INHALT
VERZEICHNIS DER VERWENDETEN ABKÜRZUNGEN 4
1. EINLEITUNG 5
2. FRAGESTELLUNG 7
3. ALLGEMEINE INFORMATIONEN ZUR EINRICHTUNG DER SITUATION IN DER
WERKSTATT UND ZU VERSCHIEDENEN AUSGEWÄHLTEN PSYCHISCHEN
ERKRANKUNGEN 8
3.1 Informationen über die Lukaswerkstatt und das Leitbild 8
3.2 Zusammenarbeit von geistig behinderten Menschen und chronisch psychisch
kranken Menschen in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) 10
3.3 Darstellung der Situation in der Lukaswerkstatt 13
3.4 Allgemeine Bemerkungen zu Formen psychischer Erkrankungen 14
3.4.1 Die Psychose 15
3.4.2 Die Neurose 16
3.4.3 Die Borderline Störung 16
3.4.4 Die Schizophrenie 17
3.4.5 Die Depression 18
3.4.6 Die Manie 19
3.4.7 Angst- und Zwangsstörungen 20
3.5 Vorhandene Formen in der Gesprächsgruppe 21
4. ZERA WAS IST DAS 23
4.1 Allgemeine Punkte zum ZERA Modell 23
4.2 Konzeption des ZERA Modells 26
5. THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUR DURCHFÜHRUNG DER
GESPRÄCHSGRUPPE 31
5.1 Zielgruppe und Zielsetzungen 31
5.2 Methoden und Rahmenbedingungen 33
5.3 Durchführungsweise 35
5.4 Wissenschaftliche Begleitforschung 36
2
6. DURCHFÜHRUNG DER GESPRÄCHSGRUPPE 37
6.1 Umsetzung der Konzeption in der Lukaswerkstatt 37
6.2 Vorstellung der Gruppe anhand des Krankheitsbildes 37
6.2.1 Frau W 38
6.2.2 Frau B 39
6.2.3 Frau G 40
6.2.4 Herr S 41
6.3 Verlauf Beobachtungen und Ergebnisse der Sitzungen 41
6.3.1 Erste Sitzung 42
6.3.2 Zweite Sitzung 45
6.3.3 Dritte Sitzung 57
6.4 Feedback 79
7. EIN BEISPIEL FÜR DIE SOZIALE ARBEIT MIT CHRONISCH PSYCHISCH
KRANKEN MENSCHEN UND EINIGE BERUFSETHISCHE GRUNDPOSITIONEN 82
7.1 Soziale Arbeit mit chronisch psychisch kranken Menschen 82
7.2 Berufsethische Grundpositionen 84
8. ZUSAMMENFASSUNG 85
LITERATURVERZEICHNIS 87
VERZEICHNIS DER TABELLEN 89
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN 90
3
Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen
BAG WfB Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Behinderte
EU – Rente Erwerbsunfähigkeitsrente
vgl. Vergleiche
WfB Werkstatt für Behinderte
WfBM Werkstatt für behinderte Menschen
z. B. zum Beispiel
ZERA Zusammenhang zwischen Erkrankung, Rehabilitation und Arbeit
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1. Einleitung
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Aufbau einer Gesprächsgruppe für chronisch psychisch kranke Menschen in einer Werkstatt für behinderte Menschen anhand des ZERA – Modells“. Die Abkürzung ZERA bedeutet: Zusammenhang zwischen Erkrankung, Rehabilitation und Arbeit.
Dieses Modell ist sehr neu, deshalb gibt es nur begrenzt Informationen und Materialien aus der Literatur. Weitestgehend alle vorhandenen Schriften, die dieses Thema bearbeiten, finden sich in dieser Arbeit wieder. Aufgrund dessen ist die Liste der verwendeten Literatur etwas kürzer. Auch ist dieses Modell nur eine Form der Hilfe für chronisch psychisch kranke Menschen. Hilfe- angebote gibt es viele, jedoch würde deren ausführliche Erläuterung den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Ich möchte keines der anderen Hilfeangebote mit diesem neuen Modell in Frage stel- len.
Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, ob die gesteckten Ziele von ZERA in der Werkstatt für be- hinderte Menschen, in der ich meinen praktischen Studienteil absolvierte, umsetzbar und reali- sierbar sind.
