Versicherung
Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.
Einverständnis
Ich bin einverstanden, dass ein Exemplar meiner Diplomarbeit in die Bibliothek der FH Hannover eingestellt wird, und somit öffentlich zugänglich ist.
Hannover, 20. August 2002
Michael Loseries
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Abstrakt
Einen Text nur einmal schreiben und dann beliebig oft in den unterschiedlichen Medien publizieren, ist ein Traum vieler Manager und Redakteure. Ist medienunabhängiges Texten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar? Zu dieser Frage werden Forderungen einiger aktueller Studien zur Rezeption am Bildschirm vorgestellt. Die Untersuchungsergebnisse von Print- und Online-Artikeln aus drei Computermagazinen werden den Forderungen vergleichend gegenübergestellt. Der Vergleich zeigt, dass Autoren durch medienunabhängiges Texten nicht allen Medien gerecht werden. Sie schöpfen besonders das Potenzial der Online-Medien nicht aus. Medienneutrales Texten gelingt aber durchaus, wenn Autoren die wesentlichen Forderungen schon während des Schreibprozesses berücksichtigen.
Konventionen
Leserinnen und Leser
Um den Text leichter lesbar zu halten, habe ich mich in dieser Arbeit dafür entschieden, nur die maskuline Form zu verwenden. Auf feminine Hilfskonstrukte wie „-Innen“ oder „/-innen“ verzichte ich. Ich meine immer Männer und Frauen. Wenn speziell die feminine oder maskuline Form gemeint ist, werde ich dies deutlich machen. Die Leserinnen bitte ich um Verständnis für diese vereinfachende Ungenauigkeit.
Rechtschreibung
Meine Arbeit habe ich nach den Regeln der neuen Rechtschreibung verfasst. In den Fällen, in denen alte und neue Zeichensetzung gleichberechtigt zugelassen sind, habe ich vorwiegend die alten Regeln angewandt.
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Inhaltsverzeichnis
1 Medienunabhängig texten 6
1.1 Gleicher Text für Online- und Print-Version. 7
1.2 Weiterführende Aspekte. 9
2 Untersuchung von Print- und Online-Artikeln. 10
2.1 Auswahlkriterien für Magazine 10
2.2 Auswahlkriterien für Artikel. 11
2.3 Erläuterung der Untersuchungskriterien. 12
2.4 Durchführung der Untersuchung 13
2.4.1 PC-Professionell 14
2.4.2 Chip 16
2.4.3 PC-Shopping 18
2.5 Untersuchungsergebnisse zusammengefasst. 20
3 Theorie und Praxis des medienneutralen Textens 22
3.1 Online - Das „schwächere“ Medium? 22
3.1.1 Struktur von Print- und Online-Medium. 23
3.1.2 Vor- und Nachteile des Print-Mediums 25
3.1.3 Vor- und Nachteile des Online-Mediums 25
3.2 Forderungen an Online-Texte 26
3.2.1 Studien als Grundlage 26
3.2.2 Fließtext gestalten 29
3.2.3 Strukturieren 35
3.2.4 Orientieren und Navigieren 39
3.2.5 Hypermedia einsetzen 42
3.2.6 Bilder und Tabellen überarbeiten. 43
3.2.7 Hyperlinks gestalten 46
3.3 Umsetzung der Forderungen 51
3.3.1 Fließtext gestalten 52
3.3.2 Strukturieren 55
3.3.3 Orientieren und Navigieren 57
3.3.4 Hypermedia einsetzen 58
3.3.5 Bilder und Tabellen überarbeiten. 58
3.3.6 Hyperlinks gestalten 58
Seite 4
4 Erkenntnisse und Tipps beurteilen und umsetzen 60
4.1 Texten wie bisher? 60
4.2 Relevanz der Empfehlungen 61
4.2.1 Erkenntnisse aus dem Journalismus verallgemeinern? 61
4.2.2 Forderungen vom technischen Fortschritt überholt? 62
4.3 Intensiver forschen 63
