Johann Wolfgang Goethe-Universität
Institut für Phonetik
Thema:
Sprachliche Kommunikation im Wahlkampf:
Phonetische Merkmale des politischen Diskurses
Abschlussarbeit
zur Erlangung
des
Magister Artium
im Fachbereich
Sprach- und Kulturwissenschaften
vorgelegt von
Arkadius Neumann
Einreichungsdatum: 27.09.2004
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
2 Sprache und Politik g ... 3
2.1 Sprache als Voraussetzung der Politik g ... 3
2.2 Wahlen g ... 3
2.3 Der Wahlkampf g ... 4
2.4 Kommunikation, Medien und Wahlkampf g ... 4
2.5 Instrumentarium des Wahlkampfes g ... 5
2.5.1 Anfänge g ... 5
2.5.2 Sprache g ... 5
2.5.3 Schrift g ... 7
2.5.4 Hörfunk g ... 8
2.5.5 Fernsehen g ... 9
2.5.6 Internet g ... 11
2.5.7 Fazit g ... 12
3 Wahlkampf 2002: Personalisierung und Fernsehkonzentrierung g ... 13
3.1 Zur Geschichte der TV-Duelle g ... 13
3.2 Vorläufer des Fernsehens g ... 14
3.3 TV-Duelle im US-amerikanischen Fernsehen g ... 14
3.4 TV-Duelle im deutschen Fernsehen vor der Wiedervereinigung g ... 15
3.5 TV-Duelle im deutschen Fernsehen nach der Wiedervereinigung g ... 16
3.6 TV-Duelle 2002 g ... 17
3.7 Mediale Darstellung der Politiker als Redner g ... 19
3.7.1 Mediale Darstellung Schröders g ... 19
3.7.1.1 Mediale Darstellung Schröders nach dem 1. TV-Duell g ... 20
3.7.1.2 Mediale Darstellung Schröders nach dem 2. TV-Duell g ... 20
3.7.2 Mediale Darstellung Stoibers g ... 21
3.7.2.1 Mediale Darstellung Stoibers nach dem 1. TV-Duell g ... 21
3.7.2.2 Mediale Darstellung Stoibers nach dem 2. TV-Duell g ... 22
4 Theoretische Grundlagen g ... 23
4.1 Verzögerungsphänomene g ... 23
4.1.1 Pausen g ... 23
4.1.1.1 Definition g ... 23
4.1.1.2 Phonetischer Aufbau g ... 24
4.1.1.3 Funktionen g ... 25
4.1.1.4 Pausenlänge g ... 31
4.1.2 Häsitationen g ... 32
4.1.2.1 Definition g ... 32
4.1.2.2 Problematik der Abgrenzung: Pausen vs. Häsitationen g ... 33
4.1.2.3 Phonetischer Aufbau g ... 34
4.1.2.4 Funktionen g ... 35
4.2 Sprechtempo g ... 37
4.2.1 Definition g ... 37
4.2.2 Funktionen g ... 38
4.3 Silbe g ... 40
4.3.1 Definitiong ... 40
4.3.2 Aufbau und phonologische Merkmale g ... 41
4.3.3 Silbenabgrenzung g ... 42
4.4 Akzent g ... 43
4.4.1 Wortakzent g ... 44
4.4.2 Satzakzent g ... 45
4.4.3 Phonologische Eigenschaften g ... 47
4.5 Flüssigkeit der Sprache g ... 49
4.6 Grundfrequenz g ... 50
4.6.1 Definition g ... 50
4.6.2 Anatomisch-phonetische Voraussetzungen g ... 50
5 Durchführung g ... 52
5.1 Vor- und Aufbereitung der Sprachproben g ... 52
5.2 Untersuchung der Pausen g ... 52
5.3 Untersuchung der Flüssigkeit der Sprache g ... 53
5.4 Untersuchung der Häsitationen g ... 53
5.5 Untersuchung der Sprechgeschwindigkeit g ... 53
5.5.1 Untersuchung der mittleren Sprechgeschwindigkeit pro Sequenz g ... 53
5.5.2 Untersuchung des Sprechgeschwindigkeitsverlaufs g ... 53
5.5.3 Untersuchung der Sprechgeschwindigkeitsbeschleunigung g ... 54
5.6 Untersuchung der Grundfrequenz g ... 54
5.6.1 Untersuchung der mittleren Grundfrequenz pro Sprachsequenz g ... 54
5.6.2 Untersuchung des Grundfrequenzverlaufs g ... 54
5.6.3 Untersuchung der Grundfrequenzschwankung g ... 55
5.7 Akzentuntersuchung g ... 55
5.7.1 Wortakzentuntersuchung g ... 55
5.7.2 Untersuchung des Satz- bzw. Phrasenakzents g ... 56
6 Auswertung der Ergebnisse und Diskussion g ... 57
6.1 Pausen g ... 57
6.1.1 Pausen von Schröder g ... 57
6.1.2 Pausen von Stoiber g ... 58
6.1.3 Zusammenfassung der Pausenuntersuchung g ... 59
6.2 Häsitationen g ... 60
6.2.1 Häsitationen von Schröder g ... 60
6.2.2 Häsitationen von Stoiber g ... 61
6.2.3 Zusammenfassung der Häsitationsuntersuchung g ... 62
6.3 Sprechtempog ... 63
6.3.1 Sprechtempo von Schröder g ... 63
6.3.2 Sprechtempo von Stoiber g ... 70
6.3.3 Zusammenfassung der Sprechtempountersuchung g ... 79
6.3.3.1 Zusammenfassung der Sprechtempountersuchung Schröders g ... 79
6.3.3.2 Zusammenfassung der Sprechtempountersuchung Stoibers g ... 80
6.4 Grundfrequenz g ... 81
6.4.1 Grundfrequenz von Schröder g ... 81
6.4.2 Grundfrequenz von Stoiber g ... 86
6.4.3 Zusammenfassung der Grundfrequenzuntersuchung g ... 93
6.4.3.1 Zusammenfassung der Grundfrequenzuntersuchung Schröders g ... 93
6.4.3.2 Zusammenfassung der Grundfrequenzuntersuchung Stoibers g ... 93
6.5 Wortakzent g ... 94
6.5.1 Wortakzent von Schröder g ... 94
6.5.1.1 Wortakzent in Funktionswörtern von Schröder g ... 94
6.5.1.2 Wortakzent in lexikalischen Wörtern von Schröder g ... 95
6.5.2 Wortakzent von Stoiber g ... 96
6.5.2.1 Wortakzent in Funktionswörtern von Stoiber g ... 96
6.5.2.2 Wortakzent in lexikalischen Wörtern von Stoiber g ... 97
6.5.3 Zusammenfassung der Wortakzentuntersuchung g ... 98
6.6 Satzakzent g ... 99
6.6.1 Satzakzent von Schröder g ... 99
6.6.2 Satzakzent von Stoiber g ... 101
6.6.3 Zusammenfassung der Satzakzentuntersuchung g ... 102
7 Schlussbetrachtung g ... 104
8 Quellenangaben ... 106
8.1 Monographien, Sammelbände und Fachzeitschriften ... 106
8.2 Tages- und Wochenpresse ... 117
8.3 Internet ... 118
1 Einleitung
„Das Verständnis an der Sprache
ist nicht das Wort selber,
sondern der Ton, Stärke, Modulation, Tempo,
mit denen eine Reihe von Wörtern
gesprochen wird – kurz,
die Musik hinter den Worten,
die Leidenschaft hinter der Musik,
die Person hinter der Leidenschaft.