Im Buch „Psychosoziale Arbeitshilfen“ von Irmgard Plößl, Matthias Hammer und Ulrich Schelling heißt es: „Das ZERA – Programm greift Fragen, Ängste und Informationsdefizite auf und vermittelt in strukturierter Form Informationen und Problemlösestrategien, wobei zusätz- lich gruppenspezifische Wirkfaktoren gezielt genutzt werden. Die übergeordnete Zielsetzung dabei ist, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin zu unterstützen, das jeweils individuell op- timale Anforderungsniveau herauszufinden und somit Über- und Unterforderung im beruflichen Bereich so weit wie möglich zu vermeiden.“ Zielgruppe des Modells sind chronisch psychisch kranke Menschen in Bereich der beruflichen Bildung. Diese Voraussetzung ist in der Werkstatt nicht realisierbar, da sich derzeit niemand aus dieser Personengruppe im Berufsbildungsbereich befindet. Die Gesprächsrunden wurden also mit chronisch psychisch kranken Menschen aus den verschiedenen Arbeitsbereichen der Werk- statt durchgeführt. Ich denke, der Grund für die Zielgruppe „Chronisch psychisch krank und im Berufsbildungsbereich“ wurde deshalb gewählt, weil diese Menschen am Anfang einer Werk- statttätigkeit stehen und somit unter Umständen erst kurze Zeit vorher den ersten Arbeitsmarkt verlassen haben. Bei ihnen ist eine Rückführung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wahrschein- licher als bei Menschen, die schon viele Jahre in einer Werkstatt arbeiten.
Doch auch wenn die Rückführung nicht oder nicht mehr wahrscheinlich ist, denke ich dass auch in den Arbeitsbereichen genügend Probleme auftreten, wo Klärungsbedarf besteht. Da es den Gruppenleitern häufig nicht möglich ist, individuell auf die einzelnen Beschäftigten einzugehen
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ist die Gesprächsgruppe eine gute Möglichkeit, einmal seine Probleme darzustellen, denn der Zusammenhang zwischen Erkrankung, Rehabilitation und Arbeit ist weitaus größer als man denken mag.
Für die Teilnehmer an den Gesprächsrunden war es auf gewisse Weise erleichternd, zu sehen, dass es noch mehr Menschen in dieser Werkstatt gibt, die das gleiche Krankheitsbild haben wie sie. Sie haben gemerkt, sie sind mit ihren Problemen, Ängsten und Sorgen nicht allein. Es fand zeitweise ein reger Gedanken- und Informationsaustausch ohne Zutun des Trainers unter den Teilnehmern statt. Obwohl sie alle schon über einen längeren Zeitraum gemeinsam arbeiten, wurden solche Themen nie diskutiert.
Die Gesprächsgruppe ist auch für andere Mitarbeiter dieser Werkstatt als Anstoß zu sehen, in dieser Richtung weiter zu arbeiten. Vielleicht ist es möglich, diese Gruppe in Form eines beglei- tenden Angebotes, was einmal wöchentlich stattfinden könnte, fortzuführen. Ich denke, der Be- darf ist auch bei anderen chronisch psychisch Kranken vorhanden. Aufgrund der Kürze der Zeit konnte nur mit ausgewählten Personen gearbeitet werden.
Hier noch ein paar kurze Informationen zum Aufbau der Arbeit.
Ich werde mich im ersten Teil mit allgemeinen theoretischen Abhandlungen über die Werkstatt, mit der Situation der Zusammenarbeit von geistig behinderten und chronisch psychisch kranken Menschen, mit einigen ausgewählten psychischen Erkrankungen und mit erläuternden Punkten zum ZERA – Modell befassen. Im weiteren Verlauf werde ich genauere Informationen über die Durchführung der Gesprächsgruppen geben und Beobachtungsergebnisse, Erwartungen der Teilnehmer und nähere Informationen über diese spezielle Gruppe darstellen.
Abschließen wird die Arbeit mit einem kurzen Überblick über die Tätigkeit eines Sozialpädago- gen in der Arbeit mit chronisch psychisch kranken Menschen am Beispiel des Sozialdienstes einer psychiatrischen Klinik und einigen ethischen Punkten, die der Sozialpädagoge in seiner Arbeit berücksichtigen sollte.
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2. Fragestellung
Die wichtigste Frage, die in der Arbeit mit dem ZERA – Modell aufkommt, lautet: „Ist es möglich, mit Hilfe der Gesprächsgruppen einen chronisch psychisch kranken Menschen, der derzeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeitet, dahingehend zu fördern, dass eine Rückführung auf den ersten Arbeitsmarkt möglich ist?“ Meiner Meinung nach ist dieses Ziel extrem hoch festgesetzt und nur in den wenigsten Fällen realisierbar. Mit den Personen, mit denen ich die Gesprächsgruppe durchgeführt habe halte ich es eher für unwahrscheinlich. Sicher spielt da auch in gewisser Weise die Tatsache eine Rolle, dass alle schon lange Zeit in der Werkstatt tätig sind und kaum noch in der Lage sein werden, den hohen Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Dahingehend ist die Forderung, die Personen sollten sich im Berufsbildungsbereich befinden, sicher nicht ganz von der Hand zu weisen. Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist es bei diesen wahrscheinli- cher, eine Rückführung zu ermöglichen, da sie unter Umständen erst kurz zuvor den allgemei- nen Arbeitsmarkt verlassen haben.
