Abschlussarbeit
zur Erlangung des Magister Artium im
Fachbereich 05 – Psychologie und Sportwissenschaften
der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Institut für Sportwissenschaften
Thema:
Unterschiedliche Auswirkungen der intensiven und extensiven
Intervallmethode auf die Ausdauerleistungsfähigkeit
vorgelegt von:
Carsten Müller
02. Juni 2003
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.04
2. Intervalltraining S.08
2.1 Begriffsbestimmung S.08
2.2 Grundsätze des Intervalltrainings S.09
2.3 Physiologische Grundlagen S.11
2.3.1 Herz-Kreislauf-Regulation S.11
2.3.2 Verbesserung der VO2max S.17
2.3.3 Strukturelle Adaptationen des arteriellen Gefäßsystems S.20
2.3.4 Ökonomisierung der Stoffwechselprozesse S.21
2.3.4.1 Verbesserung des Laktatabbauvermögens S.27
2.3.4.2 Verbesserung der Schnelligkeitsausdauer S.27
2.3.4.3 Erhöhung des Stehvermögens (Laktat- und Azidosetoleranz) S.28
2.3.4.4 Schulung der Willenseigenschaften und der Koordination S.30
2.4 Training nach der Intervallmethode S.31
2.5 Intensives Intervalltraining S.33
2.5.1 Physiologische Grundlagen S.33
2.5.2 Trainingswirkungen S.36
2.5.3 Trainingsziele S.38
2.5.4 Trainingsmethoden S.39
2.6 Extensives Intervalltraining S.41
2.6.1 Physiologische Grundlagen S.41
2.6.2 Trainingswirkungen S.42
2.6.3 Trainingsziele S.44
2.6.4 Trainingsmethoden S.45
3. Aerober und anaerober Stoffwechsel S.47
4. Laktatdiagnostik S.52
4.1 Laktat als leistungsdiagnostische Größe zur Bestimmung der Ausdauerleistungsfähigkeit an der IAS S.52
4.2 Einfluss der Glykogenkonzentration auf das Laktatverhalten S.58
4.3 Bedeutung des Laktatverhaltens für die Trainingssteuerung S.61
4.4 Feldstufentest als leistungsdiagnostisches Verfahren S.62
5. Hypothesen S.66
6. Untersuchungsmethodik S.72
6.1 Stichprobe S.72
6.2 Untersuchungsdesign S.73
6.3 Laktatbestimmung S.76
7. Datenverarbeitung S.77
7.1 Deskriptive Statistik S.77
7.2 Inferenzstatistik S.93
8. Hypothesenprüfung S.99
9. Diskussion S.105
10. Fazit / Konsequenzen für die Trainingspraxis S.126
11. Zusammenfassung S.130
12. Literaturverzeichnis S.132
13. Anhang S.149
13.1 Abbildungsverzeichnis S.149
13.2 Tabellenverzeichnis S.151
13.3 Abkürzungsverzeichnis S.153
1. Einleitung
„Unter Ausdauer wird allgemein die psycho-physische Ermüdungswiderstandsfähigkeit des Sportlers verstanden“ (Weineck, 1997, S. 141). Eine gut entwickelte Grundlagenausdauer ist in nahezu allen Sportarten leistungsbestimmend und hat Einfluss auf die Trainingseffizienz und somit auch auf die Wettkampfleistung. Das wird auch in einer weiteren, detaillierteren Definition deutlich:
„A. [Ausdauer] ist im Sport 1. die Fähigkeit, eine gegebene Belastung ohne nennenswerte Ermüdungsanzeichen über einen möglichst langen Zeitraum aushalten zu können; 2. die Fähigkeit, trotz deutlich eintretender Ermüdungserscheinungen die sportliche Tätigkeit bis hin zur individuellen Beanspruchungsgrenze (Extremfall Erschöpfung) fortsetzen zu können; 3. die Fähigkeit, sich sowohl in Phasen verminderter Beanspruchung als auch in Pausen während des Wettkampfs oder Trainings und nach Abschluß derselben schnell zu regenerieren“ (Kayser in Röthig, 1992, S. 51).
Ist ein Athlet ausdauertrainiert, so wird die Ermüdung bei ihm durch sportliche Aktivität später einsetzen als beim Untrainierten. Er ist in der Lage, größere Umfänge und höhere Intensitäten zu tolerieren, so dass er qualitativ und quantitativ höhere Trainingsreize setzen kann.
Zudem verkürzt sich die Regenerationszeit des Ausdauertrainierten, da die infolge des Trainings anfallenden Ermüdungsstoffe schneller wieder eliminiert werden können.
