Justus-Liebig-Universität Gießen
Fachbereich 03: Sozial- und Kulturwissenschaften
Institut für Heil- und Sonderpädagogik
Bedeutung und Möglichkeiten der Freizeit bei erwachsenen Menschen mit geistiger
Behinderung unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Integration
Diplomarbeit
vorgelegt von: Martina Lübbers
vorgelegt im: August 2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Lebenssituation von Menschen mit geistiger Behinderung ... 6
2.1 Definitionsproblematik des Begriffs »geistige Behinderung« ... 6
2.2 Behindertenpolitische und -rechtliche Rahmenbedingungen ... 10
2.3 Einstellungen gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung und Möglichkeiten zu ihrer Veränderung ... 13
2.4 Historische Entwicklungen der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung in Westdeutschland seit 1945 ... 15
2.5 Zusammenfassung ... 17
3. Soziale Integration, Teilhabe und Inklusion: Leitideen und Konzepte zu ihrer praktischen Umsetzung ... 19
3.1 Soziale Integration, Teilhabe und Inklusion ... 19
3.2 Wurzeln des inklusiven Gedankens ... 24
3.2.1 Normalisierungsprinzip ... 24
3.2.2 Selbstbestimmung ... 29
3.3 Konzepte zur Umsetzung der Leitideen ... 34
3.3.1 Empowerment ... 35
3.3.2 Assistenz ... 37
3.3.3 Community Care ... 40
3.4 Zusammenfassung ... 44
4. Freizeit ... 46
4.1. Freizeit - Die Schwierigkeiten einer Begriffbestimmung ... 46
4.2 Der positive Freizeitbegriff ... 47
4.3 Freizeitbedürfnisse ... 50
4.4 Voraussetzungen an den Lebensbereich Freizeit ... 51
4.5 Freizeit in Deutschland ... 52
4.5.1 Beliebte Freizeittätigkeiten ... 53
4.5.2 Trends in der Freizeit ... 55
4.5.3 Einkommen und Bildung = Determinanten des Freizeitverhaltens? ... 56
4.6 Zusammenfassung ... 58
5. Freizeit im Leben von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung ... 60
5.1 Sonderpädagogische Auseinandersetzung mit dem Handlungsfeld Freizeit im Wandel der Zeit ... 60
5.1.1 Freizeit ohne besondere Hilfen ... 61
5.1.2 Freizeit als Aufgabengebiet der Rehabilitation ... 61
5.1.3 Freizeit und soziale Integration ... 63
5.1.4 Selbstbestimmte Freizeit ... 64
5.2 Freizeit als soziales und gesellschaftliches Integrationsfeld ... 65
5.3 Aktuelle Freizeitsituation von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung ... 68
5.3.1 Empirische Studien zur Freizeitsituation von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung ... 68
5.3.1.1 Freizeitsituation in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe ... 69
5.3.1.2 Freizeitsituation in Familien ... 72
5.3.1.3 Freizeitsituation in Einrichtungen der Lebenshilfe ... 74
5.3.2 Freizeitbedürfnisse ... 79
5.3.3.1 Erschwernisse aufgrund der Lebenssituation in der Familie ... 88
5.3.3.2 Erschwernisse aufgrund der Lebenssituation in Wohneinrichtungen ... 90
5.4 Ausblick und Forderungen ... 91
5.5 Zusammenfassung ... 95
6. Praxisbeispiele: Sozialintegrative Freizeitangebote ... 97
6.1 PFiFF ... 97
6.2 Orientalische Bauchtanzgruppe ... 102
6.3 Inklusionsbeauftragte für den Bereich Sport ... 104
7. Interpretation und Reflektion der Ergebnisse ... 106
8. Fazit ... 116
Literaturverzeichnis ... 122
1. Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit ist die Freizeitsituation von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Fragestellungen, inwieweit der Freizeitbereich zur sozialen Integration dieser Menschen beitragen kann, wie die pädagogische Leitidee der Normalisierung umgesetzt wird und ob die Forderung nach Selbstbestimmung im Freizeitbereich erfüllt wird.
Mein besonderes Interesse an der Freizeitsituation von Menschen mit geistiger Behinderung entwickelte sich zum einen durch meine praktische Tätigkeit beim Familienunterstützenden Dienst (FuD) der Lebenshilfe Gießen, zum anderen durch die vielfältigen Anregungen die ich in dem Seminar „Freizeitförderung bei Menschen mit geistiger Behinderung“ von Herrn Ulrich Niehoff-Dittmann am Institut für Heil- und Sonderpädagogik der Justus-Liebig-Universität Gießen im Wintersemester 2004/05 erhalten habe. Schon während meiner praktischen Tätigkeit für den FuD fiel mir immer wieder auf, dass die Freizeit von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung von anderen Personen verplant wird und ihre Sozialkontakte, abgesehen von denen zu ihrer Familie und zu professionellen Begleitern, fast ausschließlich aus Kontakten zu anderen Menschen mit geistiger Behinderung bestehen. In dem erwähnten Seminar wurden dann die theoretischen Bezüge zu Leitgedanken der Behindertenpädagogik hergestellt. Augenfällig wurde dabei, dass die Freizeit, im Gegensatz zu den Bereichen Wohnen und Arbeit, ein bislang stark vernachlässigter Lebensbereich in der Behindertenpädagogik ist.
Vor diesem Hintergrund werde ich untersuchen, welche Möglichkeiten zur Verbesserung der Freizeitsituation von Menschen mit geistiger Behinderung bestehen und wie dabei die bereits oben genannten Ziele der Integration, Normalisierung und Selbstbestimmmung erreicht werden können.