Eine wichtige Frage ist auch, ob die Situation des chronisch psychisch kranken Menschen so- weit gefestigt werden kann, dass eine qualifizierte Weiterarbeit in der Werkstatt möglich ist. Die- se Frage, die auch gleichzeitig ein Ziel von ZERA darstellt, lässt sich mittels der Gesprächs- gruppen beantworten. Da die psychisch Kranken hier die Möglichkeit haben, in Ruhe über ihre Probleme zu sprechen und mit anderen Betroffenen reden zu können, kann ihre Situation gefes- tigt werden. Sie sehen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind, dass es weitere Betroffe- ne gibt und dass jemand da ist, an den sie sich mit ihren Problemen wenden können. Zwei weitere Fragen, die ich mit Hilfe der Gesprächsgruppe versuchen möchte zu beantworten, sind folgende:
Gibt es Unterschiede in der Mitarbeit und dem Umgang mit der Krankheit zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmer?
Existieren Unterschiede bezüglich des Alters hinsichtlich der Möglichkeit eines Praktikums oder der Rückführung auf den ersten Arbeitsmarkt?
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3. Allgemeine Informationen zur Einrichtung, der Situation in der Werkstatt und zu verschiedenen ausgewählten psychischen Erkrankungen
3.1 Informationen über die Lukaswerkstatt und das Leitbild
Allgemeines zur Lukaswerkstatt
Die Lukaswerkstatt, eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) der Stadtmission Zwickau e.V., befindet sich mit Hauptgebäude, Gewächshaus- und Containeranlage auf einer Fläche von ca. 13.000 m² im Stadtteil Niederplanitz. In unmittelbarer Nähe befinden sich Verkehrsanbin- dungen zur Autobahn, zum Zentrum sowie zum Landkreis.
Die Region unterteilt sich in 3 Einzugsbereiche. Die Lukaswerkstatt beschäftigt behinderte Men- schen aus der Stadt Zwickau, dem Landkreis Zwickauer Land sowie z. T. auch überregional. Die Werkstatt ist mit einem gesonderten Arbeitsbereich auf gehörlose und taubblinde Menschen spezialisiert.
Die Konzeption weist die Auslastung der Werkstatt mit 180 Plätzen nach. Menschen mit den verschiedensten Behinderungsarten werden in der Werkstatt betreut. Dies sind Autisten, Epilep- tiker, Alkoholkranke, verhaltensauffällige Menschen mit Behinderung, gehörlose und taubblinde Menschen, Lernbehinderte, Schwerstkörperbehinderte, geistig Behinderte und chronisch psy- chisch Kranke. Auf letztere Personengruppe ist das Hauptaugenmerk dieser Arbeit gerichtet. Im nächsten Abschnitt handelt es sich um Fakten aus der Geschichte.
Darum wird hier die Bezeichnung „Werksatt für Behinderte“ und nicht „Werkstatt für behinderte Menschen“ verwendet. Erst mit den Änderungen im Sozialgesetzbuch IX vom 01.07.2001 trat die Bezeichnung Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Kraft. Diese werde ich auch im weiteren Verlauf der Arbeit verwenden.
Die Geschichte der Einrichtung reicht bis in das Jahr 1973 zurück. In diesem Jahr wurde die Förderwerkstatt mit 26 Plätzen eröffnet. Träger war die Innere Mission Zwickau unter dem Ver- einsdach der Inneren Mission Radebeul. Bis 1990 wurden in der Förderwerkstatt überwiegend ältere geistig behinderte und mehrfachbehinderte Menschen betreut. Im Jahr 1990 erhielt die Einrichtung die vorläufige Anerkennung als Werkstatt für Behinderte (WfB) durch die Bundesan- stalt für Arbeit. Nun galt es, den Charakter einer beschützenden Werkstatt umzuwandeln in eine Werkstatt für Behinderte nach dem Schwerbehindertengesetz.
Im folgenden Jahr wurden räumliche Veränderungen sowie Neu- und Umstrukturierungen durchgeführt. 1996 wurde dann der Neubau in Niederplanitz, die Einrichtung von der hier die Rede ist, eröffnet.
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Diese ist nach DIN ISO 9001 zertifiziert. Jährliche Überwachungsaudits sichern die Gültigkeit des Systems. Durch die Einführung des Qualitätsmanagements konnte die Arbeit der Mitarbeiter besser strukturiert werden. Durch Einführung vereinheitlichter Dokumente etc. konnte die Aus- wertung der eigenen Arbeit und die Darstellung der erbrachten Leistungen verbessert werden. Die Werkstatt ist um eine binnendifferenzierte Betreuung schwer geistigbehinderter, schwer kör- perbehinderter, chronisch psychisch kranker sowie gehörloser und taubblinder Menschen be- müht.
