der Benutzung von synthetischen Pharmaka oder Heilpflanzen, als Repräsentanten des einen oder anderen kognitiven Systems.
3.5. Die Befragung der Bevölkerung
Das Ziel der erfahrungsgestützten Beobachtung und Befragung vor Ort war es, ein möglichst origi-nalgetreues, realitätsnahes Bild der individuellen Überlegungen im Krankheitsfall zu zeichnen; ein Bild, bei dem die befragte Person als Individuum erhalten bleibt, als ein Mensch mit eigenem Cha-rakter, eigenen Ansichten, Problemen, Lebensumständen und ganz persönlicher Geschichte. Während der gesamten Aufenthaltsdauer fand im Prinzip ein „Einleben“ in Uaxactún statt, im Zuge derer sich tiefere Einblicke in die Dorfstruktur und die vorhandenen Sitten, Gepflogenheiten und Lebensumstände ergaben. Man ließ mich als kurzfristiger Besucher teilhaben an vielen dorfinternen Aktivitäten, persönlichen Überlegungen und tagtäglich anfallenden Aufgaben und Routinen. Den-noch kann innerhalb eines derart kurzen Zeitraumes vor Ort nur ein Bruchteil dessen wahrgenom-men werden, was sich bei einer längerfristigen Aufenthaltsdauer im Wechsel der Jahreszeiten und äußeren Umstände erleben lässt. Leider war dies jedoch nicht möglich, daher möge man berücksich-tigen, dass unvollständige, fehlende oder verzerrte Angaben der Gegebenheiten vor Ort trotz sorg-fältiger Recherche nicht auszuschließen sind.
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3.5.1. Die Methodik der Feldforschung und der Interviews
Bezüglich der allgemeinen Vorgehensweise bei der Feldforschung (Frage- und Interviewtechniken, Arbeitsmaterial, Datenverarbeitung) stützte ich mich auf die Werke von SPRADLEY (1979, 1980), LEVY UND HOLLAN (1998), WELLER (1998) und BERNARD (1995, 1998). Tiefere Einsichten und Denkanstösse bezüglich Theoriebildung, Thematik, Methodik, Problematik und Ausarbeitung eines möglichst effizienten Fragenkatalogs verschafften mir hauptsächlich vorangegangene ethnomedizi-nische Untersuchungen und Modellanwendungen von GOODENOUGH (1964), COSMINSKY (1973, 1977), KLEINMAN (1978, 1995), YOUNG (1978, 1980, 1981), YOUNG UND GARRO (1982), GARRO (1982), MATHEWS (1982, 1987), MATHEWS UND HILL (1990) sowie PELTO UND PELTO (1997) und WEISS (1997).
Die Ergebnisse der Befragungen wurden in einer Kombination aus strukturierten, semi-strukturierten und unstrukturierten, offenen Interviews sowie mittels teilnehmender Beobachtung gewonnen. Die Mehrzahl der Gespräche fanden auf einer möglichst freundschaftlichen, unaufdring-lichen Ebene in Form von semi-strukturierten Interviews statt, die sich nach einigen Begegnungen als die lohnenswerteste, d.h. produktivste Art und Weise der Datenerhebung herauskristallisierte (vgl. WELLER 1998:365, COSMINSKY 1977:331). Es gab aber auch Interview-Partner, bei denen sich bereits nach einigen Minuten zeigte, dass sie die rein strukturierte, auf striktem Frage-Antwort-Prinzip beruhende Interviewmethode bevorzugten und am besten zu beantworten wussten. Inso-fern musste flexibel vorgegangen werden und das Vorhaben entsprechend angepasst werden, denn eine rigorose Anwendung der einen oder anderen Methode erwies sich unter Umständen als hem-mend und somit unproduktiv. Nur solange die Person Interesse und Wohlwollen zeigte, war das Gespräch flüssig und brachte die gewünschten Informationen (vgl. COSMINSKY 1977:325f). Man merkte sehr schnell, ob man während des Gespräches in den Augen des Anderen aufdringlich wur-de, oder gar einen persönlichen Bereich „betrat“, den der Befragte lieber nicht preisgeben wollte. Dieser Respekt des Gegenübers war für mich von großer Wichtigkeit und daher kam es vor, dass in manchen Interviews bestimmte Fragen gar nicht gestellt oder beantwortet wurden, selbst auf die Gefahr hin, nicht vergleichbares Datenmaterial zu bekommen. Ein etwaiger Datenverlust konnte durch eine weitaus tiefere, persönlichere Darstellung ausgeglichen werden (ibid.:331). Diesbezüglich wurde also das persönliche Wohlbefinden des Interviewten stets über das forscherseitige Interesse der Befragungen gestellt.
