ERKLÄRUNG
Ich versichere, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.
Außerdem erkläre ich mich mit der Abgabe eines Exemplars meiner Diplomarbeit an die Fachhochschule Potsdam einverstanden.
Darmstadt, den 05. Juni 2002
Einf ührung Seite - iii -
VORWORT
Was bringt uns die Zukunft des Online - Journalismus ?
Besseren Web-Content ?
Wie verändert sich dadurch das Inte rnet ?
Diese und ähnliche Fragen beschäftigten mich im Jahresverlauf 2001 des öfteren
und hinterließen den Wunsch nach Aufklärung. Als im August 2001 die
Themenvorschl äge eingereicht werden sollten, fiel mir dann eine Eingrenzung des
Themenfeldes im Bereich Online - Medien mit wirtschaftlichem Schwerpunkt recht
leicht.
Das Internet und der Online- Journalismus sind untrennbar verbunden. Das eine
w äre ohne das andere in der heutigen Form nicht vorhanden. Die Entwicklungen
der letzten fünf Jahre zeigen auf wohin die Wege des Online- Journalismus führen
werden.
Dieses breit gefächerte Spektrum an unterschiedlichen Sparten im Online -
Journalismus ist erschwerend für eine exakte Aussage wohin der Online -
Journalismus sich bewegen wird.
Eines ist mir während dieser Diplomarbeit und besonders auch beim Sichten der
zahlreichen und teilweise ausführlichen Studien klar geworden:
Die Veränderungen und die Entwicklungen geben ein schnelles und schwer
überschaubares Tempo vor, dem Schritt zu halten eine große Herausforderung
darstellt. Dies gilt besonders, wenn man nicht in der „Informationsflut“ ertrinken will.
Als empirische Grundlage wurde von mir ein Fragebogen verwendet, der
zusammen mit den Ergebnissen der Auswertung im Anhang B zu finden ist und
einen nicht unerheblichen Anteil zu dieser Diplomarbeit beigetragen hat.
iii
Einf ührung Seite - iv -
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 1
2 Allgemeines zum Online - Journalismus 3
2.1 Unterschiede zwischen Print- Journalismus und Online -Journalismus und die sich
daraus ergebenden Veränderungen. 3
2.2 Online - Journalismus im Internationalen Vergleich. 3
2.3 Ökonomische und technische Hintergründe des Online - Journalismus 4
3 Die Entwicklung des Online - Journalismus aus Sicht der Journalisten. 6
3.1 Wie nutzen Journalisten die Online -Medien für ihre redaktionelle Arbeit? 6
3.2 Technisierung der Arbeit von Journalisten durch die Online -Medien. 7
3.3 Beeinflussung der Schnelllebigkeit von Informationen durch Online -Medien. 8
3.4 Eigenschaften der Internetrecherche die für Journalisten relevant sind 9
3.5 Welche Art von Information suchen Journalisten im Internet und wie zufrieden
sind sie mit den gefunden Informationen? 10
4 Bedeutung der Interaktivität im Online -Journalismus 12
4.1 Das Potential des Online -Journalismus mit interaktiven Inhalten. 13
4.2 Die Interaktivität und die Konsequenzen für den Online -Journalismus 14
4.3 Forschungsstand zur Interaktivität im Online -Journalismus 16
4.4 Motive für die Internet-Nutzung 17
4.5 Interaktivität aus Sicht der Online - Journalisten. 18
iv
Einf ührung Seite - v -
4.6 Nutzungsgewohnheiten von Rezipienten. 19
5 Kostenpflichtige Inhalte 22
5.1 Die Rolle von Inhalten bei der Finanzierung der Online -Angebote 23
5.2.1 Aufbaustrategien von „Pay-per-View“ Konzepten 23
5.2.3 Stärkerer Einsatz von Nischenangeboten für bestimmte Zielgruppen 24
5.2.4 Individualcontent und Vielfalt. 25
5.2.5 Lösung von Problemen als zentrales Konzept 26
5.3 Der Wechsel vom Werbe - zum Pay-Web 29
5.3.1 Konsolidierung des Marktes für Contentanbieter. 30
5.3.2 Das Umsatzpotential von Diensten wie E-Mail, SMS-Versand und Unified
Messaging 31
5.4 Erfolgsfaktoren für Bezahlmode lle 33
5.5 Die Rolle des E-Commerce in der Refinanzierung 34
5.5.1 Für welche Inhalte sind Nutzer bereit zu zahlen. 35
5.6 Kostenpflichtige Inhalte und „Pay per Klick“ zur Sicherung der Qualität von
Webpublikationen. 35
5.6.1 Das Werbefinanzierungsschema zum Nachteil des Nutzers 36
5.7 Erlöse durch Kostenpflichtige Inhalte und Breitbandtechnik 37
5.7.1 Breitbandtechnik verbessert Qualität der Angebote. 38
5.8 Studie von „Jupiter MMXI Deutschland“ zu kostenpflichtigen Inhalten. 39
5.8.1 Die Breitbandtechnik wird kostenpflichtige Inhalte vorantreiben. 40
5.8.2 Ergebnisse einer Studie des Hamburger Online -Marktforschungsinstituts
„Earsandeyes“ zu kostenpflichtigen Inhalten. 41
v
Einf ührung Seite - vi -
6 Personalisierung 43
6.1 Vorteile der Personalisierung für den Nutzer. 43
6.2 Die individuelle elektronische Ze itung 44
6.3 Technischer Hintergrund der Personalisierung 46
6.3.1 Wiedererkennung des Benutzers 46
6.3.2 Welche Ziele verfolgen die Anbieter. 48
6.3.3 Probleme bei personalisierten Webseiten. 49
6.3.4 Vo m Profil zur personalisierten Webseite. 50
6.4 Filtermethoden von Webinhalten im Rahmen derPersonalisierung 51
6.4.1 Explizite und implizite Form 51
6.4.2 Regeln der Filterung von Inhalten. 52
6.5 Sicherheitsbedenken beim Datenaustausch in der Personalisierung 53
6.6 Die drei Infrastrukturebenen der Personalisierung 55
6.7 Präsentation und Darstellung von Personalisierten Inhalten. 56
6.7.1 Personalisierte Webseiten in Europa im Vergleich. 57
6.7.2 Personalisierte Webseiten in den USA. 58
6.8. Wachstum der Personalisierten Inhalte 64
6.8.1 Umsatz durch Customizing 65
6.9 Softwareprodukte für Personalisierung 66
6.10 Zusammenfassendes Fazit der Personalisierung 67
vi
7Zukunftsausblick ............................................................................................................68
Literaturverzeichnis..............................................................................................................I
Abbildungsverzeichnis........................................................................................................III
Anhang
Anhang A
Glossar..................................................................................................................................IV
Anhang B
Fragebogen........................................................................................................................XVI
vii
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 1 -
1Einführung
Die vorliegende Diplomarbeit gliedert sich in drei Schwerpunkte. Diese sind die Interaktivität, kostenpflichtige Inhalte und die Personalisierung von Inhalten im Online- Journalismus.
Das siebte Kapitel versteht sich als eine finale Betrachtung mit einer persönlichen Bewertung.
Das gut aufbereitete Inhalte einen Professionellen Online- Journalismus brauchen, versteht sich zwar normalerweise von selbst, es wird jedoch nicht immer umgesetzt.
Noch stehen Inhalte im Internet qualitativ oft hinter Veröffentlichungen klassischer Print-Medien zurück, wobei ständig in vielen Bereichen an Verbesserungen gearbeitet wird. Zum Einen sollten Nutzen, Qualität und Rele vanz von Web-Content für den Benutzer ins Zentrum gestellt werden.
Die Inhaltsproduktion für Internetauftritte wurde bisher oft nicht ernst genommen. Man legte den Schwerpunkt nicht auf relevante und benutzerorientierte Inhalte. Das lag daran, dass die Reichweite des Internets bis etwa 1997 nicht besonders groß war und das Medium Internet Unsicherheit im Umgang, bezüglich des Publizierens von inhaltlicher und technischer Seite bewirkte.