In der Broschüre, in der das Leitbild der Werkstatt dargestellt wird, heißt es: „Wichtigste Aufgabe unserer Werkstatt ist es, Menschen mit Behinderung, soweit dies ihnen möglich ist und es ihren Bedürfnissen entspricht, ein Leben in Normalität zu bieten. Diesen An- spruch erfüllen wir in unserer Werkstatt durch die begleitete Teilhabe behinderter Menschen an Arbeit. Unsere Zielsetzung bei der „Betreuung“ behinderter Menschen ist in unserer Unterneh- menszielsetzung festgelegt. Dies ist verbindliche Richtschnur unseres Handelns.“
Das Leitbild der Lukaswerkstatt
Die Stadtmission Zwickau e.V. hat sich unter anderem die ganzheitliche Rehabilitation von geis- tig- und körperbehinderten sowie seelisch kranken Menschen zum Ziel gesetzt. Das Leitbild der Werkstatt umfasst verschiedene Qualitätsgrundsätze. Für die Betreuung im Bereich Arbeit gel- ten folgende Punkte:
„Maßstab unseres Handelns ist die Zufriedenheit der von uns zu betreuenden
x
Menschen.“ Die Leistungen sind an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet. Erforderlich hierfür
x
ist die Kommunikation mit den Menschen an sich und ihrem persönlichen Umfeld. Dabei werden alle geeigneten Erkenntnisse der Pädagogik und der Psychologie eingesetzt. Um die Arbeit mit den behinderten Menschen kontinuierlich zu verbessern wird regelmäßig
x
überprüft, inwieweit die Arbeit den Bedürfnissen der behinderten Menschen gerecht wird. „Wir orientieren uns bei unserer Dienstleistung an den Erkenntnissen der wissenschaftli-
x
chen Forschung und bilden unsere Mitarbeiter dementsprechend aus.“ Die Leistungen für den behinderten Menschen sind auf den Einzelfall ausgerichtet und
x
werden vertraglich zugesichert.
Die „Betreuung“ ist in überschaubaren Schritten gestaltet und nach den Lebensphasen
x
des behinderten Menschen ausgerichtet. Der betreuende Mitarbeiter ist für die Qualität seiner Leistung verantwortlich.
9
Diese kurz zusammengefassten Qualitätsgrundsätze finden sich auch im Leitbild des Trägers als eines der Ziele wieder.
3.2 Zusammenarbeit von geistig behinderten Menschen und chronisch psychisch kranken Menschen in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)
Werkstätten für behinderte Menschen sind verpflichtet, allen anspruchsberechtigten Erwachse- nen, unabhängig von Art und Schwere der Behinderung, einen Werkstattplatz zur Verfügung zu stellen,. Mit dieser Regelung wären alle Betroffenen "unter einem Dach".
Werkstätten, die auf die speziellen Anforderungen chronisch psychisch kranker Menschen aus- gerichtet sind, gibt es schon seit den 60er Jahren. Diese vermehrten sich 1980 rasant mit dem Inkrafttreten der Werkstättenverordnung. Der medizinischen, therapeutischen und rehabilitativen Differenzierung zwischen geistig behinderten und chronisch psychisch kranken Menschen ent- spricht diese Spezialisierung der Werkstätten. Die differenzierte Ausrichtung auf Personen mit bestimmten Behinderungsarten ist nicht unumstritten. In Tabelle 1 sind Gründe für die Speziali- sierung aus dem Jahr 1981 in einer Tabelle aus dem Buch „Die Werkstätten für Menschen mit psychischen Behinderungen. ihre Herausbildung, Entwicklung und Perspektive“ von Wilfried Hautop und Ulrich Scheibner zusammengefasst.
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Tabelle 1 (vgl. BAG WfB: Die Werkstätten für Menschen mit psychischer Behinderung, S. 85)
Heute wird eine Spezialisierung nicht mehr bestritten. Wesentliche Gründe dafür werden von Hautop und Scheibner in folgenden Punkten aufgezeigt:
Die Mehrzahl chronisch psychisch kranker Menschen ist nicht intelligenzgeschädigt. Nach
x
der gängigen Definition des Intelligenzquotienten sind die meisten psychisch behinderten Werkstattbeschäftigten nicht geistig behindert.
Viele Formen psychischer Erkrankung verlaufen in dynamischen, abrupten und episoden-
x
haften Schüben im Wechsel zwischen Hoch und Tief. Dies bringt Konsequenzen für die Arbeitsbereitschaft, die Arbeitsfähigkeit und die Arbeitsmöglichkeit mit sich. Psychische Störungen haben Diskontinuität zur Folge. Diese Beeinträchtigung verlangt
x
von der Werkstatt und ihrem Fachpersonal ein hohes Maß an Flexibilität und Improvisati- onsfähigkeit.
