1 Einleitung 1
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Authentizität 3
2.1.1 Authentizität Begriffsklärung 3
2.1.2 Authentizität im Englischunterricht 3
2.1.3 Authentizität von Sprachanlässen 5
2.2 Fremdsprachenunterricht mit Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf 7
2.2.1 Fremdsprachenunterricht mit Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
im Förderschwerpunkt Sehen 7
2.2.2 Fremdsprachenunterricht mit Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung 9
3 Lernvoraussetzungen der Schüler 11
3.1 Zusammensetzung der Lerngruppe und Klassensituation 11
3.2 Lern und Arbeitsverhalten im Fach Englisch 12
3.3 Lernvoraussetzungen der einzelnen Schüler 12
4 Möglichkeiten der methodischen Umsetzung von authentischen Sprachanlässen
im Englischunterricht der Klasse 6S 16
5 Darstellung der Unterrichtsarbeit 19
5.1 Rahmenlehrplanbezug 19
5.2 Ziele der Unterrichtseinheit 21
5.3 Aufbau der Unterrichtseinheit Sightseeing 22
5.4 Organisatorische Voraussetzungen 25
5.5 Didaktisch-methodische Entscheidungen zur Unterrichtseinheit Sightseeing 25
5.6 Ausgewählte Unterrichtsbeispiele 27
5.6.1 Stunde 1: A Letter For You 27
5.6.1.1 Thema der Stunde 27
5.6.1.2 Ziele der Unterrichtsstunde 27
5.6.1.3 Methodische und sonderpädagogische Entscheidungen 28
5.6.1.4 Planung und Durchführung der Stunde 29
5.6.1.5 Analyse der Stunde A Letter For You 30
5.6.2 Stunde 9: Practice Makes Perfect 32
5.6.2.1 Thema der Stunde 32
5.6.2.2 Ziele der Unterrichtsstunde 33
5.6.2.3 Methodische und sonderpädagogische Entscheidungen 33
5.6.2.4 Planung und Durchführung der Stunde 35
5.6.2.5 Analyse der Stunde Practice Makes Perfect 36
5.6.3 Stunden 10 und 11: Our Mock Sightseeing Tour 38
5.6.3.1 Thema der Stunden 38
5.6.3.2 Ziele der Unterrichtsstunden 38
5.6.3.3 Methodische und sonderpädagogische Entscheidungen 38
5.6.3.4 Planung und Durchführung der Stunden 40
5.6.3.5 Analyse der Stunden Our Mock Sightseeing Tour 41
6 Gesamtreflexion 43
7 Literatur 46
Einleitung
„Wozu sollen wir Englisch lernen? Brauchen wir doch eh nie...“ So empfing mich die Klasse 6S am ersten Tag unseres gemeinsamen Schuljahres. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr lang Fremdsprachenunterricht erhalten 1 und das anfängliche Interesse, durch das der Englischunterricht der fünften Klasse geprägt ist, war einer Resignation gewichen, die es nun zu überwinden galt.
Das Problem, welches sich in der Klasse 6S ergibt, besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler 2 im Englischunterricht nicht auf ihre sprachlichen Fähigkeiten in der Fremdsprache angewiesen sind, um Situationen innerhalb der Stunde zu bewältigen. Es ist für sie nicht zwingend notwendig, in Englisch zu sprechen, da die anderen Schüler, ebenso wie die Lehrerin, Deutsch verstehen.
Ebenso wenig ist für die Schüler der Klasse 6S eine Bedeutung des Fremdsprachenunterrichts für ihre momentane und zukünftige Lebenssituation ersichtlich. Weder sind Reisen ins Ausland geplant, noch erwecken berufliche Perspektiven den Wunsch, Englisch zu lernen. Die Folge sind ungenügende Schülerleistungen durch eine mangelnde Einstellung zum Lerngegenstand und eine aus den schlechten Noten resultierende sehr negative Einstellung zum Unterrichtsfach.
Da das Erlernen einer Fremdsprache jedoch nach LADO 3 stark verbunden mit der Motivation der Lernenden und laut BRECHHEIM 4 die Einstellung der Schüler zum Englischunterricht letztlich bedeutsamer als Begabung ist, muss die fehlende unmittelbare Lernnotwendigkeit von mir als Lehrerin durch eine entsprechende Unterrichtsgestaltung geschaffen werden. Es müssen Unterrichtssituationen angeboten werden, die die Schüler motivieren und die Englisch als Kommunikationssprache unabdingbar machen. Für die tägliche Unterrichtspraxis heißt das, im Einklang mit den Forderungen des Rahmenlehrplans an festgestellte bzw. vermutete Wünsche der Schüler, den Englischunterricht betreffend, anzuknüpfen.
