ICH WILL MEHR ALS NUR
SCHRAUBEN EINDREHEN......
EIN BEITRAG ÜBER DAS BEDÜRFNIS UND DIE MÖGLICHKEITEN DER
FÖRDERUNG VON MOTIVATION BEI MENSCHEN MIT EINER BEHINDERUNG IN
DER PRODUKTIONSORIENTIERTEN GESCHÜTZTEN WERKSTATT
Diplomarbeit
von
Bertram Meisinger
HFS agogis
Klasse 3E, Ausbildungsgang 1998-2001
INHALT
1. EINLEITUNG ... 1
1.1 MEINE MOTIVATION ZU DIESEM THEMA ... 2
1.2 FRAGESTELLUNG DIESER ARBEIT ... 3
1.3 DAS ZIEL DIESER ARBEIT ... 3
1.4 ANGEWENDETE MITTEL UND METHODEN ... 3
1.5 VORSTELLUNG VON INSTITUTION UND EIGENEM ARBEITSPLATZ ... 4
2. DIE WERKSTATT FÜR BEHINDERTE – DEFINITION UND GESCHICHTE ... 6
2.1 DEFINITION UND AUFGABE DER WFB ... 6
2.2 GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG ... 7
2.3 DIE WFB - 1950 BIS HEUTE ... 7
3. DIE BEDEUTUNG DER ARBEIT ... 9
3.1 ÖKONOMISCHE ASPEKTE ... 9
3.2 SOZIALPSYCHOLOGISCHE ASPEKTE ... 10
3.3 WAS BEDEUTET ARBEIT KONKRET FÜR DIE MITARBEITER MEINER GRUPPE? ... 12
3.4 FAZIT ... 13
4. THEORIE ... 14
4.1 EIN BLICK AUF DIE RECHTLICHE SITUATION ... 14
4.2 DIE PERSÖNLICHKEITSTHEORIE VON CARL ROGERS ... 16
4.2.1 Die Selbstaktualisierung ... 16
4.2.2 Das Selbstkonzept ... 17
4.2.3 Die Wirkung des Selbstkonzeptes ... 18
4.2.4 Empathie, Wertschätzung, und Kongruenz ... 19
4.2.5 Persönliche Stellungnahme ... 21
4.3 MOTIVATION ... 21
4.3.1 Die Motivationstheorie nach Abraham Maslow ... 23
4.3.2 Die Zweifaktorentheorie der Arbeitsmotivation von Frederick Herzberg ... 25
4.3.3 Vergleich und persönliche Stellungnahme zur Theorie von Maslow und Herzberg ... 27
4.3.4 Die Bedeutung der intrinsischen und extrinsischen Motivation ... 28
4.3.5 Handlungskompetenz ... 29
4.3.6 Schlussbemerkung ... 29
5. DIE PRAXIS ... 30
5.1 PROBLEME UND CHANCEN ... 30
5.2 KONKRETE FÖRDERMÖGLICHKEITEN AM BEISPIEL UNSERER WERKSTATT ... 32
5.2.1 Die Arbeitsplatzgestaltung ... 33
5.2.2 Die wertschätzende Haltung ... 34
5.2.3 Vom Fokus des Teilschrittes zur Gesamtübersicht ... 35
5.2.4 Selbst- und Mitbestimmung ... 36
5.2.5 Freiräume für Projekte nutzen ... 37
5.2.6 Zulassen und Fördern sozialer Interaktionen ... 38
5.2.7 Belohnungssystem ... 38
5.2.8 Förderplanung ... 39
5.2.9 Auftragswechsel ... 39
5.2.10 Persönliche Gespräche und Feedback ... 39
5.3 HEUTIGER STAND DER GRUPPE ... 40
6. SCHLUSSBETRACHTUNGEN ... 41
6.1 STELLUNGNAHME ... 41
6.2 PERSPEKTIVEN ... 42
6.3 PERSÖNLICHES RESÜMEE ZUR ENTSTEHUNG DIESER ARBEIT ... 44
6.4 DANK ... 44
7. LITERATURVERZEICHNIS ... 45
Anhang 46
1. Einleitung
Die Frage nach der ausgewogenen Konzeption einer Werkstatt für Behinderte (WfB) scheint schwer beantwortbar zu sein. Viele Ansprüche ziehen in gegenteilige Richtungen. Soll eine WfB wirtschaftlich oder eher sozialpädagogisch orientiert sein? Welchen gesellschaftlichen Auftrag hat sie eigentlich zu erfüllen? Vielerlei Entwicklungen weisen derzeit ja darauf hin, dass sich manche Werkstatt für Behinderte immer mehr zu einer Kopie des nach Gewinn strebenden industriellen Grossbetriebes entwickelt. Erfüllt sie in dieser Hinsicht noch ihren Kernauftrag als Institution im Behindertenbereich? Ist die professionelle sozialpädagogische Förderung der darin arbeitenden Menschen noch ein bewusst angestrebtes Ziel?
