Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1 Einleitung 4
2 Geschichte und Entwicklung der Gestalttherapie 6
2.1 Frederick Perls und die Gestalttherapie 6
2.1.1 Biographie 6
2.2 Die Entstehung der Gestalttherapie 9
2.2.1 Schulen und Anwendungsbereiche der Gestalttherapie 11
2.2.2 Laura Perls und die Gestaltpsychologie 11
2.2.3 Sigmund Freud und die Psychoanalyse 13
2.2.4 Karen Horney und der Holismus 14
2.2.5 Paul Goodman und Martin Buber 15
2.2.6 Jakob Levy Moreno und das Psychodrama 17
2.2.7 Wilhelm Reich und die Körpertherapie 17
2.2.8 Theoretische Fundierung der Gestalttherapie 18
3 Definition und Wurzeln der Gestalttherapie 20
3.1 Definition 20
3.2 Die Wurzeln der Gestalttherapie 21
3.2.1 Die Psychoanalyse 21
3.2.2 Das dialogische Prinzip 23
3.2.3 Die Gestaltpsychologie 24
3.2.3.1 Der Begriff „Gestalt“ 25
3.2.3.2 Das Prinzip von „Figur und Grund“ 27
3.2.3.3 Der Feldansatz 28
3.3.3 Das holistische Konzept 29
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3.3.4 Der Existenzialismus und die Phänomenologie 30
4 Das Menschen und Weltbild 32
5 Die Persönlichkeitstheorie 33
5.1 Das „Es“ 33
5.2 Das „Ich“ 33
5.3 Die „Persönlichkeit“ 33
5.4 Das „Selbst“ 34
6 Organismus und Umwelt 35
6.1 Der Kontakt 36
6.2 Der Kontaktzyklus 37
6.3 Die Kontaktgrenze 38
6.4 Störungen im Kontaktzyklus 39
6.4.1 Der Widerstand 40
6.4.2 Die Konfluenz 40
6.4.3 Die Introjektion 41
6.4.4 Die Projektion 42
6.4.5 Die Retroflexion 43
6.4.6 Der Egoismus 43
7 Gesundheit und Krankheit 45
7.1 Gesundheit 45
7.2 Krankheit 45
7.3 Die Neurose 46
7.4 Das Schichtenmodell der Neurose 47
8 Die Ziele der Gestalttherapie 51
9 Die Therapie 53
9.1 Die Rolle des Therapeuten/der Therapeutin und die therapeutische Haltung 54
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9.2 Der Klient/die Klientin 57
9.3 Die Diagnostik 59
9.4 Das Thema 61
9.5 Der therapeutische Prozess 63
10 Methoden und Techniken der Gestalttherapie 66
10.1 Die Bewusstheit 67
10.2 Das aktive Experiment 69
10.3 Der leere Stuhl 71
10.4 Die kreativen Elemente des aktiven Experiments 72
10.4.1 Die Phantasie und die Imagination 72
10.5 Das Psychodrama 76
10.6 Die Körperwahrnehmung 77
10.7 Die Traumarbeit 79
10.8 Die Interventionstechniken 82
10.9 Die kreativen Medien 84
11 Gestaltarbeit in der Sozialen Arbeit 85
12 „Es geht um lebendigen Kontakt“ 87
13 „Hilfe ich bin im Stress“ Gestaltarbeit mit einer Gruppe alleinerziehender Frauen in
der beruflichen Bildung 88
14 „Spüre Deine Sinne“ Gestalttherapie mit einer schwerst-mehrfach behinderten
Frau 98
15 „Gefühle und Kontakt“ Gestalttherapeutischer Erstkontakt über den Zugang
zu den Gefühlen 105
16 Schlussbetrachtung 110
Literaturverzeichnis 112
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1 Einleitung
„Gestalttherapie heißt: in Kontakt mit dem Offensichtlichen sein.“
Fritz Perls
Mit dieser Aussage charakterisierte Fritz Perls das Wesentliche der Gestalttherapie. Es geht in der Gestalttherapie um den „lebendigen Kontakt“, als einen Prozess des einzelnen Menschen mit seinem Organismus, mit seinem Gegenüber und mit seiner Umwelt. Es geht darum, diesen Kontakt für den einzelnen Menschen be-greifbar, erfahrbar und damit offensichtlich werden zu lassen. Denn nach dem Verständnis der Gestalttherapie, kann der Mensch nur durch Kontakt wachsen (sich entwickeln) und sich somit auch verändern.
Die Gestalttherapie hat sich seit dem Tod von Fritz Perls 1970 kontinuierlich weiterentwickelt. In vielen Institutionen und Arbeitsfeldern wird heute im therapeutischen Bereich die Gestalttherapie und im nicht behandlungsorientierten Feld die Gestaltarbeit eingesetzt. Unabhängig ob mit Personen in Gruppen oder Einzelpersonen gearbeitet wird, der „Kontakt“ steht immer im Zentrum des Geschehens. Die Gestalttherapie und die Gestaltarbeit als zwei unabhängige Arbeitsformen im sozialpädagogischen Arbeitsumfeld, deren Strukturen aus der gleichen Konzeption entstanden sind, geben für die Soziale Arbeit eine geeignete Methodik vor. Denn in der Sozialen Arbeit ist der Kontakt zwischen den KlientInnen und den SozialpädagogInnen sowie SozialarbeiterInnen, zwischen Kollegen und Kolleginnen und mit sich selbst, reflektierend in der Rolle als Sozialarbeiterin, Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagogin, Sozialpädagoge, ein wesentliches Merkmal.
