Diplomarbeit im Studium zum Diplom-Ergotherapeuten (FH)
NLP und Gesprächsführung nach Rogers im Kontext der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie
– sinnvolle Kombinationsmöglichkeit oder unvereinbarer Gegensatz?
Verfasser: Siegfried Nohner
2005
»Während meines ganzen beruflichen Lebens habe ich mich in Richtungen bewegt, die andere für töricht hielten und an denen ich oft selber gezweifelt habe. Ich habe es aber nie bereut, Wege eingeschlagen zu haben, die mich >richtig< anmuteten, auch wenn ich mich damals oft einsam oder albern gefühlt habe« Carl Rogers
»Das, was ich Ihnen beibringe, funktioniert, aber ich möchte, daß Sie beginnen, zu überlegen, was sonst wohl noch besser funktionieren könnte« Richard Bandler
Inhaltsverzeichnis
1. Stilistisches zur vorliegenden Arbeit ... 1
2. Persönliches zur Wahl des Themas ... 1
3. Hypothesenentwicklung ... 2
4. Zum Aufbau und Inhalt der Arbeit ... 4
5. Vorstellung der Modelle ... 5
5.1 Die Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers ... 5
5.1.1 Die Basisvariablen des Therapeuten ... 7
5.1.1.1 Wertschätzung ... 7
5.1.1.2 Kongruenz ... 8
5.1.1.3 Empathie ... 9
5.1.2 Die Aktualisierungstendenz des Klienten ... 10
5.1.3 Vor- und Nachteile der Klientenzentrierten Gesprächsführung bezüglich der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie ... 11
5.1.3.1 Vorteile ... 11
5.1.3.2 Nachteile ... 12
5.2 Das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP) ... 14
5.2.1 Pacing und Rapport ... 16
5.2.2 Wirklichkeitsebenen / Oberflächen- und Tiefenstruktur ... 16
5.2.3 Ankern ... 17
5.2.4 Kooperationsstile ... 17
5.2.5 Symptomverschreibungen ... 18
5.2.6 Refraiming ... 18
5.2.7 Blickkontakt / Augenzugangshinweise ... 19
5.2.8 Wohlgeformte Ziele ... 20
5.2.9 Vor- und Nachteile des NLP bezüglich der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie ... 21
5.2.9.1 Vorteile ... 21
5.2.9.2 Nachteile ... 22
6. Gemeinsamkeiten und Gegensätze ... 23
6.1 Gemeinsamkeiten ... 24
6.1.1 Empathie / Pacing und Rapport ... 24
6.1.2 Wertschätzung und die immer positive Absicht ... 25
6.1.3 Loslösung von Diagnostik / Ablehnung der Pathologie ... 25
6.1.4 Aktualisierungstendenz und Selbstheilungskräfte ... 26
6.2 Gegensätze ... 26
6.2.1 Die Intervention ... 27
6.2.1.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Intervention ... 27
6.2.1.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Intervention ... 28
6.2.2 Die Therapeutenkongruenz ... 29
6.2.2.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Therapeutenkongruenz ... 29
6.2.2.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Therapeutenkongruenz ... 30
6.2.3 Die Zielformulierung ... 31
6.2.3.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Zielformulierung ... 31
6.2.3.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Zielformulierung ... 31
6.2.4 Die Geschwindigkeit der Veränderung ... 31
6.2.4.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Veränderungsgeschwindigkeit ... 31
6.2.4.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Veränderungsgeschwindigkeit ... 32
7. Erstellung eines Kombinationsmodells bezogen auf die ergotherapeutische Arbeit in der klinischen Geriatrie ... 33
7.1 Grundgedanken zur Konzeptentwicklung ... 33
7.2 Das Setting ... 35
7.3 Die innere Vorbereitung ... 35
7.4 Einstieg in das Gespräch ... 36
7.5 Der weitere Gesprächsverlauf ... 37
7.6 Die Erarbeitung eines Zieles ... 38
7.7 Zusammenfassende Betrachtung des Kombinationsmodells unter ergotherapeutischen Gesichtspunkten im Kontext der klinischen Geriatrie ... 39
8. Überprüfung des Kombinationsmodells im Zuge exemplarischer Anwendungen ... 41
8.1 geplantes Vorgehen ... 41
8.2 Vorstellung von vier Therapiegesprächen ... 43
8.2.1 Gespräch mit Frau A. ... 43
8.2.2 Gespräch mit Frau W. ... 47
8.2.3 Gespräch mit Frau S. ... 49
8.2.4 Gespräch mit Herrn B. ... 53
8.3 Auswertung der Gespräche ... 55
8.3.1 Bewertung der Zielformulierungen ... 55
8.3.2 Bewertung der Therapeutenkongruenz ... 56
8.3.3 Bewertung des Zeitrahmens ... 57
8.3.4 Zusätzliche Bewertung im Zuge der Überprüfung des Kombinationsmodells ... 57
9. persönliches Fazit ... 58
Quellenverzeichnis
1. Stilistisches zur vorliegenden Arbeit
Im Zuge der schriftlichen Erstellung dieser Diplomarbeit wurde im Falle der allgemeinen Erwähnung therapeutischer Personen und Klienten die maskuline Anredeform gewählt, um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten. Es wird an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die entsprechenden Textstellen gleichermaßen auf weibliche wie männliche Personen beziehen [vgl. THEISEN 2002:139].
