Vorwort
Den Anstoß zur vorliegenden Arbeit erhielt ich im Rahmen eines Austauschprojektes der Fachhochschule Eberswalde, Fachbereich IFEM (International Forest Ecosystem Management), mit der Universität von Tirana, Fachbereich Forstwirtschaft im Jahre 2001. Durch diese Kooperation wurde es mir ermöglicht, ein Semester lang in Albanien 1 verschiedene Landnutzungen und deren Auswirkungen auf die Natur zu studieren. Gleichzeitig konnte ich mich mit der albanischen Gesellschaft und Kultur intensiv beschäftigen. Letzteres war überaus wichtig für das Gelingen dieser Arbeit. Es half mir sehr bei meinen Befragungen, bei der fast durchweg schwierigen Informationsbeschaffung und bei den Kontaktaufnahmen zu den albanischen Experten.
Das Thema selbst ergab sich als Essenz meiner Interessensschwerpunkte innerhalb des Studiums: Konzepte zur Nachhaltige Landnutzung/ ökologische Landwirtschaft, EU und Osteuropa, sowie Entwicklungszusammenarbeit. Während zu Beginn der Arbeit, Mitte 2002, fast keine Publikationen zum Thema erhältlich waren und somit Basisrecherchen notwendig waren, verbesserte sich diese Situation im Laufe der Zeit, so dass mittlerweile jüngere Literatur in die Arbeit einbezogen werden konnte. Dadurch wurden es allerdings teilweise nötig, eigene Ergebnisse der zeitaufwendigen Recherche in Albanien, durch nun publizierte Literaturangaben zu ersetzen, was die Beendigung der Arbeit verzögerte.
Danksagung
Danken möchte ich an dieser Stelle Herrn Prof. Dr. Piorr, Fachhochschule Eberswalde, der die Erstbetreuung der Arbeit übernahm, und ihr jederzeit aufgeschlossen gegenüberstand und mit wertvollen Hinweisen zum Gelingen beitrug. Ebenfalls danken möchte ich Herrn Dr. Lohmann, GTZ Eschborn, für sein Beispiel von gelungener Entwicklungszusammenarbeit, welches er mir durch seine langjährige Aufbauarbeit in Albanien gegeben hat. Nicht vergessen möchte ich bei diesem Dank die Würdigung seines Einsatzes für mein Projekt bei der GTZ (Länderressort Albanien), wodurch ich Unterstützung seitens dieser Organisation erfuhr.
Mein besonderer Dank gilt Ylli Kortoςi, der als Begleiter und Übersetzer während der Befragung in den Regionen, mir und der Arbeit einen großen Dienst erwiesen hat. An dieser Stelle möchte ich auch den Herrn Shkexhenit und Gutxhim Kortoςi für die Beherbergung und Begleitung im Norden Albaniens danken, ohne diese die Recherche in diesem abgelegenen Teil des Landes nicht hätte stattfinden können.
1 Bis dato hatte ich alle Staaten Osteuropas im letzten Jahrzehnt bereist, mit Ausnahme Albaniens.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Problemstellung und Zielsetzung 2
3 Ausgangssituation 4
3.1 Lage, Bevölkerung und Geographie 4
3.2 Klima und Vegetation 8
3.3 Geologie und Böden 10
3.4 Politische und Ökonomische Entwicklung bis 2003 12
3.5 Landwirtschaft Albaniens 15
3.5.1 Historische Entwicklung der landwirtschaftlichen Nutzung bis 1990 15
3.5.2 Entwicklung der Landwirtschaft nach 1990 18
3.5.3 Ernährungssituation 21
3.5.4 Landwirtschaftliche Produktion und Erträge 22
3.5.5 Durchschnittliche Produktpreise 26
3.5.6 Fachkräfte, Vermarktung, Betriebsausstattung, Bewässerung, Mineraldünger und chemischer
Pflanzenschutz 27
3.5.7 Schlaggrößen, Pacht und Kauf von Ackerland 31
3.5.8 Exporte / Importe 32
3.6 Situation in den ländlichen Gebieten 36
3.7 Lebensmittelverarbeitende Industrie 37
3.8 Artenvielfalt und Umweltprobleme 38
3.9 Landwirtschafts- und Umweltpolitik 41
3.10 Internationale Zusammenarbeit 43
4 Methodik 45
5 Ergebnisse 51
5.1 Ergebnisse der Betriebserhebungen 51
5.1.1 Region I - Tropoja / Bergland (Nordalbanien) 51
5.1.2 Modellrechnungen Region I 53
5.1.3 Region II - Tirana / Hügelland (Mittelalbanien) 56
5.1.4 Modellrechnungen Region II 58
5.1.5 Region III - Korça / Hochebene (Südostalbanien) 61
5.1.6 Modellrechnungen Region III 63
5.1.7 Region IV - Fier / Küstenebene (Südwestalbanien) 66
5.1.8 Modellrechnungen Region IV 68
5.1.9 Bodenuntersuchungen 71
5.1.10 Vergleich weiterer Betriebsmerkmale 71
5.1.11 Stand der Bauern in der Gesellschaft 73
5.1.12 Vergleich der Wirtschaftsweise der befragten Höfe, mit ausgewählten Anforderungen der EU
Richtlinie 2092 /91 an einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb 74
5.2 Gegenwärtige Situation der Landwirtschaft 77
5.2.1 Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Saatgutimport, Gentechnik 77
5.2.2 Bewässerung 81
5.2.3 Lebensmittelverarbeitende Industrie 82
5.2.4 Auswirkungen der gesellschaftlichen Veränderungen auf die Agrarumwelt 85
5.3 Ökologischer Landbau - Situation und Entwicklungsperspektive 87
5.3.1 Recherche beim Verband für Ökologische Landwirtschaft Albaniens (OAA) und beim
Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL /Schweiz) 87
5.3.2 Recherche beim albanischen Ökohof „Aris Frucht“ 89
6 Diskussion 91
6.1 Betriebsbefragungen 91
6.1.1 Sozioökonomische Untersuchungen 91
6.1.2 Landwirtschaftliche Nutzflächen, Produktionsspektrum und Marktbeziehungen 92
6.1.3 Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln 94
6.1.4 Einsatz von organischen Düngemitteln 96
6.1.5 Bodenuntersuchungen 96
6.1.6 Vergleich weiterer Betriebsmerkmale 97
6.1.7 Stand der Bauern in der Gesellschaft 98
6.1.8 Modellrechnungen 98
6.1.9 Vergleich der Wirtschaftsweise der befragten Höfe, mit ausgewählten Anforderungen der EWG
Richtlinie 2092 /91 an einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb 99
6.2 Gegenwärtige Situation der Landwirtschaft 100
6.2.1 Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Saatgutimport 100
6.2.2 Bewässerung 101
6.2.3 Lebensmittelverarbeitende Industrie 103
6.2.4 Auswirkungen der gesellschaftlichen Veränderungen auf die Agrarumwelt 104
6.2.5 Gesamtsituation der Albanischen Landwirtschaft 105
6.3 Entwicklungsperspektiven durch den Ökologischen Landbau 109
6.4 Fazit und Ausblick 113
7 Zusammenfassung/ Summary 116
8 Literaturverzeichnis 120
9 Glossar 128
10 Anhang 130
-MIO-ECSDE - Mediterranean Information Office for Environment, Culture and
-Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
-
-
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Bodentypen und ihr Anteil an der Landesfläche Albaniens 10
Tab. 2: Gehalt von Humus und Makronährstoffe in den untersuchten Ackerböden Albaniens 11
Tab. 3: Haupteinkommensquelle (HEQ) und Armut in Albanien 12
Tab. 4: Wirtschaftliche Kenndaten Albaniens 13
Tab. 5: Landbesitzverteilung im Jahr 1945 16
Tab. 6: Strukturveränderungen auf dem Land von 1950 bis 1990 16
Tab. 7: Veränderung der Landnutzung von 1950 zu 1989 17
Tab. 8: Landnutzungsänderungen in Albanien, 2001 zu 1989 20
Tab. 9: Kultur, Anzahl der Bäume, Erträge 2001, Erträge 1989, Anzahl der anbauenden Betriebe, Export & Import 23 Tab. 10: Kultur, deren Fläche, Erträge 2001 und 1989, Anzahl der anbauenden Betriebe, Export und Import 24
Tab. 11: Tierart, Anzahl der Tiere 2001 und 1989, Erzeugnisse (Erzg.) 2001, Anzahl der haltenden Betriebe (HB), Export und Import 25
Tab. 12: Marktpreise albanischer und importierter landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Jahr 2003, im Vergleich mit den deutschen Ø Marktpreisen 2002 26
Tab. 13: Ex- und Import Albaniens im Jahr 2001 32
Tab. 14: Export Albaniens im Jahr 1989 im Vergleich zu 2000 33
Tab. 15: Ernährungswirtschaftliche Exporte von Albanien nach Deutschland; Januar - Oktober 2003 34
Tab. 16: Ernährungswirtschaftliche Importe Albaniens aus Deutschland; Januar - Oktober 2003 35
Tab. 17: Erzeugnisse und Mengen der lebensmittelverarbeitenden Industrie 37
Tab. 18: Anteile der verschiedenen Landnutzungen am Verlust von Biodiversität in Albanien 38
Tab. 19: Gefährdungseinteilung der Vogelarten nach der Roten Liste Albaniens 1998 und im Jahr 2000 38
Tab. 20: Themenpunkte und Vorhaben der albanischen Umweltpolitik in Zusammenhang mit der Landwirtschaft 42
Tab. 21: Stickstoffentzug der Kulturarten 49
Tab. 22: Sozioökonomische Verhältnisse der Betriebe in der Region I 52
Tab. 23: Fruchtfolgen der Betriebe, Region I 52
Tab. 24: Mineralische Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Region I 52
Tab. 25: Einsatz organischer Düngemittel, Region I 52
Tab. 26: Modellrechnung, Region I/ Betrieb 1 53
Tab. 27: Modellrechnung, Region I/ Betrieb 2 54
Tab. 28: Modellrechnung, Region I/ Betrieb 3 55
Tab. 29: Sozioökonomische Verhältnisse der Betriebe in der Region II 56
Tab. 30: Fruchtfolgen der Betriebe, Region II 56
Tab. 31: Mineralische Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Region II 57
Tab. 32: Einsatz organischer Düngemittel, Region II 57
Tab. 33: Modellrechnung, Region II/ Betrieb 1
Tab. 34: Modellrechnung, Region II/ Betrieb 2 Tab. 35: Modellrechnung, Region II/ Betrieb 3 Tab. 36: Sozioökonomische Verhältnisse der Betriebe in der Region III 61
Tab. 37: Fruchtfolgen der Betriebe, Region III 61
Tab. 38: Mineralische Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Region III 62
Tab. 39: Einsatz organischer Düngemittel, Region III 62
Tab. 40: Modellrechnung, Region III/ Betrieb 1