Es ist ja allgemein bekannt, dass sich die Behinderteninstitutionen diesbezüglich in einem Dilemma befinden. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) trägt hier sicherlich seinen Teil dazu bei. Einerseits fliessen Subventionen aufgrund gigantischer Schuldenberge immer spärlicher und verlangen so von den Institutionen indirekt einen beachtlichen Teil an finanziellem Selbsttragen, andererseits stellt die Forderung nach der Erbringung eines regelmässigen Qualitätsnachweises bezüglich der Förderung und Betreuung von Menschen mit einer Behinderung aber auch im pädagogischen Sinn einen enormen Anspruch des BSV dar. Denn nur wer auch in Zukunft den geforderten Qualitätsnachweis erbringen kann, läuft nicht Gefahr, Opfer einer Beschneidung wichtiger Subventionen zu werden.
Unsere Gesellschaft befindet sich wirtschafts- und sozialpolitisch in einem grossen Wandel, dessen Entwicklung auch vor dem Integrationssystem Behindertenwerkstatt nicht halt macht. Diese Entwicklung wirkt unmittelbar auf die Arbeitschancen und die Lebensqualität behinderter Menschen. Gleichwohl sollte sie aber nicht nur in ihrer Gefahr, sondern auch in ihrem Nutzen betrachtet werden. Gerade der Qualitätsnachweis kann Menschen mit Behinderung in vielerlei Hinsicht vor Missbräuchen schützen. Er verhindert, dass Subventionen, welche unmissverständlich für pädagogische Zwecke bereitgestellt wurden, nicht in anderen Kanälen verschwinden. Begleitung und Förderung werden somit garantiert. Und auch die wirtschaftliche Ausrichtung soll nicht nur von ihrer Schattenseite betrachtet werden. Denn gerade in einer Zeit, in der die Diskussion nach beruflicher Integration behinderter Menschen neu entfacht wird, stellt sie auch eine grosse Chance dar: Menschen sollen nicht nur sinn-entleerte "Behindertenarbeit" verrichten, sondern mit ihren persönlichen Fähigkeiten und Ressourcen Leistungen erbringen können, welche in der Gesellschaft einen wichtigen und echten Nutzen darstellen. Sie sollen auch in der WfB realitätsnahe, manchmal auch "harte" Arbeitsbedingungen erfahren, welche sie bei einer möglichen beruflichen Reintegration in die freie Wirtschaft nicht vor fremde und somit überfordernde Situationen stellen.