2. Persönliches zur Wahl des Themas
Im Vergleich zu anderen Medizinalfachberufen ist die Ergotherapie besonders gefordert, Klienten in ihrer Ganzheitlichkeit wahrzunehmen und gleichermaßen physische, kognitive und psychische Belange der zur Behandlung anvertrauten Menschen zu berücksichtigen [vgl. BISCHOFF 2000:33]. Zu den therapeutischen Kompetenzen zählen somit sowohl senso-motorischfunktionelle und neuropsychologische als auch psychosoziale Fähigkeiten und Fertigkeiten. Gerade für letztere erscheint die Beherrschung kommunikativer Werkzeuge als unbedingt sinnvoll.
Bestandteil meiner ergotherapeutischen Ausbildung war auch die Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers, welche mich schon zu diesem Zeitpunkt – wenn auch nur in absoluter Grundlagenform vermittelt – beeindruckt und angesprochen hat. Nach Beendigung meines Examens hatte ich unter anderem innerhalb des Absolvierens von Fachfortbildungen zudem mehrmals Kontakt mit der Methode des NLP, und eine kombinierte Anwendung beider Konzepte erschien mir „aus dem Bauch heraus“ immer als sinnvoll. Im Zuge des derzeitigen Studiums bekam ich Gelegenheit, mich mit der Methode von Rogers noch einmal genauer auseinanderzusetzen. Mit einem Verknüpfungsgedanken beider Konzepte unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten konnte ich mich erstmalig im Zuge der durchzuführenden mündlichen Prüfung befassen. Die darauf hin geführte kontroverse Diskussion ergab für mich den Anlass zu einer Vertiefung und Überdenkung der Thematik. Siegfried Nohner Diplomarbeit „Rogers und NLP“ 2 Das vorliegende Thema wurde deshalb mit Bedacht gewählt, um eine Überprüfung des beschriebenen „Bauchgefühls“ in wissenschaftlicher Methode durchzuführen.
3. Hypothesenentwicklung
Innerhalb therapeutisch vorgehender Berufsgruppen existiert eine große Anzahl von Methoden und Konzepten, welche durchweg sicherlich prinzipiell erfolgreich in ihren jeweiligen Anwendungen funktionieren. Gerade bezogen auf den Beruf des Ergotherapeuten mit seinem breiten Tätigkeitsspektrum können die unterschiedlichsten Behandlungsmethoden auftauchen. Im sensomotorisch- funktionellen Bereich beispielsweise trifft man oft auf die Anwendung verschiedener neurophysiologischer Konzepte (z.B. Bobath, Perfetti, PNF, Affolter, etc.). Alle diese Konzepte sind allgemein anerkannt und ihre Effizienz hinreichend erwiesen. Sie beruhen, so unterschiedlich ihre Herangehensweisen an therapeutische Aufgaben auch sein mögen, jedoch alle auch auf den gleichen neurophysiologischen Erkenntnissen und können sich somit prinzipiell nicht widersprechen. Nach subjektiver Erfahrung ist ihre erfolgreiche Anwendung eher von Vorlieben des Therapeuten einerseits als auch von der Individualität des Klienten andererseits abhängig. Ein von seinem Wesen her eher sehr autonom eingestellter Klient vermag beispielsweise unter Umständen gut von einer Therapie in Anlehnung an PNF profitieren, einem neurophysiologischen Konzept, welches in seiner Anwendung dem Klienten oft viel Bewegungskontrolle überlässt. Dem gegenüber wird ein Klient, welcher sich eher „in die Hände seines Therapeuten“ begeben möchte, möglicherweise größeren Nutzen aus einer Bobath-Behandlung ziehen, da diese Methode häufig über die Führung der Bewegung durch den Therapeuten funktioniert. In beiden Fällen ist der Behandlungserfolg jedoch auch von der Überzeugung des Therapeuten selbst von der Wirksamkeit des jeweiligen Konzeptes abhängig.