Tab. 41: Modellrechnung, Region III/ Betrieb 2 Tab. 42: Modellrechnung, Region III/ Betrieb 3 Tab. 43: Sozioökonomische Verhältnisse der Betriebe in der Region IV 66
Tab. 44: Fruchtfolgen der Betriebe, Region IV 67
Tab. 45: Mineralische Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Region IV 67
Tab. 46: Einsatz organischer Düngemittel, Region IV 67
Tab. 47: Modellrechnung, Region IV/ Betrieb 1
Tab. 48: Modellrechnung, Region IV/ Betrieb 2 Tab. 49: Modellrechnung, Region IV/ Betrieb 3 Tab. 50: Vergleich der Regionen nach Kornerträgen von Mais (dt/ha), 72
Tab. 51: Vergleich der Regionen nach Kleegras Erträgen (dt/ha) (Trockenmasse) 72
Tab. 52: Vergleich der Regionen nach Ausgaben für den Zukauf mineralischen Dünger und von PSM 72
Tab. 53: Vergleich der Regionen nach Großvieheinheit (GVE)/ha Betriebsfläche 72
Tab. 54: Reifezeitpunkt albanischer Kulturarten, unterteilt nach den Regionen 72
Tab. 55: Vergleich der Wirtschaftsweise der befragten Betriebe, mit ausgewählten Anforderungen an ökologisch wirtschaftende Betriebe nach EWG Richtlinie 2092/91 74
Tab. 56: Import von Saatgut, chemischen Dünge- und PSM, sowie deren Verkauf im Jahr 2000 77
Tab. 57: Endverbraucherpreise (LEK) für Düngemittel und Saatgut im Jahr 2000 77
Tab. 58: Liste angewendeter PSM in Albanien mit Einzelhandelspreisen (EHP) im Jahr 2002; Teil 1 78
Tab. 59: Liste angewendeter Pflanzenschutzmittel (PSM) in Albanien mit Einzelhandelspreisen (EHP) im Jahr 2002; Teil 2 79
Tab. 60: In Albanien verkaufte, in der EU nicht mehr zugelassene bzw. ablaufende Zulassung besitzende Pflanzenschutzmittel 80
Tab. 61: Vergleich der Ergebnisse einiger Flusswasseranalysen, mit Grenzwerten der Trinkwasserverordnung (TVO) Deutschlands 81
Tab. 62: Wurstherstellung aus importierter Ware im Jahr 2002 83
Tab. 63: Anbauspektrum der OAA Mitgliedsfarmen 2002/03 87
Tab. 64: Albanische ökologische Erzeugnisse mit Preisen, im Vergleich mit den ortsüblichen Ø Verkaufspreisen 87
Tab. 65: Export von Ökoprodukten im Jahr 2002 89
Tab. 66: Produktionsdaten des Ökobetriebes / Jahr 89
Tab. 67: Bodenparameter Ökobetrieb 90
Tab. 68: Ökobetrieb, jährlicher organischer Düngemitteleinsatz 90
Tab. 69: Stickstoffsaldo der untersuchten Betriebe & Berücksichtigung eines 20 %-igen N-Verlustes an die Umwelt 98 Tab. 70: Die Topografie der albanischen Ackerflächen, geordnet nach Distrikten 137
Tab. 71: Eigenschaften der US- Boden Klassifikation 138
Tab. 72: Schwermetallkonzentrationen in belasteten Böden Albaniens und Vergleichswerte für Kulturböden 138
Tab. 73: Gehalt an Schwermetallen (SM) in Pflanzen, in SM belasteten Gebieten Albaniens 138
Tab. 74: Zolltarife Albaniens (%) für Agrarerzeugnisse 143
Tab. 75: Korngrößenanalyse und Bodenartbestimmung der befragten Betriebe 143
Tab. 76: Bodenparameter, Region I 144
Tab. 77: Bodenparameter, Region II 144
Tab. 78: Bodenparameter, Region III 144
Tab. 79: Bodenparameter, Region IV 144
Tab. 80: Durchschnittlichen Erträge der albanischen Tierhaltung 145
Tab. 81: Höchstzulässige Anzahl von Tieren pro ha Betriebsfläche, nach EU Richtlinie 2092/91 145
Tab. 82: Angewendete Pflanzenschutzmittel in Albanien (überprüfte vollständige Liste) 146
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Landwirtschaftliche Zonierung Albaniens 6
Abb. 2: Temperatur/ Niederschlagsdiagramme der 4 untersuchten Regionen 9
Abb. 3: Übersichtskarte zu den Untersuchungen 50 Abb. 4: Logo des OAA 88
Abb. 5: Maßnahmen für die weitere Einführung der ökologischen Landwirtschaft in Albanien 114
Bildverzeichnis
Titelbild 1: Von Übernutzung betroffenes Gebiet in der Hügelzone Albaniens 1
Titelbld 2: Beratung von umstellungswilligen Bauern durch den ökologischen Anbauverband Albaniens (OAA) 1
Bild 3: Albanische Agrarlandschaft um 1984 18
Bild 4: Terrassierung von Hügellandflächen um 1984 18
Bild 5: Maschineneinsatz um 1984 18
Bild 6: Intensive Rinderhaltung um 1984 18
Bild 7: Parzellierte Landschaft als Ergebnis der Landreform von 1991 19 Bild 8: Moderner Traktor 28 Bild 9: Alter Traktor 28
Bild 10: Feldbestellung mit Pferdepflug 28
Bild 11: Staubecken 29
Bild 12: Hauptkanal für die Bewässerung 29
Bild 13: Nicht mehr funktionstüchtiger Bewässerungskanal 29
Bild 14: Albanien auf der Grüne Woche 2003 32
Bild 15 Nordalbanisches Rind der Rasse Buscha im Größenvergleich 73
Bild 16: Waldweide von Ziegen 73
Bild 17: Weidegang auf abgeernteten Feldern 73
Bild 18: Albanische s/w Landrasse 73
Bild 19: Düngemittelgroßhändler in Fush Kruja 77
Bild 20: Albanisch beschriftetes PSM 78
Bild 21: Steppenbildung durch unangepasste Bewässerung 82
Bild 22: Kleine Schlachterei 82
Bild 23: Moderner Verarbeitungsbetrieb Albaniens (OLIM) 82
Bild 24: Kleinteilige Landschaft mit Buschreihen und ungenutzten Begrenzungsstreifen 86
Bild 25: Luftbild Zersiedlung 86
Bild 26: Zersiedlung der Landschaft 86
Bild 27: Extensive Feldbewirtschaftung 86
Bild 28: Extensive Wiesennutzung 86
Bild 29: Erosion von Weidefläche im Hügelland 86
Bild 30: Maisfeld mit Ackerwildkräutern 86
Bild 31: Sommerweiden in Nordalbanien 86 Bild 32: Bioladen in Tirana 88
Bild 33: Marktstand von OAA Mitgliedern 88
Bild 34: Ölpumpe auf genutztem Ackerland 102
1 Einleitung
Nachdem die albanische Landwirtschaft rund 46 Jahre als Kollektivlandwirtschaft, fast ohne internationalen Markt und dessen Arbeitsteilung gewirtschaftet hat, ist die heutige Situation völlig umgekehrt. Die landwirtschaftliche Ackerfläche (ca. 452.000 ha) wurde privatisiert, die Kollektive aufgelöst und im Zuge dessen entstanden ca. 467.000 Familienfarmen mit durchschnittlich 1,3 ha Nutzfläche, die meist Subsistenzwirtschaft betreiben. Die Produktivität dieser Landwirtschaft reicht nicht aus, um die Bedürfnisse des einheimischen Marktes zu decken. Die Versorgungslücke schließen Lebensmittel aus dem Ausland, hergestellt in hocheffizienten, teilweise subventionierten, industrialisierten und deshalb billiger produzierenden Landwirtschaften (INSTAT, 2002). Die einheimischen Bauern stehen heute der internationalen Konkurrenz (Albanien ist WTO Mitglied) direkt gegenüber.
Die Art der Produkterzeugung durch die meisten albanischen Bauern (extensive Produktion, kaum Einsatz von synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, wenig Beigabe von Zusatzstoffen bei der Verarbeitung, Tier- und Pflanzenproduktion zumeist in einem Betrieb, geringer Maschineneinsatz / energiesparende Produktion, meist geschlossene Stoffkreisläufe, überwiegend artgerechte Tierhaltung), die sich im derzeitigen Licht von Konkurrenzfähigkeit auf internationalen und nationalen Märkten als nachteilig erweist, könnte sich möglicherweise eignen als hervorragende Vorraussetzung für die Entwicklung des ökologischen Landbaus im Sinne der EWG Richtlinie 2092/91.
Doch warum gerade der ökologische Landbau als Perspektive, wo doch die albanischen Bauern gegenwärtig nur sehr wenig produzieren und ökologischer Landbau nach Erfahrungswerten oft mit Ertragseinbußen einhergeht? Dazu PRIEBE (1991): „Während Biobauern im industrialisierten Norden bewusst niedrigere Erträge in Kauf nehmen, versuchen ihre Kollegen in den Entwicklungsländern mit ökologisch vertretbaren Methoden sogar höhere Ernten zu erzielen.“ Neben diesen möglichen ökonomischen Verbesserungen für die Bauern stellt der Ökolandbau, nach Meinung des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNLV/NRW, www. 2004): „...die umweltfreundlichste und nachhaltigste Form der Landwirtschaft dar. Der Ökolandbau trägt aktiv dazu bei, Ökosysteme und die Artenvielfalt zu erhalten, den Boden zu schützen, das Wasser rein zu halten und die Klimabelastungen durch die Landwirtschaft zu senken“. Gerade an der nachhaltigen Weitergabe der genutzten agraren Ressourcen besteht größtes Interesse in Albanien, da Ackerboden dort stark an Familien gekoppelt ist und die Alten ihren Nachfahren die Felder zur weiteren Nutzung überlassen. Durch die ökologische Landbewirtschaftung kann, nach dieser Aussage des MUNLV/NRW, sichergestellt werden, dass in Albanien Boden, Wasser und Artenvielfalt nachhaltig weitergereicht werden und die Chancen der kommenden Generationen gewahrt bleiben. Die Frage nach der Befriedigung der jetzigen und ggf. der zukünftigen Bedürfnisse der Bauern durch Einkommen aus der ökologischen Landwirtschaft kann durch diese Arbeit nur am Rand geklärt werden. In diesem Zusammenhang müssen betriebswirtschaftliche Rechnungen vorgenommen werden, für welche die Arbeit erste Grunddaten liefert. Hauptanliegen der vorliegenden Diplomarbeit ist demgegenüber vielmehr die Klärung der Frage, ob die albanischen Familienfarmen überhaupt in der Lage sind, unter den bei ihnen gegebenen Bedingungen ökologisch zu wirtschaften und dadurch die Bodenfruchtbarkeit ihrer Felder zu erhalten. Die Arbeit folgt der Definierung des Begriffs „Ökologische Landwirtschaft“ durch die EWG Richtlinie 2092/91 (vgl. Glossar). Neben der Beantwortung dieser Frage soll die Arbeit auch einen vollständigen Überblick zur Situation der albanischen Landwirtschaft liefern.
