>>> Benchmarking Think Tanks ⋅ Inhalt
1. Einleitung 4
Vorgehensweise und Methodik 5
2. Think Tanks als Forschungsgegenstand 7
Ein Ort für neue Ideen 7
Think Tanks und ihre Umwelt 8
3. Von Akademikern zu Advokaten Think Tanks im Wandel 10
Knappe Mittel auf dem Marktplatz der Ressourcen 10
Medialisierung und Konkurrenzdruck auf dem Marktplatz der Ideen 11
Think Tanks als politische Unternehmer 12
4. Kurzprofile Die SWP und das CAP unter der Lupe 13
Die Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin 13
Das Centrum für angewandte Politikforschung München 14
5. Erschließung neuer Zielgruppen 16
Beratung von Regierung und Parlament Die Zielgruppen der SWP 17
Differenzierte Zielgruppenerschließung beim CAP 18
6. Häppchen für die Macht Produktpalette akademischer Think Tanks 20
Elitenzentriertes Produktportfolio bei der SWP 22
Plattform für Ideen Netzwerkorientiertes Produktportfolio beim CAP 23
7. Benchmarkink Think Tanks Wandlungsstrategien akademischer Think Tank 25
Der Diversifikationsgrad der SWP und des CAP im Vergleich 27
Marktfeldstrategie der SWP und des CAP 28
Weitere Professionalisierung des Managements 29
8. Zusammenfassung 31
9. Literaturverzeichnis 34
Fachliteratur 34
Webseiten, Quellen und Dokumente 36
2
>>> Benchmarking Think Tanks ⋅ Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
Tabellen- und NA
state/local media state local NA
national media national NA
corporate business NA
academic/scholary community academic scholary NA
interest group NGO NA
advocating specific NA
political party parties political NA
state legislatures governments state NA
federal/national legislature federal national NA
federal/national executive federal national NA
supra-national institutions organizations supra national NA
Abildung Zielgruppen deutscher akademischer non und advokatischer NA
Think Tanks id non Durchschnittswert ausgehend von 1
(überhaupt nicht wichtig nicht so wichtig wichtig sehr wichtig und 5
(am wichtigsten 17
Abbildung Produktportfolio deutscher akademischer non und advokatischer NA
Think Tanks non 21
Abbildung Marktfeldstrategien nach Igor Ansoff 25
3
>>> Benchmarking Think Tanks ⋅ Einleitung
1. Einleitung
„When a nation has produced Immanuel Kant and Georg Hegel, it seems safe to say that thinking deeply is among its strengths. But when it comes to reflections of a more practical nature, the German way of generating new ideas fails to reach the desired level of output.“ 1
Mit diesen Worten charakterisierte der Economist vor zwei Wochen die Think-Tank- Szene in Deutschland. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die gemeinnützi- gen, unabhängigen „Denkfabriken“ 2 aus dem Politikbetrieb nicht mehr wegzudenken sind, ist der Think-Tank-Markt in der Bundesrepublik nicht so pluralistisch. 3 Es domi- nieren staatlich finanzierte, akademisch ausgerichtete Think Tanks, die sich hauptsäch- lich an die Politik und eine akademische Zielgruppe richten. 4 „Reflections of a more practical nature“, wie es in obigen Zitat aus dem Economist heißt, sind zumeist nicht das Geschäft der deutschen Think Tanks.
Die akademischen Denkfabriken der Bundesrepublik befinden sich jedoch seit etwa einem Jahrzehnt in einem umfassenden Wandlungsprozess, 5 der in dieser Arbeit am Beispiel der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP, Berlin) und des Centrums für an- gewandte Politikforschung (CAP, München) untersucht werden soll.
