Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Physikalische Grundlagen 3
2.1 Der elektrische Stromkreis 3
2.2 Die Glühlampe 4
2.3 Der Leitungsprüfer 6
2.4 Der Morsetelegraf 7
2.5 Der Kurzschluss 7
2.6 Die Sicherung 8
2.7 Die Reihenschaltung 8
2.8 Die Parallelschaltung 9
2.9 Die UND-Schaltung 9
2.10 Die ODER-Schaltung 10
3. Methodische Grundidee 10
4. Das Experiment im naturwissenschaftlichen Unterricht 15
5. Die Lerngruppe 21
6. Die Unterrichtseinheit 22
6.1 Didaktische Legitimation der Unterrichtseinheit 23
6.2 Überblick über alle Stunden der Unterrichtseinheit 24
6.3 Darstellung einiger ausgesuchter Unterrichtsstunden aus der Unterrichtseinheit 24
6.3.1 Stunde 3: Welche Stoffe leiten den elektrischen Strom und welche nicht 24
6.3.1.1 Didaktische Legitimation der Stunde 24
6.3.1.2 Lernziele der Stunde 25
6.3.1.3 Methodische Entscheidungen 26
6.3.2 Stunde 8: Die Brotschneidemaschine 27
6.3.2.1 Didaktische Legitimation der Stunde 27
6.3.2.2 Lernziele der Stunde 28
6.3.2.3 Methodische Entscheidungen 29
6.3.3 Stunde 9: Die Hausklingel 30
6.3.3.1 Didaktische Legitimation der Stunde 30
6.3.3.2 Lernziele der Stunde 31
6.3.3.3 Methodische Entscheidungen 31
7. Reflexion der ausgesuchten Unterrichtsstunden 32
7.1 Stunde 3: Welche Stoffe leiten den elektrischen Strom und welche nicht 33
7.2 Stunde 8: Die Brotschneidemaschine 35
7.3 Stunde 9: Die Hausklingel 36
8. Fazit 38
9. Literaturverzeichnis 40
Anhang 1
A Verlaufspläne und Tafelbilder 1
B Arbeitsblätter 17
C Lernkontrolle 21
D Fragebogen 23
E Elternbrief 24
F Materialien 25
G Fotos 26
1. Einleitung
„Elektrizitätslehre – Physik in der Black Box?“
Die Elektrizitätslehre ist von Natur aus wesentlich unanschaulicher als einige andere Teilgebiete der Physik In der Optik oder der Wärmelehre sind physikalische Vorgänge, im Gegensatz zur Elektrizitätslehre, direkt beobachtbar. Die Brechung des Lichts an einer Glasoberfläche oder das Ausdehnen von Flüssigkeiten bei Erwärmung kann man sehen, das Fließen des Stromes oder den Spannungsabfall an einem Verbraucher ist nur an den Wirkungen zu beobachten. Das Elektrizität nicht direkt sichtbar gemacht werden kann, führt bei den Schülerinnen und Schülern dieser Altersstufe oft zu großen Verständnisschwierigkeiten und als Folge zu mangelnder Motivation für dieses Thema. Auch ich habe in meiner noch nicht allzu lange zurückliegenden eigenen Schulzeit negative Erfahrungen mit dem Themenbereich der Elektrizitätslehre gesammelt. Da es sich in meiner Schulzeit häufig um einen allzu theoretischen Unterricht gehandelt hat, konnte ich mich mit dem Thema nicht anfreunden. Da der Unterricht sich ausschließlich auf Lehrerversuche und die theoretische Behandlung der physikalischen Problemstellungen beschränkte, hatte ich keine Gelegenheit durch selbst geplante, durchgeführte und ausgewertete Versuche eigene physikalische Erfahrungen zu sammeln. Diese Art von Unterricht war für mich damals sehr demotivierend und wäre es für meine Lerngruppe heute mit Sicherheit ebenfalls.
In meiner pädagogischen Prüfungsarbeit dokumentiere ich, wie ich den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 8 einen praktischen, möglichst schülernahen Einstieg in das Thema der Elektrizitätslehre ermöglicht habe. Hierzu habe ich mich für einen Einstieg über einfache Stromkreise entschieden, da sie einen anschaulichen und praktischen Zugang in die Elektrizitätslehre darstellen.