Während meines theoretischen Studiums und der darin integrierten Praxisphasen, sowie meiner Ausbildung zur Gestalttherapeutin, habe ich Kontakte von unterschiedlicher Qualität, Form und Intensität bewusst erlebt und deren Bedeutung erfahren. Aus diesem Bewusstsein heraus, ist die vorliegende Diplomarbeit entstanden. Die Arbeit gliedert sich in zwei Bereiche: Im theoretischen Teil werden die Grundlagen der Gestalttherapie und der Gestaltarbeit von mir aufgezeigt. Im Praxisteil beziehe ich mich auf die Theoriebeschreibung und reflektiere dabei mit konkreten Fallbeispielen aus meiner gestalttherapeutischen Arbeit. In der vorliegenden Darstellung verwende ich die gebräuchliche Terminologie „Klient/ Klientin“ und „Patient/Patientin“ im Zusammenhang
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mit der Gestalttherapie synonym. Mit Klient/Klientin bezeichne ich auch die Personen, die sich als Ratsuchende innerhalb der Sozialarbeit bewegen.
Im zweiten Kapitel erläutere ich die Geschichte und Entwicklung der Gestalttherapie, in dem ich einen Überblick über das Leben und den Werdegang von Fritz Perls gebe. Hier konzentriere ich mich vor allem auf die Erfahrungen, Ideen und Menschen, die auf Perls und seinen therapeutischen Ansatz den größten Einfluss hatten. Die Beiträge zur Theorieentwicklung werden in dem Kapitel „Definition und die Wurzeln der Gestalttherapie“ aufgezeigt. Einen besonderen Augenmerk lege ich auf den Begriff „Gestalt“ und dem Prinzip von „Figur und Grund“. Beide Konzepte stellen wesentliche theoretische Aspekte der Gestalttherapie dar. Das systemisch-biologische Menschen-und Weltbild der Gestalttherapie ist Gegenstand des vierten Kapitels. Die Persönlichkeitstheorie, sowie der Austausch zwischen Organismus und Umwelt und der daraus resultierende Kontaktzyklus mit seinen Störungen, beschreibe ich in den Kapiteln fünf und sechs. Die Gesundheit und die Krankheit als Neurose im Kontext der Gestalttherapie werden im Hinblick auf die Ziele der Gestalttherapie im weiteren Verlauf der Diplomarbeit von mir erörtert. Das neunte Kapitel fasst die Hauptbeiträge Perls zur Praxis der Gestalttherapie zusammen. Hier befasse ich mich mit der Rolle der TherapeutInnen und KlientInnen und zeige kritische Aspekte an der Therapie und dem therapeutischen Prozess auf. Im zehnten Kapitel stelle ich die gestalttherapeutischen Methoden und Techniken vor. Mit dem elften Kapitel wird der Praxisteil meiner Diplomarbeit eingeleitet. Dieser beinhaltet Fallbeispiele aus meinem pädagogischen Praktikum in der Sozialen Arbeit und meiner beruflichen Tätigkeit als Gestalttherapeutin.
Die Diplomarbeit endet mit einer persönlichen Schlussbetrachtung.
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2 Geschichte und Entwicklung der Gestalttherapie
2.1 Frederick Perls und die Gestalttherapie
Frederick Perls gilt als Begründer der Gestalttherapie, die in den vierziger Jahren entwickelt wurde und die Mitte der sechziger Jahre ihre allgemeine Anerkennung erreichte. An deren Entwicklung wesentlich beteiligt waren seine Frau Laura Perls, eine Gestaltpsychologin, der Sozialphilosoph Paul Goodman und der Psychologieprofessor Ralph Hefferline. Der Psychoanalytiker Perls vereinigte verschiedene therapeutische, psychologische, philosophische und kreative Ansätze in seiner therapeutischen Arbeit und machte die Gestaltarbeit zu einem breit gefächerten Verfahren. Er arbeitete und experimentierte sein ganzes Leben an der Weiterentwicklung seines therapeutischen Verfahrens, das er Gestalttherapie nannte.
2.1.1 Biographie
Friedrich Salomon Perls wurde am 8.7.1893 in Berlin als drittes und jüngstes Kind jüdischer Eltern geboren. Seine letzten Schuljahre verbrachte er am Askanasischen Gymnasium in Berlin, wo sein Interesse am Theater entdeckt und gefördert wurde. Als Schauspielschüler lernte er am Deutschen Theater bei Max Reinhardt die Beobachtung des Ausdrucks menschlicher Gefühle durch Mimik und Gestik. [Clarkson, Mackewn 1995]
Diese Begegnung mit dem nonverbalen Ausdruck beeinflusste Perls stark. Er machte sich seine Beobachtungsgabe und sein Talent für den dramatischen Ausdruck für seine spätere therapeutische Arbeit zunutze.
Nach dem Abitur studierte Fitz Perls an der Universität in Berlin Medizin. Von 1916-1918 unterbrach er das Studium, um als Sanitäts-Offizier am ersten Weltkrieg teilzunehmen. Perls promovierte am 3.4.1920 zum Doktor der Medizin, nachdem er 1918 sein Studium in Freiburg wieder aufgenommen hatte.
Nach seinem Examen ließ er sich 1921 als Neuropsychiater mit eigener Praxis in Berlin nieder.
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Im gleichen Jahr machte er die Bekanntschaft mit der Tänzerin „Palucca“, die der innovativen, expressionistischen Tanzrichtung angehörte. [Clarkson, Mackwen 1995 S.19]
Perls lies sich von ihrem Tanz inspirieren und baute ihn später als Mittel für spontanen Selbstausdruck und Kreativität in die Gestalttherapie ein. 1933 bekam Perls das Angebot in einem Hospital als Neurologe zu arbeiten. Er nahm das Angebot an und ging nach New York. Bereits nach sechs Monaten kehrte er wieder nach Berlin zurück. Auf der Suche nach einer persönlichen Lebensunterstützung begab er sich bei der Psychoanalytikerin Karen Horney in Therapie. Karen Horney arbeitete mit eigenen therapeutischen Ansätzen. Fritz Perls war von ihrem Therapieverfahren so begeistert, dass er eine psychoanalytische Ausbildung begann.