5 Literaturverzeichnis. 64
6 Anhang 66
6.1 Tabellarische Untersuchungsergebnisse 66
6.1.1 PC-Professionell: Power-Tuning auf engstem Raum. 66
6.1.2 PC-Professionell: Virenschutz für Windows XP 67
6.1.3 Chip: 10 ATX-Netzteile für Pentium 4 und Athlon 68
6.1.4 Chip: Sicherheitslöcher im Netz stopfen 69
6.1.5 PC-Shopping: Moderner Sechskampf 70
6.1.6 PC-Shopping: Turbo-Brenner 71
6.2 Korrespondenz. 72
6.2.1 PC Welt vom 18.03.2002. 72
6.2.2 Chip vom 18.03.2002. 72
6.2.3 Chip vom 30.04.2002. 72
6.2.4 PC Praxis vom 18.03.2002 72
6.2.5 Computerwoche vom 17.03.2002 72
6.2.6 PC-Professionell vom 23.04.2002 73
6.2.7 PC-Shopping vom 23.04.2002. 73
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Medienunabhängig texten
1 Medienunabhängig texten
Am Anfang verständigten Menschen sich ausschließlich mündlich. Nur zögerlich konnte sich das geschriebene Wort als neue Kommunikationsform durchsetzen. Der manuelle Aufwand zum Vervielfältigen von Büchern in den Schreibstuben der Klöster war enorm. Mit Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks erfolgte eine entscheidende Wende. Das gedruckte Wort wurde wichtiger. Um 1990 herum begann eine weitere Wende. Das Internet wurde populär. Die rasche Verbreitung und die anfängliche Begeisterung lösten einen noch anhaltenden Online-Boom aus. Texte, die bislang nur gedruckt wurden, sollten nun auch online erscheinen. Da niemand zweimal denselben Text schreiben möchte, kamen Redakteure und Manager auf die „geniale“ Idee, den Text, der für die Print-Ausgabe bestimmt war, für das Online-Medium aufzubereiten. Das Cross-Media-Publishing - auch als Single-Source-Publishing bezeichnet - entstand. Es „...bedeutet die Veröffentlichung von Information mit unterschiedlichen Medien auf der Basis desselben Ausgangsdokuments.“ 1
So einfach wie sich diese Definition anhört, ist es nicht, weil medienspezifische Aspekte berücksichtigt werden müssen. Für das Rezipieren von Papier haben sich bestimmte Mechanismen und Konventionen etabliert, die für das Online-Medium ungeeignet sind. So sind Seitenzahlen und Verweise darauf im Internet ungebräuchlich und wenig hilfreich. Eine Lösung heißt, vom Medium unabhängig texten und damit Texte schaffen, die in beiden Medien brauchbar sind.
Redakteure nennen zusammenfassend folgende Argumente für die Popularität der Cross-Media-Idee:
· innovativ sein, indem man wie die Mitbewerber Online-Dokumente anbietet,
· Herstellungs- und Distributionskosten senken,
· in viele Medien zeitgleich veröffentlichen und
· einem Text einen Mehrnutzen geben.
1 Hasler, online
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Medienunabhängig texten
1.1 Gleicher Text für Online- und Print-Version
Die Idee vom medienunabhängigen Text fasziniert viele Autoren wie Journalisten und Technische Redakteure. Spätestens nach dem ersten spontanen Versuch stellen sie jedoch fest, dass medienneutrales Schreiben gar nicht so einfach ist. Das neutrale Medium ist uns fremd. In einem Fachaufsatz zum Beispiel werden nacheinander alle wichtigen Gedanken ausführlich formuliert. Am Bildschirm würde daraus bei einfacher Konvertierung ein langer Text, der sehr schwer zu lesen wäre. Die Frage ist, ob medienunabhängiges Texten trotzdem möglich ist und wenn ja, welche Regeln zu beachten sind.