Ausgelöst durch die Medialisierung des politischen Systems und einer verstärkten Kon- kurrenz auf dem Markt für Politikberatung, so die These, öffnen sich auch die akademi- schen Think Tanks stärker gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit. Diese Öff- nung zeigt sich etwa in neuen, der Zielgruppe angemessenen Produkten und in einem veränderten Selbstverständnis der Think Tanks als „politische Unternehmer“, die politi- sche Ideen nicht nur entwickeln, sondern sich auch für deren Umsetzung einsetzen. Analog zu einer ähnliche Entwicklung in den USA seit den 1970er Jahren wird auch in Deutschland ein professionelles Management zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für einen erfolgreichen Think Tank. Welche Wandlungsstrategien akademische Think Tanks dabei verfolgen können, ist Thema dieser Arbeit.
1 Economist: Pennies 2004.
2 Der Begriff „Denkfabrik“ wird kontrovers diskutiert (vgl. Gellner: Ideenagenturen 1995, S. 15-18); Gellner schlägt statt dessen den Begriff „Ideenagentur“ vor, da die Arbeitsweise eines Think Tanks e- her der einer Agentur als der einer Fabrik ähnele. In dieser Arbeit wird jedoch ausschließlich der Beg- riff „Think Tank“ verwendet.
3 Vgl. Braml: Think Tanks 2004, S. 256.
4 Für einen Überblick über die wichtigsten deutschen Think Tanks siehe Gellner: Ideenagenturen 1995. 5 Vgl. Thunert: Think Tanks 2003.
4
>>> Benchmarking Think Tanks ⋅ Einleitung Vorgehensweise und Methodik Bevor meine These anhand der beiden Beispiele überprüft wird, fasst Kapitel 2 einlei- tend den gegenwärtigen Stand der Forschung über Think Tanks zusammen. Insbesonde- re spielt dabei das von James G. McGann und R. Kent Weaver entwickelte Konzept des „Markts des Ressourcen“ und des „Markts der Ideen“ eine Rolle. 6 Das Verhältnis beider Märkte zueinander, so McGann und Weaver, sei entscheidend für die Strategieformulie- rung eines Think Tanks.
Kapitel 3 beschreibt die prägendsten Trends auf dem bundesrepublikanischen Think- Tank-Markt: Die knapper werdenden öffentlichen Mittel, die für Politikberatung zur Verfügung gestellt werden, die Medialisierung des politischen Systems und die Politi- sierung der Beratung.
In Kapitel 4 wird der Forschungsgegenstand dieser Arbeit, die Stiftung Wissenschaft und Politik und das Centrum für angewandte Politikforschung in aller Kürze charakteri- siert. Obwohl beide Organisationen inhaltlich ein ähnliches Profil besitzen (Europapoli- tik, Außen- und Sicherheitspolitik) und auch eine ähnliche Arbeitsweise besitzen (beide sind dem Typ „Universitäten ohne Studenten“ 7 zuzuordnen), unterscheiden sie sich in wichtigen Punkten, etwa der Finanzierung und dem Selbstverständnis, erheblich von- einander, was auch auf der Strategieebene Konsequenzen nach sich zieht und sie zu idealen Vergleichsobjekten macht.
Kapitel 5 und 6 analysieren, wie die SWP und das CAP auf die strategischen Herausfor- derungen des sich wandelnden Think-Tank-Marktes reagieren. Da diese Arbeit unter- sucht, inwiefern sich akademische Think Tanks öffentlichkeitsorientierter zeigen, wer- den zwei Aspekte herausgenommen, nämlich die Erschließung neuer Zielgruppen und die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen speziell für die Medien. Nachdem Kapitel 5-6 die strategische Positionierung von SWP und CAP herausgearbei- tet haben, stellt Kapitel 7 verschiedene Strategien für die weitere Entwicklung akademi- scher Think Tanks im Allgemeinen und der SWP bzw. des CAP im Besonderen vor. Das Fazit in Kapitel 8 rundet die vorhergegangene Analyse ab und beantwortet die Fra- ge, welche strategischen Möglichkeiten akademische Think Tanks in Deutschland vor dem Hintergrund eines stark veränderten Umfeldes haben.