Seit Mitte der siebziger Jahre tritt die Motivationsproblematik verstärkt in den Mittelpunkt fremdsprachenmethodischer Untersuchungen. 5 In diesem Zusammenhang wird vor allem authentischer Sprachunterricht in der Fachliteratur als besonders motivierendes Moment dargestellt.
1 Sie erhielten diesen Unterricht bei einer anderen Lehrerin.
2
Für Schülerinnen und Schüler (ebenso für Lehrerinnen und Lehrer) soll im Folgenden
geschlechtsübergreifend Schüler (Lehrer) verwendet werden.
3
vgl. Lado, 1976, S. 29
4
vgl. Brechheim, 1990, S. 4
5
Apelt, 1981, S.15ff.
1
Die zentrale Fragestellung der hier vorliegenden Arbeit ist daher, ob durch das Schaffen authentischer Sprachanlässe im Unterricht eine Steigerung der Motivation der Schüler der Klasse 6S erreicht werden kann. Das übergeordnete Ziel der ausgewählten Unterrichtsreihe besteht darin, bei den Schülern die Erkenntnis zu wecken, dass die englische Sprache auch für ihren Alltag relevant ist und sie eben nicht, wie sie es ausgedrückt haben, Englisch „eh nie brauchen“.
Um dies zu erreichen, werde ich mich innerhalb der Unterrichtsreihe von den Methoden des bisherigen Englischunterrichts lösen. Die klassische Lehrbucharbeit, ebenso wie die Arbeit mit dem Wochenplan, ist für die Klasse 6S im Englischunterricht wenig geeignet und soll nun durch für die Schüler authentischere Themen und Aktivitäten ausgetauscht werden.
Nach dieser Einführung in die Problemstellung der Examensarbeit bildet der Begriff der Authentizität notwendigerweise den Ausgangspunkt der weiteren Untersuchung dieser Arbeit. Der Darstellung des Standes der Fachliteratur zum Begriff der Authentizität, ihrer Relevanz für den Sprachunterricht und der allgemein zur Verfügung stehenden Möglichkeiten authentischer Sprachanlässe im Englischunterricht folgt sodann die Einführung in die spezielle Didaktik für den Englischunterricht mit Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt „Sehen“. Der für den allgemeinen Sprachunterricht entwickelte Begriff der Authentizität wird hier im Rahmen der besonderen Erfordernisse des sonderpädagogischen Unterrichts betrachtet.
Nach den unterrichtstheoretischen Grundlagen des zweiten Kapitels stellt das dritte Kapitel die konkreten Lernvoraussetzungen meiner Schüler vor, anhand derer ich im vierten Kapitel die methodischen Möglichkeiten der Umsetzung von Authentizität im Englischunterricht diskutiere. Das von mir abgeleitete Ergebnis mündet im fünften Kapitel in der Idee für eine Unterrichtsreihe, deren Aufbau zunächst als Gesamtheit vorgestellt wird, bevor eine ausführliche Darstellung der Planung, Durchführung und Analyse dreier ausgewählter Unterrichtsstunden erfolgt.
Dem schließt sich die zusammenfassende und wertende Gesamtreflexion zu der in dieser Arbeit behandelten Problematik an.
2
1 Theoretische Grundlagen
1.1 Authentizität
1.1.1 Authentizität - Begriffsklärung
Die deutsche Brockhaus Enzyklopädie 6 gibt für „Authentizität“ zwei Hauptbedeutungen an, zum einen „Echtheit“, zum anderen „Zuverlässigkeit“, „Glaubwürdigkeit“ oder „Verbürgtheit“. Ein Dokument wird demnach als „authentisch“ bezeichnet, wenn dieses echt ist, d.h. nicht gefälscht oder nachgebildet. Informationen dagegen werden als authentisch erklärt, wenn sie Geschehnisse glaubwürdig oder durch andere Quellen verbürgt wiedergeben. Das englische Oxford Advanced Learner’s Dictionary of Current Englisch 7 umschreibt die Bedeutung von “authentic” mit den Worten “known to be real or genuine and not a copy” 8 , “true and accurate” 9 und “made to be exactly the same as the original” 10 . Als Beispielsätze werden “I don’t know if the painting is authentic.” 11 , “That’s an authentic account of life in the desert.” 12 und “This is an authentic model of an ancient town.” 13 genannt. Die oben aufgeführten deutschen Beispiele haben also in “the authenticity of a document” 14 und ”authentic information“ 15 ihre englischen Entsprechungen, doch geht die englische Bedeutung des Wortes noch einen Schritt weiter und erklärt auch Faksimiles in einem gewissen Sinne zu authentischen Objekten.