Mein Anliegen war es einen Zugang zur Elektrizitätslehre zu finden, bei dem die Schülerinnen und Schüler selbst experimentieren können, bei dem sie mit Spaß „knobeln“ können und bei des um mehr geht, als bei einer vom Lehrer aufgebauten Schaltung die Messergebnisse abzulesen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Zunächst sollen zu diesem Zweck die physikalischen Grundlagen, die sich hinter diesem Thema verbergen, dargestellt werden. In einem weiteren Schritt möchte ich das methodische Grundkonzept, nämlich die Erschließung der entsprechenden physikalischen Inhalte über Schülerexperimente mit handelsüblichen Materialien, kurz vorstellen. Im nächsten Kapitel ist es mein wichtigstes Anliegen, eine didaktische
1
Begründung dafür zu liefern, warum Schülerexperimente im Physikunterricht so notwendig sind. Nach diesem theoretischen Vorspann werde ich mich mit der Lerngruppe auseinandersetzen, mit der ich diese Unterrichtseinheit durchgeführt habe. Im nächsten Kapitel soll es darum gehen, die gesamte Unterrichtseinheit didaktisch zu legitimieren, indem ich, im Sinne Klafkis 1 , beschreiben werde, welche Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung die in der Einheit vermittelten Inhalte für die Schülerinnen und Schüler haben bzw. haben werden.
Im folgenden Punkt geht es um die Vorstellung der Stunden der Einheit. In diesem Zusammenhang werde ich ausgewählte Stunden didaktisch begründen, sowie meine methodischen Entscheidungen, die in der Stunde zum Tragen gekommen sind, beschreiben. Zur besseren Übersicht ist zu jeder Stunde noch der jeweilige tabellarische Verlaufsplan im Anhang aufgeführt.
Im nächsten Kapitel schließe ich die Evaluation der Unterrichtseinheit an. Abgerundet wird die pädagogische Prüfungsarbeit durch einen Anhang mit Bildern, die während der Durchführungsphase aufgenommen wurden.
1 vgl. Jank, W. und Meyer H.: „Didaktische Modelle“, Cornelsen Verlag, Berlin 1991, 1. Auflage, 7.
Lektion, S. 203-240
2
2. Physikalische Grundlagen
2.1 Der elektrische Stromkreis
Unter einem „elektrischen Stromkreis“ versteht man gemäß allgemeiner Definition 2 die Zusammenschaltung von elektrischen Spannungsquellen, Verbrauchern, Schaltern und verbindenden Leitern, so dass ein elektrischer Strom fließen kann (geschlossener Stromkreis). Wenn kein Stromfluss möglich ist, liegt ein offener Stromkreis vor, z.B. durch einen geöffneten Schalter.
Die Spannung am Stromerzeuger, auch Spannungsquelle oder Stromquelle genannt, kann auf verschiedene Arten erzeugt werden, von denen die wichtigsten nachfolgend aufgeführt werden:
- durch chemische Wirkung (galvanisches Element, Akkumulatoren)
- durch Magnetfeldwirkungen (Generatoren)
- durch Wärmewirkung (Thermoelement)
- durch Lichteinwirkung (Fotoelement)
Der elektrische Strom kann an den Verbrauchern unterschiedliche Wirkung haben, z.B. Glühlampen aufleuchten lassen, Motoren antreiben oder Heizgeräte erwärmen. Diese Verbraucher werden im Stromkreis vom Strom durchflossen und wandeln einen Teil der elektrischen Energie in andere Energieformen um (z.B. mechanische Energie bei Motoren).
Die wegen des Stromflusses notwendigen Verbindungen zwischen Stromerzeuger bzw. Spannungsquelle und Verbraucher werden durch elektrische Leitungen hergestellt. Somit stellen sie den dritten wichtigen Teil des Stromkreises dar. Um den Stromfluss im Stromkreis ein- und auszuschalten ist ein Schalter eingefügt. Durch diesen Schalter wird der Stromkreis geöffnet oder geschlossen, so dass z.B. eine Glühlampe nur leuchtet, wenn der Schalter geschlossen und somit auch der Stromkreis geschlossen ist.
