Diplomarbeit
an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Der TEACCH-Ansatz Ein pädagogisches Konzept bei Menschen mit tiefgreifenden Entwicklungsstörungen z.B. Autismus
Vorgelegt von: Evelyn Bludau
2005
In besonders klaren Nächten kommen die Elfen auf die Erde und betrachten die Menschenkinder. In das schönste verlieben sie sich und entführen es in ihre Welt. Damit die Wiege nicht leer zurückbleibt, legen sie eines der ihren hinein. Für die Menschen aber – so das Märchen – bleiben diese Elfenkinder immer Wesen aus einer fremden Welt.
Aus dem Film „Lichtblicke. Haus Bucken – ein Heim für Autisten.“ 1993
Inhaltsangabe
Einleitung ... 4
1. Autismus ... 7
1.1 Begriff und Forschungsgeschichte ... 7
1.2 Diagnose ... 9
1.2.1. Die Untersuchung ... 10
1.2.2 Diagnostische Instrumente ... 11
1.3 Abgrenzung von anderen Störungen ... 12
1.4 Autistische Störungen ... 14
1.4.1 Merkmale ... 14
1.4.2. Ätiologie ... 18
1.4.3 Epidemiologie ... 20
1.5 Frühförderung und Behandlung ... 21
1.5.1 Das Spektrum der Frühförderung ... 21
1.5.2 Hauptsächliche Methoden der Behandlung ... 22
1.5.2.1 Psychodynamisch orientierte Therapien ... 23
1.5.2.2 Biologische Interventionen ... 23
1.5.2.3 Verhaltensorientierte Interventionen ... 25
2 Der TEACCH-Ansatz ... 28
2.1 Begriff und Entwicklungsgeschichte ... 28
2.2 TEACCH-Pädagogische Grundsätze ... 28
2.3 TEACCH-Pädagogische Ziele ... 34
2.4 Grenzen der traditionellen Erziehungstechniken ... 35
2.5 Pädagogische Methoden im TEACCH-Programm ... 37
2.6 Strukturierung und Visualisierung ... 38
2.7 Förderdiagnostik und Förderplanung ... 43
3. Praktische Umsetzung des TEACCH-Programms am Beispiel von Kirsten ... 44
3.1 Falldarstellung ... 44
3.1.1 Äußeres Erscheinungsbild und medizinische Diagnose von Kirsten ... 44
3.1.2 Bisheriger Lebenslauf und Beschreibung der Verhaltensweisen ... 44
3.1.3 Aufnahme von Kirsten in einem Heim für behinderte Kinder ... 45
3.1.4 Ermittlung des Handlungsbedarfs ... 46
3.2 Kirstens Förderdiagnostik ... 47
3.3 Entwicklung eines individuellen TEACCH-Programms für Kirsten ... 54
3.3.1 Morgendlicher Ablauf im Detail ... 55
3.3.2 Durchführung des Programms ... 58
3.3.3 Der Aktivitätenplan ... 60
3.4 Was bewirkt das TEACCH-Programm bei Kirsten und beim unmittelbaren Umfeld? ... 63
3.5 Eine Zukunftsvision für Kirsten ... 65
3.5.1 Die Wahl der Wohnform ... 65
3.5.2 Tagesförderstätte oder Werkstatt? ... 66
Schlussgedanken ... 69
Literaturverzeichnis ... 72
Einleitung
Die Motivation, mich im Rahmen dieser Diplomarbeit mit dem TEACCH-Ansatz und tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wie Autismus zu beschäftigen, ist zweifellos durch meine jetzige Arbeit entstanden.
Seit knapp zwei Jahren bin ich in einer Hamburger Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Körper- und Mehrfachbehinderungen tätig. Das Heim bietet Wohn- und Lebensraum für 40 Kinder und Jugendliche in fünf Wohngruppen.
In der Regel werden Kinder ab dem zweiten Lebensjahr aufgenommen, die dann bis zur Schulentlassung im Heim wohnen.
Das Heim ist eine Einrichtung der Eingliederungshilfe nach SGB XII, §§53, 54, 55 (Sozialgesetzbuch, 2005, Sechstes Kapitel). Da die Altersspanne der Bewohner groß und ihre Beeinträchtigungen sehr unterschiedlich sind, variieren auch die Maßnahmen zur Förderung. Neben Kindern mit schweren Mehrfachbehinderungen, die eine hohe Pflegeintensität benötigen, leben Kinder, die motorisch mobiler sind.