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Psychische Behinderungen zeichnen sich durch Antriebs- und Selbstwertstörung, Instabili-
x
tät des Gefühlslebens, Verzerrung des Realitätsbezuges, manische Erkrankungen durch ansteigende Aggression und übersteigertem Antrieb aus. Auch Angst- und Panikattacken haben Folgen für den Arbeits- und Berufsförderungsprozess.
Die meisten der chronisch psychisch Kranken haben einen Beruf oder eine qualifizierte
x
berufliche oder schulische Vor- oder Ausbildung. Viele von ihnen können nicht in den Be- ruf zurück. Sie bringen weitgehend entwickelte und beherrschte Kulturtechniken mit, auf die in der Arbeits- und Berufsförderung sowie der Persönlichkeitsentwicklung gebaut wer- den kann.
Zahlreiche chronisch psychische Erkrankungen erfordern dauerhafte ärztliche und medi-
x
kamentöse Behandlung. Häufig auftretende emotional stark belastete Alltagssituationen erfordern oft differenzierte Interventionen bei gleichzeitig deutlicher therapeutischer Dis- tanz.
Als Dauerfolge sind häufig körperliche, geistige oder psychische Schädigungen zu ver-
x
zeichnen. Residualzustände können zu weiteren oder neuen Syndromen führen. (vgl. BAG WfB: Die Werkstätten für Menschen mit psychischer Behinderung, S. 86/87)
Der Verein Lebenshilfe e.V. äußerte sich zum Thema Spezialisierung von Werkstätten im Jahr 1978 mit folgendem Statement: " Die Forderung, die Hilfen für seelisch Behinderte und die für geistig Behinderte grundsätzlich räumlich voneinander zu trennen, ist im Hinblick auf die Ent- wicklung für geistig Behinderte eines der wichtigsten Ergebnisse der Enquete." (vgl. BAG WfB: Die Werkstätten für Menschen mit psychischer Behinderung, S. 87) Chronisch psychisch kranke Menschen kritisieren oft die Geringschätzung ihrer Arbeit durch die Öffentlichkeit. Oft passiert es, dass sie die geringe Bezahlung in den Werkstätten als diskrimi- nierend ablehnen. Mit der Bezeichnung "Werkstatt für behinderte Menschen" können sie sich nicht identifizieren. Sie bevorzugen die Bezeichnungen "Psychiatrieerfahren" oder auch "Klient" oder "Patient". Werkstätten sind das letzte Glied in der Kette der beruflichen Einrichtungen. Vie- le scheuen auch den Gang zum Sozialamt, der sich oft aus einer Werkstatttätigkeit ergibt. Durch die geringen Arbeitsentgelte sind sie gezwungen, Hilfe zum Lebensunterhalt zu beantragen. Selbst für gesunde Menschen ist der Gang zum Sozialamt nicht der leichteste. Allerdings Sind nicht alle davon betroffen. Die Gruppe der EU – Rentenempfänger wird hier außen vorge- lassen. Ihr Lebensunterhalt ergibt sich aus der EU – Rente, womit sie kein Geld vom Sozialamt beziehen.
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3.3 Darstellung der Situation in der Lukaswerkstatt
In der Lukaswerkstatt arbeiten geistig behinderte und chronisch psychisch kranke Menschen gemeinsam.
Die Arbeitsbereiche Korbflechterei, Keramik und Landschaftspflege waren speziell für Menschen mit psychischer Erkrankung vorgesehen.
In den ersten zwei genannten Arbeitsbereichen werden Produkte hergestellt, die später in den Verkauf gehen. Besonders in der Korbflechterei werden Auftragsarbeiten, wie das Reparieren von Stühlen, für Privatkunden erledigt. Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll und sinnvoll. Da die psychisch Kranken auch am Verkauf mit beteiligt werden, oder auf diversen öffentlichen Veran- staltungen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können, sind sie mit ihrer Aufgabe sehr gefor- dert.
Auch im Bereich Keramik ist freies Gestalten gefragt. Neben diversen Kleinartikeln, die in Serie produziert werden, werden auch viele Gebrauchsgegenstände und Plastiken hergestellt. Auch diese Artikel werden verkauft.
Dennoch steht zum großen Teil die Serienproduktion im Vordergrund. Viele Artikel für den all- täglichen Bedarf werden in Serie produziert und verkauft.
In diesen beiden Bereichen sind nur wenige Beschäftigte untergebracht, um ein ruhiges Arbeits- klima zu gewährleisten. Chronisch psychisch Kranke beklagen sich oft über einen zu hohen Lärmpegel, wie er auch in anderen Arbeitsbereichen der Lukaswerkstatt herrscht. Nicht alle psychisch Kranken sind in diesen Bereichen untergebracht. Einige arbeiten beispiels- weise im Gartenbau, in der Polsterei oder in der Industriemontage. In allen Bereichen ist ersicht- lich, dass ein umfassender Arbeitsgang zugrunde liegt. Die Aufträge für die Polsterei und die Industriemontage sind meist so umfangreich, dass eine Fertigung in Serie unumgänglich ist. Viele Beschäftigte sind dann am Arbeitsprozess beteiligt, um eine qualitativ hochwertige Arbeit zu erbringen. Dies ist oft besonders schwierig, wenn Termindruck besteht. Dann arbeiten alle Hand in Hand. Jeder übernimmt einen bestimmten Arbeitsschritt. Eine Serientätigkeit lässt sich in den meisten Fällen nicht vermeiden.