1926 zog Perls nach Frankfurt, wo er Bekanntschaft mit den Gestaltpsychologen Gelb und Goldstein, sowie Martin Buber und Paul Tillich machte. Dort traf er auch Lore Posner, die Psychologie studierte und 1929 als Laura Perls seine Frau wurde. 1927 nahm Fritz Perls im Rahmen seiner Ausbildung zum Psychoanalytiker, Klient-Innen zur Supervision auf. Seine letzte Ausbildungsphase verbrachte er in Wien am „Zentrum der Psychoanalyse“. Dort behandelte er ein Jahr lang PatientInnen und ging zu den Psychoanalytikern Helene Deutsch und Edward Hitsch in Supervision. Nach Beendigung der Ausbildung arbeitete Perls von 1928-1933 als freudscher Psychoanalytiker in seiner eigenen Praxis in Berlin. [Clarkson,Mackewn 1995 S.19-20] 1933, mit Beginn des zweiten Weltkrieges, verließen Fritz und Laura Perls Berlin. Sie fühlten sich auf Grund ihrer antifaschistischen Tätigkeiten nicht mehr sicher und emigrierten zunächst nach Holland. Dort spitze sich jedoch die gefährliche Situation für Menschen jüdischer Herkunft immer mehr zu. In dieser Situation erfuhr Fritz Perls von Ernest Jones (Freuds Biograf), dass in Südafrika ein Lehranalytiker gesucht wurde. 1934 ging die Familie Perls nach Südafrika und gründete in ihrer neuen Heimat in Johannesburg das „Südafrikanische Institut für Psychoanalyse“. Sie bildeten dort sehr erfolgreich interessierte Personen als Psychoanalytiker aus. [Clarkson, Mackewn 1995 S.29]
In den Jahren 1942-1945 arbeitete Fritz Perls freiwillig als Sanitäter und Psychiater in der afrikanischen Armee, die sich zu dieser Zeit mit den Alliierten im Krieg gegen Deutschland befand. Nach Kriegsende änderte sich zunehmend das politische Klima
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Südafrikas, was 1948 zur Apartheid führte. Fritz und Laura Perls beschlossen daher mit anderen Intellektuellen das Land zu verlassen.
Zunächst ging Fritz Perls 1946 alleine nach New York. Dort traf er auf die Psychoanalytiker Erich Fromm, Carla Thompson, Karen Horney und den Schülern von Harry Stack Sullivan. Gemeinsam gründeten sie eine eigene psychoanalytische Bewegung, die sie die „Interpersonale Psychoanalyse“ nannten. Aus dem Kreis dieser Bewegung wurde Fritz Perls am meisten von Harry Stack Sullivan beeinflusst. Dieser war der Meinung, dass der wichtigste Faktor in der Therapie die Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten sei. [Clarkson,Mackewn 1995 S.32-33]
Perls übernahm diese Ansicht von Sullivan für die Betonung der menschlichen Beziehung im „Hier und Jetzt“ in der Gestalttherapie. Zusammen mit Laura, die inzwischen auch in New York eingetroffen war, gründete Perls eine Selbsterfahrungsgruppe für Therapeuten, der auch der Psychologieprofessor Ralph Hefferline und der Sozialphilosoph Paul Goodman angehörten. Sie waren maßgeblich an der Begründung der Gestalttherapie beteiligt. Goodman, indem er Fritz Perls bei seinen theoretischen Überlegungen und schriftlichen Ausarbeitungen unterstützte und Hefferline, der die Theorie teilweise in die Praxis umsetzte, indem er mit seinen StudentInnen Gestalttherapie experimentell erprobte. 1959 wurde Perls Berater im Mendocino State Hospital an der Westküste. Er arbeitete dort mit Gruppen von Sozialarbeitern, Psychologen und Psychiatern, denen er die Grundlagen seiner therapeutischen Arbeit vermittelte.
Auf einer Weltreise 1963 lernte Fritz Perls den Zen-Buddhismus kennen. Er zeigte sich von dieser Religion so fasziniert, dass er sie in Kyoto studierte und einige Inhalte in die Gestalttherapie übernahm.
1964 nahm er als Gestalttrainer die Arbeit am „Esalen-Institut“ Big Sur in Kalifornien auf. Mitte der sechziger Jahre wurde das „Esalen-Institut“ sehr erfolgreich. Perls arbeitete mit zukünftigen Therapeuten, mit Künstlern und Professionellen. Er verbreitete auf diesem Weg seine therapeutische Philosophie und Haltung, seine Methoden und Ideen. An seinen Workshops nahmen u.a. auch Virgina Satir, Abe Levitsky und Robert Hall teil. Die Gruppen wurden immer größer und Fritz Perls entschloss sich zu Rundreisen durch das Land, um die Gestalttherapie vielen Zuschauern öffentlich auf
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der Bühne zu präsentieren. In diesem Zusammenhang entwickelte er die berühmt gewordene Technik des „leeren Stuhls“.
Im Laufe der Jahre befriedigte Perls die Tätigkeit am „Esalen-Institut“ nicht mehr. Er kaufte 1969 ein Gebäude am Cowichan See auf Vancouver Island in Kanada um dort eine Gestalt Gemeinschaft zu gründen und Ausbildungsseminare durchzuführen. Im gleichen Jahr erkrankte Fritz Perls an einem Pankreas Karzinom und starb am 14.5.1970 nach einer qualvollen Operation an einem Herzanfall. [Clarkson,Mackewn 1995 S.41-48]
2.2 Die Entstehung der Gestalttherapie
Die Gestalttherapie ist eine Summe von psychologischen, psychotherapeutischen philosophischen Ansätzen, Sichtweisen und Verfahren. Fritz Perls verfolgte mit der Gestalttherapie das Ziel,
„eine Theorie und Methode zu entwickeln, welche die Grenzen und die Anwendbarkeit von Psychotherapie erweitern könnten.“ [Perls,Hefferline,Goodman 2000a S.13]
Dies geschah im Laufe seines Lebens, in dem Fritz Perls die Bekanntschaft mit den verschiedensten Psychoanalytikern, Künstlern, und Intellektuellen machte. Ihre Ideen, Entwicklungen, eigenen Ansätze und Versuche hatten einen entscheidenden Einfuß auf die Entstehung und vor allem auf die Entwicklung der Gestalttherapie. Besondere Bedeutung kamen dabei der Gestaltpsychologie, der Psychoanalyse dem Holismus, der anthropologische Grundannahme Martin Bubers, dem Psychodrama, der Körpertherapie, und der Feldthoerie zu.