Um einen Stromkreis zeichnerisch darstellen zu können, hat man sich auf die Verwendung bestimmter Schaltzeichen bzw. Schaltsymbole geeinigt, die in Schaltbildern verwendet werden 3 . Die wesentlichen Symbole sind nachfolgend
2 vgl. Heywang Fritz u.a.: „Physik für technische Berufe“, Verlag Handwerk und Technik, Hamburg
1978, 25. Auflage, S. 351
3 vgl. Heepmann, Bernd u.a.: „Physik für die Sekundarstufe I. Klasse 8 / 9“, Cornelsen Verlag, Berlin
1999, 1. Auflage, S. 174
3
aufgeführt. Die Leitungen werden durch waagrechte und senkrechte Linien zwischen den einzelnen Teilen bzw. Komponenten dargestellt. Folgende Abbildung zeigt den Schaltplan bzw. das Schaltbild eines einfachen Stromkreises.
Stromerzeuger
Abbildung 1: Darstellung eines einfachen Stromkreises
2.2 Die Glühlampe
In dem oben dargestellten und in den nachfolgend beschriebenen Stromkreisen werden stellvertretend für alle Verbraucher Glühlampen eingesetzt. Zum besseren Verständnis wird im Unterricht der Lerngruppe zunächst der Aufbau der Glühlampe beschrieben.
4
Abbildung 3: Aufbau einer Glühlampe (entnommen aus 4 )
Beim Aufbau der Glühlampe macht man sich zunutze, dass bei hohen Stromdichten die erzeugte Wärme in einem Leiter so groß wird, dass dieser auf Glühtemperatur erhitzt wird und einen großen Teil der zugeführten elektrischen Energie in Form von Strahlungsenergie (Licht) aussendet.
Die Glühlampe besteht im Wesentlichen aus einem Glaskolben, in dem sich der Glühdraht mit seinen Stromzuführungen befindet, und dem Lampensockel, bestehend aus einem leitenden Gewinde und einer am Fuß des Lampensockels angebrachten, gegen das Gewinde isolierten, zweiten Stromzuführung (Fußkontakt). Mit dem Gewinde wird die Glühlampe in eine Lampenfassung eingeschraubt. Die Stromzufuhr erfolgt dann zum einen über das Gewinde der Glühlampe bzw. dem Gewinde der Lampenfassung und zum anderen über den isolierten Fußkontakt der Glühlampe bzw. der Lampenfassung. Der Glühdraht ist in der Mitte des Glaskolbens angebracht. Er besteht z.B. aus einem dünnen, gewendelten Wolframdraht, der durch den Strom zum Weißglühen gebracht wird. Damit der Draht nicht verbrennt, befindet sich im Glaskolben, aus dem durch Evakuieren die Luft mit ihrem Sauerstoff entfernt wurde, Stickstoff, Argon oder Krypton. Da die Lichtausbeute sehr stark von der Temperatur abhängig ist, d.h. mit zunehmender Temperatur außerordentlich ansteigt, wird der Glühdraht zur Verminderung der Wärmeverluste gewendelt. Ebenso trägt die Füllung
4 ebenda S. 79
5
des Gaskolbens mit Edelgasen dazu bei, dass der Glühdraht weniger Wärme verliert. So besitzt z.B. Krypton im Vergleich zu Stickstoff eine kleinere Wärmeleitfähigkeit.
2.3 Der Leitungsprüfer
Nachfolgend wird als eines der einfachsten Beispiele für einen elektrischen Stromkreis die Funktion des Leitungsprüfers beschrieben.
Ein Leitungsprüfer hat die Aufgabe zu prüfen, ob die angeschlossene Leitung den elektrischen Strom leitet oder ob eventuell eine Unterbrechung der Leitung vorliegt. In der nachfolgenden Abbildung ist der Schaltplan des Leitungsprüfers dargestellt. Dabei kennzeichnet die gestrichelte Linie die Grenzen des Gerätes „Leitungsprüfer“.
Abbildung 4: Aufbau und Funktion eines Leitungsprüfers
Beim Leitungsprüfer handelt es sich um einen offenen Stromkreis, in dem eine Spannungsquelle und eine Glühlampe hintereinander (in Reihe) geschaltet sind. Am Gerät befinden sich zwei Anschlüsse, an die die zu prüfende Leitung angeschlossen werden kann. Durch diese angeschlossene Leitung wird der Stromkreis geschlossen, so dass in ihm ein Strom fließen kann und die Glühlampe leuchtet. Die Glühlampe kann auch durch einen akustischen Verbraucher (z.B. Hupe) ersetzt werden, so dass bei Anschluss eines Leiters an die Anschlüsse des Leitungsprüfers ein Signalton erklingt. Im Unterricht lassen sich mit Hilfe des Leistungsprüfers einfache und anschauliche Experimente zur unterschiedlichen Leitfähigkeit verschiedener Materialien durchführen. So zeigt sich z.B. auf einfache Weise, dass Metalle gute Leiter und Kunststoffe schlechte Leiter (Isolatoren) sind. Bei der Prüfung von Flüssigkeiten fällt auf, dass
6
destilliertes Wasser den Strom nicht leitet. Löst man jedoch etwas Speisesalz im destillierten Wasser, so leitet dieses den elektrischen Strom.