1.1.2 Authentizität im Englischunterricht
In der didaktischen Literatur des Fremdsprachenunterrichts besteht auch heute noch wenig Konsens über die Frage, wie Authentizität definiert werden kann.
HOLDEN konstatiert hierzu: “What is authentic? Is it confined to such things as bus tickets
and snippets of ‘real’ conversations from the target language? Or does it include anything written or spoken by a native speaker of the target language, even if that person is a language teacher, and thus able – or prone – to monitor his language?” 1617
6 vgl.: Brockhaus, 1990
7 vgl.: Oxford Advanced Learner’s Dictionary, 2000 8 Übersetzung: „als real oder echt bekannt und keine Kopie“ 9 Übersetzung: „wahr und akkurat“ 10 Übersetzung: „genauso gemacht wie das Original“ 11 Übersetzung: „Ich weiß nicht, ob das Gemälde authentisch ist.“ 12 Übersetzung: „Das ist eine authentische Darstellung des Lebens in der Wüste.“ 13 Übersetzung: „Das ist ein authentisches Modell einer antiken Stadt.“ 14 Übersetzung: „Authentizität eines Dokuments“ 15 Übersetzung: „authentische Information“ 16 Holden, 1981, S. 1 17 Übersetzung: „Was ist authentisch? Ist es begrenzt auf solche Dinge wie Busfahrkarten oder Fetzen realer Gespräche der Zielsprache? Oder beinhaltet es alles, was von einem Muttersprachler der Zielsprache gesprochen oder geschrieben wurde, auch, wenn diese Person ein Sprachlehrer ist und demnach in der Lage - oder geneigt - seine Sprache zu kontrollieren?“
3
Trotz unterschiedlicher Auffassungen kann jedoch als kleinster gemeinsamer Nenner die fehlende didaktische Komponente als das entscheidende Kriterium eines als authentisch zu bezeichnenden Materials angesehen werden. Es sollte nicht eigens für die Nutzung im Unterricht hergestellt oder bearbeitet, sondern ursprünglich und echt sein.
So spricht HEUER von authentischen Texten „im Gegensatz zu didaktisch konstruierten“ 18 und BROUGHTON et al definieren authentische Materialien als “spoken or written materials not specially written for classroom use but taken from the media or real life.“ 19, 20 Nach dieser Festlegung sind folglich die Videoaufnahmen einer Unterhaltungssendung des britischen oder nordamerikanischen Fernsehens oder eine auf Kassette mitgeschnittene Nachrichtensendung eines englischen Radiosenders authentisches Material, ebenso wie eine Ausgabe der NY Times oder des Daily Mirror, eine Eintrittskarte des Londoner Natural History Museums oder eine mitgebrachte amerikanische Kekspackung, nicht dagegen ein für den Englischunterricht konzipiertes Spiel auf CD-ROM oder die verkürzte und sprachlich vereinfachte Version eines Romans von Jane Austen.
Dennoch ist die Zuordnung in einigen Fällen problematisch, wie aus dem eingangs wiedergegebenen Zitat 21 von HOLDEN ersichtlich wird. So wäre der von einem Sprachlehrer mit Englisch als Muttersprache geschriebene oder gesprochene Text, den HOLDEN erwähnt, in dem hier dargelegten Sinne nicht als authentisch anzusehen, wenn dem Muttersprachler bewusst war, dass der Text im Sprachunterricht eingesetzt wird. Analog dazu wären auch Fotos, die ein Englischlehrer auf seiner Kanadareise macht, um sie seiner Klasse zur Erweiterung ihrer landeskundlichen Kompetenzen zu zeigen, nicht als authentisches Material einzustufen.
Es werden deshalb in der englischen Fachdidaktik verschiedene Grade der Authentizität unterschieden: authentisch, quasi-authentisch und semi-authentisch.