Obwohl es einmal angedacht war, gibt es keine Arbeitsplätze, die nur für psychisch kranke oder nur für geistig behinderte Menschen vorgesehen sind. Jeder kann an jedem Platz arbeiten. Un- abhängig davon, ob geistig behindert oder psychisch krank, wird nach Leistung bezahlt. Jeder hat die Möglichkeit, entsprechend seinen eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu arbeiten und somit mehr oder weniger Geld zu verdienen.
Die vorangegangenen Kapitel geben einen kleinen Einblick in das Werkstattgeschehen und das Zusammenarbeiten von geistig behinderten Menschen und chronisch psychisch kranken Men- schen.
13
Im weiteren Verlauf werde ich mich ausschließlich mit der Personengruppe der chronisch psy- chisch kranken Menschen beschäftigen.
Der folgende Abschnitt befasst sich mit allgemeinen Aussagen zu Formen psychischer Erkran- kungen sowie der Erläuterung einiger ausgewählter psychischer Erkrankungen. Zum Abschluss des ersten Teiles der Arbeit werde ich Informationen zum ZERA – Modell geben und die Konzeption dessen anhand einer Übersicht kurz darstellen.
3.4 Allgemeine Bemerkungen zu Formen psychischer Erkrankungen
Bis heute weiß niemand genau, wie psychische Erkrankungen entstehen. Gewiss ist, dass es nicht nur eine Ursache dafür gibt. In Frage kommende Faktoren sind biologischer, genetischer, somatischer, psychosozialer und biochemischer Form. Dennoch kann keiner dieser Faktoren alleiniger Auslöser für eine psychische Erkrankung sein. Allerdings kann es durch Zusammen- wirken zweier oder mehrerer Faktoren bei besonders empfindlichen Menschen zur Auslösung einer Erkrankung kommen.
In der modernen Psychiatrie hat sich das Vulnerabilitäts - Stress - Konzept durchgesetzt. Dieses besagt, dass Menschen mit erhöhter Empfindsamkeit auf Dauerstress und Überforderung oder auch auf Schicksalsschläge mit einer Psychose reagieren können. Sie haben nicht das berühm- te „dicke Fell“ und können sich somit schwerer gegen die Außenwelt schützen. Doch das Ver- halten hat keinen Einfluss auf die Entstehung einer Krankheit. (vgl. J. Bäuml, 2002) Im weiteren Verlauf werde ich folgende Formen psychischer Erkrankungen kurz erläutern: x Psychose x Neurose x Schizophrenie x Depression x Manie x Borderline – Störung x Angst- und Zwangsstörungen
3.4.1 Die Psychose
Eine Psychose ist ein krankhafter Geisteszustand, der durch Wahnerleben und veränderte Wahrnehmung bzw. Interpretation der Realität geprägt ist. Dieser Zustand tritt am häufigsten
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bei der bipolaren Störung (manisch – depressiv) und bei der Schizophrenie auf. Auslöser für eine Psychose ist eine Fehlreaktion des Gehirns, basierend auf biochemischen Prozessen. Al- lerdings ist dies eine Vermutung im logischen Umkehrschluss, weil beide Erkrankungen, bipola- re Störung und Schizophrenie, gut mit Medikamenten in den Griff zu bekommen sind. Der Ausbruch einer Psychose bringt für den Betroffenen meist einen herben Einschnitt in das bisherige Leben. Tritt die Erkrankung in jungen Jahren auf, be- oder verhindert sie die Ausbil- dung des jungen Erwachsenen. Die oft bleibende Behinderung bzw. Beeinträchtigung des Leis- tungsvermögens verringert die Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Dadurch wird der Erkrankte oft zum Sozialfall, wenn er „Glück“ hat bekommt er Leistungen aus seiner Rentenver- sicherung gezahlt. Kümmern sich keine Verwandten oder andere Menschen um ihn, besteht das Risiko der sozialen Isolation.
Im psychotischen Zustand erkennt der Erkrankte meist nicht, dass er krank ist. Ein Beeinträchtigungs- und Verfolgungserleben kommt bei der schizophrenen Psychose noch hin- zu. Unter Umständen ist deshalb eine zwangsweise Unterbringung in einer psychiatrischen Ein- richtung notwendig, um den Erkrankten vor Selbstmord oder die Umwelt vor eventuellen zerstö- rerischen Aktivitäten zu schützen. In diesen Einrichtungen wird der Patient manchmal auch ge- gen seinen Willen medikamentös behandelt. Nach der Entlassung muss der Patient für eine erfolgreiche und umfassende Genesung Einsicht für die Medikation zeigen, denn ohne die Me- dizin tritt die Krankheit meistens wieder auf. Dennoch gibt es Menschen, die auch ohne fort- dauernde Medikation wieder gesund werden.