Man unterscheidet in der Trainingslehre die folgenden vier grundlegenden Ausdauermethoden:
• Dauermethode
• Intervallmethode
• Wiederholungsmethode
• Wettkampfmethode
Bei der Entwicklung der Ausdauer wird ein Läufer zu Beginn des Trainings mit der Dauer- und weniger mit der Intervallmethode in niedrigen Intensitätsbereichen und hohen Umfängen trainieren, um so die Grundlagenausdauer zu verbessern, da sie die Basis für intensive Belastungen und eine schnelle Regeneration darstellt. In der weiteren Entwicklung verlagert sich das Training hin zu höheren Intensitäten und damit einhergehend geringeren Umfängen, wobei auch die weiteren Ausdauermethoden zum Einsatz kommen. „Eine hohe aerobe Kapazität stellt die unbedingt notwendige Voraussetzung für Spitzenleistungen im Mittel- und Langstreckenlauf dar“ (Kindermann et al., 1975, S. 67), so dass das Intervall- und Dauerlauftraining einen Großteil am Gesamttrainingsumfang einnehmen. „Wesentliche Trainingsmittel im Mittel- und Langstreckenlauf sind Tempoläufe (TL), Tempodauerläufe (TDL) und Dauerläufe (DL) verschiedener Intensität“ (Dickhuth et al., 1989a, S. 467).
Jede dieser vier Trainingsarten führt zu unterschiedlichen physiologischen Auswirkungen auf den Organismus des Sportlers. Dabei kommt es auf die Zielsetzung eines Athleten an, welche Trainingsmethode Vorrang vor anderen hat. Extensive Dauerläufe zeichnen sich durch geringe Intensitäten und hohe Umfänge aus und führen zu einer verstärkten Ausbildung der aeroben Kapazität. Daher kommt diese Methode bei vor allem Mittel-, aber auch Langstreckenläufern häufig zur Anwendung. Kurz- und Mittelstreckenathleten werden vermehrt auch Methoden zur Ausbildung der anaeroben Kapazität in den Trainingsprozess miteinbeziehen. Gerade für Mittelstreckenläufer stellt sich die Problematik, dass „die aerobe und anaerobe Kapazität wohl nicht gleichzeitig entwickelt werden können“ (Nieß et al., 1989, S. 458). In diesem Zusammenhang nimmt die Intervallmethode eine besondere Rolle ein, da sie, je nach Akzentuierung, gezielt den aeroben als auch den anaeroben Stoffwechsel beansprucht und zudem stark auf Veränderungen der Herzleistungsgrößen Einfluss nimmt.
Des weiteren wird zwischen Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer unterschieden. Unter Kurzzeitausdauer (KZA) sind Belastungen von ca. 40 Sekunden bis zwei Minuten zu verstehen. Sie werden überwiegend durch die anaerobe Energiegewinnung bestritten. Bei der Mittelzeitausdauer (MZA) nimmt die aerobe Energiebereitstellung zu. Die Belastungen haben eine Dauer von zwei bis ca. zehn Minuten. Anforderungen über diesen Zeitraum hinaus werden der Langzeitausdauer zugeschrieben, die vorwiegend durch die aerobe Energiegewinnung charakterisiert ist. Für die Ausbildung der KZA und der MZA ist die Intervallmethode besonders geeignet.
Eine weitere Differenzierung der Ausdauer bezieht sich auf die Art der Belastung (statisch oder dynamisch) und den Größenumfang der eingesetzten Muskulatur. Beim Laufen werden über 1/6 bzw. 1/7 der gesamten Skelettmuskulatur eingesetzt, so dass man diese Art der Belastung als allgemeine dynamische Ausdauer bezeichnet. Einen Überblick über die unterschiedlichen Formen der Ausdauer verschafft Abbildung I:
Abb. I: Ausdauerformen (Hollmann und Hettinger, 2000, S. 263)
[...]
Das Ziel der vorliegenden empirischen Untersuchung liegt darin, die unterschiedlichen Auswirkungen eines Intervalltrainings mit intensiver und extensiver Ausprägung auf die Ausdauerleistungsfähigkeit des Sportlers nach einer zehnwöchigen Trainingsperiode zu untersuchen. Diese wurde anhand der Laktatleistungskurve (Llk) für jeden Probanden ermittelt. Sie ist umso stärker, je höher die Laufgeschwindigkeit zu bestimmten Laktatkonzentrationen, beispielsweise an der individuellen anaeroben Schwelle (IAS), ist.
[....]
Arbeit zitieren:
Carsten Müller, 2003, Unterschiedliche Auswirkungen der intensiven und extensiven Intervallmethode auf die Ausdauerleistungsfähigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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