1
2 Problemstellung und Zielsetzung
Aufgrund der geringeren Erträge, der nicht zur Verfügung stehenden Investitionsmittel, der fehlenden Informations- bzw. Beratungsmöglichkeit vieler Neubauern und des niedrigen Inputs an Produktionsfaktoren ist die albanische Landwirtschaft lange nicht so konkurrenzfähig, wie bspw. die der EU Nachbarländer Italien oder Griechenland (UN/ECE, 2002). Als weiteres Problem kommt hinzu, dass die meisten albanischen Bauern es bisher gewohnt waren und teilweise auch gezwungen sind, fast alle Produkte für die eigene Ernährung auf ihren Flächen anzubauen, ohne Bezug zum Marktgeschehen (BEKA, 2003). Der Weg zu einer ertragreicheren und Einkommen sichernden Landwirtschaft wird in der Spezialisierung, der Mechanisierung und Intensivierung der Produktion gesehen (ANNUAL REPORT, 2002). Dies würde u.a. einen verstärkten mineralischen Düngemittel- und chemischen Pflanzenschutzmitteleinsatz, eine intensivere Bewässerung, eine gesteigerte Verarbeitung der einheimischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse und mit Sicherheit eine sich verändernde Agrarumwelt bedeuten. Über all dem spiegelt sich in den Zielen des albanischen Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (MOAF, 1998) der Wunsch nach einer nachhaltigen Landwirtschaft wieder.
Die vorliegende Arbeit untersucht in diesem Zusammenhang, inwieweit die ökologische Landwirtschaft, welche als nachhaltigste Landbewirtschaftungsform bekannt ist (KÜNAST, 2002), in Albanien eingeführt ist. Des weiteren wird durch einen Vergleich bestimmt, wie übereinstimmend das Verhältnis des Wirtschaftens normaler albanischer Familienfarmen, zu Arbeitsvorschriften aus der EWG Richtlinie 2092/91 ist. Als letztes wird nachgewiesen, ob die albanischen Kleinbetriebe überhaupt in der Lage sind, unter den bei ihnen herrschenden Verhältnissen, vollständig ökologisch zu wirtschaften. Wichtigstes Kriterium hierfür ist der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Aus dem Arbeitsansatz ergeben sich folgende zwei Themenschwerpunkte. Der erste Teil steht unter der Fragestellung, wie intensiv derzeit die albanische Landwirtschaft betrieben wird. Dazu werden folgende Fragen untersucht:
• Geht die albanische lebensmittelverarbeitende Industrie Kooperationen mit der einheimischen Landwirtschaft ein?
• Wie hoch ist der mineralische Dünge- und chemische Pflanzenschutzmitteleinsatz derzeit und wie ist die weitere Entwicklung zu beurteilen?
• Welche Pflanzenschutzmittel werden eingesetzt ? Sind diese im Hinblick auf den Export EU-weit zugelassen?
• Ist das Oberflächenwasser für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen geeignet?
• Wie sind die Auswirkungen des bisherigen gesellschaftlichen Wandels auf die Agrarumwelt einzuschätzen?
Der zweite Teil widmet sich der ökologischen Landwirtschaft und untersucht folgende Fragen:
• Wie ähnlich ist das Wirtschaften normaler albanischer Familienfarmen den Vorschriften der EWG Richtlinie 2092/91?
• Sind die untersuchten landwirtschaftlichen Familienfarmen in der Lage ihre Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, wenn sie auf Basis der EU Richtlinie zum ökologischen Landbau wirtschaften würden?
• Wie gestaltet sich die Situation der verbandsorientierten ökologischen Landwirtschaft in Albanien und wieweit hat sich die Verbandsarbeit des ökologischen Anbauverbandes (OAA) an die örtlichen Gegebenheiten angepasst?
2
Zielsetzung
Das Ziel dieser Arbeit ist es, Perspektiven für die albanische Landwirtschaft durch den ökologischen Landbau aufzuzeigen. Es gilt nachzuweisen, ob eine kleinteilige, niedrigproduktive Landwirtschaft wie die albanische, in der Lage wäre, auf Basis der EWG Richtlinie 2092/91 zu wirtschaften. Darüber hinaus soll aufgezeigt werden, welche Ausgangssituation in Albanien vorliegt und wie intensiv die Bewirtschaftung derzeit erfolgt. Aus den Erkenntnssen der Arbeit sollen sich Schlussfolgerungen für die weitere Einführung der ökologischen Landwirtschaft in Albanien ableiten lassen.
Die Arbeit soll so aufgebaut sein, dass Interessenten aus dem Agrarbereich über die Landwirtschaft Albaniens informiert werden und diese Erkenntnisse für ihre Arbeit anwenden können. Hierzu zählen beispielsweise ökologische Anbauverbände, die nach internationalen Partnern suchen, Entwicklungshilfe-organisationen, die ein nachhaltiges Wirtschaftssystem in Albanien fördern wollen, Handelsfirmen - die sich über den albanischen Markt informieren wollen, Hersteller von landwirtschaftlichen Kleinmaschinen, Saatguthersteller und Lebensmittelverarbeiter auf der Suche nach neuen Kooperationen, oder Vertreter der Tourismusbranche - die Aussagen über die Art der Landnutzung benötigen.
3
3 Ausgangssituation
3.1 Lage, Bevölkerung und Geographie
Die Republik Albanien liegt im südöstlichen Teil Europas zwischen 39°38‘ und 42°39‘ Nördlicher Breite, sowie zwischen 19°16‘ und 21°40‘ Östlicher Länge. Sie bedeckt eine Fläche von 28.748 km² (AGOLLI, 2000) und ist damit etwas kleiner als das Bundesland Brandenburg 2 . Davon sind 1.350 km² Wasserfläche und dementsprechend 27.398 km² Festlandsfläche. Im Norden grenzt die Teilrepublik Montenegro der Republik Serbien und Montenegro an Albanien, im Nordosten die unter Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen stehende serbische Provinz Kosovo, im Osten die Republik Mazedonien und im Südosten und Süden die Republik Griechenland. Die westliche Grenze bilden das Ionische Meer und die Adria. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Landes beträgt ca. 340 km. Die durchschnittliche Ost-West-Ausdehnung erreicht 148 km (NEZHA et al., 2003).
In Albanien leben derzeit 3.07 Mio. Einwohner (INSTAT, 2002; AUSWÄRTIGES AMT, www. 2003), von denen über 95% Albaner sind. Die anderen Bewohner gehören zu drei anerkannten nationalen Minderheiten (3% Griechen, dazu slawische Mazedonier und Montenegriner), sowie zu den zwei kulturellen Minderheiten (Walachen und Roma), (KOMMISSION DER EG, 2003). Weiterhin leben auf dem gesamten Balkan noch einmal mehr als 2,1 Mio. ethnische Albaner (TROEBST, 1998). Die Bevölkerungsdichte sank nach der neusten Zählung im Jahr 2001 von 113 Ew./km² 1993 (SCHMIDT-NEKE et al., 1993) auf 107 Ew./km² 3 ab (INSTAT, 2003). Seit 1990 emigrierten 15 % der Bevölkerung (UNDP, 2002 B) oder geschätzte 650.000 Personen, davon 67% gut ausgebildete Fachkräfte (UN RESIDENT COORDINATOR, 2001) in andere Länder. Nach UNDP Angaben (2002 B) liegt das Bevölkerungswachstum bei 0,88 % im Jahr 4 und ist damit das höchste auf dem Balkan. Im Jahr 2050 rechnet die DT. STIFTUNG WELTBEVÖLKERUNG (www. 2002) für Albanien, entgegen des europäischen Trends, mit einer größeren Zunahme der Einwohnerzahl, auf dann 3,6 Millionen. Die Lebenserwartung von Frauen beträgt 76,4 und die von Männern 71,7 Jahre (UNDP, 2002 B). Rund 53 % der Einwohner leben auf dem Land (INSTAT, 2002) und ungefähr 58 % der Bevölkerung siedeln heute im Küstenflachland, welches gleichzeitig die besten landwirtschaftlichen Nutzflächen bietet (WORLBANK, www. 2003).
Fast ¾ der Fläche Albaniens liegt zwischen 200 und 2.700 m über dem Meeresspiegel, mit einer durchschnittlichen Höhe von 708 m ü. NN. (INSTAT, 2002; vgl. Abb. 1). Das Land besteht zu 25% aus schmalen Ebenen, zu 47% aus mittlerem Bergland und zu 28% aus Gebirgen (UNDP, 2002 B ). Die Bergketten ziehen sich im Osten von Nord nach Süd und erreichen Höhen von 2.000 m bis 2.700 m ü. NN. Sie sind Teil des dinarisch - hellenischen Faltengebirges. Aufgrund ihrer Tektonik (vgl. Kap. 3.3) gilt als eine der hauptsächlichen Naturgefahren (UNDP, 2002 A) die Möglichkeit eines Erdbebens. Als eine weitere Gefahr werden Überschwemmungen angesehen, welche vor allem im Flachland Westalbaniens große Schäden anrichten können 5 .
2 Die Fläche des Bundeslandes Brandenburg beträgt 29.476 km² (LAND BRANDENBURG, www. 2003)
3 Die Bevölkerungsdichte der BRD beträgt 231 Ew./ km², die des Bundeslandes Brandenburgs 88 Ew./km²
4 Das Bevölkerungswachstum der BRD beträgt derzeit - 0,1 % im Jahr - Beide Angaben in: DT. STIFTUNG WELTBEVÖLKERUNG, www. 2003
5 Ende September 2002 wurden im Norden des Landes ca. 26.000 Hektar Ackerland und 7.500 Häuser überflutet,
2.000 Familien mussten evakuiert werden. (DER STANDARD, 2002)
4
Zu Albanien gehören Teile der wichtigsten Seen Südosteuropas. So der größte See des Balkans, der Shkodra-See, mit einer Ausdehnung von 391 km². Der tiefste See der Balkanhalbinsel, der Ohrid-See (348 km², bis 295 m tief) an der Grenze zu Mazedonien gelegen und der mit 853 m über dem Meeresspiegel sehr hoch gelegene Prespasee (274 km²). Das Flussnetz setzt sich zusammen aus ca. 152 kleineren Flüsse, die in 8 große münden. Diese Hauptflüsse, Buna, Drini, Mati, Ishmi, Erzeni, Shkumbini, Semanit und Vjosës, verlaufen von Südosten nach Nordwesten (ÇULLAJ et al., 2003). Die wichtigste Stadt ist die Hauptstadt Tirana, mit ca. 700.000 Einwohnern, gefolgt von den Städten Durrës mit 400.000 Ew., Shkodër mit 81.000 Ew. und Vlora mit 72.000 UNDP (2002 B).
Albanien ist von GJONGECAJ et al. (1997) mit Hinblick auf die Landwirtschaft in zehn Zonen unterteilt worden. Diese Gliederung berücksichtigt die Boden- und Klimabedingungen, die Vegetation (vgl. Kap. 3.2), sowie zusätzlich den landwirtschaftlichen Anbau. Erweitert wurden diese Aussagen um die Erkenntnisse von ZAVALANI (1938), LIENAU (1993) und des OST-WEST INSTITUTES (www. 2003). In der Abb. 1 sind diese Zonen dargestellt.