Zum Zweiten sollten Inhalte von Menschen mit konzeptionellen und journalistischen Fähigkeiten erstellt werden. Geschrieben bzw. „ins Web gestellt“, wurden Inhalte bisher häufig von Menschen, deren Hauptfähigkeiten nicht unbedingt im konzeptionellen und sprachlichen Ausarbeiten von Sachverhalten bestand.
Außerdem ist es für einen Online - Journalisten wichtig, die besonderen Gesetze des Internet zu beachten. Die Regeln journalistischer Konzeption gelten zwar auch fürs Internet - aber jemand, der schreiben kann, sollte seine Arbeit auch auf die Beschränkungen und Möglichkeiten des Internet als interaktives Publikationsmedium ausrichten.
1
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 2 -
EinOnline-Journalist muss die Besonderheiten der Produktions- und der Benutzerseite des Internet kennen. Dies unterscheidet ihn von einem herkömmlichen Journalisten.
In den Bereichen der Personalisierung, der Interaktivität und der kostenpflichtigen Inhalte von Webseiten haben sich vermehrt in den letzten Monaten neue Herausforderungen für den Online- Journalismus ergeben. In dieser Diplomarbeit wurde herausgearbeitet wie die Entwicklungen im Online -Journalismus in den oben genannten Punkten in den letzen Jahren verlaufen sind und was dies für die Zukunft bedeutet.
2
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 3 -
2Allgemeines zum Online- Journalismus
Ein sehr wichtiger Faktor für die Entwicklung des Online- Journalismus in den kommenden Jahren ist, welche Bedeutung und welche Förderung dem Online -Journalismus von Seiten der Chefredakteure, den Journalisten selbst und selbstverständlich von den Nutzern der Online- Angebote zugeschrieben wird. Dies ist Grundlegend zum Verstä ndnis der Themenschwerpunkte Interaktivität, kostenpflichtige Inhalte und Personalisierung im Online- Journalismus. Die drei Themenschwerpunkte werden in den darauffolgenden Kapiteln behandelt.
2.1 Unterschiede zwischen Print- Journalismus und Online-Journalismus und die sich daraus ergebenden Veränderungen
In diesem Kapitel werden die Unterschiede zwischen dem herkömmlichen Print-Journalismus und dem seit ca. 5 Jahren und im letzten Jahr zunehmend verstärkt auftretenden Online- Journalismus behandelt.
Hierzu wurden verschiedene großangelegte Studien, sowie eine schriftliche Befragung des Diplomanden, die an Online- Redaktionen und Redaktionen von Wirtschaftszeitschriften, Magazinen sowie überregionalen Tages-und
Wochenzeitungen versandt wurde, herangezogen 1 .
2.2 Online- Journalismus im Internationalen Vergleich
Bevor eine ausführliche Erörterung mit der Situation des Online- Journalismus in Deutschland stattfindet, noch ein kurzer Vergleich mit dem Ausland.
1 Vgl. Anhang B
3
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 4 -
DerBlick über die Grenze n (nach Österreich, in die Schweiz und die USA) ergibt unter dem Strich, dass die Entwicklungen in diesen Ländern nur unwesentlich anders verlaufen als in Deutschland, mit dem kleinen, aber gewichtigen Unterschied, dass die USA aus der „Pole Position“ gestartet sind.
Der „Vorsprung'' der USA ist in erster Linie auf eine größere Verbreitung der Netzkommunikation in der US-amerikanischen Gesellschaft, sowie auf mentalitätsbedingt andere Umgangsweisen mit technischen Innovationen zurückzuführen.
Die Entwicklungen in Österreich und der Schweiz unterscheiden sich allenfalls in Nuancen von der in Deutschland. In beiden Ländern konzentriert sich die Debatte um den Online - Journalismus darauf, wie sich die Online- Angebote der etablierten Medien künftig im Wettbewerb untereinander und mit anderen Anbietern entwickeln werden.