Authentisches Unterrichtsmaterial ist dasjenige, das dem Fremdsprachenlerner im „Ernstfall“ begegnet, d.h. englische Bücher, Zeitschriften, Comics, Radionachrichten, Ansagen auf Flughäfen und Bahnhöfen sowie das echte Gespräch mit Muttersprachlern, wie z.B. englischsprachigen Austauschschülern. Ein quasi-authentisches Unterrichtsmaterial wäre u.a. oben beschriebene Fotoserie von Kanada, während Materialien, die stärker pädagogisch geprägt sind, als semi-authentisch bezeichnet werden, so z.B. die vereinfachte und verkürzte Version eines Originaltextes. 22
18 Heuer, 1979, S. 167
19 Broughton et al, 1980, S. 215 20 Übersetzung: „gesprochene oder geschriebene Materialien, die nicht speziell für die Nutzung im Klassenzimmer geschrieben, sondern aus den Unterhaltungsmedien oder dem wahren Leben entnommen wurden“ 21 siehe 2.1.2 „Authentizität im Englischunterricht“, erster Absatz, S. 6 22 vgl. Brütting. In Heuer et al, 1979, S. 242-246
4
1.1.3 Authentizität von Sprachanlässen
Nachdem der Authentizitätsbegriff jahrzehntelang ausschließlich das Material (authentische Texte) implizierte und damit sehr einseitig, ja monopolistisch definiert wurde, hat sich vor dem Hintergrund eines konstruktivistischen Konzepts von Lehren und Lernen, in dem die individuelle Schülerpersönlichkeit im Vordergrund steht, auch der Authentizitätsbegriff weiterentwickelt. Er ist wesentlich differenzierter geworden und umfasst nunmehr auch andere Aspekte als den bloßen Materialbezug.
Der heutige Blick auf Authentizität betrachtet vor allem die Sprachanlässe, welche dem Schüler im Unterricht dargeboten werden. Sie lassen sich nach SIEBOLD unterscheiden in „Authentizität des Textes/Materials“, „Authentizität als Bezug auf die Lebenswirklichkeit“ und „Authentizität der Person“: 23
Authentizität des Textes/Materials
Ein authentischer Text ist im fremdsprachendidaktischen Sinne einer, der nicht originär für den Gebrauch im Unterricht Englisch als Fremdsprache entstanden ist. Ein authentisches Material ist eines, das in dem Bezugsland Gebrauchgegenstand ist. Der Einsatz von authentischen Texten und Materialien, z.B. Gedichten, Zeitungsartikeln, Fahrkarten, dient der Dokumentation einer anderen Kultur, kann eine stark motivierende Kraft haben und den Schüler zum Sprechen über den Gegenstand motivieren.
Nach DAVIES kann das Lesen von Originaltexten vor allem fortgeschrittenen Lernern Erkenntnisse zu Register, stilistischen Gebrauchsentscheidungen sowie Genres vermitteln. 24 Für Anfänger sind solche Texte jedoch in der Regel zu schwierig und müssen didaktisch reduziert werden. 25
Authentizität als Bezug zur Lebenswirklichkeit
Authentizität wird in diesem Zusammenhang zum einen im Sinne des Ansprechens lebensweltlicher Erfahrungen der Lerner und zum anderen im Sinne der Zweckgebundenheit ihrer fremdsprachlichen Äußerungen verstanden.
Mittelpunkt sind die im Schüler ablaufenden Prozesse, die durch die Interaktionen Schüler - Aufgabe und Schüler - Lehrer induziert werden 26 und somit den Unterrichtsinhalten Echtheit
23 vgl. Siebold, 1997, S. 15-21
24 vgl Davies, 1997, S. 8-17
25 Dann können sie jedoch nicht mehr als „authentischer Text“ definiert werden, sondern sind semi-
authentisch.
26 vgl. Tsui, 1995, S. 10
5
und Glaubwürdigkeit verleihen, d.h. sie authentisieren, weil sie den Bedürfnissen und Interessen des Schülers zu einem bestimmten Zeitpunkt entsprechen.
ROBINS beschreibt dies als „Konzept der Intentionalität”: “…in the everyday world, the word
‘authentic’ can […] convey a sense of intentionality, such as feeling of perceived realness.” 27, 28 Sie versteht unter authentischen Sprachanlässen demnach Situationen und Handlungen, die der Schüler als glaubhaft akzeptieren kann, selbst, wenn sie didaktisch-methodisch inszeniert sind. 29 Auch RÖVER betont die Bedeutung der Authentizität von Sprachintentionen. Sie sei vorhanden, wenn der Schüler das kommunikative Bedürfnis hat, sich in der Fremdsprache mitzuteilen. Davon grenzt er simulierte Kommunikation ab, die dem Üben routinehaften Verhaltens in Alltagssituationen dient. 30
Authentizität der Person
Authentizität der Person im Englischunterricht bedeutet „Echtheit“ im Sinne des Reflektierens eigener Gedanken, Vorstellungen, Hoffnungen, Einstellungen, Wünsche und Gefühle in der Fremdsprache. Ein authentischer Sprachanlass in diesem Sinne ist einer, der die Schüler dazu anregt, über sich selbst zu sprechen. Häufig schränkt das begrenzte Ausdrucksvermögen des Schülers jedoch die Artikulation über sein Selbst ein und führt nicht selten zu Frustrationen. Andererseits kann das Überwinden dieser sprachlichen Hindernisse eine erhebliche Steigerung der Motivation bewirken, wenn es vom Schüler ohne Hilfe des Lehrers erreicht wurde und zum gewünschten Ergebnis führte.