Die Meinungen darüber differieren stark. Selbst Horton revidiert seine Auffassung zum medienneutralen Texten zwischen der ersten und zweiten Auflage seines Buches: „The only outright error in the first edition was the first sentence. It said, ‚A book is a book, whether on paper or online.‘ The differences between paper and online documents are profound...“ 2
Wenn es konkret um das Online-Texten geht, wird bald deutlich, dass es sich nicht gravierend vom Schreiben für das gedruckte Medium unterscheidet. Namhafte Autoren stimmen dem zu. Hoofacker schreibt: „dass es speziellen Online-Journalismus gibt, darüber sind sich die Experten inzwischen einig... Wenden Sie deshalb die Regeln für gute journalistische Texte auch auf Ihre Online-Korrespondenz an.“ 3 In einer Kommunikationsplattform für Journalisten im Internet ist zu lesen: „Das journalistische Schreiben fürs Netz unterscheidet sich nicht grundsätzlich vom Schreiben für die Presse. Die Regeln für gutes, angemessenes und zielgruppen-orientiertes Schreiben bleiben die gleichen...“ 4
Muss ein Autor nun für Print-Medien anders als für Online-Medien schreiben oder nicht? Das nächste Zitat weist auf strukturelle Unterschiede hin, die selbstverständlich jeder, der medienneutral texten möchte, beachten muss. „Unterschiedliche Medien benötigen unterschiedliche logische Dokumentstrukturen, um ergonomische Kriterien zu erfüllen.“ 5
„Medienneutral“ umfasst alle Medien. In dieser Arbeit wird das medienneutrale Texten am Beispiel von Print- und Online-Medien erörtert. Für das geschriebene
2 Horton, S. vi
3 Hoofacker, Online publizieren, S. 112
4 Onlinejournalismus.net, online
5 Holzmann, online
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Medienunabhängig texten
Wort sind Print- und Online-Medien am gebräuchlichsten. Fernsehen, Rundfunk usw. werden daher nicht berücksichtigt. Für jedes Medium existieren wieder unterschiedliche Medientypen. Zu den Print-Medien zählen unter anderem
· Magazine und Bücher, also alle klassischen Druckerzeugnisse, aber
· auch alle elektronischen Formate, die für ein druckbares Erzeugnis verwendet werden können wie Word- und pdf-Dokumente.
Die Online-Medien beschränken sich nicht ausschließlich auf das Internet. Der Begriff Online steht heute vielmehr für alle Medien, die ähnliche Strukturen wie Hypertext 6 aufweisen. Eine interaktive Präsentation auf CD-ROM gehört also ebenso wie eine Online-Hilfe dazu.
Die Untersuchung und der theoretische Teil dieser Arbeit konzentrieren sich nur auf gedruckte Artikel aus Computermagazinen und deren Online-Pendants auf den Internetseiten der Verlage. Diese Auswahl sollte zum Erörtern des medienneutralen Textens genügen.
Grundidee des Cross-Media-Publishings ist, dass Print- und Online-Text identisch sind. Medienspezifische Unterschiede müssen sich auf das medienneutrale Texten auswirken.
Das Online-Medium erfordert, dass Print-Texte anders gegliedert werden. Das ist zum Beispiel an mehr und aussagekräftigeren Überschriften und mehr Navigations- und Orientierungshilfen erkennbar.
Online-Texte sollen Hypertexte sein. Oft ähneln sie aber mehr einem elektronischen Papierdokument als einem Hypertext. Ursache ist, dass der Text ursprünglich für das Print-Medium konzipiert und erst anschließend in ein onlinefähiges Format überführt wurde. Online-Texte schöpfen so das Potenzial von Hypertext und Hypermedia - noch - nicht aus.
6 s.h. Kapitel über Struktur von Print- und Online-Medien
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Medienunabhängig texten
1.2 Weiterführende Aspekte
Zum Umfeld des medienneutralen Textens gehören viele Themen, die im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt werden können. Auf einige sei hier exemplarisch hingewiesen.
