Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Primarstufe in NRW
Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Fachbereich 2: Erziehungswissenschaften
SCHULFÄHIGKEIT UND DER ÜBERGANG VOM KINDERGARTEN IN DIE GRUNDSCHULE
vorgelegt von Mareike Hofmann
2004
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort und Hinführung zum Thema ... 4
2 Quellenlage ... 7
3 Entwicklungspsychologische und sozialwissenschaftliche Grundlagen ... 11
3.1 Körperliche und motorische Entwicklung ... 12
3.2 Wahrnehmungsentwicklung ... 15
3.3 Kognitive Entwicklung ... 18
3.4 Sprache, Sprechen und Kommunikation ... 24
3.5 Gedächtnisentwicklung und Intelligenz ... 28
3.6 Die Entwicklung des Spielverhaltens ... 30
3.7 Sozialverhalten und emotionale Entwicklung ... 34
3.8 Entwicklung der Motivation ... 37
3.9 Bedeutung des Schuleintritts ... 40
3.10 Die veränderte Kindheit ... 42
3.11 Zusammenfassung ... 45
4 Schulfähigkeit und Schuleingangsdiagnostik ... 48
4.1 Schulreife-/Schulfähigkeitstheorien und Modelle ... 49
4.1.1 Schulreife auf Basis der Reifungstheorie ... 49
4.1.2 Schulfähigkeit auf Basis der Eigenschaftstheorie ... 54
4.1.3 Schulfähigkeit auf Basis der Lerntheorie ... 56
4.1.4 Schulfähigkeit und Schulbereitschaft ... 58
4.1.5 Schulfähigkeit als Entwicklungsaufgabe ... 60
4.1.6 Schulreife aus ökosystemischer Sicht ... 62
4.1.7 Neuere theoretische Ansätze ... 67
4.1.8 Zusammenfassung ... 68
4.2 Schuleingangsdiagnostik ... 70
4.2.1 Grundlagen ... 71
4.2.2 Historische Vorläufer ... 73
4.2.3 Traditionelle Verfahren ... 74
4.2.4 Neuere Testverfahren ... 78
4.2.5 Subjektive Verfahren ... 81
4.2.6 Überprüfung von Vorläuferfähigkeiten ... 82
4.2.7 Die schulärztliche Untersuchung ... 86
4.2.8 Zusammenfassung ... 88
5 Vom Kindergarten zur Grundschule: Möglichkeiten zur Gestaltung eines Übergangs ... 90
5.1 Die Rolle des Kindergartens ... 91
5.1.1 Aufgaben und Ziele ... 92
5.1.2 Umsetzung und Vorraussetzungen ... 96
5.1.3 Pädagogische Konzepte ... 101
5.2 Zusammenarbeit Kindergarten - Grundschule ... 106
5.3 Die Rolle der Schule ... 111
5.3.1 Übergangsgestaltung ... 112
5.3.2 Aufgabe der Diagnostik ... 116
5.3.3 Schuleingangsphase und Anfangsunterricht ... 122
5.3.4 Die aktuelle Situation in NRW: Umsetzung der ‚Neuen Schuleingangsphase’ ... 128
5.4 Zusammenfassung ... 132
6 Abschließende Betrachtung und Ausblick ... 133
7 Quellennachweis ... 137
7.1 Abbildungsverzeichnis ... 137
7.2 Literaturverzeichnis ... 139
1 Vorwort und Hinführung zum Thema
„Beneidenswert, nie wiederkommend ist der rechenkunstlose, schnell vergessene, unbesonnen zugreifende, freinaschende Taumel unserer jüngsten Gehzeit und Lernzeit.“
Joachim Ringelnatz (zit. n. Naegele/Portmann/Kalb)
Wohl etwas romantisch verklärt, so erscheint heute diese Beschreibung, denn spätestens PISA und IGLU haben uns auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Und die sind nicht so erfreulich. Das schlechte Abschneiden im internationalen Vergleich schreit nach Veränderungen und Reformen. Und wo sollte man damit Anfangen? Natürlich an der Basis: Grundschule und Kindergarten sind in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Nach dem schlechten Abschneiden in der PISA-Studie hat IGLU gezeigt, dass zumindest der gewählte Weg tendenziell richtig ist. Forderungen nach individueller Förderung ohne Hürden und Selektion und jahrgangsübergreifenden Klassen wurden laut. Der Kindergarten soll zur Bildungseinrichtung werden. Die Diskussion dreht sich um den Schulfähigkeitsbegriff und um die Übergangsgestaltung. Es wird viel geredet, viel gefordert und, wie so oft, wenig umgesetzt. Die komplexen Zusammenhänge sind oft nur sehr schwer zu durchschauen.