2.4 Der Morsetelegraf
Beim Morsetelegraf, der im Unterricht als Beispiel für die Anfänge der elektrischen Nachrichtenübermittlung vorgestellt wird, handelt es sich ebenfalls um einen einfachen Stromkreis.
Abbildung 5: Aufbau eines Telegrafen (entnommen aus 5 )
Das Besondere an diesem Stromkreis ist, dass es eine Sende- und Empfangsstation gibt, die sehr weit voneinander entfernt sein können. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass der Schalter durch einen Taster T ersetzt wurde, der sich beliebig lange schließen und öffnen lässt, d.h. der Stromkreis kann unterschiedlich lange geschlossen werden. Die Sendestation besteht aus dem Stromerzeuger / Spannungsquelle und dem Taster T. Zwischen dem Sender und dem Empfänger wird über eine Leitung eine elektrische Verbindung hergestellt. Bei geschlossenem Taster T wird in der Empfangsstation mit Hilfe der Elektromagneten R und M, die sich als Verbraucher in zwei getrennten Stromkreisen befinden, ein Schreibstift auf ein über eine rotierende Walze laufendes Papier gepresst. Auf diesem entstehen dann je nach Dauer des Stromflusses Punkte oder Striche, aus denen man nach dem Morsealphabet jede Nachricht zusammensetzen kann.
2.5 Der Kurzschluss:
Man versteht unter einem Kurzschluss die nahezu widerstandslose Überbrückung von Punkten eines Stromkreises, die einen Spannungsunterschied gegeneinander besitzen. Ein Kurzschluss kann z.B. entstehen, wenn beide Zuleitungen eines Verbrauchers durch
5 Heywang, Fritz: „Physik für technische Berufe“, Verlag Handwerk und Technik, Hamburg 1978, 25.
Auflage, S. 318
7
unmittelbare Berührung oder durch einen Isolationsdefekt leitend verbunden werden, so dass zwischen den Anschlusspunkten fast kein Außenwiderstand mehr vorhanden ist. Dabei kann die Stromstärke auf sehr hohe Werte ansteigen, wodurch die Zuleitungen sehr stark erhitzt werden und im ungünstigsten Fall in Brand geraten. In einer richtig abgesicherten Leitung kann der starke Strom keinen Schaden anrichten, weil der Stromkreis durch eine Sicherung sofort unterbrochen wird.
2.6 Die Sicherung
Damit im Verbraucher und den Leitungen der zulässige Strom nicht überschritten wird, sind Sicherungen eingebaut, die den Stromkreis unterbrechen, wenn der Strom eine bestimmte Stärke überschreitet. Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Ausführungen von Sicherungen:
Die Schmelzsicherung enthält einen dünnen Draht, der sich erwärmt und anschließend schmilzt, sobald der Strom die Stärke, für die die Sicherung gebaut ist, übersteigt. Der Sicherungsautomat ist ein Schalter, der vom Strom selbst betätigt wird. Fließt ein starker Überstrom, so erregt er einen Elektromagneten so kräftig, dass dieser den Kontakt unterbricht.
2.7 Die Reihenschaltung
Der einfachste Stromkreis besteht wie oben beschrieben aus der Spannungsquelle, den Leitungen und einem oder mehreren Verbrauchern. Diese sind so zusammengeschaltet, dass derselbe Strom alle Teile nacheinander durchfließt. Man bezeichnet eine derartige Schaltung als Reihen- oder Serienschaltung und sagt, die Teile sind in Reihe, in Serie oder hintereinander geschaltet.
Stromerzeuger
Abbildung 6: Aufbau einer Reihenschaltung mit drei Verbrauchern
8
2.8 Die Parallelschaltung
Bei einer Parallelschaltung sind mehrere Verbraucher unmittelbar, d.h. parallel an eine Spannungsquelle angeschlossen. An jedem Verbraucher liegt somit die gleiche Spannung an.