2.3 Ökonomische und technische Hintergründe des Online-
Journalismus
Seit einigen Jahren schon verändert die Ökonomisierung den Journalismus. Der Konflikt zwischen den Vertretern journalistischer Prinzipien auf der einen Seite und den Verfechtern kommerzieller Verwertbarkeit spitzt sich zu. Vor der Bedrohung, durch gesellschaftliche Entwicklungen entwertet zu werden, stand der Journalismus schon des öfteren. In den 70er Jahren waren es neue Technologien der Satz- und Drucktechnik, die den Eindruck entstehen ließen, aus dem aktiv-recherchierenden Journalisten werde ein passiv-reaktiver technischer Redakteur. Mit der zunehmenden Ausbreitung der Öffentlichkeitsarbeit in den 80er Jahren gingen Annahmen einher, neben dem Journalismus würde sich ein weiteres Feld etablieren, das für öffentliche Kommunikation zuständig werden könnte.
4
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 5 -
DerÖkonomisierungsdruck fällt zusammen mit technologischen Innovationen im Bereich aller Medien die direkt oder indirekt mit dem Internet bzw. dem Online -Journalismus zu tun haben. Da die Medien, so die Annahmen, im Epizentrum dieser Entwicklung stehen, werden sie auch am nachhaltigsten verändert. 2
Damit rückt der Journalismus ins Zentrum, denn er agiert i nnerhalb der Strukturen der Medien und bleibt somit von den Entwicklungen nicht unbeeinflusst. Die traditionellen Medien haben mittlerweile flächendeckend Onlineableger gegründet.
Auch die Produktions - und Rezeptionsbedingungen für den Journalismus werden sich verändern. Über die Ursachen und Folgen des Wandels liegen bislang auch international nur wenige Studien vor, unter dem Stichwort Online -Journalismus hat der Wandel inzwischen aber seinen Begriff gefunden. 3
Die Netzkommunikation verändert d en Journalismus nicht nur intern. Auch extern entfalten die Online -Technologien - in Kombination mit kommerziell hochgesteckten Erwartungen - ein Potential, das auf den Journalismus rückwirken kann.
Die Netztechnologien reduzieren den investiven Aufwand (personelle, technische und organisatorische Ressourcen) für öffentlichkeitswirksame Auftritte unterschiedlichster Organisationen (Unternehmen, Verbände etc.) erheblich. In der Folge etablieren zunehmend mehr Organisationen und Einzelpersonen außerhalb des traditionellen Mediensystems öffentlichkeitswirksame Informationsangebote.
Es gibt von den unterschiedlichsten Inhaltsanbietern weitreichende und schon teilweise umgesetzte Konzepte zu kostenpflichtigen Webinhalten und Personalisierung von Webinhalten.
Wenn auch nicht genau vorhersehbar ist, welche dieser Konzepte sich in einigen Jahren durchsetzen werden, so ist es doch als wahrscheinlich anzunehmen, dass kostenpflichtige Inhalte und Personalisierung von Inhalten die
Interaktionsmöglichkeiten der Nutzer enorm verbessern und auch die Qualität der Internetpublikationen insgesamt eine höhere Ebene erreicht.
2 Altmeppen (2000), S.8
3 Altmeppen (2000), S.9 f.
5
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 6 -
3Die Entwicklung des Online- Journalismus aus Sicht der
gg Journalisten
3.1 Wie nutzen Journalisten die Online-Medien für ihre redaktionelle mmArbeit?
Online -Medien werden von den meisten Journalisten seit über 2 Jahren häufig genutzt. Interessant hierbei ist die Tatsache, das freie, also nicht festangestellte Journalisten häufiger und auch schon seit längerer Zeit die Online -Medien nutzen. Freie Journalisten arbeiten zu 55 Prozent "länger als zwei Jahre" mit Online -Medien, während es bei den fest angestellten lediglich 41 Prozent sind 4 .
Es kann festgestellt werden, dass der Anteil der freien Journalisten gegenüber den festangestellten Journalisten kontinuierlich in den letzten Jahren zunimmt. Besonders bei den Online- Journalisten gibt es vermehrt freie Journalisten. Was bedeutet dies für die Zukunft des Online - Journalismus ?
Dagegen lassen sich bezogen auf das Alter der Journalisten keine großen Unterschiede feststellen. Der allgemein behauptete Trend, dass sich junge Menschen bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit Online -Medien beschäftigt haben, lässt sich für Journalisten also nicht bestätigen.
Eindeutiger ist der Fall bei einer Unterscheidung nach dem Arbeitsverhältnis. Zu berücksichtigen ist hierbei jedoch, dass fest angestellte Journalisten in der Regel zusätzlich Zugriff auf Redaktionssysteme und die dort auflaufenden Agenturmeldungen haben. Online-Medien stellen also für die Gruppe der „Festen“ zunächst vor allem eine zusätzliche Informationsquelle dar, während sie für freie Mitarbeiter ohne Zugang zu Redaktionssystemen von sehr viel zentralerer Bedeutung sind.
4 Reidenbach (2000), Online
6
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 7 -
Esist daher zu erwarten, dass in Zukunft im Bereich des ständig wachsenden Online - Journalismus und schrumpfenden Print- Journalismus, der freie Journalist, der häufig Online-Medien als Quelle nutzt überwiegen wird.
3.2 Technisierung der Arbeit von Journalisten durch die Online-Medien
Tätigkeiten, d ie erst mit den Online-Medien entstanden sind, wie die digitale Produktion von Beiträgen durch Journalisten sowie die Internetrecherche erfordern nicht nur zusätzliche Kenntnisse, sondern bringen auch eine Technisierung der Arbeit mit sich. Drei Viertel der Journalisten geben an, dass Online-Medien die Technisierung der Arbeit "stark" beeinflussen, während nur 2 Prozent dies "gar nicht" sehen. Diese Einschätzung weicht bei der Aufschlüsselung der Antworten nach Geschlecht, Alter oder Arbeitsverhältnis kaum ab 5 .
Deutlicher wird es allerdings bezogen auf die Mediengattungen: Redakteure von Tageszeitungen/Nachrichtenagenturen und Wochenzeitungen/Zeitschriften
empfinden die Technisierung zu 76 Prozent als "stark", während 61 Prozent der Journalisten von Online -Redaktionen sie für "weniger stark" halten.
Fakt ist hier eindeutig, dass fast alle Journalisten in den letzten 5 Jahren durch Nutzen der Online-Medien bewusst oder unbewusst in Ihrer Arbeit beeinflusst wurden. Beispielsweise sind die Möglichkeiten der zeitnahen Recherche sowie des Meinungsaustausches der Journalisten untereinander durch Internet, E-Mail und Verlags/Redaktionsinterne Online-Kommunikation stark angestiegen. Ein
Journalist, der diese Möglichkeiten nicht nutzt und nur innerhalb seiner Redaktion für seine Arbeitsergebnisse kommuniziert, hat hier deutliche Nachteile gegenüber anderen Kollegen.
Die Entwicklung des Online - Journalismus in den letzten Jahren und in der Zukunft hängt stark vom Grad der Technisierung ab. Dies sind auf der Nutzerseite überwiegend Interaktivität, personalisierte und kostenpflichtige Inhalte.
5 Reidenbach (2000), Online
7
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 8 -
3.3Beeinflussung der Schnelllebigkeit von Informationen durch Online-
Medien
Ein höherer Grad an aktuellen Inhalten heißt leider auch, dass diese Inhalte oft nach kurzer Zeit nicht mehr aktuell sind und durch neuwertige ersetzt werden müssen. Wenn Informationen bzw. Inhalte in den Online-Medien schnell veralten, ist zu vermuten, dass dies auch die Print-Journalisten in Ihrer Arbeit beeinflusst, da sie durch die Nutzung der Online-Medien auch ihre Inhalte häufiger verifizieren. Mehr als zwei Drittel der Journalisten - und ohne signifikante Unterschiede nach Alter, Geschlecht oder Arbeitsverhältnis - bezeichnen diesen Einfluss als "stark". Allerdings: Während die Redakteure der Tageszeitungen/Nachrichtenagenturen nur zu 66 Prozent einen "starken" Einfluss erkennen können, sind es bei den Online -Redakteuren 75 Prozent und bei TV/Hörfunk 70 Prozent 6 .
Wenn man bedenkt, dass für die Tagespresse besonders im Vergleich zu den klassischen elektronischen Medien oder den Online-Redaktionen die Aktualität ein größeres Problem darstellt, ist interessant, dass Vertreter dieser Gruppe den Online -Medien einen geringeren Einfluss auf diese Entwicklung zuschreiben.
Durch das Vordringen des Online- Journalismus stieg der Aktualitätsanspruch und es gibt kaum ein Medium, was sich diesem steigenden Aktualitätsanspruch noch verschließen kann, ohne Einbußen bei den Nutzerzahlen hinzunehmen. Auch von Seiten der Journalisten wird hier wird der Einfluss von Online-Medien insgesamt als "stark" beurteilt. Wiederum sind Frauen noch mehr als Männer dieser Ansicht (78 Prozent gegenüber 68 Prozent), jüngere Journalisten häufiger als ältere (75 Prozent gegenüber 68 Prozent) 7 .
Auch bei den verschiedenen Mediengattungen lassen sich Unterschiede feststellen. Die Online-Redakteure glauben zu 80 Prozent an einen "starken" Einfluss, während dieser Anteil bei den Tageszeitungen/ Nachrichtenagenturen bei 70 Prozent und bei TV/Hörfunk bei nur 65 Prozent liegt. Dies lässt den Schluss zu, dass die Journalisten bei TV/Hörfunk weiterhin an die Schnelligkeit und die Aktualität ihrer eigenen Medien glauben, während die Online-Redakteure der eigenen Technik einen höheren Grad an Aktualität zuschreiben.
6 Reidenbach (2000), Online
7 Reidenbach (2000), Online
8
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 9 -
Zusammenfassendwird in diesem Kapitel deutlich, dass die Entscheidungsebene der Chefredaktion den Online-Medien einen überdurchschnittlich "starken" Einfluss auf die Entwicklungen in der Medienbranche attestiert. Der gleiche Trend gilt für Online -Redaktionen, was mit einem ausgeprägten Vertrauen in die Stärke des eigenen Mediums erklärt werden kann.
3.4 Eigenschaften der Internetrecherche die für Journalisten relevant
sind
Eindeutig wichtigster Vorteil des Internet ist für Journalisten die einfache Möglichkeit der Vorrecherche, gefolgt vom Zugriff auf Informationen rund um die Uhr. Andere Eigenschaften des Internets genießen bei Journalisten weniger Wertschätzung.
Erstaunlich wenig Bedeutung messen die Journalisten der Beobachtung anderer Medien im Internet bei: Nur für ein gutes Drittel ist diese Möglichkeit "sehr wichtig". Auch die Multimedialität des Internet, die Verknüpfung verschiedener Darstellungsformen in Wort, Bild, Grafik oder Audio, ist für Journalisten von untergeordneter Bedeutung.
Hierbei wird deutlich, dass die Redakteure mit einem Alter von unter 30 Jahren zu einem höheren Anteil von den Vorteilen der Internetrecherche überzeugt sind als die älteren Kollegen. Die gleiche Tendenz kann bei den freien Journalisten festgestellt werden. Für die freien Journalisten ist die Internetrecherche fast immer wichtig und von überdurchschnittlicher Bedeutung. Besonders Journalisten aus dem Ressort Medien sprechen dem Internet einen hohen Stellenwert für die tägliche Arbeit zu.