Da der Begriff „Psychisch krank“ in den Medien meist im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen verwendet wird, ist das Bild eines Betroffenen in der Öffentlichkeit oft nicht vertrauenserwe- ckend. Jedoch sind schizophren erkrankte Menschen nicht gewalttätiger als der „normale“ Teil der Bevölkerung.
(vgl. www.psychiatrie-verlag.de, Stand 25.05.03)
3.4.2 Die Neurose
Früher wurde unter einer Neurose eine psychische Störung gesehen, die sich durch übertriebe- ne Ängste äußerte. Es wurde von einer lebensgeschichtlichen, sprich psychischen Verursa- chung, ausgegangen. Sie wurden als Gegenstück zu den Psychosen gesehen, bei denen kör- perliche Ursachen vermutet wurden.
Zugunsten einer differenzierten Aufteilung in verschiedene Störungsgruppen wurde der Begriff allerdings inzwischen aufgegeben, weil sich die damit verbundenen theoretischen Annahmen
15
(psychische versus körperliche Ursachen) nicht in dieser Form halten ließen. So kann z.B. eine genetische Anfälligkeit in Kombination mit einer belastenden Lebenssituation zur Entstehung psychischer Störungen beitragen.
In der Wissenschaft wird dieser Begriff nicht mehr verwendet. Ein Grund dafür ist, dass die unter diesem Begriff zusammengefassten psychischen Störungen zu verschieden sind und sich zu verschieden äußern, als das der eine Begriff diese alle umschreiben kann. So können Personen, die an Zwangsstörungen oder Hypochondrie leiden, sehr unterschiedliche Symptome aufweisen und auf eben so unterschiedliche Behandlungsformen ansprechen. Heute ist der Ausdruck „Neurose“ ein häufig verwendeter Begriff im Alltag. Reagiert jemand un- gewöhnlich oder übertrieben, wird sein Verhalten schnell als neurotisch bezeichnet. (vgl. www.medicine-worldwide.de, Stand 03.06.03)
3.4.3 Die Borderline-Störung
Unter der Borderline - Störung versteht man eine psychische Erkrankung zwischen Psychose und Depression mit schnell wechselnden Stimmungen. Sie ist schwer zu diagnostizieren. Der Betroffene unterscheidet sich von allen anderen psychisch Erkrankten dadurch, dass er nicht krank wirkt. Er stellt hohe Anforderungen an seine Umgebung. Einerseits sucht er die Nähe der Mitmenschen, die er andererseits überhaupt nicht erträgt („Ich liebe dich, ich hasse dich.“). Wenn einige der folgenden Symptome zutreffen, ist die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung an der Borderline - Störung relativ hoch:
Unbeständige und unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen
x
Starke Stimmungsschwankungen
x
Häufige und unangemessene Zornesausbrüche
x
Eine wenig realistische Selbsteinschätzung
x
Neigung zu Suiziddrohungen und -versuchen sowie zur Aggression gegen sich selbst
x
und andere
x
Fehlen eines klaren Identitätsgefühls
x
Verzweifelte Bemühungen, eine reale oder eingebildete Angst vor dem Verlassenwerden
x
zu verhindern Chronische Gefühle von Leere oder Langeweile
x
Vorübergehend paranoide Ausbrüche oder ähnliche Symptome
x
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Die „Borderliner“ sind immer auf soziale Unterstützung angewiesen. Unterschieden wird in in- strumentelle, emotionale und gedankliche Unterstützung. Wichtig ist es, beim Betroffenen ein positives Selbstbild aufzubauen und sein Ich zu stärken. Absolute Offenheit und die Fähigkeit, sich abzugrenzen, ist im Umgang mit diesen Menschen von großer Bedeutung. Gesprächstherapie als Form der Psychotherapie wird im Umgang mit „Borderlinern“ sehr inten- siv genutzt. Die Pharmakotherapie spielt dagegen eine geringere Rolle, obwohl auch hier ganz bestimmte Mittel zur Beruhigung und zur Minderung der Gefühlsschwankungen eingesetzt wer- den.