Alles das also,
was nicht geschrieben werden kann.“
Friedrich Nietzsche
Die vorliegende Arbeit hat die Untersuchung phonetischer Merkmale zum Ziel, die während einer Fernsehauseinandersetzung zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber im Bundestagswahlkampf 2002 aufgetreten sind. Die Beweggründe für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik resultieren aus dem Interesse des Verfassers, die häufig vernachlässigten Berührungspunkte zwischen den Disziplinen Phonetik und Politikwissenschaft zu beleuchten und verständlich zu machen. Die natur- und geisteswissenschaftlichen Methoden der Phonetik eignen sich in hervorragender Weise dazu, um Untersuchungsfelder anderer, scheinbar mit der Phonetik unvereinbaren universitären Fachrichtungen zu verknüpfen und ihre Forschungstechniken dadurch zu unterstützen. Neben den traditionellen akademischen Fächern Politologie, Soziologie und Psychologie sollen auch neue Disziplinen wie Medienwissenschaften, Kommunikationspsychologie sowie Kommunikations- und Politikmanagement an dieser Stelle erwähnt werden. So stellt die vorliegende Untersuchung zwar einen weiteren Beitrag zur Analyse sprachlicher politischer Kommunikation dar, der sich aber durch die Auswahl der Untersuchungsinstrumente von dem Gros anderer wissenschaftlicher Abhandlungen unterscheidet. Der auf der lautsprachlichen Komponente des Informationsaustausches gesetzte Schwerpunkt ist zudem insofern bewusst gewählt worden, als dass bisher kaum phonetische Arbeiten zu dieser Thematik vorliegen. Existierende Untersuchungen aus anderen Disziplinen weisen naturgemäß abweichende Schwerpunkte und Sichtweisen auf, wodurch die Forschungsergebnisse mit den in dieser Arbeit nicht unmittelbar vergleichbar sind. Dementsprechend ist die vorliegende Untersuchung auch als eine Ergänzung bisheriger Bemühungen um eine wissenschaftliche Erklärung sprachlicher Eigenschaften in politischen Diskursen zu betrachten.
Im ersten Abschnitt der Arbeit wird zunächst die Bedeutung der Sprache, vor allem der „gesprochenen Sprache“ für die Politik und für den Wahlkampf erläutert. Dabei werden Bezüge zum Fundus der alten und modernen Rhetorik hergestellt, um die Relevanz der Phonetik aufzuzeigen.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit den Medien und ihrer Darstellungsweise von politischen Akteuren. Es wird eine kurze historische Übersicht zur Entwicklung der Fernsehdebatten vorgestellt, der eine Betrachtung der beiden im Jahr 2002 stattfindenden TV-Duelle folgt. Ergänzt wird sie durch eine Zusammenfassung ausgewählter Berichte aus den Printmedien, in denen die sprachlich-rhetorischen Fähigkeiten Schröders und Stoibers bewertet wurden.
Im darauf folgenden Abschnitt werden die wissenschaftlich-theoretischen Grundsätze der Untersuchungsgegenstände erläutert.
Die Auswertung und Diskussion setzt sich mit den Untersuchungsergebnissen und ihrer Interpretation auseinander.
Zum Schluss erfolgen ein resümierender Vergleich der Ergebnisse Schröders und Stoibers und eine Gegenüberstellung mit der medialen Darstellung/Bewertung des sprachlichen Potentials beider Politiker.
2 Sprache und Politik
2.1 Sprache als Voraussetzung der Politik
Der Sprache, vor allem aber dem Sprechen, kommt in der Politik eine elementare Bedeutung zu (KIRCHNER 2000: 60). Das politische Handeln wird nach GRÜNERT (1974: 1) durch Sprache vorbereitet, verursacht, von Sprache begleitet, beeinflusst, gesteuert, organisiert, durch Sprache beschrieben, erläutert, gerechtfertigt, beurteilt, verantwortet, kontrolliert und kritisiert. Insofern wird Politik durch Sprache begründet.
Die Bedeutung des Gesprochenen wird verständlicher, wenn man das politische Geschehen anhand seiner elementaren, nahezu immer währenden Bestandteile konkretisiert:
Interessen von Personen oder Gruppen müssen bekundet, also artikuliert werden; politische Versammlungen bedürfen einer organisierten Form, denn Zeit und Ort des Treffens müssen vereinbart werden; ein politischer Kompromiss setzt eine Diskussion, eine Besprechung voraus; der Einigung müssen die Beteiligten zustimmen oder sie ablehnen (KIRCHNER 2000: 59f).
Soll Politik praktizierbar sein, muss ein Forum existieren, das einen repräsentativen und legitimen Rahmen darstellt und in dem nach einem geordneten Verfahren diskutiert wird. Dieses Forum wird in demokratischen Strukturen von einem Parlament verkörpert. Der Begriff „Parlament“, der aus dem Mittellateinischen stammt, bedeutet bezeichnenderweise so viel wie Gespräch (WAGENKNECHT 1995: 67).
[...]
Arbeit zitieren:
Arkadius Neumann, 2004, Sprachliche Kommunikation im Wahlkampf: Phonetische Merkmale des politischen Diskurses, München, GRIN Verlag GmbH
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