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Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Bibliothekswissenschaft
Postgraduales Fernstudium: Library and Information Science
Netzpublikationen – Geschäftsgang und Verfügbarmachung
Anke Verena Meyer
2006
Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung ...5
2 Begriffsabgrenzung: Netzpublikationen ...9
2.1 Überblick ...9
2.2 Typen von Netzpublikationen ...10
2.2.1 Netzpublikationen mit Entsprechungen aus der Printwelt ...10
2.2.2 Webspezifische Netzpublikationen ...11
2.2.2.1 Websites ...11
2.2.2.2 Online-Datenbanken ...12
2.2.2.3 Linksammlungen ...12
2.2.2.4 Weitere ...13
2.3 Weitere Einteilungen von Netzpublikationen ...13
2.4 Wichtige Netzpublikationen ...13
2.4.1 Online-Dissertationen ...13
2.4.2 Online-Zeitschriften ...14
2.4.3 E-Books ...15
3 Umfrage ...16
3.1 Durchführung der Umfrage ...16
3.2 Aufbau des Fragebogens ...16
3.3 Pretest ...17
3.4 Befragung ...18
4 Selektion und Beschaffung ...20
4.1 Phasen in der Beschaffung von Netzpublikationen ...21
4.2 Selektionskriterien ...23
4.3 Hilfsmittel, Informations- und Beschaffungsquellen ...27
4.4 Produkttests ...29
4.5 Bezahlung, Lizenzverträge und Freischaltung ...30
5 Erfassung und Katalogisierung ...35
5.1 Überblick ...35
5.2 Formalerschließung für den OPAC nach traditionellen Regelwerken ...36
5.3 Linksammlung ...39
5.4 Formalerschließung durch Metadaten ...40
5.4.1 Überblick ...40
5.4.2 Dublin Core ...41
5.4.2.1 Überblick ...41
5.4.2.2 Dublin Core Element Set ...41
5.4.2.3 META-LIB ...43
5.4.3 RDF ...44
5.5 Erschließung für den OPAC und für eine auf Dublin Core basierende Datenbank -
das Modell CORC ...45
5.6 Sacherschließung ...46
5.7 Automatisierte Erschließung ...46
6 Identifikation und Zitierbarkeit von Netzpublikationen – Persistent Identifiers ...48
6.1 Überblick ...48
6.2 Das Handle-System ...49
6.3 Digital Object Identifier (DOI) ...50
6.4 Persistent Uniform Resource Locator (PURL) ...51
6.5 Uniform Ressource Names (URN) ...51
7 Langzeitarchivierung und Verfügbarmachung ...55
7.1 Archivierung ...55
7.1.1 Emulation ...57
7.1.2 Migration ...58
7.1.3 Metadaten für die Langzeitarchivierung ...60
7.1.4. OAIS ...62
7.2 Bereitstellung ...67
8 Ständige Arbeiten an Netzpublikationen ...73
9 Fazit und Ausblick ...75
10 Literaturverzeichnis ...77
11 Anhang ...83
I. Umfrage ...83
I.i Anschreiben an die Teilnehmer des Pretests ...83
I.ii Antworten aus dem Pretest ...84
I.iii Anschreiben an die Teilnehmener der INETBIB ...88
I.iv Gezielte Anschreiben an Bibliotheken ...88
I.v Fragebogen ...89
I.vi Ergebnisse der Umfrage ...95
II. Hilfsmittel, Informations- und Beschaffungsquellen ...107
II.i Kostenpflichtige Datenbanken ...107
1 Einleitung
Als Netzpublikationen oder Online-Publikationen bezeichnet man elektronische Publikationen, die nicht auf einem physikalischen Datenträger, sondern über Netze verfügbar sind.
Digitale Veröffentlichungen verzeichnen einen stetig wachsenden Anteil im Publikationsbereich, wobei sich eine deutliche Verschiebung von Offline-Produkten zu Online-Produkten feststellen lässt. Interessant in dieser Hinsicht ist nicht nur der Übergang auf ein neues Medium (Computer), sondern dass dieses Medium auch ganz neuartige Publikationsformen zulässt, wie zum Beispiel dynamische oder interaktive Dokumente, so genannte Multimedia Publikationen.1
Im Jahr 2004 wurde beschlossen, auch Netzpublikationen in den Sammelauftrag Der Deutschen Bibliothek mit einzubeziehen. Dies geschieht zunächst auf freiwilliger Basis. Das „Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG)“, welches eine Pflichtablieferung von Netzpublikationen vorsieht, ist vom Bundestag jedoch bereits beschlossen worden. 2 (3)
Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist klar, dass der Stellenwert von Netzpublikationen mit dem von Monografien und Zeitschriften gleichzusetzen ist.