(vgl. www.psychiatrie-verlag.de, Stand 25.05.03)
3.4.4 Die Schizophrenie
Schizophren kommt aus dem Griechischen und bedeutet Seelenspaltung (schizo: spalten, phren: Verstand, Gemüt). Schizophrenie als Krankheitsbezeichnung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuter eingeführt. Er wollte damit das auffäl- ligste Merkmal, die Zerrissenheit im Fühlen und Denken betonen. (vgl. D. Hell, 1993) Mit dem Begriff wird das Vorhandensein zweier nebeneinander stehenden Wahrnehmungswel- ten umschrieben. Auf der einen Seite wird von den schizophren Erkrankten die Realität so wahrgenommen wie sie ist. Auf der anderen Seite erleben sie eine Realität, die für einen gesun- den Menschen nur schwer nachvollziehbar ist.
Die Krankheit kann in fast jedem Alter auftreten. Häufigster Beginn ist allerdings die Zeit zwi- schen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr. Beide Geschlechter sind in gleichem Maß betrof- fen. Beim Ausbruch der Krankheit sind Frauen meist schon älter als Männer. (vgl. A. Finzen, 2000) Auftretende Symptome der Schizophrenie werden in Positiv- und Negativ - Symptome unterteilt. Zu den Positivsymptomen gehören z.B. Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Denkstörungen und bizarre Verhaltensweisen. Negativsymptome dagegen sind z.B. Sprachverarmung, Störung des Gefühls- und Gemütslebens bis hin zu reduzierter geistiger Aktivität und sozialem Kontakt- verlust.
Die Chancen auf Heilung sind besser als früher allgemein angenommen.
Ein Drittel der Erkrankten erleidet nur einmal im Leben eine Krankheitsphase, die vollständig ausheilt.
17
Bei einem weiteren Drittel kann es immer wieder zu Krankheitsschüben kommen. Diese können aber bei medizinischer Betreuung ein relativ normales Leben führen.
Bei einem letzten Drittel ist der Verlauf der Erkrankung chronisch, es kommt dabei zu starken Einschränkungen der Lebensqualität und zur Notwendigkeit einer lebenslangen Unterstützung. Ca. 1% der Bevölkerung ist an Schizophrenie erkrankt. Das sind weltweit etwa 45 Millionen Menschen, gleich welcher ethnischen oder kulturellen Zugehörigkeit.
Da es nicht „die“ schizophrene Erkrankung gibt ist das Verständnis der Krankheit und Zusam- menleben mit dem Erkrankten recht schwierig und erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsver- mögen und Geduld. (vgl. J. Bäuml, 2002)
3.4.5 Die Depression
Die Depression hat ein vielschichtiges Beschwerdebild. Häufig gehen Depressionen mit Schlaf- störungen, Appetitminderung aber auch Heißhungerattacken einher. Das sexuelle Interesse lässt nach. Typisch ist die starke Verstimmtheit die jeder einmal hat. Doch bei depressiv Er- krankten ist diese Verstimmung ein Dauerzustand. „Das Leben hat keine Farbe mehr, nichts erregt Interesse oder macht Freude. Schuldgefühle und Angstzustände bis hin zur Panik, innere Leere, Gedanken an den Tod und Selbstmordphantasien gehören fast immer zum Krankheits- bild.“ Depressionen können im Allgemeinen medikamentös mit Antidepressiva und seelisch stützend durch Gespräche und / oder längerfristige Psychotherapie behandelt werden. Bei bestimmten Unterformen ist auch der Einsatz biologischer Verfahren sinnvoll. Hier wird auf Schlafentzug (zur Korrektur des gestörten Wach - Schlaf - Rhythmus), Lichttherapie (bei jahreszeitlich bedingter Depression) und auch auf Elektrokrampftherapie (bei hoher Selbstmordgefahr) gesetzt. Die meisten Depressionen heilen aus, 40 bis 50% im ersten halben Jahr, 20 bis 30% nach ei- nem Jahr. Nur etwa 5 bis 10% bleiben chronisch depressiv. Die Suizidgefahr ist mit 15 bis 20% sehr hoch.
Die manisch - depressive Erkrankung spielt eine Sonderrolle. Der Patient fühlt sich nicht krank und leidet nicht. Perioden des Hochgefühls, der Hyperaktivität, der Kritiklosigkeit, gepaart mit Schlaflosigkeit wechseln sich mit Perioden der Niedergeschlagenheit ab.
Manisch - depressive Erkrankungen haben eine sehr gute, fast hundertprozentige Heilungs- chance. (vgl. www.medicine-worldwide.de, Stand 17.06.03)
18
Arbeit zitieren:
Sylvena Voll, 2003, Aufbau einer Gesprächsgruppe für chronisch psychisch Kranke in einer WfbM anhand des ZERA-Modells, München, GRIN Verlag GmbH
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Sylvena Voll's Text Aufbau einer Gesprächsgruppe für chronisch psychisch Kranke in einer WfbM anhand des ZERA-Modells ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sylvena Voll hat den Text Aufbau einer Gesprächsgruppe für chronisch psychisch Kranke in einer WfbM anhand des ZERA-Modells veröffentlicht
Sylvena Voll hat einen neuen Text hochgeladen
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