In allen Fällen wurden durch die größtenteils offene Interviewstruktur weitaus mehr Fragen gestellt, als auf dem Papier standen. Die Gespräche wurden von gegenseitigem Interesse geleitet, so dass auch sozioökonomische Themen, die Dorfpolitik betreffende Fragen, geschichtliche Hintergrundin-formationen und persönliche, nicht unbedingt dem Gesundheitssektor zugehörige Punkte behan-delt wurden. Zudem brachte eine möglichst unstrukturierte, d.h. offene und flexible Vorgehenswei- 25
se bei der Befragung beiden Seiten eine größere Befriedigung. Die Interviewlänge variierte je nach Offenheit, verfügbarer Zeit, persönlichem Interesse, Auskunftsfreudigkeit, Wissenspool und Krankheitsgeschichte des Einzelnen oft erheblich: Im Schnitt dauerte ein Interview etwa 60 Minu-ten, wobei 30 Minuten das Minimum und ca. vier Stunden das Maximum waren 37 . Zu den Rahmenbedingungen der Interviews ist anzumerken, dass niemand dafür bezahlt wurde. Alle Interviews wurden von den Befragten freiwillig gegeben und man wollte partout kein Geld von mir annehmen, welches ich in den meisten Fällen für die wertvolle Zeit, die man mir widmete, an-bot 38 . Dies schuf im Nachhinein eine sehr persönliche, nahezu freundschaftliche Beziehung zu den Menschen, die mir ansatzweise ein Gefühl der Einbettung in ein kognitives System jenseits der übli-chen westlichen Sicht einer derartigen Interviewsituation verschaffte, da die Rollenverteilung, die mit einer Bezahlung einhergeht, außer Kraft gesetzt wurde. Man hat generell gerne Zeit für Gesprä-che und sieht nicht ein bzw. versteht nicht, dafür bezahlt zu werden, solange man nicht körperlich arbeitet, also aktiv etwas für den anderen tut. Die so in meinen Augen entstandene Schuld versuchte ich daher - wenn möglich - durch kleine Gefälligkeiten wie Fotos, Mitbringsel, Hilfe bei anfallenden Arbeiten, Filmvorführungen oder ähnlichem auszugleichen.
3.5.2. Technik
Die Interviews wurden nach Möglichkeit zunächst mit einem MiniDisk-Recorder aufgenommen und anschließend transkribiert. Zu diesem Zweck fragte ich stets die Interviewpartner um Erlaubnis für die Aufnahme. Lehnten sie ab, schrieb ich das Gesagte ausschließlich mit. Die Methode der Aufnahme bietet folgende Vorteile: Die Aufnahme lässt zum einen den natürli-chen Gesprächsfluss nicht abreißen, da man sich voll und ganz auf die Fragen und den (Augen-) Kontakt mit dem Gesprächspartner konzentrieren kann. Zum anderen lässt sich nach dem Inter-view die Aufnahme in aller Ruhe beliebig oft anhören und man kann mehr Informationen herausfil-tern, als bei der alleinigen Mitschreibmethode 39 . Dies ist besonders bezüglich ortstypischer Begriff- 37 Eskam daher auch gelegentlich vor, dass aus diversen Gründen die Befragung auf mehrere Sitzungen verteilt wurde. Dazu gehörten hauptsächlich unvorhersehbare, plötzlich eintretende Ereignisse höherer Priorität, die den Interview-partner zwangen, das Interview spontan abzubrechen: Kinder mussten betreut werden, wichtige Besorgungen oder Haushaltsarbeiten mussten getätigt werden oder andere Termine überlagerten sich mit der Interviewzeit. In diesen Fällen konnte ich manchmal vor Ort warten, bis z.B. die Kinder versorgt waren. Manchmal jedoch gab der Interview-partner von sich aus zu verstehen, dass er die Befragung lieber zu einem anderen Zeitpunkt fortführen wolle.
38 In einigen Fällen bot ich das Geld vorher an, man stimmte schweigend zu, wollte aber dann nach Abschluss der Be-fragung das Geld nicht annehmen. In anderen Fällen bot ich daher das Geld erst im Anschluss an, was aber auch abge-wiesen wurde, trotz meiner Beteuerung, ich würde sehr gerne bezahlen und man solle es ruhig annehmen, denn schließ-lich hätte man wertvolle Zeit für mich geopfert. Die westliche Sichtweise „Zeit ist Geld“ war offensichtlich ohne Be-deutung und einige Bewohner zeigten sich sogar leicht beleidigt. Die Führer, welche mir im Rahmen der Pflanzensuche und -bestimmung halfen, wurden hingegen gerne bezahlt.