Das folgende Diagramm gibt eine Übersicht über die entscheidenden Einflüsse auf die Gestalttherapie:
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2.2.1.Schulen und Anwendungsbereiche der Gestalttherapie
In der Gestalttherapie lassen sich heute drei Strömungen unterscheiden, den Westküstenstil, den Ostküstenstil und den europäischen Stil. Der Westküstenstil wird an Instituten in Los Angeles und San Francisco gelehrt und orientiert sich an der Arbeitweise von Fritz Perls. Im Mittelpunkt steht die Einzelarbeit eines Klienten/einer Klientin innerhalb einer Gruppe.
Die Ausbildungsinstitute in New York und Cleveland vertreten den Ostküstenstil. Dieser wurde von Laura Perls geprägt und ist analytisch ausgerichtet. Es werden Gestalteinzeltherapie und Gruppentherapie durchgeführt. Der europäische Stil wurde am Fritz Perls Institut in Köln entwickelt. Er ist gruppenzentriert und bezieht kreative Medien und die Körperarbeit mit ein. [Beamont Psychotherapie Heute, Psychologie Heute Juli 1986 S.30] Unabhängig von der jeweiligen Schule hat die Gestalttherapie oder Elemente der Gestalttherapie in verschiedenen Institutionen und Arbeitsfeldern Einzug gehalten. So wird sie in Beratungsprozessen, in Gruppen, in Schulen, in der Kinder- und Jugendarbeit, im Gesundheitsbereich, in der Erwachsenenbildung, in Hospizen, in der Altenarbeit, in der Sozialarbeit und auf vielen anderen Gebieten eingesetzt. In den genannten Arbeitsfeldern wird die Gestalttherapie auch als Gestaltarbeit bezeichnet, da sie nicht behandlungsorientiert angewandt wird und somit nicht einem therapeutischen Verfahren unterliegt. Je nach Einsatzbereich der Gestalttherapie ist auch von Gestaltpädagogik, Gestaltberatung und Gestaltsupervision die Rede. [Richter 1997 S.29]
2.2.2 Laura Perls und die Gestaltpsychologie
1926 lernte Fritz Perls Laura kennen. Sie studierte zu dieser Zeit Gestaltpsychologie an der Universität in Frankfurt am Main. Über die Begegnung mit Laura bekam Fritz Perls Kontakt zur Gestaltpsychologie und beschäftigte sich mit den Entdeckungen der Gestaltpsychologen Wertheimer, Koffka und Köhler. Fritz Perls wurde dadurch mit den wichtigsten Gestaltprinzipien der Wahrnehmung vertraut. [Clarkson,Mackewn 1995 S.27]
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Die Gestaltpsychologie geht davon aus, dass die Menschen ihre Erfahrungen einordnen, indem sie die Ganzheit ihrer Wahrnehmung in interessant und uninteressant strukturieren. Sie sehen das, was gegenwärtig für sie interessant ist, als Wahrnehmungseinheit, die der „Gestalt“ und geben ihr eine Bedeutung. Die Wahrnehmung einer Gestalt folgt dem „Figur - Grund - Prinzip.“ Die Figur ist dabei das, was für den einzelnen die Aufmerksamkeit in der momentanen aktuellen Situation auf sich zieht und was sich in den Vordergrund der Wahrnehmung schiebt. Die Figur hebt sich von dem Grund ab. Der Grund bildet den Kontext, in dem sich die Wahrnehmung abspielt. [Dinslage 1995 S.14]
Das Hauptthema der Gestaltpsychologie ist die Beziehung zwischen Figur und Grund und die Bedeutung von der Geschlossenheit oder der Spaltung einer Figur im Zusammenhang mit der aktuellen Situation, in der sich der Mensch befindet. Jede Gestalt drängt danach geschlossen zu werden, sei es indem unerledigte Dinge erledigt werden müssen, oder indem nicht bewältigte Probleme aufgearbeitet werden müssen. [Perls, Hefferline, Goodman 2000b S.20-21]
Fritz Perls integrierte die grundlegenden Prinzipien der Gestaltpsychologie in die Gestalttherapie und verwirklichte sie indem er die Ganzheitlichkeit von Körper-Seele-und Geist in seiner Umwelt postulierte. Perls betonte die Hauptthese der Gestaltpsychologie für seine therapeutische Arbeit: „Die Phänomene, die als geschlossene Einheit erscheinen, müssen in der Geschlossenheit respektiert werden und können nur um den Preis der Vernichtung dessen, was untersucht werden sollte, analytisch in Teile zerbrochen werden.“ [Perls, Hefferline, Goodman 2000b S.21]
Im Vergleich zwischen der Gestaltpsychologie und der Psychoanalyse kritisierte Fritz Perls, dass in der Psychoanalyse die Seele von der Körper-Geist Einheit abgespalten werde, um separat behandelt zu werden.
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2.2.3 Sigmund Freud und die Psychoanalyse
Fritz Perls war der Ansicht, dass Freuds Entwicklungen der Psychoanalyse äußerst wertvoll waren. Er experimentierte mit den psychoanalytischen Ansätzen Freuds und kam zu der übereinstimmenden Ansicht mit Sigmund Freud, dass hinter jedem neurotischen und psychotischen Verhalten ein Sinn stecke und das die Kindheitserfahrungen das Erwachsenenverhalten wesentlich beeinflussen. Dennoch kritisierte Fritz Perls die Philosophie der Psychoanalyse und ihre Methoden als veraltet. [Clarkson,Mackewn 1995 S.24]
Einen entscheidenden Beitrag zu dieser Ansicht lieferte die eigene Psychoanalyse Perls 1928, bei Eugen J. Harnik in Berlin. Harnik sagte über die gesamte Dauer der Analyse fast nichts. Fritz Perls war darüber schockiert. Er äußerte sich folgendermaßen dazu:
“Ich hatte einmal einen Analytiker, der wochenlang nicht den Mund aufmachte, um anzudeuten, dass die Sitzung beendet war, scharrte er einfach mit dem Fuß auf dem Boden“ [Clarkson,Mackewn 1995 S.25].