Dies sind sicherlich anspruchsvolle Aspekte, und beide haben ihre Berechtigung. Aber wie soll eine WfB mit ihren begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen solche Ansprüche auf einen gemeinsamen Nenner bringen? Die momentanen Entwicklungen weisen ja tatsächlich auf eine einseitige und starke wirtschaftliche Orientierung hin. Wie kann man pädagogische Überlegungen mit dem Streben nach mehr Rentabilität in Einklang bringen? Geht das überhaupt? Die Gefahr besteht durchaus, dass pädagogische Ansprüche im "Zweifelsfall" zurückgestellt, und die Anliegen behinderter Menschen negiert werden. Brauchen Menschen mit einer Behinderung - besonders jene, welche einen sogenannten Dauerarbeitsplatz belegen (also nicht direkt in einer re-integrativen beruflichen Massnahme stehen) - vielleicht gar keine so intensive Begleitung und Förderung? Sind sie gar zufrieden mit ihrer einfachen, oft monotonen Arbeit?
Mein sozialpädagogisches Handeln, das in der direkten Beziehung und Begegnung zu Menschen eingebettet ist, steht im Spannungsfeld dieser komplexen Struktur von Systembedingungen und- grenzen. Als angehender Sozialpädagoge ist es in diesem System meine Aufgabe, der Arbeits- und Lebensqualität von Menschen mit Behinderung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es gehört zu meinen Aufgaben, durch praktische wie theoretische Erfahrungen immer wieder Überzeugungsarbeit zu leisten, damit die Anliegen dieser Menschen nicht überhört werden. Mit der vorliegenden Arbeit versuche ich anhand von Erkenntnissen aus Psychologie, Sozialpädagogik und meinen Werkstatterfahrungen die Frage des Förderungsanspruches auszuleuchten. Ich zeige auf, mit welchen Mitteln es möglich ist, speziell Menschen am geschützten Arbeitsplatz (GAP) trotz Produktions- und Termindruck zu motivieren und zu fördern, um damit sowohl die sozialpädagogischen, als auch die unumgänglichen wirtschaftlichen Ansprüche im eng gesteckten Handlungsrahmen der leistungsorientierten Werkstatt abdecken zu können.
1.1 Meine Motivation zu diesem Thema
Seit sechs Jahren gehöre ich nun schon zum Team der Mechanischen Werkstatt. Vieles ist geschehen, und vieles hat sich verändert in all diesen Jahren. Kleinere und grössere Umstrukturierungen fanden statt, neue Kollegen beglückten unser Team, während andere sich von uns verabschiedeten. Stetige Veränderungen - ob in struktureller, administrativer, oder einrichtungstechnischer Hinsicht - forderten immer wieder ihren Tribut von meinem ach so gewohnten Alltag und verlangten kontinuierlich nach Flexibilität und Anpassungsbereitschaft. Mehr und mehr wurde mir innerhalb all dieser Veränderungen mein grosser persönlicher Handlungsspielraum als Gruppenleiter, sowie das Vertrauen, das mir beim Planen und Entwickeln meiner Ziele vom Team und von der Leitung entgegengebracht wurde, bewusst. Genau diese Aspekte waren es und sind es noch immer, die mich in meiner alltäglichen Arbeit motivieren. Sie geben mir Selbstvertrauen und Spass bei der Arbeit. Meine Haltung der Arbeit gegenüber ist letztlich entscheidend für den Grad meiner Motivation. Nicht primär das Wissen und Können, das mir in all diesen Jahren vermittelt wurde, sondern der gewährte grosse Handlungs- und Entscheidungsspielraum ermöglichte mir die Identifikation mit meiner Arbeit. Und das motivierte mich. Das untenstehende Zitat, welches mich schon seit Jahren begleitet und das ich sehr mag, widerspiegelt in diesem Sinne das Erziehungsideal, das ich vertrete.
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Arbeit zitieren:
Bertram Meisinger, 2001, "Ich will mehr als nur Schrauben eindrehen...". Ein Beitrag über die Möglichkeiten der Motivationsförderung bei Menschen mit einer Behinderung in der produktionsorientierten geschützten Werkstatt, München, GRIN Verlag GmbH
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