A) Die Küstenniederung und die sie einschließenden Hügel (472.982 ha)
Diese Zone an der adriatischen Küste besteht aus einer 5 bis 60 km breiten, von flachen Hügelketten unterbrochenen Schwemmlandebene mit geschützten Buchten, die durch Aufschüttungsaktivität der von Ost nach West abfließenden Flüsse entstanden sind. Der Übergang zum Bergland im Osten ist meist schroff, nur im Süden steigt die Niederung allmählich zum Küstengebirge hin an. Die Höhe ü. NN staffelt sich von 0 m - 600 m. Die Neigungen betragen in den Ebenen 0 - 7 % und in den Hügelflächen 10 - 30 %. Teilweise liegen in den Ebenen Flächen unterhalb des Meeresspiegels. In dieser Zone befinden sich viele ehemalige Sümpfe und Moore, die in den 1970-er und 1980-er Jahren trockengelegt wurden (ALBANIAN OBSERVER, 2001) und die dann intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden. Angebaut werden hier hauptsächlich Getreide, Gemüse, Futterpflanzen, Bohnen, Baumwolle, Tabak, Soja und Sonnenblumen. In den Hügelflächen bilden Olivenbäume, Weinstöcke und Obstbäume (Feigen, Kirschen, Pflaumen) die Hauptkulturen. Die Vegetation wird durch typische Mittelmeergehölze gebildet. Es ist die wichtigste landwirtschaftliche Zone des Landes und mit der Zone B das Hauptsiedlungsgebiet Albaniens. Dieses Einheit deckt sich mit der Untersuchungsregion IV (Region IV).
B) Nördliches Küstenflachland mit umgebenden Hügelflächen (214.702 ha)
Die Eigenschaften dieser Zone sind ähnlich denen der Zone A. Die Hügel haben eine Höhe von 200 - 650 m ü. NN, mit Neigungen von 3 - 40 %. Die Hauptkulturen sind: Getreide, Sonnenblumen, Gemüse, Futterpflanzen, Wein, Oliven- und Obstbäume. Auch in dieser Zone wird hauptsächlich Landwirtschaft betrieben.
C) Berge und Täler des Südwestens (109.285 ha)
Diese Zone umfasst den südwestlichen Teil Albaniens, welcher von Vlora bis Saranda reicht. Sie setzt sich aus schroffen Hügeln und aus Bergen in deren Nordteil zusammen. In ihrem Südteil wird sie aus Tälern und Ebenen mit tiefgründigen und fruchtbaren Böden gebildet. Die Höhe der Hügel und der Berge liegt zwischen 600 m und 2.045 m ü. NN. Die Bergspitzen werden von Kiefernwäldern bedeckt, während die tiefer gelegenen Flächen fast kahl sind. Es gibt eine intensive Landwirtschaft in den Tälern mit Anbau von Getreide, Gemüse und Futterpflanzen. Ein Teil der Hügel wird, neben Olivenbäumen, durch Pflanz-
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Futterpflanzen kultiviert. Die Hangflächen werden bevorzugt für den Obst-, Oliven- und Weinanbau genutzt. In den höher gelegenen Regionen dehnen sich Wälder aus, welche von Eichen dominiert werden. Diese Einheit deckt sich mit der Untersuchungsregion II (Region II).
F) Täler des Südens und die sie begrenzenden Berge (36.473 ha)
Sie umfasst die Täler der Flüsse Vjosës und Drino, welche auf Höhen von 300 - 400 m ü. NN liegen. Diese werden von den Gebirgen Nemeçke, Lunxheri und Mali i Gjere mit Höhen zwischen 1.800 m und 2.485 m eingeschlossen. Die wichtigsten Kulturen sind dort Getreide, Mais, Gemüse und Futterpflanzen. Die Mehrzahl der Berge ist kahl.
G) Berge des Südens (355.469 ha)
Diese gebirgige Zone beinhaltet die Regionen von Librazhd, Gramsh, Pogradec, Kolonjë bis zu den Bergen westlich und südlich der Korçë Ebene. Die Höhen verlaufen stufenförmig zwischen 1.600 und 2.300 m ü NN. Wälder aus Buchen, Kiefern und Tannen herrschen hier vor. In den Tälern ist die Landwirtschaft begrenzt auf den Anbau von Weizen, Roggen und Hafer. Weiterhin gibt es Obstbaumpflanzungen. Wichtigster landwirtschaftlicher Bereich ist hier die Schaf- und Ziegenhaltung.
H) Hügel und Gebirgen des Nordens (593.108 ha)
Sie umfasst die Distrikte von Mat, Mirditë, Pukë, Malësi e Madhe und ein Teil von Shkodër. Es sind ähnliche Bedingungen wie in Zone I, nur sind die Flächen insgesamt mehr geneigt und in hohem Maße natürlich bewaldet mit Kiefern und Tannen. Die Landwirtschaft ist dort weniger entwickelt. Man kultiviert dort besonders Getreide, Mais, Bohnen, Gemüse und Obstbäume.
I) Berge und Täler des Nordens (191.606 ha)
Diese Zone befindet sich im nordöstlichen Teil des Landes, an der Grenze zu Mazedonien. Sie wird gebildet durch die Bergketten von Korab und Gjallica und begrenzt durch das Tal des schwarzen Drini Flusses im Westen. Die Höhen der Tallandschaften bewegen sich zwischen 400 m und 600 m ü. NN. Die Berge erreichen bis zu 2.751 m Höhe (höchster Berg Albaniens: Korabi). Die hohen Berge sind im Allgemeinen kahl. Die Flächen unterhalb der Spitzen werden oft als Sommerweiden genutzt, während in den Tälern Getreide, Mais, Bohnen und Futterpflanzen kultiviert werden. Die Hügel sind mit Apfel- und Pflaumenbäumen mit hoher Produktivität bepflanzt.
J) Alpen im Norden Albaniens (11.874 ha)
Sie setzen sich aus Hochgebirgen zusammen und erstrecken sich an der Grenze zum Kosovo und zu Montenegro. Sie sind geprägt durch schroffe Kalkwände und verschiedene Karstformen, haben Hochebenen und tief eingeschnittene Täler. Die Berge erreichen Höhen zwischen 1.600 m und fast 2.700 m ü. NN (Der höchste Berg ist mit 2.693 m der Jezerca). Das Gebiet wird im Süden von dem Fluss Drini begrenzt, in dessen Bogen sich die Stadt Shkodër befindet. Meist bedecken Kiefern- und Tannenwälder die Flächen. Die Alpenweiden, die im Sommer genutzt werden, sind bedeutsam für die Viehwirtschaft. Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist begrenzt. Hauptsächlich findet man hier Obstbäume (Apfel-, Pflaumenbäume) sowie andere Nutzgehölze wie Hasel- und Walnusssträucher und Esskastanien. Dieses Einheit deckt sich mit der Untersuchungsregion I (Region I).
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3.2 Klima und Vegetation
Klima
Nach HÄCKEL (1990) fällt das Land in die gemäßigte Klimazone, die durch warme, trockene Sommer und milde, niederschlagsreiche Winter geprägt ist. NEZHA et al. (2003) spricht von feuchtem, subtropischem Klima. Durch die abwechslungsreiche Gliederung des Landes ergeben sich vielfältige Klimadifferenzierungen von West nach Ost und von Süd nach Nord. Im Süden und Westen herrscht das mediterrane Klima vor, währenddessen es in Richtung Norden und Osten in submediterrane und kontinentale Ausprägung übergeht. Das bewirkt nicht nur niedrigere Temperaturmittelwerte (über 14°C in den östlichen Tiefländern bis unterhalb von 6°C in den Nordhochländern), länger Frostperioden und größere Temperaturamplituden, sondern auch die Zunahme der Schneetage von West (5) nach Ost (21) und Schneehöhen bis zu 150 cm in den Bergen des Ostens (LIENAU, 1993). Die Klimaausprägung in den, in großer Anzahl vorhandenen Tälern ist abhängig von der geografischen Ausrichtung ihrer Zugänge (ZAVALANI, 1938).
In den Küstengebieten sind die Sommer mit Durchschnittstemperaturen von 26°C heiß und trocken, mit gelegentlichen starken Gewittern. Die Winter sind feucht und mild mit Durchschnittstemperaturen von 11,8° C im Dezember. Die südlichen Küstengebiete weisen kaum Winterfröste auf. Ähnliche Bedingungen herrschen in den Hügel- und Bergflächen bis 800m ü. NN, nur sind die durchschnittlichen Temperaturen hier um 3 - 4 ° C niedriger und es treten von Süd nach Nord gehend mehr Niederschläge auf. Die Berggebiete über 800m ü. NN sind charakterisiert von stärkeren Sommerniederschlägen und kälteren Wintern, mit viel Schnee (INSTITUTE OF HYDROMETEOROLOGY, 1988 in ZDRULI, 1997). Die durchschnittlichen Jahresniederschläge betragen 1.485 mm, an der Küste 1.000 mm und in den Bergen ggf. bis 3.000 mm (WORLDBANK, 2003). Die Niederschläge sind nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt. Ungefähr 40 % treten im Winter, 32 % im Frühjahr, 17 % im Herbst und nur 11 % im Sommer auf. Die Regenschauer sind oft kurz, schwer und innerhalb weniger Minuten sind an der Oberfläche Ströme von Wasser entstanden, die stark erodierende Wirkungen haben (ÇULLAJ, 2003). Die trockensten Monate (Juli und August) haben durchschnittlich 32 Millimeter Niederschlag. Der niederschlagsreichste Monat ist November mit 211 Millimeter (AGROWEB, www. 2003). Die Sonnenscheindauer beträgt 2.772 Sunden (h) in Vlora, 2.731h in Saranda , 2.560h in Tirana, 2.433 in Korça, in Peshkopia 2.246h und in Kukës 2.046h pro Jahr (NEZHA et al., 2003).
Durch die hohen Niederschlagswerte und die mediterranen Bedingungen, mit hoher Sonnenscheindauer und hohen Temperaturdurchschnittswerten, ist das Klima als sehr günstig für die Landwirtschaft zu beurteilen (ZDRULI, 1997). Dies trifft vor allem auf das Küstenflachland zu. In Abb. 2 sind die Thermo-Pluviometrischen Diagramme für die 4 Untersuchungsregionen aufgeführt. Aufgrund von hohen Temperaturen und niedrigen Niederschlägen herrschen in den Untersuchungsregionen, ausgenommen der Region I, von Juli bis August aride Verhältnisse vor. In der Küstenebene um Fier dauert diese Periode sogar von Ende Mai bis Ende August. Unter den herrschenden klimatischen Bedingungen im Küstenflachland, ist mit Bewässerung eine zwei- oder dreimalige Ernte von Gemüse pro Jahr möglich (UN/ECE, 2002).