Aus den Leitlinien für die Arbeit der Einrichtung, denen ein christliches Menschenbild zugrunde liegt, das den Menschen als ein in seiner Einmaligkeit von Gott geliebtes Wesen sieht, dessen Würde zu achten ist und das ein Recht auf Wertschätzung und Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, entsteht der Anspruch, die Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen und sie auf ihrem individuellen Lebensweg zu begleiten. Alle Bewohner des Heimes sollen alters- und reifeentsprechend ein hohes Maß an Selbstbestimmung leben können und in ihren Kompetenzen gestärkt werden. Dies gilt auch und in besonderem Maße für den Anspruch der pädagogisch-therapeutischen Förderung.
Die Frage, wie eine solche Förderung bei Kindern mit autistischen Störungen verlaufen kann, beschäftigt mich seit ich mit ihnen in Kontakt kam. Zur Zeit leben im Kinderheim einige Kinder mit autistischen Störungen auf die fünf Gruppen des Hauses verteilt. Ihr mehr oder weniger auffälliges und störendes Verhalten kann sich in hohem Maß auf die Mitbewohner wie auch auf die Mitarbeiter negativ auswirken, wenn nicht ein grundlegendes Verständnis für die besonderen Bedürfnisse und subjektiven Schwierigkeiten dieser Kinder vorhanden ist.
Verhaltensweisen von autistischen Menschen weichen oftmals in erheblichem Maße von den unsrigen ab und erscheinen häufig unverständlich und nicht nachvollziehbar. Es gelingt uns meist nicht, diese Verhaltensweisen funktional aus dem Kontext heraus zu erklären (Slotta, 2002, 28).
„Störung ist das Durcheinanderbringen der Ordnung anderer. Derjenige, der mich stört, bringt meine Ordnung, mein Vorstellungssystem durcheinander, d.h. er hat die Fähigkeit dieses zu tun. Das Durcheinanderbringen der Ordnung ist jedoch die Quelle für die Suche nach einem neuen, anderen Ordnungszustand. [...] Störung ist die Bedingung der Möglichkeit von Veränderung.“ (Walthes, 1997. In: Slotta, 2002, 29)
Ob der TEACCH-Ansatz eine Möglichkeit von Veränderung ist und Kindern mit Autismus und anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörungen eine entsprechende Betreuung und Förderung geben kann, und inwiefern die Umsetzung eines solchen Programms in einer Einrichtung wie der oben beschriebenen gelingen kann, soll in dieser Diplomarbeit behandelt werden.
Das erste Kapitel dieser Arbeit befasst sich mit Autismus und anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Über dieses Thema existiert eine große Bandbreite an Literatur, aus der ich einen kurzen Abriss über Begriff und Forschungsgeschichte gebe. Die Vorstellung der Diagnoseverfahren und die Abgrenzung zu anderen Störungen führen zur Beschreibung der eigentlichen autistischen Störungen. Des weiteren berichte ich über Möglichkeiten der Frühförderung und Behandlung.
Im zweiten Kapitel widme ich mich den theoretischen Ausführungen des TEACCH-Ansatzes. Auch hier gehe ich zunächst kurz auf Begriff und Entwicklungsgeschichte ein. Im weiteren Verlauf lege ich die pädagogischen Grundsätze und Ziele des Programms dar. Nachdem ich die Grenzen traditioneller Erziehungstechniken veranschauliche, erläutere ich die Methoden des TEACCH-Ansatzes und die Wege der Erstellung eines individuellen Programms.
Ein Beispiel aus meiner Praxis soll im dritten Kapitel zeigen, wie die Umsetzung des TEACCH-Ansatzes aussehen kann. Nach der Falldarstellung von Kirsten folgt ihre Förderdiagnostik und die Entwicklung ihres individuellen Programms. Ich befasse mich mit den Auswirkungen des pädagogischen Programms für das Kind und die beteiligten Mitarbeiter und entwerfe schließlich noch eine Zukunftsvision für Kirsten.
Zum Sprachgebrauch dieser Arbeit: Zur besseren Lesbarkeit habe ich mich für die männliche Form entschieden. Diese gilt selbstverständlich immer für beide Geschlechter.
[...]
Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz.Päd. Evelyn Bludau, 2005, Der TEACCH-Ansatz - Ein pädagogisches Konzept bei Menschen mit tiefgreifenden Entwicklungsstörungen z.B. Autismus, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
TEACCH - ein Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus
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