Diese Auslegung von Authentizität bezieht sich auf Lern- und Entwicklungsprozesse der Schüler und gehört zu den übergreifenden Idealen und Zielen des Englischunterrichts. 31
Bevor ich nun im weiteren Verlauf dieser Examensarbeit versuche, die gerade beschriebene Theorie authentischer Sprachanlässe im Englischunterricht in die praktischen Gegebenheiten an meiner Schule und in meiner Klasse einzubinden und darzustellen, halte ich es für wichtig, zunächst allgemein auf die spezifischen Lernvoraussetzungen der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Fremdsprachenunterricht einzugehen.
27 Robins, 1996, S. 20
28 Übersetzung: „In der alltäglichen Welt kann das Wort ‚authentisch’ ein Gefühl der Intentionalität vermitteln, wie z.B. ein Gefühl von empfundener Realität.“ 29 Dabei sollte der Schüler idealer Weise jedoch nicht erkennen, dass sie „nur“ inszeniert und nicht echt sind.
30 vgl. Röver, 1996, S. 12-14 31 vgl. Siebold, 1997, S. 15-21
6
1.2 Fremdsprachenunterricht mit Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
1.2.1 Fremdsprachenunterricht mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt „Sehen“
„Im sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Sehen“ werden [...] Schüler gefördert, die wegen einer erheblichen Sehschädigung oder wegen Blindheit ihre Fähigkeiten und Anlagen in der Schule ohne diese Förderung auch unter Einsatz von Hilfsmitteln nicht angemessen entwickeln können.“ 32 Bei ihnen ist die organische Sehfähigkeit behinderungsbedingt herabgesetzt. Diese Einschränkung kann sich auf unterschiedliche Sehfunktionen beziehen, vor allem auf die Sehschärfe für die Nähe und für die Ferne, das Gesichtsfeld, den Farbensinn und das Raumsehen. 33 Nach RAHNER 34 können durch die Sehbehinderung allgemein folgende Beeinträchtigungen auftreten:
Wahrnehmungsprobleme, verbunden z.B. mit Rechtschreibproblemen,
- Verbalismus,
- schnelles Nachlassen der Konzentration durch zu hohe kognitive Beanspruchung
- (durch psychische Kompensation; stärker geforderte Präsenz durch kleine Klassenstärke), erschwerte Imitation nonverbaler Anteile der Kommunikation,
- Erfahrungsdefizite bei mangelnder frühkindlicher Förderung oder ungünstigen
- familiären Bedingungen.
Das Ziel der Förderung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt „Sehen“ ist laut Verordnung über die sonderpädagogische Förderung „insbesondere die Erschließung der Umwelt, die Entwicklung von Orientierungsstrategien und Verhaltensweisen zur Bewältigung des Alltags in bekannter und unbekannter Umgebung, die Steigerung der Mobilität und der Erwerb lebenspraktischer Fertigkeiten.“ 35
Der Englischunterricht mit Schülern, die sonderpädagogischen Förderbedarf im Förderschwerpunkt „Sehen“ haben, orientiert sich grundsätzlich an den Rahmenlehrplänen der allgemeinen Schule. Die Lernziele, Lerninhalte, Unterrichtsverfahren und Lernzielkontrollen sind in angemessener Weise den Bedürfnissen der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich „Sehen“ anzupassen. 36 Für den Fremdsprachenunterricht Englisch gibt der Rahmenlehrplan für Sehbehinderte folgende Empfehlung: „Realitätsnahe Sprechanlässe müssen vor allem auch im
32 SopädVo, 19. Januar 2005, §7
33 vgl. KMK, 1979, S. 3
34 vgl. Rahner , 1984, S. 59
35 SopädVo, 19. Januar 2005, §7
36 vgl. KMK,1979, S. 2
7
Arbeit zitieren:
Katja Seide, 2005, Authentische Sprachanlässe im Englischunterricht bei Schülerinnen und Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Sehen“, dargestellt an ausgewählten Beispielen in einer 6. Klasse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Katja Seide hat den Text Authentische Sprachanlässe im Englischunterricht bei Schülerinnen und Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Sehen“, dargestellt an ausgewählten Beispielen in einer 6. Klasse veröffentlicht
Katja Seide hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare