FernUniversität Gesamthochschule Hagen
Fachbereich: Kultur- und Sozialwissenschaften,
Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Berufsvorbereitung ohne Nutzen?
Das neue Fachkonzept der Bundesagentur für Arbeit vor dem Hintergrund
weitreichender Veränderungen auf dem Ausbildungsstellenmarkt
B.A. Abschlussarbeit
vorgelegt von: Oskar Schäfer
vorgelegt am: 13.10.2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
2. Berufsvorbereitung zwischen Schule und Ausbildung ... 4
3. Das neue Fachkonzept der Bundesagentur für Arbeit ... 5
3.1 Individualisierung der Förderarbeit ... 6
3.2 Modularisierungen der Qualifizierung ... 10
3.3 Kooperation und Netzwerkarbeit ... 15
3.4 Praktika und betriebliche Bildungsphasen ... 18
3.5 Bildungsbegleitung ... 21
4. Benachteiligtenförderung zwischen Pädagogik und Ökonomie ... 24
Literatur ... 30
1. Einleitung
Seit der Einführung von Maßnahmen zur Berufsvorbereitung in der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn der siebziger Jahre, wird deutlich, dass das deutsche System der dualen Berufsausbildung, in dem sich Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen die Aufgabe der Ausbildung des beruflichen Nachwuchses teilen (vgl.: BBiG 2005), in so fern nicht mehr reibungslos funktioniert, als zunehmend mehr junge Menschen am Übergang zwischen Schule und Ausbildung scheitern. Wiederkehrende Rationalisierungswellen in Produktion und Organisation als Anpassungsreaktion auf steigende Energiepreise und globalisierten Wettbewerbsdruck haben den Bedarf an Fach- und Arbeitskräften bis heute immer weiter sinken lassen. Der stetige Anstieg der amtlichen Arbeitslosenzahlen seit den 70er Jahren – nur von gelegentlichen Konjunkturzyklen unterbrochen – ist das Ergebnis der beschriebenen Prozesse (vgl.: MIEGEL 2001). Wo der Bedarf an Mitarbeitern zurückgeht, weil Betriebe auf neue Produktions- und Organisationsstrukturen setzen oder gar die Produktion und Dienstleistung in Billiglohnländer verlagern, sinkt analog dazu der Bedarf an Nachwuchskräften hier in Deutschland. Die Einrichtung unterschiedlichster Lehrgänge und Maßnahmen zur beruflichen Vorbereitung und Eingliederung durch die Bundesanstalt für Arbeit (BA) und auf Initiative der Kultusministerkonferenz (vgl.: INBAS 1998; KMK 2000b) sind als Reaktion auf die beschriebene Situation zu verstehen. Das ihnen gemeinsame Ziel ist, „(...) am Ausbildungsstellenmarkt benachteiligte junge Menschen vor einem negativen Start in ihre Berufsbiographie (...)“ (INBAS 1998, S. 8) zu bewahren. Gemeinsam ist ihnen auch der pädagogische Ansatz, dass ungeachtet der wirtschaftlichen Zusammenhänge allen Jugendlichen - insbesondere denen mit sozialen und/oder schulischen Defiziten (vgl.: BMBF 2004, S. 134) - der Zugang zu einer Ausbildung ermöglicht und damit prekäre Beschäftigungsverhältnisse vermieden werden sollen (vgl. auch: DEDERING 2002; NIEMEYER 2002, SCHOBER 2001, GEßNER 2002, etc.).
Vor dem Hintergrund der beschriebenen wirtschaftlichen Entwicklung und mit Blick auf die angespannte Kassenlage der öffentlichen Haushalte werden im weiteren Verlauf – entlang pädagogischer und sozialökonomischer Argumentationslinien – folgende Thesen entfalten:
Stellenabbaus kaum ihren Zielen gerecht werden.
Dies geschieht in Anlehnung an eine eingehende Analyse des neuen Fachkonzeptes Berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen (BvB) der BA, das im Rahmen der „Entwicklungsinitiative: Neue Förderstrukturen für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf“ (gefördert durch BMBF, Europäischer Sozialfond und Bundesagentur für Arbeit) entwickelt wurde und bisherigen Maßnahmen der Berufsberatung wie „Grundausbildungslehrgang“, „BBE“1 , „tip“2 und „Förderlehrgang“ ablöst (vgl.: BMBF 2005a, S. 201).
In Vorbereitung darauf werde ich zunächst einige ausgewählte Problemlagen der Berufsvorbereitung beschreiben und die sie determinierenden Voraussetzungen eingehender darstellen.
2. Berufvorbereitung zwischen Schule und Ausbildung
Seit über 25 Jahre sind auf dem Feld der Berufsvorbereitung so unterschiedliche Akteure wie Schule, Berufsberatung, Jugendhilfe aber auch Träger aus der Privatwirtschaft tätig und halten heute eine verwirrende Maßnahmenvielfalt vor, die vermutlich viele Jugendliche aber auch ihre Eltern überfordert und sie deshalb vielfach nicht erreicht.
Der so charakterisierte „Maßnahmedschungel“ (BMBF 2002, S. 53) hat in der Vergangenheit häufiger s. g. „Maßnahmekarrieren“ (LEX 1997. S. 17) begünstigt, die eine Situation beschreibt, in der Jugendliche und junge Erwachsene von Maßnahme zu Maßnahme, von Lehrgang zu Lehrgang weitergereicht werden und sich so vom angestrebten Ziel einer Ausbildungs- bzw. sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsaufnahme immer weiter entfernen (vgl. auch FELBER 1997a). Der Bundesagentur kommt aktuell das Verdienst zu, mit ihrem neuen Fachkonzept die Angebotsvielfalt in der Berufsvorbereitung zu reduzieren und damit das „Subsystem der beruflichen Bildung“ (NIEMEYER 2002, S. 208) transparenter zu gestalten.
[...]
1. Lehrgang zur Erhöhung beruflicher Bildungs- und Eingliederungschancen
2. esten, informieren, probieren
Arbeit zitieren:
B.A. Oskar Schäfer, 2005, Berufsvorbereitung ohne Nutzen? Das neue Fachkonzept der Bundesagentur für Arbeit vor dem Hintergrund weitreichender Veränderungen auf dem Ausbildungsstellenmarkt, München, GRIN Verlag GmbH
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