In weniger als 10 Jahren hat sich das Internet in fast jedem gesellschaftlichen Bereich ausgebreitet und es haben sich viele verschiedene Veröffentlichungsformen, von privaten Webseiten über Zeitschriftenartikel bis hin zu Artikeln in Open Archives, entwickelt.
Dennoch befindet sich die Entwicklung von einer „Wissenschaft auf Papier“ zu einer netzbasierten Wissenschaft noch am Anfang. In den „Empfehlungen zum elektronischen Publizieren an Hochschulen“ weist die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) darauf hin, dass eine Umwälzung des wissenschaftlichen Publikationswesens stattfindet. Interessant sei vor allem die Möglichkeit Publikationsvorhaben, die auf traditionellem Wege nicht finanzierbar wären, preisgünstig über das Internet zugänglich zu machen.4
Oft wird das Internet bzw. werden digitale Veröffentlichungen als Bedrohung für den klassischen Buchmarkt und die klassische Bibliothek gesehen. Verschiedene Studien der Stiftung Lesen zeigen allerdings, dass das Buch keineswegs in Gefahr ist, durch digitale Texte völlig verdrängt zu werden. Tiefere Lektüre vollzieht sich immer noch anhand von Büchern oder ausgedruckten Texten. Auch zeigt sich, dass digitale Texte von denjenigen Lesern mehr genutzt werden, die ohnedies schon viel lesen. Netzpublikationen stellen also eher eine Bereicherung als eine Gefahr dar.5
In vielen Fällen sind Internetnutzer mit der unstrukturierten Masse an Informationen im Internet überfordert. Automatische Suchmaschinen wie Google oder Yahoo bieten nur einen geringen Teil der Informationen in einer Struktur an. Um relevante Publikationen zu finden, muss eine Reihe von Suchmaschinen und Portalseiten bemüht werden. O′Neil et al. stellen den Stellenwert von Bibliotheken in diesem Zusammenhang heraus.
„Libraries serve as more than just repositories of information. In addition, the information is organized and indexed to facilitate searching and retrieval. A complaint that has often been made about the Web [sic] is that it lacks this organization. Searching is done using „brute force“ methods such as keyword indexing, often without context or additional search criteria. Some improvements have been made from the earliest days of the Web [sic]: the search engine Google, for example, employs relatively sophisticated algorithms that rank search results based on linkage patterns and popularity.“6
Traditionell haben Bibliotheken immer Wissen gesammelt und zur Verfügung gestellt. Alice Keller weist in ihrem Artikel „Dienstleistungsangebote von Bibliotheken in elektronischer Form“ auf den bereits abgeschlossenen, oder zumindest gerade ablaufenden Paradigmenwechsel im Bibliothekswesen hin. Sie stellt zwei Neuausrichtungen bzw. Neubewertungen heraus: zum einen den Wechsel von der Bestandsorientierung zur Beschaffungs- oder Nachweisorientierung und zum anderen die Veränderung im Arbeitsverhalten bzw. bei der Informationsbeschaffung aktiver und potenzieller Bibliotheksbenutzer. So werden Netzpublikationen immer häufiger nachgefragt und Bibliotheken in diesem Zusammenhang vielfach auch von zu Hause aus genutzt.7
Lehmann warnt allerdings davor, sich als Bibliothek auf nur ein Medium zu beschränken. Aktualität, Umfang und Art der Information sowie des bevorzugten Mediums wechselten von Disziplin zu Disziplin und von Benutzergruppe zu Benutzergruppe. Die neuen Freiheiten, die uns die Digitalisierung beschere, seien so auch als Chance zu sehen, besser auf die Bedürfnisse verschiedener Bibliotheksbenutzer eingehen zu können.8
Um die große Flut von Netzpublikationen in einem geordneten System verfügbar zu machen, wurde in den letzten zehn Jahren eine Reihe von Ansätzen entwickelt. Grundsätzlich lassen sich die Ansätze in zwei Richtungen unterteilen. Eine Richtung verfolgt Die Deutsche Bibliothek, bei der die Netzpublikationen von den Verlegern gezielt in einem Archiv abgelegt werden. Andererseits wird versucht, das Netz bzw. Inhalte davon mit Hilfe von Suchmaschinen automatisch sammeln zu lassen (z. B. im Internetarchiv, siehe http://www.archive.org) oder manuelle Linksammlungen zu erstellen.
Unabhängig davon, welcher dieser Ansätze verfolgt wird, muss für dieses neue Medium auch eine neue Art von Geschäftsgang an den Bibliotheken entwickelt werden.