Aber was verstehen wir eigentlich unter Schulfähigkeit? Wie hat sich Begriff entwickelt, wodurch wurde er beeinflusst? Welchen Einfluss hat der Schulfähigkeitsbegriff auf den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule? Welche Möglichkeiten gibt es, den Übergang im Sinne des Kindes zu gestalten? Wer kann einen Beitrag dazu leisten? Und welche der Möglichkeiten wurden bereits umgesetzt; welche nicht? Diese Arbeit soll über solche und ähnliche Fragen Aufschluss geben.
Mit der vorliegenden Arbeit sollen zunächst in Kapitel 3 die Grundlagen erklärt und gedeutet werden. Dies betrifft die Entwicklung des Kindes in der Zeit des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule, also etwa von vier bis sieben Jahren. Die kindliche Entwicklung soll in Bezug auf verschiedene Aspekte überblickend vorgestellt werden, aber auch die Beziehungen und Abhängigkeiten der Entwicklungsaspekte untereinander. Dabei werde ich auch auf ein paar bedeutende Entwicklungstheorien eingehen. Mit dieser Darstellung soll ein leichterer Zugang zum Thema ermöglicht werden. Dabei soll der sozialwissenschaftliche Aspekt ebenfalls dargestellt werden, insbesondere die Bedeutung des Übergangs für das Kind und als aktueller Aspekt die veränderte Kindheit.
Auf dieser Basis hat danach Kapitel 4.1 die Aufgabe, den Aspekt der Schulfähigkeit aufzuzeigen. Dabei ist es mir besonders wichtig, den historischen Kontext zu beleuchten, um ein besseres Verständnis dafür zu erreichen, an welcher Stelle wir auf dem Weg der Entwicklung des Schulfähigkeitsbegriffs stehen und in welche Richtung die Entwicklung weitergehen sollte. Dies ist für ein Verständnis für die aktuelle Diskussion meiner Meinung nach von großer Bedeutung. Die den Schulfähigkeitskonzepten und –modellen zugrunde liegenden entwicklungspsychologischen Theorien und Vorstellungen sollen aufgezeigt werden.
In Kapitel 4.2 werden dann die verschiedenen Schulfähigkeitstests in chronologischer Reihenfolge vorgestellt, entsprechend werden sie den zugrunde liegenden Schulfähigkeitstheorien zugeordnet. Die Schuleingangsdiagnostik wird zusammen mit ihren Schwerpunkten und Zielen aufgezeigt.
In Kapitel 5 soll nach diesen eher theoretischen Ausführungen Möglichkeiten zur Gestaltung eines Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule im Sinne und zum Wohl des Kindes erläutert und vorgestellt werden. Dabei werden sowohl die Rolle der Schule als auch die des Kindergartens berücksichtigt. Diese Möglichkeiten sollen lediglich als ausschnittsweise Anregungen verstanden werden, darüber hinaus sind viele weitere Mittel und Wege möglich, die zu erläutern jedoch den Rahmen sprengen würden. Als aktuellen Bezug des Themas werde ich die ‚Neue Schuleingangsphase’ in Nordrhein-Westfalen in ihren Grundzügen vorstellen und in ihrer Umsetzungsplanung bewerten.