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Abb. 2: Temperatur/Niederschlagsdiagramme der 4 untersuchten Regionen (Quelle: verändert nach INSTITUTE OF HYDROMETEOROLOGY,
2002)
Vegetation
Würde Acker-, Waldweide- und alle anderen Nutzungsformen in den Gebieten Albaniens wegfallen und nähme man an, dass die Vegetation dieser Standorte sich zu ihrem Klimaxstadium entwickeln könnte, so wären folgende potentiell natürliche Vegetationen (TÜXEN, 1956) in Albanien anzutreffen. In Auswertung der Vegetations-Zonen Karte Südosteuropas von HORVAT et al. (1974 A) gehört der gesamte Küstensaum (ca. 5 km) zur adriatischen Steineichenwald-Unterzone (Orno-Quercetum-illics adriatisch). Kennzeichnend für diese Unterzone ist das Vorhandensein immergrüner mediterraner Hartlaubarten, welche an Sommerdürren angepasst sind, aber frostempfindlich reagieren und deshalb zum Landesinneren hin abnehmen (HORVAT et al. 1974 B). Der größte Teil Albaniens, vor allem der der Küste nachgelagerte nördliche und mittlere Teil des Flach- und Hügellandes, wird pflanzensoziologisch gesehen, der adriatischen Hopfenbuchen-Orienthainbuchenwald-Unterzone (Ostryo-Carpinion adriaticum) zugeordnet. Da das Klima in diesem Bereich recht stark gemäßigt ist, insoweit relativ ozeanisch, prägt diese Zone ein wärmeliebender winterkahler submediterraner Laubmischwald (HORVAT et al., 1974 B). Der südliche Teil vor den Bergketten zeitigt einen kontinentaleren Charakter, der nach Osten hin stärker ausgeprägt wird. Er gliedert sich in größere Gebiete mit ägäisch geprägtem Hopfenbuchen-Orienthainbuchenwald (Ostryo-Carpinion aegeicum / bis ca. 700 m ü. NN) und in mehrere kleinere Gebiete mit potentiell natürlichen Wäldern der Quercion-frainetto-Zone, mit kontinentalem Laubmisch- und Steppen-
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wald (Quercetum-frainetto-cerris-Unterzonen in planaren und collinen Stufen und Quercetum-patraeae- Unterzoneim submontanen Bereich). In den montanen und hochmontanen Stufen im Osten des Landes herrscht die Fagion moesiacum-Zone mit Buchen- und Tannenwäldern vor, wobei die Buche in den niedrigeren Lagen Rein- bzw. Mischbestände mit Laubhölzern bildet (Traubeneiche, Esche, Bergahorn u.a.) In den höheren Lagen steht sie mit Tannen und in geringeren Anteilen mit Fichten zusammen (HORVAT et al. 1974 B). Die wenigen subalpinen Gebiete Albaniens werden der Aceri-Fagetum-illyricum- Unterzonezugerechnet, welche durch Krummholzbuchenwald, der reich an Hochstauden ist, charakterisiert wird. Die Nadelhölzer treten hier fast vollständig zurück. Einige Lagen reichen über die klimatischen Höhengrenzen des Waldes hinaus (HORVAT et al. 1974 B).
3.3 Geologie und Böden
Geologie
Das albanische Territorium ist hauptsächlich im Tertiär geprägt worden. Die Auffaltung der Flächen erfolgte während der alpidischen Gebirgsbildung und dauert bis in unsere Tage an (RIEDEL, 1997). Das Land liegt in einer tektonisch aktiven Zone.
Die Berge sind jungen Ursprungs mit tiefen Schluchten und fast senkrechten Hängen. Der zentrale und mittlere Teil Albaniens (insgesamt 15 % der Landesfläche) ist geprägt durch ultrabasische Ausgangsgesteine, wie Dunite, Peridotite und Pyroxentite, welche u.a. Nickel und Chrom enthalten (ZDRULI, 1997). Die Gebirge basieren auf Karbonatgesteinen, Flynsch- und Molasseformationen. Der größte Teil Albaniens (85 %) hat Sedimentgestein als Ausgangsformation. Der Kalkstein kommt hauptsächlich vor und tritt meist in Form von Gips oder Dolomiten auf. Neben dem Kalkstein gibt es auch Sandstein-formationen (ZDRULI, 1997).
Böden
Die albanischen Bodentypen sind unter der Tab. 1: Bodentypen und ihr Anteil an der Landesfläche Albaniens (Quelle:
Verwendung der US-amerikanischen Soil-Taxonomy in den 90-er Jahren von ZDRULI (1997) neu eingeteilt worden. Nach dieser Einteilung sind sechs Bodentypen in Albanien identifiziert worden. Diese und ihr Anteil an der Landesfläche, sowie das prozentuale Vorkommen ist in Tab. 1 dargestellt. Die Eigenschaften der Böden werden durch die Tab. 71 (Anhang 4) wiedergegeben.
Die Ackerböden Albaniens haben GJONGECAJ et al. (1997) nach verschiedenen Kriterien unterteilt. In Bezug auf die ackerbauliche Bearbeitungseignung unterscheiden sie schwere Böden (Lehmanteil > 50%), die ca. 36 % an der gesamten Ackerfläche einnehmen, mittlere Böden mit 43% der Ackerfläche und leichte Böden mit einem Anteil von ca. 21 %. Für die geneigten Flächen (ca. 57 % des Ackerlandes, vgl. Anhang 3) ermittelten sie, aufgrund der stark wirkenden Erosionskräfte, flache Oberbodenhorizonte, mit
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geringem Gehalt an organischer Sub-
stanz. Generell sind die Böden charakterisiert durch schwachen bzw. durchschnittlichen Gehalt an Humus. Sie reagieren überwiegend sauer, sind phosphatarm und weisen einen hohe Gehalt von Pottasche auf. In Tab. 2 sind die prozentualen GJONGECAJ et al. (1997) wiedergegebenen Bodenuntersuchung abgebildet.
Vor dem Hintergrund, dass: „wir bis heute noch nicht genaue Werte für die Verwitterungsintensität in den Böden verschiedener Standorte und Bewirtschaftungsarten haben, weil die Frage erst in jüngster Zeit überhaupt zu interessieren beginnt“ (SCHAUMANN, 2002), gibt SALLAKU (2003) für die albanischen Böden allgemein langsame Bodenneubildungsraten an, ohne diese quantifizieren zu können. Nach Untersuchungen der DANISH ENVIRONMENTAL PROTECTION AGENCY (2000) ist der natürliche Gehalt von Mangan, Chrom, Kobalt, Nickel, Kupfer und Zink im albanischen Boden verhältnismäßig hoch (vgl. Tab. 72). Auch BACHOFEN (2003) nimmt an, das die Ausgangsgesteine in Albanien reich an Schwermetallen wie Chrom und Nickel, sowie anderen ist. ÇULLAJ et al. (2003) führt ebenfalls an, dass die Böden natürlich reich an Schwermetallen sind, und bei Bodenabtrag die Flüsse mit diesen Stoffen belastet werden (vgl. Kap. 3.8 & 5.2.2). ZDRULI (2003) spricht dagegen nur von einzelnen Teilbereichen innerhalb Albaniens, welche schwermetallbelastet sind. Er lokalisiert sie hauptsächlich im östlichen Teil des Landes, vom Norden bis zum Süden hin verteilt, in den Gebieten, die durch stark basisches Grundgestein charakterisiert werden (Serpentine, Dunite, Olivinite, usw.). Die Nahrung, welche auf so einem Boden produziert wird, ist seiner Erkenntnis nach eine Gefahr für den Konsumenten (ZDRULI, 2003). Bis zum Jahr 1990 sind in Albanien bodenverbessernde Maßnahmen für Böden mit hohem Gehalt an Magnesium, für Salineböden und für saure Böden durchgeführt worden. Die Magnesiumböden umfassen ungefähr 12.000 ha und liegen hauptsächlich im nordöstlichen Teil des Landes. Im Allgemeinen enthalten sie auch andere Metalle (Ni, Cr, Fe, etc.). Als verbessernde Maßnahmen wurde Entwässerung und Kalkung durchgeführt. Saure Böden finden sich mosaikartig verteilt auf der gesamten Landesfläche (insgesamt ca. 85.000 ha) Auch auf diesen wurde durch Entwässerung und Kalkung die landwirtschaftliche Produktion ermöglicht, bzw. dadurch gesteigert (DANISH ENVIRONMENTAL PROTECTION AGENCY, 2000). Die Salzböden mit einem Umfang von ungefähr 12.000 ha sind auf den westliche Teil des Landes begrenzt. Auch hier wurde durch Entwässern und geregelter Bewässerung verbessernd eingewirkt (DANISH ENVIRONMENTAL PROTECTION AGENCY, 2000).
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3.4 Politische und Ökonomische Entwicklung bis 2003
Politische Entwicklung
Die Republik Albanien (albanisch: Republika e Shqipërisë), 1991 hervorgegangen aus der sozialistischen Volksrepublik 6 , ist eine parlamentarische Demokratie, die von der KOMMISSION DER EG (2003) als noch nicht gefestigt bezeichnet wird. Die Verfassung von 1998 gewährleistet zwar die demokratischen Freiheiten, insbesondere politischen Pluralismus, freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit, sowie den Schutz nationaler Minderheiten, Schwierigkeiten bestehen aber in der Durchsetzung vieler der beschlossenen Gesetze. Die Behörden sind oft noch zu schwach entwickelt, zu mangelhaft ausgerüstet, teilweise auch zu wenig motiviert und in großem Maße korruptionsanfällig (BANK OF ALBANIA, 2003), um die staatlichen Interessen zu wahren. Die letzten Parlamentswahlen fanden im Juni 2001 statt (vgl. Anhang II). Seitdem regiert ein Koalitionsbündnis aus Sozialistischer Partei (SP) (41,5 % der Stimmen), Sozialdemokratischer Partei (SDP), Demokratischer Allianz (DA), Agrarpartei und der Partei zum Schutz der Menschenrechte (PBDNJ) (alle je ca. 3 % der Stimmen) mit 88 von 140 Sitzen. Das Oppositionsbündnis unter der Führung der Demokratischen Partei (DP), die von 1992 bis 1997 die Regierung stellte, erhielt 46 Sitze (AUSWÄRTIGES AMT, 2003). Die jetzige Regierung bezeichnet die Integration in das euroatlantische Bündnis als vorrangiges Ziel. Daher werden viele gesetzgeberische Entscheidungen unter Beachtung der Kopenhagener Kriterien zum Beitritt zur Europäischen Union getroffen (UN RESIDENT COORDINATOR, 2001). Am 31. Januar 2003 sind die Verhandlungen über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der EG offiziell eröffnet worden (KOMMISSION DER EG, 2003).
Ökonomische Entwicklung
Laut Feststellung des UN RESIDENT COORDINATOR (2001) existieren große Einkommensunterschiede im Land, die weiter zunehmen. 2002 wurde das Land an 92. Stelle von 173 Staaten des Human Development Index Ranking (HDI) geführt. Es ist das ärmste Land Europas 7 . 46,6 % der Bevölkerung lebt unter der von der Weltbank festgelegten offiziellen Einkommensarmutsgrenze 8 von 2 USD pro Tag (UNDP, 2002 B ).
Tab. 3: Haupteinkommensquelle (HEQ) und Armut in Albanien (Quelle: verändert nach HDPC, 2002)
6 Aufgrund dieser Bezeichnung wird im Verlauf der Arbeit von sozialistischen Verhältnissen in Albanien als ehemalige Gesellschaftsform ausgegangen und nicht, wie von einigen anderen Autoren von kommunistischen.
7 Nicht zu Europa wurde hier von der UNDP die Republik Moldawien gezählt.
8 Die UNDP hat weiterführende Kriterien zur Messung von Armut entwickelt, die über das Modell der Weltbank der verfügbaren Geldmengenmessung hinaus geht (HDI und HPI). Die Ergebnisse aus der Anwendung dieser Kriterien auf Albanien konnten hier leider noch nicht berücksichtigt werden, da die vollständige Auswertung noch nicht vorlag.