Perls kritisierte an dieser Form der Analyse die Ausblendung der menschlichen Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten, die er im Gegensatz dazu, in der Gestalttherapie als einen wesentlichen Beitrag und als die Voraussetzung für den Therapieerfolg betonte.
Die Fokussierung auf die Vergangenheit und die Zukunft als Hauptaugenmerk in der Psychoanalyse wurde von den Freudianern als Wunsch des Patienten interpretiert, der seine Vergangenheit ergründen will oder für die Zukunft vorsorgen möchte. Fritz Perls sah in dieser Form der Vergangenheitsbewältigung den Versuch, dass sich der Patient aus der Verantwortung stehle, in dem er Ursachen und Entschuldigungen für seine gegenwärtige Lage findet. Die Zukunft ergebe sich aus der Vergangenheit, „doch löst man gegenwärtig keine Probleme, wenn man zum Beispiel seinen Eltern Vorwürfe macht über die Art und Weise, wie sie einen erzogen haben.“ [Perls,Hefferline,Goodman 2000a S.57]
Die Psychoanalyse hat die Wiederkehr der unterdrückten Triebe in das Bewusstsein des Patienten gefördert. Die Gestalttherapie dagegen betont die Wiederkehr des Vorgangs der Unterdrückung und der damit verbundenen Gefühle. Perls wies in
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diesem Zusammenhang darauf hin, dass der reproflektierende Persönlichkeitsteil eines jeden Menschen der aktive Teil des Verdrängungsmechanismus sei der dem Gewahrsam leicht zugänglich ist und damit unmittelbar erlebt werden und gestalttherapeutisch bearbeitet werden kann. [Perls, Hefferline, Goodman 2000b S.59] In der Bedeutung von Träumen stimmte Fritz Perls mit der Freudschen Psycho-Analyse überein. Er arbeitete jedoch anders mit ihnen, indem er in Traum und Tagtraum unterschied und die Träume in Auszügen betrachtete.
Mit der Einbindung der Traumarbeit in sein Therapiekonzept entsprach Fritz Perls dem grundlegenden Prinzip des Holismus.
2.2.4 Karen Horney und der Holismus
Die eigene Psychoanalyse von Fritz Perls bei Karen Horney sollte auch der Gestalttherapie zu einer weiteren Entwicklung verhelfen. Die Psychoanalytikerin Karen Horney legte das Augenmerk ihrer Arbeit auf die Bedeutung des kulturellen und soziologischen Hintergrunds ihrer Patienten. Die zwischenmenschliche Beziehung in der Kindheit ihrer Patienten und die therapeutische Beziehung waren für sie ebenso von Interesse wie der Einfluss der Umwelt auf den Organismus ihrer Patienten. Die entscheidende Bedeutung im Ansatz von Horney hatte der Holismus. [Clarkson,Mackewn 1995 S.26]
Im Holismus wird die Natur als eine zusammenhängende Ganzheit gesehen, die aus kleineren Ganzheiten besteht. Alle Elemente des Universums koordinieren sich in einem ständig verändernden Prozess. Der Mensch ist dabei existenziell ein aktives Teilchen im komplexen ökologischem System des Kosmos. Die Ganzheit geht den Teilen voraus und das Ganze ist immer mehr und anders als seine Teile. Dieses holistische Konzept durchdringt die gesamte Gestalttherapie. Die Gestalt bedeutet eine Ganzheit, die nicht zerlegt werden kann, ohne sie zu zerstören. [Clarkson, Mackewn 1995 S.54-55]
Fritz Perls integrierte den holistischen Ansatz in die Gestalttherapie, und beschrieb den Menschen als eine untrennbare Einheit von körperlicher, geistiger und emotionaler Erfahrung, auf der die Integration von Sprache, Gedanken und Verhalten beruhe. Körper, Seele und Geist können somit nicht getrennt voneinander bestehen, sondern nur in einem gemeinsamen Prozess agieren.
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Der moderne Mensch hat gelernt Körper, Seele und Geist künstlich zu trennen. Ziel der Gestalttherapie ist es, die getrennten „Teile“ wieder zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Perls machte dazu folgende Aussage: „Wir sind wie wir heute sind - fragmentierte Menschen - Menschen, die in Stücke und Teile aufgespalten sind. Und es hat keinen Sinn, diese Stücke und Teile zu analysieren und sie noch weiter aufzuteilen. Was wir in der Gestalttherapie beabsichtigen, ist, all diese verstreuten und entfremdeten Teile des Selbst zu integrieren und die Personen wieder ganz zu machen.“ [Clarkson,Mackewn 1995 S. 55]
Der Mensch als Teil in seinem soziologischen Umfeld war neben Karen Horney und Fritz Perls auch für Paul Goodman von Interesse.