Die Idee des medienneutralen Textens hat wirtschaftliche Gründe. Indem Autoren Texte nur einmal verfassen und beliebig oft in den unterschiedlichsten Medien publizieren, sparen Unternehmen Geld und Zeit.
Die technische Umsetzung dieser Idee ist jedoch auch ein Kostenfaktor. Für diese Arbeit ist es aber irrelevant, ob Redakteure mit einem Texteditor schreiben und per Hand in HTML kodieren oder ob ein komplexes XML-Redaktionssystem vorhanden ist. Bei größeren Datenmengen bietet sich unbedingt eine Trennung von Inhalt, Layout und Struktur an. Nur so lässt sich effizient in unterschiedlichen Medien publizieren.
Rechtliche Aspekte sind weitgehend ungeklärt. Inwieweit ist zum Beispiel eine Online-Dokumentation ausreichend oder wann braucht der Kunde oder Leser doch eine Print-Version? Oder wie sind Urheberrechte online gesichert, da jeder Autor Texte und Bilder ohne Hürde in eigene Arbeiten kopieren kann?
Texte entstehen in einem Redaktionsprozess. Er muss angepasst werden, wenn zu einer Print-Version auch eine Online-Version erstellt wird. Mitarbeiter müssen für die neuen Arbeitsabläufe geschult werden.
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Untersuchung von Print- und Online-Artikeln
Grundlage der Untersuchung sollten redaktionelle Erzeugnisse mit anspruchsvollem Niveau und hoher redaktioneller Qualität sein. Die Wahl fiel auf Computermagazine. Die behandelten Themen sind dem Autor und Technikredakteuren weitgehend geläufig. Wichtiger ist jedoch die redaktionelle Qualität. Die Leser können zwischen einigen Dutzend nahezu inhaltsgleichen Computermagazinen wählen. Sind die Artikel schlecht geschrieben oder gehen an den Bedürfnissen der Leser vorbei, kann ein Computermagazin nicht bestehen. Die Redakteure bemühen sich demzufolge um gute Artikel.
Jeder der ausgewählten Verlage hat neben der klassischen Redaktion speziell für das Online-Medium ausgebildete Redakteure, die für den Internetauftritt verant-wortlich sind 7 . Da sie mit dem „neuen“ Medium vertraut sind, können sie maßgeschneidert dafür schreiben und sichern so die Qualität der Artikel. Gute Print-Texte werden zu guten Online-Texten.
Tabelle 1: In den Verlagen arbeitet ein Online-Redakteur für fünf bis sieben Print-Redakteure. 8
Die Magazine sollten miteinander vergleichbar sein. Das ist am ehesten durch ähnliche Themen gewährleistet. So wurden außer Hard- und Software für Heimcomputer keine weiteren Fachbereiche berücksichtigt. Es werden Artikel aus folgenden Computermagazinen untersucht:
· PC-Professionell,
· Chip und
· PC-Shopping.
Nicht jedes auflagenstarke Magazin erscheint online, sodass auch weniger bekannte Titel gewählt wurden. Das mag an den vielfältigen Konzepten zur Veröffentlichung der Magazininhalte liegen, die hier - keinesfalls wertend - 7 vgl.Korrespondenz im Anhang
8 vgl. Impressum der Magazine und Internetseiten der Verlage
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Untersuchung von Print- und Online-Artikeln
kurz erwähnt werden. Prinzipiell erscheint von einem klassischen Computermagazin regelmäßig eine Print-Ausgabe. Kunden abonnieren sie oder kaufen sie am Kiosk. Nahezu alle Verlage haben zusätzlich einen Internetauftritt mit einem der folgenden Angebote:
· Download-Möglichkeiten und Diskussionsforen als Ergänzung zum Magazin,
· Archiv älterer Artikel, die als Datei vorliegen oder
· die Inhalte des Magazins sind nahezu vollständig online.