Das größte Problem für Journalisten bei der Arbeit mit dem Internet ist das Auffinden von qualitativ hochwertigen Informationen. Knapp zwei Drittel gaben an, dass diese Schwierigkeit für sie ein "großes Problem" seien.
Die Glaubwürdigkeit der gefundenen Informationen und auch die Übertragungsgeschwindigkeiten im World Wide Web sind nicht einmal für die
9
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 10 -
Hälfteder Journalisten ein "großes Problem". Was meist als geringes Problem angesehen wird, ist der unterschiedliche Aufbau, die Optik und Funktionalität einer jeden Website.
Bezogen auf die unterschiedlichen Ressorts beurteilen die Redakteure aus der Politik, dem Service und der Chefredaktion die Schwächen des Internets am kritischsten. Grundsätzlich werden von diesen Journalisten die Schwächen des Internet öfter als ein "großes Problem" bezeichnet als von den Journalisten der anderen Ressorts.
3.5 Welche Art von Information suchen Journalisten im Internet und wie
zufrieden sind sie mit den gefundenen Informationen?
Von besonderer Bedeutung für die Befragten sind Hintergrundinformationen, nach denen im Internet recherchiert werden kann. Mehr als drei Viertel der Redakteure gaben an, dies "häufig" zu tun. Außerdem werden Nachrichten, Kontaktadressen und Pressemitteilungen von Journalisten überwiegend "häufig" gesucht.
Sehr aufschlussreich sind die Daten, wenn untersucht wird für welche Arbeitsvorgänge Journalisten das Internet "nie" nutzten. So gaben jeweils 30 Prozent der Redakteure an, nie nach Grafiken/Bildmaterial oder nie nach Terminen zu recherchieren.
Während weniger als ein Drittel der Journalisten "weniger zufrieden" oder "gar nicht zufrieden" ist, geben zwei Drittel an mit dem Nachrichtenangebot zufrieden zu sein. Das große Angebot an Nachrichten im Internet ist es ein wichtiger Grund für Journalisten im Internet zu recherchieren, was sicherlich auch mit der Aktualität dieser Nachrichten und den unterschiedlichen Meinungen und Kommentaren zu diesen Nachrichten zusammenhängt.
10
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 11 -
Jeetwa die Hälfte der Befragten sind mit dem Angebot an Hintergrundinformationen und Pressemitteilungen "zufrieden". Dagegen sind nur 24 Prozent aller Journalisten mit dem Angebot an Grafiken/Bildern und 26 Prozent mit dem Angebot bereitgeste llter Termine "zufrieden". Sehr hoch schätzen die Online -Redakteure ihre eigene Arbeit und die Arbeit ihrer Kollegen ein. Sie sind zu 91 Prozent mit dem Angebot an Nachrichten im Internet "zufrieden" 8 .
Wenn man die Ergebnisse bezogen auf die einzelnen Ressorts untersucht, wird deutlich, dass die Journalisten aus Medien, Wissenschaft/Bildung und Gesundheit/Medizin mit dem Informationsangebot im Internet am zufriedensten sind. Alle drei Ressorts gaben in sieben von acht Kategorien überdurchschnittlich oft an, mit dem jeweiligen Informationsangebot "zufrieden" zu sein.
Kritisch beurteilen die Redakteure vom Ressort Service das Informationsangebot im Web. Sie gaben in sieben von acht Kategorien überdurchschnittlich oft an, mit dem jeweiligen Informationsangebot "weniger zufrieden" zu sein.
Nicht vergessen werden, sollte hierbei die Tatsache das die maßgeblichen Internetseiten, die Journalisten für ihre Arbeit nutzen, Suchmaschinen sind. Auch noch sehr wichtig sind Online -Publikationen von Medien und Websites von Unternehmen oder Verbänden.
Für "nicht wichtig" werden in erster Linie Websites von Messen gehalten, gefolgt von Newsgroups und kommerziellen Datenbanken.