Da der Bereich Selbstbestimmung ein zentraler Aspekt dieser Arbeit ist, werde ich mich thematisch auf die Freizeitsituation von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung beschränken. Ich gehe davon aus, dass das Konzept der Selbstbestimmung auch bei Menschen ohne Behinderung erst im Erwachsenenalter voll zur Anwendung kommt. Ferner unterscheiden sich die Freizeitsituationen von Kindern und Erwachsenen grundlegend. Eine Darstellung beider Situationen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Zur besseren Lesbarkeit der Arbeit verwende ich bei der Beschreibung von gemischtgeschlechtlichen Gruppen lediglich die männliche Schreibweise.
Zur Struktur der Arbeit: Ausgangspunkt ist im folgenden Kapitel die Schilderung der Lebenssituation von Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland. Nach einer Beschreibung der Definitionsproblematik der Bezeichnung »geistige Behinderung« folgt ein Überblick über die rechtliche Situation dieses Personenkreises, um zu überprüfen, inwiefern das Recht auf eine gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen in der Gesellschaft im gesetzlichen Rahmen verankert ist. Unter Punkt 2.3 folgt eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob es geeignete Möglichkeiten gibt, die vorhandenen Einstellungen in der Gesellschaft gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung zu verbessern. Den Abschluss dieses Kapitels bildet ein Überblick über die historische Entwicklung der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung.
Das dritte Kapitel beginnt mit einer allgemeinen Erklärung der Begriffe Teilhabe, soziale Integration und Inklusion. Die Forderungen nach einer selbstverständlichen und gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung am Leben in der Gesellschaft enthalten implizit die Forderungen nach einer normalisierten und selbstbestimmten Lebenssituation. Daher wird dann unter Punkt 3.2 die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung des Normalisierungsprinzips und des Selbst-bestimmungsgedankens in der Behindertenpädagogik aufgezeigt. Inwiefern das Empowerment-Konzept, das Assistenzprinzip und der Community-Care-Gedanke mögliche Wege sein können, um diese Forderungen nach einer Normalisierung der Lebensverhältnisse, verbunden mit einem selbstbestimmten Leben in der Mitte der Gesellschaft, auch in die Realität umsetzen zu können, wird zum Abschluss des dritten Kapitels untersucht.
Im vierten Kapitel wird verdeutlicht, was Freizeit im Allgemeinen ist und welche Bedeutung Freizeit im Leben eines jeden Menschen spielt. Nach einer Begriffsbestimmung erfolgt die Beschreibung von Freizeit und ihrer Funktion. Anschließend werden grundlegende Freizeitbedürfnisse aufgeführt und die wesentlichen Bedingungen für ihre Verwirklichung beschrieben. Abschließend wird unter dem Punkt 4.5 die Freizeitsituation in Deutschland anhand von Freizeitaktivitäten, Freizeittrends und Determinanten des Freizeitverhaltens dargestellt.
Die in den vorangegangenen Kapiteln gewonnenen Erkenntnisse werden im fünften Kapitel zusammengeführt und auf die Freizeitsituation von Menschen mit geistiger Behinderung übertragen. Ausgangspunkt hierfür ist die Darstellung der sonderpädagogischen Auseinandersetzung mit dem Handlungsfeld Freizeit. Dann wird (der Fragestellung dieser Arbeit folgend) untersucht, inwiefern der Freizeitbereich als mögliches soziales und gesellschaftliches Integrationsfeld für Menschen mit geistiger Behinderung geeignet ist. Anschließend folgt die Darstellung der Freizeitsituation von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland. Vor diesem Hintergrund werden die Möglichkeiten der Realisierung der Freizeitbedürfnisse für Menschen mit geistiger Behinderung untersucht und die hierbei bestehenden Erschwernisse aufgezeigt. Abgeschlossen wird das Kapitel 5 mit einer Auflistung des vordringlichen Handlungsbedarfs für die Verbesserung der Freizeitsituation von Menschen mit geistiger Behinderung und für die Verwirklichung des Ziels, der Freizeit von Menschen mit geistiger Behinderung generell - aber auch als mögliches soziales Integrationsfeld - mehr Respekt und Aufmerksamkeit entgegenzubringen.
Welche Möglichkeiten der Freizeitbereich zur sozialen Integration bietet und welche Schwierigkeiten bei der Verwirklichung bestehen, wird dann im Kapitel 6 anhand drei exemplarisch ausgesuchter Fallbeispiele aufgeführt.
Das Kapitel 7 dient der persönlichen Interpretation und Reflektion der Ergebnisse dieser Arbeit, die in Kapitel 8 abschließend zusammengefasst dargestellt werden.
2. Lebenssituation von Menschen mit geistiger Behinderung
Im ersten Teil dieses Kapitels wird die Bedeutung des Begriffs »geistige Behinderung« analysiert. Die Ausführungen hierzu stellen jedoch lediglich unterschiedliche Annäherungen an eine Definition von »geistiger Behinderung« dar, denn dieser Begriff kann wohl niemals einheitlich geklärt werden. Unter dem Punkt 2.2 werden dann die wesentlichen rechtlichen gesetzgeberischen Veränderungen, die Benachteiligungen aufgrund einer Behinderung verbieten und den Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung und eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zusichern sollen, aufgeführt. Im darauf folgenden Punkt werden mögliche Strategien, die zu einer positiven Veränderung in den Einstellungen und Reaktionen gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung führen können, vorgestellt. Abschließend folgt ein kurzer Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung.
[...]
Arbeit zitieren:
Martina Lübbers, 2005, Bedeutung und Möglichkeiten der Freizeit bei erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Integration, München, GRIN Verlag GmbH
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