Die Erhebung primärer Daten, die neben der aktuellen Forschungsliteratur über Think Tanks Grundlage der Arbeit sind, erwies sich als relativ schwierig, da viele Daten nicht
6 McGann; Weaver: Think Tanks 2000, S. 13.
7 Vgl. Gellner: Ideenagenturen 1995, S. 34.
5
>>> Benchmarking Think Tanks ⋅ Einleitung verfügbar war (etwa die genaue Zahl der Medienbeiträge der Think Tanks) oder nicht veröffentlicht werden (etwa die Haushalte) und es keine öffentlich zugänglichen Jahres- berichte gibt. Neben den Internetseiten der SWP und des CAP, die eine wichtige Infor- mationsquelle waren, wurden vor allen Dingen Medienberichte über die beiden Organi- sationen gesammelt und ausgewertet. Für die SWP standen zudem öffentliche Quellen des Bundesfinanzministeriums und des Bundesrechnungshofes zur Verfügung. Die ur- sprünglich geplanten Experteninterviews mit Mitarbeitern der beiden Think Tanks konnten im Bearbeitungszeitraum der Arbeit leider nicht realisiert werden. Lediglich Michael Paul, Leiter des Forschungssekretariats der SWP, stand für ein kurzes Telefon- interview zur Verfügung; für das CAP ersetzte ein kurzer Fragebogen das Interview. Manche Details der Untersuchung müssen dennoch unvollständig bleiben.
6
>>> Benchmarking Think Tanks ⋅ Think Tanks als Forschungsgegenstand
2. Think Tanks als Forschungsgegenstand
In den letzten Jahren fanden Think Tanks eine zunehmend stärkere Beachtung in der Politikwissenschaft. Insbesondere wurde häufig gefordert, ähnlich wie in den USA die Entstehung eines pluralistischen Think-Tank-Marktes in der Bundesrepublik zu fördern, um die Qualität der wissenschaftlichen Politikberatung zu erhöhen. 8 Auch in den Me- dien wurde dieser Ruf aufgegriffen und Think Tanks wurden zu einem beliebten Objekt journalistischer Betrachtung. 9
Ein Ort für neue Ideen
Da der Begriff „Think Tank“ mehr eine Selbstbeschreibung als eine objektive Klassifi- zierung eines bestimmten Organisationstyps ist, fällt eine abschließende Definition schwer. Angelehnt an die Definition von James McGann und R. Kent Weaver 10 sollen Think Tanks für diese Arbeit als nicht profit-orientierte, gemeinnützige Organisationen, verstanden werden, die auf der Basis unabhängiger Forschung 11 Einfluss auf den Pro- zess der Politikproduktion nehmen.
Dabei nehmen Think Tanks vor allen Dingen eine intermediäre und kommunikative Rolle ein, 12 aus der sich folgende Funktionen ergeben: 13
1. Die Produktion originärer wissenschaftlicher Daten oder die Synthese bereits abge-
schlossener Forschungsvorhaben mit dem Ziel, neue Informationen zu erhalten (In- formations- und Ideengewinnung), 2. die zielgruppengerechte Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse unter Politi-
kern, Wissenschaftlern und in der Öffentlichkeit (Agenda-setting-Funktion), 3. die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur für den Austausch zwischen Politikern,
der Verwaltung, Journalisten und Interessengruppen (Netzwerkfunktion), und 4. die Bereitstellung eines Pools von engagierten Experten für politische Ämter (Eli-
ten-Transfer und Rekrutierungsfunktion).
8 Vgl. Cassel: Politikberatung 2001; Gellner: Ideenagenturen 1995; Reinicke: Lotsendienste 1996. 9 Vgl. Pinzler: Macht 2001; Albers/Hollstein: Republik 2003 10 McGann; Weaver: Think Tanks 2000, S. 4-5.
