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RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM
FAKULTÄT FÜR SOZIALWISSENSCHAFT
Benchmarking Think Tanks
Die Marktstrategien der SWP und des CAP im Vergleich
BACHELOR-ARBEIT
vorgelegt von
Daniel Florian
Bochum, September 2004
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
Vorgehensweise und Methodik ... 5
2. Think Tanks als Forschungsgegenstand ... 7
Ein Ort für neue Ideen ... 7
Think Tanks und ihre Umwelt ... 8
3. Von Akademikern zu Advokaten? Think Tanks im Wandel ... 10
Knappe Mittel auf dem Marktplatz der Ressourcen ... 10
Medialisierung und Konkurrenzdruck auf dem Marktplatz der Ideen ... 11
Think Tanks als politische Unternehmer? ... 12
4. Kurzprofile: Die SWP und das CAP unter der Lupe ... 13
Die Stiftung Wissenschaft und Politik (Berlin) ... 13
Das Centrum für angewandte Politikforschung (München) ... 14
5. Erschließung neuer Zielgruppen ... 16
Beratung von Regierung und Parlament: Die Zielgruppen der SWP ... 17
Differenzierte Zielgruppenerschließung beim CAP ... 18
6. „Häppchen für die Macht“: Produktpalette akademischer Think Tanks ... 20
Elitenzentriertes Produktportfolio bei der SWP ... 22
Plattform für Ideen: Netzwerkorientiertes Produktportfolio beim CAP ... 23
7. Benchmarkink Think Tanks: Wandlungsstrategien akademischer Think Tank ... 25
Der Diversifikationsgrad der SWP und des CAP im Vergleich ... 27
Marktfeldstrategie der SWP und des CAP ... 28
Weitere Professionalisierung des Managements ... 29
8. Zusammenfassung ... 31
9. Literaturverzeichnis ... 34
Fachliteratur ... 34
Webseiten, Quellen und Dokumente ... 36
1. Einleitung
„When a nation has produced Immanuel Kant and Georg Hegel, it seems safe to say that thinking deeply is among its strengths. But when it comes to reflections of a more practical nature, the German way of generating new ideas fails to reach the desired level of output.“1
Mit diesen Worten charakterisierte der Economist vor zwei Wochen die Think-Tank- Szene in Deutschland. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die gemeinnützigen, unabhängigen „Denkfabriken“2 aus dem Politikbetrieb nicht mehr wegzudenken sind, ist der Think-Tank-Markt in der Bundesrepublik nicht so pluralistisch.3 Es dominieren staatlich finanzierte, akademisch ausgerichtete Think Tanks, die sich hauptsächlich an die Politik und eine akademische Zielgruppe richten.4 „Reflections of a more practical nature“, wie es in obigen Zitat aus dem Economist heißt, sind zumeist nicht das Geschäft der deutschen Think Tanks.
Die akademischen Denkfabriken der Bundesrepublik befinden sich jedoch seit etwa einem Jahrzehnt in einem umfassenden Wandlungsprozess,5 der in dieser Arbeit am Beispiel der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP, Berlin) und des Centrums für angewandte Politikforschung (CAP, München) untersucht werden soll.
Ausgelöst durch die Medialisierung des politischen Systems und einer verstärkten Konkurrenz auf dem Markt für Politikberatung, so die These, öffnen sich auch die akademischen Think Tanks stärker gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit. Diese Öffnung zeigt sich etwa in neuen, der Zielgruppe angemessenen Produkten und in einem veränderten Selbstverständnis der Think Tanks als „politische Unternehmer“, die politische Ideen nicht nur entwickeln, sondern sich auch für deren Umsetzung einsetzen. Analog zu einer ähnliche Entwicklung in den USA seit den 1970er Jahren wird auch in Deutschland ein professionelles Management zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für einen erfolgreichen Think Tank. Welche Wandlungsstrategien akademische Think Tanks dabei verfolgen können, ist Thema dieser Arbeit.
Vorgehensweise und Methodik
Bevor meine These anhand der beiden Beispiele überprüft wird, fasst Kapitel 2 einleitend den gegenwärtigen Stand der Forschung über Think Tanks zusammen. Insbesondere spielt dabei das von James G. McGann und R. Kent Weaver entwickelte Konzept des „Markts des Ressourcen“ und des „Markts der Ideen“ eine Rolle.6 Das Verhältnis beider Märkte zueinander, so McGann und Weaver, sei entscheidend für die Strategieformulierung eines Think Tanks.