Stromerzeuger
Abbildung 7: Aufbau einer Parallelschaltung mit drei Verbrauchern
2.9 Die UND-Schaltung
Die UND-Schaltung entspricht einer Reihenschaltung von zwei oder mehreren Schaltern oder Tastern, durch die nur Strom fließen kann, wenn alle geschlossen sind. Die Schülerinnen und Schüler kennen eine solche Schaltung aus ihrem alltäglichen Leben z.B. von der Bedienung einer Brotschneidemaschine, einer Waschmaschine oder einer Mikrowelle.
Stromerzeuger
Verbraucher
Abbildung 8: Aufbau einer UND-Schaltung
9
In der oben abgebildeten Schaltung fließt nur dann ein Strom, d.h. die Glühlampe brennt, wenn beide Schalter S 1 und S 2 geschlossen sind. Eine derartige Schaltung wird häufig als Schutzschaltung für das Personal an gefährlichen Maschinen eingesetzt. Dabei werden Schalter durch Taster ersetzt. Nur wenn beide Taster mit den Händen des Bedieners betätigt werden, wird der Stromkreis geschlossen und die Maschine führt die gewünschte Bewegung aus. Dabei werden die Taster so angeordnet, dass für ihre Bedienung beide Hände erforderlich sind.
2.10 Die ODER-Schaltung
Die ODER-Schaltung entspricht einer Parallelschaltung von zwei oder mehreren Schaltern oder Tastern. Wird einer der Schalter geschlossen, so ist der Stromkreis geschlossen und über den Verbraucher fließt der Strom. D.h. im Gegensatz zur UND-Schaltung genügt die Betätigung eines der parallel geschalteten Schalter. Ein Beispiel aus dem täglichen Leben stellt die Klingelanlage eines Hauses dar. Hierbei kann sowohl mit dem Taster am Hoftor als auch an der Eingangstür die gleiche Klingel betätigt werden.
Stromerzeuger
3. Methodische Grundidee
Die in den meisten Stunden der Unterrichtseinheit zum Tragen kommende methodische Grundidee ist die des handlungsorientierten Unterrichts. Diesen beschreibt Hilbert Meyer wie folgt 6 : Beim handlungsorientierten Unterricht geht es, wie der Name schon
6 vgl. Meyer, Hilbert: „Unterrichtsmethoden Band II“, Cornelsen Scriptor, Berlin 1987, 1. Auflage , 15.
Lektion, S. 402f.
10
sagt, darum, dass die Schülerinnen und Schüler handelnd im Unterricht zu einem Ergebnis kommen, das sich anfassen und vorführen lässt. Durch den Handlungsvorgang, der zu diesem Ergebnis führt, lernen die Schülerinnen und Schüler. Dadurch, dass die Lernenden selbst aktiv sind, gestaltet sich der Unterricht viel spannender und offener als dies z.B. ein Frontalunterricht erreichen könnte. Während im Frontalunterricht die Handarbeit viel zu kurz kommt, geht es im handlungsorientierten Unterricht darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kopf- und Handarbeit zu erreichen. Hinter dem handlungsorientierten Unterricht verbirgt sich laut Meyer ein ganz bestimmtes Welt-, Gesellschafts- und Menschenbild. So wird davon ausgegangen, dass der Mensch zur Vernunft und Freiheit, aber auch zur Selbstzerstörung fähig ist. Der Mensch ist von Grund auf neugierig. Der Lernprozess wird als einheitlich angesehen, das bedeutet, er läuft mit allen Sinnesorganen ab. Generell ist im handlungsorientierten Unterricht vorgesehen, dass Fehler gemacht werden, aus denen Schülerinnen und Schüler aber auch Lehrerinnen und Lehrer lernen können. Außerdem geht handlungsorientierter Unterricht davon aus, dass in der Schule ein nicht entfremdetes Leben und Lernen nur ansatzweise möglich ist. Als mögliche Organisationsformen für handlungsorientierten Unterricht nennt Meyer folgende Möglichkeiten 7 :
-Unterricht als Werkstatt, in der bestimmte, für die Lernenden bedeutsame Produkte hergestellt werden
-Unterricht als Labor, in dem Sach-, Sinn- und Problemzusammenhänge erforscht werden
-Unterricht als Expedition zur Erkundung der umgebenden, natürlichen und sozialen Wirklichkeit
-Unterricht als Theater zum Nachspielen der sozialen Wirklichkeit
-Unterricht als Gemeinde zum gemeinsamen Gespräch, zum Spielen und Feiern.