Der Leser kann entweder alle diese Angebote kostenlos nutzen oder muss registriertes Mitglied beim Verlag sein und eventuell für einzelne Leistungen etwas zahlen. Für die Untersuchung wurden Magazine gewählt, deren Heftinhalte jeder Leser ohne zusätzliche Kosten und Registrierung online abrufen kann.
2.2 Auswahlkriterien für Artikel
Bei der Auswahl der Artikel ist das wichtigste Kriterium die Vergleichbarkeit. Das heißt, die Artikel sollten einen ähnlichen Aufbau und ein ähnliches Thema haben. Idealerweise gäbe es in jedem Magazin zum Beispiel einen Test über CD-ROM-Laufwerke mit 40-facher Brenngeschwindigkeit. Die Themen der Hefte gleichen sich sehr. So berichten alle Magazine über Messeneuheiten oder bieten Tipps zum Optimieren von Microsoft Windows an. Viele Artikel erscheinen aber nicht online. Um die Vergleichbarkeit zu erhalten, wurden allgemeinere Kriterien gewählt.
Jedes Computermagazin enthält Tests gleichartiger Produkte. Meistens wird ein Sieger und/oder ein Preissieger benannt. Der Vergleich von Virenscannern für Windows XP ist ein Beispiel dafür. Workshops sind eine andere Rubrik, in der Leser zu einem speziellen Thema eine Anleitung finden. Tipps zum Optimieren von Windows gehören in diese Rubrik. Untersucht wurden aus jedem Magazin ein Vergleichstest und ein Workshop. Ausnahme bildet die PC-Shopping, die online nur Testberichte anbietet.
Nebenbei bemerkt sei, dass deskriptive und anleitende Texteile ähnlich wie in dieser Artikelauswahl in technischer Dokumentation vorkommen. Damit können etwaige Erkenntnisse problemlos auf den Bereich der Produktdokumentation übertragen werden.
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Untersuchung von Print- und Online-Artikeln
2.3 Erläuterung der Untersuchungskriterien
Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung wurden tabellarisch dargestellt. Dieses Kapitel dient dem besseren Verständnis der einzelnen Untersuchungskriterien.
Die Untersuchungskriterien wurden in vier Rubriken unterteilt. „Texten“ betrifft den Fließtext. Von ihm hängt maßgeblich ab, ob Redakteure für Online- anders als für Print-Medien schreiben müssen. Unter der Rubrik „Navigation/Struktur“ werden Gliederung und Navigationsmöglichkeiten untersucht, weil sich darin die Texte deutlich unterscheiden sollten. „Tabellen“ und „Bilder/Grafiken“ können für das Textverständnis wichtig sein und sind beim Konvertieren vom gedruckten in das Online-Medium oft problematisch.
Dem Single-Source-Prinzip folgend, müssten beide Textversionen jeweils gleich lang sein. Dies lässt sich mit einem einfachen Zählen der Wörter feststellen. Der Lead ist einem Artikel vorangestellt, soll Lust aufs Lesen machen und die wichtigsten Aussagen zusammenfassen.
Fette, kursive, unterstrichene und farbige Textmarkierungen heben Wörtern oder Satzteilen im Fließtext optischen hervor. Die ausgezeichneten Passagen unterscheiden sich dann deutlich vom Textblock. Häufiger Gebrauch unterstützt das Querlesen, weil der Blick zuerst auf diese markierten Textteile fällt. Links, Überschriften und Bildunterschriften werden dabei nicht berücksichtigt, denn ihre typographische Hervorhebung ist selbstverständlich, unterstützt aber nicht unmittelbar das Rezipieren des Textes.
Typische Verweise in einem gedruckten Text sind Querverweise auf Seitenzahlen wie „Weiter auf Seite 118.“ Online erwartet der Leser statt dessen einen Hyperlink zu der angegebenen Stelle ohne Erwähnung der Seitenzahl.