39 Abgesehen von hervorragender, bis zu fünfstündiger Aufnahmequalität und Bedienfreundlichkeit, wirkt der MD-Recorder durch seine geringen Ausmaße, die etwa der Größe einer Zigarettenschachtel entsprechen, sehr unaufdringlich und so sprach der Interviewte spätestens nach einigen Minuten sehr frei und offen, weil das Gerät fast vergessen wurde.
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lichkeiten nützlich, die besonders während der ersten Interviews teilweise nur unzureichend ver-standen wurden und eine Nachfrage erforderlich machten. Abgesehen davon eröffnet einem die Aufnahme die Möglichkeit, seine Sprachfertigkeit und Interviewtaktik zu kontrollieren und ggf. zu verbessern (vgl. LEVY UND HOLLAN 1998:353ff). Als alleiniger Nachteil der Aufnahme-Methode ist die Abhängigkeit von der Technik zu erwähnen: Funktioniert das Gerät oder der Datenträger aus irgendwelchen unwissentlichen oder unvorhersehbaren Gründen 40 nicht, so hat man nachher kein Audiomaterial in der Hand.
Gleichzeitig wurde während der ganzen Feldforschungszeit ein Feldtagebuch für allgemeine ethno-grafische Daten, schriftliche Interviews, Film– und MD-Materialordnung etc. geführt; des Weiteren ein persönliches Tagebuch, welches sich als sinnvolle persönliche Analyse der täglichen Arbeiten in Form einer Reflektions- und Ruhequelle außerhalb des arbeitstechnischen Rahmens erwies.
3.5.3. Interviewthemen
Nach einleitenden Fragen zu Alter, Religionszugehörigkeit, Familie, Beruf, Ethnie, Bildung und Zeit in Uaxactún folgten Fragen zu den Krankheiten. Um vergleichbare Daten in einem überschaubaren Rahmen zu bekommen, wurden bei der Auswertung drei der häufigsten Krankheitsbilder im Petén herausgegriffen und in 32 Haushalten in Uaxactún auf die oben aufgeführten Fragestellungen hin untersucht, denn nahezu jeder Interviewpartner wusste dazu etwas aus eigener Erfahrung zu sagen. Bei den Krankheitsbildern handelt es sich um schwere Atemwegserkrankungen (IRA=Infección Respi-ratoria Aguda), gastrointestinale Probleme, vornehmlich die durch Enteroparasiten hervorgerufenen (Parasitísmo intestinal), und Malaria (Paludismo) 41 (OROZCO GARCÍA 2000, OPS 1991, 1992, 1995, 2002). Dabei konzentrierte sich der Fragebogen zwar auf diese drei Krankheitsbilder, es wurde aber nach der generellen Krankengeschichte eines Haushaltes, inklusive Kindern und Ehepartner, ge-fragt, um ein umfassendes Bild ortstypischer Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten zu be-kommen (vgl. Punkt 7.2.). Sollten die Interviewpartner die Hauptkrankheiten nicht von sich aus nennen, wurde explizit danach gefragt. Für jede der drei Krankheiten wurden so Antworten zu Vor-kommen der Krankheit in der persönlichen Krankengeschichte, Heilung, Wissensquelle der Heil-methode und Grund für die Heilung registriert. Abschließend wurde nach der persönlichen Mei- 40 Batterien,Klima o.ä. Speziell bei dem von mir benutzten Mikrofon war ein Nachteil die extreme Windanfälligkeit, welches beim späteren Anhören die Textpassagen mancher Interviews schwer verständlich machte.
41 Anämie ist in der Gesamtstatistik Peténs ebenfalls unter den häufigsten Krankheiten anzutreffen, in Uaxactún jedoch seit etwa 2 Jahren durch verbesserte Lebensbedingungen kaum noch aufgetreten (Feldnotizen: Statistik Puesto de Salud). Mit Malaria verhält es sich ähnlich: Da seitens der Regierung in der Vergangenheit mit Erfolg umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung der Überträger-Mücke Anopheles sp. durchgeführt wurden, tritt Malaria heutzutage nur noch selten auf (vgl. Punkt 7.2.1.). Da die Bekämpfung von Malaria besonders im Licht eines weltweiten Interesses nach alternativen Heil- und Präventivmethoden ein wichtiger Punkt ist, wurde diese Krankheit mit aufgenommen. In Uaxactún ist das während der Zeit von 1920 bis heute angesammelte Wissen über natürliche Malaria-Heilmethoden aufgrund der Wald-arbeit weitab jeglicher moderner Behandlungsalternativen sehr umfassend.