2.2.5 Paul Goodman und Martin Buber
Paul Goodman war Sozialphilosoph, Kritiker und Autor von Theaterstücken. Als Sozialphilosoph erforschte er den Anarchismus als Grundlage der menschlichen Gemeinschaft. Er vertrat die Ansicht, dass es für die Gemeinschaft von Vorteil sei, wenn jeder Einzelne seine eigene Lebensstruktur und seine eigenen Normen entwickelte. Die Regelung der menschlichen Gemeinschaft durch den Staat sah er damit als überflüssig an. Goodman stellte sich radikal gegen die etablierten Konventionen. In diesem Punkt beeinflussten sich Goodman und Perls gegenseitig. Sie stellten gesellschaftliche Normen öffentlich in Frage und missachteten sexuelle Konventionen. Über Paul Goodman bekam Fritz Perls Kontakt zu einer Gruppe von revolutionären Intellektuellen und Künstlern, die Martin Bubers „Konzept des Dialogs“ diskutierten, was Perls dazu anregte, sich ebenfalls damit zu beschäftigen. [Clarkson, Mackewn 1995 S.36]
Martin Buber vertrat die folgende anthropologische Grundannahme: “Im Anfang ist die Beziehung: als Kategorie des Wesens, als Bereitschaft, fassende Form, Seelenmodell; das Apriori der Beziehung, das eingeborene Du.“ [Staemmler 1993 S.24]
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Aus dieser Sichtweise ergibt sich die Konsequenz, dass der Mensch schon vor aller Erfahrung darauf ausgerichtet ist, mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Er verwirklicht sich in seiner Beziehung zu anderen Menschen. Das was den Einzelnen als Person ausmacht, kommt zur Entfaltung, indem dieser immer wieder mit anderen in Beziehung tritt. Das heißt, ich erfahre mich erst selbst in der Interaktion mit anderen. Martin Buber bezeichnete diesen Prozess mit den Worten: “Der Mensch wird am Du zum Ich.“ [Staemmler 1993 S.25]
Das Grundwort „ Ich - Du“ bedeutet nach Buber das Eingehen einer Beziehung. Fritz Perls übernahm diese Grundannahme Bubers als inhaltliches Konzept für die Beziehung zwischen dem Patienten und dem Therapeuten in die Gestalttherapie. Damit ein Patient sich selbst erfahren und sein kann, ist er existenziell auf einen Therapeuten angewiesen, der bereit ist sich uneingeschränkt auf diese Beziehung einzulassen. Diese Auffassung hatte für Perls den absoluten Vorrang in der Therapie und er betonte sie daher immer wieder:
“Ein Gestalttherapeut verwendet keine Techniken; er verwendet sich selbst in einer und für eine Situation mit den professionellen Fähigkeiten und mit seiner Lebenserfahrung, die er angesammelt und integriert hat.“ [Staemmler 1993 S.27]
Die Überlegenheit eines Therapeuten/einer Therapeutin darf nie zu einer Struktur in der therapeutischen Beziehung werden. Die Fähigkeit und die Kompetenz der TherapeutInnen eine „Ich - Du“ Beziehung einzugehen, ist in der Gestalttherapie das entscheidende Kriterium für die Qualität der Therapie. Diese therapeutische Haltung spiegelt sich in allen Techniken der Gestalttherapie wieder. In der Traumarbeit, im Gestalten und in der Körperarbeit.
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2.2.6 Jakob Levy Moreno und das Psychodrama
Der Begründer des Psychodramas, Dr. med. Jakob Levy Moreno wollte die Probleme seiner Patienten nicht nur in der künstlichen Situation seiner Praxis anhören, sondern ihnen am Ort des Konfliktes (Arbeitsplatz, Familie) begegnen. Moreno wollte die Lebenswelt seiner Patienten unmittelbar erfassen. Er ging vom Stegreifspiel aus und entwickelte über das Rollenspiel das Psychodrama. [Schwertfeger, Koch 1995 S.116]
Das Psychodrama hebt die Rollen hervor, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens spielt. Der Patient kann über diese Methode seine Lebensrollen erproben und sein bisher starres Rollenverhalten im Probehandeln verändern. Fritz Perls übernahm Elemente des Psychodramas in die Gestalttherapie um den Patienten bei seiner Suche nach zwischenmenschlicher Verständigung mit seinen Bezugspersonen zu unterstützen. [Staemmler 1995 S.114]
Insbesondere bei den öffentlichen Vorführungen von Gestalttherapie auf der Bühne nutzte Perls die Methodik des Psychodramas und entwickelte in diesem Kontext den „leeren Stuhl.“
2.2.7 Wilhelm Reich und die Körpertherapie
Fritz Perls machte die Bekanntschaft mit Wilhelm Reich als er auf der Suche nach einem eigenen Analytiker war. Perls beschrieb Reich: „als den ersten Mann dem ich trauen konnte.“ [Clarkson, Mackewn 1995 S.27]
Das Vertrauensverhältnis spiegelte sich in den langen Jahren der Zusammenarbeit wieder, in denen Perls von der Analyse sehr profitierte. Reich ging als Psychoanalytiker davon aus, dass sich die individuellen Charaktereigenschaften eines Menschen in seinem Körper manifestieren. Dadurch dass Körper und Seele identisch seien, ist die Psyche über die Körperhaltung, die Atmung und die Muskelspannung erkennbar. Reich bezeichnete dieses Phänomen als „Körperpanzer“, der den Menschen vor ursprünglichen Gefühlen und traumatisierenden Erfahrungen mit Hilfe von Verdrängungsmechanismen schützt.