Gleiches gilt sicherlich auch für Vorgehensweisen im psychosozialen Bereich ergotherapeutischer Arbeit. Auch hier sollte man davon ausgehen können, dass Konzepte, welche in ihrer Wirksamkeit hinreichend anerkannt sind, sich in ihren Grundlagen nicht fundamental widersprechen. Inwiefern diese Annahme zutreffend ist, soll unter anderem innerhalb dieser Arbeit geklärt werden.
Die beiden gewählten Gesprächsmethoden bieten sich für eine ergotherapeutische Betrachtung gut an. Das Konzept nach Rogers ist, wie bereits erwähnt, in Grundlagen Inhalt der ergotherapeutischen Ausbildung. Die Methode des NLP beruht auf der Philosophie des Konstruktivismus [vgl. BRILL 2005:Min.9], welcher sich gleichermaßen aus geistes- und naturwissenschaftlichen Ansätzen entwickelt hat [vgl. KÖLSCH-BUNZEN 2005:63]. Gerade für den Beruf des Ergotherapeuten mit seinen Schwerpunkten sowohl in natur- als auch in geisteswissenschaftlichen Arbeitsbereichen erscheint eine praktizierbare konstruktivistische Gesprächsmethode somit als durchaus sinnvoll.
Bezogen auf die ergotherapeutische Tätigkeit innerhalb der klinischen Geriatrie muss der Anwendung kommunikativ-therapeutischer Techniken eine besondere Bedeutung zukommen. Immerhin befinden sich die Klienten innerhalb dieses Kontextes im Gegensatz zu jüngeren Patienten in allgemeinversorgenden Krankenhäusern oder entsprechenden Rehabilitationseinrichtungen häufig in einer Situation, die für sie einschneidende soziale Konsequenzen beinhalten kann (Frage nach Möglichkeit zur Rückkehr in die häusliche Umgebung, Erhalt der bisherigen Alltagsautonomie, etc.). Damit zusammenhängend entstehen häufig Ängste, welche einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Beziehung zwischen Therapeut und Klient haben können. Die Erwartungen an den Ergotherapeuten sind in diesem Zusammenhang von besonderem Charakter, da er an einer Verbindung von klinischem Bild und Zukunftsperspektive maßgeblich beteiligt ist [vgl. BISCHOFF 2000:52]. Verständnis für die unter den genannten Umständen häufig besonders hohe Verunsicherung und Erwartungshaltung von Klienten und Angehörigen zu zeigen, aber auch realistische Ziele mit dem Klienten zu erarbeiten und zu verwirklichen, erfordert unter anderem ein nicht geringes Maß auch an kommunikativen Kompetenzen. »Gespräche, die gut strukturiert sind, haben Siegfried Nohner Diplomarbeit „Rogers und NLP“ 4 eine wesentlich nachhaltigere Wirkung als Gespräche, die „irgendwie“ ablaufen. «[GEISLER 2003:5]
Zudem erscheint es gerade im geriatrisch-klinischen Umfeld außergewöhnlich wichtig zu sein besonderes Augenmerk auf das Thema der Klienten-Autonomie zu richten. Einerseits neigen verantwortliche Hilfspersonen (Angehörige, Pflegekräfte, Therapeuten, etc.) oft zur „Entmündigung“ der Klienten, andererseits haben sich diese häufig auch schon in einer solchen Situation adaptiert, indem sie Hilfestellungen in den verschiedenen alltagsrelevanten Handlungsbereichen unnötigerweise einfordern, was dem Erhalt der Selbsthilfefähigkeit eher abträglich ist [vgl. BÖHM 1999:142 ff]. Autonomieerhalt spielt gerade in diesem Kontext eine grosse Rolle [vgl. BÖHM 1999: 30 ff] und damit zusammenhängend auch das Animieren zur Äußerung eigener Vorstellungen bezüglich Therapieziele und -Inhalte. Eine Gesprächsmethodik, welche dieser Anforderung gerecht wird, wäre somit in jedem Fall ein gewinnbringender Faktor in der klinischen Behandlung geriatrischer Klienten.
Unter dem Eindruck der geschilderten Gedanken entstand folgende, innerhalb dieser Arbeit zu bestätigende oder zu widerlegende Hypothese:
Innerhalb der klinischen Geriatrie ist bezogen auf die ergotherapeutische Arbeit eine Verknüpfung des Gesprächsführungskonzeptes nach Rogers und der Methode des NLP in den jeweiligen Grundzügen durchführbar und sinnvoll.
[...]
Arbeit zitieren:
Siegfried Nohner, 2005, NLP und Gesprächsführung nach Rogers im Kontext der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie - sinnvolle Kombinationsmöglichkeit oder unvereinbarer Gegensatz, München, GRIN Verlag GmbH
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