Thomas Hilberer weist darauf hin, dass diese Netzpublikationen nach ihren spezifischen Eigenarten behandelt werden und gleichzeitig möglichst kosten- und zeiteffizient verarbeitet werden sollen. Dementsprechend solle der Geschäftsgang nur dort von dem in der Bibliothek Üblichen abweichen, wo es erforderlich ist. Ein Ziel dabei ist, dass alle Medien möglichst denselben Geschäftsgang haben, um einen möglichst einheitlichen, rationellen und kostengünstigen Geschäftsgang durchführen zu können.9
Um Netzpublikationen erfassbar und suchbar machen zu können, wurden eine Reihe verschiedener Standards entwickelt. Basierend auf den Beschreibungselementen vom Dublin Core wurden weitere Sets von Datenfeldern entwickelt, wie zum Beispiel MetaDiss zur Beschreibung von Dissertationen. Die Fragen nach der Authentizität und der Langzeitarchivierung digitaler Dokumente sind bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht ausreichend geklärt.
Eine Vielzahl verschiedenster Lösungsansätze zur Verfügbarmachung von Netzpublikationen werden zurzeit parallel entwickelt und weiterentwickelt. Ziel der Arbeit ist es, dem Leser einen umfassenden Überblick über verschiedene Möglichkeiten des Geschäftsganges von Netzpublikationen an Bibliotheken zu geben.
Es werden die verschiedenen Arten von Netzpublikationen dargestellt und die Möglichkeiten sowie Hilfsmittel zur Selektion, Erwerbung, Katalogisierung und Archivierung vorgestellt und miteinander verglichen.
Die rechtlichen und technischen Schwierigkeiten werden dabei allerdings nur am Rande behandelt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den derzeit angewendeten Methoden und Lösungsansätzen in Bibliotheken.
Die Arbeit wertet die verfügbare Literatur zu dem Thema aus und stellt den derzeitigen theoretischen Wissensstand dar. Ergänzt wird die Arbeit durch die Ergebnisse einer Internet-Umfrage zu den derzeit praktizierten Methoden in Bibliotheken.
[...]
1 vgl.: Lehmann, Klaus-Dieter (1999): Die Deutsche Bibliothek als digitale Depotbibliothek im europäischen Kontext (WWW-Seite, Stand: ?). Internet: http://www.informatik.uni-leipzig.de/~graebe/projekte/MAT/digit_depot.html (Zugriff: 21.11.2005).
2 vgl.: Deutscher Bundestag – Plenarprotokoll 16/32- Stenografischer Bericht - 2. Sitzung - Berlin, Donnerstag, den 6. April 2006, (PDF-Datei, Stand: 06.04.2006), Internet: http://dip.bundestag.de/btp/16/16032.pdf (Zugriff: 10.05.2006), S. 2860.
3 Wann das Gesetzt entgültig in Kraft tritt ist zu diesem Zeitpunkt (15.05.2006) noch nicht klar. Der Gesetzentwurf ist abrufbar unter: http://www.ddb.de/wir/pdf/dnbg_druck.pdf (Zugriff: 10.05.2006).
4 vgl.: Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren DINI (2002): Elektronisches Publizieren an Hochschulen - Empfehlungen [März 2002](PDF-Datei, Stand 01.03.2003). Internet: http://edoc.hu-berlin.de/series/dini-schriften/1-de/PDF/1-de.pdf (Zugriff: 25.11.2005) PI: urn:nbn:de:kobv:11-10045992.
5 vgl.: Dehm, Ursula u.a.(2002): Bücher – „Medienklassiker“ mit hoher Erlebnisqualität. In: Media Perspektiven 10/2005. bzw. Stiftung Lesen Hrsg. (2002): Gutenbergs Folgen - Von der ersten Medienrevolution zur Wissensgesellschaft: Stiftung Lesen. Baden-Baden. bzw. Boesken, Gesine (2001): Lesen am Bildschirm. In: Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend. Stiftung Lesen, Mainz, (Zugriff: 10.04.2005). S. 127-149.
6 O‘Neill, Edward; Lavoie, Brian; Bennett, Rick (2003): Trends in the Evolution of the Public Web 1998 – 2002. In: D-Lib Magazine 9 (2003), 4. Internet: http://www.dlib.org/dlib/april03/lavoie/04lavoie.html (Zugriff: 20.04.2006).
7 vgl.: Keller, Alice; Neubauer, Wolfram (1999): Dienstleistungsangebote von Bibliotheken in elektronischer Form. Eine Benutzungsstudie an der ETH-Bibliothek. In: nfd 50(7), S. 410.
8 vgl.: Lehmann, Klaus-Dieter (1999): Die Deutsche Bibliothek als digitale Depotbibliothek im europäischen Kontext (WWW-Seite, Stand: ?). Internet: http://www.informatik.uni-leipzig.de/~graebe/projekte/MAT/digit_depot.html (Zugriff: 21.11.2005).
9 vgl.: Hilberer, Thomas (2000): Geschäftsgang elektronischer Dissertationen. Einfach und schnell. (PDF-Datei, Stand ) Internet: http://bibliotheksdienst.zlb.de/2000/2000_10_Betriebsorganisation01.pdf, (Zugriff: 20.04.2006). S. 1611.
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07.11.2006 08:19:17
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