Die Anzahl der Seiten weist auf eine Neugliederung der Online-Texte hin. Festgelegt wird: „page“ ist ein einzelnes Online-Dokument, das oft durch eine Datei repräsentiert wird und mit weiteren Seiten verbunden ist. Eine Seite kann - abhängig von der Größe - mehrere Bildschirme füllen. Ein „screen“ ist der „...Inhalt einer Bildschirmseite (engl. screen). Das ist lediglich der in diesem Augenblick am Bildschirm sichtbare Ausschnitt aus der gesamten Seite.“ 9
9 Hoofacker, Online-Journalismus, S. 31
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Untersuchung von Print- und Online-Artikeln
Überschriften gliedern Fließtexte in Abschnitte und fassen Kernaussagen zusammen. Untersucht wird, ob sie online unverändert übernommen werden.
Die Identifikation mit dem Magazin ist wichtig, um Artikel auch außerhalb des Kontexts z. B. nach dem Fotokopieren eines Artikels oder dem Speichern einer Seite eindeutig dem Magazin zuordnen zu können. Datum oder Ausgabe des Magazins zeigen dem Leser, ob der Artikel für ihn relevant ist.
Online hilft ein vollständiger Lesepfad wie „Workshop - Firewall - Einleitung“ das Phänomen „Lost in Cyberspace“ zu vermeiden. Um unterschiedliche Leserbedürfnisse zu befriedigen, sollten die Artikel das sequentielle Lesen unterstützen und den Einstieg an jeder beliebigen Stelle ermöglichen.
Tabellen und Bilder sind oft für einen Bildschirm zu groß oder zu detailliert. Sie lassen sich nur umständlich automatisch konvertieren. Und doch gehören sie zum Online-Text wie zu einem Print-Text. Deshalb werden sie untersucht, aber nicht wissenschaftlich analysiert, denn allein zur Wirkung von Bildern gibt es umfangreiche Studien. Qualität und Größe der Bilder werden nur nach Augenschein beurteilt und nicht exakt nach optischer Auflösung.
2.4 Durchführung der Untersuchung
Nach Festlegen von Auswahlkriterien für Magazine und Artikel wurden die Magazine und passende Artikel ausgewählt und die Online-Pendants auf den Internetseiten der Verlage gesucht. Nach Leseprobe von zwei bis drei Print- und Online-Artikeln wurden einige Auswahlkriterien wegen fehlender Relevanz weggelassen oder überarbeitet. Zum Vergleich von Print- und Online-Version eines Artikels wurde jeweils eine Tabelle benötigt, die alle Kriterien enthält. Anschließend wurde jeder Artikel den Kriterien entsprechend untersucht und die Ergebnisse in die Tabellen eingetragen. Die tabellarischen Ergebnisse sind im Anhang aufgeführt. Für jedes der drei Magazine finden Sie auf den nächsten Seiten die Untersuchungsergebnisse kurz zusammengefasst. Mit dem Vorstellen der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der Forderungen an Online-Texte werden einzelne Aspekte nochmals genauer betrachtet.
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Untersuchung von Print- und Online-Artikeln
2.4.1 PC-Professionell
PC-Professionell überführt das Magazin in ein hochwertiges Online-Pendant. Die Redaktion übernimmt nahezu alle Abschnitte aus dem Magazin ins Internet. Der Online-Text ist geringfügig kürzer, weil der erste gedruckte Absatz die Funktion des Leads übernimmt. Fast alle fetten und kursiven Hervorhebungen des lesefreundlichen Fließtexts entfallen. Man könnte meinen, die Texte wären für das Online-Medium konzipiert, da die kurzen Abschnitte bequem auf einen Bildschirm passen. Gelegentlich teilen die Redakteure die schon kurzen Absätze in noch kleinere. Aus manchen Absätzen entstehen vier neue. PC-Professionell passt typische gedruckte Verweise nicht an das andere Medium an. Unter anderem sucht der Leser die „...folgenden Punkte...“ 10 vergebens. Sie befinden sich erst nach dem nächsten Absatz in einem neuen Kapitel und damit auf einer anderen Seite. Warum online etwas „...ab Seite 110 nachzulesen...“ 11 sein sollte, bleibt ein Rätsel, denn die Seitennummern aus dem Heft entfallen. Die Internetadressen werden in Hyperlinks umgewandelt und führen damit direkt zu den Informationen im World Wide Web.