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Unzufrieden mit der rein verbalen Analyse verfolgte Wilhelm Reich das Ziel, die über den „Körperpanzer“ gebundenen Gefühle mittels Atem- und Körperübungen zu lösen, um unverarbeitetes Leid oder unterdrückte Bedürfnisse aufzuarbeiten. [Schwertfeger, Koch 1995 S.128-129]
Reich war der Auffassung, dass die Menschen durch Bewegung ihre Gefühle äußern, mit der Umwelt in Kontakt treten und auf sie reagieren. Fritz Perls griff Reichs Wissen um die Körpersprache auf und arbeitete gestalttherapeutisch intensiv mit dem Körper. Immer wieder wies er seine Patienten an, auch ihrem Körper und ihren Bewegungen Aufmerksamkeit zu schenken. Die Aussagen über ihre Körperwahrnehmung nutzte Perls auch, um seine Patienten an ihre Gefühle heranzuführen. [Richter 1997 S.149]
2.2.8 Theoretische Fundierung der Gestalttherapie
Das erste Buch über Gestalttherapie mit dem Titel „Ego, Hunger und Aggression“ wurde von Perls, Hefferline und Goodman gemeinsam verfasst. Mit seiner Veröffentlichung 1947 war eine neue Therapie-Schule gegründet worden, deren Namen zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststand. [Clarkson, Mackewn 1995 S.38] 1951 erschien das zweite Buch mit dem Titel „Gestalt Therapy“ in New York. Damit wurde der Begriff „Gestalttherapie“ geprägt, mit dem sich Laura Perls zunächst nicht anfreunden konnte. Sie plädierte dafür, die neue Therapieform „Existenzielle Therapie“ zu nennen. Dieser Name wurde aber als missverständlich abgelehnt, da er nach der Meinung der anderen Gründungsmitglieder sehr eng mit der Philosophie Satres verknüpft war, die zu dieser Zeit als pessimistisch und nihilistisch angesehen wurde. Zunächst favorisierte Fritz Perls den Gedanken, seine neu entwickelte Therapie „Konzentrationstherapie“ zu nennen, um das „Hier und Jetzt“ in den Vordergrund zu rücken und somit die Abgrenzung zur Psychoanalyse zu betonen. Dieser Vorschlag wurde von den Gründungsmitgliedern mit dem Hinweis abgelehnt, dass der Namen zu sehr die Technik hervorhebe. [Gingers 1994 S.37]
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Zum Schluss setzte sich Fritz Perls mit dem Namen „Gestalttherapie“ und der Begründung durch, dass mit dem Begriff „Gestalt“ eine letzte Erfahrungseinheit beschrieben wird, die auf die Therapieform der Gestalttherapie am meisten zutreffe. [Staemmler, Bock 1987 S.45]
1952 gründeten Fritz und Laura Perls das „Gestalt-Institut“ in New York. Damit wurde die Gestalttherapie offizielle Therapieform.
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3 Definition und Wurzeln der Gestalttherapie
3.1 Definition
„Gestalttherapie heißt: in Kontakt mit dem Offensichtlichen sein. Die Gestalttherapie ist eine Philosophie, die in Harmonie sein will, die in Übereinstimmung mit allem sein will, mit der Medizin, mit den Naturwissenschaften, mit dem Universum, mit allem, was da ist. Die Gestalttherapie beruht auf einer eigenen Struktur, denn die Bildung von Gestalten, das Auftauchen von Bedürfnissen, ist ein primär biologisches Phänomen.“ [Perls 2002 S.25,S.62]
Fritz Perls betonte in seiner Aussage über die Gestalttherapie die Bedürfnisse des Einzelnen als ein biologisches Ereignis im Leben der Menschen, in dem der Organismus ganzheitlich als Körper-Geist- und Seeleeinheit eine zentrale Bedeutung hat. Die Gestalttherapie ist somit ein tiefenpsychologisches, fundiertes Verfahren, das durch Ganzheitlichkeit, Phänomenologie Gegenwartsbezug und Personenzentriertheit gekennzeichnet ist. [Müller-Commichau 2003 S.26-27]
In der Gestalttherapie wird die Bewusstheit (awareness) betont, in die der Mensch mit Körper-Seele- und Geist einbezogen ist. Dabei ist der Körper in Kontakt mit allen seinen Sinnen und die Sinne sind in Kontakt mit der Umwelt. Die daraus entstehende Wahrnehmung ist ein auf Bewusstheit gegründeter aktiver Prozess. Je wacher, bewusster und intensiver der Mensch ist, desto schärfer wird seine Wahrnehmung und umso deutlicher wird die Kommunikation mit sich selbst und seiner Umwelt. Eine klare Wahrnehmung ist jedoch nur in der Gegenwart, im „Hier und Jetzt“ möglich. Sie ist die Vorrausetzung für situationsgemäßes Handeln. [http//www.eidos.at/inhalt/artikel/gestalt.htm 07.05.2003] Das primäre Ziel der Gestalttherapie ist es, den Menschen in seiner Emotionalität, seiner Körperlichkeit und seinem Denken gleichermaßen zu erfassen, Blockaden zu lösen und nicht bewältigte Ereignisse im „Hier - und Jetzt“ zu be- und verarbeiten. In der Gestalttherapie:
„wird der Prozess des Wachstums gefördert und das menschliche Potential entfaltet. Die Lücken in der Persönlichkeit müssen ausgefüllt werden, was fehlt
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muss ergänzt werden, um den Menschen wieder ganz und vollständig zu machen.“ [Perls 2002 S.11]
Um dieses Ziel zu erreichen bedient sich die Gestalttherapie zahlreicher Methoden und Ansätze, die aus ihren geistesgeschichtlichen und erkenntnistheoretischen Wurzeln hervorgegangen sind. Zu ihnen gehören die Psychoanalyse, der Holismus, die Feldtheorie, der Existenzialismus, die Phänomenologie und die Gestaltpsychologie. [Müller-Commichau 2003 S. 27]
3.2 Die Wurzeln der Gestalttherapie
3.2.1 Die Psychoanalyse
Freuds orthodoxe Psychoanalyse hatte einen wesentlichen Einfluss auf die von Fritz Perls neu entwickelte Therapieform. Perls integrierte viele Beiträge Freuds in die Grundlagen der Gestalttherapie, kritisierte aber auch einige Ansätze und Methoden der Psychoanalyse. [Clarkson/Mackewn 1995 S.24]
So stellte er zahlreiche Grundannahmen der orthodoxen Freudschen Theorie, als auch ihre Methoden in Frage. Dazu gehörten unter anderem: Das Unbewusste, die Rolle der Verdrängung bei der Entstehung von Neurosen und die wohlwollende Neutralität im Verhalten der TherapeutInnen gegenüber den KlientInnen. [Gingers 1994 S.64-65] Das „Unbewusste“ war für Freud gekennzeichnet als verdrängte Gefühle, Eindrücke, die nie ins Bewusstsein gelangten und physiologische Empfindungen, die dem Bewusstsein nicht zugänglich sind. Im Gegensatz zur Psychoanalyse sprach Fritz Perls in der Gestalttherapie nicht vom „Unbewussten“ sondern von dem „im Augenblick“ nicht Bewussten.