Ich verstehe die Hauptaufgabe dieser Arbeit darin, die Grundlagen dieser Diskussion offen zu legen und zu erklären, um somit ein besseres Verständnis zu erreichen. Daher spielt auch der historische Hintergrund eine besonders wichtige Rolle. Denn nur mit einer fundierten Basis können die Zusammenhänge, aktuellen Entwicklungen und Reformversuchen nachvollzogen und kritisch beurteilt werden.
2 Quellenlage
Angelehnt an die Dreiteilung dieser Arbeit möchte ich nun zunächst einen Überblick über die zentralen Quellen in dieser Reihenfolge geben. Bei den wichtigsten Quellen handelt es sich größtenteils um Sekundärliteratur.
In Kapitel 3 beschreibe ich die entwicklungspsychologischen und sozialwissenschaftlichen Grundlagen der Thematik. ‚Standardwerk’ stellt dabei sicherlich die „Entwicklungspsychologie“, herausgegeben von Rolf Oerter und Leo Montada, dar, dass mir in der vierten Auflage vorliegt. Diese umfangreiche Einführung bietet eine Betrachtung der Entwicklungspsychologie auf verschiedenen Ebenen. Neben einer allgemeinen Einführung in die Entwicklungspsychologie wird die Entwicklung, in einzelne Lebensabschnitte und Funktionsbereiche unterteilt, dargestellt. Im Anschluss wird die Entwicklungspsychologie auf verschiedene Situationsbereiche angewandt. Dabei werden auch verschiedene Entwicklungstheorien vorgestellt. Andere Werke ergänzen dieses. Die „Entwicklungspsychologie“ von Lotte Schenk-Danzinger ist eingeteilt in verschiedene Altersabschnitte, und diese dann wiederum in die einzelnen Entwicklungsmerkmale. Dabei werden auch viele klassische Betrachtungsweisen aufgezeigt. Die Herausgeberschrift ‚Angewandte Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters’, herausgegeben von Hildegard Hetzer u.a., zeigt recht umfassend verschiedene Bereiche der Entwicklung auf. Ein Kapitel widmet sich ausschließlich aktuellen Stufentheorien zur kognitiven Entwicklung. Sehr aktuell ist die „Entwicklungspsychologie“ von August Flammer, die in die verschiedenen entwicklungspsychologischen Traditionen unterteilt sind. Dabei werden verschiedene Theorien der klassischen Extrempositionen, der tiefenpsychologischen Tradition, der strukturgenetischen Tradition und der kontextualistischen Tradition aufgegriffen.
Neben dieser Literatur, die natürlich aufgrund ihrer umfassenden Informationen nur teilweise hilfreich sind, stehen auch Werke speziell für dieses Thema zur Verfügung. „Vom Kleinkind zum Schulkind“ von Horst Nickel und Ulrich Schmidt-Denter geht ganz gezielt auf die Phase des Kindes zur Zeit des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule ein, ebenfalls eingeteilt in die einzelnen Entwicklungsbereiche. Dabei wird auch insbesondere die sozialwissenschaftliche Komponente berücksichtigt. Auch der Eintritt in die Welt der Schule findet hier seinen Platz. Dabei liegt den Erläuterungen eine ökologisch-psychologische, also heute noch aktuelle, Sichtweise zugrunde. Auch die „Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters für (zukünftige) Lehrer“ ist eher spezialisiert, jedoch umfasst es eine größere Entwicklungsspanne nämlich bis zum Jugendalter. Neben einer Einteilung und verschiedene Altersstufen werden als Unterpunkte jeweils Entwicklungsaspekte aufgezeigt.
Gerade im Bereich der Entwicklungspsychologie gibt es noch viele weitere ähnliche Literatur. Hierzu verweise ich an dieser Stelle auf das Literaturverzeichnis.