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nung des Befragten über den Puesto de Salud und den enfermero sowie nach einer Klinik- und Arztnut-zung in der Vergangenheit gefragt, sofern diese nicht schon genannt worden war (vgl. II). Es wurde zusätzlich eine Befragung bei einigen weiblichen Teilnehmerinnen der Frageserie über geburtsrelevante Behandlungsmethoden und -überlegungen durchgeführt. Die jeweilige Interview-Situation ließ manchmal eine unbefangene Frage aufgrund der geschlechterspezifischen Rollenver-teilung nicht zu, aber einige Frauen sowie eine der Hebammen machten bereitwillig übereinstim-mende Angaben, so dass diese Ergebnisse in deskriptiver Form mit aufgeführt werden können (vgl. besonders Kapitel 6.4.1.).
3.5.4. Die Interviewpartner
Das Durchschnittsalter der befragten 32 Personen (16 Männer, 16 Frauen) liegt bei 39,3 Jahren, wobei die älteste Teilnehmerin 68 und die jüngste 18 Jahre alt ist. Die Aussagen aller 32 interview-ten Personen stehen zwar theoretisch stellvertretend für etwa 132 Gesamtpersonen 42 , da vornehm-lich die Entscheidungsträger, d.h. die Eltern bzw. Haushaltsvorstände interviewt wurden; es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Kinder anders entscheiden, denn die liberale Er-ziehung der Kinder in punkto eigener Meinungsbildung schließt ab einem bestimmten Alter nicht unbedingt eine Übertragung der elterlichen Entscheidungsfindung auf die Kinder ein 43 . Sollte das Kind aus irgendeinem Grund die von den Eltern bevorzugte Heilmethode ablehnen, so wurde oft, aber nicht immer, von den Eltern darauf hingewiesen 44 . Aufgrund des potentiellen Fehlerfaktors bezüglich der Stimmenzählung der anderen Haushaltsmitglieder werden daher nur befragten Perso-nen selbst statistisch gewertet. Die größte Familie (die des protestantischen Pastors) hat 13 im Haushalt lebende Kinder, die kleinste (die der Achtzehnjährigen) ein Kind. Drei Singles stehen al-leine für ihre Entscheidung. Die ethnische Verteilung der Interviewpartner entspricht einer Drei-viertel-Mehrheit: Es wurden 8 Q´eqchi-Maya, die sich selbst als solche klassifizierten (Sprache und Herkunft/Eltern), und 24 Ladinos befragt.
Um ein breit gestreutes, die Dorfstruktur möglichst realitätsnah wiedergebendes Sample zu be-kommen, wurden außerdem Familien mit verschiedenen Einkommens- und Bildungsniveaus be-fragt. Familien mit durchschnittlichen Lebensverhältnissen machten die Mehrzahl der Befragten aus
42 Dies umfasst die zum jeweiligen Haushalt gehörigen Kinder, Lebenspartner und in drei Fällen ein Eltern- bzw. Groß-elternteil, der nicht mehr für sich selbst sorgen konnte.
43 Es war eine äußerst autonome und selbstständige Haltung selbst kleinster Kinder festzustellen, die bei uns in dieser Form selten anzutreffen ist. Die Eltern gestehen der persönlichen Meinung und Entwicklung ihrer Kinder von klein auf den nötigen Freiraum und vor allem Wert zu, indem man ihre Bemerkungen, Ängste und Wünsche respektiert und als ebenso wichtig erachtet, wie die eigenen. Die Kinder werden daher viel mündiger behandelt als bei uns und oft mit Haushaltstätigkeiten und kleinen Arbeiten betreut, so dass sie schon sehr früh vergleichsweise selbstständig agieren und entscheiden können .
44 Einige Eltern gaben an, dass ihre Kinder Pharmaka bevorzugen, wegen des unangenehmen, meist bitteren Ge-schmacks der pflanzlichen Alternative (Feldnotizen: U. Antonio, M. Amparo, N. Herrera).
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Arbeit zitieren:
Claudio Priesnitz, 2004, Behandlungsalternativen von Krankheiten in Uaxactún, Petén, Guatemala, München, GRIN Verlag GmbH
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Claudio Priesnitz hat den Text Behandlungsalternativen von Krankheiten in Uaxactún, Petén, Guatemala veröffentlicht
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Richard Frisch
Maya-Ethnobotanik.
Sg. Kollegen, mit interesse habe ich ihren Interneteintrag gesehen. Ich möchte in diesem Kontext auf unser Institut in San Jose/Peten, Guatemala hinweisen (www.geocities.com/playa_diana/index.html.
mit kollegialen Grüssen
Richard Frisch
am Friday, October 22, 2004-