11 Was Unabhängigkeit konkret bedeutet, ist von Land zu Land verschieden: In den Vereinigten Staaten bedeutet Unabhängigkeit vor allem Unabhängigkeit vom Staat; in Deutschland Unabhängigkeit vom privaten Sektor (vgl. Braml: Think Tanks 2004, S.147-150). Eine Minimaldefinition von Unabhängig- keit wäre m. E. die Möglichkeit, seine Forschungsagenda unabhängig von den Sponsoren zu bestim- men.
12 Braml: Think Tanks 2004, S. 54-55.
13 Vgl. Gellner: Politikberatung 1991, S. 137-138.
7
>>> Benchmarking Think Tanks ⋅ Think Tanks als Forschungsgegenstand Es ist dabei nicht notwendig, dass ein Think Tank alle genannten Funktionen wahr- nimmt. Insbesondere die letztere ist eine „typisch amerikanische“ Rolle für die es in Deutschland auch gar nicht die institutionellen Vorraussetzungen gibt.
Think Tanks und ihre Umwelt
Think Tanks agieren auf zwei verschiedenen Marktplätzen: Dem Marktplatz der Ideen und dem Marktplatz der Ressourcen. 14 Auf dem erstgenannten treten Think Tanks als Anbieter wissenschaftlicher Analysen oder politischer Kommentare auf, auf letzterem sind sie Nachfrager nach Kapital und anderen (materiellen) Ressourcen.
Aufgrund der größtenteils staatlichen Finanzierung der meisten Think Tanks in Deutschland überschneiden sich die beiden Märkte häufig: Die Nachfrager von wissen- schaftlicher Expertise – Ministerien, Abgeordnete und die Regierung – treten auf dem Marktplatz der Ressourcen gleichzeitig als Anbieter von Kapital auf. Dies führt, so das Ergebnis der empirischen Studie von Josef Braml, zu einem vor allen Dingen elite- zentrierten (d.h. sich an politische Entscheider richtenden) Output deutscher Think Tanks. In den USA hingegen, wo der Marktplatz der Ressourcen vor allen Dingen priva- tes Kapital anbietet, ist der Output von Think Tanks öffentlichkeitsorientierter und we- niger elitär, da dies die zukünftige Akquise von Kapitel erleichtert. 15 Als Antwort auf die Frage, warum Think Tanks in Deutschland bislang wenig in der Öffentlichkeit prä- sent waren, ist dies ein zentraler Punkt.
Von entscheidender Bedeutung bei der Analyse der Wettbewerbsstrategien von Think Tanks ist zudem die organisatorische Ausrichtung der Organisation. Grundsätzlich las- sen sich zwei verschiedene Typen unterscheiden: 16 „Universitäten ohne Studenten“ haben eine stark akademische Ausrichtung und verbreiten ihre Ideen zumeist in Form von Monographien bzw. Fachaufsätzen. Akade- mische Think Tanks nutzen zumeist direkte Einflusskanäle, um Politiker direkt zu bera- ten. Neben der Politik ist die Fachwelt die wichtigste Zielgruppe diesen Typs. Die Me- dien spielen hingegen keine besonders wichtige Rolle als Adressat. Sowohl die SWP als auch das CAP sind dieser Gruppe zuzurechnen.
„Advocacy tanks“ oder advokatische Think Tanks versuchen stärker als die „Univer- sitäten ohne Studenten“, Einfluss auf den politischen Prozess zu nehmen. Dabei vertre- ten sie eine bestimmte Ideologie und versuchen, ihre Ideen durch intensives Marketing
14 McGann/Weaver: Think Tanks 2000, S. 13.
15 Braml: Think Tanks 2004, S. 45.
16 Die hier genannten zwei Typen von Think Tanks basieren auf der allgemein gebräuchlichen (hier je- doch vereinfacht gebrauchten) Typologie (vgl. etwa McGann; Weaver: Think Tanks 2000, S. 6-9).
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Arbeit zitieren:
Daniel Florian, 2004, Benchmarking Think Tanks - Wandlungsstrategien akademischer Think Tanks im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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