In meiner Unterrichtseinheit kommen hauptsächlich die Organisationsformen Werkstatt und Labor zum Tragen.
Bei der Planung von handlungsorientiertem Unterricht sind verschiedene Dinge zu bedenken. Für die Lehrkraft ergeben sich zunächst Lehrziele aus ihrer Lehrverpflichtung und ihren Interessen heraus. Die Lernenden selbst bringen gewisse
7 vgl. ebenda S. 403f.
11
Lernvoraussetzungen und eigene Interessen mit. Daraus ergeben sich die sogenannten Handlungsziele. Wenn es darum geht, das Handlungsprodukt festzulegen, kommen Lernende und Lehrende mit ihren jeweiligen Zielen an einem Punkt zusammen. Sowohl materielle als auch geistige Dinge können als Handlungsprodukt gelten. Nach der Erarbeitung des Handlungsprodukts muss sich eine Auswertungsphase anschließen, bei der das Handlungsprodukt präsentiert und kontrolliert wird. Meyer nennt eine Reihe von Vorteilen des handlungsorientierten Unterrichts 8 . Diese sind:
-Schülerinnen und Schüler haben schon immer ganzheitlich mit allen Sinnen gelernt. Der handlungsorientierte Unterricht trägt dem voll Rechnung.
-Lernen und Handeln sind eng miteinander verknüpft.
-Die Schülerinnen und Schüler lernen ein selbstständiges Handeln.
-Der handlungsorientierte Unterricht hilft den Schülerinnen und Schülern, die sehr komplexe gesellschaftliche, technische und ökonomische Entwicklung unserer Zeit zu verstehen.
-Schülerinnen und Schüler können sich mit dem Unterricht besser identifizieren, wenn sie an dessen Planung und Durchführung selbst beteiligt sind, ganz so, wie das hier der Fall ist.
-Schülerinnen und Schüler lernen und behalten selbst erlebte Dinge besser.
-Handlungsorientierter Unterricht Methodenkompetenzen.
-Durch die Möglichkeit einer sachlich begründbaren Leistungserwartung an die Schülerinnen und Schüler anhand der Aufgabenstellung wird die Fremdbestimmung der Leistungskontrolle verringert.
Als Nachteile des handlungsorientierten Unterrichts nennt Meyer folgende Punkte 9 :
-Der Unterricht erfordert mehr Einsatz, sowohl von der Lehrkraft als auch von den Schülerinnen und Schülern.
-Der Unterricht wirkt weniger strukturiert.
-Der Unterricht wird unruhiger.
-Die Leistungsorientierung ist erschwert.
8 vgl. ebenda S. 409f.
9 vgl. ebenda S. 410f.
12
Meyer nennt vier Kriterien, an denen seiner Meinung nach der handlungsorientierte Unterricht gemessen werden kann 10 . Diese sind:
1) Beachtung der subjektiven Schülerinnen- und Schülerinteressen,
2) selbstständiges Handeln der Schülerinnen und Schüler,
3) Öffnung der Schule gegenüber ihrem Umfeld und
4) ausgewogenes Verhältnis zwischen Kopf- und Handarbeit.
Diese sollen im Folgenden genauer beschrieben werden: Will man den Unterricht nach subjektiven Schülerinnen- und Schülerinteressen ausrichten, so ist es zunächst nötig, zwischen objektiven und subjektiven Zielen zu unterscheiden. Unter subjektiven Schülerinnen- und Schülerinteressen versteht Meyer 11 situationsspezifische persönliche Interessen, Vorstellungen und Phantasien zum Unterricht. Auf der anderen Seite sind objektive Interessen der Lernenden situationsunspezifische, überindividuell gültige Handlungsmotive. Bei der Feststellung der subjektiven Schülerinnen- und Schülerinteressen ist zu beachten, dass sie sich im Laufe des Unterrichtsprozesses verändern können. Auch Abneigungen oder Desinteressen der Schülerinnen und Schüler sollten beachtet werden. Außerdem kommt es häufig vor, dass die von den Lernenden angegebenen Interessen eher oberflächlichen und kurzatmigen Charakter haben. Des Weiteren sind sie meistens widersprüchlich und, wenn man die Schülerinnen- und Schülerinteressen der ganzen Klasse betrachtet, auch sehr unterschiedlich. Also lassen sich die subjektiven Schülerinnen- und Schülerinteressen nur schwer fassen. Ihre Ermittlung und Artikulation ist aber dennoch wichtig, da man die Schülerinnen und Schüler nicht zur Mündigkeit erziehen kann, wenn man gleichzeitig ihre Interessen unterdrückt.