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In Tab. 3 ist die als arm und nicht arm geltende Bevölkerung Albaniens, eingeteilt nach Standards der Weltbank und unterteilt nach Haupteinkommensquelle (HEQ), aufgeführt. Bei den Einkommensbeziehern gelten 49 % der in der Landwirtschaft Tätigen als arm, während dieser Wert für die Beschäftigten im privaten oder staatlichen Sektor, bzw. bei den Selbstständigen bei 10 % liegt (vgl.Tab.3). Diese Gruppe der Beschäftigten ist auch die Gruppe, die mit 40% den größten Anteil an den nicht Armen aufweist. Rentner machen 25 % der Einkommensbezieher aus.
Im Privatsektor sind 80% der Erwerbstätigen beschäftigt. Von ihnen arbeiten 70 % in der Landwirtschaft, das aber mit abnehmender Tendenz (AUSWÄRTIGES AMT, 2003). Es gibt derzeit 1.244 Tsd. Arbeitskräfte, davon gelten 1.063 Tsd. als beschäftigt und 181 Tsd. sind registriert als Arbeitslose, was einer offiziellen Arbeitslosenquote von 14,5 % entspricht (INSTAT, 2003). Diese Zahl ist aber laut KOMMISSION DER EG (2003) mit Vorsicht zu betrachten, da ein großer Teil der Arbeitslosen schwarz arbeitet und nicht mehr bei den Sozialkassen registriert ist. Nach Schätzungen des AUSWÄRTIGEN AMTES (2003) dürfte die Quote tatsächlich bei über dreißig Prozent liegen. Nur 2 % der Einkommensbezieher erhalten die Arbeitslosenunterstützung (vgl. Tab. 3).
Die EG ist für Albanien Haupteinfuhr- wie auch Hauptausfuhrmarkt. Auf sie entfällt mehr als 90 % der albanischen Ausfuhren und über 75 % der albanischen Einfuhren. Die wichtigsten Handelspartner innerhalb der EG waren 2002 die Nachbarländer Italien mit mehr als 30 % der Gesamteinfuhren und mehr als 70 % der Gesamtausfuhren, gefolgt von Griechenland mit rund 20 % der Gesamteinfuhren und rund 15 % der Gesamtausfuhren (KOMMISSION DER EG, 2003). Für Deutschland lag Albanien mit einem bilateralen Außenhandelsvolumen i.H.v. 92,4 Mio. EUR 2002 (vgl. Tab. 4) lediglich auf Rang 129 der Außenhandelspartner.
Tab. 4: Wirtschaftliche Kenndaten Albaniens (Quelle: Das Wirtschaftswachstum Albaniens lag 2002 bei
4,7 % und damit unter dem des letzten Jahres von 6,5 %. In Tab. 4 sind die wichtigsten Kenndaten für die Wirtschaft Albaniens aufgeführt. Das Pro-Kopf-BIP von 1.500 USD, gehört immer noch zu den niedrigsten Europas (KOMMISSION DER EG, 2003). Das 4,7 Mrd. USD umfassenden BSP kam allein zu 15-20 % durch die Überweisung von Auslandsalbanern in die Heimat zustande (UNDP, 2002 B ) 11 . Die Steuereinnahmen machten 20,4 % des BIP des Jahres 2002 aus, „... womit Albanien immer noch zu den Schlusslichtern unter den osteuropäischen Ländern mit ähnlichen Steuersätzen gehört. Dies zeigt, dass Steuerhinterziehung nach wie vor ver-
breitet ist... “:(KOMMISSION DER EG, 2003). Nach wie vor sind ausländische Geber, Weltbank, EG, Italien und Deutschland (KfW), die größten Investoren im Lande (AUSWÄRTIGES AMT, 2003). In der Zeit von 1991 bis 2001 erhielt Albanien von der internationalen Gebergemeinschaft 3,2 Mrd. USD (UN RESIDENT COORDINATOR, 2001). Darin enthalten sind öffentliche Hilfen von deutscher Seite von insgesamt mehr als 618 Mio. EUR, die seit 1990 geleistet wurden (inkl. dem deutschen Anteil an den Hilfen der EU für
9 Das Wirtschaftswachstum der BRD lag 2002 bei 0,2 % (Statistisches Bundesamt, www. 2003)
10 2001 lag die Inflationsrate Albaniens bei 3,5 % (Auswärtiges Amt, www. 2003)
11 2002 erreichten die Überweisungen von Auslandsalbanern 606.8 Mio. USD (Bank of Albania, 2003)
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Albanien). Das Land liegt damit, gerechnet pro Kopf der Bevölkerung, in der Spitzengruppe der Empfängerländer deutscher Entwicklungshilfe (AUSWÄRTIGES AMT, 2003).
Trotz der geringen Mindestlöhne von 53 USD im Monat wurde durch ausländische Privatunternehmen nur wenig investiert. Das liegt vor allem an der zu anderen Ländern dieser Region vergleichsweise geringen Produktivität, die einhergeht mit anhaltenden Problemen im Elektrizitätssektor. Für ausländische Investoren ist es zudem schwierig, die für ihr Vorhaben Verantwortlichen in der Verwaltung ausfindig zu machen, die erforderlichen Lizenzen bzw. Genehmigungen zu bekommen, kompetente Mitarbeiter zu finden, Einfuhren realistisch zu verzollen, ihre Investitionen gegen Diebstahl und Raub zu schützen, und ihr Recht vor Gericht zu erstreiten (AUSWÄRTIGES AMT, 2003). „Angesichts der derzeitigen Lage in Albanien, einem Land, in dem die Schattenwirtschaft weiterhin eine wichtige Rolle spielt, ist ein fairer Wettbewerb zwischen Unternehmen im formellen und informellen Sektor immer noch nicht möglich (KOMMISSION DER EG, 2003).
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3.5 Landwirtschaft Albaniens
3.5.1 Historische Entwicklung der landwirtschaftlichen Nutzung bis 1990
Die folgende Beschreibung folgt im wesentlichen den Ausführungen von AGOLLI (2000). Während der Türkischen Herrschaft über Albanien (15. - 20. Jh., vgl. Anhang 2) wurde der Boden dem türkischen Staat zugeordnet, unabhängig davon, wem er ursprünglich gehörte. Zur Nutzung wurde es vom Sultan an loyale Personen aus Armee, Religion, Zivilverwaltung und Gerichtswesen vergeben. Diese Vergabe beinhaltete meist kein Eigentumsrecht und das Land (sogenanntes Mirie) wurde nach dem Tode des Belehnten dem Landfond des türkischen Staates wieder zugeführt und anschließend neu verliehen. Einigen sehr treuen Gefolgsleuten gab der Sultan eigenes Land (sogenanntes Mylk), welches frei von Besteuerung war und welches an die Nachkommen vererbt werden konnte. Den Bauern wurde das Recht zugesprochen, das Mirieland zu nutzen. Dafür mussten sie Abgaben, meist ein Drittel bis ein halb der Ernte entrichten und wurden zum Militärdienst eingezogen. Neben diesen zwei Grundbesitzformen gab es noch eine Dritte, das Vakefland. Dies war Eigentum religiöser Institutionen und wurde, ebenfalls gegen Abgaben, den Bauern zur Bearbeitung überlassen.
Im Jahr 1864 wurde den Bauern, die auf Mirieland wirtschafteten, bestimmte Eigentumsrechte an diesem Land übertragen, so dass ein große Gruppe von Kleinbauern entstand. Zu dieser Zeit wurde es auch ermöglicht, Land zu kaufen und zu verkaufen, statt verliehen zu bekommen. Damit bildete sich ein kapitalistischer Grundbesitzmarkt heraus, bei dem nicht mehr die Stellung beim Sultan entscheidend war, sondern abhängig vom Vermögen der Einzelnen agiert wurde.
Diese während der türkischen Herrschaft geltenden Besitzregelungen hatten ihre Gültigkeit nur im Bereich der Küsten, einiger Flusstäler und der Städte mit ihrer Umgebung. In den Bergen dagegen gab es nach Stammesgesetz (sogenannter Kanun) geregelten Privatbesitz, der heilig, unantastbar und vererbbar war. Im Zuge der Unabhängigkeit im Jahre 1912 wurden einige Ländereien des türkischen Staates, vor allem kleinere, konfisziert. Es gab damals ca. 382.000 ha Nutzungsfläche, von der ungefähr 172.000 ha oder 45% 60.000 Kleinbauernfamilien gehörte. Groß- und Mittelbauern besaßen ca.140.000 ha oder 37 %. Der Staat war Eigentümer von 56.000 ha oder 15 % der gesamten Landnutzungsfläche. Kurz nach Ende des
2. Weltkrieges 1945/46 hatte sich, nach mehreren Agrarreformen, die in Tab. 5 dargestellte Landbesitzverteilung herausgebildet. Die Bevölkerungsverteilung sah noch 78,7 % der 1,1 Mio. Einwohner Albaniens auf dem Land.
Den Angaben zufolge sind bis 1945, im Vergleich zum Jahr 1912, nur ca.11.000 ha mehr in Nutzung genommen worden. SALLAKU (2003) nimmt an, dass die Erschließung von weiteren Nutzflächen sehr schwierig, bzw. mit damaligen Mitteln unmöglich gewesen sein wird. Die Tab. 5 zeigt auch, dass von 1912 bis 1945 die Gruppe der Klein- und Mittelbauern größer wurde, die über eigenes Land verfügten. Ungefähr 70 % der gesamte Ackerfläche von rund 400.000 ha teilte sich in Flächen von durchschnittlich 1,1 ha bis 5 ha Größe. Die Landschaft dürfte demnach vor ca. 57 Jahren hauptsächlich klein parzelliert gewesen sein (SALLAKU, 2003).
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Tab. 5: Landbesitzverteilung im Jahr 1945 (Quelle: verändert nach AGOLLI, 2000; ANNUAL REPORT, 2002)
Nach 1945/46 wurden große Enteignungen von Grundbesitzern vorgenommen. Die Form der Enteignungen und die Verteilung des Landes wurden von der kommunistisch dominierten Regierung dahingehend formuliert, das Land von reichen Bauern entschädigungslos enteignet werden sollte, welches nicht von Ihnen selbst bearbeitet wurde. Dieses sollte an arme Bauernfamilien gegeben werden. Landeigentum bis zu 5 ha wurde nach dem Gesetz erlaubt. Mit der Reform wurden ca. 174.000 ha Land von Großgrundbesitzern, reichen Bauern und teilweise von Mittelbauern konfisziert und 155.000 ha davon an 294.000 arme und 20.000 sehr arme Familien verteilt. Die Ausführung des Gesetzes ergab ca. 143.000 Farmen, was fast 100 % der Landbesitzer ausmachte, mit einer Größe von bis zu 10 ha.
Die weitere Entwicklung führte zuerst zu freiwilliger, später zu erzwungener Kollektivierung der Bauern in Kooperativen oder in Staatsfarmen, die 1967 als abgeschlossen galt. Nur ein Gartenstück von je 10 x 11 m wurde den Bauernfamilien zur eigenen Bewirtschaftung bis 1976 überlassen (AGOLLI, 2000). Nach 1976 war jeder Privatbesitz an Garten, Nutztieren und Obstbäumen verboten und damit auch die Möglichkeit des Erfahrungserwerbs durch eigenes wirtschaften nicht mehr gegeben (AGOLLI, 2002). Ende der 80-er Jahre hatte sich im Vergleich zu 1950 folgende, in Tab. 6 dargestellte Struktur herausgebildet.