Die Online-Version besteht aus bedeutend mehr Seiten als der gedruckte Artikel. Daraus ließe sich auf besser aufbereitete Informationen schließen, aber inhaltlich bietet sich dem Leser ein etwas zwiespältiges Bild. Positiv fällt auf, dass die Redakteure selbst dem kurzen Artikel „Power-Tuning“ eine Übersichtsseite spendieren. Der Artikel „Virenschutz“ hat sie in beiden Medien. Nachteilig ist, dass das Glossar online wegfällt. Vorteilig wiederum ist, dass die Redakteure die Reihenfolge der Kapitel dem neuen Medium anpassen. Pro Bildschirmseite wird nur ein Thema behandelt. Im Magazin können es drei gleichzeitig sein. Innerhalb der Kapitel folgen die Abschnitte jedoch wieder der gedruckten Ausgabe.
Das Heft ist im typischen Magazinlayout gesetzt. Ein zweispaltiges, teilweise mit Marginalien versehenes und ein dreispaltiges Layout wechseln sich ab. Online verwendet PC-Professionell einspaltigen Flattersatz. Etwa 75 Zeichen pro Zeile lesen sich angenehm. Überschriften, Lead und typografische Auszeichnungen werden durch fette und unterschiedlich große Schrift dargestellt. Die auf Papier gut lesbare Serifenschrift wird durch eine für den Bildschirm geeignetere serifenlose ersetzt.
10 PC-Professionell, Vergleichstest Virenschutz, online
11 ebd.
Seite 14
Untersuchung von Print- und Online-Artikeln Begrenzt wird der Text durch typische Navigationselemente wie eine Navigationsleiste für den gesamten Online-Auftritt von PC-Professionell, Anzeigen und eine stetig aktualisierte einzeilige Anzeige von Nachrichten. Gleich zweimal findet der Leser die für die Navigation innerhalb eines Artikels erforderlichen Elemente, nämlich über und unter dem Fließtext. Da auch noch der aktuelle Lesepfad jeder Seite vorangestellt ist, können die Leser sich jederzeit hervorragend orientieren. Eine Vielzahl von Navigationsmöglichkeiten laden zum sequentiellen Lesen und zum Stöbern ein. Dazu gehören:
· der Link zur Übersichtsseite,
· Links zu jeder Seite innerhalb desselben Kapitels,
· Links zu jedem anderen Kapitel des Artikels und
· ein Link zur nächsten Seite des Kapitels, das mit Überschrift angezeigt wird.
Dass zum Online-Angebot ein gedrucktes Magazin existiert, ist jederzeit ersichtlich. Die Übersichtsseite gibt Auskunft über das Erscheinen des Artikels im Magazin. Das Logo von PC-Professionell ist permanent in der linken oberen Ecke sichtbar und eine Werbung fordert zum Abonnieren der Zeitschrift auf.
Eine große Tabelle aus dem Magazin wird in viele kleinere aufgeteilt. Der Leser findet online bedeutend weniger Bilder, die teilweise kleiner als die gedruckten sind und etwas geringere Qualität haben.
Abbildung 1: Schlichtes funktionsorientiertes Layout bei PC-Professionell am Anfang jeder Seite.
Seite 15
Arbeit zitieren:
Michael Loseries, 2002, Medienneutral texten. Theorie und Praxis am Beispiel von Print- und Onlineartikeln aus Computermagazinen, München, GRIN Verlag GmbH
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