Kapitel 4 widmet sich der Schulfähigkeit und der Schuleingangsdiagnostik in ihrer chronologischen Entwicklung und ihren verschiedenen Formen. Mit der Schulfähigkeit beschäftigt sich das gleichnamige Buch von Gisela Kammermeyer. Darin stellt die Autorin ein breites Spektrum von Schulreife- und Schulfähigkeitstheorien umfassend vor. Die Reihenfolge ist chronologisch angelegt. Die Bedeutung der Schulfähigkeit wird auch im Rahmen einer Neukonzeption erläutert. Die Herausgeberschrift „Schulanfang ohne Umwege“ von Gabriele Faust-Siehl u.a. beschäftigt sich unter anderem ebenfalls mit dem Schulfähigkeitsbegriff und der Entwicklung des Verständnisses hierüber. Es stellt eine Art Kurzfassung der ‚Schulfähigkeit’ von Kammermeyer dar. Ebenfalls ergänzend, vor allem für das ökopsychologische Modell ist Hartmut Hackers „Vom Kindergarten zur Grundschule“ zu betrachten.
Die Schuleingangsdiagnostik wird besonders umfassend in den „Grundlagen der Schuleintrittsdiagnostik“ von Andrea Burgener-Woeffray dargestellt. Es werden hier verschiedene Konzepte und Verfahren der Schuleintrittsdiagnostik rückblickend aufgezeigt und auch kritisch betrachtet. Darüber hinaus wird ein Konzept für eine umfassende Schuleingangsdiagnostik dargestellt. Einen Überblick über einige, aber eher ältere Schulreifetests bieten Heinz Krapp und Andreas Mandls „Eingangsdiagnostik“ und Peter E. Kalbs „Schulreifetests“. Beide Werke stellen im Überblick verschiedene Schulfähigkeitstests bis zu ihrem Erscheinen vor, dies jedoch recht kritiklos.
In Kapitel 5 beschäftige ich mich mit dem Übergang vom Kindergarten zur Grundschule. Der Aspekt des Kindergartens wird unter anderem hauptsächlich durch Internetquellen unterstützt, insbesondere das „Online-Handbuch“ zur Kindergartenpädagogik, herausgegeben von Martin Textor. Diese immer vielfältiger und umfangreicher werdende Aufsatzsammlung bietet Informationen zu den verschiedensten Bereichen der Kindergartenpädagogik, zu alternativen pädagogischen Konzepten, der Elternarbeit, Kooperation mit der Grundschule usw.
Für die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule selbst steht vor allem Norbert Hupperts „Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule“ zur Verfügung, dass die verschiedenen Ebenen der Zusammenarbeit aufzeigt und die pädagogischen Vorteile begründet.
Aufschluss über die Rolle der Schule bietet das Studien- und Arbeitsbuch „Den Anfang der Schulzeit pädagogisch gestalten“ von Wolfgang Knörzer und Karl Grass. Es bietet Aufschluss über den Übergang aus verschiedenen Perspektiven, die Schuleingangsphase mit ihren Gestaltungsmöglichkeiten, vor allem die freie Arbeit, Schulfähigkeit sowie Krisen und Probleme, die mit dem Schulanfang einhergehen. Auch die veränderte Kindheit wird beschrieben. Den Bogen zur aktuellen Diskussion schafft vor allem „Schuleingangsphase: neu gestalten“, herausgegeben von Reinhold Christiani. Verschiedene Beiträge drehen sich rund um aktuelle diagnostische Vorgehensweise, differenziertes Fördern und jahrgangsübergreifenden Unterricht.
Allen drei Teilbereichen gleichermaßen wird „Vom Kindergarten zur Grundschule“ von Hartmut Hacker gerecht. Neben dem theoretischen Aspekt werden hier besonders auch praktische Anregungen gegeben.
Die Diskussion um die Themen Schulfähigkeit und den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule wurde durch Arthur Kerns „Schulreife und Sitzenbleiberelend“ erstmals in Rollen gebracht und stand danach bis heute nicht mehr still. Während sie in den letzten Jahren jedoch etwas in den Hintergrund trat, ist sie spätestens seit PISA wieder hochaktuell.
[...]
Arbeit zitieren:
Mareike Hofmann, 2004, Schulfähigkeit und der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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