Tab. 6: Strukturveränderungen auf dem Land von 1950 bis 1990 (Quelle: eigene Zusammenstellung nach AGOLLI, 2000; STATISTICAL YEARBOOK, 1990; INSTAT, 2002 & ANNUAL REPORT, 2002)
12 AGOLLI (2000) hat eine ähnliche Tabelle zusammengestellt, unterscheidet aber ca. 128.000 reiche Bauernfamilien
mit ca. 1,8 ha Land und 21.000 Mittel- und Kleinpächterfamilien ohne Land, die in der Summe der „Besitzeranzahl“ ebenfalls ca. 155.000 ergibt.
13 Die Vermutung liegt nahe, dass man unter dem in dieser Darstellung verwendeten Begriff der Großgrundbesitzer,
religiöse Gemeinschaften wie die katholischen, orthodoxen und muslimischen Institutionen mit gefasst hat.
14 In anderen Quelle wird die Zahl mit 391.000 ha angegeben (vergl. KELM, 2002; ANNUAL REPORT, 2002)
15 Wert gibt Anzahl der Familienfarmen für 1946 wieder (AGOLLI, 2000)
16 Im Jahr 1989 lebten auf der Fläche des heutigen Bundeslandes Brandenburg ca. 398.000 Personen, oder 15 % der
Ew. auf dem Land (FRICK, www. 2003)
17 Zahl für 1991 (INSTAT, 2002)
18 Im Bundesland Brdbg. waren 1991 ca. 84.000 in der LW beschäftigt (FRICK, www. 2003)
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19 erhöhte sich die Durch die Propagierung und großzügige staatliche Förderung von Vielkinderehen Bevölkerung Albaniens von 1.2 Mio. (1950) auf 3.3 Mio. im Jahr 1990. Die ländliche Bevölkerung verdoppelte sich in 40 Jahren von knapp 1 Mio., was 79,5 % der Gesamtbevölkerung des Jahres 1950 entsprach, auf 2 Mio. im Jahr 1990 (63,3 % der Gesamtbevölkerung). Durch restriktive Siedlungspolitik (KELM, 2002), aber auch durch traditionelle Lebensformen kam es dazu, dass die meisten Bewohner, gerade die aus den ländlichen Gebieten, an ihrem Geburtsort verblieben (Ausnahmen bildeten Vermählungen in andere Orte, Studium, Armee, Berufsausübung und Sondererlaubnisse). Somit lebten 1990 noch 63,3 % der Bevölkerung auf dem Land. Von der Landbevölkerung waren durchschnittlich 56 %, also ca. eine Mio. im arbeitsfähigen Alter, von denen etwa die Hälfte (524 Tsd.) in der Kollektivlandwirtschaft tätig waren (STATISTICAL YEARBOOK, 1990).
Durch die Kollektivierung wurden große Strukturen geschaffen mit Betrieben von bis zu 2.343 ha Bearbeitungseinheiten, deren Fläche aber bis 1990 wieder reduziert wurde, auf dann noch bis zu 1.070 ha. Auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche, die von 391.000 ha (1950) auf 706.000 ha (1989) erweitert worden war, (vgl. Tab. 7), arbeiteten 652 Betriebe. Die Erweiterung der Landwirtschaftsfläche um fast das Doppelte, erfolgte durch die Trockenlegung der Sümpfe im Küstengebiet und im Gebiet um Korça (ca. 70.000 ha; UN/ECE, 2002), sowie durch die Rodung und Kultivierung von Berg- und Hügelland (GJONGECAJ et al., 1997) (vgl. Bild 4). In Tab. 7 ist die Veränderung der Landnutzung von 1950 zu 1989 dargestellt.
Zusammenfassend lässt sich über die Agrarreform, die zur Kollektivierung führte sagen, dass sie durch Schaffung gleicher Einkommensverhältnisse soziale Unterschiede auf dem Land aufhob. Sie stellte weiterhin einen Versuch dar, über die Intensivierung der Produktion, die Erweiterung der Produktionsflächen, durch Ausbildung von landwirtschaftlichen Spezialisten und Arbeitskräften die Eigenversorgung des Landes, vor allem nach der 1978 einsetzenden Selbstisolation (vgl. Anhang II) und dem damit einhergehenden fast völligem Verzicht auf die internationalen Marktbeziehungen, bis zu 100 % zu sichern (AGOLLI, 2002). Zu diesem Zwecke hatte sie aus Bauern Landarbeiter gemacht, aus der kleinparzellierten Landschaft
ausgeräumte Bearbeitungseinheiten (Tab. 6 & Bild 3) geschaffen und bis dahin als extensives Weideland genutzte Ökosysteme, wie Sumpf-, Moor- und Bergwaldgebiete (vgl. Tab. 7) durch Kultivierungsmaßnahmen so verändert, das diese heute große Umweltprobleme verursachen (PROKO, 2003). Die positive Wirkung der Kollektivlandwirtschaft sieht AGOLLI (2000) vor allem in der sozialen und kulturellen Entwicklung der Landbevölkerung, die er als Emanzipierung bezeichnet.
19 Die durchschnittliche Anzahl der Mitglieder einer albanischen Familien lag 1989 bei 4,7 Personen, im ländlichen
Raum bei 5,3 (Statistical Yearbook, 1990)
20 Auf der Fläche des heutigen Bundeslandes Brdbg. existierte 1989 eine LF von ca. 1.4 Mio. ha (FRICK, www. 2003)
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Bild 3: Albanische Agrarlandschaft um 1984 Bild 4: Terrassierung von Hügellandflächen um 1984
Bild 5: Maschineneinsatz um 1984
3.5.2 Entwicklung der Landwirtschaft nach 1990
Die Entwicklung nach 1990 in der Landwirtschaft war geprägt von der Auflösung der Kollektiv- und Staatsfarmen, von der Wiederzulassung des Privatbesitzes an Boden, Gebäuden, Maschinen und Vieh, sowie der Durchführung der Landreform. Bei der Privatisierung wurden die ehemals einheitlichen Flächen parzelliert (vgl. Bild 7). Dabei hat Albanien, nach Informationen der FRIEDRICH EBERT STIFTUNG (www. 2003), das staatliche bzw. genossenschaftliche Eigentum vorrangig über Anteilsscheine an Grund und Boden, Gebäuden sowie Maschinen an Mitglieder und Arbeitnehmer der Agrarbetriebe, entsprechend ihrer Arbeitsleistung bzw. Gesamteinnahmen, umsonst übertragen. Die Alteigentümer wurden von staatlicher Seite entschädigt. Nach dem ANNUAL REPORT (2002) wurde das Inventar, die Maschinen, die Gebäude und die Nutztiere unter den Mitgliedern der Kooperativen eigenverantwortlich aufgeteilt. Der Boden aber konnte erst mit dem Gesetz No. 7501 vom 31.07.91 in Eigentum überführt werden. Das Gesetz sah vor, den Boden nicht an die Alteigentümer zu übertragen, sondern unter allen Bauernfamilien die vor dem 31.07.91 auf dem Land lebten, zu verteilen und zwar pro Kopf:“... was heißt, das alle Bauernfamilien innerhalb des vormaligen Kooperativenterritoriums gleiche Flächen in Hinblick auf Quantität und Qualität erhielten“ (ANNUAL REPORT, 2002). Qualitätsmerkmale dabei waren Bodenfruchtbarkeit, Typ des Bodens (Weide, Acker, usw.) und Bewässerungsfähigkeit (LUSHO et al., 1998). Mit der Bodenverteilung wurden auch Weingärten, Obst- und Olivenbäume zu gleichen Teilen privatisiert.
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lich behindert, Investoren abschreckt, die Entwicklung der Landwirtschaft bremst und soziale Spannungen nährt (KOMMISSION DER EG, 2003). Durch die Privatisierung des Bodens entstanden etwa 467.000 sogenannte Familienfarmen 21 , die rund 2 Mio. Flächenparzellen bearbeiten und deren durchschnittliche Größe 1,3 ha beträgt (ANNUAL REPORT, 2002). Jede Familie hat 1 - 9, durchschnittlich 3,6 Parzellen, die weit von einander entfernt liegen können und die in der Größe von 0.02 - 4 ha variieren (ANNUAL REPORT, 2002). Nur wenige Betriebe wirtschaften nicht auf Familienbasis und nur ca. 8 % der Betriebe bearbeiten Ackerflächen die größer als 3 ha sind (INSTAT, 2002).
Die heutige Landwirtschaft Albaniens erlebt nach den Jahren des Produktionsrückganges wieder einen langsamen Aufschwung. Diese positive Entwicklung wurde allerdings durch das Hochwasser im September 2002 (vgl. Fußnote No. 5) gebremst, so dass die Agrarproduktion nach Einschätzung der BANK OF ALBANIA (2003) 2002 lediglich um 2,1 %, statt der prognostizierten 3 % gestiegen ist. Sie erwirtschaftet mit 34 % nach wie vor den Hauptanteil am BIP 22 (AUSWÄRTIGES AMT, 2003) und ihr wurde die Schlüsselrolle bei der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zugesprochen (MOAF, 1998). Die BANK OF ALBANIA (2003) schätzt heutzutage aber neu ein, dass stärkere jährliche Wachstumsraten dieses Sektors nicht mehr zu erwarten sind. Erst nach einer erforderlichen Umstrukturierung kann eine deutliche Produktivitätszunahme wieder erreicht werden.
21 Der Boden wurde keiner Person allein sondern Familien übertragen, die aus ihrer Mitte den Geschäftsführer bestimmen. Juristisch gesehen ist der Eigentumsbegriff „Familienfarm“ schwer zu definieren (KELM, 2002).
22 Vor 1990 erreichte der Anteil der LW am BIP, aufgrund der stärkeren Industrieproduktion, nur ca. 25 %, nach 1990 teilweise mehr als 53 % (ANNUAL REPORT, 2002).
19
Anhand der hohen Zahl der Importe landwirtschaftlicher Erzeugnisse (vgl. Kap. 3.5.4 und 3.5.8), die zu dem erheblichen Außenhandelsdefizit Albaniens beitragen, lässt sich ablesen, dass die Landwirtschaft immer noch unrentabel arbeitet und nach wie vor nicht in der Lage ist, den Eigenbedarf des Landes adäquat zu decken (Kommission der EG, 2003). Insgesamt nahmen die Nahrungsmittelimporte für 2002 um 23.4 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Jahr zu (BANK OF ALBANIA, 2003).