„ Die Psychoanalyse hat die Wiederkehr dessen, was verdrängt wurde (d.h. des unterdrückten Triebes), ins Bewusstsein betont. Wir dagegen betonen die Wiederkehr des Unterdrückungsvorganges, des Gefühls, dass man es tut und wie man es tut. (...) Sich mit dem reproflektierenden Teil der Persönlichkeit zu befassen, dem bei der Verdrängung aktiven Teil, hat den Vorteil, dass dieser
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dem Gewahrsein relativ leicht zugänglich ist, unmittelbar erlebt und nicht in Deutungen erraten werden kann. [Perls,Hefferline,Goodman 2000a S.168]
Fritz Perls arbeitete in der Gestalttherapie durch Beobachtungen seiner KlientInnen. Dabei setzte er an den Oberflächenphänomen, an dem offensichtlichen Verhalten seiner KlientInnen an. [Gingers 1994 S.66] Die „Körper-Bewusstheit“ im „Hier und Jetzt“, Atmung, Haltung, Koordination, Kontinuität und Flüssigkeit der Bewegungen; mit Gesten, Gesichtsausdruck, Stimme und Sprache der KlientInnen wurden zum Gegenstand der bewussten Erfahrung. [Laura Perls 1989, S.97] Der Neurose maß Perls gegenüber Freud eine andere Bedeutung zu. Nach dem Verständnis der orthodoxen Psychoanalyse wurden Neurosen in erster Linie mental und durch die Verdrängung unterdrückter sexueller Erregungen ausgelöst. Für Perls hingegen entstanden Neurosen aus „unvollendeten Gestalten“, aus unterbrochenen oder unbefriedigten Bedürfnissen. [Gingers 1994 S.67] Die künstliche Trennung von Körper und Geist (die maßgeblich in der Psychoanalyse angewandt wurde) waren für Fritz Perls die Ursache für die Entstehung von Neurosen. Für ihn waren die Störungen nicht mental, sondern organismisch. Die Störungen der KlientInnen werden nach dem Verständnis der Gestalttherapie durch übermäßige Selbstkontrolle, Ängstlichkeit, und die Unfähigkeit, den Sinn des Lebens zu finden, hervorgerufen [Clarkson, Mackewn 1995 S.96]. Die Neurose ist daher in erster Linie ein Konflikt zwischen dem Organismus und seiner Umwelt, da die Kontaktaufnahme zwischen den beiden durch das Festhalten an alten Mustern, (z.B. bestimmte Tätigkeit ruft immer wieder Stress hervor) aus den oben genannten Gründen nicht möglich ist. Das Verhältnis zwischen den TherapeutInnen und den KlientInnen im therapeutischen Setting muss nach den Regeln der Gestalttherapie von einem „kontrollierten Sich-Einlassen von Mensch zu Mensch, das die Dinge in Bewegung bringt,“ gekennzeichnet sein. [Gingers 1994 S.67] Die Beschaffenheit und Intensität der therapeutischen Beziehung zwischen den TherapeutInnen und den KlientInnen ist eine entscheidende Dimension für die Therapie. [Staemmler 1993 S.27].
Im Gegensatz zur Psychoanalyse sind die TherapeutInnen aktiv in den Prozess der Gestalttherapie eingebunden, indem sie die KlientInnen durch ihre Methoden- und Ideenreichtum fördern und fordern. Nicht für ihn, (den Klienten) sondern gemeinsam mit ihm wird gehandelt. [Müller-Commichau 2003 S.43]
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Perls stellte die aktive Beobachtung der Verhaltensweisen seiner KlientInnen in den Mittelpunkt der Gestalttherapie. Die Körper-Bewusstheit: „Atmung, Haltung, Koordination, Kontinuität und Flüssigkeit der Bewegungen, Gesten, Gesichtausdruck, Stimme und Sprache“ wurden zum Arbeitsansatz für die Bewusstheit der KlientInnen. [Laura Perls 1989 S.95]
Der aktive Ansatz gilt auch für die Arbeit mit Träumen. Die Psychoanalyse zerlegt die Träume der KlientInnen in ihre Stücke und interpretiert sie frei nach den Assoziationen der KlientInnen. Fritz Perls entwickelte für die Gestalttherapie eine experimentelle Traumarbeit, in der die KlientInnen sich selbst mit den Teilen ihrer Träume identifizieren:
„In der Gestalttherapie deuten wir die Träume nicht. Wir tun etwas viel interessanteres damit. Anstatt den Traum zu analysieren und immer weiter zu zerlegen, wollen wir ihn wieder zum Leben erwecken. Und der Weg, auf dem er zum Leben zurückgebracht wird, ist, den Traum wieder zu leben, als ob er jetzt passierte. Anstatt den Traum zu erzählen, als wäre er eine Geschichte aus der Vergangenheit, musst du ihn so in der Gegenwart ausagieren, so, dass er ein Teil deiner selbst wird, so dass du wirklich darin aufgehst.“ [Perls 2002 S.76].
Auf Grund der dogmatischen Ansätze in der Psychoanalyse können sich die KlientInnen in der Regel nicht den als allgemeingültig angesehenen Theorien entziehen. In diesem Zusammenhang sprach Fritz Perls von: „Der Apathie der Freudianer, der Empathie der Rogianer und der Sympathie der Gestalttherapeuten.“ [Gingers 1994 S.70] In der Gestalttherapie bestimmt dagegen das „dialogische Prinzip“ wesentlich die TherapeutInnen-KlientInnen-Beziehung.
3.2.2 Das dialogische Prinzip
Martin Buber postulierte folgende anthropologische Grundannahme: „ Im Anfang ist die Beziehung: als Kategorie des Wesens, als Bereitschaft, fassende Form, Seelenmodell; das Apriori der Beziehung, das eingeborene Du.“ [Staemmler 1993 S.24].
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Arbeit zitieren:
Christine Thomas, 2004, "Es geht um lebendigen Kontakt" Grundlagen und Praxisbeispiele der Gestalttherapie und Gestaltarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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