Kinder haben von vornherein einen Drang zur Selbstständigkeit. Allerdings missbrauchen sie häufig die ihnen zugestandenen Freiräume, was dazu führt, dass sich die Lehrkraft dazu gezwungen sieht, diese Freiräume ständig einzuschränken. Um diese Problematik (von Hilbert Meyer als der „dialektische Grundwiderspruch der Methode“ 12 ) zu bereinigen, ist es erforderlich, den Schülerinnen und Schülern so früh wie möglich Methodenkompetenz im Sinne des selbstständigen Lernens nahezubringen. Wenn davon gesprochen wird, dass eine Öffnung der Schule stattfinden soll, so kann dies verschiedene Aspekte haben. Zum einen soll der Unterrichtsprozess offen für die
10 vgl. ebenda S. 412
11 vgl. ebenda S. 413-424
12 ebenda S. 416
13
Selbstständigkeit und die Selbsttätigkeit der Lernenden werden. Wenn der Fachunterricht geöffnet wird, so kann dies bedeuten, dass er fächerübergreifend und projektförmig gestaltet wird. Des Weiteren soll die Schule gegenüber ihrem schulischen Umfeld geöffnet werden. Dies bedeutet, dass z.B. Experten in die Schule kommen, um dort bei Projekten mitzuhelfen oder mit den Schülerinnen und Schülern zu diskutieren. Dies würde dann einen viel lebendigeren Unterricht zur Folge haben. Es bedeutet aber auch, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit ihren Unterrichtsergebnissen der Öffentlichkeit stellen müssen, und dies kann sowohl Kritik als auch Lob und Bestätigung mit sich bringen. Die Lernenden sollen dabei die Anstrengungen kennen lernen, was es bedeutet, anderen ein Ergebnis aus dem Unterricht vorzustellen und verständlich zu machen.
Unter dem Begriff „Handarbeit“ versteht man alle mit dem Körper ausgeführten materiellen Handlungen. Dahingegen ist die „Kopfarbeit“ als geistige, z.B. nur sprachlich artikulierte Handlung aufzufassen. Lernen wird in diesem Zusammenhang als schrittweise Verinnerlichung ursprünglich materieller Lernhandlungen hin zu geistigen Denkhandlungen verstanden. Im handlungsorientierten Unterricht besteht nun keine aufsteigende Linie von der Handarbeit zur Kopfarbeit, sondern beide stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Es geht hier darum, dass man auf ein ausgewogenes Verhältnis von Kopf- und Handarbeit hinarbeitet.
Auch meine Erfahrungen mit handlungsorientiertem Unterricht, die ich während meiner eigenen Schulzeit und an der Universität sammeln konnte, waren meist positiver Natur. Stets hoben sich die leider sehr seltenen Stunden, in denen ich damals als Schüler selbst experimentieren durfte, von den Stunden ab, in denen ich einfach nur meinem Lehrer zuhörte und das Tafelbild in mein Heft übertrug. Auch Lehrerdemonstrationsversuche waren für mich als Schüler immer etwas negativ behaftet. Das kam meist daher, dass sie mit einem längeren Arbeitsauftrag, nämlich der Anfertigung eines Versuchsprotokolls, verbunden waren und keine aktive Beteiligung am Unterrichtsgeschehen zuließen. An der Universität hatte ich dann häufig den Eindruck, dass ich den Stoff, der mir in Vorlesungen vermittelt wurde, zwar verstehen und behalten konnte, die Sachen allerdings erst glauben konnte, nachdem ich mich selbst mit ihnen handelnd in Experimenten auseinandergesetzt hatte. Und so geht es mir teilweise heute noch. Ich lese während meiner Unterrichtsvorbereitung über ein erstaunliches Experiment, z.B. den Versuch, dass man ein volles Glas Wasser auf einem Pappedeckel umdrehen kann, ohne dass das Wasser ausläuft. Ich kann mir erklären, dass dies wohl mit dem Druck
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Abdullah Zeybek, 2005, Handlungsorientierter Einstieg in die Elektrizitätslehre in der Gesamtschule, München, GRIN Verlag GmbH
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