Zur Beschreibung der Problemsituation der albanischen Landwirtschaft führt die KOMMISSION DER EG (2003) folgendes aus: „Die materielle Infrastruktur ist nach wie vor unzureichend, und die landwirtschaftlichen Dienstleister haben sich an die neue Realität der Vielzahl von Kleinbetrieben noch nicht angepasst. Albanien muss modernere Produktionstechnologien einsetzen und die Produktivität und Erzeugnisqualität erheblich verbessern. Die Klärung der problematischen Grundbesitzverhältnisse, die Vollendung der Grundbucheintragungen und die deutliche Verbesserung des Zugangs der Landwirte zu Krediten sind wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung der albanischen Landwirtschaft“. Mehr als die Hälfte der albanischen Bevölkerung ist noch auf die Landwirtschaft als Lebensgrundlage angewiesen. Der überwiegende Teil der Familienfarmen betreibt Subsistenzwirtschaft. Sie verkaufen nur geringe Mengen an die regionale Märkte und umgekehrt kaufen ca. 50% der Betriebe keine landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu (ALBANIAN OBSERVER, 2001; AGROWEB, www. 2003). Aufgrund dieser Situation gehen die in der Landwirtschaft erwirtschafteten Leistungen nur in geringem Umfang in das Steueraufkommen des Staates ein. Zum jetzigen Zeitpunkt wohnen noch immer 58 % der Bevölkerung in ländlichen Siedlungen (UNDP, 2002 B ). Von Ihnen verfügen 4 von 5 Personen über weniger als 2 USD pro Tag (UNDP, 2002 B ). Die Einkommensquelle Landwirtschaft verbessert diese Lage nicht wesentlich, da fast die Hälfte der Einkommensbezieher in der Landwirtschaft ebenfalls als arm gelten (vgl. Tab. 3). Im Jahr 2001 waren geschätzte 761.000 Personen in diesem Sektor beschäftigt, was 72 % der Beschäftigten ausmacht (INSTAT, 2002). Die Migration der Landbevölkerung in die städtischen Zentren hat stark zugenommen (BANK OF ALBANIA, 2003).
Tab. 8: Landnutzungsänderungen in Albanien, 2001 zu 1989 Die bearbeitete Ackerfläche hat seit 1990 (Quelle: verändert nach KELM, 2002 & INSTAT, 2002)
Feldbegrenzungen zwischen den ca. 2 Mio. Parzellen (Kapitel 6.2.4), zu große Entfernungen zu einzelnen Flächenstücken, der Verlust von Flächen durch Besiedlung (vgl. Kap. 6.2.4 & Bild 26) und die nicht Nutzbarkeit von 130.000 ha ehemaligem Ackerlandes (KELM, 2002; PROKO, 2003). Dieses Ackerland, größtenteils aus den Landgewinnungsprojekten der sozialistischen Zeit stammend (vgl. Kap. 5.1.4), hat eine
23 Die Zahlen von 2001 basieren auf der neusten Statistikerhebung von INSTAT und sind deshalb als Korrektiv zu den
vorhergehenden Angaben des Institutes zu sehen, die größtenteils Schätzungen beinhalteten.
24 Berechnungsgrundlage hierfür sind 3.07 Mio. Einwohner und 452.000 ha Ackerfläche (INSTAT, 2002).
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geringe Produktivität und wurde im Lauf der Zeit stark durch Erosion geschädigt (vgl. Titelbild 1) (KELM, 2002) und in einigen Küstenbereichen durch Salinisation (UN/ECE, 2002). Trotz der ggf. möglichen Rekultivierung von verlorener Ackerfläche spricht SALLAKU et al. (2001) von begrenzten Landressourcen und meint, das mehr Ackerland praktisch nicht mehr verfügbar ist. Die Steigerung der Produktion muss seiner Meinung nach deshalb auf dem vorhandenen Land erbracht werden.
3.5.3 Ernährungssituation
Nach UNDP Aussage (2000) spricht die im Vergleich zu anderen Transition Ländern hohe Lebenserwartung der Albaner (vgl. Kap. 3.1) unter anderem für eine gesunde Ernährung 25 . Außer der im Jahr 2000 festgestellten Unterversorgung der erwachsenen Bevölkerung hinsichtlich der Mikronährstoffe Jod 26 und Eisen und der von UNICEF festgestellten mäßigen Untergewichtigkeit jedes 7. Kindes unter 5 Jahren (HDPC, 2002), sind keine weiteren Mangel- bzw. Unterversorgungen angezeigt (SALLAKU, 2003; SULÇE, 2003). Die durchschnittliche Tagesration eines Einwohners beträgt 2.961 kcal. Als hauptsächliches Nahrungsmittel wird Weizenbrot mit ca. 200 kg pro Person und Jahr verzehrt (UN/ECE, 2002). In den ärmsten Haushalten wird 75 Prozent oder mehr des Einkommens für Nahrung und die Hälfte davon für Brot oder Mehl aufgewendet (UN/ECE, 2002).
Vor 1990 sind Mangelerscheinungen in der Bevölkerung Albaniens beobachtet wurden. SALLAKU (2003) benennt als Ursache dafür die einseitige Ernährung mit übermäßigem Verbrauch an Getreideprodukten, aufgrund des geringem Angebotes an Fleisch, sowie frischem Obst und Gemüse. Weniger als 25 kg Obst pro Person und Jahr konnten vor 1990 verzehrt werden (ANNUAL REPORT, 2002). Um zur Bestimmung der Gehalte an Mikro- und Makronährstoffen und damit zu Aussagen über die Qualität der erzeugten albanischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu kommen, müsste man Produktuntersuchungen vornehmen, die aber nach SALLAKU (2003) und SULÇE (2003) entweder bisher noch nicht vorgenommen wurden, oder nicht bekannt gemacht worden sind. Untersuchungen am albanischen Verbraucher lassen heutzutage Rückschlüsse auf die Qualität der hergestellten einheimischen Nahrungsmittel nur bei den ca. 50 % der Familienbetriebe zu, die kaum landwirtschaftliche Erzeugnisse zukaufen (vgl. Kap. 3.5.2). Der andere Teil der Bevölkerung konsumiert importierte und einheimische Ware gleichermaßen (vgl. Kap.3.5.8). Untersuchungen hierzu fehlen derzeit ebenfalls noch (SALLAKU, 2003; SULÇE, 2003).
Der Gehalt an Mikronährstoffe in den Erzeugnissen, wird beeinflusst von verschiedenen Faktoren, wie Klima, Bodenbeschaffenheit, Sorte, Düngung, Reifegrad, Erntemethoden, Transport und Lagerung (HESSISCHER RUNDFUNK, www. 2003). In Bezug auf Transport, Lagerung, Reifegrad und Erntemethoden der albanische Marktfrüchte lässt sich feststellen, das geringe Distanzen, die BEKA (2001) mit durchschnittlich 35 - 40 km Entfernung vom Erzeugungsplatz bis zum Markt angibt, zurückgelegt werden. Die Marktfrüchte werden reif und meist in schonender Handarbeit geerntet und es findet kaum Lagerhaltung statt, sondern die Produkte werden größtenteils am Erntetag auch auf dem Markt verkauft (BEKA, 2003).
25 Die beiden andere hier genannten Faktoren für die vergleichsweise hohe Lebenserwartung sind Lebensstil und Klimabedingungen (UNDP, 2000)
26 Das Ministerium für Gesundheit, das Ministerium für Industrie und Energie (MoIE), sowie UNICEF entwickelten daraufhin ein jodiertes Speisesalz für den albanischen Markt. (HDPC, 2002)
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3.5.4 Landwirtschaftliche Produktion und Erträge
Albanien produziert ca. 60 % seiner Nahrungsmittel selbst (FAO, 2003). Vor 1991 versorgte sich das Land mit Nahrungsmitteln selbst (OXFAM, www. 2003). Derzeit werden von den erzeugten Nahrungsmitteln im Flachland 60 % und im Hügel- und Bergland 90 % durch die Produzenten selbst verbraucht (UN/ECE, 2002). Bei 20 % aller Familienfarmen reicht das produzierte nicht aus, um den Eigenbedarf überhaupt zu decken. Rund 65 % produzieren für sich genug und darüber hinaus noch etwas für den Markt. Nur ca. 15 % der Farmen produzieren für den Markt. Man rechnet damit, dass 30 % der Erzeugnisse der Agrar- und der Tierproduktion auf dem Markt angeboten werden (ANNUAL REPORT, 2002; OXFAM, www. 2003). Für das bisher wichtigste Nahrungsmittel Albaniens, den Weizen, lag die durchschnittliche Ernte der letzten 5 Jahren bei 350.000 Tonnen (FAO, www. 2003). Die Ernte betrug 1989 ca. 613.000t und im Jahr 2002, aufgrund der Wetterbedingungen und dem Rückgang der anbauenden Betriebe nur noch 285.000 t (OXFAM, www. 2003). Albanien importiert durchschnittlich 200.000 - 250.000 t Weizen pro Jahr (UN/ECE, 2002; FAO STAT, www. 2004). Bis zum Jahr 2000 war ein großer Anteil des Weizens als Hilfslieferung angelandet wurden (BEKA, 2003). Daher lohnt es sich u.a. für 48 % der Betriebe nicht mehr Weizen anzubauen. Von denen die Weizen anbauen, wird ca. 71 % der Ernte für die Eigenversorgung genutzt und nicht an den Markt abgegeben (UN/ECE, 2002). Weniger als 5 % der albanischen Weizenproduktion kommt auf dem Markt zum freien Verkauf (OXFAM, www. 2003).
Weitaus wichtiger als Weizen ist für die albanischen Bauern in den letzten Jahren der Anbau von Futterpflanzen (vor allem Kleegras) und von Futtermais geworden. Daneben werden Gemüse und weiße Bohnen von der Mehrzahl der Betriebe angepflanzt (INSTAT, 2002). Stark zurückgegangen in ihrer Bedeutung ist der Anbau von Industrierohstoffen wie: Zuckerrüben, Tabak und Soja, bzw. gar nicht mehr angebaut wird Baumwolle. Neben den Ackerflächen verfügen die Betriebe meist über kleinere Flächen bestanden mit Obstbäumen (62% der Betriebe) und Wein (13 %). Einige von diesen Flächen sind größer und weisen einen plantagenartigen Charakter auf (BEKA, 2003).
Die Tierproduktion nimmt einen bedeutenden Platz in der albanischen Landwirtschaft ein. Ungefähr 70 % des Einkommens der Familienfarmen werden aus der Tierhaltung erwirtschaftet gegenüber rund 20 % aus dem Gemüseverkauf (OXFAM, www. 2003). Sie hat das Niveau von 1989 wieder erreicht und bei den Milchkühen übertroffen. Die Schweinehaltung dagegen hat abgenommen. Im Bereich der Zugtiere ist seit 1989 eine leichte Steigerung zu bemerken, die mit den veränderten Bewirtschaftungsstrukturen der Flächen einhergeht. 38% der landwirtschaftlichen Betriebe halten diese Tiere. Die durchschnittlichen Erträge der albanischen Tierhaltung, gerechnet pro Tier, sind in Anhang 10, Tab. 80 aufgeführt. Die folgenden Tabellen 9, 10 und 11 geben eine Übersicht über die wichtigsten Produktionskennziffern in der albanischen Landwirtschaft, einschließlich der Export- und Importmengen. In den Tabellen nicht aufgeführt sind Daten zur illegalen Drogenproduktion. Albanien gilt neben Marokko als Hauptversorger des europäischen Marktes mit Cannabis sativa. Die KOMMISSION DER EG (2003) meint für 2003, dass Albanien in den letzten zwölf Monaten Fortschritte bei der Bekämpfung der Herstellung dieses Rauschgifts, vor allem durch die Zerstörung von Hanfplantagen, gemacht hat.
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Arbeit zitieren:
Sven Christian, 2004, Die Albanische Landwirtschaft - gegenwärtige Situation und Untersuchungen zu Entwicklungschancen des ökologischen Landbaus, München, GRIN Verlag GmbH
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