8 Reidenbach (2000), Online
11
Diplomarbeit Entwicklungschancen des Online- Journalismus in Deutschland Seite - 12 -
4Bedeutung der Interaktivität im Online-Journalismus
Die Expansionsmöglichkeiten des WWW liegen in der Zukunft vor allem in der Interaktivität. 9
Das WWW ist Präsentationsbühne für Online-Medienangebote, wie z. B. die jederzeitige und weltweite Abrufbarkeit der Daten und Informationen. Datentransfer, Such- und Selektionsfunktionen und der Archivzugriff durch den Nutzer sind Funktionen, die die Expansionsmöglichkeiten des WWW im Rahmen der Interaktivität unterstützen. Nicht zuletzt ist die Möglichkeit der permanenten Aktualisierung von Inhalten durch den Redakteur der Online-Redaktion grundlegend für die Interaktivität.
Durch das Massenmedium WWW im Internet befindet sich die Medienbranche in einer tiefgreifenden Umbruchphase.
Angezogen von den diesen neuen Möglichkeiten, gingen schon 1994 die ersten Rundfunkanstalten als Vertreter der „klassischen Medien“ ins Netz und sicherten sich damit Pionierplätze in einer immer stärker expandierenden Online -Medienlandschaft. Mittlerweile sind nach annähernd alle deutschen Medien aus den verschiedensten Sparten im weltweiten Netz vertreten. Nach unterschiedlichen Studien zu urteilen, gehören die Online-Angebote der traditionellen Medien Fernsehen, Hörfunk, Zeitungen und Zeitschriften (privat wie öffentlich-rechtlich) zu den am meisten genutzten Internet-Angeboten überhaupt.
Die klassischen Massenmedien sind von den neuen Onlineangeboten unmittelbar berührt - sie sind nicht mehr alleiniger Anbieter medialer Inhalte. Bei der inhaltlichen Gestaltung von Medien werden in Zukunft vor allem Publikumserwartungen eine große Rolle spielen: 94 % der Mediennutzer erhoffen sich in Zukunft jederzeitige Abrufbarkeit des Programms (On-demand Charakter), ebenso viele wollen Interaktionsmöglichkeiten, 88% der in der Studie befragten bauen in Zukunft auf individuell zusammengestellte Programme 10 .
9 Hooffacker (2001), S. 116
10 Rakers (2000), S. 14 f.
12
Arbeit zitieren:
Oliver Simon, 2002, Entwicklungschancen des Online-Journalismus in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Online-Journalismus: Herausforderungen für Rezipient und Journalist
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Bildungsideen der Turmgesellschaft in Johann Wolfgang Goethes Roman Wi...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 18 Seiten
Konzentrationskontrolle im privaten Rundfunk
Medien / Kommunikation - Rundfunk und Unterhaltung
Hausarbeit, 15 Seiten
Medienkonzentration und Konzentrationskontrolle
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Seminararbeit, 26 Seiten
Der byzantinische Vandalenfeldzug
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 28 Seiten
Mehrwert bieten, mehr Wert schaffen: Perspektiven deutscher Tageszeitu...
Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse
Diplomarbeit, 119 Seiten
Stufen- und Phasenschemata des Unterrichts
Referat (Ausarbeitung), 15 Seiten
Textgestaltung im Web am Beispiel von Print- zu Online-Zeitungen
Informationswissenschaften, Informationsmanagement
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Goethes: Wilhelm Meisters Lehrjahre - Die Turmgesellschaft
Die Turmgesellschaft und ihre ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Die Turmgesellschaft in Wilhelm Meister´s Lehrjahren
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Ralf Fuschtei hat den Text Entwicklungschancen des Online-Journalismus in Deutschland kommentiert
Oliver Simon hat den Text Entwicklungschancen des Online-Journalismus in Deutschland veröffentlicht
Oliver Simon hat einen neuen Text hochgeladen
Ralf Fuschtei
Ich bin schon überwacht. Nur bezahlt hat mich keiner. Ihr freier Redakteur und Gebrauchsmaler, Ralf Fuschtei
am Wednesday, January 04, 2012-