Kapitel 3 beschreibt die prägendsten Trends auf dem bundesrepublikanischen Think- Tank-Markt: Die knapper werdenden öffentlichen Mittel, die für Politikberatung zur Verfügung gestellt werden, die Medialisierung des politischen Systems und die Politisierung der Beratung.
In Kapitel 4 wird der Forschungsgegenstand dieser Arbeit, die Stiftung Wissenschaft und Politik und das Centrum für angewandte Politikforschung in aller Kürze charakterisiert. Obwohl beide Organisationen inhaltlich ein ähnliches Profil besitzen (Europapolitik, Außen- und Sicherheitspolitik) und auch eine ähnliche Arbeitsweise besitzen (beide sind dem Typ „Universitäten ohne Studenten“7 zuzuordnen), unterscheiden sie sich in wichtigen Punkten, etwa der Finanzierung und dem Selbstverständnis, erheblich voneinander, was auch auf der Strategieebene Konsequenzen nach sich zieht und sie zu idealen Vergleichsobjekten macht.
Kapitel 5 und 6 analysieren, wie die SWP und das CAP auf die strategischen Herausforderungen des sich wandelnden Think-Tank-Marktes reagieren. Da diese Arbeit untersucht, inwiefern sich akademische Think Tanks öffentlichkeitsorientierter zeigen, werden zwei Aspekte herausgenommen, nämlich die Erschließung neuer Zielgruppen und die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen speziell für die Medien.
Nachdem Kapitel 5-6 die strategische Positionierung von SWP und CAP herausgearbeitet haben, stellt Kapitel 7 verschiedene Strategien für die weitere Entwicklung akademischer Think Tanks im Allgemeinen und der SWP bzw. des CAP im Besonderen vor. Das Fazit in Kapitel 8 rundet die vorhergegangene Analyse ab und beantwortet die Frage, welche strategischen Möglichkeiten akademische Think Tanks in Deutschland vor dem Hintergrund eines stark veränderten Umfeldes haben.
Die Erhebung primärer Daten, die neben der aktuellen Forschungsliteratur über Think Tanks Grundlage der Arbeit sind, erwies sich als relativ schwierig, da viele Daten nicht verfügbar war (etwa die genaue Zahl der Medienbeiträge der Think Tanks) oder nicht veröffentlicht werden (etwa die Haushalte) und es keine öffentlich zugänglichen Jahresberichte gibt. Neben den Internetseiten der SWP und des CAP, die eine wichtige Informationsquelle waren, wurden vor allen Dingen Medienberichte über die beiden Organisationen gesammelt und ausgewertet. Für die SWP standen zudem öffentliche Quellen des Bundesfinanzministeriums und des Bundesrechnungshofes zur Verfügung. Die ursprünglich geplanten Experteninterviews mit Mitarbeitern der beiden Think Tanks konnten im Bearbeitungszeitraum der Arbeit leider nicht realisiert werden. Lediglich Michael Paul, Leiter des Forschungssekretariats der SWP, stand für ein kurzes Telefoninterview zur Verfügung; für das CAP ersetzte ein kurzer Fragebogen das Interview. Manche Details der Untersuchung müssen dennoch unvollständig bleiben.
2. Think Tanks als Forschungsgegenstand
In den letzten Jahren fanden Think Tanks eine zunehmend stärkere Beachtung in der Politikwissenschaft.
[...]
1 Economist: Pennies 2004.
2 Der Begriff „Denkfabrik“ wird kontrovers diskutiert (vgl. Gellner: Ideenagenturen 1995, S. 15-18); Gellner schlägt statt dessen den Begriff „Ideenagentur“ vor, da die Arbeitsweise eines Think Tanks eher der einer Agentur als der einer Fabrik ähnele. In dieser Arbeit wird jedoch ausschließlich der Begriff „Think Tank“ verwendet.
3 Vgl. Braml: Think Tanks 2004, S. 256.
4 Für einen Überblick über die wichtigsten deutschen Think Tanks siehe Gellner: Ideenagenturen 1995.
5 Vgl. Thunert: Think Tanks 2003.
6 McGann; Weaver: Think Tanks 2000, S. 13.
7 Vgl. Gellner: Ideenagenturen 1995, S. 34.
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